Zum Inhalt
salzbibel.deForschungsprojekt
Darstellung
Darstellung
Schriftgröße
Zeilenabstand
Farben
Kontrast
Bewegung
Schriftart

Alle Einstellungen mit Erläuterung

Rhenanus

Die Reiseberichte

1568 durch die mitteldeutschen Salzwerke, 1584 nach Pommern — das Reisebuch der Salzbibel im Zusammenhang

Ein Buch im Buch

Der vierte Appendix der Salzbibel ist Rhenanus’ Reisebuch: „Mein, Johannes Rhenanus’, Reisebuch und Bericht von allerlei Salzwerken und Salzbrunnen, die ich hier und dort gesehen habe“, wie es die Inhaltsübersicht nennt. Er füllt die Seiten 727 bis 884 des zweiten Bands und ist der einzige Teil des Werks, der bisher ediert wurde (Hans-Henning Walter, Das deutsche Salinenwesen im 16. Jahrhundert, Freiberg 1989).

Er enthält zwei Reisen. Die erste, im Sommer 1568, führt im Auftrag Landgraf Wilhelms IV. durch die Salzwerke Thüringens und des Erzstifts Magdeburg; eingeschoben sind zwei Gutachten, die Rhenanus im November 1569 für den Kurfürsten von Sachsen mitunterzeichnete. Die zweite, im Frühjahr 1584, führt ihn als Gutachter des Herzogs Ernst Ludwig nach Pommern — fünf Fahrten von Wolgast aus, von Greifswald bis Stettin, von Hiddensee bis Tribsees.

Diese Seite erzählt beide Reisen im Zusammenhang und bleibt dabei nah am Text. Was in Anführungszeichen steht, ist wörtlich aus der Übersetzung genommen; jede Station verweist auf das Faksimile und auf den Ortsartikel der Karte.

Handschriftenseite: Beginn des vierten Appendix, des Reisebuchs
Der Beginn des Reisebuchs in der Reinschrift (Bd. 2, S. 727). Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 727 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Die Reise von 1568

Der Auftrag: reisen, messen, aufschreiben

Rhenanus erklärt die Vorgeschichte selbst. Landgraf Wilhelm habe zu Beginn seiner Regierung beschlossen, nicht allein eine allgemeine Beschreibung des Salzwerks Sooden mit allen Anhängen aufzuschreiben, „sondern auch eine besondere, daraus ausgezogene Ordnung“ aufzustellen — und dann „im Lauf der Sache befunden“, dass ein solches Vorhaben „ohne Erfahrung vieler Salzwerke nach allen Umständen nicht vollständig und gebührend ausgeführt werden könne“. Also schickt er seinen „derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk“ auf die Reise.

Die Instruktion, „Unterzeichnet zu Kassel, den 28. Juni Anno Domini 1568“, nennt die Ziele: „zu Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde“. Und sie sagt, wie er auftreten soll: „Erstens soll er an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen, die er, wo er es für ratsam hält, den Befehlshabern des Salzwerks übergeben soll.“ Für den Fall, dass er sich zu erkennen gibt, ist die Erklärung vorformuliert: nicht, „dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte, sondern allein deshalb, damit man dieses unser Salzwerk desto beständiger und besser mit guter Ordnung, Wasserkünsten, Bauten und anderem einrichten könne“.

Der entscheidende Satz steht danach: „Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen und es sodann mit hierher bringen.“ Dazu soll er erkunden, „wie die Sole gefasst ist, desgleichen wie man an jedem Ort siedet“, welche Künste die Sole holen und das wilde Wasser abweisen, und „mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind“.

Ein Nachtrag von anderer Hand, gezeichnet „Heinrich Hesberg, selbst“, erweitert den Auftrag um den Brennstoff: Rhenanus soll sich „auch nach Bremen verfügen und sich über alle Umstände des Bois erkundigen, ob dieser in großer Menge zu bekommen ist und wie teuer ungefähr eine Tonne“. Bois ist Torf. Die Holznot reist mit.

Das Probiergerät

Was Rhenanus im Gepäck hatte, beschreibt das Reisebuch nicht; es setzt das Verfahren voraus, das der zweite Appendix, das „Universal-Probierbuch für alle und jede Salzwerke, die es geben kann. Berechnet durch mich, Johannes Rhenanus“, in Tafeln ausbreitet. Aus dem Gebrauch lässt sich ablesen, wie es ging: Ein Quart Sole wird gewogen — die rohe Sole wiegt um die hundert Lot —, dann eingesotten, und das gereinigte Salz wird gewogen: so viele Lot, so „lötig“ ist die Sole. Vier Quentchen sind ein Lot.

Das Maß ist Allendorfer Eich. Meister Hans Wetzel in Auleben hat „sein Probiergerät“ auf „Ein Quart Allendorfer Eich“ eingerichtet, und die Handschrift merkt an: „Sechzig Quart sind ein Eimer oder Zuber Allendorfer und Wormser Eich.“ Weil das Maß mitreist, sind die Zahlen von Frankenhausen bis Greifswald vergleichbar — das ist der eigentliche Zweck.

Wie ernst Rhenanus die Methode nimmt, zeigt der Streit in Artern über die Probe der Nürnberger Künstler, die „auf einen Zentner nasser Sole und nicht auf das nasse Maß gerichtet sei“. Seine Antwort: „dass eine solche Probe falsch und ungewiss sein müsse, in Anbetracht dessen, dass das nasse Maß Sole an einem Ende mehr wiegt als am anderen“. Wer nach dem Gewicht statt nach dem Maß rechnet, vergleicht Ungleiches — die reiche Sole wiegt mehr.

Meist proben nicht er selbst, sondern seine Diener: „Sogleich habe ich einem meiner Diener das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen“ (Frankenhausen); in Halle lässt er „in meiner Herberge meine Diener die Soleprobe“ anstellen. Er ist der Auftraggeber der Messung und der, der sie aufschreibt.

