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Salzbibel · Lesetext · 1. Buch

Das erste Buch · S. 59–68

Der Beweis des hohen Alters · S. 59–68 · Bl. 27r–31v · Band 1

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Seiten am Stück

Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Der Beweis des hohen Alters

S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch

S. 59

Bl. 27rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Das erste Buch.

Das erste Buch

2

So ist auch ohne das der warheitt gemes, dieweil die Catti beÿ den obgedachttenn Authoribus, indigena gens genennett werdenn,

So ist es auch ohnedies der Wahrheit gemäß, weil die Chatten bei den obgenannten Autoren indigena gens (ein eingeborenes Volk) genannt werden,

3

Welches vonn keinem Volcke Jemachls1 außgetriebenn gewesenn, Sonndernn wenn sich das Volck beÿ Ihnenn ermehret, einer den andern vertriebenn, oder selbst gewichenn, nach frembdenn Lanndenn gezogenn, vnnd dieselbige eingenommenn, erbauwet vnnd bewonet habenn,

das von keinem Volk jemals vertrieben worden ist; sondern wenn das Volk sich bei ihnen vermehrte, hat einer den anderen verdrängt oder ist selbst gewichen, in fremde Länder gezogen und hat diese eingenommen, bebaut und bewohnt.

4

Wie denn solches Cornelius Tacitus, vnnd vnnder den neuernn Joachimus Vadianus mit hohem lob bezeugenn

Wie denn solches Cornelius Tacitus und unter den Neueren Joachim Vadian mit hohem Lob bezeugen.

5

Sonnderlich aber bezeugenn die Historici vnnd Cosmographen, das Batauia, Izt Holanndt genanndt, pars Cattorum seÿe, vnnd vom Batauo Irem Furstenn, den nahmenn enndtpfangenn,

Besonders aber bezeugen die Historiker und Kosmographen, dass Batavia, jetzt Holland genannt, ein Teil der Chatten (pars Cattorum) sei und von Batavus, ihrem Fürsten, den Namen empfangen habe,

6

Welcher sich aus den Cattis gewenndet2, Batauiam erbauwet, vnnd nach seinem nahmenn, gleich wie Battembergk im Lanndt zu Hessenn, genennet hatt, Daher denn auch Cattwigk (quasi Cattorum Vicus) in Hollanndt den nahmenn behalttenn,

der aus dem Land der Chatten fortzog, Batavia erbaute und es – ebenso wie Battenberg im Land zu Hessen – nach seinem Namen benannte; daher hat auch Katwijk (gleichsam Cattorum vicus, Dorf der Chatten) in Holland den Namen behalten.

Unsichere Lesungen

  1. Jemachls — Wohl Schreibvariante von jemals; ch nicht ganz sicher
  2. gewenndet — Lesung des Verbs nicht ganz sicher (gewenndet/gewandert)

S. 60

Bl. 27vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Das erste Buch

Das erste Buch

2

Dieser Batauus aber, hatt hinter sich verlassenn, seinen Sohn Hessum genennet, vonn welchem nachmals die Catten den nahmenn Hessenn bekommenn,

Dieser Batavus aber hat einen Sohn namens Hessus hinterlassen, von dem die Chatten später den Namen Hessen bekommen haben.

3

Dieser Hessus hatt nicht minder, seines nahmenns gedechtnus, zu Niemweigen, als sein Vatter bein Cattis1 zu Battembergk hinderlassenn,

Dieser Hessus hat nicht minder ein Gedächtnis seines Namens in Nimwegen hinterlassen als sein Vater bei den Chatten in Battenberg;

4

denn er daselbst zu Niemweigenn, die halbe Stadt erbauwenn, vnnd nach seinem nahmenn, Hessembergk, bis vff den heutigenn tagk, nennenn lassenn, Wie er denn auch Hessennstein erbauwet habenn soll,

denn er hat dort zu Nimwegen die halbe Stadt erbauen und sie nach seinem Namen Hessenberg nennen lassen – so heißt sie bis auf den heutigen Tag –, wie er denn auch Hessenstein erbaut haben soll.

