Salzbibel · Lesetext · 1. Buch
Das erste Buch · S. 49–58
Der Beweis des hohen Alters · S. 49–58 · Bl. 22r–26v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Der Beweis des hohen Alters
S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch
S. 49
Bl. 22rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Vonn Erster ankunfft des Saltzwercks Sodenn, darin mit bestenndigenn1 Argumenten ex Veris historijs bewiesenn wurdet, das dieses Saltzwerck vor Christi geburt zu Cornelij Taciti, Caroli Magni, vnnd D. Bonifacij zeittenn gewesenn, vnnd volgennts in stetigem wesenn, bis vff diese zeitt pliebenn, sampt der Pfenner priuilegien.
Von der ersten Entstehung des Salzwerks Sooden, worin mit stichhaltigen Argumenten aus wahren Geschichtsquellen bewiesen wird, dass dieses Salzwerk schon vor Christi Geburt, zu Zeiten des Cornelius Tacitus, Karls des Großen und des heiligen Bonifatius, bestanden hat und seither in stetigem Betrieb bis auf diese Zeit geblieben ist, samt den Privilegien der Pfänner.
Wenn einer von erster ankunfft des Saltzwercks Sodenn, zu redenn sich vnndernehmenn will, So werdenn im dreyerley zum beschwerlichstenn im weg liegenn, Ohne welcher vorhergehennder erleutterung, niemanndt etwas der warheit gemes, wurdet redenn oder schreiben konnenn,
Wenn einer es unternehmen will, von der ersten Entstehung des Salzwerks Sooden zu reden, so werden ihm dreierlei Dinge aufs Beschwerlichste im Wege liegen, ohne deren vorausgehende Erläuterung niemand etwas der Wahrheit Gemäßes wird reden oder schreiben können.
Denn erstlich ist zum höchstenn zubeklagenn, das vnnser furfahrenn, die alttenn Teutschenn2, gar keine gelerte leute, bey sich gehapt habenn, Welche was sich bey den Teutschenn zugetragenn, hette in Teutscher sprach beschreibenn konnenn,
Denn erstens ist aufs Höchste zu beklagen, dass unsere Vorfahren, die alten Deutschen, gar keine gelehrten Leute bei sich gehabt haben, die das, was sich bei den Deutschen zugetragen hat, in deutscher Sprache hätten beschreiben können.
Unsichere Lesungen
- bestenndigenn — Endung -enn/-em nicht ganz eindeutig
- Teutschenn — Wortende am Zeilenschluss mit Schnörkel, Endung nicht ganz sicher
S. 50
Bl. 22vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitesolchs die alttenn Heydtnischenn Geschichtschreiber hin vnnd wiedder in Ihrenn Büchernn gedennckenn, vnnd ohnne das die erfarung selbst außweiset.
wie es die alten heidnischen Geschichtsschreiber hin und wieder in ihren Büchern erwähnen und es zudem die Erfahrung selbst ausweist.
Zum anndernn, Ob schonn die alttenn vnnd Heidtnische geschichtschreiber, als Ptolomeus, Strabo, Plinius, Cornelius Tacitus, auch etliche der Neuenn, in Ihrenn Büchernn der Teutschenn gedennckenn, auch vnangesehenn1 das sie die Teutschenn für Barbaros halttenn, Gleichwohl Irer hohenn tugenndenn wegenn, herlich verrühmenn,
Zum Zweiten: Obschon die alten und heidnischen Geschichtsschreiber wie Ptolemäus, Strabo, Plinius und Cornelius Tacitus, auch etliche der Neueren, in ihren Büchern der Deutschen gedenken und sie – ungeachtet dessen, dass sie die Deutschen für Barbaren halten – gleichwohl wegen ihrer hohen Tugenden herrlich rühmen,
So gebenn sie doch den Völckernn teutsches Lanndes, so selzame verthunckelte nahmenn, das mann nicht wohl etwas gewisses, sonndernn viel mehr Mutmassenn, vnnd gleichsam nach gut dunckenn schliessenn kann,
so geben sie doch den Völkern deutschen Landes so seltsame, verdunkelte Namen, dass man daraus nichts recht Gewisses entnehmen, sondern vielmehr nur mutmaßen und gleichsam nach Gutdünken schließen kann.
