Zum Inhalt
salzbibel.deForschungsprojekt
Darstellung
Darstellung
Schriftgröße
Zeilenabstand
Farben
Kontrast
Bewegung
Schriftart

Alle Einstellungen mit Erläuterung

Salzbibel · Lesetext · 1. Buch

Das erste Buch · S. 75–84

Der Beweis des hohen Alters · S. 75–84 · Bl. 35r–39v · Band 1

Ansicht
Seiten am Stück

Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Der Beweis des hohen Alters

S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch

S. 75

Bl. 35rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteHeyliger nahme gelobt vnnd gepriesenn, sein Reich allenthalb erweittert, vnnd sein gnediger vatterlicher will, wie im himmell, also auch auff erdenn erfüllet muge werdenn, amenn etc.

... (damit sein) heiliger Name gelobt und gepriesen, sein Reich allenthalben erweitert und sein gnädiger väterlicher Wille wie im Himmel so auch auf Erden erfüllt werden möge, Amen.

2

Post Scripta.

Nachträge (Post Scripta).

3

Das Ich denn sachenn weitters nachgedacht, vnnd gemutmassett, ob auch wohl dieser waldt, den nahmenn vom Griechischenn nahmenn ξυλια1 bekommenn habenn möchtte, Denn Je solchs ein grossenn waldt bedeuttet, Wie denn der Seulingswaldt ohnne das ist,

Als ich den Dingen weiter nachdachte, mutmaßte ich, ob dieser Wald seinen Namen wohl auch vom griechischen Wort 'xylia' bekommen haben könnte; denn dieses bedeutet einen großen Wald, wie es der Seulingswald ohnehin ist,

4

vnnd das vielleicht Ptolomæus darfür ξυμανα2 gesetzet, vnnd die Latini viellieber3 das σ.4 oder S. denn das ξ. oder X. |: welches bey Ihnenn nicht sehr breuchlich :| nemenn wollenn,

und dass vielleicht Ptolemäus dafür 'Xymana' gesetzt hat und die Lateiner lieber das σ oder S als das ξ oder X — welches bei ihnen nicht sehr gebräuchlich ist — nehmen wollten.

5

So lautt es auch nicht vngleich, Wenn mann sagtte Xylingswaldt, vom vielenn holtz so da wechst, den ξυλον griechisch holtz heisset,

So klingt es auch nicht unähnlich, wenn man 'Xylingswald' sagte — von dem vielen Holz, das dort wächst; denn 'xylon' heißt auf Griechisch Holz.

Unsichere Lesungen

  1. ξυλια — griechische Buchstaben der Vorlage, Lesung ξυλια nicht ganz sicher
  2. ξυμανα — griechisches Wort nach 'darfür'; vorletzter Buchstabe ν oder ρ (ξυμανα/ξυμαρα)
  3. viellieber — Wort mit Zierstrich, auch 'vielleichter' möglich
  4. σ. — als 6-förmiges Sigma geschrieben

S. 76

Bl. 35vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Vmb welchenn Saltzbrunnenn die Hermunduri vnd Cattenn sich geschlagenn.

Um welchen Salzbrunnen die Hermunduren und Chatten sich geschlagen haben.

2

Wiewohl die Newenn Historici vnnd Scribenten, gemeinlich schliessenn, vnnd wollenn, das die Brunnenn zu Hall in Sachssenn, die Brunnenn seyenn, darumb sich die Hermunduri vnnd Catti, darvonn Cornelius Tacitus sagtt, gezweyent vnnd geschlagen habenn,

Obwohl die neueren Historiker und Schriftsteller gemeinhin schließen und behaupten, dass die Brunnen zu Halle in Sachsen jene Brunnen seien, um die sich die Hermunduren und Chatten — wovon Cornelius Tacitus berichtet — entzweit und geschlagen haben,

3

auch etliche dieselbige Historiam, auff Franckennhausenn ziehenn wollenn, So kann Ich1 doch demselbigenn gantz vnnd gar nicht beyfallenn, vnnd das aus denenn vhrsachenn.

und auch etliche dieselbe Geschichte auf Frankenhausen beziehen wollen, so kann ich dem doch ganz und gar nicht beipflichten, und das aus den folgenden Gründen.

