Salzbibel · Lesetext · 1. Buch
Das erste Buch · S. 79–88
Der Beweis des hohen Alters · S. 79–88 · Bl. 37r–41v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Der Beweis des hohen Alters
S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch
S. 79
Bl. 37rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteWenn schonn Hall1, der zeitt in ehre gewesenn were, vielweniger den Hermunduris, dieselbige Brunnenn, als die Catten die Ihrenn, wurdenn gegönnet oder Ingeraumet habenn,
… wenn Halle schon zu jener Zeit in Ehren gestanden hätte, würden viel weniger den Hermunduren dieselben Brunnen gegönnt oder eingeräumt worden sein, als die Chatten die ihren behielten.
Vnnd kann solche meine meynung, meines verstanndts mit vielenn Monumenten vnnd annzeigungenn, diß ortts docirt werdenn,
Und diese meine Meinung kann nach meinem Verständnis mit vielen Denkmälern und Anzeichen dieses Ortes belegt werden.
Gott der almechttige, hatt sonnderlich diesenn ort, für vielenn anndernn Saltzwerckenn Teutsches Lanndts, mitt sehr holzfruchtbarenn Bergenn, so Ierlich ein gar große Zahl holzes, dem Saltzwergk Suppeditiren,
Gott der Allmächtige hat besonders diesen Ort vor vielen anderen Salzwerken deutschen Landes mit sehr holzreichen Bergen umgeben, die jährlich eine sehr große Menge Holz für das Salzwerk liefern,
vnnd etliche derselbenn mitt der Zeit außgerodet, vnd zu ackernn gemacht wordenn sein, vmbgebenn,
und etliche dieser Berge sind mit der Zeit ausgerodet und zu Ackerland gemacht worden.
Vff dieselbigenn Berge habenn vmb vnnd vmb, die alttenn Catten, feste Schlösser vnnd Heüser, derenn etliche vergangenn, etliche noch in Wesen seindt (: ohne zweiwell diß Saltzwergk für den Hermunduris vnd anndernn feindenn, zubeschutzenn :) erbauet:
Auf denselben Bergen haben ringsum die alten Chatten feste Schlösser und Häuser erbaut — von denen etliche vergangen sind, etliche noch bestehen —, ohne Zweifel, um dieses Salzwerk vor den Hermunduren und anderen Feinden zu schützen.
Sie habenn auch allenthalb Lanndtwehrenn, Haign,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Sie haben auch überall Landwehren, Hage …
Unsichere Lesungen
- Hall — Gemeint ist wohl das Salzwerk Halle an der Saale; Satzanfang liegt auf der Vorseite, Anschluss der Übersetzung daher rekonstruiert
S. 80
Bl. 37vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteGeknick, oder geneÿge1, Warttenn, Zugkbruckenn, vnnd dergleichenn furwehrenn, auffürenn, vnnd Inns werck sezenn lassenn, also das nicht wohl muglich, fur zeittenn (: da noch kein geschütz gewesenn, diesem ortt etwas abzubrechenn,
… Geknicke oder Geneige (gebogene Hecken), Warten, Zugbrücken und dergleichen Vorwehren aufführen und ins Werk setzen lassen, so dass es vor Zeiten — als es noch kein Geschütz gab — kaum möglich war, diesem Ort etwas anzuhaben.
Denn vom auffgang ist das Schlos Alttenstein ein sehr vhralt gebeü, in eyttelnn hohenn klipffenn, engenn vnnd vngenngigenn wegenn, gelegenn,
Denn gegen Sonnenaufgang liegt das Schloss Altenstein, ein sehr uraltes Gebäude, in lauter hohen Klippen, an engen und unwegsamen Wegen gelegen.
