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Salzbibel

Die Salzbibel

Das Werk als Zeitleiste: Wortlaut, Übersetzung, Zusammenfassung und Anmerkungen — frei kombinierbar

Das Werk der Reihe nach

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V · 5. Buch · Band 2 · Fortsetzung

Der Brunnenbau

Das fünfte Buch · 456 Seiten · Aufbau des Werks

ZusammenfassungS. 103–183

Der Bau von 1550 — die Vorgeschichte. Sechzig Jahre später schreibt Jost Berker von Homberg, Salzgraf, die zweite Chronik, und er beginnt mit derselben Begründung wie Geyseler: „Im Namen des Herrn, Amen. Weil die Tage der Menschen abnehmen und wie der Rauch vergehen …“ — ohne Aufzeichnung geht alles verloren.

Der Befund ist zunächst derselbe wie 1489: Der Salzbrunnen sei „mangelhaft und schadhaft geworden, sodass die Sieder über die gewöhnliche Zeit hinaus“ sieden müssten. Diesmal aber gibt es einen Verdächtigen — und der ist eine Maschine.

Der Streit um die Rosskunst. Seit 1546 klagen die Sieder, sie bräuchten mehr Holz für dieselbe Menge Salz. Schuld sei, sagen viele, die Rosskunst des Meisters Jörge Behm aus Nürnberg — jenes von Pferden getriebene Pumpwerk, dessen Bestallung im zweiten Buch steht. Behm bestreitet das und beruft sich „auf alle verständigen Bergleute“. In den Protokollen steht der Vorwurf mehrfach: Man sei „sonderlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt“ worden; er habe „etliche weitere Gebäude, sonderlich die Wasserkunst vor dem Gewölbe, mehr zu seinem Vorteil“ als zur Förderung des Werks errichtet.

Der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein. Zwischen die Akten geraten Briefe, die den Hintergrund erklären: Landgraf Philipp schreibt seinen Räten, es sei ihm ein Schreiben zugekommen „im kaiserlichen Lager zu …“ — es ist die Zeit des Schmalkaldischen Krieges, der Landesherr in kaiserlicher Haft. Die Räte in Kassel müssen ohne ihn entscheiden. Aus dem Juli 1547 stammen die ersten Anordnungen.

Wie man 1547 einen Befund erhebt. Was folgt, ist ein Verwaltungsvorgang, wie er heute noch abliefe, und Berker protokolliert ihn Schritt für Schritt. Zuerst werden die Fachleute gehört, und ihre Aussagen stehen namentlich da. Johann Schaffnit meint, „wenn der Sohlgraben geräumt werde, habe der Brunnen keinen Mangel“. Ein anderer hält dagegen: Wenn das zutreffe, „so muss es an Jörgens Kunst liegen und an keinem anderen“. Heinz Luther rät zu etwas Drittem. Und alles wird Behm vorgehalten, damit er antworten kann.

Dann folgt der Augenschein, und er ist die eigentliche Untersuchungsmethode: Der Brunnen wird aufs Niedrigste leergeschöpft, „damit man den Boden sehen könnte“. Man stellt fest, dass „auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt“; dass gegen Süden „eine Ader stark“ gehe; dass die Fässer „aus ganzen Dielen“ bestehen und „zu verschiedenen Zeiten gesetzt“ worden sind. Beim ersten Versuch kommt man nur „bis an das Knie eines Mannes“ hinunter — man vertagt, „bis die Berge wieder wasserreich würden“. Am 8. Oktober erreicht man endlich das Gefälle vor dem Gewölbe.

Und man schmeckt. Niedenstein holt „viererlei Sole aus der Aufzucht und dem Umgang“ und vergleicht sie mit der Sole im Brunnen — dasselbe Verfahren, mit dem Geyseler 1489 gearbeitet hatte, und dasselbe, das Christoph Homberg zwei Jahre später mit der Waage ersetzen wird.

