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Forschung

Technik und Verfahren

Wie aus Sole Salz wurde

Ein Betrieb, der sich selbst beschreibt

Die Salzbibel erklärt ihre Technik nicht für Außenstehende. Sie erklärt sie für Nachfolger im Amt, und sie tut es an drei Stellen: im Glossar des Holzvogts (Bd. 2, S. 473–582), das jedes Werkzeug mit Preis und Stückzahl nennt; in den beiden Bauberichten des fünften Buches (Bd. 2, S. 49–439), die den Brunnen von 1489 und den von 1550 Tag für Tag verfolgen; und im Reisebuch (Bd. 2, S. 727–884), in dem Rhenanus fremde Verfahren an den heimischen misst. Was folgt, ist der Versuch, aus diesen drei Quellen die Verfahren so zu erklären, dass ein heutiger Leser sie versteht — vom Brunnen bis zum Salzstück, in der Reihenfolge, die Rhenanus selbst gewählt hat, „vom Brunnen als dem Anfang des ganzen Geschäfts“. Jede Erklärung nennt ihre Stellen; die Wörter selbst stehen auf der Seite Begriffe.

Zeichnung des Hebewerks über dem Salzbrunnen mit Kurbeln, Wellen und Seiltrommel, aus den Kunstrissen der Salzbibel
Das Kunstgezeug — das Hebewerk, mit dem die Sole aus dem Brunnen kam. Einer der neun Kunstrisse am Ende des zweiten Bandes. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 1055 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0

Der Salzbrunnen und seine Fassung

Alles beginnt mit einem Loch im Boden, aus dem salziges Wasser aufsteigt — und mit dem Problem, dass daneben auch süßes aufsteigt. Der Salzbrunnen von Sooden ist kein gegrabener Schacht bis in eine Salzschicht, sondern eine Fassung: eine hölzerne Zimmerung, die die Quellen am Grund einschließt und das Süßwasser draußen hält. Wie das 1489 gemacht wurde, beschreibt der Priester Conradus Geyseler in zweiundzwanzig Kapiteln: Man setzte ein großes Fass in die Grube, dichtete es und hob aus, was hereinkam. Geyseler nennt auch die Erkenntnis, die dahintersteht: „so gut, wie der Grund von Natur aus Salzwasser trägt und gibt, so gut ist auch die Sole, und man kann die Sole über ihre Natur hinaus nicht besser machen“; „aber man kann wohl dem wilden Wasser und anderen Gebrechen wehren, damit die Sole in ihrer Natur nicht geschwächt und gemindert wird“. Das ist sachlich richtig, und es ist das Programm der nächsten vier Jahrhunderte.

Sechzig Jahre später war das Fass undicht. 1550 stellte man fest, „dass das alte Fass vor Zeiten nicht unmittelbar auf den Grund des Salzbrunnens, sondern nur ungefähr daraufgesetzt worden war, wodurch sich allerlei wildes Wasser mit der Sole in das Fass gezogen hat“. Der Neubau unter dem Zimmermann Hans Wetzel legte den Grund frei, fand „eine starke Quelle und wilde Wasserader unter dem Sammler“, sonderte sie ab — und stieß dabei ringsum auf eine ältere, fünfzehn Schuh weite Fassung, „von der kein Mensch gewusst hat und von der auch das Buch der Pfänner nichts meldet“. Die neue innerste Fassung wurde „20 Werkschuh lang und 8 Schuh weit“ gemacht, „so dass sie die alten guten Salzadern umfasst, ganz so, wie das Muster davon gezeichnet ist“. Dieses Muster ist erhalten: Die Kunstrisse am Ende des zweiten Bandes zeigen die Zimmerung im Grundriss und abgewickelt, mit Himmelsrichtungen, einzeln benannten Quellen und roten Eintragungen für den Neubau (Bd. 2, S. 1035 ff.). Wer wissen will, wie ein spätmittelalterlicher Salzbrunnen von innen aussah, sieht es dort.