4

Denn erstlich sage mir doch einer, was doch den Cattis von nötenn gewesenn, sich ausser Irer grenntze, nach frembdenn Brunnenn vmbzuthun, vnnd durch Irer feinde Lannde, mit hochster Irer gefahr, auffsetzung Ihres wohl hergebrachtenn nahmens vnnd ehrenn, etliche meyl weges, mit gewapneter hanndt zuziehenn,

Denn erstens sage mir doch einer, wozu es für die Chatten nötig gewesen sein soll, sich außerhalb ihrer Grenzen nach fremden Brunnen umzutun und durch das Land ihrer Feinde — unter höchster Gefahr und unter Einsatz ihres wohlhergebrachten Namens und ihrer Ehre — etliche Meilen Weges mit bewaffneter Hand zu ziehen,

5

So sie doch Inner Ihrer Grenntze, selbst Saltzbrunnen, NemblichLäuft auf der nächsten Seite weiter

wo sie doch innerhalb ihrer Grenzen selbst Salzbrunnen hatten, nämlich ...

Unsichere Lesungen

  1. So kann Ich — 'kann' mit Zierstrich durchzogen, keine Tilgung angenommen

S. 77

Bl. 36rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitezum Sodenn vnnd Saltzungenn |: welches beide zwey alte Saltzwercker3 sein :| gehapt, die seindt dessenn viel witziger gewesenn, wie sie denn deshalb Cornelius Tacitus, auch Catos, das ist prudentes vnnd fursichttig nennet.

... nämlich zu Sooden und Salzungen — welche beide zwei alte Salzwerke sind —, hatten; dafür sind sie viel zu gewitzt gewesen, wie sie denn deshalb Cornelius Tacitus auch 'catos', das heißt kluge und umsichtige Leute, nennt.

2

Zum anndernn, So ist mann dessenn gewis, das dis Saltzwerck auch tempore Caroli Magni, vnnd S. Bonifacij, albereits im schwang gewesenn,

Zum anderen ist man dessen gewiss, dass dieses Salzwerk auch zur Zeit Karls des Großen und des heiligen Bonifatius bereits in Gang war,

3

Da doch das Saltzwerck zu Hall in Sachssenn, tempore Ottonum lannge hernach erndtstanndenn1, vnnd durch einenn Edlen Herrn vom Harkebrunnenn2, erbauet wordenn,

während doch das Salzwerk zu Halle in Sachsen erst zur Zeit der Ottonen, lange danach, entstanden und durch einen edlen Herrn von Hakeborn erbaut worden ist,

4

daher denn der eine Brunnen zu Hall vnnd zu Staßfurt, auch einer, Harkennbrunnenn genanndt werden,

weshalb denn der eine Brunnen zu Halle und auch einer zu Staßfurt 'Hakenborn' genannt werden,

5

Wie denn auch noch vff den heutigenn tagk, das geschlecht der Harkennbrunnenn, zu vnnd vmb Staßfurt her, noch vbrigk, vnnd furhanndenn,

wie denn auch noch auf den heutigen Tag das Geschlecht derer von Hakeborn in und um Staßfurt übrig und vorhanden ist.

6

Das dem also sey, vnnd das Otto primus die Brunnenn zu Hall in Sachssenn, dem Stifft Magdeburgk donirt vnnd geschennckt, Welche in künftige zeitt erbauenn, vnnd in ein solchs herlichs wesenn, wie sie Jtzt seindt, bracht wordenn, bezeugenn dieLäuft auf der nächsten Seite weiter

Dass dem so ist und dass Otto I. die Brunnen zu Halle in Sachsen dem Stift Magdeburg übereignet und geschenkt hat — welche in späterer Zeit ausgebaut und in ein so herrliches Wesen, wie sie es jetzt sind, gebracht wurden —, das bezeugen die ...