Zum drittenn, so habenn sich auch so manncherley Migrationes, außzuege vnnd vertreibung der völcker zugetragenn, das bey nahennts2 kein volck mehr, seinenn alten vnnd erstenn siz Innenn hatt, da zuuor seine Aborigenes gewonet habenn,
Zum Dritten haben sich auch so mancherlei Migrationen, Auszüge und Vertreibungen der Völker zugetragen, dass beinahe kein Volk mehr seinen alten und ersten Sitz innehat, wo zuvor seine Ureinwohner gewohnt haben,
Das mann deshalb zu dieser zeit mehr darauf muß sehenn, vnnd sich befleissenn, was die rechttenn Termini der alttenn gewesenenn völcker,Läuft auf der nächsten Seite weiter
sodass man deshalb in dieser Zeit umso mehr darauf sehen und sich befleißigen muss, was die richtigen Grenzen der alten, ehemaligen Völker
Unsichere Lesungen
- vnangesehenn — Minims mehrdeutig; Lesung aus dem Sinnzusammenhang (unangesehen = ungeachtet)
- bey nahennts — Schreibung der Endung nicht ganz sicher
S. 51
Bl. 23rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedenn derenn, die noch sein zuerforschenn, wenn mann etwas gewisses vonn teutschenn sachenn sagenn will.
als die derjenigen, die noch bestehen, zu erforschen, wenn man etwas Gewisses über deutsche Dinge sagen will.
Dieweil aber solchs vnneracht1 mir vonn Meinem gnedigen Furstenn vnnd Herrnn zu Hessenn, gnediglich vfferlegtt vnnd beuohlenn wordenn, Vonn der annkunfft, ihrer F. G. Saltzwercks2 Sodenn für Allenndorff ann der Werra, vleißige nachforschung souiel Immer müglich zuhabenn,
Weil mir aber dessen ungeachtet von meinem gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen gnädiglich auferlegt und befohlen worden ist, über die Entstehung des Salzwerks Sooden vor Allendorf an der Werra, das Seiner Fürstlichen Gnaden gehört, so fleißige Nachforschung wie irgend möglich anzustellen,
Vnnd aber Ich hierzu vff keinenn besernn weg kommenn kann, denn so Ich erstlich die rechttenn altenn grenntzenn, oder Terminos Cattorum, aus den alttenn Historicis, Cosmographis vnnd Geographis, bestendigk auffsuche, vnnd dieselbigenn Grenntzenn, wie sie vonn altters benennet wordenn, mit der Jzt breuchlichenn Conferire.
und ich hierzu auf keinem besseren Weg vorankommen kann, als wenn ich zuerst die richtigen alten Grenzen – die Terminos Cattorum, die Grenzen der Chatten – aus den alten Historikern, Kosmographen und Geographen gründlich aufsuche und dieselben Grenzen, wie sie von alters her benannt worden sind, mit den jetzt gebräuchlichen vergleiche.
Zum anndernn, Dieweil die alttenn Geschichtschreiber, einmütiglich (: wie denn auch die neuenn :) des berges Meliboci gedennckenn, vnnd gleichwohl demselben Jntra terminos Cattorum statuiren, Das Ich auch mitt vleis nachtrachtung habe, Welcher bergk doch Jzo derselbige seye,
Zum Zweiten: Weil die alten Geschichtsschreiber einmütig (wie auch die neueren) den Berg Melibocus erwähnen und ihn zugleich innerhalb der Grenzen der Chatten ansetzen, muss ich auch mit Fleiß dem nachgehen, welcher Berg denn heute derselbe sei,
Dieweil vnnder den Jzigenn gelertenn, aus vnerfarennheit des rechttenn alttenn sizes derLäuft auf der nächsten Seite weiter
weil unter den jetzigen Gelehrten, aus Unkenntnis des richtigen alten Sitzes der
Unsichere Lesungen
- vnneracht — Lesung vnneracht/vnueracht (= unerachtet) nicht ganz eindeutig
- Saltzwercks — Schreibung Saltz-/Salz- am Wortanfang nicht ganz eindeutig
S. 52
Bl. 23vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteCattorum so zweiuelhafftig vnnd vngewisse ding hiervonn statuiret werdenn, Das mann gleich als ob die Abnobij vnnd Obnobij montes1, den Melibocum gar vnsichtbar gemacht, nicht mehr wissenn kann, Wo der gedachte Bergk Jzo gelegenn seye,
Chatten so zweifelhafte und ungewisse Dinge hierüber behauptet werden, dass man – gleich als ob die Gebirge Abnoba und Obnoba den Melibocus ganz unsichtbar gemacht hätten – nicht mehr wissen kann, wo der gedachte Berg heute gelegen sei.