Wer alles kommt. Die Namensliste der Beteiligten ist ein Querschnitt durch die hessische Verwaltung und das Bauhandwerk: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thold, Jörge Freundt als Rentschreiber zu Eschwege, die Salzgrafen Johann Schaffnit der Ältere, Johann Niedenstein und Johann Casselmann — dazu Werkleute, darunter der fürstliche Baumeister zu Ziegenhain und ein Bürger aus Homberg. Und Heinz von Lutter bringt auswärtige Erfahrung ein: Er habe in Lothringen gesehen, dass noch schwierigere Salzbrunnen ordentlich gefasst worden seien.

Was dabei nebenbei geregelt wird. Zwischen die Bauakten geraten Vorgänge, die zeigen, dass ein Salzwerk auch eine Sozialordnung ist. Ein eigener Abschnitt gilt der halben Pfanne, deren Ertrag den Pfarrer zu Sooden unterhält: Ihr Anteil sei „hinlänglich entrichtet“ worden, und künftig solle „einem jeden jetzigen und zukünftigen Pfarrer seine gebührende Pension“ daraus gezahlt werden. Es geht um Kosten, die man abwenden will, und um einen Revers, den die Beteiligten geben.

Auch der Chronist selbst kommt vor: Jost Berber vom Homberg schreibt, er habe sich „über das Amt des Pfennigmeisters beschwert und darum gebeten“, davon befreit zu werden — und unterschreibt gleichwohl weiter. Am 22. Januar 1548 wird zu Allendorf ein Abschied unterzeichnet, unter anderem von Sigmund von Boyneburg.

Die eigentliche Ursache. Am Ende dieses Vorlaufs steht ein Befund, der dem von 1489 verwandt ist und doch das Gegenteil bedeutet. Nicht die neue Maschine allein war schuld: Das alte Fass war vor Zeiten nicht auf den Grund gesetzt worden, sondern nur ungefähr — und durch diese Lücke zog „wildes Wasser“ in die Sole und verdünnte sie. Eine alte Nachlässigkeit, die erst sichtbar wurde, als eine stärkere Pumpe daran zog.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 1039 (Bl. )
Tafel B: die erste Aufräumung des Brunnens, im Grundriss und nach Himmelsrichtungen beschriftet — der Befund, um den 1547/48 gestritten wurde. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1039 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 103–183

Der Streit um Jörge Behms Rosskunst ist ein früher Fall eines Musters, das man aus der Technikgeschichte kennt: Ein auswärtiger Spezialist bringt eine neue Maschine, das Werk verschlechtert sich, die Maschine bekommt die Schuld. Die Quellen lassen offen, ob sie wirklich schadete. Die Pfänner werfen Behm und „seinem Anhang“ vor, „mehr ihren eigenen Nutzen“ gesucht zu haben — ein Satz, der eher nach Verdacht klingt als nach Befund. Am Ende stellt sich heraus, dass das alte Fass nie ordentlich auf den Grund gesetzt worden war; die stärkere Pumpe hatte einen alten Fehler nur sichtbar gemacht.

Warum es so lange dauerte. Die Briefe „aus dem kaiserlichen Lager“ sind kein Nebenton. Landgraf Philipp war von 1547 bis 1552 in kaiserlicher Haft; die Räte in Kassel mussten in seiner Abwesenheit entscheiden und deckten sich entsprechend ab. Wer den Aktenverlauf für schleppend hält, sollte das mitlesen: Das Salzwerk wartete auf einen Landesherrn, der nicht im Land war.

Das Schmecken war die Messung. Wenn Niedenstein „viererlei Sole“ holt und vergleicht, ist das kein Behelf, sondern das anerkannte Prüfverfahren der Zeit — dasselbe, mit dem Geyseler 1489 gearbeitet hatte. Genau an dieser Stelle setzt zwei Jahre später Christoph Homberg mit der Waage an. Der Übergang vom Geschmack zum Gewicht ist der Wendepunkt, auf den das ganze Werk zuläuft — man kann ihn in diesem Buch datieren.