5

Vnnd das ich alhier etwas extra vagire, So erscheinenn hieraus, auch deren opinion falsch vnnd ohne grundt, Welche sagenn:

Und – um hier etwas abzuschweifen (extra vagieren) – hieraus erweist sich auch die Meinung derer als falsch und ohne Grund, welche sagen,

6

Das vmb Magdeburgk vnnd Halberstadt hero, ein Volck die Hessenn genennet, gewohnet, Welche furtters die Cattes außgetriebenn, vnnd sich ann Ihre stadt gesezet habenn sollenn,

dass um Magdeburg und Halberstadt her ein Volk, die Hessen genannt, gewohnt habe, das später die Chatten vertrieben und sich an ihre Stelle gesetzt haben soll.

7

Wollenn zum behelff einwendenn, das Heßheÿm2, daher also den nahmenn behaltenn, Welches zwischenn Halberstadt vnnd Wolffenbuttell liegett,

Zum Behelf wollen sie einwenden, dass Hessheim, das zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel liegt, daher seinen Namen behalten habe;

8

aber dieweil solches ein loser grundt,Läuft auf der nächsten Seite weiter

aber weil dies ein loser Grund ist,

Unsichere Lesungen

  1. bein Cattis — Wohl bei den Chatten; Schreibung bein/beim nicht ganz sicher
  2. Heßheÿm — Ortsname unsicher; ein Ort dieses Namens zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel (evtl. Hessen am Fallstein)

S. 61

Bl. 28rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd derenn sundts1[?] weder altt oder newe Scribenten der Hessenn gedennckenn, ist solche Opinion gantz vnnd gar zuuerwerffenn,

und da ihrer sonst weder alte noch neue Geschichtsschreiber der Hessen gedenken, ist eine solche Meinung ganz und gar zu verwerfen.

2

Desgleichenn zeugenn auch die Historici vnnd Cosmographen, das die Catti weitt vmbgeschweiffet, vnnd Innsonnderheit, das sie auch in Hispaniam mitt gewaltt gezogenn, ein grossenn ortt Lanndes eingenommenn, vnnd nach sich Cattaloniam genennet habenn,

Desgleichen bezeugen auch die Historiker und Kosmographen, dass die Chatten weit umhergeschweift sind, und insbesondere, dass sie auch mit Gewalt nach Hispanien gezogen sind, einen großen Teil des Landes eingenommen und ihn nach sich Katalonien benannt haben.

3

In Summa sie habenn Je vnnd allwegenn, ein herlichen nahmenn gehapt, vnnd (: Gott lob :) bis noch behalten, also das Cornelius Tacitus, sich nicht beschweret, vonn Ihnenn zusagenn: Quando reliqui populi exeunt ad praelium, Catti exeunt ad bellum,

In Summa: Sie haben je und allezeit einen herrlichen Namen gehabt und ihn (Gott sei Lob) bis heute behalten, sodass Cornelius Tacitus sich nicht scheute, von ihnen zu sagen: Quando reliqui populi exeunt ad praelium, Catti exeunt ad bellum – wenn die übrigen Völker zur Schlacht ausziehen, ziehen die Chatten in den Krieg.

4

Vnnd Joachimus Vadianus spricht, Stat adhuc Vetus gloria Cattorum, daher noch das sprichwort bliebenn: Wo Hessenn vnnd Holennder verderbenn, Wer woltte da nahrung erwerbenn,

Und Joachimus Vadianus sagt: Stat adhuc vetus gloria Cattorum – noch besteht der alte Ruhm der Chatten; daher ist noch das Sprichwort geblieben: Wo Hessen und Holländer verderben, wer wollte da Nahrung erwerben?

5

Vnnd habe ich dieses aus liebe vnnd zu ehrenn meines geliebtenn Vatterlanndts, alhier kurtzlich also zugedenckenn, nicht vnnderlassenn könnenn,

Und ich habe es aus Liebe und zu Ehren meines geliebten Vaterlandes nicht unterlassen können, dies hier kurz so zu bedenken.

