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Salzbibel · Lesetext · 1. Buch

Das erste Buch · S. 69–78

Der Beweis des hohen Alters · S. 69–78 · Bl. 32r–36v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Der Beweis des hohen Alters

S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch

S. 69

Bl. 32rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Vnnd ob schonn hierJegenn eingewendet werdenn möchte, das altt vnnd new Catzennelnbogenn am Meliboco solttenn gelegenn sein, So erscheinet doch das solches nit sein könne,

Und ob schon hiergegen eingewendet werden möchte, dass Alt- und Neu-Katzenelnbogen am Melibocus gelegen sein sollten, so erscheint doch, dass solches nicht sein kann,

2

dieweil die Attributa vnnd zulagungk1, so dem Meliboco zugelegt werdenn, an denselbigen gelegenn, so viel mir bewust nicht befundenn werdenn,

weil die Attribute und Zuschreibungen, die dem Melibocus beigelegt werden, an denselben Orten, soviel mir bewusst, nicht angetroffen werden.

3

Wies aber kommenn2, das der nahme Melibocus, so gar in vergess kommenn, soll niemandts wunder nehmen, denn vonn denenn nahmenn, so die alttenn Cosmographi vnnd Historici setzenn, kaumpt vnnder Hundertten noch einer vberpliebenn ist,

Wie es aber gekommen ist, dass der Name Melibocus so ganz in Vergessenheit geraten ist, soll niemanden wundernehmen, denn von den Namen, welche die alten Kosmographen und Historiker setzen, ist kaum unter hundert noch einer übrig geblieben.

4

So habenn auch die Scribenten, viel mahls für sich selbst nahmenn erdachtt, die sonnst bey den Völckernn, davonn sie schreibenn, niemahls gehört wordenn, noch in brauch gewesenn, Wie solchs mit vielenn exempeln zubeweisenn,

So haben auch die Schriftsteller vielmals für sich selbst Namen erdacht, die sonst bei den Völkern, von denen sie schreiben, niemals gehört worden noch in Gebrauch gewesen sind, wie solches mit vielen Beispielen zu beweisen ist.

5

Das er aber zu dieser zeitt, Weißener genennet wurde, achtte Jch, sey aus kleiner3 vrsachenn herkommenn,

Dass er aber zu dieser Zeit Weißener (Meißner) genannt wird, das, achte ich, ist aus einer einfachen Ursache hergekommen:

6

Dann dieweil vonn wegenn seiner großenn höhe, er lange zeitt mitt Schnee vnnd Eyß vberzogenn, sich weitt vndLäuft auf der nächsten Seite weiter

Denn weil er wegen seiner großen Höhe lange Zeit mit Schnee und Eis überzogen ist, zeigt er sich weit und …

Unsichere Lesungen

  1. zulagungk — Lesung des Wortes (Zulagung/Zulegung) nicht ganz sicher
  2. Wies aber kommenn — Satzanfang schwer lesbar; dem Sinn nach 'Wie es aber gekommen'
  3. kleiner — auch 'keiner' lesbar; dem Kontext nach 'aus kleiner (= geringer, einfacher) Ursache'

S. 70

Bl. 32vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitebreitt weis sehenn lestett1, Vnnd deshalb Weißener genennet wordenn.

… und breit weiß sehen lässt und deshalb Weißener (Meißner) genannt worden ist.

2

Schlißlich so will ich den Weyßener, so lannge für den Melibocum halttenn, bis das Jch etwas bessers vnd bestenndigers vonn annderenn vnnderrichttet werde,

Schließlich will ich den Weißener so lange für den Melibocus halten, bis ich von anderen etwas Besseres und Beständigeres unterrichtet werde.

3

Denn dieweil ptolomeus, ein Grichischer Cosmographus gewesenn, dieser gelegennheitt durch seine Landtkündiger berichttet wordenn, gleichwohl aber des Bergs rechttenn nahmenn nicht gewust,

Denn weil Ptolemäus ein griechischer Kosmograph gewesen ist, dem über diese Gegend durch seine Landeskundigen berichtet wurde, der aber gleichwohl den rechten Namen des Berges nicht wusste,

4

hat er diesem Bergk ab vbertate & dulcedine, pascuorum, nahmenn geben, vnnd μελίβοκον oder aber μυλόβοτον2 à terra siue Vastitate pascuorum, mitt verenderung weniger Buchstabenn, genennet,

hat er diesem Berg nach der Fülle und Süßigkeit der Weiden (ab ubertate et dulcedine pascuorum) einen Namen gegeben und ihn — mit Veränderung weniger Buchstaben — Melibocon oder aber Meloboton, nach dem Land beziehungsweise der Weite der Weiden (a terra sive vastitate pascuorum), genannt.

