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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

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V · 5. Buch · Band 2 · Fortsetzung

Der Brunnenbau

Das fünfte Buch · 456 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 49–102

Der Bau von 1489 — und der Mann, der ihn aufschrieb. Aufgezeichnet hat ihn Conradus Geyseler, „unwürdiger Priester, Vikar des Aller-Apostel-Altars in der Heilig-Kreuz-Kirche zu Allendorf, Sohn eines armen Bürgers ebendort“ — einer der acht Baumeister, die die Pfännerschaft aus ihrer Mitte wählte. Er schreibt keinen Bericht, sondern eine Denkschrift für die Nachwelt, in zweiundzwanzig Kapiteln, mit einem eigenen Inhaltsverzeichnis und Tagesdaten nach Heiligenfesten.

Seine Begründung ist der Satz, aus dem hundert Jahre später die ganze Salzbibel hervorgeht. Man solle den Bau aufschreiben, damit die nachkommenden Pfänner, „falls es nach vielen Jahren abermals nötig sein wird“, aus dem „schriftlichen Muster und der Form des geschehenen … Baues eine gründliche, sichere Anweisung“ hätten. Denn es seien „viele schädliche und unnütze Kosten und Arbeiten entstanden, weil der Grund des Salzbrunnens mit seinem Werk den Pfännern unbekannt und unverzeichnet war — was künftig zu vermeiden ist“. Nicht Frömmigkeit treibt ihn, sondern die Erfahrung, dass fehlende Dokumentation Geld kostet.

Dazu die Bitte, die jeder Fachautor kennt: Wer etwas Gutes darin finde, solle Gott danken; was unnütz oder schlecht gesetzt sei, möge er „meiner Unzulänglichkeit, Grobheit und Unerfahrenheit zurechnen … tadeln und verbessern“ — „da ich mich allezeit denjenigen unterwerfe, die mehr und es besser wissen“.

Die Lage. An Lichtmess 1489 schickten die Salzgrafen nach Meister Curt Mardtorff, auf Empfehlung des Junkers Hans von Dörnberg, Hofmeister zu Marburg. Das Gewölbe über dem Brunnen stand unter Wasser; man kam nicht heran. Ein Vorgänger, ein Bürger namens Schwellenberg aus Witzenhausen, hatte es mit „ein[em] Rad mit vielen Eimern“ versucht — vergeblich, „es war ganz umsonst geschehen“. 1480 hatte man sogar polnische Wanderarbeiter angeworben, „die zu derselben Zeit im Lande arbeiteten“, um den Sohlgraben zu räumen.

Mardtorff grub einen Graben zur Werra, um den Fluss zum Ausspülen zu nutzen — und scheiterte, weil das Wasser von unten entgegenstand. Also, schreibt Geyseler, dachte der Meister darüber nach, „wie er mit Kunst (Technik) nachhelfen könnte, wo die Natur es nicht leiden oder ertragen wollte“: Er baute ein Schaufelrad in den Graben, das die Werra antrieb, und daran ein vierkantiges Hebewerk, „desgleichen nie zuvor gesehen oder gehört worden ist“. Das Rad lief Tag und Nacht und legte das Gewölbe trocken.

Die Technik. Was folgt, ist eine der genauesten Baubeschreibungen des deutschen Spätmittelalters. Eine Eimerkette mit erst sieben, dann vierzehn ledergedichteten Schöpfeimern, jeder mit Windfang und Überlaufloch, damit er sich nicht zu voll saugte. Eine eigens gebaute Schneidemühle, ebenfalls von der Werra getrieben, die die Bohlen für die Verschalung schnitt. Große Kästen aus Dielen, in denen die Sole gefasst wurde, damit während des Baus weiter gesotten werden konnte. Zwölf Reifen um das neue Fass, die Schwellen ins Achteck gelegt, das Gedämme „anderthalb Mann hoch“ und tief in den Grund gerammt.

Es geht sogar bis in die Fehlersuche: Das viereckige Stad vor dem Gewölbe fasste zu viel Wasser, das Rad kam nicht nach — also nagelte der Meister innen Leisten und Bretter ein, bis das Becken an den Ecken um eine halbe Elle enger war, und bohrte Löcher ins Rad, „damit die Last nicht zu schwer würde“. Ein Modell dieses Rades hat Heinrich Lower angefertigt, „zum Gedächtnis“, und man findet es — wie schon die alte Holzvereinbarung — am Brückentor. Die Stadt bewahrte ihre technische Überlieferung an einem Tor.

