Salzbibel · Lesetext · 1. Buch
Das erste Buch · S. 65–74
Der Beweis des hohen Alters · S. 65–74 · Bl. 30r–34v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Der Beweis des hohen Alters
S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch
S. 65
Bl. 30rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedesgleichenn Longitudine et Latitudine auch diesseitt der Werra, Wesser, vnnd Diemell oder intra Abnobios et Obnobios montes kein höhere berge, als den Garmbergk2, am Reinhardts waldt, vnnd dem Weißener befindenn,
desgleichen nach Longitudine und Latitudine – Länge und Breite – auch diesseits der Werra, Weser und Diemel oder intra Abnobios et Obnobios montes keine höheren Berge finden als den Gahrenberg am Reinhardswald und den Meißner.
vnnd mus also volgenn, das dieser bergk einer der Melibocus seye, vnd das entweder der Reinhardts waldt, oder Kauffunger waldt, oder der Seulingswaldt Semana seyenn,
Und es muss also folgen, dass einer dieser Berge der Melibocus sei und dass entweder der Reinhardswald oder der Kaufunger Wald oder der Seulingswald die Semana seien.
Wiewohl nun die alttenn, aus vnwissennheit der sprachenn, vnnd vnerfahrennheitt dieser Lannder, sehr dunckell vonn diesem hanndell geschriebenn, Wolte Ich doch, wenn mirs gegönnet werdenn möchte, (: doch niemanndts ders besser verstehet vorgegriffenn :)
Wiewohl nun die Alten aus Unwissenheit der Sprachen und Unerfahrenheit dieser Länder sehr dunkel über diese Sache geschrieben haben, wollte ich doch, wenn es mir vergönnt sein möchte (doch ohne jemandem vorzugreifen, der es besser versteht),
mutmassenn, schliessenn, vnnd den Weißener für den Melibocum deutenn, achttenn, vnnd halttenn, vnnd das aus volgenndenn Vrsachenn,
mutmaßen und schließen und den Meißner für den Melibocus deuten, achten und halten, und das aus folgenden Ursachen.
Denn dieweil in gemein alle vmbstennde vnnd attributa, so bey den Cosmographis vnnd Historicis, dem Meliboco zugeschriebenn werdenn, augennscheinlich ann vnnd vmb den Weißener gesehen vnd befunden werden,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Denn weil im Allgemeinen alle Umstände und Attribute, die bei den Kosmographen und Historikern dem Meliboco zugeschrieben werden, augenscheinlich an und um den Meißner gesehen und befunden werden,
Unsichere Lesungen
- Longitudine et Latitudine — In der ersten Zeile sind nach 'Longitudine' und wohl auch nach 'Latitudine' Lücken für nachzutragende Gradzahlen frei gelassen (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Garmbergk — Lesung unsicher, gemeint ist wohl der Gahrenberg im Reinhardswald
S. 66
Bl. 30vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Es ist zwar menniglich kundt, das vmb denn Weißener, nach auffgang zu, Je vnnd alwegenn Berckwerck vnnd Ertzgrubenn, wie solchs allennthalben die alttenn Bingenn anweisenn, gewesenn,
Es ist zwar jedermann bekannt, dass es um den Meißner gegen Osten hin je und allezeit Bergwerke und Erzgruben gegeben hat, wie es allenthalben die alten Pingen anzeigen.
So ist nahenndts darunder das löblich Vhraltt Saltzwerck Sodenn,
So liegt nahebei darunter das löbliche uralte Salzwerk Sooden.
vnnd wirdet kaumpt ein fruchtbarer Lanndtart, als in dieser Jegennt, sonnderlich vmb Eschwehe vnnd Reichennsachssenn hero, vnnd bey nahenndt im gantzenn Ampt Beilstein befundenn,
Und es wird kaum eine fruchtbarere Landart gefunden als in dieser Gegend, besonders um Eschwege und Reichensachsen her und beinahe im ganzen Amt Bilstein.