Inmittelst zwischenn Allenndorff vnnd Alttenstein, ist ein starck Lanndtwehr, welche durch die gehöltz vnnd felder allennthalb vor zeittenn durch gestrichen, mit der zeitt aber ann etlichenn enndtenn ein gerissenn wordenn,
Dazwischen, zwischen Allendorf und dem Altenstein, liegt eine starke Landwehr, die vor Zeiten überall durch die Gehölze und Felder gezogen war, mit der Zeit aber an etlichen Enden eingerissen worden ist,
vnnd ist dieses ortt, bis ann den Hohen Hörgbergk2, Racholdesbergk3, vnnd Goburgk4, also geschaffen, das mann alles was vonn den Tubantibus, Gambriuis5, vnnd Cattuarijs, herzu hatt wollenn, woll hatt hindertreibenn könnenn,
und dieser Ort ist bis an den Hohen Hörgberg, den Racholdesberg und die Goburg so beschaffen, dass man alles, was von den Tubanten, Gambriviern und Chattuariern heranwollte, wohl hat abwehren können.
Unsichere Lesungen
- geneÿge — Lesung unsicher; vgl. 'das Geneige' auf Blatt 38v
- Hörgbergk — Bergname unsicher gelesen
- Racholdesbergk — Bergname unsicher gelesen
- Goburgk — Wohl die Gobert/Goburg südöstlich von Allendorf; Anfangsbuchstabe G/S nicht ganz eindeutig
- Gambriuis — Stammesname unsicher; wohl die Gambrivii des Tacitus, Lesung könnte auch 'Gaudriuis' sein
- Wallis — Flurname unsicher gelesen; vgl. 'Wallisfeldt' auf Blatt 38r
S. 81
Bl. 38rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebreiter Wiesenn grundt ist, da möchtte wohl sein, das sich da herein, die Hermunduri herzu geschlüfften, vnnd daselb im Wallisfeldt1, die Schlacht möchtte geschehenn sein,
… breiterer Wiesengrund ist; da mag es wohl sein, dass sich die Hermunduren dort hereingeschlichen haben und dass ebendort im Wallisfeld die Schlacht geschehen sein mag.
Wie dauonn noch auff diesenn tagk, ein gemein geschrey, vnnd der ortt, da die Schlachtt geschehenn, der Mordtbach genennet wirdt,
Davon geht noch bis auf den heutigen Tag eine allgemeine Rede, und der Ort, an dem die Schlacht geschah, wird der Mordbach genannt.
Vom Mittag her ist die vorgenanntte Goburgk, Vesterburgk2, Fürstennstein, mit dem sehr vhralttenn Schlos Beýlstein, vnnd vom Beýlstein hernieder nichts denn Felsenn, vnnd steinechtte, vnnwegsame Berge,
Gegen Mittag liegen die vorgenannte Goburg, die Vesterburg und der Fürstenstein mit dem sehr uralten Schloss Bilstein, und vom Bilstein herab ist nichts als Felsen und steinige, unwegsame Berge,
deren einer auch vmb des willenn, das er beý nahe menschvnngenngig, der dambsteigk3, vonn den Dannenn, die da vielleicht Irenn stanndt gehapt, benennet wordenn,
von denen einer, weil er beinahe für Menschen unbegehbar ist, der Dannsteig genannt worden ist — nach den Tannen, die dort vielleicht ihren Stand gehabt haben.
Dieser Heuser vnnd Berge gelegennheitt, seindt auch also anngelegt vnnd gebauenn, das nicht muglich, das vor zeittenn Jemanndts dem Saltzwercke, hatt könnenn schadenn thun,
Diese Häuser und Berge sind ihrer Lage nach auch so angelegt und gebaut, dass es nicht möglich war, dass vor Zeiten jemand dem Salzwerk hätte Schaden zufügen können.