Unsichere Lesungen

  1. erndtstanndenn — Wortbild unklar, wohl für 'erst entstanden'
  2. Harkebrunnenn — Adelsname, gemeint wohl 'von Hakeborn'; Schreibung Harke-/Harckebrunnen nicht ganz sicher
  3. Saltzwercker — Endung -er statt -e ungewöhnlich, Lesung aber so im Bild

S. 78

Bl. 36vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteHistorienschreiber, sonnderlich aber Cyriacus Spanngenbergk, Inn seiner Mannsfeldischenn Historien,

... die Geschichtsschreiber, besonders aber Cyriacus Spangenberg in seiner Mansfeldischen Chronik.

2

Zum drittenn, so ist Franckenhausenn, erstlich tempore Friderici primi, aus den Sumpffenn, vnnd Morasten, mit grosser mühe erbawenn wordenn,

Zum Dritten ist Frankenhausen erst zur Zeit Friedrichs I. aus den Sümpfen und Morasten mit großer Mühe erbaut worden.

3

Denn Je zuvor in der Jegent nichts anders, denn Sumpff vnd Morast gewesenn, bis solanng mann die Wipper durch einen lanngenn Stollenn, auff anngebenn eines Priesters, hinzu gefüret, vnnd die gewalttigenn Künste, zu auslösung1 beidt Sohlenn vnnd Wildenwassers, auffgerichttet,

Denn zuvor war in der Gegend nichts anderes als Sumpf und Morast, bis man die Wipper auf Angeben eines Priesters durch einen langen Stollen herzuführte und die gewaltigen Künste (Pumpwerke) zum Heben sowohl der Sole als auch des wilden Wassers errichtete,

4

wie solchs Ihre privilegia, so in Monte confusionis, oder auffm Keiffhauser berg Datirt sein, Anno etc. ausweisenn,

wie das ihre Privilegien ausweisen, die 'in Monte confusionis' oder auf dem Kyffhäuserberg datiert sind, im Jahr usw.

5

Also erscheint das vnnser Saltzwerck Sodenn, ebenn das seye, darumb sich die Hermunduri, so der Zeit, wie auch noch nicht, kein eigene erbawete Saltzwercke gehapt, mit den Catten gezweyet, vnnd geschlagenn habenn,

Also zeigt sich, dass unser Salzwerk Sooden eben dasjenige ist, um das sich die Hermunduren — die zu jener Zeit, wie auch heute noch nicht, keine eigenen ausgebauten Salzwerke hatten — mit den Chatten entzweit und geschlagen haben;

6

denn der Zeit der ortt4, da Jtzt Hall in Sachssenn gelegenn, den Ceruetys2, vnnd nicht den Hermunduris, wie auch noch nicht, vntterworffenn gewesenn, Welche vielleichtLäuft auf der nächsten Seite weiter

denn zu jener Zeit war der Ort, wo jetzt Halle in Sachsen liegt, den Cheruskern und nicht den Hermunduren unterworfen — wie auch jetzt noch nicht —, welche vielleicht ...

Unsichere Lesungen

  1. auslösung — Wortmitte schwer lesbar, Sinn: Herausheben von Sole und wildem Wasser
  2. Ceruetys — Volksname, gemeint wohl die Cherusker (Ceruscis); Schreibung unsicher
  3. [gestrichen: das] — gestrichenes Wort am Zeilenende nach 'denn der Zeit' nicht sicher lesbar (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  4. ortt — auch 'artt' lesbar, Sinn spricht für 'ortt'

S. 79

Bl. 37rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteWenn schonn Hall1, der zeitt in ehre gewesenn were, vielweniger den Hermunduris, dieselbige Brunnenn, als die Catten die Ihrenn, wurdenn gegönnet oder Ingeraumet habenn,

… wenn Halle schon zu jener Zeit in Ehren gestanden hätte, würden viel weniger den Hermunduren dieselben Brunnen gegönnt oder eingeräumt worden sein, als die Chatten die ihren behielten.