Und dann eine naturkundliche Abhandlung. Mitten im Baubericht hält Geyseler inne und fragt, woher die Sole kommt. Der Grund des Brunnens sei harter Fels, Kies und Kieselstein, ohne Schlamm; es gebe kein Loch, aus dem die Ader entspringe, „sondern die Sole dringt durch den harten Kiesel heraus gleich wie Wasser durch ein Sieb“. Sie quelle nicht auf wie ein Quellbrunnen, sondern steige „der Luft entgegen … nach ihrer Kraft“.

Daraus zieht er zwei Schlüsse. Der erste ist eine Betriebsregel von bleibender Gültigkeit: „So gut, wie der Grund von Natur aus Salzwasser trägt und gibt, so gut ist auch die Sole, und man kann die Sole über ihre Natur hinaus nicht besser machen; aber man kann wohl dem wilden Wasser … wehren, damit die Sole in ihrer Natur nicht geschwächt und gemindert wird.“ Alles, was in den folgenden hundert Jahren am Brunnen gebaut wird, folgt genau diesem Satz.

Der zweite Schluss ist eine Widerlegung — und dafür führt er einen Versuch an, den er von Seefahrern kennt. Käme die Sole aus dem Meer, müsste sie sich durch Stein und Erdreich drängen, „und solche Durchdringung macht Salzwasser süß“. Zum Beweis: Wenn Schiffsleute kein Süßwasser haben, „dann werfen sie eine leere, zugespundete Tonne, an einer Leine an das Schiff gebunden, in die gesalzene See“; das Nasse dringe hinein, „und so entsteht durch das Durchdringen in der Tonne süßes Wasser“. Vermöge ein Fassdaube das schon, „um wie viel mehr geschähe das“ über ganze Gebirge hinweg. Ein Priester in Allendorf argumentiert 1489 mit einer beobachteten Entsalzung durch eine Membran.

Die Ehrlichkeit am Schluss. Das Bemerkenswerteste an dieser Denkschrift ist, dass sie ihr eigenes Ergebnis anzweifelt. Nachdem alles abgebrochen und der Brunnen leergeschöpft war, „fand man nirgends einen Ausfluss oder Ausbruch der Sole“. Die Ader in der Abzucht, die man für das Leck gehalten hatte, erwies sich als „ein besonderes Gequell … und niemals aus dem Brunnen gekommen ist“ — geprüft, indem man beide Solen verglich, „an Güte, Geschmack und Substanz ohne allen Unterschied“.

Die wirkliche Ursache war eine andere: Das Gewölbe war „mit Steinen meisterlich zugedeckt“, sodass die Süßwasserquellen keinen Abfluss hatten und sich zum tiefer liegenden Brunnen zogen. Der Beweis dafür ist eine Beobachtung, die man heute eine Korrelation nennen würde: Immer wenn das Gewölbe nicht abfließt, „wird man sichtlich gewahr, dass die Sole im Brunnen höher steigt“ — und solange das Rad lief, war sie so gut, dass die Sieder „viele Werke gesotten hatten, ohne jeden Zusatz, mit purer roter Sole“ — so die Übersetzung; gemeint ist wohl roher Sole.

Also schreibt Geyseler den Satz auf, den man von einem Bauleiter selten liest: Hätten die Pfänner das vorher gewusst, „so wäre ihnen am Born und seinen Werken kein Bau zu tun nötig gewesen, sondern allein am Umgang und an der Anzucht“. Und dann, trocken: „So sind die Pfänner durch Schaden und durch Bauen klug geworden.“

Sein nützlicher Rat an die Nachkommen ist entsprechend nüchtern: Findet man Quellen im Umgang, „soll darüber niemand erschrocken sein“ — sie gehören nicht zum Brunnen. Und: „Man braucht sich auch nicht allzeit an die Klage der Sieder zu kehren, ob ihnen die Sole nicht behagt. Denn sie jammert der Schaden der Pfänner nicht — das merke, wer da will.“ Tatsächlich ergab die Nachfrage bei „etliche[n] glaubwürdige[n] Sieder[n]“, dass „die Sole nicht geringer sei“; sie verbrannten mehr Holz, weil sie größere Werke sotten, „wollten sie ihre Ladeleute bei sich behalten“.