Welche fruchtbarkeitt sich denn mit ackernn, Wiesen, Viehezucht, vnnd allerley nutzbarkeitenn, bis auff die Höchstenn zwenn Gipfel, die auch höher, denn der Öde vnnd vnfruchtbar Brockelsbergk (: welchen mann eigenntlich darauff sehenn kann :) seindt, auch sonnst allennthalb, darumb hero erstrecket,
Diese Fruchtbarkeit erstreckt sich mit Äckern, Wiesen, Viehzucht und allerlei Nutzbarkeiten bis auf die zwei höchsten Gipfel – die auch höher sind als der öde und unfruchtbare Brocken (den man von dort aus deutlich sehen kann) – und auch sonst allenthalben ringsumher.
denn Je auch in denn Klippenn vnnd Felsenn, ann allenn orten wachsige1[?] gehöltz, Beume, Staudenn, gras vnnd allerley herliche Kreuter, auch sehr liebliche viele brunnenn, befundenn werdenn,
Denn selbst in den Klippen und Felsen werden an allen Orten wüchsige Gehölze, Bäume, Stauden, Gras und allerlei herrliche Kräuter, auch sehr viele liebliche Brunnen gefunden.
Unsichere Lesungen
- wachsige — Adjektiv vor 'gehöltz' unsicher, dem Sinn nach 'wüchsige'
- erfun= — Am Zeilen- und Seitenende getrenntes Wort, wohl 'erfundenen'; Fortsetzung auf der Folgeseite
S. 67
Bl. 31rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedenenn1 SteinKolenn Berckwergks geschweigenn, Weil offembar vnnd Jedermann bekanndt, was dasselbige fur großenn nutzenn, beim Saltzwerck, Huttenwercke, Schmiddenn, haushalttungenn zuwegenn bringet,
… des Steinkohlenbergwerks zu geschweigen, weil offenbar und jedermann bekannt ist, welch großen Nutzen dasselbe dem Salzwerk, dem Hüttenwerk, den Schmieden und den Haushaltungen zuwege bringt,
Vnnd wie ein große menge mennschenn, sich darvonn erhalttenn vnnd ernehrenn konnenn,
und wie eine große Menge Menschen sich davon erhalten und ernähren können.
Ja es kommenn Jarlich, aus frembdenn Lanndenn leute, Welche auff diesem Berg allerley herliche kreuter, so ann annderenn orttenn nicht wachsenn,
Ja, es kommen jährlich Leute aus fremden Landen, die auf diesem Berg allerlei herrliche Kräuter suchen, die an anderen Orten nicht wachsen:
Nemblich das herliche wieder alle gifft wirckende kraut. Scorzoneram in zweyerley gestalt, Welchs mann sonnst mit großenn kostenn aus Hispania, hatt holenn lassenn,
nämlich das herrliche, gegen alle Gifte wirkende Kraut Scorzonera (Schwarzwurzel) in zweierlei Gestalt, das man sonst mit großen Kosten aus Spanien hat holen lassen;
Desgleichenn Corronopus Ferrokauallo2 Juam Artheticam mitt großenn hauffenn, das Edtle Wundtkraut Solidaginem Sarracenicam Vuam inuersam D. Dodonaei3 Aconithon pardalianches, vnnd Damasonium nothum,
desgleichen Coronopus (Krähenfuß), Ferrocavallo (Hufeisenklee), Iva arthritica in großen Mengen, das edle Wundkraut Solidago sarracenica, die Uva inversa des Doktor Dodonaeus, Aconitum pardalianches und Damasonium nothum;
Darnach buxum repentem uel minorem Acorum, Chamaedryn, Veram, Genistellam. Lunariam minorem, Ebulum vnnd anndere vielmehr herliche kreuter, DesgleichenLäuft auf der nächsten Seite weiter
danach Buxus repens vel minor (kriechenden oder kleinen Buchs), Acorus (Kalmus), die echte Chamaedrys (Gamander), Genistella (Ginsterchen), Lunaria minor (kleines Mondkraut), Ebulum (Attich) und viele andere herrliche Kräuter mehr; desgleichen …
Unsichere Lesungen
- denenn — Anschluss vom Vorblatt; Endung des ersten Wortes nicht ganz sicher (denenn/denen/des)
- Ferrokauallo — italienisch ferro cavallo = Hufeisenklee (Hippocrepis); Schreibung am Zeilenumbruch Ferro ka=uallo
- Vuam inuersam D. Dodonaei — Pflanzenname nach Dodonaeus; Lesung der Abkürzung D. als Doktor
S. 68
Bl. 31vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteBeume vnnd Staudenn, als inder nehe Taxum, Viburnum, Ribes, Sambucum Rubeis fructibus, abholen,
… Bäume und Stauden, wie in der Nähe Taxus (Eibe), Viburnum (Schneeball), Ribes (Johannisbeere) und Sambucus mit roten Früchten (Traubenholunder), abholen.
