Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 727–736
Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568 · S. 727–736 · Bl. 362r–366v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568
S. 727–732 · Bl. 362r–364v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 727
Bl. 362rBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. Volget nun die beschreibung angeregter Reise in welcher aüff beuelch Meines G. F. vnnd herrnn Ich nachuolgennde Saltzwerck hin vnd wieder besichtiget, wies1 aller gelegennheit erkündiget, vnnd was ich befundenn, in baldt volgennde erzehlung ordenntlich vnnd kürtzlich aüffgeschriebenn Als der Durchleuchtige Hochgeborne Fürst vnnd Herr, Herr Wilhelm Lanndtgraue zu Hessenn, Graue zu Catzennelnpogenn, Dietz, Ziegennhain vnnd Nidda ec. Mein gnediger fürst vnnd herr, nach tödtlichem Christlichem abscheidt [übergeschrieben: von] dieser welt, des Durchleuchtigenn Hochgebornenn fürstenn vnnd herrnn, Herrnn Philipsenn des elternn Lanndtgrauenn zu Hessenn, S. F. G. Herrnn Vatters, im annfanng Ires fürstlichenn lobreichenn Regiments S. F. G. vmb vieler vnnd wichtiger vrsach willenn, Inen gnediglich furgenommenn, vnnd sich enndtschlossen, nicht allein ein general beschreibung des Saltz=
Der Vierte Appendix. Es folgt nun die Beschreibung der angeregten Reise, auf der ich auf Befehl meines gnädigen Fürsten und Herrn die nachfolgenden Salzwerke hier und dort besichtigt, mich über alle Umstände erkundigt und das, was ich befunden habe, in der bald folgenden Erzählung ordentlich und kurz aufgeschrieben habe.
Als der durchlauchtige, hochgeborene Fürst und Herr, Herr Wilhelm, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda usw., mein gnädiger Fürst und Herr, nach dem tödlichen christlichen Abschied aus dieser Welt des durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipps des Älteren, Landgrafen zu Hessen, Seiner Fürstlichen Gnaden Herrn Vaters, zu Anfang ihrer fürstlichen lobreichen Regierung sich aus vielen und wichtigen Gründen gnädig vorgenommen und entschlossen haben, nicht allein eine allgemeine Beschreibung des Salz-

Unsichere Lesungen
- wies — Wortform unsicher (Z. 6)
S. 728
Bl. 362vBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix wercks Sodenn, mit allenn annhengenn daraüff zurichtenn vnnd zubeschreibenn, Sonndernn auch ein besondere daraus außgezogegene Ordenung, nach erforderung Ires ampts, in ein bestenndige richtige Ordenung zubringenn, zu ratificiren vnnd zubestettigenn, Vnnd aber vnnder der hanndt S. F. G. im hanndell befunden, das solches nützlich furnehmenn, oder vieler Saltzwercker nach allenn vmbstenndenn erfahrung nicht volkomlich vnnd nach gebüer außgefürt könne werdenn, So habenn demnach S. F. G. mich vnndenbenenttenn, als Irer F. G. Itziger zeit im Saltzwerck Eltistenn diener vnnd Saltzgreuenn darzu verordenet, das ich nach anweisung baldt volgender Instruction, auf die darin benemte Saltzwercker verreisenn, vnnd alles was der Instruction gemeß, ich erfahrenn konnte, S. F. G. vfrichtigk referiren, vnnd bestenndiglich eröffnenn solte, Instruction. Was vnnser Wilhelms von Gots
Der Vierte Appendix. werks Sooden mit allen Anhängen darauf einzurichten und aufzuschreiben, sondern auch eine besondere, daraus ausgezogene Ordnung nach dem Erfordernis ihres Amtes in eine beständige, richtige Ordnung zu bringen, zu ratifizieren und zu bestätigen —
und weil aber Seine Fürstlichen Gnaden im Lauf der Sache befunden haben, dass ein solches nützliches Vorhaben ohne Erfahrung vieler Salzwerke nach allen Umständen nicht vollständig und gebührend ausgeführt werden könne, so haben demnach Seine Fürstlichen Gnaden mich, den Untenbenannten, als Ihrer Fürstlichen Gnaden derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk dazu bestimmt, dass ich nach Anweisung der bald folgenden Instruktion zu den darin genannten Salzwerken reisen und alles, was ich der Instruktion gemäß erfahren könnte, Seiner Fürstlichen Gnaden aufrichtig referieren und beständig eröffnen sollte.