Um den Brunnen herum liegt der Stollen: „Ist der Bau um den Salzbrunnen, in dem das wilde Wasser von der Sole geschieden und abgeleitet wird.“ Der Holzvogt beschreibt, wie man hineingeht und an die Stelle kommt, wo die große Ader aus dem Born in den Stollen gelegt ist; dort liegt der Boden der Quellen „10 Zoll tiefer als der Boden des wilden Wassers“ — nivelliert „Anno 67, den 7. Mai, in Beisein Hans Wetzels“. Ein Höhenunterschied von zehn Zoll entscheidet, ob Süßwasser in die Sole läuft oder die Sole ins Süßwasser. Bd. 2, S. 49, 69, 105, 305, 307, 338, 561, 562, 1035

Das wilde Wasser

„Wildes Wasser. Ist das Süßwasser, das neben und um den Salzbrunnen anfällt und quillt; es wird durch besondere Kumpen, die 8 Zoll weit sind, 3 Schuh“ „hoch ausgeschöpft und durch die Abzucht in den Solgraben gelassen“. Das Wort sagt, worum es geht: Sole ist das gezähmte, Süßwasser das wilde Wasser. Es kommt von den Hängen, aus der Werra, aus dem Regen, und es sucht sich denselben Weg wie die Sole. Wo es hereinbricht, wird die Sole dünn — und dünne Sole heißt längeres Sieden und mehr Holz für dieselbe Pfanne Salz. Deshalb steht in jeder Klage über den Brunnen derselbe Satz: Die Sieder müssen „über die gewöhnliche Zeit hinaus sieden und viel mehr Holz als zuvor für eine Pfanne Salz brauchen“.

Man wehrte sich auf drei Arten. Baulich, durch die Fassung und den Stollen. Mechanisch, durch getrennte Pumpen: „man hat zwei im Salzbrunnen, jede 5½ Zoll weit, und 2 im Wasserschacht, jede 8 Zoll weit. Damit werden die Sole und das wilde Wasser zugleich geholt, ausgehalten und abgeschöpft.“ Die Wasserpumpen sind weiter als die Solepumpen — man hob mehr Süßwasser als Sole. Und finanziell: Der Sieder zahlt „für das Abschöpfen des wilden Wassers 2 Albus“ je Pfanne, neben der Winnung. Dass das Wasser sogar gewogen wurde — ein Quart „2 Pfund 22 Lot“ gegen die Sole mit „2 Pfund 23 Lot“ —, zeigt, wie nahe beide beieinander lagen. Der Geschmack war das ältere Kriterium; Rhenanus rühmt in Sulza, „unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole“. Bd. 2, S. 105, 478, 567, 568, 789

Eimer, Rosskunst, Tretrad: die Sole heben

Die Sole steht tief. „Man holt sie 28 Schuh hoch durch 2 Pumpen in die Gerinne.“ Wie man sie hob, ist die eigentliche Maschinengeschichte der Salzbibel, und sie hat drei Kapitel.

Eimer. 1489 wurde geschöpft — mit Eimern an einem Rad. Geyseler beschreibt sie: „Die Eimer waren geformt wie die Schöpfeimer, unten weit und oben eng, und jeder Eimer war sieben Viertel einer Elle lang.“ „Und unten am Boden hatte der Eimer ein rundes Loch wie ein Blasebalg, und vorn inwendig einen Windfang; davor war ein mit Blei beschwertes Leder (als Ventilklappe) gefasst.“ Ein Eimer mit Bodenventil: Er füllt sich beim Eintauchen von unten und schließt beim Heben. „Das erste war ein Rad, mit dem man die Sole aus dem Brunnen gewinnen sollte, um weiter zu sieden, während man an dem Brunnen bauen würde.“ „Dasselbe Rad hatte zuerst sieben Eimer; danach ließ man eine andere Kette machen, an der vierzehn Eimer hingen.“ Ein Paternosterwerk also, eine Eimerkette über einer Welle. Die Ortsüberlieferung spricht für 1489 von vier eichenen Wasserrädern von je rund sieben Metern Durchmesser, die die Werra trieb; in Geyselers Bericht steht das so nicht, und die Chronik des Heimatvereins bezeichnet diese Angaben selbst als nicht urkundlich belegbar. Die Salzbibel rechnet mit Ellen und Eimern, nicht mit Metern.

