ZusammenfassungS. 145–155
Worum es geht. Das zweite Buch ist kein Buch, sondern eine Akte: die Sammlung aller Schreiben, Gutachten und Protokolle zu dem Streit, der das Salzwerk zwischen 1538 und 1540 erschütterte. Die Frage war einfach und ihre Antwort teuer: Darf der Landesherr neben den zweiundvierzig Pfannen der Pfänner eigene bauen?
Rhenanus sagt zu Beginn, wie er vorgegangen ist, und das ist für einen Herausgeber des 16. Jahrhunderts bemerkenswert. Eigentlich müsste man alle Schreiben beider Seiten „der Länge nach … ordentlich einander gegenübergestellt“ abdrucken. Er habe aber „um der lieben Kürze willen viele davon weggelassen und allein diejenigen verzeichnet, die meines Erachtens die Sache erläutern“. Wer mehr wolle, finde den Rest „in meinem Kasten“, nach dem Verzeichnis der Miszellen. Ein Herausgeber, der seine Auswahl offenlegt und den Fundort des Übergangenen nennt.
Der Anfang, Januar 1538. Landgraf Philipp schreibt den Pfännern: Überall im Fürstentum fehle Salz, die Preise stiegen unbillig, die Untertanen müssten es teuer aus fremden Ländern holen. Die Bevölkerung wachse, der Bedarf wachse mit — und Gott habe bei Allendorf so reiche Salzadern gegeben, dass sie „viel mehr Pfannen, als jetzt da sind, tragen könnten“.
Dann kommt der eigentliche Angriff, und er ist juristisch. Die Privilegien der Pfänner seien von seinem Vater Wilhelm bestätigt worden, als dieser noch unmündig war — „an Jahren noch jung und unmündig gewesen ist“. Der Landgraf verlangt Einsicht in Brief und Siegel: Er wolle wissen, aus welchen Gründen sein unmündiger Vater dazu bewogen worden sei. Denn wer auf unvollständigen Bericht hin bestätige, gebe nichts Neues; und alles, „was dem gemeinen Nutzen und der Notdurft zuwider und hinderlich ist, das ist im Recht nicht beständig“.
Der Satz ist der Angelpunkt des ganzen Streits, und beide Seiten werden zwei Jahre lang um ihn kämpfen: Steht der gemeine Nutzen über dem verbrieften Recht?
Zugleich verspricht der Landgraf, niemandem Schaden zu tun: Die zweiundvierzig Pfannen sollen bleiben, wie sie sind. Und er lädt die Pfänner auf den nächsten Samstag nach Kassel — mit dem Zusatz, sie sollten ihren Gesandten Vollmacht zum endgültigen Abschluss geben und nicht auf Abwesende warten. Genau daran wird die Verhandlung scheitern.