Dann ohne das, sie, nach annsehens der zeitt, ganntz feste, vnnd vnnvberwindtlich geschezt sein worden, SoLäuft auf der nächsten Seite weiter
Denn ohnehin wurden sie nach dem Ansehen jener Zeit für ganz fest und unüberwindlich geachtet; so …
Unsichere Lesungen
- Wallisfeldt — Flurname unsicher gelesen; vgl. 'Wallis' auf Blatt 37v
- Vesterburgk — Burgname unsicher; auch 'Westerburgk' möglich
- dambsteigk — Bergname unsicher; dem Kontext nach 'Dannsteig' (nach den Tannen benannt)
S. 82
Bl. 38vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteseindt doch vff beidenn seittenn der Werra, die Wege so ennge vnnd klipfficht, Nemblich im Klebe2, Rotennstein1, vnnd der Hardt, das auch die Wege dauonn die nahmenn bekommenn,
… sind doch auf beiden Seiten der Werra die Wege so eng und klippenreich — nämlich im Klebe, am Rotenstein und auf der Hardt —, dass die Wege auch davon ihre Namen bekommen haben
vnnd wie Jzt gehörtt, Klebe, vnnd Hardt, Das ist vom Harrenn vnnd Klebenn, genennet seindt wordenn, dieweil viele da klebenn bleibenn vnnd harrenn mustenn,
und, wie eben gehört, 'Klebe' und 'Hardt' genannt worden sind — das heißt vom Harren und Kleben, weil viele dort kleben bleiben und ausharren mussten.
Nach Niedergang ist die verwustete Westerburgk, derenn in Historijs gedacht wirdet, lieget gleich beý dem Salzwercke Sodenn, auff einem Klipffenn, oder promontorio,
Gegen Sonnenuntergang liegt die verwüstete Westerburg, deren in den Geschichtswerken gedacht wird; sie liegt gleich beim Salzwerk Sooden auf einer Klippe oder einem Vorgebirge (promontorium),
auff welchem mann die zwenn wege, in großenn vnnd kleinenn hain, Desgleichenn beide Haýn, vnnd das Geneige3, hatt verwahrenn könnenn,
von dem aus man die zwei Wege in den Großen und Kleinen Hain, desgleichen beide Haine und das Geneige hat sichern können.
dieselbigenn wege, seindt auch so ennge, das ganntz beschwerlich, ein Wagenn dem anndernn weichenn kann,
Dieselben Wege sind auch so eng, dass ein Wagen nur mit großer Mühe dem anderen ausweichen kann.
Also seindt auch vom Mitternacht hero, so große, hohe, vnnwegsame berge, Geholtz vnnd heckenn, Sonnderlich aber das Schlos Hannstein, das auch dannenn her, dem Salzwercke niemanndts leichtlich hattLäuft auf der nächsten Seite weiter
Ebenso liegen gegen Mitternacht so große, hohe, unwegsame Berge, Gehölze und Hecken, besonders aber das Schloss Hanstein, so dass auch von dorther dem Salzwerk niemand leicht hat …
Unsichere Lesungen
- Rotennstein — Bergname unsicher gelesen; Worttrennung Ro=tennstein
- Klebe — Erster Beleg sieht eher wie 'Klete' aus; nach der Namenserklärung ('vom Klebenn') als Klebe gelesen
- Geneige — Flur-/Sachbezeichnung unsicher; vgl. 'geneÿge' auf Blatt 37v
S. 83
Bl. 39rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitezu nahenn könnenn, Dieweil daselbst herauff, auf beidenn seittenn der Werra die Wege so ennge vnnd klipfficht,
… nahen können, weil dort hinauf auf beiden Seiten der Werra die Wege so eng und klippenreich sind,
das der einer die Soehl, in derenn sich die furleut stettigs besuddelnn, vnnd Soehlenn, vnd der annder die Hardt, vom Harrenn genennett wirdett,
dass der eine 'die Söhle' genannt wird — in der sich die Fuhrleute ständig besudeln und suhlen — und der andere 'die Hardt', vom Harren.