Rosskunst. 1540 kam mit dem Nürnberger Meister Jörge Behm ein Pumpwerk, das von Pferden getrieben wurde — die Rosskunst. Sie „eine Zeit lang mit Pferden die Sole aus dem Salzbrunnen förderte und schöpfte“. Dann verschlechterte sich der Brunnen, und „Daran gaben einige der Rosskunst die Schuld“: Der Brunnen sei „durch die schweren Lasten und das tägliche Erregen der Roßkunst so merklich verdorben“. Der Befehl aus Kassel lautete 1547, „dass die Roßkunst in und auf dem Brunnen aufs Förderlichste (schnellstens) abgeschafft und die Eimer wie von alters her wieder aufgerichtet und gebraucht werden mögen“. Ob die Maschine wirklich schadete, lassen die Quellen offen; am Ende stellte sich heraus, dass das alte Fass nie dicht auf dem Grund gestanden hatte — die stärkere Pumpe hatte einen alten Fehler sichtbar gemacht.

Tretrad und Pumpe. 1549 beschlossen die Salzgrafen beider Seiten, „auf andere Künste zu trachten und sie zu erfinden und zur Hebung der Sole Leute und keine Pferde zu gebrauchen“, und Christoph Homberg übernahm es in seiner Bestallung, eine solche Kunst auf eigene Kosten einzurichten. Was das war, sagt die Regierungsordnung von 1553 beiläufig: „Weil nun die Sole mit Menschen, die derzeit in einen Koffer treten, herangeschafft und ausgebracht wird“ — ein Tretrad, in dem Männer gehen. Dieselbe Ordnung will die Kunst so gebaut haben, „dass man die Sole sowohl mit Menschen als auch — wo man diese nicht haben kann — mit Pferden heranschaffen und ausbringen kann“, falls „durch Sterbensläufte an Leuten mangeln“ sollte. Um 1580 hält der Bornmeister wieder sechs Kunstpferde, für die 273 Malter Hafer im Jahr gebraucht werden; die Bornknechte fahren „Tag und Nacht je 2“ „Stunden, einer um den anderen“. Das Kunstgezeug der Kunstrisse — Kurbeln, Wellen, Seiltrommel — ist diese Anlage. Von Pferden zu Menschen zurück und wieder zu Pferden: Das ist keine Rückständigkeit, sondern eine Entscheidung über Beherrschbarkeit. Ein Pferd zieht gleichmäßig und stark, und genau dieser Zug holte das wilde Wasser mit herein. Bd. 1, S. 811, 819; Bd. 2, S. 59, 105, 158, 159, 227, 228, 482, 511, 555, 1052

Das Sieden

Vom Gerinne läuft die Sole in die Kufen des Siedehauses, aus der Kufe in den eingegrabenen Zuber, aus dem Zuber mit der Esche — „ein Gefäß wie eine Metze“ — in die Pfanne. Die Pfanne ist ein flacher Kasten aus 56 Eisenblechen, gut zehn Schuh breit, fast dreizehn lang und nur elfeinhalb Zoll tief; sie hängt an 16 Haken an vier Pfannenbäumen über dem Gesöde, dem gemauerten Herd. Unter ihr brennt Holz oder Kohle. Das Sieden hat dann eine Folge von Schritten, für die das Glossar je ein Wort hat:

Wie lange das dauerte, ist die härteste Zahl des ganzen Werks, weil sie vor und nach dem Brunnenbau von 1550 gemessen wurde: „wo die Boder vormals dreißig Stunden an einer Pfanne Salz gesotten haben, da sieden sie jetzt nicht länger als sechzehn Stunden“, und wenige Wochen später „13 Stunden gesotten und bereitet, wo die Sieder zuvor 30 und mehr Stunden haben sieden müssen“. Der Berichterstatter war allerdings der Bauherr. Bd. 2, S. 305, 337, 494, 503, 532, 533, 536, 537, 542, 550, 551, 555, 577, 578

Beiße, Blut und Fegen

Drei Wörter des Siedehauses haben heute keinen Sinn mehr, und alle drei betreffen die Pflege der Pfanne und des Herds.