Vnnd zum drittenn, Wenn die grenntzenn vnnd Termini Cattorum, desgleichenn die gelegennheitt des Meliboci, also erforschet, das ich als denn, mit vleis erkundige, vmb welche Salzbrunnen sich die Catten mit den Hermunduris geschlagenn habenn,
Und zum Dritten: Wenn die Grenzen und Termini der Chatten, desgleichen die Lage des Melibocus, derart erforscht sind, dass ich alsdann mit Fleiß erkunden kann, um welche Salzbrunnen sich die Chatten mit den Hermunduren geschlagen haben,
Obs2 wie die Jzigenn gelertenn ohnne grundt wollenn, die Brunnen zu Hall in Sachssenn, oder die zu Allendorff, Franckennhausen, oder Salzungen seyen,
und ob es, wie die jetzigen Gelehrten ohne Grund behaupten, die Brunnen zu Halle in Sachsen oder die zu Allendorf, Frankenhausen oder Salzungen gewesen seien –
denn wenn diese drey fragenn vfgelöst werdenn, kan als dann leichtlich vonn rechter ankunfft, dieses Salzwercks geredett vnnd geschlossenn werdenn.
denn wenn diese drei Fragen aufgelöst sind, kann alsdann leicht über die wahre Entstehung dieses Salzwerks geredet und ein Schluss gezogen werden.
Unsichere Lesungen
- Obnobij montes — Berufung auf Abnoba mons; Schreibung Obnobij nicht ganz sicher
- Obs — Lesung Obs (= ob es) aus dem Zusammenhang; Schriftbild mehrdeutig
S. 53
Bl. 24rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Vonn dem Sitz der alttenn Catten derselbigenn rechtenn Grentzenn, ann flüssenn, Bergenn, Geweldenn vnd dergleichenn, vnnd dem Jtzigenn Sitz der Hessenn, so ann Ire stadt kommen vnd genennet werdenn.
Vom Sitz der alten Chatten, von deren richtigen Grenzen an Flüssen, Bergen, Wäldern und dergleichen, und vom jetzigen Sitz der Hessen, die an ihre Stelle getreten sind und so genannt werden.
Wenn ich nun erstlich den rechtenn Sitz der alttenn Cattenn, bey den alttenn Scribenten, Cosmographis vnnd Geographis, erforsche, Befinde Ich gleichwohl, das sie kaumpt vonn einem volck1, die terminos so einhellig, als von den Cattis sezenn,
Wenn ich nun zuerst den richtigen Sitz der alten Chatten bei den alten Schriftstellern, Kosmographen und Geographen erforsche, so finde ich gleichwohl, dass sie kaum bei einem Volk die Grenzen so einhellig angeben wie bei den Chatten;
vmb welches willenn, mich denn auch zum höchstenn verwundert, Warumb doch Franciscus Irenicus, so ganntz ohne grundt statuiret, das der Cattorum kein Vestigium mehr zufindenn,
weswegen es mich denn auch aufs Höchste verwundert, warum Franciscus Irenicus so ganz ohne Grund behauptet, dass von den Chatten keine Spur mehr zu finden sei.
Denn beim auffganngk3, sezenn Je die alttenn, die Weser vnd Werra, vnnd die daselbst anngrenntzenden Berge, hinter diesenn bergenn vnnd flössenn aber, die Tubantes, Chaudrinos2 vnnd Cattuarios,
Denn gegen Sonnenaufgang setzen die Alten ja die Weser und Werra und die dort angrenzenden Berge als Grenze, hinter diesen Bergen und Flüssen aber die Tubanten, Chaudriner und Chattuarier,
Welches Jzo die Eisfelder (: da noch drey dörffer, Nemblich Kirchganndern, Obern: vnnd Niederganndern :) liegenn, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter
wo jetzt die Eichsfelder liegen (wo noch drei Dörfer sind, nämlich Kirchgandern, Ober- und Niedergandern), und
Unsichere Lesungen
- vonn einem volck — Lesung vonn/bey einem volck nicht ganz eindeutig
- Chaudrinos — Völkername; Anfangsbuchstabe C/G und Lautstand nicht ganz sicher
- beim auffganngk — erstes Wort (beim) verschliffen geschrieben
S. 54
Bl. 24vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedas Lanndt zu Göttingenn, bis am Brackenberge1, bis Jegenn Lippoldesberga2 seindt, hinder welchenn Völckern denn die Cherusci, Harzlender, Bructeri vnd Cauci Ihre size gehapt,
und das Land zu Göttingen sind, bis an den Brackenberg und bis gegen Lippoldsberg; hinter diesen Völkern hatten dann die Cherusker, Harzländer, Brukterer und Chauken ihre Sitze.
