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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

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App. I · 1. Appendix · Band 2

Das Glossar des Holzvogts

Der erste Appendix · 150 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 473–476

Zuerst die Ämter. Der erste Anhang heißt „Erläuterungsbüchlein zu den Registern des Rentmeisters und des Holzvogts“ — ein Nachschlagewerk also, das man neben die Abrechnung legen soll, wenn man ein Wort nicht versteht. Verfasst hat es der Holzvogt Hans Wagener.

Er beginnt nicht mit Buchstaben, sondern mit einer Aufstellung: „Ämter und Dienste in Sooden.“ Drei Salzgrafen, Rentmeister, Holzvogt, Zimmermann, Maurer (der zugleich Wegemeister ist), Kleibermeister — und so weiter. Wer das Salzwerk verstehen will, soll zuerst wissen, wer darin arbeitet.

Das ist mehr als eine Höflichkeit gegenüber dem Leser. Ein Rechnungsregister besteht aus Posten, die auf Personen lauten; wer die Ämter nicht kennt, kann die Rechnung nicht prüfen. Wagener schreibt für den Nachfolger im Amt.

Redaktionelle AnmerkungS. 473–582

Dieser Anhang ist der Schlüssel zum ganzen Werk. Wer im ersten, vierten oder fünften Buch über ein Wort stolpert — Bothe, Beiße, Gans, Werk, Winnung, Gesöde —, findet hier die Erklärung, meist mit Preis und Stückzahl dazu. Es empfiehlt sich, diesen Anhang beim Lesen der übrigen Bücher offen daneben zu halten.

Dass ein Holzvogt das Wörterbuch schrieb, sagt etwas über die Saline. Der Holzvogt verwaltete den Brennstoff — die teuerste und knappste Ressource des Betriebs. Er musste jeden Fachausdruck kennen, weil an jedem ein Verbrauch hing. Geschrieben ist es erkennbar für den Nachfolger im Amt, nicht für einen auswärtigen Leser.

Zu den Gewichten. Ein Lot hat vier Quentchen; im gebräuchlichen Handelsgewicht wiegt ein Lot etwa fünfzehn Gramm. Für die Solezahlen braucht man diese Umrechnung aber gar nicht, und das ist der Punkt: Wenn es heißt, ein Quart Sole habe „96 Lot gehalten“ und daraus seien „7 Lot“ Salz geworden, dann sind das Verhältniszahlen — rund sieben Prozent. Genau darin liegt die Modernität des Verfahrens: Es ist unabhängig davon, wie groß das Quart war.

Zu den Hohlmaßen. Metze, Viertel, Scheffel, Achtel und Maß waren von Ort zu Ort verschieden. Deshalb rechnet Rhenanus im zweiten Anhang bewusst im meißnischen Eichmaß, und deshalb steht hier ausdrücklich, dass ein Zentner zu Allendorf 104, zu Kassel aber 108 Pfund wiegt. Ein Klafter Holz ist ein Raummaß von grob drei Kubikmetern, ebenfalls regional verschieden — belastbarer als jede Umrechnung ist Wageners eigene Stichprobe: 274 Scheite je Klafter. Wer Zahlen aus der Salzbibel in heutige Einheiten überträgt, sollte dazusagen, welche Umrechnung er benutzt hat. Eine allgemeingültige gibt es nicht.

Zu den Preisen. Gulden, Albus und Heller stehen hier als Nominalbeträge, und ihr Verhältnis zueinander war im 16. Jahrhundert nicht über die ganze Zeit konstant; das fünfte Buch rechnet an einer Stelle sogar zwischen Mark und Gulden um. Wer Beträge über Jahrzehnte vergleicht, muss die schleichende Münzverschlechterung mitdenken. Innerhalb desselben Registers sind die Zahlen dagegen unmittelbar vergleichbar — und davon lebt der Wert dieses Anhangs.

ZusammenfassungS. 477–520

Das Wörterbuch, A bis H. Und nun das Bemerkenswerte: Fast jedes Stichwort trägt einen Preis. Wagener erklärt nicht nur, was ein Ding ist — er sagt, was es kostet, wie viele man davon braucht und wer sie liefern muss. Es ist ein Fachwörterbuch und eine Preisliste in einem, und damit die dichteste Wirtschaftsquelle des ganzen Werks.