2

Vnnd kann solche meine meynung, meines verstanndts mit vielenn Monumenten vnnd annzeigungenn, diß ortts docirt werdenn,

Und diese meine Meinung kann nach meinem Verständnis mit vielen Denkmälern und Anzeichen dieses Ortes belegt werden.

3

Gott der almechttige, hatt sonnderlich diesenn ort, für vielenn anndernn Saltzwerckenn Teutsches Lanndts, mitt sehr holzfruchtbarenn Bergenn, so Ierlich ein gar große Zahl holzes, dem Saltzwergk Suppeditiren,

Gott der Allmächtige hat besonders diesen Ort vor vielen anderen Salzwerken deutschen Landes mit sehr holzreichen Bergen umgeben, die jährlich eine sehr große Menge Holz für das Salzwerk liefern,

4

vnnd etliche derselbenn mitt der Zeit außgerodet, vnd zu ackernn gemacht wordenn sein, vmbgebenn,

und etliche dieser Berge sind mit der Zeit ausgerodet und zu Ackerland gemacht worden.

5

Vff dieselbigenn Berge habenn vmb vnnd vmb, die alttenn Catten, feste Schlösser vnnd Heüser, derenn etliche vergangenn, etliche noch in Wesen seindt (: ohne zweiwell diß Saltzwergk für den Hermunduris vnd anndernn feindenn, zubeschutzenn :) erbauet:

Auf denselben Bergen haben ringsum die alten Chatten feste Schlösser und Häuser erbaut — von denen etliche vergangen sind, etliche noch bestehen —, ohne Zweifel, um dieses Salzwerk vor den Hermunduren und anderen Feinden zu schützen.

6

Sie habenn auch allenthalb Lanndtwehrenn, Haign,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Sie haben auch überall Landwehren, Hage …

Unsichere Lesungen

  1. Hall — Gemeint ist wohl das Salzwerk Halle an der Saale; Satzanfang liegt auf der Vorseite, Anschluss der Übersetzung daher rekonstruiert

S. 80

Bl. 37vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteGeknick, oder geneÿge1, Warttenn, Zugkbruckenn, vnnd dergleichenn furwehrenn, auffürenn, vnnd Inns werck sezenn lassenn, also das nicht wohl muglich, fur zeittenn (: da noch kein geschütz gewesenn, diesem ortt etwas abzubrechenn,

… Geknicke oder Geneige (gebogene Hecken), Warten, Zugbrücken und dergleichen Vorwehren aufführen und ins Werk setzen lassen, so dass es vor Zeiten — als es noch kein Geschütz gab — kaum möglich war, diesem Ort etwas anzuhaben.

2

Denn vom auffgang ist das Schlos Alttenstein ein sehr vhralt gebeü, in eyttelnn hohenn klipffenn, engenn vnnd vngenngigenn wegenn, gelegenn,

Denn gegen Sonnenaufgang liegt das Schloss Altenstein, ein sehr uraltes Gebäude, in lauter hohen Klippen, an engen und unwegsamen Wegen gelegen.

3

Inmittelst zwischenn Allenndorff vnnd Alttenstein, ist ein starck Lanndtwehr, welche durch die gehöltz vnnd felder allennthalb vor zeittenn durch gestrichen, mit der zeitt aber ann etlichenn enndtenn ein gerissenn wordenn,

Dazwischen, zwischen Allendorf und dem Altenstein, liegt eine starke Landwehr, die vor Zeiten überall durch die Gehölze und Felder gezogen war, mit der Zeit aber an etlichen Enden eingerissen worden ist,

4

vnnd ist dieses ortt, bis ann den Hohen Hörgbergk2, Racholdesbergk3, vnnd Goburgk4, also geschaffen, das mann alles was vonn den Tubantibus, Gambriuis5, vnnd Cattuarijs, herzu hatt wollenn, woll hatt hindertreibenn könnenn,

und dieser Ort ist bis an den Hohen Hörgberg, den Racholdesberg und die Goburg so beschaffen, dass man alles, was von den Tubanten, Gambriviern und Chattuariern heranwollte, wohl hat abwehren können.