Vnnd erscheinet also, das die Cherusci, wie viele wöllenn3, mit den Catten niemahls gegrenzt habenn, sonndern durch die Tubantes vnnd gedachte Völcker, vonn Jnen abgetheilt gewesenn,
Und so zeigt sich, dass die Cherusker – wie viele es behaupten wollen – mit den Chatten niemals eine gemeinsame Grenze gehabt haben, sondern durch die Tubanten und die genannten Völker von ihnen getrennt gewesen sind.
Vnnd dieweil die Hermunduri, Welches Jzo die Duringer seindt, Ire grennz nach den Catten zu, bis ann den Hurselberge bey Eysenach, dannen auff die Werra oder Weser erstreckenn,
Und weil die Hermunduren, die jetzt die Thüringer sind, ihre Grenze gegen die Chatten hin bis an den Hörselberg bei Eisenach und von dort auf die Werra oder Weser erstrecken,
So ist mann also einmahl gewis, was die Catten für Limites vnnd grenntzenn, Jegenn auffganng der Sonnenn, das ist nach dem Lanndt zu Duringenn, Eisfeldt, vnnd Sachssenn gehapt,
so ist man nunmehr gewiss, was die Chatten für Limites und Grenzen gegen Sonnenaufgang – das heißt nach dem Land zu Thüringen, dem Eichsfeld und Sachsen hin – gehabt haben:
Nemblich die Weser, vnnd Werra, mit Jrenn beyliegendenn Bergen, gehöltzenn, vnnd den obgenanntenn Völckernn,
nämlich die Weser und die Werra mit ihren anliegenden Bergen und Gehölzen und den obengenannten Völkern.
Unsichere Lesungen
- Brackenberge — Bergname; ck mit Zierstrich, Lesung Brackenberg (bei Göttingen) wahrscheinlich
- Lippoldesberga — latinisierte Namensform für Lippoldsberg; Endung -a nicht ganz sicher
- wie viele wöllenn — Bezug des Einschubs (entgegen oder gemäß der Meinung vieler) nicht eindeutig
S. 55
Bl. 25rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Vonn den Grentzenn vnnd Terminis Jegenn Mittagk
Von den Grenzen und Terminis gegen Mittag (nach Süden)
Jegenn Mittagk, habenn die Cattenn, die Fosos2, welches Schoppern1[?] vnnd anndere, auff die im Furstenthumb Hennebergk, Roen, Buchenn, vnnd Franckenn deutenn, folgents die Montes Abnobios,
Gegen Süden haben die Chatten die Fosi – die Schoppern und andere auf die Bewohner im Fürstentum Henneberg, in der Rhön, im Buchenland und in Franken deuten –, sodann die Abnobischen Berge,
Inn welchem zirck Salzungenn, Breitungenn, Rockenstul, Fulda, Neuwhoff, Steckelbergk3, Schleuchtter, Budingenn, Gellhausenn, Haynaw, Bergen, Orttembergk, bis ann Spishart, vnnd Kinzing, bis Inn Mäyn gelegenn,
in welchem Umkreis Salzungen, Breitungen, der Rockenstuhl, Fulda, Neuhof, Steckelberg, Schlüchtern, Büdingen, Gelnhausen, Hanau, Bergen und Ortenberg liegen – bis an den Spessart und die Kinzig, bis an den Main.
Hie4[?] kann Ich zu mehrer bestettigung, dieser meiner meÿnung, nicht vnnderlassenn, meiner beder Vetternn seligenn, Petri Lotichij primi, Abtts zu Schleuchtter, vnnd dem Doctoris Petri Lotichij secundi, Gottseligenn, zugedenckenn,
Hier kann ich zur weiteren Bestätigung dieser meiner Meinung nicht unterlassen, meiner beiden seligen Vettern zu gedenken: des Petrus Lotichius des Ersten, Abts zu Schlüchtern, und des gottseligen Doktors Petrus Lotichius des Zweiten,
Welche mir selbst, als Ich zu Schleuchtternn beÿ Inenn Anno 1559. gewesenn, diese Terminos also anngezeigtt, sich Cattos genandt, vnnd das Vhraltte Haus Steckelbergk auff der Kinzing (welches Izo der Edlenn von Hütten ist) fur den Hæreditarium limitem der Cattorum gedeütet habenn.
die mir selbst, als ich im Jahr 1559 bei ihnen in Schlüchtern war, diese Grenzen so angezeigt, sich Chatten genannt und das uralte Haus Steckelberg an der Kinzig (das jetzt den Edlen von Hutten gehört) als die Erbgrenze (hereditarius limes) der Chatten gedeutet haben.
