Salzbibel · Lesetext · 1. Buch
Das erste Buch · S. 55–64
Der Beweis des hohen Alters · S. 55–64 · Bl. 25r–29v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Der Beweis des hohen Alters
S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch
S. 55
Bl. 25rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Vonn den Grentzenn vnnd Terminis Jegenn Mittagk
Von den Grenzen und Terminis gegen Mittag (nach Süden)
Jegenn Mittagk, habenn die Cattenn, die Fosos2, welches Schoppern1[?] vnnd anndere, auff die im Furstenthumb Hennebergk, Roen, Buchenn, vnnd Franckenn deutenn, folgents die Montes Abnobios,
Gegen Süden haben die Chatten die Fosi – die Schoppern und andere auf die Bewohner im Fürstentum Henneberg, in der Rhön, im Buchenland und in Franken deuten –, sodann die Abnobischen Berge,
Inn welchem zirck Salzungenn, Breitungenn, Rockenstul, Fulda, Neuwhoff, Steckelbergk3, Schleuchtter, Budingenn, Gellhausenn, Haynaw, Bergen, Orttembergk, bis ann Spishart, vnnd Kinzing, bis Inn Mäyn gelegenn,
in welchem Umkreis Salzungen, Breitungen, der Rockenstuhl, Fulda, Neuhof, Steckelberg, Schlüchtern, Büdingen, Gelnhausen, Hanau, Bergen und Ortenberg liegen – bis an den Spessart und die Kinzig, bis an den Main.
Hie4[?] kann Ich zu mehrer bestettigung, dieser meiner meÿnung, nicht vnnderlassenn, meiner beder Vetternn seligenn, Petri Lotichij primi, Abtts zu Schleuchtter, vnnd dem Doctoris Petri Lotichij secundi, Gottseligenn, zugedenckenn,
Hier kann ich zur weiteren Bestätigung dieser meiner Meinung nicht unterlassen, meiner beiden seligen Vettern zu gedenken: des Petrus Lotichius des Ersten, Abts zu Schlüchtern, und des gottseligen Doktors Petrus Lotichius des Zweiten,
Welche mir selbst, als Ich zu Schleuchtternn beÿ Inenn Anno 1559. gewesenn, diese Terminos also anngezeigtt, sich Cattos genandt, vnnd das Vhraltte Haus Steckelbergk auff der Kinzing (welches Izo der Edlenn von Hütten ist) fur den Hæreditarium limitem der Cattorum gedeütet habenn.
die mir selbst, als ich im Jahr 1559 bei ihnen in Schlüchtern war, diese Grenzen so angezeigt, sich Chatten genannt und das uralte Haus Steckelberg an der Kinzig (das jetzt den Edlen von Hutten gehört) als die Erbgrenze (hereditarius limes) der Chatten gedeutet haben.
Unsichere Lesungen
- Schoppern — Gelehrtenname unsicher gelesen; wohl Verweis auf einen Autor (Schopper?)
- Fosos — Völkername nach Tacitus (Fosi); Endung nicht ganz sicher
- Steckelbergk — Auch Lesung Sterkelbergk möglich; gemeint ist die Burg Steckelberg an der Kinzig (Haus der von Hutten)
- Hie — Satzanfang mit großer Zierinitiale, Lesung des Wortes unsicher (Hie/Wie/So)
S. 56
Bl. 25vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Vonn den Grentzenn vnnd Terminis nach Niedergang
Von den Grenzen und Terminis nach Niedergang (gegen Westen)
Nach Niedergang, beschreibenn die Historici vnd Cosmographi einhelliglich, das sie daselbst der Catten anngrenzenden Völcker, die Vsipij vnnd Vsipetes1, vnd der Rhein seÿenn,
Gegen Niedergang (Westen) beschreiben die Historiker und Kosmographen einhellig, dass dort die an die Chatten angrenzenden Völker – die Usipier und Usipeten – und der Rhein seien.