Sondershausen: der Abend bei Hofe

„Nach Empfang des eben genannten Beglaubigungsschreibens habe ich mich aufgemacht und bin nach Sondershausen gezogen“ — die Reise beginnt am Hof der Grafen von Schwarzburg, denen Frankenhausen gehört. Die Räte lassen ihn wissen, „obwohl es bedenklich wäre, einen jeden in das Geheimnis ihres Salzwerks zu lassen“, wolle man dem Landgrafen willfahren; er bekommt den Befehl an die Frankenhäuser Beamten und wird zum Nachtessen behalten.

Bei Tisch sitzt Doktor Johann Bayr, Rat und Frankenhäuser Pfänner, und erzählt, was man über das Alter des Werks weiß — nichts aus Archiven, aber ein Stadtsiegel, „worin ein Salzknecht — den sie einen Nappenknecht nennen — steht, der zwei Eimer mit Sole trägt“ — und was er in Salins in der Freigrafschaft gesehen hat: einen Brunnen in einem Gewölbe, „unter dem sich wohl das ganze Schloss Sondershausen verbergen könnte“. „und so haben wir an diesem Abend zwei Stunden bei Tisch damit zugebracht“.

Am Morgen fährt der Schwarzburger Baumeister Bernt Pfeifer mit. Auf dem Wagen wird „über Salzwerke, Bergwerke und Bausachen“ geredet, am Kloster Göllingen notiert Rhenanus die Einkünfte der Grafen aus dem Rohr ihrer Teiche, und am Stollen, der die Wipper zur Frankenhäuser Kunst leitet, lässt er sich Länge und Tiefe sagen — „120 Ruten lang und am höchsten Ort 24 Ellen tief“ — und den Winter, in dem ein Schacht „vom Schnee verschüttet“ wurde.

Frankenhausen: die erste Messung

In Frankenhausen ist er kaum angehört, da beginnt die Arbeit — „das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen“ —, und das Ergebnis lautet: hundertzwei Lot Gewicht der rohen Sole, sechzehn Lot Salz. Weil „auch Sole von Auleben zur Hand gewesen ist“, probt er sie gleich mit: „nicht mehr als zwei Lot anderthalb Quentchen“, „wie ich es auch schon früher befunden hatte“. Ein Gerät, ein Tag, zwei Solen — so entsteht eine Vergleichsreihe.

Danach der Brunnen und die Künste, so genau, dass man nachbauen könnte: der Schacht aus Holz, 25 Ellen hoch, die Sole „aus weißem Gipsgrund, wie auch der zu Sooden“; das wilde Wasser ringsum abgeleitet, „der Damm zwischen dem wilden Wasser und dem Brunnen ist zwanzig Ellen dick“; das Wasserrad der Wasserkunst „27 Schuh hoch und das Kunstrad 20 Schuh; es hat 216 Kämme“; an der Solekunst „laufen 36 Schläuche an der Kette“. Dazu die Baukunst, „die wird gebraucht, wenn man baut und wenn sonst das wilde Wasser zu stark ist“.

Auf dem Brunnen stellt er seine Frage: „ob auch die Sole zu der einen Zeit besser sei als zur anderen“. Die Antwort der beiden Salzgrafen: Bei Schnee und Regen könnten sie „gar nicht sieden“, bis „die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne“. Eine andere Probe? „nein“ — sie hätten „nie von einem Probieren der Sole gehört“, bis „die neuen Künstler ins Land gekommen seien“, die jetzt in Artern und Sulza säßen. Damit ist die Konstellation der Reise beschrieben: ein Mann mit einer Waage in einer Welt, die ihr Salz nach dem Ei beurteilt.

Der Diener bringt den Bericht aus den Kothen — Herd, Pfanne, Bänder, Löhne —, Rhenanus zählt „117 Kothen oder Sollen, wie sie es nennen“, rechnet den Zoll auf das Jahr hoch und schließt kühl: „Außer dem allen finde ich zu Frankenhausen in keinerlei Hinsicht einen besonderen Vorteil.“

Auleben: bei Meister Hans

In Auleben trifft Rhenanus einen alten Bekannten: Meister Hans Wetzel, den Zimmermann, der 1550 in Sooden den Brunnen neu gefasst hatte und jetzt hier Baumeister ist. Er nimmt Sole aus einer der zwei Kothen: „Das Quart hat an roher Sole 90 Lot und 2 Quentchen gehalten; daraus sind 3 Lot 3 Quentchen Salz geworden.“ Das ist die schwächste Sole der Reise. Die Künste aber hat er besehen, „die aufs allersorgfältigste und beste eingerichtet sind, so dass Meister Hans’ umsichtige Geschicklichkeit darin nicht genug gerühmt werden kann“, und er wünscht sie sich für Sooden — samt einem Wasserlauf „zur Abschaffung der Pferde“.

Die Sole ist durch die Klüfte des Gipsgebirges in einen Wildwasserschacht abgewichen; wie es weitergeht, ist offen, und Rhenanus lässt es offen: Weil „dies damals alles ungewiss war und sich beim Bauen mancherlei zutragen kann, kann ich weiter nichts Gewisseres darüber schreiben“.

An dieser Stelle fügt er ein, was ein Jahr später geschah — die kursächsische Kommission vom November 1569 (siehe unten). Zu ihr gehören die Fragestücke an Meister Hans, in denen der Baumeister sein Probiergerät auf Allendorfer Eich verrät: Die Sole „hält jetzt 4 Lot; vor 8 Wochen hat es 5 Lot gehalten“, und auf die Frage nach den Kosten des Baus: „er könne darauf nichts Gewisses antworten“.

Artern: das verschlossene Bothe

In Artern wird der Bericht zum Sittenbild. Zwei Bothe darf er sehen, „In das dritte aber habe ich nicht gelassen werden können“: Es gehört Nürnbergern, „besonders einer, der Schelhammer heißt“, die versprechen, „die Hälfte des ganzen Holzes zu ersparen“, und dafür die Hälfte des Werks bekommen sollen. Der Brunnen gibt „mehr als doppelt so viel, wie im Salzwerk Sooden vorhanden ist“, aber der Berg ist von Suchschächten „dermaßen ausgehöhlt und durchlöchert“, dass er dem Brunnen nicht mehr nützt. Die Probe: „das Quart hat roh am Gewicht 98½ Lot gehalten und an Salz 8 Lot weniger ¼ Quentchen“.