Instruktion. Was unser, Wilhelms von Gottes
Unsichere Lesungen
- außgezoge=gene — Silbe doppelt geschrieben (Z. 4) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
S. 729
Bl. 363rBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. gnadenn, Lanndtgraue zu Hessenn, Graue zu Catzennelnbogenn, Dietz, Ziegennhain vnnd Nidda ec. Saltzgreue zu Allenndorff ann der Werra, vnnd lieber Getrewer Johannes Rhenanus in besichtigung etlicher Saltzwercke, Nemblich zu Allelebenn, Franckennhausenn, Hall in Sachssenn, Artternn, Ascherslebenn, Staßfurt, Grossen Saltza, Lünebürgk, Saltzdietfoll1, Saltz zur Helle, vnnd Bodennfelde sich verhaltenn, vnnd in beuelch habenn soll Erstlich soll er eines Jedenn orts priuatim das Saltzwergk besichtigenn, doch die brieffe bey sich im busen habenn, die er da ers rathsamb befindet, den Saltzwercks beuelchabernn vbergebenn, Vnnd Ihnenn nach vberanntwortung derselbigenn, vnsern gnedigenn grus, vnnd darbenebenn vermeldenn, Nach dem wir in vnserm Saltzwergk zu Allendorf allerley vnrichtigkeit befundenn, derowegenn vnser notturfft erfordernn wolle, solchs in anndere wege annzustellenn, als wer er vonn vnns ab=
Der Vierte Appendix. Gnaden, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda usw., Salzgraf zu Allendorf an der Werra und lieber Getreuer Johannes Rhenanus bei der Besichtigung etlicher Salzwerke — nämlich zu Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde — sich verhalten und in Befehl haben soll.
Erstens soll er an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen, die er, wo er es für ratsam hält, den Befehlshabern des Salzwerks übergeben soll. Und nach Übergabe derselben soll er ihnen unseren gnädigen Gruß entrichten und daneben vermelden: Nachdem wir in unserem Salzwerk zu Allendorf allerlei Unrichtigkeit befunden haben, weshalb unsere Notdurft erfordere, dies auf andere Weise einzurichten, sei er von uns ab-
Unsichere Lesungen
- Saltzdietfoll — Ortsname, Schreibung unsicher (Z. 8)
S. 730
Bl. 363vBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix gefertigt, Ihr Saltzwerck zubesichtigenn, vnnd sich aller desselbenn gelegennheit gründtlich zuerlernenn, Nicht der vrsachenn wegenn, etwas dardurch, das Ihnenn oder Irem Saltzwergk nachteiligk sein möchte, zuerforschenn, Sonndern alleine darumb, das mann dis vnnser Saltzwergk desto bestenndiger vnnd besser mit gutenn Ordnungk, Wasserkünstenn, Bewenn1 vnnd anndernn anngerichttet hette, vnnd demnach begerenn, Ime darzu zuuerstattenn, auch gute annweisung zugebenn, vnnd wann solchs also beschicht, soll er sich des Saltzwergks, vnnd der Bronnenn gelegennheit ganntz wohl erkündigenn, Nemblich wie tieff sie seyenn, Wo her vnnd aus was grundt sie springenn, zu dem behuff er dann mit sich habenn soll, einenn kleinenn Probir zeugk, auch Jedes orts die Sohlenn probiren, vnnd dasselbige in sein Büchlein aufzeichnenn, fürters solchs mit annhero bringk, Vornemblich aber vleissige vfmerckens haben,
Der Vierte Appendix. gefertigt, ihr Salzwerk zu besichtigen und sich über dessen ganze Beschaffenheit gründlich zu unterrichten — nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte, sondern allein deshalb, damit man dieses unser Salzwerk desto beständiger und besser mit guter Ordnung, Wasserkünsten, Bauten und anderem einrichten könne; und demnach begehren wir, ihm dazu Zutritt zu gestatten und auch gute Anweisung zu geben.