Derenn etliche auch besonnder Ertz vnnd Mineras daselb suchenn, vnnd hinwegk tragenn, daher denn von demselbigenn frembdenn Leutenn, ein sprichwortt eingerissenn, das sie zusagenn pflegenn,
Etliche von ihnen suchen dort auch besondere Erze und Mineralien und tragen sie hinweg; daher ist denn von denselben fremden Leuten ein Sprichwort aufgekommen, das sie zu sagen pflegen:
Die Hessen werffenn manchmahl ein Khue mit einem stein, da doch der stein (: wenn sie Ihnen kenneten1 :) mehr denn die Khue werth ist,
Die Hessen werfen manchmal nach einer Kuh mit einem Stein, obwohl der Stein — wenn sie ihn kennten — mehr wert ist als die Kuh.
Nun hatt sich Beatus Rhenanus erfreuwet vnnd gerümpt, das er die Etimologiam der Catzennelnpoger2, als nemblich das dieselbigenn seyenn die rechttenn Cattenn, so ann dem Berge Meliboco wohnenn, oder gewonet habenn,
Nun hat sich Beatus Rhenanus gefreut und sich gerühmt, dass er die Etymologie der Katzenelnbogener gefunden habe: dass nämlich dieselben die echten Chatten seien, die an dem Berge Melibocus wohnen oder gewohnt haben
vnnd wie anndere wollenn, so vonn dem Meliboco Jrenn sitz verruckt, vnnd dannenn ann den Rhein gezogenn, vnnd gleichwohl den nahmenn behalten habenn,
und die — wie andere meinen — ihren Sitz vom Melibocus verlegt haben, von dannen an den Rhein gezogen sind und gleichwohl den Namen behalten haben.
Vielmehr will mir, als dem annderenn Rhenano, geziemenn, das ich mich auch dessenn erfreuwe, das ich post multa secula, Verum locum des Meliboci herfur vnnd ann tagk bracht,
Umso mehr will es mir als dem anderen Rhenanus geziemen, dass auch ich mich dessen freue, dass ich nach vielen Jahrhunderten (post multa secula) den wahren Ort (verum locum) des Melibocus hervor- und an den Tag gebracht habe.
Unsichere Lesungen
- kenneten — Wort in der Klammer schwer lesbar; dem Sinn nach 'wenn sie ihn kennten'
- Catzennelnpoger — Schreibung des Namens (p/b) nicht ganz sicher
S. 69
Bl. 32rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Vnnd ob schonn hierJegenn eingewendet werdenn möchte, das altt vnnd new Catzennelnbogenn am Meliboco solttenn gelegenn sein, So erscheinet doch das solches nit sein könne,
Und ob schon hiergegen eingewendet werden möchte, dass Alt- und Neu-Katzenelnbogen am Melibocus gelegen sein sollten, so erscheint doch, dass solches nicht sein kann,
dieweil die Attributa vnnd zulagungk1, so dem Meliboco zugelegt werdenn, an denselbigen gelegenn, so viel mir bewust nicht befundenn werdenn,
weil die Attribute und Zuschreibungen, die dem Melibocus beigelegt werden, an denselben Orten, soviel mir bewusst, nicht angetroffen werden.
Wies aber kommenn2, das der nahme Melibocus, so gar in vergess kommenn, soll niemandts wunder nehmen, denn vonn denenn nahmenn, so die alttenn Cosmographi vnnd Historici setzenn, kaumpt vnnder Hundertten noch einer vberpliebenn ist,
Wie es aber gekommen ist, dass der Name Melibocus so ganz in Vergessenheit geraten ist, soll niemanden wundernehmen, denn von den Namen, welche die alten Kosmographen und Historiker setzen, ist kaum unter hundert noch einer übrig geblieben.
So habenn auch die Scribenten, viel mahls für sich selbst nahmenn erdachtt, die sonnst bey den Völckernn, davonn sie schreibenn, niemahls gehört wordenn, noch in brauch gewesenn, Wie solchs mit vielenn exempeln zubeweisenn,
So haben auch die Schriftsteller vielmals für sich selbst Namen erdacht, die sonst bei den Völkern, von denen sie schreiben, niemals gehört worden noch in Gebrauch gewesen sind, wie solches mit vielen Beispielen zu beweisen ist.