Das Menschliche. Am Laurentiustag richteten die Baumeister „gegen Abend eine Kollation aus, mit Wein und Einbecker Bier und guter Kost“, für Meister Curt, seine Hausfrau und die Zimmerleute, und luden die Salzgrafen dazu — ausdrücklich, „damit der Meister desto gütiger und williger wäre“. Und in der ganzen Bauzeit stand das Sieden nur eine einzige Woche still, weil dreimal die Eimerkette riss; das Sommergesöde war so gut wie seit dreißig Jahren nicht.

Die Abrechnung steht in zwei Währungen, weil man sie umrechnen musste: 1.157 Mark, 3½ Pfund und 9 Heller aus den Registern, „je drei Mark für zwei Gulden“ gerechnet, ergibt 769½ Gulden. Dazu Mardtorffs Lohn von 234 Gulden — und acht Gulden für zwei Malter Korn und ein Schwein, die er „über die Zettel hinaus“ verlangte, „was die Pfenner denn auch duldeten und geschehen ließen, so dass sie sich in Güte von dem Meister schieden“. Gesamtsumme: 1.011½ Gulden, 17 Pfund, 5 Heller. Dauer: zwei Jahre und einundzwanzig Wochen.

Und ein Kapitel, das Geyseler bewusst ans Ende gestellt hat, „damit solches desto länger im Gedächtnis bleiben möge“: die alte Konstitution zwischen Pfännern und Bürgern über das Holz. Der Hegeberg gehört den Pfännern allein, die übrigen Stadtwälder ihnen und den Bürgern gemeinsam — und wenn die Pfänner Bauholz brauchen, sollen die Bürger es „gütlich nachgeben und … nicht abschlagen“. Auch diese Vereinbarung, schreibt er, „findet [man] … schriftlich am Brückentor“.

Beschlossen wird mit einem Dankkapitel: für gutes Wetter, für gutes Sieden, und dafür, dass „kein Mann oder Mensch an seinem Leib Schaden genommen hat in aller Gefährlichkeit, die sich zuweilen begeben hat“.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 1058 (Bl. )
Tafel AA: der alte Brunnen mit allen seinen Gebäuden — der Zustand, den Geyselers Bericht von 1489 beschreibt. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1058 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 49–102

Die beiden Chroniken sind der Grund, warum dieses Buch mehr ist als Verwaltungsschriftgut. Sie sind von Beteiligten geschrieben, nicht von Chronisten: Geyseler war einer der acht Baumeister, Berker Salzgraf. Beide wollten, dass nachfolgende Generationen nicht dieselben Fehler machen und dasselbe Geld ausgeben. Geyseler widmet dem sogar ein eigenes Kapitel — „Ein nützlicher Rat für die nachkommenden Pfänner“.

Zur Schreibung der Namen: In der Handschrift erscheint derselbe Mann als Jost Berker, Jost Becker, Jost Berber und Jost Berttern, der Baumeister von 1489 als Curt Mardorff und Kurt Mardtorff. Das ist kein Transkriptionsfehler, sondern gängige Praxis des 16. Jahrhunderts — Namen wurden nach Gehör geschrieben. Die Transkription gibt jede Stelle so wieder, wie sie dasteht.

Zur Tonne im Meer. Geyselers Beweis, ein verschlossenes Fass werde im Meer mit süßem Wasser gefüllt, trifft physikalisch nicht zu: Eine Fassdaube ist keine halbdurchlässige Wand, das Salz wandert mit. Die Beobachtung ist auch nicht seine Erfindung — schon in Aristoteles’ Meteorologie steht der Versuch mit einem verschlossenen Gefäß, das man ins Meer hinablässt. Bemerkenswert ist etwas anderes: dass ein Vikar 1489 eine Frage nach der Herkunft der Sole nicht mit einer Autorität, sondern mit einem Versuch zu entscheiden sucht.