Und wenn das so geschieht, soll er sich über die Beschaffenheit des Salzwerks und der Brunnen ganz genau erkundigen: nämlich wie tief sie seien, woher und aus welchem Grund sie springen. Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen und es sodann mit hierher bringen. Vornehmlich aber soll er sorgfältig darauf achten,
Unsichere Lesungen
- Bewenn — Lesung unsicher (Z. 8)
S. 731
Bl. 364rBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. wie die Sohle gefast sey, desgleichenn wie mann an einem Jedenn ort seudet, vnnd was sie für vortheil, das saltz außzubringenn habenn, vnnd wie sie es allennthalbenn mit Irem Saltzwerck halttenn, auch was Jedes orts für künste vnnd vortheil vfgericht, damit mann die Sohle lanngt, vnd das wilde wasser abweiset, Ferner soll er sonnderlich bey gutenn leütenn erforschenn, mit was vortheil annfengklich die Bronnenn seindt erbauet wordenn, vnnd wie sichs im selbenn bauenn allennthalbenn hab anngelassenn, Vnnd was sonnstenn dieser vnnd dergleichenn dinge mehr, so zuerkündigenn vnnd zumerckenn von notenn, vnnd würdigk sein werdenn, denselbigen bestes vleißes nachforschenn, vnnd vns vonn dem allenn zu seiner wiederkunfft Relation thun, Signatum Cassell den 28. Junij Anno Domini 1568. Wilhelm L. zu Hessenn. Es soll sich auch Rhenanus genn Bremenn verfügen,
Der Vierte Appendix. wie die Sole gefasst ist, desgleichen wie man an jedem Ort siedet und welche Vorteile sie haben, das Salz auszubringen, und wie sie es allenthalben mit ihrem Salzwerk halten, auch was an jedem Ort für Künste und Vorrichtungen errichtet sind, mit denen man die Sole holt und das wilde Wasser abweist.
Ferner soll er besonders bei guten Leuten erforschen, mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind und wie es sich bei diesem Bauen allenthalben angelassen hat. Und was sonst dieser und dergleichen Dinge mehr zu erkunden und zu merken nötig und würdig sein werden, dem soll er mit bestem Fleiß nachforschen und uns von allem bei seiner Rückkehr Bericht erstatten.
Unterzeichnet zu Kassel, den 28. Juni Anno Domini 1568. Wilhelm, Landgraf zu Hessen.
Es soll sich Rhenanus auch nach Bremen verfügen
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Bl. 364vBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix vnnd sich aller gelegennheit des Poys1 erkündigen, ob derselbige in der grosse mennge zubekommenn, vnnd wie theur vngeuerlichenn ein Tonna, auch mit was vortheil derselbige heraüff zubringenn, Heinrich Hesbergk sst.2
Der Vierte Appendix. und sich über alle Umstände des Bois erkundigen, ob dieser in großer Menge zu bekommen ist und wie teuer ungefähr eine Tonne, auch mit welchen Mitteln er heraufzubringen wäre. Heinrich Hesberg, selbst.
Unsichere Lesungen
- Poys — Salzsorte, Lesung unsicher (Z. 1)
- Hesbergk sst. — Unterschrift mit Paraphe (Z. 6)
Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen
S. 733–793 · Bl. 365r–395r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 733
Bl. 365rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix Sunderßhausenn Nach empfahung Itzt gedachter Credentz Hab mich vfgemacht, bin nach Sunderßhausenn gezogenn, vnnd daselbst in die Sunderßhausische Canntzley ein werbenn vnnd annzeigenn lassenn, auch als baldt zur anntwort bekommenn, das der Secretarius meine Jegennwertigkeit, seinen gnedigenn herrenn, derenn nur Graff Hanns Günter vnnd Graf Albrecht, so zur stette warenn, vermeldenn wolte, vnnd mich weitters beanttworttenn. Kurtzlich darnach, bin ich vf die Canntzley gefordert wordenn, vnnd habe mich nach anweisung meyner Instruction vnderthenigklich verhaltenn, nach beschehener vnnd gethaner werbunge habenn mir die Rethe durch den Secretarium als baldt in Jegennwertigkeit zur anntwort gebenn, Sie woltenn die versiegeltenn Credentz Irenn gnedigen Herrenn zubringenn, Mein werbung eroffnenn, vnd
Der Vierte Appendix. Sondershausen. Nach Empfang des eben genannten Beglaubigungsschreibens habe ich mich aufgemacht und bin nach Sondershausen gezogen und habe dort in der Sondershäuser Kanzlei mein Anliegen vorbringen und anzeigen lassen. Ich bekam auch sogleich zur Antwort, der Sekretär wolle meine Anwesenheit seinen gnädigen Herren — deren nur Graf Hans Günther und Graf Albrecht zur Stelle waren — vermelden und mir weiter Bescheid geben.