Das er aber zu dieser zeitt, Weißener genennet wurde, achtte Jch, sey aus kleiner3 vrsachenn herkommenn,
Dass er aber zu dieser Zeit Weißener (Meißner) genannt wird, das, achte ich, ist aus einer einfachen Ursache hergekommen:
Dann dieweil vonn wegenn seiner großenn höhe, er lange zeitt mitt Schnee vnnd Eyß vberzogenn, sich weitt vndLäuft auf der nächsten Seite weiter
Denn weil er wegen seiner großen Höhe lange Zeit mit Schnee und Eis überzogen ist, zeigt er sich weit und …
Unsichere Lesungen
- zulagungk — Lesung des Wortes (Zulagung/Zulegung) nicht ganz sicher
- Wies aber kommenn — Satzanfang schwer lesbar; dem Sinn nach 'Wie es aber gekommen'
- kleiner — auch 'keiner' lesbar; dem Kontext nach 'aus kleiner (= geringer, einfacher) Ursache'
S. 70
Bl. 32vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebreitt weis sehenn lestett1, Vnnd deshalb Weißener genennet wordenn.
… und breit weiß sehen lässt und deshalb Weißener (Meißner) genannt worden ist.
Schlißlich so will ich den Weyßener, so lannge für den Melibocum halttenn, bis das Jch etwas bessers vnd bestenndigers vonn annderenn vnnderrichttet werde,
Schließlich will ich den Weißener so lange für den Melibocus halten, bis ich von anderen etwas Besseres und Beständigeres unterrichtet werde.
Denn dieweil ptolomeus, ein Grichischer Cosmographus gewesenn, dieser gelegennheitt durch seine Landtkündiger berichttet wordenn, gleichwohl aber des Bergs rechttenn nahmenn nicht gewust,
Denn weil Ptolemäus ein griechischer Kosmograph gewesen ist, dem über diese Gegend durch seine Landeskundigen berichtet wurde, der aber gleichwohl den rechten Namen des Berges nicht wusste,
hat er diesem Bergk ab vbertate & dulcedine, pascuorum, nahmenn geben, vnnd μελίβοκον oder aber μυλόβοτον2 à terra siue Vastitate pascuorum, mitt verenderung weniger Buchstabenn, genennet,
hat er diesem Berg nach der Fülle und Süßigkeit der Weiden (ab ubertate et dulcedine pascuorum) einen Namen gegeben und ihn — mit Veränderung weniger Buchstaben — Melibocon oder aber Meloboton, nach dem Land beziehungsweise der Weite der Weiden (a terra sive vastitate pascuorum), genannt.
Wo soll ich aber mit dem Walde Semana nun hin, Da hab Jch fürwar keinenn Scribenten zu hülff noch bey=Läuft auf der nächsten Seite weiter
Wo soll ich aber mit dem Walde Semana nun hin? Da habe ich fürwahr keinen Schriftsteller zu Hilfe noch Bei…
Unsichere Lesungen
- lestett — Wortende mit Zierstrich; dem Sinn nach 'lässt'
- μυλόβοτον — griechische Schreibung unsicher; gemeint wohl μηλόβοτον (Schafweide)
S. 71
Bl. 33rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitestanndt, ohnn allein, das sie sagenn, er solle nit weitt vom Meliboco gelegenn sein,
…stand — außer allein, dass sie sagen, er solle nicht weit vom Melibocus gelegen sein.
Nun muß mann Je nicht dahin sehenn, wie es Jzo ein geschaffennheit, mit den gehöltzenn vnnd Weldenn, sonndernn wies vonn altters gewesenn,
Nun darf man ja nicht darauf sehen, wie es jetzt mit den Gehölzen und Wäldern beschaffen ist, sondern wie es von alters her gewesen ist.
Vnnd obs schon war ist, das Jzo der Kauffünger waldt, der nechst vnder den dreyenn obanngezeigtenn Weldenn, beim Weißener ist, auch als das Kloster Kauffüngenn erstlich gebawet wordenn, den nahmenn verendert vnnd verlorenn habenn mochtte,
Und ob es schon wahr ist, dass jetzt der Kaufunger Wald der nächste unter den drei oben angezeigten Wäldern beim Weißener ist und dass er, als das Kloster Kaufungen erstmals erbaut wurde, den Namen verändert und verloren haben mochte,
So bitte Jch doch, man wölle mirs zum bestenn halttenn, das Jch den Seulingswaldt1, für den Semanam, muttmassenn vnd halttenn will,
so bitte ich doch, man wolle es mir zum Besten halten, dass ich den Seulingswald für den Semana mutmaßen und halten will.