Welches mann Izo vor die Reingauwer achttet, vnnd darbenebenn die Mattiacos fontes, Darvonn Plinius lib. 31. Cap: 2. schreibt, vnnd Leonhardus Fuchsius, fur die Brunnenn zu Wißbadenn helttet,
Diese hält man jetzt für die Rheingauer; und daneben die Mattiacos fontes (die Mattiakischen Quellen), von denen Plinius in Buch 31, Kapitel 2 schreibt und die Leonhard Fuchs für die Brunnen zu Wiesbaden hält.
Daselbst in der nehe, soll vom alters Mattium der Cattorum heuptort, gelegenn sein, vnnd die Brunnenn dauonn den nahmenn bekommenn habenn,
Dort in der Nähe soll von alters her Mattium, der Hauptort der Chatten, gelegen haben, und die Brunnen sollen davon den Namen bekommen haben.
Es ist aber Izo kein einige annzeigung daselbst, ohne das ein ortt Mattmell2 genennet, des ortts noch vbrigs soll pliebenn sein,
Es gibt dort aber jetzt keinerlei Anzeichen mehr, außer dass ein Ort, Mattmell genannt, von jenem Ort noch übrig geblieben sein soll.
Dieweil aber Beatus Rhenanus schleusset, das Catzennelnnbogenn, den nahmenn vonn den Cattis vnd Meliboco her habe, vnnd demselbigenn andere zutrettenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Weil aber Beatus Rhenanus schließt, dass Katzenelnbogen seinen Namen von den Chatten und dem Melibokus herhabe, und andere dem beitreten,
Unsichere Lesungen
- Vsipij vnnd Vsipetes — Völkernamen (Usipii/Usipetes nach Tacitus), Schreibung der Endungen nicht ganz sicher
- Mattmell — Ortsname unsicher gelesen; Zierstriche durch tt erschweren die Lesung
S. 57
Bl. 26rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteKann Ich nicht anders schliessenn, dann das die Reingauer Catzennelnpoger1 bis am Rhein, vnnd folgenndts die Innwöhner Jegenn Coblenz, vber die Loehn herauff bis Inn die Dill, vnnder die Cattes2 gehörenn,
kann ich nicht anders schließen, als dass die Rheingauer und Katzenelnbogener bis an den Rhein und sodann die Einwohner gegen Koblenz hin, die Lahn herauf bis an die Dill, unter die Chatten gehören.
Vonn den Grentzenn vnnd Terminis Jegenn Mitternacht
Von den Grenzen und Terminis gegen Mitternacht (nach Norden)
Jegenn Mitternacht, thun sich herfür die Montes Obnobij, Izt das Hessische Gebirge genenndt, Engernn, Angriuaria, Chamauni3 vnnd gantz Westphalen, bis in die Weser,
Gegen Norden treten hervor die Montes Obnobii, jetzt das Hessische Gebirge genannt, Engern, das Land der Angrivarier, die Chamaver und ganz Westfalen, bis an die Weser.
Inn diesem zirck seindt gelegenn Limpurgk, Dietz, Beilstein, Wezlar, Herborn, Dilnbergk, Solms, Wittgistein, Blanckennstein, Bidenkap, Vetter.
In diesem Umkreis liegen Limburg, Diez, Beilstein, Wetzlar, Herborn, Dillenburg, Solms, Wittgenstein, Blankenstein, Biedenkopf und Wetter.
Die gantze Graffschafft Waldeck, Eysembergk, Kogelsbergk4, Wolffhagenn, Desembergk, Malspurgk, Weydelsbergk, Schönbergk, vnnd Kruckenbergk, auff der Dimmell herunder,
Ferner die ganze Grafschaft Waldeck, Eisenberg, Kogelsberg, Wolfhagen, der Desenberg, die Malsburg, der Weidelsberg, Schöneberg und die Krukenburg, die Diemel herunter.