Unsichere Lesungen

  1. sundts — Wort nach 'derenn' schwer lesbar; dem Sinn nach 'sonst'

S. 62

Bl. 28vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Vom Berge Meliboco.

Vom Berg Meliboco.

2

Es erfordert nun meine fürgenommene Ordenung, das Ich vonn dem berge Meliboco, sagenn mus, Da weis Ich warlich bey nahe nichtt, wo aus, oder wohin ein,

Es erfordert nun meine vorgenommene Ordnung, dass ich vom Berg Meliboco sprechen muss; da weiß ich wahrlich beinahe nicht, wo hinaus oder wo hinein.

3

Denn ob schonn austrücklich Ptolomaeus, dennselben intra terminos Cattorum, vnnd nichtt weitt davonn den Waltt Semanam setzett, Darumb mich dann wunder nimbt, Warumb etliche Scribenten, gedachttenn Melibocum ausser diesenn grentz gesucht habenn,

Denn obschon Ptolemäus denselben ausdrücklich intra terminos Cattorum – innerhalb der Grenzen der Chatten – und nicht weit davon den Wald Semana setzt, nimmt es mich daher wunder, warum etliche Schreiber den erwähnten Meliboco außerhalb dieser Grenzen gesucht haben.

4

Denn etliche [übergeschrieben: hohe] gelerttenn vnnd verstenndige leute, sich dahin verleitenn lassenn, das sie dem Brockelsbergk, so in mittell des Hartzes, vnnd intra terminos Cauchorum vnnd Bructerorum,

Denn etliche hochgelehrte und verständige Leute haben sich dahin verleiten lassen, dass sie den Brocken, der mitten im Harz und intra terminos Cauchorum und Bructerorum – im Gebiet der Chauken und Brukterer – liegt,

5

da sechs meylenn vonn den Grentzenn der Cattorum gelegenn, für den Melibocum in Ihrenn ausgangenen büchernn deutenn,

dort sechs Meilen von den Grenzen der Chatten entfernt, in ihren erschienenen Büchern als den Meliboco deuten.

6

Denn Je die Tubantes, Gaudrini1 vnnd Cattuarij, die Cattes vnnd Cherusces2 scheiden,

Denn es sind ja die Tubanten, Gaudriner und Chattuarier, die die Chatten und Cherusker voneinander scheiden.

7

Diese habenn sich vielleicht damit einnehmenn lassenn, weil vom Meliboco, die Scribenten zeugenn, das erLäuft auf der nächsten Seite weiter

Diese haben sich vielleicht dadurch einnehmen lassen, weil die Schreiber vom Meliboco bezeugen, dass er

Unsichere Lesungen

  1. Gaudrini — Stammesname unsicher; kein gängiger antiker Stammesname, Lesung nach Zoom 'Gaudri=ni'
  2. Cherusces — Endung unsicher, evtl. 'Cheruscis'

S. 63

Bl. 29rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitehoch Ertz vnnd Saltzreich seye, Wie denn der Brockelsbergk ist,

hoch sowie erz- und salzreich sei, wie es denn der Brocken ist.

2

Sie soltenn aber auch darauff acht genommenn haben, das davonn weitters geschriebenn stehett, das er gantz fruchtbar, bis obenn auff den höchstenn vnd sehr breittenn Gipfel seye, Welcher vmbstennde keiner, vffm Brockelsberge zufindenn,

Sie hätten aber auch darauf achtgeben sollen, dass davon weiter geschrieben steht, dass er ganz fruchtbar sei bis oben auf den höchsten und sehr breiten Gipfel – Umstände, von denen keiner auf dem Brocken zu finden ist.

3

Welcher Je ein schmaler, vffsteigennder, spitziger vnnd obenn auff gantz truckener, dürrer, vnnd öder Bergk ist, Wie denn solchs der augennschein ausweiset,

Denn dieser ist ja ein schmaler, aufsteigender, spitzer und oben ganz trockener, dürrer und öder Berg, wie es der Augenschein ausweist.