Die Gewerken erzählen, wie es dazu kam: Die Grafen von Mansfeld hätten „über 40 000 oder 50 000 Gulden“ verbaut und sich verleiten lassen, „Wünschelruten umhergehen zu lassen, Kristallschauen anzustellen und sonst mit anderer Zauberei bessere Sole zu suchen“; ein Künstler habe das wilde Wasser im Berg verdämmen wollen, „so lange, bis die Gewalt im Berg zu groß wurde“ und alles zerriss. Über die Kunst der Nürnberger weiß niemand etwas, außer dass man „eine besonders große kupferne Blase gesehen“ habe; der Wirt meint, „der ganze Handel sei wie ein Branntweinzeug eingerichtet“.

Rhenanus kommt nicht hinein, also tauscht er. Als ein Alchimist um seine Probe bittet, eröffnet er sie ihm „einigermaßen vertraulich“ — „in der Zuversicht, wie es denn auch geschehen ist, er werde mich dagegen auch etlicher Geheimnisse teilhaftig machen“. Wissen gegen Wissen, offen protokolliert. Und er fährt weiter, wo die Künstler sitzen: „Obwohl ich nun keinen Befehl hatte, nach Sulza oder Kösen zu ziehen“.

Sulza: der Künstler und das Leckwerk

In Sulza sitzt der Künstler in derselben Herberge. Rhenanus bittet „mit vielen freundlichen und glimpflichen Worten“ um Besichtigung und bekommt nichts: Der Mann wolle seine Kunst „irgendeinem Menschen ohne hinreichende Entgeltung“ nicht zeigen; wenn der Landgraf sich einlasse, wolle er sie in Sooden anstellen. Die Antwort des Salzgrafen ist ein Programm: Sein Fürst habe in seinem Salzwerk „noch keinen Mangel befunden“, glaube „nicht leichtlich allen Geistern“ und lasse sich „viel weniger auf eine ungewisse Vertragsschließung“ ein; „auch könne seine Kunst, wenn sie ins Werk gesetzt würde, nicht lange verborgen bleiben“.

Der Künstler prahlt bei Tisch, keiner im Reich verstehe sich auf das Probieren besser als er, und er habe die Sulzaer Sole ohne Feuer so geschieden, „dass der Zentner 18 Pfund halte“. Rhenanus lässt sich die Sole geben: „Sie ist aber dermaßen unschmackhaft an Salz gewesen, dass ich sie nicht für würdig gehalten habe, sie zu proben — denn unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole.“ Sein Urteil: „dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle“.

Dann sieht er, was er nicht sehen soll — „über Zäune und Gräben hinweg“: „etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit“, mit Stroh gedeckt, darin „flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang“, darüber „strohene oder schilfene Matten“, auf die die Sole „mit Schaufeln“ geleckt wird; sie „tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe. Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden.“ Das ist die älteste bekannte Beschreibung eines Gradierwerks in Deutschland: von außen, im Prinzip verstanden, ohne Zutritt.

Schwarzdornreisig eines Gradierwerks, mit Salz überkrustet
Was Rhenanus in Sulza sah, waren Strohmatten über Trögen. Das Dornreisig späterer Gradierwerke — hier in Bad Sooden-Allendorf — kam nach der Literatur erst im 18. Jahrhundert. Foto: Francisco Welter-Schultes · Wikimedia Commons · CC0 1.0

Weißenfels und Kösen: der zerbrochene Krug

„Am folgenden Tag bin ich nach Weißenfels und nach Kösen gereist“. In Weißenfels holt er „ein Bürger namens Zacharias Hoffmann“ auf den Wagen, „der für einen ziemlich verständigen Philosophen ausgegeben wurde“ und mit den Künstlern am Kösener Brunnen gewesen war. Der erzählt von Herzog Georgs Bau vor fünfzig Jahren: „je tiefer er in weichen steinigen Grund gesenkt habe, desto mehr sei das wilde Wasser herzugedrungen“, bis die Arbeiter aufgaben. Zwei alte Männer im Dorf bestätigen es.

Die Probe scheitert. Der Schacht steht bis oben voll Sole und wildem Wasser, das Gemäuer ist brüchig; auf Hoffmanns Vorschlag lässt Rhenanus „an einer langen Leine über eine lange Stange ein Krüglein mit angehängtem Gewicht“ hinab — „Es ist aber wegen der vielen Streben, die im Schacht sind, nichts zuwege gebracht worden, denn der Krug zerbrach am Strick.“ Es ist die einzige Station ohne Zahl, und er sagt es.

Halle: wo niemand misst

Halle in Sachsen ist die größte Station, und die Räte des Erzstifts öffnen ihm alles, weil sein Besuch „weder ihrem Salzwerk noch irgendjemandem zum Nachteil, vielmehr aber zur Förderung des gemeinen Nutzens gereiche“. Der Salzgraf zeigt das Lehnbuch der vier Brunnen, lässt die Hauptverteilung abschreiben, erzählt vom Basilisken, der einst den Brunnen verstopft habe, und davon, dass Landgraf Wilhelm selbst hier gewesen sei und eingefahren.

Die Diener proben in der Herberge: „Der Deutsche Born, das Quart —— 24 Lot; die Sole wiegt roh —— 106 Lot. Meteritz, das Quart —— 22 Lot. Gutjahr —— 22 Lot ½ Quentchen. Hackeborn, ein Quart —— 20 Lot 1½ Quentchen.“ Es ist die reichste Sole der Reise, dreimal so stark wie die von Sooden. Auf dem Brunnen lässt Rhenanus „den Fülleimer und den Zuber eichen“ und rechnet um: ein Hallesches Werk ist „bei uns nicht ganz ein halbes Fuder“.