Auff diese masse, hatt Gott der almechttige, aus sonnderlicher, Göttlicher fursichttigkeitt, mitt vielfeltigem gutem gehöltz, vnnd mit allerleý naturlichenn furwerenn,
Auf diese Weise hat Gott der Allmächtige aus besonderer göttlicher Vorsehung dieses Salzwerk mit vielfältigem gutem Gehölz und mit allerlei natürlichen Vorwehren versehen,
Volgenndts auch die besitzer der anngrenntzendenn Heuser, Burge vnd Schlösser, vom adell vnnd andernn geschlechten, dieses Löblich, vhralt Salzwerck, vmbgebenn vnnd verwaret,
und in der Folge haben auch die Besitzer der angrenzenden Häuser, Burgen und Schlösser, vom Adel und anderen Geschlechtern, dieses löbliche, uralte Salzwerk umgeben und bewahrt.
also das daher vermutlich, das ob wohl die Hermunduren, auff der Wallis2 herunder, sich zu den Cattenn getrungenn, vnnd mitt Ihnenn vmb das Salzwergk geschlagenn,
Daher ist zu vermuten: Obwohl die Hermunduren die Wallis herunter zu den Chatten vorgedrungen sind und sich mit ihnen um das Salzwerk geschlagen haben,
doch nicht viel erhalttenn, sonndernn mit schadenn vnnd schanndenn, wieder abweichenn müßen,
haben sie doch nicht viel erreicht, sondern mussten mit Schaden und Schande wieder abziehen,
vnnd also die Cattenn beý Ihrem wolherbrachtennLäuft auf der nächsten Seite weiter
und so sind die Chatten bei ihrem wohlhergebrachten …
Unsichere Lesungen
- Soehl / Soehlenn — Wegname 'die Söhle' (Suhle); Lesung der Wortform am Zeilenende nicht ganz sicher (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Wallis — Flurname unsicher gelesen; vgl. Blatt 37v und 38r
S. 84
Bl. 39vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebesiz, in künfftige zeitt gebliebenn,
… Besitz auch in künftige Zeit geblieben.
Im Salzwercke Sodenn, findet mann auch altte annzeigungen, vnnd Monumenta, als das sehr altfrenckische2 Gebeu des Kirchturms, welcher auch also altt das ihnenn die lüfft1 naher mittagk zu, verzehret,
Im Salzwerk Sooden findet man auch alte Anzeichen und Denkmäler (Monumenta), wie das sehr altfränkische Gebäude des Kirchturms, der so alt ist, dass ihn die Luft gegen Mittag hin schon verzehrt hat,
da doch sonnstenn nach Niedergang vnnd Mitternacht zu, der Thurn sehr fest, mit eyttelnn polirten Quadersteinenn, auffgefürt, vnnd dermaßenn zusammenn gefügt ist, das mann nicht wohl die fügenn erkennenn kann,
während der Turm sonst, gegen Abend und Mitternacht hin, sehr fest aus lauter polierten Quadersteinen aufgeführt und dermaßen zusammengefügt ist, dass man die Fugen kaum erkennen kann.
Vnnd ist zur zeitt Bonifacij, der diesenn Thurn vnnd Kirchenn erbauet habenn soll, das furdertheil der Kirchenn, nach Mittag zu, beatæ Virgini,
Und zur Zeit des Bonifatius, der diesen Turm und die Kirche erbaut haben soll, wurde das Vorderteil der Kirche, gegen Mittag hin, der seligen Jungfrau (beatae Virgini) geweiht,
der hindertheil aber nach Mitternacht, in volgennder zeit da die abgöttereýenn zugenommenn, S. Bonifacio dediciret wordenn,
das Hinterteil aber, gegen Mitternacht hin, in der folgenden Zeit, als die Abgöttereien zunahmen, dem heiligen Bonifatius gewidmet (dediziert).
