Forschung
Begriffe und Fachsprache
Die Wörter der Saline, des Rechts und des Ortes
Zwei Wortschätze
Dieses Glossar sammelt 125 Begriffe, die beim Lesen der Salzbibel und beim Umgang mit der Geschichte des Ortes immer wieder vorkommen — aus der Salinentechnik, dem Salzhandel und Salzrecht, der Stadtverfassung, der Kirche, der Geologie, dem Kurwesen und der Grenzgeschichte des 20. Jahrhunderts. Zu jedem Begriff steht eine Kurzdefinition; die ausführliche Fassung lässt sich aufklappen. Vier Einträge sind als unsicher gekennzeichnet, weil sich ihre Definition nicht belastbar sichern ließ.
Das Glossar ist nicht das Wörterbuch der Salzbibel selbst. Das hat der Holzvogt Hans Wagener geschrieben, es steht im ersten Anhang (Bd. 2, S. 473–582) und erklärt die Wörter so, wie sie um 1580 in Sooden gebraucht wurden — mit Preis und Stückzahl. Wo beide Wortschätze sich berühren, ist bei dem Begriff vermerkt, was die Salzbibel selbst sagt; und am Ende dieser Seite stehen die Wörter, die es nur dort gibt.
Das Glossar
Die Buchstabenleiste grenzt die Liste ein, statt zu springen; mehrere Buchstaben lassen sich zugleich wählen. Jeder Begriff hat eine eigene Adresse.
Balneologie
Kur & MedizinAuch: Balneologie, Bäderkunde, Balneotherapie
Die medizinische Lehre von Heilbädern und Heilwässern — wissenschaftliche Grundlage des Kurwesens.
Ausführlich
Die Balneologie untersucht Zusammensetzung und Wirkung von Heilwässern, Peloiden und Heilgasen und definiert, welche Indikationen sich damit behandeln lassen. Sie ist die Disziplin, die im 19. Jahrhundert aus einer Tradition ein Fach machte: Erst durch chemische Analyse und ärztliche Systematik wurde aus dem Badeort ein Heilbad. Bis heute liefert sie die Maßstäbe, an denen Prädikate vergeben und überprüft werden.
Siehe auch: Heilbad, Prädikat, Trinkkur, Solebad
Quelle: de.wikipedia.org
Freiluft-Inhalatorium
Kur & MedizinAuch: Freiluftinhalatorium, Freiluft-Inhalatorium, Wandelgang, „Meeresluft im Binnenland“
Ein Gradierwerk in seiner zweiten Karriere: als begehbare Anlage zum Einatmen salzhaltiger Luft.
Ausführlich
Hier liegt die eigentliche Pointe der Salinengeschichte: Das Gradierwerk wurde als reine Produktionsanlage gebaut, um Brennstoff zu sparen — und überlebte seinen Zweck, weil ein Nebeneffekt zum Hauptzweck wurde. Beim Herabrieseln zerstäubt die Sole und reichert die Luft mit feinsten Salzpartikeln an. Wer entlang der Wand geht, atmet ein Aerosol wie an der Meeresküste. Fast alle erhaltenen Gradierwerke Deutschlands verdanken ihre Rettung dieser Umnutzung in Kurparks.
Siehe auch: Gradierwerk, Inhalation, Kurort, Schwarzdorn
Quelle: de.wikipedia.org
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Heilbad
Kur & MedizinAuch: Heilbad, Bad, Mineralheilbad, Solebad (nach Heilmittel)
Staatlich anerkannter Kurort, dessen Heilmittel ein ortsgebundenes Naturvorkommen ist — hier: die Sole.
Ausführlich
„Heilbad“ ist kein Werbewort, sondern ein Prädikat mit Anforderungen: wissenschaftlich anerkanntes ortsgebundenes Heilmittel, Kurmittelbetrieb, ärztliche Betreuung, geeignete Luft- und Ortsqualität. Die Anerkennung wird regelmäßig überprüft und kann entzogen werden. Genau darin liegt der Unterschied zu einem Erholungsort: Das Heilbad verspricht eine medizinische Indikation, kein Freizeitangebot.
Siehe auch: Kurort, Prädikat, Solebad, Balneologie
Quelle: www.bad-sooden-allendorf.de
Inhalation
Kur & MedizinAuch: Inhalation, Inhalieren, Aerosoltherapie, Salz-Luftbad (historisch)
Einatmen salzhaltiger Luft oder Aerosole zur Behandlung der Atemwege.
Ausführlich
Beim Zerstäuben von Sole entstehen feinste Salzpartikel, die bis in die Bronchien gelangen. Dort lösen sie zähen Schleim und befeuchten die Schleimhäute — die Grundlage der Solebehandlung bei Atemwegserkrankungen, Allergien und Asthma. Der entscheidende Faktor ist die Tröpfchengröße: Nur ausreichend feine Aerosole erreichen die tiefen Atemwege. Genau das leistet ein Gradierwerk nebenbei, weil die aufprallende Sole Salz an die Luft abgibt.