5

Vnnd bleibe ich demnach bey meyner meynung.

Und ich bleibe demnach bei meiner Meinung.

6

Vonn dem Walde Semana.

Von dem Walde Semana.

7

Wo soll ich aber mit dem Walde Semana nun hin, Da hab Jch fürwar keinenn Scribenten zu hülff noch bey=Läuft auf der nächsten Seite weiter

Wo soll ich aber mit dem Walde Semana nun hin? Da habe ich fürwahr keinen Schriftsteller zu Hilfe noch Bei…

Unsichere Lesungen

  1. lestett — Wortende mit Zierstrich; dem Sinn nach 'lässt'
  2. μυλόβοτον — griechische Schreibung unsicher; gemeint wohl μηλόβοτον (Schafweide)

S. 71

Bl. 33rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitestanndt, ohnn allein, das sie sagenn, er solle nit weitt vom Meliboco gelegenn sein,

…stand — außer allein, dass sie sagen, er solle nicht weit vom Melibocus gelegen sein.

2

Nun muß mann Je nicht dahin sehenn, wie es Jzo ein geschaffennheit, mit den gehöltzenn vnnd Weldenn, sonndernn wies vonn altters gewesenn,

Nun darf man ja nicht darauf sehen, wie es jetzt mit den Gehölzen und Wäldern beschaffen ist, sondern wie es von alters her gewesen ist.

3

Vnnd obs schon war ist, das Jzo der Kauffünger waldt, der nechst vnder den dreyenn obanngezeigtenn Weldenn, beim Weißener ist, auch als das Kloster Kauffüngenn erstlich gebawet wordenn, den nahmenn verendert vnnd verlorenn habenn mochtte,

Und ob es schon wahr ist, dass jetzt der Kaufunger Wald der nächste unter den drei oben angezeigten Wäldern beim Weißener ist und dass er, als das Kloster Kaufungen erstmals erbaut wurde, den Namen verändert und verloren haben mochte,

4

So bitte Jch doch, man wölle mirs zum bestenn halttenn, das Jch den Seulingswaldt1, für den Semanam, muttmassenn vnd halttenn will,

so bitte ich doch, man wolle es mir zum Besten halten, dass ich den Seulingswald für den Semana mutmaßen und halten will.

5

Denn dieweil offennbar ist, das Ptolomaeus Tacitus, vnnd anndere Lateynische Scribenten, als vnerfahrne der Teutschenn sprachenn, viel mals sich befliessenn, die Teutsche nahmenn Jn Jhrer sprach zu Jmitiren,

Denn weil offenbar ist, dass Ptolemäus, Tacitus und andere lateinische Schriftsteller, als der deutschen Sprache Unkundige, sich vielmals befleißigten, die deutschen Namen in ihrer Sprache nachzuahmen,

6

als achtt Jchs auch, das solchs dis ortts beschehenn seye, vnnd das sie dem Waltt, den namen Semanam ge=Läuft auf der nächsten Seite weiter

so achte ich es auch dafür, dass solches an diesem Ort geschehen sei und dass sie dem Wald den Namen Semana ge…

Unsichere Lesungen

  1. Seulingswaldt — Zeilenumbruch Seu=lingswaldt; gemeint der Seulingswald bei Hersfeld

S. 72

Bl. 33vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitegebenn, Dieweil die Leut, so damahls in der gegennt gewohnet, vielleicht Semener, vonn den Seen, so daselbst gelegenn, genennet wordenn,

…geben haben, weil die Leute, die damals in der Gegend gewohnt haben, vielleicht 'Semener' nach den Seen, die dort liegen, genannt worden sind.

2

Vnnd ist gleichwols frey1, dieser nahme, dem Waltt bis auff den heutigenn tage, vonn den Seen plieben,

Und gleichwohl ist dieser Name dem Wald bis auf den heutigen Tag von den Seen geblieben,

3

doch mit etlichenn buchstaben verendert, das er Seeliegentwaldt (: als der ann den Seen gelegenn :) oder Seelingswaldt, genennett wurde,

doch mit etlichen Buchstaben verändert, sodass er Seeliegentwald — als der an den Seen gelegene — oder Seelingswald genannt wurde.