Unsichere Lesungen
- Schoppern — Gelehrtenname unsicher gelesen; wohl Verweis auf einen Autor (Schopper?)
- Fosos — Völkername nach Tacitus (Fosi); Endung nicht ganz sicher
- Steckelbergk — Auch Lesung Sterkelbergk möglich; gemeint ist die Burg Steckelberg an der Kinzig (Haus der von Hutten)
- Hie — Satzanfang mit großer Zierinitiale, Lesung des Wortes unsicher (Hie/Wie/So)
S. 56
Bl. 25vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Vonn den Grentzenn vnnd Terminis nach Niedergang
Von den Grenzen und Terminis nach Niedergang (gegen Westen)
Nach Niedergang, beschreibenn die Historici vnd Cosmographi einhelliglich, das sie daselbst der Catten anngrenzenden Völcker, die Vsipij vnnd Vsipetes1, vnd der Rhein seÿenn,
Gegen Niedergang (Westen) beschreiben die Historiker und Kosmographen einhellig, dass dort die an die Chatten angrenzenden Völker – die Usipier und Usipeten – und der Rhein seien.
Welches mann Izo vor die Reingauwer achttet, vnnd darbenebenn die Mattiacos fontes, Darvonn Plinius lib. 31. Cap: 2. schreibt, vnnd Leonhardus Fuchsius, fur die Brunnenn zu Wißbadenn helttet,
Diese hält man jetzt für die Rheingauer; und daneben die Mattiacos fontes (die Mattiakischen Quellen), von denen Plinius in Buch 31, Kapitel 2 schreibt und die Leonhard Fuchs für die Brunnen zu Wiesbaden hält.
Daselbst in der nehe, soll vom alters Mattium der Cattorum heuptort, gelegenn sein, vnnd die Brunnenn dauonn den nahmenn bekommenn habenn,
Dort in der Nähe soll von alters her Mattium, der Hauptort der Chatten, gelegen haben, und die Brunnen sollen davon den Namen bekommen haben.
Es ist aber Izo kein einige annzeigung daselbst, ohne das ein ortt Mattmell2 genennet, des ortts noch vbrigs soll pliebenn sein,
Es gibt dort aber jetzt keinerlei Anzeichen mehr, außer dass ein Ort, Mattmell genannt, von jenem Ort noch übrig geblieben sein soll.
Dieweil aber Beatus Rhenanus schleusset, das Catzennelnnbogenn, den nahmenn vonn den Cattis vnd Meliboco her habe, vnnd demselbigenn andere zutrettenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Weil aber Beatus Rhenanus schließt, dass Katzenelnbogen seinen Namen von den Chatten und dem Melibokus herhabe, und andere dem beitreten,
Unsichere Lesungen
- Vsipij vnnd Vsipetes — Völkernamen (Usipii/Usipetes nach Tacitus), Schreibung der Endungen nicht ganz sicher
- Mattmell — Ortsname unsicher gelesen; Zierstriche durch tt erschweren die Lesung
S. 57
Bl. 26rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteKann Ich nicht anders schliessenn, dann das die Reingauer Catzennelnpoger1 bis am Rhein, vnnd folgenndts die Innwöhner Jegenn Coblenz, vber die Loehn herauff bis Inn die Dill, vnnder die Cattes2 gehörenn,
kann ich nicht anders schließen, als dass die Rheingauer und Katzenelnbogener bis an den Rhein und sodann die Einwohner gegen Koblenz hin, die Lahn herauf bis an die Dill, unter die Chatten gehören.
Vonn den Grentzenn vnnd Terminis Jegenn Mitternacht
Von den Grenzen und Terminis gegen Mitternacht (nach Norden)
Jegenn Mitternacht, thun sich herfür die Montes Obnobij, Izt das Hessische Gebirge genenndt, Engernn, Angriuaria, Chamauni3 vnnd gantz Westphalen, bis in die Weser,
Gegen Norden treten hervor die Montes Obnobii, jetzt das Hessische Gebirge genannt, Engern, das Land der Angrivarier, die Chamaver und ganz Westfalen, bis an die Weser.
