Salzbibel
Aufbau des Werks
Drei Bände, fünf Bücher, vier Anhänge — die Gliederung der Salzbibel mit Blatt- und Seitenzählung nebeneinander
Drei Bände, fünf Bücher, vier Anhänge
Die Salzbibel wird oft falsch gezählt. In Nachschlagewerken liest man von „fünf Bänden“, gelegentlich von „fünf Anhängen“. Beides stimmt nicht. Rhenanus hat sein Werk in fünf Bücher gegliedert, und in seinem eigenen Inhaltsverzeichnis (Bd. 1, S. 43–47) beschreibt er jedes davon und dazu vier Anhänge: das Glossar des Holzvogts, das Universalprobierbuch, das Probierbuch für Sooden und das Reisebuch. Was danach kommt — die Quellenauszüge mit dem Register, von der Handschrift selbst Miscellanea überschrieben, und die Kunstrisse —, ist kein fünfter Anhang, sondern Beigabe.
Gebunden ist das alles in drei physische Bände: Die Bücher I bis IV füllen den ersten Band, das fünfte Buch mit den Anhängen, den Miszellen und den Tafeln den zweiten. Der dritte Band ist kein Teil des Werks, sondern gehört zu seiner Entstehung: eine Mappe mit den Schreiben Landgraf Wilhelms IV. von 1567 bis 1570, die den Auftrag erteilten und den Fortgang verfolgten.
Wer die Bücher und die Bände verwechselt, verzählt sich also um zwei; wer die Miszellen als Anhang zählt, um einen. Diese Ausgabe folgt der Handschriftenbeschreibung der Manuscripta Hassiaca und Rhenanus’ eigenem Verzeichnis, die in der Gliederung übereinstimmen.
Die Gliederung mit Blatt- und Seitenzählung
Die Tabelle stellt beide Zählungen nebeneinander: links die Blattzählung der Handschrift, wie sie die Handschriftenbeschreibung angibt (ein Blatt hat eine Vorder- und eine Rückseite, recto und verso); rechts die Seitenzählung dieser Ausgabe, die der Nummer der Aufnahme im Digitalisat entspricht. „Bd. 2, S. 476“ ist die 476. Aufnahme des zweiten Bandes bei ORKA. Jede Zeile verweist auf die erste Seite des Abschnitts im Faksimile.
| Abschnitt | Titel | Blätter | Seiten | Umfang | Faksimile |
|---|---|---|---|---|---|
| Einleitung | Titelblatt, Widmung und Inhaltsverzeichnis | 1–21 | 7–47 | 41 | S. 7 |
| I · 1. Buch | Vom ersten Ursprung des Salzwerks | 22–69 | 49–144 | 96 | S. 49 |
| II · 2. Buch | Die Entwicklung unter Landgraf Philipp dem Großmütigen | 70–324 | 145–654 | 510 | S. 145 |
| III · 3. Buch | Die Verträge zwischen Landgraf und Pfännern | 326–361 | 657–728 | 72 | S. 657 |
| IV · 4. Buch | Die Salzordnungen | 362–528 | 729–1062 | 334 | S. 729 |
| Abschnitt | Titel | Blätter | Seiten | Umfang | Faksimile |
|---|---|---|---|---|---|
| V · 5. Buch | Der Brunnenbau | 1–228 | 5–460 | 456 | S. 5 |
| App. I · 1. Appendix | Das Glossar des Holzvogts | 235–309 | 473–622 | 150 | S. 473 |
| App. II · 2. Appendix | Das Universalprobierbuch | 310–334 | 623–672 | 50 | S. 623 |
| App. III · 3. Appendix | Das Probierbuch für Sooden | 336–360 | 675–724 | 50 | S. 675 |
| App. IV · 4. Appendix | Das Reisebuch | 362–440 | 727–884 | 158 | S. 727 |
| Misc. · Miszellen | Die Quellenauszüge und das Register | 441–514 | 885–1032 | 148 | S. 885 |
| Tafeln · Kunstrisse | Die neun technischen Zeichnungen | 516–531 | 1035–1059 | 25 | S. 1035 |
| Abschnitt | Titel | Blätter | Seiten | Umfang | Faksimile |
|---|---|---|---|---|---|
| Band 3 | Das fürstliche Schreiben und die Beilagen | 1–14 | 1–45 | 41 | S. 1 |
Zwischen den Abschnitten bleiben einzelne Aufnahmen frei — etwa Bd. 1, S. 655–656 zwischen dem zweiten und dem dritten Buch oder Bd. 2, S. 461–472 zwischen dem fünften Buch und dem ersten Anhang. Das sind Aufnahmen, die keinem Abschnitt zugeordnet sind — Zwischenblätter, die in der Zählung mitlaufen, aber keinen Text tragen, der zu einem Buch oder Anhang gehört. Auch die Aufnahmen vor der ersten Textseite — Bd. 1 beginnt mit dem Titelblatt auf S. 7, Bd. 2 mit der Bestätigungsurkunde auf S. 5 — gehören nicht zum Text.