4

So ist auch die Jegent dieses waldes Jegenn auffgang nichtt minder fruchtbar, denn der Weißener, also das wohl zuuermutenn, das gar zeittlich leute daselbst im Gerstenngaw3 bey den Seen anngefanngk2 zubawenn,

So ist auch die Gegend dieses Waldes gegen Aufgang (Osten) nicht minder fruchtbar als der Weißener, sodass wohl zu vermuten ist, dass schon sehr früh Leute dort im Gerstunger Gau bei den Seen zu siedeln angefangen haben

5

vnnd also der Waldt Semana für anndernn Jns gedechtnus bracht vnnd Celebriret worden,

und so der Wald Semana vor anderen ins Gedächtnis gebracht und berühmt gemacht worden ist.

6

Vnd will mich alhier nicht hindernn lassenn, Ob schon der Seulingswaldt, Jzo etwas weitt vom Weißener gelegenn,

Und ich will mich hier nicht beirren lassen, obschon der Seulingswald jetzt etwas weit vom Weißener gelegen ist;

7

denn Je vom Seulingswaldt, nach bis auf den heutigenn tage, eine strecke vnd Contiguitet der geholz, auff Wildeck4, Dannennbergk, Sontra,Läuft auf der nächsten Seite weiter

denn es besteht ja vom Seulingswald noch bis auf den heutigen Tag ein durchgehender Zug und Zusammenhang (Contiguität) der Gehölze über Wildeck, Tannenberg, Sontra …

Unsichere Lesungen

  1. gleichwols frey — Wendung schwer lesbar; dem Sinn nach 'gleichwohl'
  2. anngefanngk — Wortende abgekürzt/verschliffen, wohl 'angefangen'
  3. Gerstenngaw — wohl der Gerstunger Gau an der Werra
  4. Wildeck — Endung mit Zierstrich, Lesung Wildeck

S. 73

Bl. 34rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd Cappell1 pleibt, daselbst lauffenn die Radices. des Meisseners vnnd Seulingswaldenn zusammenn,

... und Kappel bleibt; dort laufen die Ausläufer (Radices) des Meißners und des Seulingswaldes zusammen.

2

Vonn altters her hatt es in Teutschlanndt viel ein anndere gelegennheit, mit denn Weldenn vnnd Bergenn als itzo, gehapt.

Von alters her hatte es in Deutschland mit den Wäldern und Bergen eine ganz andere Beschaffenheit als jetzt.

3

Wie solches leichtlich zuersehenn, vnnd zuermessenn, wenn mann mit vleis betrachttet, was die alten Scribenten, vonn dem Sylua Hercinia schreibenn,

Das lässt sich leicht ersehen und ermessen, wenn man mit Fleiß betrachtet, was die alten Schriftsteller über den Herzynischen Wald (Silva Hercynia) schreiben.

4

Vnnd wiewohl diese meine mutmassung vom Seulingswaldt fur vnnötig möchtte geachttet werdenn, Habe Ich doch vmb zweyer vhrsach willenn, dieselbige mit einzubringenn, nicht vnderlassenn könnenn,

Und obwohl diese meine Vermutung über den Seulingswald für unnötig gehalten werden mag, habe ich es doch um zweier Gründe willen nicht unterlassen können, sie mit einzubringen.

5

Erstlich dieweil der Bergk Melibocus, vnnd Waldt Semana Jnner den grenntzenn der Cattorum beyeinannder liegenn sollenn, vnnd sich denn solchs nach ausweisung dieser meiner deduction befindet, das man deshalb nachmals dabey bleibe, vnnd keinem andern walde, den nahmenn Semana zuschreibe,

Erstens: Weil der Berg Melibocus und der Wald Semana innerhalb der Grenzen der Chatten beieinander liegen sollen und sich dies nach Ausweis dieser meiner Herleitung auch so verhält, soll man künftig dabei bleiben und keinem anderen Wald den Namen Semana zuschreiben.

Unsichere Lesungen

  1. Cappell — Ortsname am Satzanfang (Fortsetzung von voriger Seite); Lesung des ersten Wortteils ohne Kontext der Vorseite nicht ganz sicher

S. 74

Bl. 34vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Zum anndernn, dieweil dieser Waldt nun vierzigk funff Jar hero, bey dem Saltzwerck Sodenn, benebenn dem Meliboco das beste gethann vnnd noch thut

Zum anderen, weil dieser Wald nun seit fünfundvierzig Jahren bei dem Salzwerk Sooden neben dem Melibocus das Beste getan hat und noch tut.