Denn dieweil offennbar ist, das Ptolomaeus Tacitus, vnnd anndere Lateynische Scribenten, als vnerfahrne der Teutschenn sprachenn, viel mals sich befliessenn, die Teutsche nahmenn Jn Jhrer sprach zu Jmitiren,
Denn weil offenbar ist, dass Ptolemäus, Tacitus und andere lateinische Schriftsteller, als der deutschen Sprache Unkundige, sich vielmals befleißigten, die deutschen Namen in ihrer Sprache nachzuahmen,
als achtt Jchs auch, das solchs dis ortts beschehenn seye, vnnd das sie dem Waltt, den namen Semanam ge=Läuft auf der nächsten Seite weiter
so achte ich es auch dafür, dass solches an diesem Ort geschehen sei und dass sie dem Wald den Namen Semana ge…
Unsichere Lesungen
- Seulingswaldt — Zeilenumbruch Seu=lingswaldt; gemeint der Seulingswald bei Hersfeld
S. 72
Bl. 33vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegebenn, Dieweil die Leut, so damahls in der gegennt gewohnet, vielleicht Semener, vonn den Seen, so daselbst gelegenn, genennet wordenn,
…geben haben, weil die Leute, die damals in der Gegend gewohnt haben, vielleicht 'Semener' nach den Seen, die dort liegen, genannt worden sind.
Vnnd ist gleichwols frey1, dieser nahme, dem Waltt bis auff den heutigenn tage, vonn den Seen plieben,
Und gleichwohl ist dieser Name dem Wald bis auf den heutigen Tag von den Seen geblieben,
doch mit etlichenn buchstaben verendert, das er Seeliegentwaldt (: als der ann den Seen gelegenn :) oder Seelingswaldt, genennett wurde,
doch mit etlichen Buchstaben verändert, sodass er Seeliegentwald — als der an den Seen gelegene — oder Seelingswald genannt wurde.
So ist auch die Jegent dieses waldes Jegenn auffgang nichtt minder fruchtbar, denn der Weißener, also das wohl zuuermutenn, das gar zeittlich leute daselbst im Gerstenngaw3 bey den Seen anngefanngk2 zubawenn,
So ist auch die Gegend dieses Waldes gegen Aufgang (Osten) nicht minder fruchtbar als der Weißener, sodass wohl zu vermuten ist, dass schon sehr früh Leute dort im Gerstunger Gau bei den Seen zu siedeln angefangen haben
vnnd also der Waldt Semana für anndernn Jns gedechtnus bracht vnnd Celebriret worden,
und so der Wald Semana vor anderen ins Gedächtnis gebracht und berühmt gemacht worden ist.
Vnd will mich alhier nicht hindernn lassenn, Ob schon der Seulingswaldt, Jzo etwas weitt vom Weißener gelegenn,
Und ich will mich hier nicht beirren lassen, obschon der Seulingswald jetzt etwas weit vom Weißener gelegen ist;
denn Je vom Seulingswaldt, nach bis auf den heutigenn tage, eine strecke vnd Contiguitet der geholz, auff Wildeck4, Dannennbergk, Sontra,Läuft auf der nächsten Seite weiter
denn es besteht ja vom Seulingswald noch bis auf den heutigen Tag ein durchgehender Zug und Zusammenhang (Contiguität) der Gehölze über Wildeck, Tannenberg, Sontra …
Unsichere Lesungen
- gleichwols frey — Wendung schwer lesbar; dem Sinn nach 'gleichwohl'
- anngefanngk — Wortende abgekürzt/verschliffen, wohl 'angefangen'
- Gerstenngaw — wohl der Gerstunger Gau an der Werra
- Wildeck — Endung mit Zierstrich, Lesung Wildeck
S. 73
Bl. 34rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd Cappell1 pleibt, daselbst lauffenn die Radices. des Meisseners vnnd Seulingswaldenn zusammenn,
... und Kappel bleibt; dort laufen die Ausläufer (Radices) des Meißners und des Seulingswaldes zusammen.
