ZusammenfassungS. 727–732
Der Auftrag: reisen, messen, aufschreiben. Der vierte Anhang ist Rhenanus’ Reisebericht — und der eigentliche Grund, warum die Salzbibel mehr ist als eine Hauschronik.
Die Vorgeschichte erklärt er selbst. Wilhelm IV. habe zu Beginn seiner Regierung nicht nur eine Beschreibung des Salzwerks gewollt, sondern auch eine neue Ordnung — und dabei „im Lauf der Sache befunden“, dass ein solches Vorhaben „ohne Erfahrung vieler Salzwerke“ nicht ordentlich auszuführen sei. Also wird der älteste Diener und Salzgraf auf Reisen geschickt.
Die Instruktion vom 28. Juni 1568, unterzeichnet vom Landgrafen selbst, nennt die Ziele: Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde. Und sie liest sich streckenweise wie eine Anleitung zur verdeckten Erkundung: Rhenanus soll „an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen“ — die Beglaubigungsschreiben also versteckt halten und nur vorzeigen, „wo er es für ratsam hält“.
Für den Fall, dass er sich zu erkennen gibt, ist ihm sogar die Erklärung vorformuliert: Er komme „nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte“, sondern allein das eigene Werk besser einrichten. Ob man ihm das glaubte, ist eine andere Frage.
Das Entscheidende steht im nächsten Absatz: „Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen.“ Er reist nicht als Betrachter, sondern mit einem Messinstrument im Gepäck — und bringt vergleichbare Zahlen zurück. Dazu soll er erkunden, wie überall die Sole gefasst, wie gesotten, welche Künste gebaut sind und „mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind“.
Ein Nachtrag von anderer Hand fügt Bremen hinzu: Er soll sich erkundigen, ob Bois — Torf — „in großer Menge zu bekommen“ sei und was eine Tonne koste. Auch der Brennstoff steht auf der Liste.