Dann die Frage nach den Schwankungen, und die Antwort ist der Befund der ganzen Reise: „dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten. So sei es auch bei ihnen unnötig, weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen; denn ein Stück gilt so viel wie das andere, es sei groß oder klein.“ Kunstgriffe beim Sieden gebrauchen sie nicht, „und wenn man ihnen davon sagt, so haben sie ihren Spott und Hohn darüber“. Wer nicht nach dem Maß abrechnet, hat keinen Grund zu messen.

Einfahren darf er nicht. Der Salzgraf hält es für unnötig und „eine Sache von seltenem Beispiel“, die den Rat und die vornehmsten Pfänner brauche; „Als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte“, bietet man ihm an, bis zum Donnerstag, dem Tag Maria Magdalena, zu bleiben, wenn Salzgraf, Bornmeister und Zimmermann von alters her einfahren. Inzwischen zeigt man ihm „durch ein Glas, durch das die Sonne schien, den Deutschen Born genau“, „so dass ich ihn habe quellen sehen“. Er dankt und reist ab. Der 22. Juli 1568 war ein Donnerstag — Rhenanus war Mitte Juli in Halle.

Aschersleben: zwanzig Jahre, vierzigtausend Gulden

In Aschersleben hören ihn die beiden Salzgrafen Müller, einer davon Bürgermeister, und erzählen eine Chronik des Scheiterns: vor hundert Jahren die Sole entblößt, vor zwanzig Jahren „mit aller Gewalt zu bauen angefangen“ unter Jörg Behm — dem Nürnberger, der einst in Sooden gedient hatte —, dann ein Kunstmeister „von Lüneburg, Georg Rose genannt“, dann Künstler „von Nürnberg, aus Mansfeld, aus Meißen, Thüringen und allenthalben her“, „bis endlich ein verwirrtes Chaos daraus geworden ist“ und „innerhalb von zwanzig Jahren über 40 000 Gulden“ verbaut waren. Sechzig Kunstpferde hielt man zeitweise.

Was steht, ist bemerkenswert: eine Wechselpumpe „an einem Wasserrad nach der Angabe des Agricola“, die die Sole 57 Ellen hoch in ein Fass hebt, aus dem sie eine Viertelmeile in steinernen Röhren zur Stadt fließt — und unterwegs versickert: „nur 18 im Salzwerk“ von 28 Zubern, und auf den Äckern über den Röhren wächst nichts. Sie fragen ihn um Rat, „habe ich ihnen zu Blei geraten; das haben sie sich gefallen lassen“.

Die Probe: „Das Quart Sole hält 96 Lot und an Salz beim Brunnen 7 Lot 3½ Quentchen; die letzte aus dem Bothe hält 6½ Lot ½ Quentchen.“ Und eine Grenze: „Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben“, habe er bemerkt, „dass das Werk zu umfangreich wuchs“, und wolle künftig „allein die vornehmsten Hauptstücke eines jeden Salzwerks“ beschreiben.

Staßfurt: die schwarzen Knechte

Schon das Feld vor Staßfurt ist weiß: „schwarze Erde und darauf Salz, von der Sonne gewirkt, dermaßen befunden, dass das Feld ringsherum ganz weiß schien“. Die adligen Salzgrafen kommen selbst in die Herberge. Das Werk sei über 600 Jahre alt; der Hackeborn „ist 34 Klafter tief; der Grund aber ist, wie sie mir berichtet haben, grauer Gips“.

„Die Sole ist an diesem Ort sehr gut; das Quart hält 16 Lot und im anderen Brunnen 14.“ Wo die Sole reich ist, wird kurz und heiß gesotten, in Kothen „mit hohen Bühnen errichtet wie die Glashütten“; darin herrscht „eine große Hitze, so dass auf diesen beiden Salzwerken die Knechte der Hitze wegen viel schwärzer sind als auf anderen“. Das Salz geht wegen der Nachbarwerke und der Ströme „selten gut ab“; nur wenn andere wegen Unwetters stillhalten, wird man den Vorrat los.

Rhenanus beschreibt den doppelten Herd, die Pfanne, die Körbe, die Stücke, „zwei Spannen breit, drei lang und fünf hoch“, die Löhne bis zur Unterschürerin — und den Fegdreck, den sie „Schlamm nennen, bei uns aber Sand genannt wird“. Er sammelt Wörter wie Zahlen.

Groß Salza: das Ende der ersten Reise

Groß Salza „ist in allem beinahe so eingerichtet wie das zu Staßfurt“: zwei Brunnen, eine Eimerkunst, eine Schlauchkunst „in dem grundlosen Brunnen, in dem die Sole oben sehr gering ist und allein die tiefere mit den Schläuchen aus der Tiefe geholt wird“. Weil Saale und Elbe das Holz bringen, „geht das Salz gut ab, und es ist großes Gedränge darum“ — so groß, dass die Pfänner die Betrügereien ihrer Knechte kaum wehren können: „bei Hängen und bei hohen Leib- und Geldstrafen verboten, aber wenig eingehalten“.

Ein letztes Sittenbild — „das ständige Bankettieren, Prunken und die Hoffart“ der adligen Pfänner — und dann der Schluss: „Weiter von anderen Salzwerken zu schreiben habe ich für unnötig erachtet; wenn man aber doch Bericht davon begehrt, wird in meinen Miszellen angezeigt werden, wo dieser zu finden ist.“

Was die Instruktion nannte und der Bericht nicht erreicht

Vier Ziele der Instruktion kommen im Reisebuch nicht vor: Lüneburg, Salzdetfurth, „Salz zur Hölle“ und Bodenfelde; Bremen aus dem Nachtrag ebenfalls nicht. Ob Rhenanus sie ausließ, weil ihm die Zeit fehlte, oder ob er sie besuchte und nicht beschrieb, sagt er nicht — nur, dass er nach Aschersleben beschloss, sich kürzer zu fassen, und nach Groß Salza, gar nicht mehr zu schreiben.