Inn diesem zirck seindt gelegenn Limpurgk, Dietz, Beilstein, Wezlar, Herborn, Dilnbergk, Solms, Wittgistein, Blanckennstein, Bidenkap, Vetter.
In diesem Umkreis liegen Limburg, Diez, Beilstein, Wetzlar, Herborn, Dillenburg, Solms, Wittgenstein, Blankenstein, Biedenkopf und Wetter.
Die gantze Graffschafft Waldeck, Eysembergk, Kogelsbergk4, Wolffhagenn, Desembergk, Malspurgk, Weydelsbergk, Schönbergk, vnnd Kruckenbergk, auff der Dimmell herunder,
Ferner die ganze Grafschaft Waldeck, Eisenberg, Kogelsberg, Wolfhagen, der Desenberg, die Malsburg, der Weidelsberg, Schöneberg und die Krukenburg, die Diemel herunter.
Daselbst streicht denn die Grentz nach dem Sölling (welcher ein stuck des Herciniæ Siluæ ist) vber die Weser,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Dort streicht dann die Grenze nach dem Solling (der ein Stück des Herzynischen Waldes ist) über die Weser,
Unsichere Lesungen
- Catzennelnpoger — Schreibung des Namens (Katzenelnbogener) nicht ganz sicher, p/b schwer unterscheidbar
- Cattes — Endung durch Zierstrich unklar, evtl. Cattos
- Chamauni — Völkername (Chamaver nach Tacitus), Endung unsicher
- Kogelsbergk — Ortsname unsicher; evtl. Kugelsburg bei Volkmarsen
S. 58
Bl. 26vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd thut sich darnach in zweÿ theil oder äste abwechselnn, derenn eins die Werra herauff, das annder dem Hartzwaldt durch die kleine Cauchos1, naher den Bructeris vnnd Chamaunis2 zustreicht,
und teilt sich danach in zwei Teile oder Äste, von denen der eine die Werra hinaufführt, der andere zum Harzwald durch das Gebiet der kleinen Chauken streicht, näher zu den Brukterern und Chamavern hin.
Das nun diese, die rechttenn Termini der alttenn Cattorum gewesenn, kann, vnangesehenn das viele, so bis anhero geschriebenn, gantz tunckell, Ja viel tunckeler denn Cornelius Tacitus, welcher ein außlennder gewesenn, hiervonn redenn,
Dass nun diese die rechten Grenzen der alten Chatten gewesen sind, kann – ungeachtet dessen, dass viele, die bisher geschrieben haben, ganz dunkel, ja viel dunkler als Cornelius Tacitus, der ein Ausländer war, davon reden –
gnugsamb aus nachvolgenndem Authoribus, Newenn vnnd Alttenn, Als Plinio, Mela, Strabone, Tacito, Ptolomæo, Paterculo, Vadiano, Althamero, Birckheÿmero, Celte, Sÿluio, Munstero vnnd Schoppero bewiesenn werdenn,
hinreichend aus den folgenden neuen und alten Autoren bewiesen werden: aus Plinius, Mela, Strabo, Tacitus, Ptolemäus, Paterculus, Vadianus, Althamer, Pirckheimer, Celtis, Silvius, Münster und Schopper.
Welcher zeugnus aller, wohl hier notwenndig geachttet werdenn mochttenn, zusezenn, aber dieweil bis auff denn heutigenn tagk, vonn allenn vier ortten her sich die Innwöner zu den Cattis vnnd Hessenn erkennenn, Auch die Furstenn zu Hessenn deren mehrentheils mechtig sein, Wil ichs hierbeÿ bewenden lassenn,
Es möchte wohl für nötig gehalten werden, die Zeugnisse aller dieser hier beizufügen; weil sich aber bis auf den heutigen Tag von allen vier Seiten her die Einwohner zu den Chatten und Hessen bekennen und auch die Fürsten zu Hessen deren größtenteils mächtig sind, will ich es hierbei bewenden lassen.
Unsichere Lesungen
- Cauchos — Völkername (Chauci minores bei Tacitus), Lesung des au nicht ganz sicher
- Chamaunis — Völkername (Chamaver), Endung unsicher