Ein paar Beispiele, die zeigen, wie nah man dem Betrieb kommt. Pumpen: „kupferne Röhren; man hat zwei im Salzbrunnen, jede 5½ Zoll weit, und 2 im Wasserschacht, jede 8 Zoll weit“. Beiße: die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt, zerschlagen und wieder in der Sole aufgelöst wird — „und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert“.

Blut: Rinderblut, mit dem eine neue Pfanne bestrichen und eingebrannt wird; ist sie alt geworden, müssen „alle drei Wochen die Nähte damit bestrichen werden“ — „es wird gemeinhin Farbe genannt“. Ein halbes Achtel Salz ist es wert, solange die Pfanne hält.

Manche Einträge sind winzige Betriebsanleitungen. Fegen: Sind in einer Pfanne fünf oder sechs Werk gesotten, hängen sich „die Scheiben hart und dick an die Pfanne“; also macht man unter der gefüllten Pfanne ein Feuer aus fünf, sechs Wellen, „denn von der Hitze springen die Scheiben ab“. Fegfass: drei je Bothe, „darin sammelt sich aller Sand und alle Unreinigkeit, die in der Sole ist“. Beitlöcher: zwei im Steinkohlen-Gesöde, in denen die kleinen Kohlen „gedörrt und danach zum Brennen auf den Rost gestoßen“ werden.

Und ein Wort erklärt sich selbst nur hier: Wenn man das Salz aus der Pfanne holt, „fegt man es auf Schaufeln, eine Gans genannt“ — zwölf auf einmal, und das vierzehn- oder fünfzehnmal je Pfanne. Unter Herrengänse steht dann die Rechnung dazu: rund vierundzwanzig auf ein Achtel, „das macht auf eine Pfanne 192 Gänse“, jede fünf bis sechs Pfund schwer. Die „Gänse“, die im vierten Buch als Abgabe erscheinen, sind also keine Vögel, sondern Salzportionen.

Ein Versuch mitten im Wörterbuch. Unter Klafter Holz steht ein Eintrag, den man zweimal liest. „Anno 72 habe ich auf ein besonderes Schreiben des Pfarrers Rhenanus hin aus Kassel 4 Klafter zählen lassen, um zu erforschen, wie viele Scheite ein Klafter hält“. Die vier Ergebnisse stehen einzeln da — 304 ausgelesene gespaltene Scheite, 251 gemischte, 281 mit Knütteln, 261 gemeines Holz —, dann die Summe von 1.097 und der Durchschnitt: 274 Scheite je Klafter. Eine Stichprobe von vier Fällen, dokumentiert mit Streuung und Mittelwert, veranlasst durch eine schriftliche Anfrage. So arbeitete Rhenanus.

Dazwischen stehen Löhne und Preise in großer Zahl: was der Böttcher vom Schock bekommt und was, wenn er eine alte Kufe von neuem wieder zusammensetzt — „zwei Taler oder 2 Gulden, je nachdem, wie groß sie ist“; was der Decker für ein neues Bothe erhält und was der Handreicher; das Fuhrlohn nach Strecken aufgeschlüsselt; der Waldzentner der Eisenhütte, der „1¼ gemeine Zentner“ hält; und die Feststellung, dass ein Zentner zu Allendorf 104, zu Kassel aber 108 Pfund wiegt — für jeden, der zwischen beiden Orten abrechnet, eine notwendige Auskunft.

Auch die Verwaltung wird durchsichtig. Beim Gegenschreiber — der zugleich Zöllner und Mitsalzwart ist — steht das Amt beschrieben und die Besoldung aufgeschlüsselt: 20 Gulden fürs Gegenschreiberamt, 20 fürs Zollamt, 20 fürs Einnehmen der Schatz- und Wegeheller, 2 für Papier — „Summe an Geld 62 Gulden“, dazu 4 Malter Korn, 2 Achtel Salz, 6 Klafter Holz und ein Hofkleid. Der Grabenfeger bekommt 10 Gulden im Jahr dafür, „dass er die Gräben in Sooden rein hält“.

Unter Gegenzeichen tritt der Verfasser des ganzen Werks selbst auf: Die gibt „der Pfarrer Rhenanus den Bodern auf jedes Klafter“, und der Boder muss sie neben dem Zeichen des Holzvogts abliefern, „ehe und bevor er das Holz bekommt“. Zwei unabhängige Marken für dieselbe Klafter — das Vieraugenprinzip in Blei.