Zwei der Namen sind unsicher gelesen. In der Handschrift steht „Saltzdietfoll“, was die Übersetzung als Salzdetfurth bei Hildesheim deutet; und „Saltz zur Helle“ — die Übersetzung schreibt Hölle —, das vermutlich Salzderhelden bei Einbeck meint, dessen Name als Salz an der Halde gedeutet wird. Beides ist Vermutung. Bodenfelde an der Weser ist eindeutig, kommt aber sonst nirgends in der Salzbibel vor.

Für Lüneburg und Bremen ist die Lage anders: Das Archivverzeichnis der Miszellen zeigt, dass Rhenanus einen „Bericht der drei Sülzmeister zu Lüneburg“ besaß und eine eigene Aufzeichnung darüber, was die Sole zu „Sülldorf, Lüneburg, Salzdiepen und Salz zur Helle halten“ — Zahlen also, aber keinen Reisebericht. Nach Bremen schickte er seinen Diener Wolff Deuchell mit einer eigenen Instruktion und wechselte Briefe mit dem Bürgermeister über Salz und Torf. Auf der Karte stehen beide als Wirkungsorte, nicht als Stationen.

November 1569: Gutachter für Kursachsen

Ein Jahr nach der Reise sitzt Rhenanus wieder in Auleben und Artern — jetzt für Kurfürst August von Sachsen, „neben anderen Dienern Seiner Kurfürstlichen Gnaden“: Michel von Ebeleben, Hauptmann zu Sangerhausen, Christoff Schönleben, Oberhüttenmeister in Freiberg, und Matthias Flicke, Bergvogt. Am 18. November kommen sie in Artern zusammen, verhören Doktor Landeler von Nürnberg nach einem Fragenkatalog und raten dem Kurfürsten, sich „nicht weiter mit ihm, dem Doktor, in dieser Sache einlassen“, bis er die vornehmsten Fragen beantworte.

Landeler ist das Muster des Geheimverfahrens: Er wolle die Sole so reich versieden, dass er „ganz Deutschland damit speisen wolle“; er brauche „mit einem Drittel Holz so viel ausrichten“ wie andere mit dem ganzen; wie groß seine Pfanne sei, „Diese Frage ist ein Noli me tangere“; wie er die Sole verbessere, „das sei eine Frage im Heiligen Geist“. Die Kommission rechnet nach — sieben Schock Wellen für fünf Fuder Wasser sind keine Ersparnis — und schlägt vor, „2 Probewerke“ zu sieden, „einmal auf seine Art und dann auf meine, des Salzgrafen, Art“. Ein Vergleichsversuch statt eines Urteils.

Das Gutachten über Auleben vom 23. November ist ebenso nüchtern: Man solle das wilde Wasser „eine gute Weite von der Salzquelle“ fernhalten und einen alten Brunnen wiederfinden; aber solange die Sole gering und das Holz teuer sei, könne „an diesem Ort ohne Nutzen gesotten werden, bis man eine fünf- oder sechslötige Sole findet“. Unterschrift: „Johann Rhenanus, hessischer Salzgraf“.

Die Messwerte von 1568 auf einen Blick

Alle Angaben je Quart Allendorfer Eich, wie Rhenanus sie nennt. Der Anteil ist eine Rechnung dieser Seite (Lot Salz geteilt durch Lot Rohsole), keine Angabe der Handschrift; wo das Rohgewicht fehlt, fehlt auch der Anteil. Vier Quentchen sind ein Lot.

Soleproben der Reise von 1568 (und der Nachreise 1569)
OrtRohsole je QuartSalz je QuartAnteil (rechnerisch)Faksimile
Frankenhausen102 Lot16 Lotrund 16 %Bd. 2, S. 742
Auleben (Probe in Frankenhausen)2 Lot 1½ QuentchenBd. 2, S. 742
Auleben (vor Ort)90 Lot 2 Quentchen3 Lot 3 Quentchenrund 4 %Bd. 2, S. 756
Auleben (Meister Hans, Nov. 1569)4 Lot (acht Wochen zuvor 5)Bd. 2, S. 764
Artern98½ Lot8 Lot weniger ¼ Quentchenrund 8 %Bd. 2, S. 769
Sulzanicht geprobt: „unschmackhaft“Bd. 2, S. 789
Kösenkeine Probe: der Krug zerbrachBd. 2, S. 793
Halle, Deutscher Born106 Lot24 Lotrund 23 %Bd. 2, S. 808
Halle, Meteritzborn22 LotBd. 2, S. 808
Halle, Gutjahrsborn22 Lot ½ QuentchenBd. 2, S. 808
Halle, Hackeborn20 Lot 1½ QuentchenBd. 2, S. 808
Aschersleben, am Brunnen96 Lot7 Lot 3½ Quentchenrund 8 %Bd. 2, S. 832
Aschersleben, aus dem Bothe6½ Lot ½ QuentchenBd. 2, S. 832
Staßfurt, zwei Brunnen16 Lot und 14 LotBd. 2, S. 839
Groß Salzakeine Zahl genanntBd. 2, S. 844

Was die Reise austrägt

Was er nicht sehen durfte

Technisches Wissen war im 16. Jahrhundert Betriebsgeheimnis, und das Reisebuch ist auch ein Protokoll verschlossener Türen. In Sondershausen heißt es gleich zu Beginn, es sei „bedenklich“, „einen jeden in das Geheimnis ihres Salzwerks zu lassen“. In Artern gibt es ein Bothe, „wo nach dem Vertrag niemand außer den Künstlern hinzukommen darf“. In Sulza zeigt der Künstler seine Kunst „irgendeinem Menschen ohne hinreichende Entgeltung“ nicht, und Rhenanus sieht sie „über Zäune und Gräben hinweg“. In Halle darf er nicht einfahren, weil das „eine Sache von seltenem Beispiel“ sei, und in Groß Salza ist „bei Hängen“ verboten, was er wissen will.