5

Doch ist noch in dieser Jegenndt, ein schliefftenn oder Schlueft, auff der Wallis6 herunder, da etwas einLäuft auf der nächsten Seite weiter

Doch gibt es in dieser Gegend noch eine Schliefe oder Schlucht, zur Wallis hinunter, wo ein etwas …

Unsichere Lesungen

  1. geneÿge — Lesung unsicher; vgl. 'das Geneige' auf Blatt 38v
  2. Hörgbergk — Bergname unsicher gelesen
  3. Racholdesbergk — Bergname unsicher gelesen
  4. Goburgk — Wohl die Gobert/Goburg südöstlich von Allendorf; Anfangsbuchstabe G/S nicht ganz eindeutig
  5. Gambriuis — Stammesname unsicher; wohl die Gambrivii des Tacitus, Lesung könnte auch 'Gaudriuis' sein
  6. Wallis — Flurname unsicher gelesen; vgl. 'Wallisfeldt' auf Blatt 38r

S. 81

Bl. 38rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitebreiter Wiesenn grundt ist, da möchtte wohl sein, das sich da herein, die Hermunduri herzu geschlüfften, vnnd daselb im Wallisfeldt1, die Schlacht möchtte geschehenn sein,

… breiterer Wiesengrund ist; da mag es wohl sein, dass sich die Hermunduren dort hereingeschlichen haben und dass ebendort im Wallisfeld die Schlacht geschehen sein mag.

2

Wie dauonn noch auff diesenn tagk, ein gemein geschrey, vnnd der ortt, da die Schlachtt geschehenn, der Mordtbach genennet wirdt,

Davon geht noch bis auf den heutigen Tag eine allgemeine Rede, und der Ort, an dem die Schlacht geschah, wird der Mordbach genannt.

3

Vom Mittag her ist die vorgenanntte Goburgk, Vesterburgk2, Fürstennstein, mit dem sehr vhralttenn Schlos Beýlstein, vnnd vom Beýlstein hernieder nichts denn Felsenn, vnnd steinechtte, vnnwegsame Berge,

Gegen Mittag liegen die vorgenannte Goburg, die Vesterburg und der Fürstenstein mit dem sehr uralten Schloss Bilstein, und vom Bilstein herab ist nichts als Felsen und steinige, unwegsame Berge,

4

deren einer auch vmb des willenn, das er beý nahe menschvnngenngig, der dambsteigk3, vonn den Dannenn, die da vielleicht Irenn stanndt gehapt, benennet wordenn,

von denen einer, weil er beinahe für Menschen unbegehbar ist, der Dannsteig genannt worden ist — nach den Tannen, die dort vielleicht ihren Stand gehabt haben.

5

Dieser Heuser vnnd Berge gelegennheitt, seindt auch also anngelegt vnnd gebauenn, das nicht muglich, das vor zeittenn Jemanndts dem Saltzwercke, hatt könnenn schadenn thun,

Diese Häuser und Berge sind ihrer Lage nach auch so angelegt und gebaut, dass es nicht möglich war, dass vor Zeiten jemand dem Salzwerk hätte Schaden zufügen können.

6

Dann ohne das, sie, nach annsehens der zeitt, ganntz feste, vnnd vnnvberwindtlich geschezt sein worden, SoLäuft auf der nächsten Seite weiter

Denn ohnehin wurden sie nach dem Ansehen jener Zeit für ganz fest und unüberwindlich geachtet; so …

Unsichere Lesungen

  1. Wallisfeldt — Flurname unsicher gelesen; vgl. 'Wallis' auf Blatt 37v
  2. Vesterburgk — Burgname unsicher; auch 'Westerburgk' möglich
  3. dambsteigk — Bergname unsicher; dem Kontext nach 'Dannsteig' (nach den Tannen benannt)

S. 82

Bl. 38vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteseindt doch vff beidenn seittenn der Werra, die Wege so ennge vnnd klipfficht, Nemblich im Klebe2, Rotennstein1, vnnd der Hardt, das auch die Wege dauonn die nahmenn bekommenn,

… sind doch auf beiden Seiten der Werra die Wege so eng und klippenreich — nämlich im Klebe, am Rotenstein und auf der Hardt —, dass die Wege auch davon ihre Namen bekommen haben

2

vnnd wie Jzt gehörtt, Klebe, vnnd Hardt, Das ist vom Harrenn vnnd Klebenn, genennet seindt wordenn, dieweil viele da klebenn bleibenn vnnd harrenn mustenn,

und, wie eben gehört, 'Klebe' und 'Hardt' genannt worden sind — das heißt vom Harren und Kleben, weil viele dort kleben bleiben und ausharren mussten.