Und beim Gerichtsknecht sieht man, wie viele Rollen ein Mann in einem kleinen Ort ausfüllt: Er bestellt das Salz für den Landesherrn, für Grafen, Prälaten und Ritterschaft, ist beim Aufmessen dabei, begeht die Holzberge, bringt „die Ungehorsamen und Übertreter … in Haft“ — „er ist auch Wächter“.

Selbst der Bierausschank hat einen Eintrag, und er zeigt, wie Recht und Wirklichkeit auseinandergehen: Vom Fass Allendorfer Bier gehen zwei Albus an den Landesherrn, von fremdem — Göttinger und anderem — zehn Albus Tranksteuer, so 1568 ausdrücklich zugelassen. Und dann, trocken hinterhergesetzt: „Es gilt aber die alte Ordnung, dass in Sooden kein Wein und kein Bier geschenkt werden soll.“

ZusammenfassungS. 521–544

I bis R — und der Übergang zur Kohle. In diesem Teil wird sichtbar, dass die Saline gerade ihre Feuerung wechselt. Es ist von Steinkohlen-Bothen die Rede, die wegen des nötigen Schornsteins teurer sind als die alten Holzbothe; vom Kalkbrennen mit Steinkohlen — „es können je mit einem Maß Steinkohlen 3 Maß Kalk gebrannt werden“ —; und es gibt einen eigenen Kohlenmesser.

Daneben die Zahlen, an denen man den Betrieb misst: Von den dreiundvierzig Bothen des Landesherrn ist inzwischen ein Teil umgebaut; die Pfänner haben „von alters her nur 42 Bothe“ gehabt. In einer Pfanne müssen dreihundert Werk gesotten werden, ehe sie ausgetauscht wird.

Auch die Maße werden hier festgezurrt, und zwar mit dem Ernst, den ein Handelsplatz braucht: was ein ganzes und ein halbes Maß in Metzen hält, wie das Dünnenmaß zum Wormser Maß steht, was der Solmeister und der Pfannenmeister an Besoldung bekommen. Wer im Salzhandel über Landesgrenzen hinweg rechnet, findet hier seine Umrechnungstabelle.

Und unter Probe, Probieren, Probewerk steht die knappste Definition des ganzen wissenschaftlichen Programms von Rhenanus: „Ist es, wenn man die Sole prüft, wie gut sie sei und was sie halte.“

ZusammenfassungS. 545–578

S bis Z — vom Salz bis zum wilden Wasser. Der Schlussteil des Wörterbuchs enthält die wichtigsten Grundbegriffe, und einige davon sind kleine Aufsätze.

Salz: „Eine Pfanne hat 8 Achtel; ein Achtel 2 Maß.“ Dann folgen die Verkaufspreise an den Faktoreien — zu Darmstadt gilt eine Pfanne jetzt 27 Gulden 18 Albus, zu Kassel weniger — und eine Deckungsrechnung, was daran Nutzen sei: „Weil nun eine Pfanne Salz zu Kassel gilt: mit dem Holz 14 Gulden …“ Man kann daraus ausrechnen, was das Werk verdiente.

Sole: „Sie hat dreierlei Namen: 1. die rohe, 2. die wahre Sole, 3. Brunt.“ Und darunter, in der ersten Person, eine Messung: „Am 2. Februar habe ich die Sole und das wilde Wasser gewogen und befunden, dass ein Quart Sole 96 Lot gehalten hat … die gaben Salz 7 Lot. Ein Quart wildes Wasser 91 Lot.“ Ein Wörterbuchartikel, in dem jemand wiegt.

Wildes Wasser: „das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“ — der Gegenspieler der ganzen Anlage; es wird durch Kumpen von acht Zoll Weite abgeführt. Das ganze fünfte Buch handelt von ihm.

Beim Solmeister steht das Amt in einem Satz: „die Sole wöchentlich zweimal auf die Gerinne nach den Bothen zu weisen“ — dazu 50 Gulden, ein Hofkleid, ein Achtel Salz und zwei Gulden „von der Fütterung der Kunstpferde“. Beim Solgraben zwölf Gulden jährlich für den, „der dazu bestellt ist“, ihn rein zu halten.