Rhenanus steht auf beiden Seiten dieser Ordnung. Er trägt seine Briefe „im Busen“, tauscht in Artern Geheimnisse gegen Geheimnisse, und zu Hause hatte man Meister Hans Wetzel Verschwiegenheit geloben lassen. Der Reisebericht zeigt, wie Wissen vor dem Patent zirkulierte: als Gabe unter Fachleuten, mit erwarteter Gegengabe — oder gar nicht.

Die Messkultur der anderen

Die wichtigste Entdeckung der Reise ist keine Maschine, sondern eine Abwesenheit: Fast niemand misst. In Frankenhausen gilt die Eierprobe — sieden, wenn „die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne“ —, und die alten Salzgrafen hatten „nie von einem Probieren der Sole gehört“, bis die Künstler kamen. In Halle hat man auf Schwankungen „niemals achtgegeben, viel weniger geprobt“, weil man „nach dem Stück und nicht nach dem Maß“ verkauft. Die Nürnberger proben, aber „auf einen Zentner nasser Sole und nicht auf das nasse Maß“ — für Rhenanus „falsch und ungewiss“.

Das ist keine Rückständigkeit, sondern eine Folge der Abrechnung: Wer keinen wirtschaftlichen Anlass zum Messen hat, misst nicht. Die Eierprobe ist als Schwelle brauchbar — ein Ei schwimmt in Sole von etwa zehn Prozent auf — und als Messung unbrauchbar, weil sie nur zwei Antworten kennt. Genau diesen Unterschied zwischen Handwerksregel und Messreihe sieht Rhenanus, und deshalb reist er mit einem Gerät, das an jedem Ort dieselbe Frage stellt.

Wo gemessen wird, kommt das Maß aus Sooden: Meister Hans Wetzel in Auleben probt auf „Allendorfer Eich“. Und wo Rhenanus messen lässt, geschieht es im Beisein der Gastgeber — in Halle „hat der Salzgraf begehrt, sie ihm zu eröffnen; wie es denn auch geschehen ist“. Die Messung ist auch ein Argument.

Die Reise nach Pommern 1584

Der Anlass: Eisen und Salz fehlen

Sechzehn Jahre später schreibt ein fremder Fürst nach Hessen. Herzog Ernst Ludwig von Pommern-Wolgast hatte „zu Anfang Seiner Fürstlichen Gnaden Regierung befunden“, dass in seinem Land „sowohl an Eisen als auch an Salz großer Mangel herrscht“. Holz gab es genug, „besonders aber bei Jasenitz, Ueckermünde, Klempenow und Pudagla“; also ließ er bei der Neuen Mühle eine Eisenhütte bauen und „bei Koblentz und Krugsdorf, wie denn auch bei Golchen“ durch den Brunnenkunstmeister Hans Fritz nach Sole senken. Doch „je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen — haben senken lassen, desto mehr ist das wilde Wasser zugelaufen“.

Der Herzog sucht Rat, „aber niemanden zuwege bringen können, auf den man sich hätte verlassen können“ — bis Georg von Verbentin, Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld, ihm berichtet, „dass im Land zu Hessen Leute anzutreffen wären“. Er schreibt „an den Herrn Landgrafen zu Hessen wie auch an Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin und Schwiegervater etliche Male“ — die Herzogin Sophie Hedwig und Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel — und erreicht, dass Wilhelm den Magister Johannes Rhenanus, „Seiner Fürstlichen Gnaden Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden bei Allendorf“, ziehen lässt.

Die Briefe selbst stehen nicht in der Salzbibel; nach Cramer (1879) datieren sie vom Juni 1583, und Wilhelm lehnte zunächst ab — Rhenanus sei alt und krank. Er war fünfundfünfzig. Was folgt, hat Rhenanus „mit seiner eigenen Hand unterzeichnet“ für den Herzog aufgeschrieben, „zum ewigen Gedächtnis der Sache“.

Anreise und erste Proben in Wolgast

„habe ich mich am 10. März zu Allendorf auf die Reise gemacht“. In Leimbach in der Grafschaft Mansfeld spricht Rhenanus mit Georg von Verbentin, unterwegs schöpft er in Treptow und Klempenow „in Beisein des gestrengen, edlen und ehrenfesten Busso von Rammin“ dreierlei Sole und lässt sie versiegeln, und „durch Verleihung göttlicher Hilfe“ kommt er „am 31. März zu Wolgast gesund und frisch“ an. Drei Wochen für den Weg; am ersten Tag bleibt er in der Herberge.

Am 2. und 3. April die erste Probe, vor Publikum: „in Gegenwart meines gnädigen Fürsten und Herrn, des Herzogs zu Pommern, Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin, des Kanzlers, etlicher Räte und der vornehmsten Diener“. Er hat Sooder Sole „als Grundlage mitgebracht“ — ein Vergleichsmaß im Gepäck. „In der hessischen Sole habe ich 6½ Lot und in den anderen nichts befunden.“

Bei Tafel bringt er vor, was der Hauptmann zu Klempenow ihm gesagt hatte: „dass zu Greifswald Sole vorhanden sei und dort vor dieser Zeit Salz gesotten, dies aber aus Mangel an Holz eingestellt worden sei“. Daraus wird die erste Reise.

Die erste Reise: Greifswald

Mit dem Kanzler Henning von Rammin fährt er am 4. April nach Greifswald. Sie „haben die Sole mit einem eingelassenen und mit Steinen beschwerten Krug aus der Tiefe geschöpft, auch die obenauf gesondert gefasst“ — zwei Proben aus einem Brunnen, weil die Sole unten reicher sein kann. Am 5. April in Wolgast: „die aus der Tiefe nicht ganz 3-lötig, die obenauf aber 1-lötig“.

Rhenanus rät, einen der sechs alten Brunnen „eröffnen und ausfegen“ zu lassen und an der Quelle zu proben. Der Herzog will das selbst sehen: Er bricht am 6. April mit Gemahlin, Kanzler und Dienern nach Greifswald auf und bleibt, „bis am 9. und 10. April die Sole gewonnen und sogleich geprobt und reichlich 3-lötig befunden worden ist“.