Daselbst streicht denn die Grentz nach dem Sölling (welcher ein stuck des Herciniæ Siluæ ist) vber die Weser,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Dort streicht dann die Grenze nach dem Solling (der ein Stück des Herzynischen Waldes ist) über die Weser,
Unsichere Lesungen
- Catzennelnpoger — Schreibung des Namens (Katzenelnbogener) nicht ganz sicher, p/b schwer unterscheidbar
- Cattes — Endung durch Zierstrich unklar, evtl. Cattos
- Chamauni — Völkername (Chamaver nach Tacitus), Endung unsicher
- Kogelsbergk — Ortsname unsicher; evtl. Kugelsburg bei Volkmarsen
S. 58
Bl. 26vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd thut sich darnach in zweÿ theil oder äste abwechselnn, derenn eins die Werra herauff, das annder dem Hartzwaldt durch die kleine Cauchos1, naher den Bructeris vnnd Chamaunis2 zustreicht,
und teilt sich danach in zwei Teile oder Äste, von denen der eine die Werra hinaufführt, der andere zum Harzwald durch das Gebiet der kleinen Chauken streicht, näher zu den Brukterern und Chamavern hin.
Das nun diese, die rechttenn Termini der alttenn Cattorum gewesenn, kann, vnangesehenn das viele, so bis anhero geschriebenn, gantz tunckell, Ja viel tunckeler denn Cornelius Tacitus, welcher ein außlennder gewesenn, hiervonn redenn,
Dass nun diese die rechten Grenzen der alten Chatten gewesen sind, kann – ungeachtet dessen, dass viele, die bisher geschrieben haben, ganz dunkel, ja viel dunkler als Cornelius Tacitus, der ein Ausländer war, davon reden –
gnugsamb aus nachvolgenndem Authoribus, Newenn vnnd Alttenn, Als Plinio, Mela, Strabone, Tacito, Ptolomæo, Paterculo, Vadiano, Althamero, Birckheÿmero, Celte, Sÿluio, Munstero vnnd Schoppero bewiesenn werdenn,
hinreichend aus den folgenden neuen und alten Autoren bewiesen werden: aus Plinius, Mela, Strabo, Tacitus, Ptolemäus, Paterculus, Vadianus, Althamer, Pirckheimer, Celtis, Silvius, Münster und Schopper.
Welcher zeugnus aller, wohl hier notwenndig geachttet werdenn mochttenn, zusezenn, aber dieweil bis auff denn heutigenn tagk, vonn allenn vier ortten her sich die Innwöner zu den Cattis vnnd Hessenn erkennenn, Auch die Furstenn zu Hessenn deren mehrentheils mechtig sein, Wil ichs hierbeÿ bewenden lassenn,
Es möchte wohl für nötig gehalten werden, die Zeugnisse aller dieser hier beizufügen; weil sich aber bis auf den heutigen Tag von allen vier Seiten her die Einwohner zu den Chatten und Hessen bekennen und auch die Fürsten zu Hessen deren größtenteils mächtig sind, will ich es hierbei bewenden lassen.
Unsichere Lesungen
- Cauchos — Völkername (Chauci minores bei Tacitus), Lesung des au nicht ganz sicher
- Chamaunis — Völkername (Chamaver), Endung unsicher
S. 59
Bl. 27rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
So ist auch ohne das der warheitt gemes, dieweil die Catti beÿ den obgedachttenn Authoribus, indigena gens genennett werdenn,
So ist es auch ohnedies der Wahrheit gemäß, weil die Chatten bei den obgenannten Autoren indigena gens (ein eingeborenes Volk) genannt werden,
Welches vonn keinem Volcke Jemachls1 außgetriebenn gewesenn, Sonndernn wenn sich das Volck beÿ Ihnenn ermehret, einer den andern vertriebenn, oder selbst gewichenn, nach frembdenn Lanndenn gezogenn, vnnd dieselbige eingenommenn, erbauwet vnnd bewonet habenn,
das von keinem Volk jemals vertrieben worden ist; sondern wenn das Volk sich bei ihnen vermehrte, hat einer den anderen verdrängt oder ist selbst gewichen, in fremde Länder gezogen und hat diese eingenommen, bebaut und bewohnt.
