Forschung
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Was die Handschrift als Quelle hergibt — und die Zugänge dazu
Was diese Handschrift als Quelle hergibt
Die Salzbibel ist kein Buch über das Salzwerk Sooden; sie ist das Salzwerk selbst, zu Papier gebracht. Was Johannes Rhenanus ab 1567 bis in die 1580er Jahre zusammentrug, sind Urkunden seit 1300, Streitakten und Rechtsgutachten, Verträge, Ordnungen, zwei Bauberichte, ein Wörterbuch mit Preisen, zwei Messtabellenwerke, Reiseberichte von einem Dutzend fremder Salzwerke, ein Archivverzeichnis und neun technische Zeichnungen. Rund zweitausend Seiten in drei Bänden, die die Universitätsbibliothek Kassel digitalisiert und im Repositorium ORKA frei bereitgestellt hat.
Als Quelle trägt das Werk deshalb in mehrere Richtungen zugleich. Wer Rechtsgeschichte treibt, findet einen über vier Jahrzehnte dokumentierten Streit zwischen Landesherrn und Untertanen um die Bindung an Verträge. Wer Technikgeschichte treibt, findet der Braunkohlenbergbau am Meißner, in dem nach Waitz von Eschen (2005) ab 1578 erstmals auf dem europäischen Kontinent regelmäßig Kohle für einen Betrieb gefördert wurde, die früheste bekannte Beschreibung eines Gradierwerks und eine gravimetrische Messreihe, die 1549 beginnt. Wer Familien erforscht, findet Hunderte von Namen mit Amt und Jahr. Wer sich für Preise, Löhne und Maße interessiert, findet ein Glossar, in dem fast jedes Stichwort einen Betrag trägt. Und wer wissen will, wie ein Beamter des 16. Jahrhunderts dachte, findet einen Verfasser, der seine Quellen nennt, seine Irrtümer stehen lässt und am Ende des ersten Buches selbst schreibt, das Ergebnis seien „Mutmaßungen, Meinungen und Bedenken“.
Diese Seiten ordnen, was sich aus der Handschrift erschließen lässt, und machen es durchsuchbar. Sie sind Arbeitsstand, nicht Abschluss: Jede Seite nennt am Ende, was unsicher ist, und die Seite Offene Fragen sammelt, was noch niemand geprüft hat.
Die Zugänge
- Personen
263 Menschen, die in der Salzbibel vorkommen — Landgrafen, Räte, Salzgrafen, Pfänner, Sieder, Zimmerleute, Alchimisten —, mit Schreibvarianten, 686 Belegstellen (Faksimile und Lesetext) und einem Vermerk, wie sicher die Zuordnung ist. Filterbar nach Gruppe, Zeitraum, Sicherheit, Abschnitt und Ort; am Ende die 15 Namenslisten für die Familienforschung.
- Ämter und Dienste
Was ein Salzgraf, ein Holzvogt, ein Boder oder ein Schätzer tat, wie das Glossar des Holzvogts es beschreibt — und 29 Amtsträger des Ortes vom 15. Jahrhundert bis zum Ende der Saline 1906 mit ihren Amtszeiten, nach Ebene, Zeitraum und Belegstatus filterbar.
- Begriffe und Fachsprache
125 Fachwörter der Saline, des Rechts und der Ortsgeschichte in 9 Sachgebieten, mit Kurzdefinition und ausführlicher Fassung, Synonymen und Verweisen; dazu die Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt.
- Maße, Gewichte, Geld
Lot und Quentchen, Quart und Fuder, Achtel und Pfanne, Gulden, Albus und Heller — was die Salzbibel selbst umrechnet, als belegte Tabelle, und warum Umrechnungen in heutige Einheiten trügen.
- Technik und Verfahren
Der Salzbrunnen und das wilde Wasser, Rosskunst und Tretrad, das Sieden mit Beiße, Blut und Ruß, der Übergang von Holz auf Braunkohle, das erste beschriebene Gradierwerk und das Wiegen der Sole — quellennah erklärt.