Siehe auch: Freiluft-Inhalatorium, Gradierwerk, Solebad, Balneologie
Quelle: gradierwerk.heimatkunde-bsa.de
Kurort
Kur & MedizinAuch: Kurort, Badeort, Bad, Kurbad
Oberbegriff für Orte mit staatlich anerkanntem Kurprädikat, vom Heilbad bis zum heilklimatischen Kurort.
Ausführlich
Der Kurort ist eine deutsche Spezialität mit eigener Rechts- und Wirtschaftsgeschichte: Er entstand im 19. Jahrhundert aus dem Zusammentreffen von Balneologie, Eisenbahn und bürgerlichem Reisen. Ohne Bahnanschluss kein Kurgast — die Pauschalreise und der Kurort sind Geschwister derselben Epoche. Hessen zählt heute rund 30 prädikatisierte Orte, darunter 19 Heilbäder, 7 Kneipp-Heilbäder und 4 heilklimatische Kurorte.
Siehe auch: Heilbad, Prädikat, Kurtaxe, Sanatorium
Kurtaxe
Kur & MedizinAuch: Kurtaxe, Kurbeitrag, Fremdenverkehrsbeitrag, Gästebeitrag, Nachweis: Kurkarte
Ortsabgabe der Gäste zur Finanzierung der Kureinrichtungen; nachgewiesen durch die Kurkarte.
Ausführlich
Die Kurtaxe ist eine kommunale Abgabe, die Übernachtungsgäste pro Tag entrichten. Sie finanziert, was allen zugutekommt: Kurpark, Wandelwege, Konzerte, Gradierwerk, Trinkbrunnen. Als Nachweis dient die Kurkarte, die zugleich als Eintritts- und Vergünstigungsausweis funktioniert — Ermäßigungen für Therme, Veranstaltungen oder Nahverkehr. Historisch ist die Kurtaxe zugleich die beste Quelle für Gästezahlen: Wer zahlt, wird gezählt.
Siehe auch: Kurort, Heilbad, Prädikat
Quelle: de.wikipedia.org
Prädikat
Kur & MedizinAuch: Kurortprädikat, Prädikatisierung, Anerkennung
Amtlich verliehene Qualitätsbezeichnung für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte, regelmäßig zu überprüfen.
Ausführlich
Die Prädikatisierung ist ein förmliches Verwaltungsverfahren: In Hessen entscheidet das Regierungspräsidium Kassel über einen Fachausschuss für Kur-, Erholungs- und Tourismusorte, Rechtsgrundlage ist die Verordnung über die Anerkennung als Kur-, Erholungs- oder Tourismusort vom 24.11.2016. Die inhaltlichen Maßstäbe liefern die „Begriffsbestimmungen — Qualitätsstandards für die Prädikatisierung“ des Deutschen Heilbäderverbandes und des Deutschen Tourismusverbandes.
Siehe auch: Heilbad, Kurort, Hauptsatzung
Quelle: rp-kassel.hessen.de
Wortlautzitate in diesem Eintrag stammen aus der genannten Literatur, nicht aus der Handschrift; sie sind nicht gegen den Volltext geprüft.
Sanatorium
Kur & MedizinAuch: Sanatorium, Kuranstalt, Heilanstalt, heute: Rehabilitationsklinik, Fachklinik
Klinik für längerfristige Behandlung und Erholung; Vorläufer der heutigen Rehabilitationsklinik.
Ausführlich
Das Sanatorium des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts verband ärztliche Behandlung mit Ortsklima, geregeltem Tagesablauf und Diät — ein Aufenthalt dauerte Wochen bis Monate. Nach 1945 verschob sich das Modell zur medizinischen Rehabilitation mit sozialversicherungsrechtlichem Rahmen und deutlich kürzeren Verweildauern. Für Kurorte war das ein tiefer Strukturwandel: aus dem Kurgast wurde ein Reha-Patient, aus dem Kurhaus eine Klinik.
Siehe auch: Kurort, Heilbad, Solebad
Quelle: www.kurkliniken.de
Solebad
Kur & MedizinAuch: Solebad, Soolbad, Sollbad, Salzbad
Bad in erwärmter Sole; der Auftrieb entlastet Gelenke, das Salz wirkt auf Haut und Kreislauf.
Ausführlich
In konzentrierter Sole trägt das Wasser den Körper spürbar — Gelenke und Wirbelsäule werden entlastet, Bewegung fällt leichter. Das Salz wirkt zugleich auf die Haut und regt die Durchblutung an. Typische Indikationen sind rheumatische Beschwerden, Erkrankungen von Muskeln und Gelenken sowie Hauterkrankungen. Historisch ist das Solebad die naheliegende Zweitverwertung einer Saline: Die Infrastruktur war ohnehin da, nur der Zweck änderte sich.