Vonn altters her hatt es in Teutschlanndt viel ein anndere gelegennheit, mit denn Weldenn vnnd Bergenn als itzo, gehapt.
Von alters her hatte es in Deutschland mit den Wäldern und Bergen eine ganz andere Beschaffenheit als jetzt.
Wie solches leichtlich zuersehenn, vnnd zuermessenn, wenn mann mit vleis betrachttet, was die alten Scribenten, vonn dem Sylua Hercinia schreibenn,
Das lässt sich leicht ersehen und ermessen, wenn man mit Fleiß betrachtet, was die alten Schriftsteller über den Herzynischen Wald (Silva Hercynia) schreiben.
Vnnd wiewohl diese meine mutmassung vom Seulingswaldt fur vnnötig möchtte geachttet werdenn, Habe Ich doch vmb zweyer vhrsach willenn, dieselbige mit einzubringenn, nicht vnderlassenn könnenn,
Und obwohl diese meine Vermutung über den Seulingswald für unnötig gehalten werden mag, habe ich es doch um zweier Gründe willen nicht unterlassen können, sie mit einzubringen.
Erstlich dieweil der Bergk Melibocus, vnnd Waldt Semana Jnner den grenntzenn der Cattorum beyeinannder liegenn sollenn, vnnd sich denn solchs nach ausweisung dieser meiner deduction befindet, das man deshalb nachmals dabey bleibe, vnnd keinem andern walde, den nahmenn Semana zuschreibe,
Erstens: Weil der Berg Melibocus und der Wald Semana innerhalb der Grenzen der Chatten beieinander liegen sollen und sich dies nach Ausweis dieser meiner Herleitung auch so verhält, soll man künftig dabei bleiben und keinem anderen Wald den Namen Semana zuschreiben.
Unsichere Lesungen
- Cappell — Ortsname am Satzanfang (Fortsetzung von voriger Seite); Lesung des ersten Wortteils ohne Kontext der Vorseite nicht ganz sicher
S. 74
Bl. 34vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Zum anndernn, dieweil dieser Waldt nun vierzigk funff Jar hero, bey dem Saltzwerck Sodenn, benebenn dem Meliboco das beste gethann vnnd noch thut
Zum anderen, weil dieser Wald nun seit fünfundvierzig Jahren bei dem Salzwerk Sooden neben dem Melibocus das Beste getan hat und noch tut.
Vielleicht hatt es vom annbegin in der Natur sein geheymnus, dieweil sie gleichsamb zusammen vermahlet, sie alle beide Innerlich vnnd eusserlich sehr reich vnnd fruchtbar seindt,
Vielleicht hat es von Anbeginn an in der Natur sein Geheimnis, weil sie gleichsam miteinander vermählt und alle beide innerlich wie äußerlich sehr reich und fruchtbar sind:
Innerlich mitt allerley Ertz vnnd Miner, Eusserlich mitt allerley feldtfruchtenn, Beumenn, Staudenn, wiesengewechse, Viehezüchtenn vnnd dergleichenn,
innerlich mit allerlei Erz und Mineralien, äußerlich mit allerlei Feldfrüchten, Bäumen, Stauden, Wiesengewächsen, Viehzuchten und dergleichen;
vmb welches willenn sie nicht minder vonn vnns, als den altenn, in1 großenn ehrenn zuhalttenn, vnnd zu Celebriren seindt,
um dessentwillen sie von uns nicht weniger als von den Alten in großen Ehren zu halten und zu rühmen sind.
Der Almechtige ewige Gott, wolle hinfurtters seinen reichenn segenn vnnd gnade bey diesem zweyenn Je lennger Je mehr ermehrenn, vnnd erhalttenn, das menschenn vnnd viehe, derselbigenn mit hoher danckbarkeitt, mugenn geniessenn, Damitt seinLäuft auf der nächsten Seite weiter
Der allmächtige ewige Gott wolle hinfort seinen reichen Segen und seine Gnade bei diesen zweien je länger, je mehr vermehren und erhalten, damit Menschen und Vieh sie mit hoher Dankbarkeit genießen mögen, damit sein ...
Unsichere Lesungen
- in — übergeschriebenes Einschubwort zwischen 'altenn' und 'großenn', Lesung 'in' oder 'im'