Beiße. „Das ist die Masse, die jeden Samstag aus dem Gesöde geholt wird; man zerschlägt sie und lässt sie in der Sole wieder zergehen, und dadurch wird die Sole zum Sieden gestärkt und verbessert.“ Der Herd wird aus Schlotter gemauert — „aus den Kohlen und der Asche gemacht und durch die zerschmolzene Beiße gebunden“ —, und dieser Schlotter saugt sich eine Woche lang mit Sole voll, die durch die Hitze eindampft. Was man samstags herausbricht, ist also Salz mit Asche: Man löst es in der Sole wieder auf und gewinnt das Salz zurück. Dafür gibt es den Beißtrog mit der Horde, den Beißkorb, die Ofenaxt und zwei Beißhämmer, „damit wird die Beiße zerschlagen“. Das Wort selbst dürfte vom Beizen kommen; die Salzbibel erklärt es nicht.

Blut. „Vom Rind muss man zu einer Pfanne, solange sie währt, ungefähr für ein halbes Achtel Salz haben.“ „Pfanne bestreichen. Ist es, wenn man die neue Pfanne aufsetzt: dann bestreicht man sie zuerst mit Blut und gebrannter Asche.“ Blut mit Asche ergibt beim Einbrennen eine Dichtmasse für die Nähte der genieteten Bleche — ein Kitt, wie man ihn aus anderen Gewerken kennt. Die Boder dürfen „Ruß und Blut unter der Hand zum Sochen, Salzfegen und Pfannenbestreichen“ gegen Salz eintauschen; das steht in Rhenanus’ Ordnung von 1567. In Halle nahm man statt dessen Kleister: „bestreicht er sie mit Kleister, damit sie nicht ausläuft“.

Fegen. „Immer wenn in einer Pfanne 5 oder 6 Werk gesotten worden sind, hängen sich die Scheiben hart und dick an die Pfanne; deshalb muss sie der Meister ausfegen. Das geschieht durch ein Feuer, das mit 5“ „oder 6 Wellen unter der Pfanne gemacht wird, wenn diese zuvor ganz ausgefüllt worden ist; denn von der Hitze springen die Scheiben ab.“ Was nicht abspringt, „schlägt man, wenn die Pfanne kalt geworden ist, mit einem Hammer los“. Die Scheiben sind das, was die Salinensprache anderswo Pfannenstein nennt; die Salzbibel kennt das Wort nicht. Das erste Werk nach dem Fegen heißt Streitwerk. Und der Sand, der sich in den Fegfässern sammelt — „es können jedes Werk gegen 40 Pfund anfallen“ —, heißt Jahreswerk und wird für 8 Albus im Jahr aus dem Siedehaus getragen. Bd. 1, S. 938; Bd. 2, S. 479, 480, 504, 509, 517, 551, 553, 554, 563, 564, 819

Von Holz zu Braunkohle

Der Holzmangel ist der Grund für fast alles, was in der Salzbibel gebaut wird. Schon die Rechtsgutachten von 1538 halten den Pfännern entgegen, mehr Pfannen nützten nichts, weil die Wälder ringsum abgehauen seien; der Seulingswald versorgte das Werk, wie Rhenanus im ersten Buch sagt, „nun seit fünfundvierzig Jahren“, und die Holzordnungen des vierten Buches regeln jeden Klafter. Die Antwort war die Braunkohle vom Hohen Meißner — Rhenanus nennt sie durchweg Steinkohle. Er hat sie nicht entdeckt; im ersten Buch erwähnt er das Bergwerk als etwas Bekanntes, „weil offenbar und jedermann bekannt ist, welch großen Nutzen dasselbe dem Salzwerk, dem Hüttenwerk, den Schmieden und den Haushaltungen zuwege bringt“. Seine Leistung ist die Feuerung: der Umbau des Siedehauses, damit Kohle unter einer Pfanne brennt, die für Holz gebaut war.