2

Vielleicht hatt es vom annbegin in der Natur sein geheymnus, dieweil sie gleichsamb zusammen vermahlet, sie alle beide Innerlich vnnd eusserlich sehr reich vnnd fruchtbar seindt,

Vielleicht hat es von Anbeginn an in der Natur sein Geheimnis, weil sie gleichsam miteinander vermählt und alle beide innerlich wie äußerlich sehr reich und fruchtbar sind:

3

Innerlich mitt allerley Ertz vnnd Miner, Eusserlich mitt allerley feldtfruchtenn, Beumenn, Staudenn, wiesengewechse, Viehezüchtenn vnnd dergleichenn,

innerlich mit allerlei Erz und Mineralien, äußerlich mit allerlei Feldfrüchten, Bäumen, Stauden, Wiesengewächsen, Viehzuchten und dergleichen;

4

vmb welches willenn sie nicht minder vonn vnns, als den altenn, in1 großenn ehrenn zuhalttenn, vnnd zu Celebriren seindt,

um dessentwillen sie von uns nicht weniger als von den Alten in großen Ehren zu halten und zu rühmen sind.

5

Der Almechtige ewige Gott, wolle hinfurtters seinen reichenn segenn vnnd gnade bey diesem zweyenn Je lennger Je mehr ermehrenn, vnnd erhalttenn, das menschenn vnnd viehe, derselbigenn mit hoher danckbarkeitt, mugenn geniessenn, Damitt seinLäuft auf der nächsten Seite weiter

Der allmächtige ewige Gott wolle hinfort seinen reichen Segen und seine Gnade bei diesen zweien je länger, je mehr vermehren und erhalten, damit Menschen und Vieh sie mit hoher Dankbarkeit genießen mögen, damit sein ...

Unsichere Lesungen

  1. in — übergeschriebenes Einschubwort zwischen 'altenn' und 'großenn', Lesung 'in' oder 'im'

S. 75

Bl. 35rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteHeyliger nahme gelobt vnnd gepriesenn, sein Reich allenthalb erweittert, vnnd sein gnediger vatterlicher will, wie im himmell, also auch auff erdenn erfüllet muge werdenn, amenn etc.

... (damit sein) heiliger Name gelobt und gepriesen, sein Reich allenthalben erweitert und sein gnädiger väterlicher Wille wie im Himmel so auch auf Erden erfüllt werden möge, Amen.

2

Post Scripta.

Nachträge (Post Scripta).

3

Das Ich denn sachenn weitters nachgedacht, vnnd gemutmassett, ob auch wohl dieser waldt, den nahmenn vom Griechischenn nahmenn ξυλια1 bekommenn habenn möchtte, Denn Je solchs ein grossenn waldt bedeuttet, Wie denn der Seulingswaldt ohnne das ist,

Als ich den Dingen weiter nachdachte, mutmaßte ich, ob dieser Wald seinen Namen wohl auch vom griechischen Wort 'xylia' bekommen haben könnte; denn dieses bedeutet einen großen Wald, wie es der Seulingswald ohnehin ist,

4

vnnd das vielleicht Ptolomæus darfür ξυμανα2 gesetzet, vnnd die Latini viellieber3 das σ.4 oder S. denn das ξ. oder X. |: welches bey Ihnenn nicht sehr breuchlich :| nemenn wollenn,

und dass vielleicht Ptolemäus dafür 'Xymana' gesetzt hat und die Lateiner lieber das σ oder S als das ξ oder X — welches bei ihnen nicht sehr gebräuchlich ist — nehmen wollten.

5

So lautt es auch nicht vngleich, Wenn mann sagtte Xylingswaldt, vom vielenn holtz so da wechst, den ξυλον griechisch holtz heisset,

So klingt es auch nicht unähnlich, wenn man 'Xylingswald' sagte — von dem vielen Holz, das dort wächst; denn 'xylon' heißt auf Griechisch Holz.