Dann der Anschlag. Die Sole ist „sehr gering und nur halb so gut wie die unsrige“; aber der Zentner Salz gilt hier „wohl einen Gulden“, und Holz ist zu haben. Mit dem Kanzler rechnet Rhenanus „nach den Regeln der Umrechnung und der Verhältnisse“ und findet, „dass über die Bezahlung des Holzes hinaus mein gnädiger Fürst und Herr gegen zwei Gulden an zwölf Zentnern erübrigen könnte“. Was daraus werden soll, stellt er dem Fürsten anheim. Der Brunnen wird mit Brettern und Erde abgedeckt.

Die zweite Reise: Ueckermünde, Jasenitz, Torgelow, Koblentz

„Sonntag, den 12. April, nach gehaltener Predigt“ geht es mit dem Hauptmann Moritz von Rammin und dem Sekretär Appelmann nach Anklam — dort nur das Kraut Kali, „das sonst nur an salzigen Orten zu wachsen pflegt“ — und Ueckermünde. Am 13. über die Heide nach Jasenitz: die verfallene Hammerhütte, „einen sehr guten Eisenstein befunden — nur dass er nicht viel, aber gutes Eisen gibt“, und die Verwunderung, „warum eine so herrliche gute Gelegenheit in den Wind geschlagen“ wurde, „wo doch Holz, Wasser und Eisenstein genug zur Hand sind“. Am 14. nach Stettin und zurück, abends das Verbentiner Bruch, die Buchhorst mit den Schlacken der Mönche; am 15. Buderhorst und Birkenhorst.

Sein Rat für Jasenitz: „den alten Eisenhammer von neuem zu erbauen und ein Rennwerk, aber nicht einen Hochofen, wieder einzurichten“ — und aus den Kiefernstöcken der Heide „Pech oder Wagenschmiere“ zu brennen. Am 16. Torgelow: „viel Gehölz, sonst nichts als Sand und Sümpfe“; auf dem Scharmützel bei den Pferdeköpfen statt Kalk nur Mergel.

Am 17. April der eigentliche Grund der Reise: die Gruben bei Krugsdorf und Koblentz. „In der Grube hinter der Eispforte haben wir nichts weniger als Salz befunden.“ Über den Damm zu den drei Gruben Meister Hans’, Sole zur Probe geschöpft — und ein Urteil, so deutlich wie sonst nirgends: Weil ringsum „nichts als Moor und Seen in flacher Ebene und feuchtem Feld“ seien, könne man dort „in Ewigkeit — selbst wenn dort die allerbeste Sole zu finden wäre — nicht bauen“; „ein solcher Bau über zwei Tonnen Goldes kosten“ würde; „so kann und will ich nimmermehr raten, dass dort noch ein einziger Pfennig verbaut werde — besonders in Anbetracht dessen, dass die beste Sole in den drei Sümpfen nur einlötig ist“.

Über Schönwalde und den Flederbach zurück; am 18. April früh der neue Hammer bei der Neuen Mühle — „zum Rennwerk und Frischen ist er damals nicht dienlich gewesen“ — und nach Anklam. Am Osterdienstag, dem 21. April, wird die Koblentzer Sole in Wolgast geprobt: „in der besten Sole nur ein Lot“.

„Ich bin nicht der Schöpfer“: das Gutachten

Nach der Koblentzer Probe fragt der Herzog, ob nicht wenigstens die Greifswalder Sole „mit Nutzen ausgebaut werden könnte“. Rhenanus erinnert an den Anschlag mit dem Kanzler und sagt dann, was ein Gutachter sagen muss: „dass es nicht in meinem Vermögen stehe, die Sole anders und besser zu schaffen, als sie Gott gibt“ — ein wenig könne man im Feuerherd durch Fleiß ausrichten, etwas Tagwasser durch Stollen abwenden, „wie es im hessischen Salzwerk geschehen ist“. „Sonst habe ich gesagt: Ich bin nicht der Schöpfer, sondern ein Sünder des Schöpfers.“

Der Satz sieht fromm aus und ist ein Fachurteil: die Weigerung, eine Zusage zu geben, für die es keine Grundlage gibt. „Weil aber Seine Fürstlichen Gnaden nicht ablassen wollten“, schlägt er statt einer Prognose einen Versuch vor: „dass man eine große Pfanne und einen ordentlichen Herd einrichte; so würden Seine Fürstlichen Gnaden im Grunde befinden, was man tun oder lassen möge“.

Und weil ein Fürst wissen will, was der Versuch kostet, wenn er scheitert, rechnet er auch das vor: Man könne „so lange mit Sole daneben läutern und hernach sieden lassen, bis die Pfanne reichlich bezahlt wäre“, „oder man könnte das Eisen sonst zu Eisentüren oder anderem verbrauchen, so dass Seine Fürstlichen Gnaden nicht mehr als den Macherlohn von der Pfanne zu verlieren hätten“. Noch am selben Tag werden der Harnischmacher Meister Andres von Stettin und der Greifswalder Kupferschläger bestellt; der Macherlohn: „11 Taler“. Ob die Pfanne je gesotten hat, sagt der Bericht nicht.

Die dritte Reise: Rügen und Hiddensee

„Nach dem Fürstentum Rügen zum Sund, wo wir ganz herrlich bewirtet worden sind, mit dem genannten Sekretär Appelmann übers Meer geschifft und zu Bergen gelandet“. Am 25. April die Salzrügen bei Tetzitz — „obwohl der Name vom Salz kommt, gleichwohl an diesen Orten nichts Erhebliches angetroffen“. Am 27. das Mönchgut, Höft für Höft, „aber an keinem Ort das geringste Anzeichen irgendeines Erzes noch einer Salzquelle abgenommen“; abends Sagard auf Jasmund.

Ein Bauer, Martin Eisenbort, legt Sandsteine vom Ufer vor; Rhenanus hält sie für ein Erz, das „Schwefel, Kobalt, Spießglanz, wenig Eisen, etwas Blei und Silber“ enthalten könne — wie man es scheide, „weil ich damit nicht umgegangen bin“, müsse der Herzog anderswo fragen. Am 28. der Schoritzer Brunnen ohne Salzgeschmack, der Sassnitzer Bach, das Rote Wasser unter der Stubbnitz, Stubbenkammer und Königsstuhl: „nichts als Kreide und Kalk“. Wo er nicht weiterweiß, sagt er es: „ich aber weiß es nicht, denn ich habe dergleichen nie mehr gesehen“.