Siehe auch: Heilbad, Inhalation, Balneologie, Sanatorium
Quelle: www.kurkliniken.de
Trinkkur
Kur & MedizinAuch: Trinkkur, Brunnenkur, Brunnentrinken
Ärztlich dosiertes Trinken von Heilwasser nach festem Plan über mehrere Wochen.
Ausführlich
Die Trinkkur ist die älteste Form der Badekur und war im 19. Jahrhundert ihr gesellschaftliches Zentrum: morgens zum Brunnen, in vorgeschriebener Menge, danach der vorgeschriebene Spaziergang. Aus diesem Ritual erklären sich Brunnenhalle, Wandelbahn und Kurpark als Bautypen — sie sind gebaute Therapie. Medizinisch zielt sie je nach Wasser auf Verdauung, Stoffwechsel oder Harnwege; bei Sole ist die Dosierung wegen des Salzgehalts streng begrenzt.
Siehe auch: Balneologie, Kurort, Solebad
Quelle: de.wikipedia.org
Wörter, die die Salzbibel selbst erklärt
Das Glossar des Holzvogts erklärt Wörter, die kein heutiges Wörterbuch kennt, und es erklärt sie durch den Betrieb: Was ein Ding kostet, wie viele davon in ein Siedehaus gehören, wer es liefern muss. Eine Auswahl — der Wortlaut ist der der Übersetzung, jede Stelle führt auf das Faksimile. Die technischen Zusammenhänge stehen auf der Seite Technik und Verfahren.
- Beiße
- „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Bd. 2, S. 479, 509, 517
- Blut
- „Ist Rinderblut; es wird zum Bestreichen der Nähte an den Pfannen und zum Einbrennen derselben gebraucht“ — ein halbes Achtel Salz im Jahr wert. Bd. 2, S. 480, 503, 564
- Bothe, Kothe
- Das Siedehaus; 87 im Salzwerk, 43 des Landgrafen, 44 der Pfänner; „In jedem können in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden.“ Bd. 2, S. 518, 519, 521
- Fegen
- „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen.“ Bd. 2, S. 504, 553
- Gans, Herrengänse
- Die Schaufel voll Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; „Ungefähr 24 Gänse gehen auf ein Achtel; das macht auf eine Pfanne — 192 Gänse. Eine hält am Gewicht ungefähr 5 oder 6 Pfund.“ Herrengänse sind die zwei Gänse je Werk, die der Sieder als Abgabe gibt. Bd. 2, S. 503, 505, 515
- Jahreswerk
- „Ist der Sand und die Schalen, die beim Sieden als Unreinigkeit in der Pfanne anfallen.“ Bd. 2, S. 517, 551
- Kaltlager, Kaltliegen
- „Heißt es, wenn man ablöscht und nicht siedet.“ Bd. 2, S. 523
- Salzleger
- Die vier Siedepausen im Jahr, acht Tage lang, in denen gebaut und die Ordnung verlesen wird (Bd. 1, S. 1025 ff.). Bd. 1, S. 1025
- Setzen, Zulassen, Zulegen
- „Setzen. So heißt es, wenn die Sole gar gesotten ist und in Ruhe steht, bis sie sich zu Salz gesetzt hat.“ „Zulassen. Heißt es, wenn man gesotten hat und die Sole gar ist, so dass man kein Feuer mehr darunter schürt und das Pfannentuch über die Pfanne zieht.“ „Zulegen. Heißt es, wenn die Sole gesetzt und zu Salz geworden ist, so dass man anfängt, sie aus der Pfanne an den Gänsen zu fangen.“ Bd. 2, S. 555, 577
- Schlotter
- „Wird anfänglich aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden; daraus macht man die Wände am Gesöde.“ Bd. 2, S. 554
- Stollen
- „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Bd. 2, S. 561, 562
- Werk
- „Werk. Ist eine Pfanne Salz, nämlich — 8 Achtel.“ Bd. 2, S. 568
- Wildes Wasser
- „Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt“; es wird gesondert ausgeschöpft und „durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Bd. 2, S. 567, 568
- Winnung
- Die Abgabe des Sieders je Pfanne Salz: „Jeder Sieder gibt von jeder Pfanne — 3 Gulden 10 Albus.“ Bd. 1, S. 899; Bd. 2, S. 567
- Zeichen
- Hölzerne Marken, mit denen Holz, Kohle und Salz durch die Kontrolle liefen: „1. Flößzeichen, 2. Flößklafterzeichen, 4. Gegenzeichen, 5. Fuhrzeichen, 6. Eselhaufenzeichen, 7. Waldlegerzeichen“ — die Ziffer 3 fehlt in der Aufzählung. Bd. 2, S. 501, 578
- Zündsole
- Rohe Sole, die bei der Restglut nach dem Ausbringen des Salzes vorgesotten wird, „weil sich durch diese Verbesserung die andere Sole desto eher zu Salz entzündet, und auch damit das übrige Feuer nicht vergeblich ausgeht“. Bd. 2, S. 578
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