Wie denn solches Cornelius Tacitus, vnnd vnnder den neuernn Joachimus Vadianus mit hohem lob bezeugenn
Wie denn solches Cornelius Tacitus und unter den Neueren Joachim Vadian mit hohem Lob bezeugen.
Sonnderlich aber bezeugenn die Historici vnnd Cosmographen, das Batauia, Izt Holanndt genanndt, pars Cattorum seÿe, vnnd vom Batauo Irem Furstenn, den nahmenn enndtpfangenn,
Besonders aber bezeugen die Historiker und Kosmographen, dass Batavia, jetzt Holland genannt, ein Teil der Chatten (pars Cattorum) sei und von Batavus, ihrem Fürsten, den Namen empfangen habe,
Welcher sich aus den Cattis gewenndet2, Batauiam erbauwet, vnnd nach seinem nahmenn, gleich wie Battembergk im Lanndt zu Hessenn, genennet hatt, Daher denn auch Cattwigk (quasi Cattorum Vicus) in Hollanndt den nahmenn behalttenn,
der aus dem Land der Chatten fortzog, Batavia erbaute und es – ebenso wie Battenberg im Land zu Hessen – nach seinem Namen benannte; daher hat auch Katwijk (gleichsam Cattorum vicus, Dorf der Chatten) in Holland den Namen behalten.
Unsichere Lesungen
- Jemachls — Wohl Schreibvariante von jemals; ch nicht ganz sicher
- gewenndet — Lesung des Verbs nicht ganz sicher (gewenndet/gewandert)
S. 60
Bl. 27vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Dieser Batauus aber, hatt hinter sich verlassenn, seinen Sohn Hessum genennet, vonn welchem nachmals die Catten den nahmenn Hessenn bekommenn,
Dieser Batavus aber hat einen Sohn namens Hessus hinterlassen, von dem die Chatten später den Namen Hessen bekommen haben.
Dieser Hessus hatt nicht minder, seines nahmenns gedechtnus, zu Niemweigen, als sein Vatter bein Cattis1 zu Battembergk hinderlassenn,
Dieser Hessus hat nicht minder ein Gedächtnis seines Namens in Nimwegen hinterlassen als sein Vater bei den Chatten in Battenberg;
denn er daselbst zu Niemweigenn, die halbe Stadt erbauwenn, vnnd nach seinem nahmenn, Hessembergk, bis vff den heutigenn tagk, nennenn lassenn, Wie er denn auch Hessennstein erbauwet habenn soll,
denn er hat dort zu Nimwegen die halbe Stadt erbauen und sie nach seinem Namen Hessenberg nennen lassen – so heißt sie bis auf den heutigen Tag –, wie er denn auch Hessenstein erbaut haben soll.
Vnnd das ich alhier etwas extra vagire, So erscheinenn hieraus, auch deren opinion falsch vnnd ohne grundt, Welche sagenn:
Und – um hier etwas abzuschweifen (extra vagieren) – hieraus erweist sich auch die Meinung derer als falsch und ohne Grund, welche sagen,
Das vmb Magdeburgk vnnd Halberstadt hero, ein Volck die Hessenn genennet, gewohnet, Welche furtters die Cattes außgetriebenn, vnnd sich ann Ihre stadt gesezet habenn sollenn,
dass um Magdeburg und Halberstadt her ein Volk, die Hessen genannt, gewohnt habe, das später die Chatten vertrieben und sich an ihre Stelle gesetzt haben soll.