Auch die Kleinteile fehlen nicht, und gerade sie machen den Wert des Buches aus: zwei Soltröge je Bothe, „einer für die Beiße, der andere für den Sand“, jeder einen Taler zu machen und einen Gulden vom Tannenberg heranzufahren; zwei Siebe, ein großes für die Asche und ein kleines für die Asche, „die man zum Blut gebraucht“; die eisernen Träger, „auf der Hütte zu Lippoldsberg gegossen“, fünf zum Rost, jeder gegen drei Zentner, haltbar zwei bis drei Jahre.

Zwei Einträge stehen quer zum Rest und sind gerade deshalb wertvoll. Unter Totschlag steht das alte Recht: „Wer in Sooden einen entleibt und der Täter entkommt, der muss Sooden 100 Jahre und einen Tag meiden.“ Und unter Universität die Zeile, die zeigt, wohin das Geld des Salzwerks floss: „Unser gnädiger Fürst und Herr gibt jährlich aus dem Salzwerk gegen Hasungen 400 Gulden.“ Die Saline finanziert Marburg mit.

Auch die Grenzen der Vorteilsnahme sind ein Stichwort. Unter Trinkgeld: Dem Dienstvolk beim Ausbringen des Flößholzes stehen fünf Heller je Klafter zu, „dazu wird ihnen auch das Forstgeld zur Hälfte erlassen“ — aber „Trinkgeld aber vom Salz über den festgesetzten Kaufpreis hinaus zu nehmen, ist sowohl den Beamten als auch den Siedern ernstlich verboten und eingebunden“.

Unter Winnung steht schließlich, was ein Sieder je Pfanne abzuführen hat: „3 Gulden 10 Albus“, dazu zwei Albus für die Sole und zweieinhalb für das Abschöpfen des wilden Wassers. Und unter Wegegeld die vier Heller je Pfanne, von denen „niemand befreit“ ist „außer Fürsten, Grafen, Prälaten und dem Hospital“.

ZusammenfassungS. 579–582

Was ein Siedehaus kostet — die vollständige Stückliste. Am Ende des Wörterbuchs steht eine Aufstellung, die man als Betriebswirt lesen kann: „Verzeichnis, was gänzlich in ein Holzbothe gehört und was ein Bothe mit aller zugehörigen Rüstung zum Salzsieden kostet.“

Der Bau selbst: 77 Gulden 8½ Albus. Die Pfanne mit Zubehör: 34 Gulden 18 Albus 3 Heller. Das Gesöde 2 Gulden 24 Albus, das Pfannentuch 2 Gulden 3 Albus, zwei Kufen 16 Gulden 18 Albus, zwei Zuber 10 Albus, zwei Soltröge, vier Pfannenbäume, die Stricke dazu — „3 Pfennig“ —, die drei Gerinne. Summe: 139 Gulden 16 Albus, alles vom Landesherrn zu stellen. Ein Steinkohlen-Bothe kostet „wegen des Schornsteins, wozu man viele Steine haben muss, ein Beträchtliches mehr“.

Danach, getrennt, was der Sodemeister selbst beschaffen muss: zwölf Schaufeln, eine Schöpfe, zwei Berleff, eine Esche, drei Fegfässer, ein Beißkorb, zwei Kohlkrücken, zwei Salzkrücken, eine Aschenkrücke, eine Kohlgerte, ein Hängelicht, drei Mulden, ein Salzfässlein, ein Aschensieb — zusammen 1 Gulden 11 Albus 11 Heller. Man kann ein Siedehaus des 16. Jahrhunderts danach einrichten.

Dazu die laufenden Zuschüsse: jedem Boder jährlich sechs Gulden „zur Unterhaltung des Gesödes und der allgemeinen Bauten“ und sechs Gulden „für das Austragen der Asche und Schlacken“. Und die Liste dessen, was der Schmied zur Pfanne zu liefern hat: zwei Beißhämmer, eine Hacke, sechzehn Pfannenhaken, ein Feuerhaken, drei Schippen.

Am Rand steht auch, was der Bau eines einzelnen Stücks kostete, das man sonst nirgends verzeichnet findet: „in allem zu erbauen gekostet — 283 Gulden 24 Albus 2½ Heller. Das Holz hat unser gnädiger Fürst und Herr am besten gehabt.“ Und unter Zinnmaß das Instrument, an dem alles hängt: „damit werden alle Salzmaße geeicht“.

ZusammenfassungS. 583–622

Und dann ein zweites Wörterbuch: der Bergbau. Ab Blatt 292 wechselt der Gegenstand vollständig. Es folgt ein eigenes alphabetisches Glossar zum Steinkohlenbergwerk — mit eigenen Ämtern: Bergkhauptmann, Bergvogt, Bergschreiber, Geschworene.