ZusammenfassungS. 184–225

Der Aktenkrieg. Zwischen dem Befund und dem ersten Spatenstich liegen anderthalb Jahre Papier. Was Rhenanus hier abschreibt, ist der vollständige Schriftwechsel zwischen Kassel und Sooden — und er liest sich streckenweise wie ein Verwaltungsvorgang von heute.

Der Ton der Beteiligten unterscheidet sich deutlich. Aus Kassel kommen Bescheide, Termine und die Aufforderung, „einen stattlichen Ausschuss mit vollkommener Gewalt“ zu schicken. Aus Sooden kommt Ungeduld. Ein Satz der Betroffenen steht dazwischen wie ein Fremdkörper: „Auch hat man uns Arme allzeit hingehalten: Man wolle den Born bauen, und hält uns arme Leute hin.“

Denn es sind nicht nur Gutachter betroffen. Boder und Kärrner klagen „heftig über das Abnehmen der Sole“ — sie brauchen mehr Holz und mehr Zeit für dieselbe Menge Salz und verdienen weniger. Man behilft sich mit Notmaßnahmen; einmal wird sogar angeordnet, „jede Salzgans in fünf Stücke“ zu zerteilen, bis die Pfänner zusammenkommen.

Fachlich kreist alles um eine Frage: Soll man stückweise flicken oder von Grund auf neu bauen? Die Pfänner sind zunächst nur zum Flicken bereit — der Neubau wäre teuer, und sie müssten mitzahlen. Der Landesherr drängt auf den Grund. Und die Salzgrafen manövrieren dazwischen mit einem Satz, der ihre Lage genau beschreibt: Sie wüssten nicht, „mit welchem Fug“ sie jetzt umschwenken sollten, nachdem sie zuvor „heftig gegen die Rosskunst“ geredet hätten.

Mitten in diesen Briefen steht dann etwas ganz anderes — eine Tabelle mit der Überschrift „Haltung der Sole“: Auf Nikolaus im Jahr 48 hat ein Quart soundso viel gehalten, und so fort. Es ist eine Messreihe. Man streitet nicht mehr nur mit Meinungen, sondern legt Zahlen vor.

Aufnahme der Handschriftenseite Bd. 2, S. 1055 (Bl. )
Tafel H: der Stuhl des Georg Behme und Hombergs erste Kunst — die beiden Maschinen, um die der Streit ging. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1055 · Digitalisat · gemeinfrei

Redaktionelle AnmerkungS. 184–235

Die erste Messreihe. Die kleine Tabelle „Haltung der Sole“ mitten in den Briefen von 1548/49 ist der älteste datierte Zahlenbeleg des Werks. Von hier an ändert sich die Art des Streitens: Wo vorher Meinungen von Fachleuten gegeneinander standen, stehen jetzt Werte mit Datum. Das ist die eigentliche Neuerung dieses Buches — nicht die Zimmerung.

Der Fehlalarm zu Silvester zeigt eine Fehlerquelle, die jede Messreihe hat: den Zustand der Anlage. Die schlechte Probe stammte aus dem Kaltleger, dem Stillstand über die Feiertage — nicht aus dem Brunnen. Die Pointe ist nicht der Irrtum, sondern die Reaktion: Die Salzgrafen reiten nachts hin und prüfen nach, statt der Meldung zu glauben.

Von Pferden zurück zu Menschen. Dass Hombergs Bestallung „Leute und keine Pferde“ vorschreibt, sieht wie ein technischer Rückschritt aus, ist aber eine Entscheidung über Beherrschbarkeit: Eine Rosskunst zieht gleichmäßig und stark, und genau dieser Zug holte das wilde Wasser mit herein. Dieselbe Urkunde steht auch im vierten Buch, und die beiden Abschriften weichen im Wortlaut leicht voneinander ab. Wer daraus zitiert, sollte Band und Seite angeben.

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