Wollenn zum behelff einwendenn, das Heßheÿm2, daher also den nahmenn behaltenn, Welches zwischenn Halberstadt vnnd Wolffenbuttell liegett,
Zum Behelf wollen sie einwenden, dass Hessheim, das zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel liegt, daher seinen Namen behalten habe;
aber dieweil solches ein loser grundt,Läuft auf der nächsten Seite weiter
aber weil dies ein loser Grund ist,
Unsichere Lesungen
- bein Cattis — Wohl bei den Chatten; Schreibung bein/beim nicht ganz sicher
- Heßheÿm — Ortsname unsicher; ein Ort dieses Namens zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel (evtl. Hessen am Fallstein)
S. 61
Bl. 28rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd derenn sundts1[?] weder altt oder newe Scribenten der Hessenn gedennckenn, ist solche Opinion gantz vnnd gar zuuerwerffenn,
und da ihrer sonst weder alte noch neue Geschichtsschreiber der Hessen gedenken, ist eine solche Meinung ganz und gar zu verwerfen.
Desgleichenn zeugenn auch die Historici vnnd Cosmographen, das die Catti weitt vmbgeschweiffet, vnnd Innsonnderheit, das sie auch in Hispaniam mitt gewaltt gezogenn, ein grossenn ortt Lanndes eingenommenn, vnnd nach sich Cattaloniam genennet habenn,
Desgleichen bezeugen auch die Historiker und Kosmographen, dass die Chatten weit umhergeschweift sind, und insbesondere, dass sie auch mit Gewalt nach Hispanien gezogen sind, einen großen Teil des Landes eingenommen und ihn nach sich Katalonien benannt haben.
In Summa sie habenn Je vnnd allwegenn, ein herlichen nahmenn gehapt, vnnd (: Gott lob :) bis noch behalten, also das Cornelius Tacitus, sich nicht beschweret, vonn Ihnenn zusagenn: Quando reliqui populi exeunt ad praelium, Catti exeunt ad bellum,
In Summa: Sie haben je und allezeit einen herrlichen Namen gehabt und ihn (Gott sei Lob) bis heute behalten, sodass Cornelius Tacitus sich nicht scheute, von ihnen zu sagen: Quando reliqui populi exeunt ad praelium, Catti exeunt ad bellum – wenn die übrigen Völker zur Schlacht ausziehen, ziehen die Chatten in den Krieg.
Vnnd Joachimus Vadianus spricht, Stat adhuc Vetus gloria Cattorum, daher noch das sprichwort bliebenn: Wo Hessenn vnnd Holennder verderbenn, Wer woltte da nahrung erwerbenn,
Und Joachimus Vadianus sagt: Stat adhuc vetus gloria Cattorum – noch besteht der alte Ruhm der Chatten; daher ist noch das Sprichwort geblieben: Wo Hessen und Holländer verderben, wer wollte da Nahrung erwerben?
Vnnd habe ich dieses aus liebe vnnd zu ehrenn meines geliebtenn Vatterlanndts, alhier kurtzlich also zugedenckenn, nicht vnnderlassenn könnenn,
Und ich habe es aus Liebe und zu Ehren meines geliebten Vaterlandes nicht unterlassen können, dies hier kurz so zu bedenken.
Unsichere Lesungen
- sundts — Wort nach 'derenn' schwer lesbar; dem Sinn nach 'sonst'
S. 62
Bl. 28vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Es erfordert nun meine fürgenommene Ordenung, das Ich vonn dem berge Meliboco, sagenn mus, Da weis Ich warlich bey nahe nichtt, wo aus, oder wohin ein,
Es erfordert nun meine vorgenommene Ordnung, dass ich vom Berg Meliboco sprechen muss; da weiß ich wahrlich beinahe nicht, wo hinaus oder wo hinein.