Was dazu gehört, steht im Glossar, Stichwort für Stichwort. Ein eiserner Rost: „In Steinkohlenkothen muss man zu einem Rost lange Eisenstäbe haben — 23; sie wiegen gegen 23 oder 24 Zentner.“ „Träger, auf die diese Stäbe gelegt werden: jeder wiegt gegen — 3 Zentner. So kann ein Rost 39 Zentner wiegen.“ „Dieser Rost kann gegen 1½ Jahre halten, alsdann muss er erneuert werden“. Der Rost ist „lang — 7 Schuh 8 Zoll, breit — 5 Schuh 7 Zoll. Über diesem Rost steht die Pfanne 2½ Schuh hoch.“ Gusseiserne Platten daneben, auf denen „die kleinen Kohlen auf die Platten geschüttet, gedörrt und danach zum Brennen auf den Rost gestoßen“ werden. Ein Sieb aus Draht, „damit sie die groben von den kleinen sondern“. Windlöcher — „dadurch kommt der Wind unter den Rost, um das Feuer zu entfachen“ — und Schürlöcher, „durch die man die Kohlen auf den Rost zum Brennen schüttet“, mit Schallern, Blechen zum Auf- und Zutun. Ein Schornstein, mit Hauptzwingen aus Gusseisen gefasst; die Steinkohlenbothe kosten deshalb „wegen des Schornsteins, wozu man viele Steine haben muss, ein Beträchtliches mehr“. Und die Kohlgerte, „eine lange Rute; damit rührt man die Kohlen“ „zum Glühen an“.

Der Ertrag: In einem Holzbothe können „in der Woche“ „2 Pfannen Salz gesotten werden“; in einem Steinkohlenbothe „kann in der Woche 3-, auch wohl bisweilen 4-mal gesotten werden“. Ein Werk braucht „18 Maß, auch wohl 19 oder 20 Maß“ Kohlen zu 22 Metzen, das Maß auf dem Berg 2½ Albus und ebenso viel Fuhrlohn. Der Stand des Umbaus ist datiert: „Von den 43 Bothen, die unserem gnädigen Fürsten und Herrn gehören, sind nunmehr Anno 84 zwanzig zum Steinkohlensieden hergerichtet; das hat bisher, sie auf diese Art herzurichten und zu bessern, gekostet — 3524 Gulden 17 Albus 5½ Heller.“ 1584 also zwanzig von dreiundvierzig — die Umstellung war nach zwanzig Jahren nicht abgeschlossen, und die Pfänner-Bothe sind nicht mitgezählt. Rhenanus’ Ordnung von 1567 kennt schon „16 Albus Holzsteuer und 8 Albus Steinkohlensteuer“, regelt aber den Kohlenhandel noch nicht: „Des Steinkohlenhandels soll gesondert gedacht werden.“ Aus dem Abfall der neuen Feuerung wird bald ein Forschungsgegenstand — 1572 meldet Rhenanus dem Landgrafen, „dass er aus Steinkohlen Asphalt gezogen habe“.

Zur Datierung gehen die Angaben auseinander: Die Ortsüberlieferung nennt 1555 für die Entdeckung der Kohle, 1560 oder 1563 für erste Versuche, 1575 für den Stollenbau und 1578/79 für den regelmäßigen Abbau. Die Salzbibel selbst datiert nur indirekt — über die Steinkohlensteuer von 1567, die Kohlenmieten der Miszellen und die Zahl von 1584. Was sie sicher belegt, ist die Verfahrenstechnik. Und ein Wort für ein Problem, das die Braunkohle bis heute hat: „Alter Backofen. Ist der Ort, wo sich die Kohlen zuerst entzündet haben und in Brand geraten sind.“ Bd. 1, S. 67, 74, 899, 922; Bd. 2, S. 487, 518, 519, 521, 523, 541, 542, 543, 544, 561, 563, 569, 579, 581, 586, 1032