Unsichere Lesungen

  1. ξυλια — griechische Buchstaben der Vorlage, Lesung ξυλια nicht ganz sicher
  2. ξυμανα — griechisches Wort nach 'darfür'; vorletzter Buchstabe ν oder ρ (ξυμανα/ξυμαρα)
  3. viellieber — Wort mit Zierstrich, auch 'vielleichter' möglich
  4. σ. — als 6-förmiges Sigma geschrieben

S. 76

Bl. 35vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Vmb welchenn Saltzbrunnenn die Hermunduri vnd Cattenn sich geschlagenn.

Um welchen Salzbrunnen die Hermunduren und Chatten sich geschlagen haben.

2

Wiewohl die Newenn Historici vnnd Scribenten, gemeinlich schliessenn, vnnd wollenn, das die Brunnenn zu Hall in Sachssenn, die Brunnenn seyenn, darumb sich die Hermunduri vnnd Catti, darvonn Cornelius Tacitus sagtt, gezweyent vnnd geschlagen habenn,

Obwohl die neueren Historiker und Schriftsteller gemeinhin schließen und behaupten, dass die Brunnen zu Halle in Sachsen jene Brunnen seien, um die sich die Hermunduren und Chatten — wovon Cornelius Tacitus berichtet — entzweit und geschlagen haben,

3

auch etliche dieselbige Historiam, auff Franckennhausenn ziehenn wollenn, So kann Ich1 doch demselbigenn gantz vnnd gar nicht beyfallenn, vnnd das aus denenn vhrsachenn.

und auch etliche dieselbe Geschichte auf Frankenhausen beziehen wollen, so kann ich dem doch ganz und gar nicht beipflichten, und das aus den folgenden Gründen.

4

Denn erstlich sage mir doch einer, was doch den Cattis von nötenn gewesenn, sich ausser Irer grenntze, nach frembdenn Brunnenn vmbzuthun, vnnd durch Irer feinde Lannde, mit hochster Irer gefahr, auffsetzung Ihres wohl hergebrachtenn nahmens vnnd ehrenn, etliche meyl weges, mit gewapneter hanndt zuziehenn,

Denn erstens sage mir doch einer, wozu es für die Chatten nötig gewesen sein soll, sich außerhalb ihrer Grenzen nach fremden Brunnen umzutun und durch das Land ihrer Feinde — unter höchster Gefahr und unter Einsatz ihres wohlhergebrachten Namens und ihrer Ehre — etliche Meilen Weges mit bewaffneter Hand zu ziehen,

5

So sie doch Inner Ihrer Grenntze, selbst Saltzbrunnen, NemblichLäuft auf der nächsten Seite weiter

wo sie doch innerhalb ihrer Grenzen selbst Salzbrunnen hatten, nämlich ...

Unsichere Lesungen

  1. So kann Ich — 'kann' mit Zierstrich durchzogen, keine Tilgung angenommen

S. 77

Bl. 36rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitezum Sodenn vnnd Saltzungenn |: welches beide zwey alte Saltzwercker3 sein :| gehapt, die seindt dessenn viel witziger gewesenn, wie sie denn deshalb Cornelius Tacitus, auch Catos, das ist prudentes vnnd fursichttig nennet.

... nämlich zu Sooden und Salzungen — welche beide zwei alte Salzwerke sind —, hatten; dafür sind sie viel zu gewitzt gewesen, wie sie denn deshalb Cornelius Tacitus auch 'catos', das heißt kluge und umsichtige Leute, nennt.

2

Zum anndernn, So ist mann dessenn gewis, das dis Saltzwerck auch tempore Caroli Magni, vnnd S. Bonifacij, albereits im schwang gewesenn,

Zum anderen ist man dessen gewiss, dass dieses Salzwerk auch zur Zeit Karls des Großen und des heiligen Bonifatius bereits in Gang war,

3

Da doch das Saltzwerck zu Hall in Sachssenn, tempore Ottonum lannge hernach erndtstanndenn1, vnnd durch einenn Edlen Herrn vom Harkebrunnenn2, erbauet wordenn,

während doch das Salzwerk zu Halle in Sachsen erst zur Zeit der Ottonen, lange danach, entstanden und durch einen edlen Herrn von Hakeborn erbaut worden ist,

4

daher denn der eine Brunnen zu Hall vnnd zu Staßfurt, auch einer, Harkennbrunnenn genanndt werden,

weshalb denn der eine Brunnen zu Halle und auch einer zu Staßfurt 'Hakenborn' genannt werden,

5

Wie denn auch noch vff den heutigenn tagk, das geschlecht der Harkennbrunnenn, zu vnnd vmb Staßfurt her, noch vbrigk, vnnd furhanndenn,

wie denn auch noch auf den heutigen Tag das Geschlecht derer von Hakeborn in und um Staßfurt übrig und vorhanden ist.