Denn ob schonn austrücklich Ptolomaeus, dennselben intra terminos Cattorum, vnnd nichtt weitt davonn den Waltt Semanam setzett, Darumb mich dann wunder nimbt, Warumb etliche Scribenten, gedachttenn Melibocum ausser diesenn grentz gesucht habenn,
Denn obschon Ptolemäus denselben ausdrücklich intra terminos Cattorum – innerhalb der Grenzen der Chatten – und nicht weit davon den Wald Semana setzt, nimmt es mich daher wunder, warum etliche Schreiber den erwähnten Meliboco außerhalb dieser Grenzen gesucht haben.
Denn etliche [übergeschrieben: hohe] gelerttenn vnnd verstenndige leute, sich dahin verleitenn lassenn, das sie dem Brockelsbergk, so in mittell des Hartzes, vnnd intra terminos Cauchorum vnnd Bructerorum,
Denn etliche hochgelehrte und verständige Leute haben sich dahin verleiten lassen, dass sie den Brocken, der mitten im Harz und intra terminos Cauchorum und Bructerorum – im Gebiet der Chauken und Brukterer – liegt,
da sechs meylenn vonn den Grentzenn der Cattorum gelegenn, für den Melibocum in Ihrenn ausgangenen büchernn deutenn,
dort sechs Meilen von den Grenzen der Chatten entfernt, in ihren erschienenen Büchern als den Meliboco deuten.
Denn Je die Tubantes, Gaudrini1 vnnd Cattuarij, die Cattes vnnd Cherusces2 scheiden,
Denn es sind ja die Tubanten, Gaudriner und Chattuarier, die die Chatten und Cherusker voneinander scheiden.
Diese habenn sich vielleicht damit einnehmenn lassenn, weil vom Meliboco, die Scribenten zeugenn, das erLäuft auf der nächsten Seite weiter
Diese haben sich vielleicht dadurch einnehmen lassen, weil die Schreiber vom Meliboco bezeugen, dass er
Unsichere Lesungen
- Gaudrini — Stammesname unsicher; kein gängiger antiker Stammesname, Lesung nach Zoom 'Gaudri=ni'
- Cherusces — Endung unsicher, evtl. 'Cheruscis'
S. 63
Bl. 29rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitehoch Ertz vnnd Saltzreich seye, Wie denn der Brockelsbergk ist,
hoch sowie erz- und salzreich sei, wie es denn der Brocken ist.
Sie soltenn aber auch darauff acht genommenn haben, das davonn weitters geschriebenn stehett, das er gantz fruchtbar, bis obenn auff den höchstenn vnd sehr breittenn Gipfel seye, Welcher vmbstennde keiner, vffm Brockelsberge zufindenn,
Sie hätten aber auch darauf achtgeben sollen, dass davon weiter geschrieben steht, dass er ganz fruchtbar sei bis oben auf den höchsten und sehr breiten Gipfel – Umstände, von denen keiner auf dem Brocken zu finden ist.
Welcher Je ein schmaler, vffsteigennder, spitziger vnnd obenn auff gantz truckener, dürrer, vnnd öder Bergk ist, Wie denn solchs der augennschein ausweiset,
Denn dieser ist ja ein schmaler, aufsteigender, spitzer und oben ganz trockener, dürrer und öder Berg, wie es der Augenschein ausweist.
dann als baldt mann vber das bruch vnnd Morast, vffm Hartz, da der Hertzogk vonn Braunschweigk seine Pferdt struck1[?] helttet, nachenn Schaubennstein2[?] zu kömpt,
Denn sobald man über das Bruch und den Morast auf dem Harz – wo der Herzog von Braunschweig seine Pferdeherde hält – nach Schaubenstein kommt,
gehett solche dürre vnnd öde artt ann, also, das fortters bis obenn auff, nicht ein einiges steutlein zufindenn ist,
beginnt diese dürre und öde Art, sodass fortan bis oben hinauf nicht ein einziges Sträuchlein zu finden ist.