Gradieren — das erste beschriebene Gradierwerk

Gradieren heißt, Sole an der Luft eindicken zu lassen, ehe man sie siedet: Man lässt sie über Wände aus Stroh, Reisig oder später Schwarzdorn rieseln, ein Teil des Wassers verdunstet, und was unten ankommt, ist stärker. Jedes Prozent, das die Luft leistet, spart Holz. Die Salzbibel enthält die älteste bekannte Beschreibung einer solchen Anlage — nicht aus Sooden, sondern aus Sulza in Thüringen, wo Rhenanus 1568 nicht hineingelassen wurde und über den Zaun sah:

„Weil aber gleich vor Sulza der Künstler seine Kunstanlage errichtet hatte, habe ich sie über Zäune und Gräben hinweg so weit angesehen, dass ich befunden habe: dort ist eine Kothe mit einem Schornstein errichtet, gleich wie zu Artern, und nicht weit davon etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit, in Länge und Höhe aber ungleich errichtet, mit Stroh gedeckt und etwa zwei Schuh hoch über der Erde. Darin sind flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang, aus dünnen Dielen zusammengefügt und gedichtet. Darüber haben strohene oder schilfene Matten gehangen, die er, wie ich sonst berichtet worden bin, dazu gebraucht, dass er die Sole mit Schaufeln darauf leckt; die tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum“

Salzbibel, Bd. 2, S. 790 (Übersetzung)

„anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe. Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden.“ Die Handschrift sagt „leckenn vnnd leitenn“; das Wort „Leckwerk“, das die Literatur dafür verwendet, steht so in der Salzbibel nicht. Rhenanus war nicht beeindruckt. Die Sole von Sulza fand er „dermaßen unschmackhaft an Salz“, dass er sie nicht einmal probieren wollte, und schloss, „dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle“.

Für Sooden selbst beschreibt die Salzbibel keine Gradierung. Nach der Geschichtsseite der Stadt Bad Sooden-Allendorf wurde das erste von insgesamt vierzehn Gradierwerken 1601 gebaut, das erhaltene Gradierwerk Nr. 5 1638; der Verein für Heimatkunde nennt dieselben Jahre. Die gelegentlich genannte Zahl 1555 steht dort für die Bedeutung des Salzwerks um diese Zeit, nicht für ein Gradierwerk; eine Quelle, die 1555 als Beginn des Gradierens nennt, hat sich nicht finden lassen. Rhenanus hat 1568 das Leckwerk in Sulza beschrieben, nicht in Sooden eines gebaut. Ein Holzvogt, der 1580 jedes Werkzeug mit Preis aufzählt und ein Gradierwerk verschweigt, ist ein starkes Argument dafür, dass es damals keines gab — kein Beweis, aber ein Argument. Wann in Allendorf zuerst gradiert wurde, ist deshalb eine offene Frage. Auch die Gradierung über Stroh in Bad Kissingen, die für das 16. Jahrhundert belegt ist, ändert daran nichts. Der gelegentlich zitierte Vergleich „elf Jahre vor Bad Nauheim“ stammt aus der Vereinsliteratur und trägt nicht: In Nauheim wurde erst im 18. Jahrhundert gradiert. Bd. 2, S. 789, 790, 791

Schwarzdornreisig eines Gradierwerks, dicht mit Salzkrusten überzogen
Schwarzdorn im Gradierwerk, mit Salz überkrustet. In Sulza 1568 waren es Matten aus Stroh und Schilf. Foto: Francisco Welter-Schultes · Wikimedia Commons · CC0 1.0