6

Das dem also sey, vnnd das Otto primus die Brunnenn zu Hall in Sachssenn, dem Stifft Magdeburgk donirt vnnd geschennckt, Welche in künftige zeitt erbauenn, vnnd in ein solchs herlichs wesenn, wie sie Jtzt seindt, bracht wordenn, bezeugenn dieLäuft auf der nächsten Seite weiter

Dass dem so ist und dass Otto I. die Brunnen zu Halle in Sachsen dem Stift Magdeburg übereignet und geschenkt hat — welche in späterer Zeit ausgebaut und in ein so herrliches Wesen, wie sie es jetzt sind, gebracht wurden —, das bezeugen die ...

Unsichere Lesungen

  1. erndtstanndenn — Wortbild unklar, wohl für 'erst entstanden'
  2. Harkebrunnenn — Adelsname, gemeint wohl 'von Hakeborn'; Schreibung Harke-/Harckebrunnen nicht ganz sicher
  3. Saltzwercker — Endung -er statt -e ungewöhnlich, Lesung aber so im Bild

S. 78

Bl. 36vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteHistorienschreiber, sonnderlich aber Cyriacus Spanngenbergk, Inn seiner Mannsfeldischenn Historien,

... die Geschichtsschreiber, besonders aber Cyriacus Spangenberg in seiner Mansfeldischen Chronik.

2

Zum drittenn, so ist Franckenhausenn, erstlich tempore Friderici primi, aus den Sumpffenn, vnnd Morasten, mit grosser mühe erbawenn wordenn,

Zum Dritten ist Frankenhausen erst zur Zeit Friedrichs I. aus den Sümpfen und Morasten mit großer Mühe erbaut worden.

3

Denn Je zuvor in der Jegent nichts anders, denn Sumpff vnd Morast gewesenn, bis solanng mann die Wipper durch einen lanngenn Stollenn, auff anngebenn eines Priesters, hinzu gefüret, vnnd die gewalttigenn Künste, zu auslösung1 beidt Sohlenn vnnd Wildenwassers, auffgerichttet,

Denn zuvor war in der Gegend nichts anderes als Sumpf und Morast, bis man die Wipper auf Angeben eines Priesters durch einen langen Stollen herzuführte und die gewaltigen Künste (Pumpwerke) zum Heben sowohl der Sole als auch des wilden Wassers errichtete,

4

wie solchs Ihre privilegia, so in Monte confusionis, oder auffm Keiffhauser berg Datirt sein, Anno etc. ausweisenn,

wie das ihre Privilegien ausweisen, die 'in Monte confusionis' oder auf dem Kyffhäuserberg datiert sind, im Jahr usw.

5

Also erscheint das vnnser Saltzwerck Sodenn, ebenn das seye, darumb sich die Hermunduri, so der Zeit, wie auch noch nicht, kein eigene erbawete Saltzwercke gehapt, mit den Catten gezweyet, vnnd geschlagenn habenn,

Also zeigt sich, dass unser Salzwerk Sooden eben dasjenige ist, um das sich die Hermunduren — die zu jener Zeit, wie auch heute noch nicht, keine eigenen ausgebauten Salzwerke hatten — mit den Chatten entzweit und geschlagen haben;

6

denn der Zeit der ortt4, da Jtzt Hall in Sachssenn gelegenn, den Ceruetys2, vnnd nicht den Hermunduris, wie auch noch nicht, vntterworffenn gewesenn, Welche vielleichtLäuft auf der nächsten Seite weiter

denn zu jener Zeit war der Ort, wo jetzt Halle in Sachsen liegt, den Cheruskern und nicht den Hermunduren unterworfen — wie auch jetzt noch nicht —, welche vielleicht ...

Unsichere Lesungen

  1. auslösung — Wortmitte schwer lesbar, Sinn: Herausheben von Sole und wildem Wasser
  2. Ceruetys — Volksname, gemeint wohl die Cherusker (Ceruscis); Schreibung unsicher
  3. [gestrichen: das] — gestrichenes Wort am Zeilenende nach 'denn der Zeit' nicht sicher lesbar (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  4. ortt — auch 'artt' lesbar, Sinn spricht für 'ortt'

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