Deshalb denn Ich, diesenn hohenn Berck, dessen gleich, ohnne des, in gantzem Lanndt zu Sachssenn keiner ist, lieber Montem Bructerorum, das ist Bructersbergk, vonn den Bructeris, so daselbst Ihre Grentz gehapt, dann Melibocum deutenn vnd nennen will.
Weshalb ich diesen hohen Berg – dessengleichen es ohnehin im ganzen Land zu Sachsen keinen gibt – lieber Montem Bructerorum, das heißt Brukterer-Berg, nach den Brukterern, die dort ihre Grenze hatten, deuten und nennen will als Meliboco.
Unsichere Lesungen
- struck — Wort nach 'Pferdt' unsicher, wohl 'Struck'/'Strut' (Herde bzw. Gestüt); Sinn: wo der Herzog von Braunschweig seine Pferde hält
- Schaubennstein — Ortsname am Brocken unsicher, evtl. 'Scharfenstein'
S. 64
Bl. 29vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Es ist mir aber auch, für 32. Jarenn, ein Berck in der Obernn Graffschafft Catzenelnbogen bey Roßdorff1 gezeigt wordenn, bin auch selbst hinauff gestiegenn, vnnd den besichttiget, Welcher zwar sehr hoch ist, denn mann darauff weitt vmb sich sehenn kann,
Es ist mir aber auch vor 32 Jahren ein Berg in der oberen Grafschaft Katzenelnbogen bei Roßdorf gezeigt worden; ich bin auch selbst hinaufgestiegen und habe ihn besichtigt; dieser ist zwar sehr hoch, denn man kann darauf weit um sich sehen.
vnnd hatt mich der Pfarher damahls des orts berichttet, das derselbige Berck der Melibocus seye, Welchem Ich auch deshalb beygefallenn, dieweil er in der Graffschafft Catzennelnbogenn gelegenn,
Und der Pfarrer des Ortes hat mich damals unterrichtet, dass derselbe Berg der Melibocus sei, worin ich ihm auch deshalb beigepflichtet habe, weil er in der Grafschaft Katzenelnbogen liegt.
Wanndt aber Ich nach der zeitt den sachenn nachgedacht, das gedachtter Bergk auch extra terminos Cattorum, vltra Maenum gelegenn, vnnd das er obenn vff, sehr dür, enge vnnd nicht breitt ist,
Als ich aber nach dieser Zeit den Dingen nachgedacht habe – dass der erwähnte Berg auch extra terminos Cattorum, jenseits des Mains, liegt und dass er oben sehr dürr, eng und nicht breit ist –,
Habe Ich solchem gefastenn wahnn, fahrenn lassenn, vnnd mich wiederumb zum Ptolomaeo, Dasypodio, vnnd nunmehr Schoppero gewenndet, welche einhellig sagenn, das er intra terminos Cattorum prope Sylvam Semanam, seine gelegenheitt habenn solle,
habe ich diesen gefassten Wahn fahren lassen und mich wiederum an Ptolemäus, Dasypodius und nunmehr Schopper gewandt, welche einhellig sagen, dass er intra terminos Cattorum, prope Sylvam Semanam – innerhalb der Grenzen der Chatten, nahe dem Wald Semana – seine Lage haben solle.
Nun kann Ich inner der Catten Grentz, vnnd in dem parallelo, nach Ptolomaei annleitungLäuft auf der nächsten Seite weiter
Nun kann ich innerhalb der Grenze der Chatten und in dem Parallelkreis nach Ptolemäus' Anleitung
Unsichere Lesungen
- Roßdorff — Ortsname; Lesung 'Roß=dorff' nach Zoom, wohl Roßdorf bei Darmstadt in der oberen Grafschaft Katzenelnbogen
- dem parallelo, nach — In der letzten Zeile ist zwischen 'parallelo,' und 'nach' eine Lücke frei gelassen, vermutlich für eine nachzutragende Gradangabe (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)