Das Probieren: vom Geschmack zur Waage

Wie gut die Sole ist, entschied bis 1549 der Geschmack. Als der Brunnen 1548 nachließ, holte Johann Niedenstein „viererlei Sole aus der Aufzucht und dem Umgang“ und ließ sie „in fünf Gläsern“ von Landvogt, Räten und Pfännern kosten; „Schaffnit sagt, dass sie gleich und ebenso gut sei, wie sie vor vierzig Jahren gewesen sei“. Das war kein Behelf, sondern das anerkannte Verfahren. In Frankenhausen prüfte man 1568 noch, ob „die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne“ — eine brauchbare Schwelle, denn ein Ei schwimmt in Sole von rund zehn Prozent auf, aber keine Messung, weil sie nur zwei Antworten kennt. Und in Halle antwortete man auf die Frage nach Schwankungen der Sole, „dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten“.

Christoph Homberg setzte 1549 die Waage an: „nachdem ich Anno 49 angefangen habe und gelernt habe, die Sole mit der kleinen Probe zu prüfen“. Das Verfahren ist gravimetrisch, und das Glossar beschreibt es in zwei Größen: „Zum großen Probewerk nimmt man zehn Fuder roher Sole, siedet sie gar und sieht, was sie an Salz gibt und wieviel Holz damit aufgeht“; „Zur kleinen Probe nimmt man ⅛ eines Quarts roher Sole und siedet sie in einem kleinen Pfännlein ab“. Man wiegt die Sole, dampft sie ein, wiegt das trockene Salz; das Verhältnis beider Gewichte ist der Gehalt — im Prinzip das, was ein Labor heute den Trockenrückstand nennt. Rhenanus’ eigene Probe vom 2. Februar 1574 steht im Glossar: 96 Lot Sole, 7 Lot Salz. Wie man mit solchen Zahlen rechnet, erklärt die Seite Maße.

Aus der Probe wurde eine Vorschrift. Rhenanus’ Ordnung von 1567 verlangt Probewerke „jedes Mal in einer gemeinen großen Pfanne, die ganz und nicht löcherig ist“, mit „zehn geeichte Fuder roher, ungekeißter Sole“, unter Aufzeichnung von Holz und Wellen und Nachsieden der Zündsole; „Solcher Probewerke sollen jährlich fünf sein.“ — Anfang Oktober, um den 10. Dezember, zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, Anfang Mai und Anfang Juli, und alles „ins Probierbuch ordentlich und fleißig aufschreiben“. Eine stehende Messreihe mit Protokollpflicht; ihre Ergebnisse stehen im dritten Anhang, von 1549 bis 1585. Homberg fand darin, gegen die Erfahrung der Bodemeister, „je nasser das Jahr, desto besser und mehr Sole ist da, besonders im Frühling“. Und er merkte selbst an, dass 1552 die Messung des Salzes auf Roste umgestellt wurde — wer die Reihe auswertet, muss diesen Bruch kennen.

Was das Verfahren nicht ist: kein Vorläufer des Aräometers. Die Solespindel misst die Dichte und schließt daraus auf den Gehalt; sie setzte sich erst im 17. und 18. Jahrhundert durch. Rhenanus und Homberg wiegen das Salz selbst — langsamer, aber direkt. Dass Rhenanus daneben auch das Quart Sole und das Quart Wasser wog, ist der Sache nach allerdings eine Dichtemessung, und beide Ergebnisse passen zueinander. Das Universalprobierbuch (Bd. 2, S. 623–672) zieht daraus die Konsequenz für jeden Brunnen: achtundvierzig Seiten Tafeln, „damit man wissen könne, wie viel Salz ein jeder Brunnen in einer Stunde, an einem Tag, in einem Monat und in einem Jahr ertragen kann“.

Eine Seite des Universalprobierbuchs mit Tabellenkopf in roter Tinte
Der zweite Appendix: das Universalprobierbuch. Johannes Rhenanus, New Saltzbuch · Universitätsbibliothek Kassel — Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, 2° Ms. Hass. 186, Bd. 2, S. 623 · Digitalisat · Public Domain Mark 1.0
Bd. 1, S. 939, 940; Bd. 2, S. 167, 538, 556, 623, 624, 677, 681, 682, 746, 822

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