Kurz darauf bin ich in die Kanzlei gefordert worden und habe mich nach Anweisung meiner Instruktion untertänig verhalten. Nach vollzogener Werbung haben mir die Räte durch den Sekretär sogleich in Gegenwart zur Antwort gegeben, sie wollten das versiegelte Beglaubigungsschreiben ihren gnädigen Herren bringen, mein Anliegen eröffnen und
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Bl. 365vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. was sich wohlgedachte Ire gnedige Herrenn daraüf erkleretenn, mich nach kurtzer weile in die Herbrige weisenn lassenn, vnnd seindt als baldt die Rethe aus der Canntzley zu wohlgedachtenn Grafenn Irenn gnedigenn Herrenn ganngenn, Esselbigenn1 abendts hat mir der Secretarius der Canntzleyschreiber einenn zugeschickt, vnnd das ich in das Schlos zu den Rethenn vnnd Ime kommenn wolte begeret, als ich aber Ins Schlos kommenn Hat der Secretarius mir vonn wegenn ser2 gnedigenn Herrenn, in beysein der Rethe endtdeckt, das Ire gnedige Herrenn, die Credentz vnnd werbüng enndtpfanngenn, anngenommenn vnd selbst verlesenn. Vnnd ob schonn bedennklich were, einem Jedenn bey die geheimnus Ires Saltzwercks zulassenn, So sein sie doch nit allein in dem, Sonndernn auch in einem mehrenn vnnd grösserm Irenn gnedigenn Herrnn, dem Lanndtgrauenn zu Hessenn, zu wilfahrenn geneigt. Mit dem weitternn annhanngk, das auch als
Der Vierte Appendix. mich nach kurzer Weile in die Herberge weisen lassen, was ihre wohlgenannten gnädigen Herren sich daraufhin erklärten. Und die Räte sind sogleich aus der Kanzlei zu den genannten Grafen, ihren gnädigen Herren, gegangen.
Desselben Abends hat mir der Sekretär einen der Kanzleischreiber geschickt und begehrt, dass ich ins Schloss zu den Räten und zu ihm kommen wolle. Als ich aber ins Schloss kam, hat mir der Sekretär von wegen seiner gnädigen Herren in Beisein der Räte eröffnet, dass ihre gnädigen Herren das Beglaubigungsschreiben und die Werbung empfangen, angenommen und selbst gelesen hätten. Und obwohl es bedenklich wäre, einen jeden in das Geheimnis ihres Salzwerks zu lassen, so seien sie doch nicht allein hierin, sondern auch in Größerem geneigt, ihrem gnädigen Herrn, dem Landgrafen zu Hessen, zu willfahren — mit dem weiteren Zusatz, dass sie auch so-
Unsichere Lesungen
- Esselbigenn — wohl Desselbigenn, Initiale (Z. 6)
- ser — vielleicht Irer, Anfang undeutlich (Z. 11)
S. 735
Bl. 366rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
baldt die Grauenn ann Ire Beamptenn geschriebenn vnnd beuohlenn, das mich dieselbigenn aller gelegennheit, vnnd wie es im grundt, vnnd alle sachenn Ires Saltzwergks gelegenn, gruntlich vf mein weitters begerenn in allenn Punctenn berichtenn soltenn, Vff solche anntwort hab ich geburlich gedannckt, vnd mich erbottenn, das ich derenn bey Meinem gl. f. vnnd herrnn, mit ruhm wolte eindenck sein, ohnn allenn zweiuell glaubenndt, es werdenn solchs Ifgl. auch mit sonndernn gnadenn vfnehmen/ Als ich nun den schrifftlichenn Beuelch ann die Beamptenn zu Franckennhausenn zu mir genommenn, habenn die Rethe mir anngezeigt, das Ire gnedige Herrenn beuohlenn, das ich zu Hoff bleibenn, vnnd mit Inenn den Herrnn Rethenn zu nacht essenn solte. Wie denn auch beschehenn, vnnd dieweil ebenn dar selbenn stundt einer aus Graff Gunthers Rethenn Doctor Johann Bayr1[?] ein gebornner Francke, welcher auch Pfenner
gleich an ihre Beamten geschrieben und befohlen hätten, dass diese mich über alle Umstände und darüber, wie es im Grunde und mit allen Sachen ihres Salzwerks bestellt sei, auf mein weiteres Begehren in allen Punkten gründlich berichten sollten.