3

Nach Niedergang ist die verwustete Westerburgk, derenn in Historijs gedacht wirdet, lieget gleich beý dem Salzwercke Sodenn, auff einem Klipffenn, oder promontorio,

Gegen Sonnenuntergang liegt die verwüstete Westerburg, deren in den Geschichtswerken gedacht wird; sie liegt gleich beim Salzwerk Sooden auf einer Klippe oder einem Vorgebirge (promontorium),

4

auff welchem mann die zwenn wege, in großenn vnnd kleinenn hain, Desgleichenn beide Haýn, vnnd das Geneige3, hatt verwahrenn könnenn,

von dem aus man die zwei Wege in den Großen und Kleinen Hain, desgleichen beide Haine und das Geneige hat sichern können.

5

dieselbigenn wege, seindt auch so ennge, das ganntz beschwerlich, ein Wagenn dem anndernn weichenn kann,

Dieselben Wege sind auch so eng, dass ein Wagen nur mit großer Mühe dem anderen ausweichen kann.

6

Also seindt auch vom Mitternacht hero, so große, hohe, vnnwegsame berge, Geholtz vnnd heckenn, Sonnderlich aber das Schlos Hannstein, das auch dannenn her, dem Salzwercke niemanndts leichtlich hattLäuft auf der nächsten Seite weiter

Ebenso liegen gegen Mitternacht so große, hohe, unwegsame Berge, Gehölze und Hecken, besonders aber das Schloss Hanstein, so dass auch von dorther dem Salzwerk niemand leicht hat …

Unsichere Lesungen

  1. Rotennstein — Bergname unsicher gelesen; Worttrennung Ro=tennstein
  2. Klebe — Erster Beleg sieht eher wie 'Klete' aus; nach der Namenserklärung ('vom Klebenn') als Klebe gelesen
  3. Geneige — Flur-/Sachbezeichnung unsicher; vgl. 'geneÿge' auf Blatt 37v

S. 83

Bl. 39rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitezu nahenn könnenn, Dieweil daselbst herauff, auf beidenn seittenn der Werra die Wege so ennge vnnd klipfficht,

… nahen können, weil dort hinauf auf beiden Seiten der Werra die Wege so eng und klippenreich sind,

2

das der einer die Soehl, in derenn sich die furleut stettigs besuddelnn, vnnd Soehlenn, vnd der annder die Hardt, vom Harrenn genennett wirdett,

dass der eine 'die Söhle' genannt wird — in der sich die Fuhrleute ständig besudeln und suhlen — und der andere 'die Hardt', vom Harren.

3

Auff diese masse, hatt Gott der almechttige, aus sonnderlicher, Göttlicher fursichttigkeitt, mitt vielfeltigem gutem gehöltz, vnnd mit allerleý naturlichenn furwerenn,

Auf diese Weise hat Gott der Allmächtige aus besonderer göttlicher Vorsehung dieses Salzwerk mit vielfältigem gutem Gehölz und mit allerlei natürlichen Vorwehren versehen,

4

Volgenndts auch die besitzer der anngrenntzendenn Heuser, Burge vnd Schlösser, vom adell vnnd andernn geschlechten, dieses Löblich, vhralt Salzwerck, vmbgebenn vnnd verwaret,

und in der Folge haben auch die Besitzer der angrenzenden Häuser, Burgen und Schlösser, vom Adel und anderen Geschlechtern, dieses löbliche, uralte Salzwerk umgeben und bewahrt.

