Zum Inhalt
salzbibel.deForschungsprojekt
Darstellung
Darstellung
Schriftgröße
Zeilenabstand
Farben
Kontrast
Bewegung
Schriftart

Alle Einstellungen mit Erläuterung

Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

Die Salzbibel in der Reihenfolge der Handschrift, Seite für Seite: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassungen und redaktionelle Anmerkungen. Jede Ansicht und jeder der dreizehn Abschnitte lässt sich an- und abschalten; weitere Filter grenzen auf Seiten mit Abbildungen, Tabellen, Randvermerken oder unsicheren Lesungen, auf einen Band, einen Seitenbereich oder ein Suchwort ein. Der Zustand steht in der Adresszeile.

Wortlaut und Übersetzung werden unverändert ausgegeben; Ziffern im Wortlaut verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite. Den Gesamtbestand durchsucht die Suche, die Gliederung erklärt Aufbau des Werks.

Ansicht
Abschnitt
Weitere Filter1
Nur mit
Band
Eingrenzen
zurücksetzen

2 von 2.240 Einträgen

zurücksetzen

App. IV · 4. Appendix · Band 2

Das Reisebuch

Der vierte Appendix · 158 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 727–732

Der Auftrag: reisen, messen, aufschreiben. Der vierte Anhang ist Rhenanus’ Reisebericht — und der eigentliche Grund, warum die Salzbibel mehr ist als eine Hauschronik.

Die Vorgeschichte erklärt er selbst. Wilhelm IV. habe zu Beginn seiner Regierung nicht nur eine Beschreibung des Salzwerks gewollt, sondern auch eine neue Ordnung — und dabei „im Lauf der Sache befunden“, dass ein solches Vorhaben „ohne Erfahrung vieler Salzwerke“ nicht ordentlich auszuführen sei. Also wird der älteste Diener und Salzgraf auf Reisen geschickt.

Die Instruktion vom 28. Juni 1568, unterzeichnet vom Landgrafen selbst, nennt die Ziele: Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde. Und sie liest sich streckenweise wie eine Anleitung zur verdeckten Erkundung: Rhenanus soll „an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen“ — die Beglaubigungsschreiben also versteckt halten und nur vorzeigen, „wo er es für ratsam hält“.

Für den Fall, dass er sich zu erkennen gibt, ist ihm sogar die Erklärung vorformuliert: Er komme „nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte“, sondern allein das eigene Werk besser einrichten. Ob man ihm das glaubte, ist eine andere Frage.

Das Entscheidende steht im nächsten Absatz: „Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen.“ Er reist nicht als Betrachter, sondern mit einem Messinstrument im Gepäck — und bringt vergleichbare Zahlen zurück. Dazu soll er erkunden, wie überall die Sole gefasst, wie gesotten, welche Künste gebaut sind und „mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind“.

Ein Nachtrag von anderer Hand fügt Bremen hinzu: Er soll sich erkundigen, ob Bois — Torf — „in großer Menge zu bekommen“ sei und was eine Tonne koste. Auch der Brennstoff steht auf der Liste.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 727 (Bl. 362r)
Der vierte Appendix: das Reisebuch mit den Berichten von anderen Salzwerken Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 727 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 727–757

Dies ist der einzige Teil der Salzbibel, der ediert vorliegt: Hans-Henning Walter, Das deutsche Salinenwesen im 16. Jahrhundert. Reiseberichte des Allendorfer Salzgräfen Johannes Rhenanus, Freiberg 1989. Alles andere — die fünf Bücher, beide Probierbücher, das Archivverzeichnis, die Kunstrisse — ist bis heute unediert.

Die Instruktion ist ein Dokument der Technikspionage. Die Beglaubigungsschreiben „im Busen“ zu tragen, das Werk zunächst „privat“ zu besichtigen, die vorformulierte Beschwichtigung für den Fall der Entdeckung: Das ist kein Übereifer eines Landesherrn, sondern die normale Form, in der technisches Wissen im 16. Jahrhundert zirkulierte. Ein Patentwesen gab es außerhalb Venedigs kaum; geschützt wurde durch Geheimhaltung. Rhenanus steht in dieser Ordnung auf beiden Seiten — er erkundet fremde Werke, und er lässt sich zu Hause von Meister Hans Wetzel Verschwiegenheit geloben.

Zum Gradierwerk — eine Klarstellung. Rhenanus hat die Gradierung nicht erfunden; Gradierung über Strohwände ist im 16. Jahrhundert für Bad Kissingen belegt. Nach der Geschichtsseite der Stadt Bad Sooden-Allendorf wurde das erste von insgesamt vierzehn Gradierwerken 1601 gebaut, das erhaltene Gradierwerk Nr. 5 1638; der Verein für Heimatkunde nennt dieselben Jahre. Die gelegentlich genannte Zahl 1555 steht dort für die Bedeutung des Salzwerks um diese Zeit, nicht für ein Gradierwerk; eine Quelle, die 1555 als Beginn des Gradierens nennt, hat sich nicht finden lassen. Rhenanus hat 1568 das Leckwerk in Sulza beschrieben, nicht in Sooden eines gebaut. Wer die Salzbibel als Beleg heranzieht, sollte die Stelle genau angeben. Der gelegentlich zitierte Vergleich „elf Jahre vor Bad Nauheim“ stammt aus der Vereinsliteratur und trägt nicht: In Nauheim wurde erst im 18. Jahrhundert gradiert.

Die Reiseziele sind eine Karte. Frankenhausen, Artern, Halle, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg — das sind genau die Orte, an denen dreihundert Jahre später die deutsche Kaliindustrie entstand. Der Zusammenhang ist geologisch: Alle liegen über den Salzlagern des Zechsteins. Rhenanus reist, ohne es wissen zu können, die Umrisse einer Lagerstätte ab.

2 Elemente in 0,12 Sekunden aus der Datenbank gelesen.

Einstellungen auf diesem Gerät speichern?

Damit die gewählte Darstellung beim nächsten Besuch erhalten bleibt, würde ein einzelner Eintrag im lokalen Speicher des Browsers (localStorage) abgelegt. Das ist kein Cookie, und der Eintrag verlässt das Gerät nicht.