Der Satz, an dem hundert Jahre Salinenbau hängen, steht ebenfalls hier: „Man kann die Sole über ihre Natur hinaus nicht besser machen; aber man kann wohl dem wilden Wasser … wehren.“ Das ist sachlich richtig. Der Salzgehalt einer Quelle ist durch die Lagerstätte bestimmt; Gradieren und Sieden konzentrieren die Sole, sie vermehren das Salz nicht. Alles, was in Sooden bis 1906 gebaut wurde, folgt dieser Einsicht.

Und ein seltener Schluss. Geyseler räumt am Ende ein, der ganze Bau wäre vermutlich nicht nötig gewesen, hätte man die Ursache vorher gekannt. Einen Baubericht, der das eigene Ergebnis in Frage stellt, findet man in keinem Jahrhundert oft. Wer den Wert dieser Handschrift begründen will, sollte auf diese Stelle zeigen — nicht auf die Technik.

ZusammenfassungS. 103–183

Der Bau von 1550 — die Vorgeschichte. Sechzig Jahre später schreibt Jost Berker von Homberg, Salzgraf, die zweite Chronik, und er beginnt mit derselben Begründung wie Geyseler: „Im Namen des Herrn, Amen. Weil die Tage der Menschen abnehmen und wie der Rauch vergehen …“ — ohne Aufzeichnung geht alles verloren.

Der Befund ist zunächst derselbe wie 1489: Der Salzbrunnen sei „mangelhaft und schadhaft geworden, sodass die Sieder über die gewöhnliche Zeit hinaus“ sieden müssten. Diesmal aber gibt es einen Verdächtigen — und der ist eine Maschine.

Der Streit um die Rosskunst. Seit 1546 klagen die Sieder, sie bräuchten mehr Holz für dieselbe Menge Salz. Schuld sei, sagen viele, die Rosskunst des Meisters Jörge Behm aus Nürnberg — jenes von Pferden getriebene Pumpwerk, dessen Bestallung im zweiten Buch steht. Behm bestreitet das und beruft sich „auf alle verständigen Bergleute“. In den Protokollen steht der Vorwurf mehrfach: Man sei „sonderlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt“ worden; er habe „etliche weitere Gebäude, sonderlich die Wasserkunst vor dem Gewölbe, mehr zu seinem Vorteil“ als zur Förderung des Werks errichtet.

Der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein. Zwischen die Akten geraten Briefe, die den Hintergrund erklären: Landgraf Philipp schreibt seinen Räten, es sei ihm ein Schreiben zugekommen „im kaiserlichen Lager zu …“ — es ist die Zeit des Schmalkaldischen Krieges, der Landesherr in kaiserlicher Haft. Die Räte in Kassel müssen ohne ihn entscheiden. Aus dem Juli 1547 stammen die ersten Anordnungen.

Wie man 1547 einen Befund erhebt. Was folgt, ist ein Verwaltungsvorgang, wie er heute noch abliefe, und Berker protokolliert ihn Schritt für Schritt. Zuerst werden die Fachleute gehört, und ihre Aussagen stehen namentlich da. Johann Schaffnit meint, „wenn der Sohlgraben geräumt werde, habe der Brunnen keinen Mangel“. Ein anderer hält dagegen: Wenn das zutreffe, „so muss es an Jörgens Kunst liegen und an keinem anderen“. Heinz Luther rät zu etwas Drittem. Und alles wird Behm vorgehalten, damit er antworten kann.

Dann folgt der Augenschein, und er ist die eigentliche Untersuchungsmethode: Der Brunnen wird aufs Niedrigste leergeschöpft, „damit man den Boden sehen könnte“. Man stellt fest, dass „auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt“; dass gegen Süden „eine Ader stark“ gehe; dass die Fässer „aus ganzen Dielen“ bestehen und „zu verschiedenen Zeiten gesetzt“ worden sind. Beim ersten Versuch kommt man nur „bis an das Knie eines Mannes“ hinunter — man vertagt, „bis die Berge wieder wasserreich würden“. Am 8. Oktober erreicht man endlich das Gefälle vor dem Gewölbe.