Auf diese Antwort habe ich gebührend gedankt und mich erboten, dessen bei meinem gnädigen Fürsten und Herrn rühmend eingedenk zu sein, ohne allen Zweifel glaubend, Seine Fürstlichen Gnaden würden dies auch mit besonderen Gnaden aufnehmen.
Als ich nun den schriftlichen Befehl an die Beamten zu Frankenhausen zu mir genommen hatte, haben mir die Räte angezeigt, dass ihre gnädigen Herren befohlen hätten, ich solle bei Hofe bleiben und mit ihnen, den Herren Räten, zu Nacht essen; wie es denn auch geschehen ist. Und weil eben zu dieser Stunde einer aus Graf Günthers Räten, Doktor Johann Bayr, ein geborener Franke, der auch Pfänner
Unsichere Lesungen
- Bayr — Familienname, Lesung unsicher (Z. 19)
S. 736
Bl. 366vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
in Franckennhausenn ist, zu hof annkommenn, ist derselbige gleicher gestalt auch zutisch gefordert wordenn, vnnd hat sich derselbige sehr freundtlich, gleich wie die anndernn Rethe aller, Iegenn mir mit gutem gescherze eingelassenn, vnnd zwar in allem sich sehr gutwilligk erzeigt, Innsonderheit hat der Doctor, als ich denn vmb die annkunfft des Saltzwergks gefragt, anngezeigtt, das vom eltister annkunfft desselbigenn mann in keiner archiuen etwas fundt, da doch allenthalb erschiene, das es ein sehr alt Saltzwergk sein muste, aber zur zeit Henrici quarti des Kaisers sey eine donation ann das Kloster Rotherbach1[?], welchs Izt den vom Northausenn zustenndigk, darin das datum stehe, mit diesenn Wortenn, datum N. in monte Confusionis, Volgennts sey das Saltzwergk, Stadt vnnd ampt Franckenhausenn der Grauenn zu Bichlingenn, bis so lange die Schwartzburgk dieselbigenn ann sich erkaufft, gewesenn, So finde mann auch ein Vertragk
Der Vierte Appendix. in Frankenhausen ist, bei Hofe eingetroffen war, ist dieser gleichermaßen auch zu Tisch gefordert worden. Und er hat sich, wie die anderen Räte alle, sehr freundlich und mit gutem Scherz mit mir eingelassen und sich in allem sehr gutwillig erzeigt.
Insbesondere hat der Doktor, als ich nach der Entstehung des Salzwerks fragte, angezeigt, dass man über dessen älteste Entstehung in keinem Archiv etwas finde, obwohl doch überall erscheine, dass es ein sehr altes Salzwerk sein müsse. Aber zur Zeit Kaiser Heinrichs IV. sei eine Schenkung an das Kloster Rotherbach — das jetzt denen von Nordhausen zusteht — ergangen, worin das Datum mit diesen Worten stehe: „gegeben zu N. auf dem Berg der Verwirrung“.
Sodann sei das Salzwerk, die Stadt und das Amt Frankenhausen der Grafen zu Beichlingen gewesen, bis die Schwarzburger sie an sich gekauft haben. So finde man auch einen Vertrag
Unsichere Lesungen
- Rotherbach — Klostername, Lesung unsicher (Z. 13)