5

also das daher vermutlich, das ob wohl die Hermunduren, auff der Wallis2 herunder, sich zu den Cattenn getrungenn, vnnd mitt Ihnenn vmb das Salzwergk geschlagenn,

Daher ist zu vermuten: Obwohl die Hermunduren die Wallis herunter zu den Chatten vorgedrungen sind und sich mit ihnen um das Salzwerk geschlagen haben,

6

doch nicht viel erhalttenn, sonndernn mit schadenn vnnd schanndenn, wieder abweichenn müßen,

haben sie doch nicht viel erreicht, sondern mussten mit Schaden und Schande wieder abziehen,

7

vnnd also die Cattenn beý Ihrem wolherbrachtennLäuft auf der nächsten Seite weiter

und so sind die Chatten bei ihrem wohlhergebrachten …

Unsichere Lesungen

  1. Soehl / Soehlenn — Wegname 'die Söhle' (Suhle); Lesung der Wortform am Zeilenende nicht ganz sicher (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. Wallis — Flurname unsicher gelesen; vgl. Blatt 37v und 38r

S. 84

Bl. 39vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitebesiz, in künfftige zeitt gebliebenn,

… Besitz auch in künftige Zeit geblieben.

2

Im Salzwercke Sodenn, findet mann auch altte annzeigungen, vnnd Monumenta, als das sehr altfrenckische2 Gebeu des Kirchturms, welcher auch also altt das ihnenn die lüfft1 naher mittagk zu, verzehret,

Im Salzwerk Sooden findet man auch alte Anzeichen und Denkmäler (Monumenta), wie das sehr altfränkische Gebäude des Kirchturms, der so alt ist, dass ihn die Luft gegen Mittag hin schon verzehrt hat,

3

da doch sonnstenn nach Niedergang vnnd Mitternacht zu, der Thurn sehr fest, mit eyttelnn polirten Quadersteinenn, auffgefürt, vnnd dermaßenn zusammenn gefügt ist, das mann nicht wohl die fügenn erkennenn kann,

während der Turm sonst, gegen Abend und Mitternacht hin, sehr fest aus lauter polierten Quadersteinen aufgeführt und dermaßen zusammengefügt ist, dass man die Fugen kaum erkennen kann.

4

Vnnd ist zur zeitt Bonifacij, der diesenn Thurn vnnd Kirchenn erbauet habenn soll, das furdertheil der Kirchenn, nach Mittag zu, beatæ Virgini,

Und zur Zeit des Bonifatius, der diesen Turm und die Kirche erbaut haben soll, wurde das Vorderteil der Kirche, gegen Mittag hin, der seligen Jungfrau (beatae Virgini) geweiht,

5

der hindertheil aber nach Mitternacht, in volgennder zeit da die abgöttereýenn zugenommenn, S. Bonifacio dediciret wordenn,

das Hinterteil aber, gegen Mitternacht hin, in der folgenden Zeit, als die Abgöttereien zunahmen, dem heiligen Bonifatius gewidmet (dediziert).

6

Daher denn alle Pfenner, mit weib vnnd kindernn, von den zeittenn Bonifacij ann, zu ewiger gedechtnus, Jerlich am S. Bonifacij tagk, auff dem Salzbrunnen,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Daher haben denn alle Pfänner mit Weib und Kindern von den Zeiten des Bonifatius an, zu ewigem Gedächtnis, jährlich am Sankt-Bonifatius-Tag auf dem Salzbrunnen …

Unsichere Lesungen

  1. lüfft — Lesung nicht ganz sicher; Sinn: die Witterung/Luft hat die Südseite des Turms verzehrt
  2. altfrenckische — Worttrennung altfrenck=ische; Lesung 'altfränkisch' aus dem Kontext

Einstellungen auf diesem Gerät speichern?

Damit die gewählte Darstellung beim nächsten Besuch erhalten bleibt, würde ein einzelner Eintrag im lokalen Speicher des Browsers (localStorage) abgelegt. Das ist kein Cookie, und der Eintrag verlässt das Gerät nicht.