Am 29. April von Wittow nach Hiddensee. Beim Hinüberschiffen zeigt sich „mitten im Meer etwas wie Sole im Geruch“; er schmeckt sie „sogleich“, lässt sie proben — einlötig. Am 2. Mai ist er zurück in Wolgast; der Goldschmied Hans Kerchen lässt die Sandsteine „auf der Kapelle verrauchen“ und findet nichts; einer geht nach Mansfeld, „wo gute Probierer und Seigerer sind“.

Die vierte Reise: Usedom

Am 4. Mai mit dem Marschall Hans von Erbstetten nach Pudagla. Die „Stiegische Sole, wo Salz vermutet wurde“, gibt nichts her; das Wasser nimmt er trotzdem mit. Der Hauptmann Jacob Kußau berichtet, „dass, wenn der Nordostwind geht, das Meer sehr salzig sei und weit aufs Ufer ausschlage“ — und Rhenanus erwägt, „ob dort mit der Zeit Sonnensalinen anzulegen wären oder nicht“. Es ist das einzige Mal, dass er Meersalz durch die Sonne in Betracht zieht.

Am 5. Mai „das ganze Land Usedom“, die Krüschwentzer Berge und die Perau. Der Müller auf der Neuen Mühle berichtet von Dampf und Dunst im Gebirge — für Rhenanus „ein Anzeichen eines hohlen, feuchten Gebirges“, in dem Kupfererz sein könnte; wegen Holz und Wasser ließen sich dort Schmelzhütten einrichten. Sonst: Kalkgruben; bei Katzgau „aber weniger als nichts befunden“.

Die fünfte Reise: von Stolpe bis Tribsees

Am 8. Mai mit dem Sekretär Appelmann nach Stolpe, am 9. mit Busso von Rammin zum Golchener Feld, wo Meister Hans nach Sole gesenkt hatte. Weil keine Quelle ist, geht Rhenanus anders vor: Er bestellt, „die Erde zu laugen“, und lässt beim Alaunsieder Jochim Armschone weitere Erde sammeln; sie habe „Alaun, Schwefel und ein wenig Salz bei sich“, aber „in beliebigem Verhältnis vermengt“.

Am 11. nach Treptow — unterwegs die „schwarz glänzende Erde“ von Bollentin, die nichts ergibt, geringes Erz bei Lassau, Eisenstein „aber nichts wert“ zwischen Grabzau und Treptow. In Treptow wird die Golchener Lauge angesotten „und die angesottene Lauge auch durch den Wundarzt dort, Curt Bödicker, per Alembik destillieren“ gelassen; Lauge, Weinstein, Spiritus und Rückstand gehen nach Wolgast zur weiteren Probe. Am 12. Jabzow und Klatzow; beim Hagen die Quelle mit Säuerlichkeit, die ihm „auf allen vorigen Reisen“ am besten gefallen hat, daneben eine „dicke, pechzähe, schwarzfarbene Quelle“, vielleicht „ein Bitumen oder Bergwachs“.

Am 13. und 14. Ferchen und Heinrichshagen: Kalk, eisenreiche Schlacken, aus denen ein Bauer eine Pflugschar schmieden ließ — „Doch weil an diesem Ort Holz und Wasser fehlen, kann dort kein Hüttenwerk errichtet noch unterhalten werden.“ Am 15., 16. und 17. Mai die Ämter Loitz, Grimmen und Tribsees mit dem Hauptmann Hartwig Moltzow und dem Rentmeister Marx Milow: flaches, sandiges, sumpfiges Land, „selbst wenn Holz genug zur Stelle wäre“ kein Ort für ein Berg- oder Salzwerk.

„Und dies ist also mein untertäniger Bericht und mein Bedenken über alles, was ich auf diesen fünf Reisen neben denen, die mir zugeordnet waren, besichtigt, erfahren und nach meinem geringen Verstand habe erwägen können.“ So endet der vierte Appendix — nicht mit einem Fund, sondern mit einem begrenzten Versuch, einer Kostenrechnung für den Fall des Scheiterns und einer Liste dessen, was nirgends ist.

Die Messwerte von 1584

Soleproben der Pommernreise 1584 — „lötig“ heißt: so viele Lot Salz aus einem Quart
ProbeSalz je QuartWo und wann geprobtFaksimile
Sooden (mitgebracht, „als Grundlage“)6½ LotWolgast, 2./3. AprilBd. 2, S. 853
Treptow und Klempenow, drei Proben„nichts“Wolgast, 2./3. AprilBd. 2, S. 853
Greifswald, alter Brunnen, aus der Tiefenicht ganz 3 LotWolgast, 5. AprilBd. 2, S. 854
Greifswald, obenauf1 LotWolgast, 5. AprilBd. 2, S. 854
Greifswald, nach dem Ausfegenreichlich 3 LotGreifswald, 9./10. AprilBd. 2, S. 855
Koblentz, beste der drei Gruben1 LotWolgast, Osterdienstag (21. April)Bd. 2, S. 867
Ostsee bei Hiddensee1 Lotnach dem 29. AprilBd. 2, S. 874
Pudagla, „Stiegische Sole“nichts gefunden4. MaiBd. 2, S. 875
Golchener Feld (Erde gelaugt)Alaun, Schwefel, wenig Salz — nicht zu scheidenTreptow, 11. MaiBd. 2, S. 878

Was offen bleibt

Einstellungen auf diesem Gerät speichern?

Damit die gewählte Darstellung beim nächsten Besuch erhalten bleibt, würde ein einzelner Eintrag im lokalen Speicher des Browsers (localStorage) abgelegt. Das ist kein Cookie, und der Eintrag verlässt das Gerät nicht.