Daher denn alle Pfenner, mit weib vnnd kindernn, von den zeittenn Bonifacij ann, zu ewiger gedechtnus, Jerlich am S. Bonifacij tagk, auff dem Salzbrunnen,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Daher haben denn alle Pfänner mit Weib und Kindern von den Zeiten des Bonifatius an, zu ewigem Gedächtnis, jährlich am Sankt-Bonifatius-Tag auf dem Salzbrunnen …
Unsichere Lesungen
- lüfft — Lesung nicht ganz sicher; Sinn: die Witterung/Luft hat die Südseite des Turms verzehrt
- altfrenckische — Worttrennung altfrenck=ische; Lesung 'altfränkisch' aus dem Kontext
S. 85
Bl. 40rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteProceß, mitt allem Heÿligthumb, Creutzern vnnd Fahnen, nach Bäbstischem1 brauch gehalttenn, Meß auf dem Brunnen lesenn lassenn, vnnd semptlich Te Deum laudamus gesungenn,
eine Prozession mit allem Heiligtum, Kreuzen und Fahnen nach päpstlichem Brauch gehalten, Messe am Brunnen lesen lassen und gemeinsam das Te Deum laudamus gesungen.
So wurdett auch dafur gehalten, das S. Bonifacius, als ein Bischoff zu Mentz, dem sonst alle Zehenden dieser art Lanndes vonn altters her gebürenn, den Zehendenn darumb den Baurenn nachgelassenn, vnnd freÿ geschenckt, damit sie desto besser, des holzfürenns zum Salzwerck, abwarttenn köntten,
Es wurde auch dafür gehalten, dass der heilige Bonifatius als Bischof zu Mainz, dem sonst alle Zehnten dieser Gegend des Landes von alters her gebühren, den Bauern den Zehnten deshalb erlassen und frei geschenkt habe, damit sie desto besser das Holzfahren zum Salzwerk besorgen könnten.
Man hatt vber das alles, als mann Anno 1490. vnd Anno 1549. den Brunnen auffgebrochenn, vnnd verbessernn wollenn, wie denn auch beschehenn,
Über das alles hat man, als man Anno 1490 und Anno 1549 den Brunnen aufgebrochen hat und ihn verbessern wollte — wie es denn auch geschehen ist —,
vnder der erdenn in grundt Blöcher, Stobwerck, aitüchen2 vnnd dergleichenn befundenn, davonn in keinem Büchernn, oder sonst annderm gedechtnussenn einige nachrichttung, fürhandenn gewesenn,
unter der Erde im Grund Blöcke, Stubenwerk, Tücher und dergleichen gefunden, wovon in keinen Büchern oder sonstigen anderen Aufzeichnungen irgendeine Nachricht vorhanden gewesen ist.
Dem allem nach, vnnd insonderheitt, dieweil die Catten beÿ sich selbst, dis Salzwerck Je vnnd Allwegenn gehapt, vnnd demnach ihnenn vnvonnötenn gewesenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Dem allem nach, und insbesondere weil die Chatten dieses Salzwerk je und allezeit bei sich selbst gehabt haben und es ihnen demnach nicht vonnöten gewesen ist,
Unsichere Lesungen
- Bäbstischem — Anfangsbuchstabe B/P nicht ganz sicher
- aitüchen — Wort unklar; vielleicht 'Leitüchen' oder 'Leintüchen'; Übersetzung 'Tücher' unsicher
- [gestrichen: unleserlich] — gestrichenes Wort nach 'davonn' nicht mehr lesbar, evtl. 'nieman' (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
S. 86
Bl. 40vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitesich durch Ihrer feinde Lannde mitt gefahr, Inn frembde Salzwercker einzutringenn,
sich mit Gefahr durch die Länder ihrer Feinde in fremde Salzwerke einzudrängen,
bleib Ich beÿ dem Ptolomæo vnnd Shoppero1, vnnd las das Salzwerck Soden, das Salzwerck bleibenn, darumb sich die Catten, mit den Hermunduris gezweÿet habenn,
bleibe ich bei Ptolemäus und Schopper und lasse das Salzwerk Sooden dasjenige Salzwerk bleiben, um dessentwillen sich die Chatten mit den Hermunduren entzweit haben.