4

dann als baldt mann vber das bruch vnnd Morast, vffm Hartz, da der Hertzogk vonn Braunschweigk seine Pferdt struck1[?] helttet, nachenn Schaubennstein2[?] zu kömpt,

Denn sobald man über das Bruch und den Morast auf dem Harz – wo der Herzog von Braunschweig seine Pferdeherde hält – nach Schaubenstein kommt,

5

gehett solche dürre vnnd öde artt ann, also, das fortters bis obenn auff, nicht ein einiges steutlein zufindenn ist,

beginnt diese dürre und öde Art, sodass fortan bis oben hinauf nicht ein einziges Sträuchlein zu finden ist.

6

Deshalb denn Ich, diesenn hohenn Berck, dessen gleich, ohnne des, in gantzem Lanndt zu Sachssenn keiner ist, lieber Montem Bructerorum, das ist Bructersbergk, vonn den Bructeris, so daselbst Ihre Grentz gehapt, dann Melibocum deutenn vnd nennen will.

Weshalb ich diesen hohen Berg – dessengleichen es ohnehin im ganzen Land zu Sachsen keinen gibt – lieber Montem Bructerorum, das heißt Brukterer-Berg, nach den Brukterern, die dort ihre Grenze hatten, deuten und nennen will als Meliboco.

Unsichere Lesungen

  1. struck — Wort nach 'Pferdt' unsicher, wohl 'Struck'/'Strut' (Herde bzw. Gestüt); Sinn: wo der Herzog von Braunschweig seine Pferde hält
  2. Schaubennstein — Ortsname am Brocken unsicher, evtl. 'Scharfenstein'

S. 64

Bl. 29vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Es ist mir aber auch, für 32. Jarenn, ein Berck in der Obernn Graffschafft Catzenelnbogen bey Roßdorff1 gezeigt wordenn, bin auch selbst hinauff gestiegenn, vnnd den besichttiget, Welcher zwar sehr hoch ist, denn mann darauff weitt vmb sich sehenn kann,

Es ist mir aber auch vor 32 Jahren ein Berg in der oberen Grafschaft Katzenelnbogen bei Roßdorf gezeigt worden; ich bin auch selbst hinaufgestiegen und habe ihn besichtigt; dieser ist zwar sehr hoch, denn man kann darauf weit um sich sehen.

2

vnnd hatt mich der Pfarher damahls des orts berichttet, das derselbige Berck der Melibocus seye, Welchem Ich auch deshalb beygefallenn, dieweil er in der Graffschafft Catzennelnbogenn gelegenn,

Und der Pfarrer des Ortes hat mich damals unterrichtet, dass derselbe Berg der Melibocus sei, worin ich ihm auch deshalb beigepflichtet habe, weil er in der Grafschaft Katzenelnbogen liegt.

3

Wanndt aber Ich nach der zeitt den sachenn nachgedacht, das gedachtter Bergk auch extra terminos Cattorum, vltra Maenum gelegenn, vnnd das er obenn vff, sehr dür, enge vnnd nicht breitt ist,

Als ich aber nach dieser Zeit den Dingen nachgedacht habe – dass der erwähnte Berg auch extra terminos Cattorum, jenseits des Mains, liegt und dass er oben sehr dürr, eng und nicht breit ist –,

4

Habe Ich solchem gefastenn wahnn, fahrenn lassenn, vnnd mich wiederumb zum Ptolomaeo, Dasypodio, vnnd nunmehr Schoppero gewenndet, welche einhellig sagenn, das er intra terminos Cattorum prope Sylvam Semanam, seine gelegenheitt habenn solle,

habe ich diesen gefassten Wahn fahren lassen und mich wiederum an Ptolemäus, Dasypodius und nunmehr Schopper gewandt, welche einhellig sagen, dass er intra terminos Cattorum, prope Sylvam Semanam – innerhalb der Grenzen der Chatten, nahe dem Wald Semana – seine Lage haben solle.