Was Blattgröße und Einband verraten
Die Signatur der Kasseler Bände lautet 2° Ms. Hass. 186. Das „2°“ ist die Formatangabe: Folio, der große Bogen einmal gefaltet. Die Salzbibel ist also kein Handbuch für die Tasche, sondern ein Buch für den Tisch — eines, das im Salzwerksamt lag und dort nachgeschlagen wurde. Dazu passt der Besitzstempel der kurfürstlichen Ober-Berg- und Salzwerksdirektion auf dem Titelblatt: Das Werk war lange Verwaltungsgut — 1797 lagen die Bände 1 und 2 noch in der Ober-Rentkammer zu Kassel —, ehe es in die Kasseler Bibliothek kam.
Die Kunstrisse am Ende des zweiten Bandes sind noch größer. Sie sind als Falttafeln eingebunden und ragen aufgeklappt über den Buchblock hinaus; auf den Aufnahmen ist der Falz zu sehen, und bei einer Tafel wurde die Aufnahme mit anders ausgeklapptem Rand wiederholt. Die Tafeln sind das einzige Material im Werk, das nicht auf das Folioformat zugeschnitten ist. Das legt nahe, dass sie nicht für das Buch gezeichnet, sondern als vorhandene Pläne beigebunden wurden — belegt ist das nicht.
Der dritte Band unterscheidet sich schon äußerlich. Nach der Handschriftenbeschreibung hat er „Kladdencharakter“, stammt von mehreren Händen und war bis 1972 nicht gebunden, sondern in blauen Umschlagkarton geheftet. Hier liegt Verwaltungsschriftgut, dort ein hergestelltes Buch.
Eine Reinschrift, keine Urschrift
Die beiden Kasseler Bände sind nicht Rhenanus’ eigenes Manuskript. Die Handschriftenbeschreibung nennt sie „Reinschrift des Originals, das zwischen 1567–1585 entstand“; die Bände 1 und 2 stammen durchgehend von einer Hand. Auch das Werk selbst sagt es: Ein Schreiben Wilhelms IV. vom 5. Februar 1570 im dritten Band stellt eine Belohnung in Aussicht, sobald „das vorgennommene Buch sonderlich rein ausgeschrieben [?] werde“ — so die Handschrift; das letzte Wort ist unsicher gelesen —, und ein später aufgeklebter Zettel auf dessen erstem Blatt hält fest, das Salzbuch sei 1568 begonnen, 1574 fertig und „in denen folgenden Jahren aber erst abgeschrieben und in zwey Bänden vollendet worden“.
Rhenanus’ Urschrift von eigener Hand liegt nach der Literatur (Emons/Walter 1986, danach Wikipedia) in Clausthal-Zellerfeld, in der Bibliothek des ehemaligen Oberbergamts; andere halten die Frage für ungeklärt. Niemand aus diesem Projekt hat sie gesehen, und verglichen wurde sie mit der Kasseler Reinschrift nie. Im Salzmuseum Bad Sooden-Allendorf liegen zwei Bände in der Vitrine. Ihr Verhältnis zur Kasseler Reinschrift ist nicht geklärt — Original, zeitgenössische Abschrift oder spätere Kopie; entscheiden ließe sich das nur vor Ort. Ob Reinschrift und Urschrift übereinstimmen, hat bisher niemand geprüft; die Seite Offene Fragen führt das als Aufgabe. Für diese Ausgabe heißt das: Was hier steht, ist der Text, wie ihn ein Schreiber des 16. Jahrhunderts von Rhenanus’ Vorlage übertragen hat — mit dessen Glättungen und, wo sie vorkommen, mit dessen Fehlern.