Will aber niemandts verachttenn der etwas bessers auff die ban bringet,
Ich will aber niemanden verachten, der etwas Besseres auf die Bahn bringt.
Woher aber das Salzwerck, den nahmenn Sodenn bekommenn, darff nicht vielets nachdennckenns, denn der nahme gibts ann sich selbst, das es vom Siedenn, Sodenn genennet wordenn,
Woher aber das Salzwerk den Namen Sooden bekommen hat, bedarf keines langen Nachdenkens, denn der Name gibt es von selbst zu erkennen: dass es vom Sieden 'Sooden' genannt worden ist.
Vnd ist aus oberzehlten vmbstendenn, leichtlich abzunehmenn, das ehir denn die Stadt erbauenn, die Sodenn benennet, vnnd gewesen,
Und aus den oben erzählten Umständen ist leicht abzunehmen, dass die Sooden benannt und vorhanden gewesen sind, ehe die Stadt erbaut wurde,
vnnd sich die besitzer vnnd Innhaber des Salzwercks, in der nehe herumb vf den Schlössernn vnnd Burgenn, damit sie ihr Salzwerck beschutzenn möchttenn, gehalttenn habenn,
und dass sich die Besitzer und Inhaber des Salzwerks in der Nähe ringsum auf den Schlössern und Burgen aufgehalten haben, damit sie ihr Salzwerk beschützen konnten.
So erscheinet auch, das die alttenn erstenn Pfenner, nicht schlechte noch geringe leute gewesenn, die auch die nahe gelegene grentze, Inn ihrem gewaltt, vnnd besitze gehapt,
So zeigt sich auch, dass die alten ersten Pfänner keine schlichten oder geringen Leute gewesen sind, die vielmehr auch das nahe gelegene Grenzgebiet in ihrer Gewalt und in ihrem Besitz gehabt haben.
Unsichere Lesungen
- Shoppero — Name in lateinischer Schrift; gemeinter Autor (Schopper?) nicht sicher identifiziert
- Beÿne= — am Zeilenende getrennt; Fortsetzung auf der Folgeseite, wohl 'Beyneburg' (Boyneburg)
S. 87
Bl. 41rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das erste Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteburgk, Eschwegh, Dörnbergk, Bischoffshausenn, Diedenn, Netter1, vnnd Hannstein, appenn2, die Rulannden, Schwanflügell, Rodenn, Gautzler3, Jringe4, vnnd anndere,
-burg, Eschwege, Dörnberg, Bischoffshausen, die Diede, Netter und die von Hanstein, die Appen, die Rulanden, Schwanflügel, Roden, Gautzler, Iringe und andere,
welche alle sehr altte geschlechtter sein, vnnd sehr reiche leute gewesenn, das Salzwergk allein für sich, vor Zeittenn Inngehapt, vnnd zum theil noch habenn,
welche alle sehr alte Geschlechter sind und sehr reiche Leute gewesen sind, die das Salzwerk vor Zeiten allein für sich innegehabt haben und es zum Teil noch haben.
Wanndt5 aber, wenn vnnd wie die Stadt gebauenn, ich noch nichts bestenndiges vernehmenn könnenn, So will Ich nurt dismahls darvonn sagenn, Woher sie denn nahmenn Allenndorff bekommenn,
Weil ich aber darüber, wann und wie die Stadt gebaut worden ist, noch nichts Beständiges habe in Erfahrung bringen können, so will ich diesmal nur davon sprechen, woher sie den Namen Allendorf bekommen hat.
Denn ettliche wollenn sagenn, das zum Haÿn, etliche dorffer soltenn gewesenn sein, welche hernachmals zusammenn gebauenn,
Denn etliche wollen sagen, dass beim Hain etliche Dörfer gewesen sein sollen, welche hernach zusammengebaut worden seien,
vnnd die Stadt so in der erst noch ein dorff, als vonn dreÿenn zusammenn gebauet, Alleindorff solle genennet wordenn sein, stimpts doch aus volgendem vhrsachenn, gar nicht vberein,
und die Stadt, die zuerst noch ein Dorf war, solle, weil aus dreien zusammengebaut, 'Alleindorf' genannt worden sein; das stimmt jedoch aus folgenden Ursachen gar nicht überein.