5

Nun kann Ich inner der Catten Grentz, vnnd in dem parallelo, nach Ptolomaei annleitungLäuft auf der nächsten Seite weiter

Nun kann ich innerhalb der Grenze der Chatten und in dem Parallelkreis nach Ptolemäus' Anleitung

Unsichere Lesungen

  1. Roßdorff — Ortsname; Lesung 'Roß=dorff' nach Zoom, wohl Roßdorf bei Darmstadt in der oberen Grafschaft Katzenelnbogen
  2. dem parallelo, nach — In der letzten Zeile ist zwischen 'parallelo,' und 'nach' eine Lücke frei gelassen, vermutlich für eine nachzutragende Gradangabe (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 65

Bl. 30rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedesgleichenn Longitudine et Latitudine auch diesseitt der Werra, Wesser, vnnd Diemell oder intra Abnobios et Obnobios montes kein höhere berge, als den Garmbergk2, am Reinhardts waldt, vnnd dem Weißener befindenn,

desgleichen nach Longitudine und Latitudine – Länge und Breite – auch diesseits der Werra, Weser und Diemel oder intra Abnobios et Obnobios montes keine höheren Berge finden als den Gahrenberg am Reinhardswald und den Meißner.

2

vnnd mus also volgenn, das dieser bergk einer der Melibocus seye, vnd das entweder der Reinhardts waldt, oder Kauffunger waldt, oder der Seulingswaldt Semana seyenn,

Und es muss also folgen, dass einer dieser Berge der Melibocus sei und dass entweder der Reinhardswald oder der Kaufunger Wald oder der Seulingswald die Semana seien.

3

Wiewohl nun die alttenn, aus vnwissennheit der sprachenn, vnnd vnerfahrennheitt dieser Lannder, sehr dunckell vonn diesem hanndell geschriebenn, Wolte Ich doch, wenn mirs gegönnet werdenn möchte, (: doch niemanndts ders besser verstehet vorgegriffenn :)

Wiewohl nun die Alten aus Unwissenheit der Sprachen und Unerfahrenheit dieser Länder sehr dunkel über diese Sache geschrieben haben, wollte ich doch, wenn es mir vergönnt sein möchte (doch ohne jemandem vorzugreifen, der es besser versteht),

4

mutmassenn, schliessenn, vnnd den Weißener für den Melibocum deutenn, achttenn, vnnd halttenn, vnnd das aus volgenndenn Vrsachenn,

mutmaßen und schließen und den Meißner für den Melibocus deuten, achten und halten, und das aus folgenden Ursachen.

5

Denn dieweil in gemein alle vmbstennde vnnd attributa, so bey den Cosmographis vnnd Historicis, dem Meliboco zugeschriebenn werdenn, augennscheinlich ann vnnd vmb den Weißener gesehen vnd befunden werden,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Denn weil im Allgemeinen alle Umstände und Attribute, die bei den Kosmographen und Historikern dem Meliboco zugeschrieben werden, augenscheinlich an und um den Meißner gesehen und befunden werden,

Unsichere Lesungen

  1. Longitudine et Latitudine — In der ersten Zeile sind nach 'Longitudine' und wohl auch nach 'Latitudine' Lücken für nachzutragende Gradzahlen frei gelassen (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. Garmbergk — Lesung unsicher, gemeint ist wohl der Gahrenberg im Reinhardswald

S. 66

Bl. 30vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Es ist zwar menniglich kundt, das vmb denn Weißener, nach auffgang zu, Je vnnd alwegenn Berckwerck vnnd Ertzgrubenn, wie solchs allennthalben die alttenn Bingenn anweisenn, gewesenn,

Es ist zwar jedermann bekannt, dass es um den Meißner gegen Osten hin je und allezeit Bergwerke und Erzgruben gegeben hat, wie es allenthalben die alten Pingen anzeigen.

2

So ist nahenndts darunder das löblich Vhraltt Saltzwerck Sodenn,

So liegt nahebei darunter das löbliche uralte Salzwerk Sooden.