Dass dieses Wörterbuch überhaupt hier steht, ist die eigentliche Nachricht. Die Saline hatte den Brennstoff gewechselt, und mit der Kohle kam eine fremde Fachsprache ins Salzwerk, die man den Rechnungsführern erst erklären musste. Ein Holzvogt schreibt ein Bergmannswörterbuch, weil sein Register es verlangt.

Erklärt wird sie gründlich und anschaulich: Fimmel — „ein langer eiserner Keil“; Kratze — „ein eiserner Haken, doch vorn etwas zugespitzt“; Lutten und die Wetterführung, „auch der Wetter wegen in andere Stollen oder Schächte“ gelegt; Joch, Ehestrich — „ein Holz; es wird quer im Schacht an die Wandruten gestrichen“ — und Gezimmer für den Ausbau „mit Türstöcken, Kappen und Grundladen“.

Für die Förderung: Haspelhörner, „zwei krumme Hölzer wie an einem Schleifstein“; Rolle, „gemacht wie eine Rinne“; Laufkarren, „wie ein Schubkarren, den man zu Anfang der Stollen gebraucht“; Berghunde und die Hundläufer, „die die Kohlen von den Häuern mit den Berghunden vom Ort“ wegfahren. Für die Aufbereitung ein Rad „aus Draht durchsichtig gemacht, damit man die kleinen Kohlen darauf sieben“ kann. Und die Kaue: zwei gewölbte Steinhäuser für Steiger und Häuer.

Zwei Stichwörter zeigen, wie gefährlich die Arbeit war. Backofen heißt „der Ort, wo sich die Kohlen unversehens selbst entzündet haben“ — Grubenbrand durch Selbstentzündung, mit einem eigenen Wort dafür, und daneben gleich der alte Backofen als abgegrenzter Altbrand. Berge zurückstürzen ist es, „wenn im Berg etwas einbricht“. Und beim Sumpf und den Wasserkünsten steht, wie „das Wasser aus dem Tiefsten auf die Stollen gehoben“ und abgeleitet wird.

Auch die Verwaltung der Grube ist beschrieben. Das Amt des Bergkhauptmanns ist es, „alle Bergwerke im Land in Verwaltung“ zu haben, einzunehmen und auszugeben — „er muss auch auf die Arbeiter sehen“. Und unter Maß steht, wie verkauft wird: „damit misst man die Kohlen aus, und jedes dieser Maße wird um 2½ Albus verkauft“.

Die Arbeitszeit steht ebenfalls da, in einem Satz: Schicht — „ist es, wenn ein jeder Arbeiter am Tag seine Arbeit von 12 Stunden verrichtet“.

Und ganz am Ende, unter dem letzten Buchstaben, ein Gebäude: „…worin der Bergschreiber seine Wohnung hat“. Ein Ort, ein Amt und ein Wort — so endet das Buch.

Redaktionelle AnmerkungS. 583–622

Warum ein Bergmannswörterbuch im Salzbuch steht. Mit der Braunkohle kam eine fremde Fachsprache in die Saline, die den Rechnungsführern erst erklärt werden musste. Der Wortschatz ist derselbe wie im Erzbergbau und bei Georgius Agricola, dessen De re metallica 1556 erschienen war: Fimmel, Kratze, Lutten, Gezimmer, Berghunde, Schicht. Dass diese Wörter hier vor 1580 in Nordhessen belegt sind, ist für die Sprachgeschichte ein brauchbarer Fixpunkt.

„Backofen“ als Wort für die Stelle, „wo sich die Kohlen unversehens selbst entzündet haben“, verdient eine eigene Anmerkung. Selbstentzündung ist bei Braunkohle ein bis heute bekanntes Problem. Dass es dafür ein eigenes Wort gab und daneben den „alten Backofen“ als abgegrenzten Altbrand, heißt: Man kannte das Phänomen, benannte es und verwaltete es — vier Jahrhunderte, bevor es dafür eine Fachliteratur gab.

Die Zwölfstundenschicht, die unter Schicht steht, ist keine Übertreibung des Schreibers, sondern im Bergbau der Zeit die Regel. Sie ist zugleich der Grund, warum die Kaue — zwei gewölbte Steinhäuser für Steiger und Häuer — überhaupt gebraucht wurde.

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