Und man schmeckt. Niedenstein holt „viererlei Sole aus der Aufzucht und dem Umgang“ und vergleicht sie mit der Sole im Brunnen — dasselbe Verfahren, mit dem Geyseler 1489 gearbeitet hatte, und dasselbe, das Christoph Homberg zwei Jahre später mit der Waage ersetzen wird.

Wer alles kommt. Die Namensliste der Beteiligten ist ein Querschnitt durch die hessische Verwaltung und das Bauhandwerk: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thold, Jörge Freundt als Rentschreiber zu Eschwege, die Salzgrafen Johann Schaffnit der Ältere, Johann Niedenstein und Johann Casselmann — dazu Werkleute, darunter der fürstliche Baumeister zu Ziegenhain und ein Bürger aus Homberg. Und Heinz von Lutter bringt auswärtige Erfahrung ein: Er habe in Lothringen gesehen, dass noch schwierigere Salzbrunnen ordentlich gefasst worden seien.

Was dabei nebenbei geregelt wird. Zwischen die Bauakten geraten Vorgänge, die zeigen, dass ein Salzwerk auch eine Sozialordnung ist. Ein eigener Abschnitt gilt der halben Pfanne, deren Ertrag den Pfarrer zu Sooden unterhält: Ihr Anteil sei „hinlänglich entrichtet“ worden, und künftig solle „einem jeden jetzigen und zukünftigen Pfarrer seine gebührende Pension“ daraus gezahlt werden. Es geht um Kosten, die man abwenden will, und um einen Revers, den die Beteiligten geben.

Auch der Chronist selbst kommt vor: Jost Berber vom Homberg schreibt, er habe sich „über das Amt des Pfennigmeisters beschwert und darum gebeten“, davon befreit zu werden — und unterschreibt gleichwohl weiter. Am 22. Januar 1548 wird zu Allendorf ein Abschied unterzeichnet, unter anderem von Sigmund von Boyneburg.

Die eigentliche Ursache. Am Ende dieses Vorlaufs steht ein Befund, der dem von 1489 verwandt ist und doch das Gegenteil bedeutet. Nicht die neue Maschine allein war schuld: Das alte Fass war vor Zeiten nicht auf den Grund gesetzt worden, sondern nur ungefähr — und durch diese Lücke zog „wildes Wasser“ in die Sole und verdünnte sie. Eine alte Nachlässigkeit, die erst sichtbar wurde, als eine stärkere Pumpe daran zog.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 1039 (Bl. )
Tafel B: die erste Aufräumung des Brunnens, im Grundriss und nach Himmelsrichtungen beschriftet — der Befund, um den 1547/48 gestritten wurde. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1039 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 103–183

Der Streit um Jörge Behms Rosskunst ist ein früher Fall eines Musters, das man aus der Technikgeschichte kennt: Ein auswärtiger Spezialist bringt eine neue Maschine, das Werk verschlechtert sich, die Maschine bekommt die Schuld. Die Quellen lassen offen, ob sie wirklich schadete. Die Pfänner werfen Behm und „seinem Anhang“ vor, „mehr ihren eigenen Nutzen“ gesucht zu haben — ein Satz, der eher nach Verdacht klingt als nach Befund. Am Ende stellt sich heraus, dass das alte Fass nie ordentlich auf den Grund gesetzt worden war; die stärkere Pumpe hatte einen alten Fehler nur sichtbar gemacht.

Warum es so lange dauerte. Die Briefe „aus dem kaiserlichen Lager“ sind kein Nebenton. Landgraf Philipp war von 1547 bis 1552 in kaiserlicher Haft; die Räte in Kassel mussten in seiner Abwesenheit entscheiden und deckten sich entsprechend ab. Wer den Aktenverlauf für schleppend hält, sollte das mitlesen: Das Salzwerk wartete auf einen Landesherrn, der nicht im Land war.

Das Schmecken war die Messung. Wenn Niedenstein „viererlei Sole“ holt und vergleicht, ist das kein Behelf, sondern das anerkannte Prüfverfahren der Zeit — dasselbe, mit dem Geyseler 1489 gearbeitet hatte. Genau an dieser Stelle setzt zwei Jahre später Christoph Homberg mit der Waage an. Der Übergang vom Geschmack zum Gewicht ist der Wendepunkt, auf den das ganze Werk zuläuft — man kann ihn in diesem Buch datieren.

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