3

vnnd wirdet kaumpt ein fruchtbarer Lanndtart, als in dieser Jegennt, sonnderlich vmb Eschwehe vnnd Reichennsachssenn hero, vnnd bey nahenndt im gantzenn Ampt Beilstein befundenn,

Und es wird kaum eine fruchtbarere Landart gefunden als in dieser Gegend, besonders um Eschwege und Reichensachsen her und beinahe im ganzen Amt Bilstein.

4

Welche fruchtbarkeitt sich denn mit ackernn, Wiesen, Viehezucht, vnnd allerley nutzbarkeitenn, bis auff die Höchstenn zwenn Gipfel, die auch höher, denn der Öde vnnd vnfruchtbar Brockelsbergk (: welchen mann eigenntlich darauff sehenn kann :) seindt, auch sonnst allennthalb, darumb hero erstrecket,

Diese Fruchtbarkeit erstreckt sich mit Äckern, Wiesen, Viehzucht und allerlei Nutzbarkeiten bis auf die zwei höchsten Gipfel – die auch höher sind als der öde und unfruchtbare Brocken (den man von dort aus deutlich sehen kann) – und auch sonst allenthalben ringsumher.

5

denn Je auch in denn Klippenn vnnd Felsenn, ann allenn orten wachsige1[?] gehöltz, Beume, Staudenn, gras vnnd allerley herliche Kreuter, auch sehr liebliche viele brunnenn, befundenn werdenn,

Denn selbst in den Klippen und Felsen werden an allen Orten wüchsige Gehölze, Bäume, Stauden, Gras und allerlei herrliche Kräuter, auch sehr viele liebliche Brunnen gefunden.

6

Will des newenn erfun=2Läuft auf der nächsten Seite weiter

Ich will des neu erfundenen

Unsichere Lesungen

  1. wachsige — Adjektiv vor 'gehöltz' unsicher, dem Sinn nach 'wüchsige'
  2. erfun= — Am Zeilen- und Seitenende getrenntes Wort, wohl 'erfundenen'; Fortsetzung auf der Folgeseite

S. 67

Bl. 31rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedenenn1 SteinKolenn Berckwergks geschweigenn, Weil offembar vnnd Jedermann bekanndt, was dasselbige fur großenn nutzenn, beim Saltzwerck, Huttenwercke, Schmiddenn, haushalttungenn zuwegenn bringet,

… des Steinkohlenbergwerks zu geschweigen, weil offenbar und jedermann bekannt ist, welch großen Nutzen dasselbe dem Salzwerk, dem Hüttenwerk, den Schmieden und den Haushaltungen zuwege bringt,

2

Vnnd wie ein große menge mennschenn, sich darvonn erhalttenn vnnd ernehrenn konnenn,

und wie eine große Menge Menschen sich davon erhalten und ernähren können.

3

Ja es kommenn Jarlich, aus frembdenn Lanndenn leute, Welche auff diesem Berg allerley herliche kreuter, so ann annderenn orttenn nicht wachsenn,

Ja, es kommen jährlich Leute aus fremden Landen, die auf diesem Berg allerlei herrliche Kräuter suchen, die an anderen Orten nicht wachsen:

4

Nemblich das herliche wieder alle gifft wirckende kraut. Scorzoneram in zweyerley gestalt, Welchs mann sonnst mit großenn kostenn aus Hispania, hatt holenn lassenn,

nämlich das herrliche, gegen alle Gifte wirkende Kraut Scorzonera (Schwarzwurzel) in zweierlei Gestalt, das man sonst mit großen Kosten aus Spanien hat holen lassen;

5

Desgleichenn Corronopus Ferrokauallo2 Juam Artheticam mitt großenn hauffenn, das Edtle Wundtkraut Solidaginem Sarracenicam Vuam inuersam D. Dodonaei3 Aconithon pardalianches, vnnd Damasonium nothum,

desgleichen Coronopus (Krähenfuß), Ferrocavallo (Hufeisenklee), Iva arthritica in großen Mengen, das edle Wundkraut Solidago sarracenica, die Uva inversa des Doktor Dodonaeus, Aconitum pardalianches und Damasonium nothum;