Denn ob schonn sein köntte, das etwa leute zum Haÿn gewonet, So könnens6 doch kein, oder doch in der warheit arme dorffer gewesenn sein, denn Je vmb vnd vmbLäuft auf der nächsten Seite weiter
Denn ob es schon sein könnte, dass etwa Leute beim Hain gewohnt haben, so können es doch keine oder jedenfalls in Wahrheit nur arme Dörfer gewesen sein; denn ringsum
Unsichere Lesungen
- Netter — Anfangsbuchstabe N/V unsicher, evtl. 'Vetter'
- appenn — kleingeschrieben; Familienname 'Appen' vermutet
- Gautzler — Name unsicher, evtl. 'Gauchler' oder 'Gaugler'
- Jringe — Name unsicher, wohl Familie 'Iring'
- Wanndt — archaische Konjunktion 'wand(t)' = weil; Lesung des Wortanfangs nicht ganz sicher
- könnens — auch 'kommens' lesbar; Sinn spricht für 'können es'
S. 88
Bl. 41vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)Das Erste Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteSteinklipffenn, vnnd alzusammen nicht soviel ebens Bodenns beÿhanndenn, das vier oder fünff hufe Lanndes, darab gemessenn werdenn könttenn,
sind Steinklippen, und insgesamt ist nicht so viel ebener Boden vorhanden, dass vier oder fünf Hufen Landes davon abgemessen werden könnten.
Vnnd da Je Jemanndts daselbst gewonet, so müstenns vielleicht arme holzheuwer vnnd Kolnmacher1 gewesenn sein,
Und wenn dort je jemand gewohnt hat, so müssten es vielleicht arme Holzhauer und Kohlenmacher gewesen sein,
Vnnd werdenn in der warheit, dannen her so reiche vnnd gewalttige Leut, kaumpt enntstehenn könnenn, die eine solche annsehenntliche Stadt, wie Allenndorff ist, hettenn annfangen vnnd erbauen könnenn,
und in Wahrheit hätten daraus kaum so reiche und mächtige Leute hervorgehen können, die eine so ansehnliche Stadt, wie Allendorf es ist, hätten anfangen und erbauen können.
Demnach denn Ichs gennzlich darfür haltte, das ann den örttenn, da noch die stehennde Maurschettel2 gesehen werdenn, vorzeiten, erstlich heidtnische, Volgentts papistische Wallennfarttenn, Wie denn solchs in Lucis breüchlich, gewesenn seÿenn,
Demnach halte ich es gänzlich dafür, dass an den Orten, wo noch die stehenden Mauerreste zu sehen sind, vor Zeiten zuerst heidnische, dann papistische Wallfahrten gewesen sind, wie solches in den Lucis (heiligen Hainen) gebräuchlich war,
Vnnd das darbenebenn, etwa die Æditui vnnd Götzennwartter, gewohnet, vnnd Ihrenn vnnderhaltt vonn den wenigenn annliegenden ackernn gehapt mügenn habenn,
und dass daneben etwa die Aeditui (Tempelhüter) und Götzenwärter gewohnt und ihren Unterhalt von den wenigen anliegenden Äckern gehabt haben mögen.
Wie denn auch noch beÿ beidenn verwüstetenn kirchenn, Keller vnnder der erdenn befundenn werdenn,
Wie denn auch noch bei beiden verwüsteten Kirchen Keller unter der Erde gefunden werden.
Unsichere Lesungen
- Kolnmacher — auch 'Kelnmacher' lesbar; gemeint sind Kohlenmacher (Köhler)
- Maurschettel — ungewöhnliches Wort; Übersetzung 'Mauerreste' sinngemäß