- Orte
87 Orte: die 44 Stationen der Karte „Rhenanus’ Wirken“ (Lebensorte, Reisen 1568 und 1584, Wirkungsorte) und 43 in der Salzbibel genannte Orte von Sooden bis Bremen und Darmstadt, nach Umkreis, mit den Belegstellen im Volltext.
- Chronologie
72 datierte Ereignisse des Ortes und 69 Ereignisse der weiteren Welt nebeneinander in einer Zeitschiene — nach Ebene, Jahrhundert, Zeitraum und Stichwort filterbar.
- Lesetext
2.129 Handschriftenseiten in 6.337 Segmenten, Wortlaut (2.320.328 Zeichen) und Übersetzung (2.346.908 Zeichen) nebeneinander, Seite für Seite, mit 50 Tabellen, 256 Abbildungsbeschreibungen, 887 Randvermerken und 3.280 unsicheren Lesungen — jede Seite mit Verweis auf das Faksimile.
- Suche
Ein Suchfeld über den gesamten Bestand: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassungen, Anmerkungen, Personen, Orte, Begriffe, Ämter, Ereignisse und Tafelbeschriftungen — 13.778 Einträge im Suchindex, mit Facetten zum Einschränken.
- Offene Fragen
Was aus der Handschrift folgt, aber noch niemand geprüft hat — von der Vitrine des Salzmuseums bis zu den Rechentafeln des zweiten Anhangs. Mit Stand, Einwänden und dem nächsten Schritt.
- Editionsgrundsätze
Wie transkribiert und übersetzt wird, was die vier Ansichten bedeuten, wie mit unsicheren Lesungen umgegangen wird — und wie man diese Ausgabe zitiert.
Alle Zahlen auf dieser Seite kommen aus der Datenbank (Stand des Abzugs: 6. September 2026). 42 Teile gliedern die 13 Abschnitte.
Was noch nicht erschlossen ist
Damit niemand mehr erwartet, als hier steht: Die folgenden Teile der Handschrift sind zwar übertragen, aber noch nicht systematisch ausgewertet.
- Die Rechtsgutachten des zweiten Buches (Bd. 1, S. 210–361). Über hundertfünfzig Seiten Gelehrtenprosa der Universitäten Erfurt, Leipzig und Wittenberg, hier erstmals übersetzt, aber weder auf ihre Autoritäten hin aufgelöst noch mit gedruckten Gutachtensammlungen verglichen.
- Das Bergwerksglossar (Bd. 2, S. 583–622). Ein zweites Wörterbuch, ganz für den Steinkohlenbergbau am Meißner; die Begriffe sind noch nicht in das Glossar dieser Seiten übernommen.
- Das Archivverzeichnis der Miszellen (Bd. 2, S. 885–1032). Rhenanus’ Nachweis, welche Akten er „bei sich“ hatte — Stück für Stück mit heutigen Findmitteln abzugleichen wäre eine eigene Arbeit.
- Die Messreihe des dritten Anhangs (Bd. 2, S. 682–724). Die Solewerte 1549 bis 1585 liegen als Tabellen vor, sind aber noch nicht als Zeitreihe aufbereitet; die Seite Maße nennt nur Einzelwerte.
- Die Personen des dritten Bandes. Die Personendatenbank stützt sich auf die Bände 1 und 2; der Rechnungsabschied von 1568 in Band 3 ist nur als Namensliste erfasst.
- Eine Karte der Orte. Die Seite Orte ordnet nach Nähe; die Karte der Reisen entsteht auf Rhenanus’ Wirken.
Korrekturen und Ergänzungen zu dieser Seite nimmt das Feedbackformular entgegen; Näheres zur Arbeitsweise steht auf der Seite Editionsgrundsätze.