6

Darnach buxum repentem uel minorem Acorum, Chamaedryn, Veram, Genistellam. Lunariam minorem, Ebulum vnnd anndere vielmehr herliche kreuter, DesgleichenLäuft auf der nächsten Seite weiter

danach Buxus repens vel minor (kriechenden oder kleinen Buchs), Acorus (Kalmus), die echte Chamaedrys (Gamander), Genistella (Ginsterchen), Lunaria minor (kleines Mondkraut), Ebulum (Attich) und viele andere herrliche Kräuter mehr; desgleichen …

Unsichere Lesungen

  1. denenn — Anschluss vom Vorblatt; Endung des ersten Wortes nicht ganz sicher (denenn/denen/des)
  2. Ferrokauallo — italienisch ferro cavallo = Hufeisenklee (Hippocrepis); Schreibung am Zeilenumbruch Ferro ka=uallo
  3. Vuam inuersam D. Dodonaei — Pflanzenname nach Dodonaeus; Lesung der Abkürzung D. als Doktor

S. 68

Bl. 31vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteBeume vnnd Staudenn, als inder nehe Taxum, Viburnum, Ribes, Sambucum Rubeis fructibus, abholen,

… Bäume und Stauden, wie in der Nähe Taxus (Eibe), Viburnum (Schneeball), Ribes (Johannisbeere) und Sambucus mit roten Früchten (Traubenholunder), abholen.

2

Derenn etliche auch besonnder Ertz vnnd Mineras daselb suchenn, vnnd hinwegk tragenn, daher denn von demselbigenn frembdenn Leutenn, ein sprichwortt eingerissenn, das sie zusagenn pflegenn,

Etliche von ihnen suchen dort auch besondere Erze und Mineralien und tragen sie hinweg; daher ist denn von denselben fremden Leuten ein Sprichwort aufgekommen, das sie zu sagen pflegen:

3

Die Hessen werffenn manchmahl ein Khue mit einem stein, da doch der stein (: wenn sie Ihnen kenneten1 :) mehr denn die Khue werth ist,

Die Hessen werfen manchmal nach einer Kuh mit einem Stein, obwohl der Stein — wenn sie ihn kennten — mehr wert ist als die Kuh.

4

Nun hatt sich Beatus Rhenanus erfreuwet vnnd gerümpt, das er die Etimologiam der Catzennelnpoger2, als nemblich das dieselbigenn seyenn die rechttenn Cattenn, so ann dem Berge Meliboco wohnenn, oder gewonet habenn,

Nun hat sich Beatus Rhenanus gefreut und sich gerühmt, dass er die Etymologie der Katzenelnbogener gefunden habe: dass nämlich dieselben die echten Chatten seien, die an dem Berge Melibocus wohnen oder gewohnt haben

5

vnnd wie anndere wollenn, so vonn dem Meliboco Jrenn sitz verruckt, vnnd dannenn ann den Rhein gezogenn, vnnd gleichwohl den nahmenn behalten habenn,

und die — wie andere meinen — ihren Sitz vom Melibocus verlegt haben, von dannen an den Rhein gezogen sind und gleichwohl den Namen behalten haben.

6

Vielmehr will mir, als dem annderenn Rhenano, geziemenn, das ich mich auch dessenn erfreuwe, das ich post multa secula, Verum locum des Meliboci herfur vnnd ann tagk bracht,

Umso mehr will es mir als dem anderen Rhenanus geziemen, dass auch ich mich dessen freue, dass ich nach vielen Jahrhunderten (post multa secula) den wahren Ort (verum locum) des Melibocus hervor- und an den Tag gebracht habe.

Unsichere Lesungen

  1. kenneten — Wort in der Klammer schwer lesbar; dem Sinn nach 'wenn sie ihn kennten'
  2. Catzennelnpoger — Schreibung des Namens (p/b) nicht ganz sicher

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