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Salzbibel · Lesetext · 1. Buch

Das erste Buch · S. 85–94

Der Beweis des hohen Alters · S. 85–94 · Bl. 40r–44v · Band 1

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Seiten am Stück

Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Der Beweis des hohen Alters

S. 49–90 · Bl. 22r–42v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch

S. 85

Bl. 40rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteProceß, mitt allem Heÿligthumb, Creutzern vnnd Fahnen, nach Bäbstischem1 brauch gehalttenn, Meß auf dem Brunnen lesenn lassenn, vnnd semptlich Te Deum laudamus gesungenn,

eine Prozession mit allem Heiligtum, Kreuzen und Fahnen nach päpstlichem Brauch gehalten, Messe am Brunnen lesen lassen und gemeinsam das Te Deum laudamus gesungen.

2

So wurdett auch dafur gehalten, das S. Bonifacius, als ein Bischoff zu Mentz, dem sonst alle Zehenden dieser art Lanndes vonn altters her gebürenn, den Zehendenn darumb den Baurenn nachgelassenn, vnnd freÿ geschenckt, damit sie desto besser, des holzfürenns zum Salzwerck, abwarttenn köntten,

Es wurde auch dafür gehalten, dass der heilige Bonifatius als Bischof zu Mainz, dem sonst alle Zehnten dieser Gegend des Landes von alters her gebühren, den Bauern den Zehnten deshalb erlassen und frei geschenkt habe, damit sie desto besser das Holzfahren zum Salzwerk besorgen könnten.

3

Man hatt vber das alles, als mann Anno 1490. vnd Anno 1549. den Brunnen auffgebrochenn, vnnd verbessernn wollenn, wie denn auch beschehenn,

Über das alles hat man, als man Anno 1490 und Anno 1549 den Brunnen aufgebrochen hat und ihn verbessern wollte — wie es denn auch geschehen ist —,

4

vnder der erdenn in grundt Blöcher, Stobwerck, aitüchen2 vnnd dergleichenn befundenn, davonn in keinem Büchernn, oder sonst annderm gedechtnussenn einige nachrichttung, fürhandenn gewesenn,

unter der Erde im Grund Blöcke, Stubenwerk, Tücher und dergleichen gefunden, wovon in keinen Büchern oder sonstigen anderen Aufzeichnungen irgendeine Nachricht vorhanden gewesen ist.

5

Dem allem nach, vnnd insonderheitt, dieweil die Catten beÿ sich selbst, dis Salzwerck Je vnnd Allwegenn gehapt, vnnd demnach ihnenn vnvonnötenn gewesenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Dem allem nach, und insbesondere weil die Chatten dieses Salzwerk je und allezeit bei sich selbst gehabt haben und es ihnen demnach nicht vonnöten gewesen ist,

Unsichere Lesungen

  1. Bäbstischem — Anfangsbuchstabe B/P nicht ganz sicher
  2. aitüchen — Wort unklar; vielleicht 'Leitüchen' oder 'Leintüchen'; Übersetzung 'Tücher' unsicher
  3. [gestrichen: unleserlich] — gestrichenes Wort nach 'davonn' nicht mehr lesbar, evtl. 'nieman' (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 86

Bl. 40vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitesich durch Ihrer feinde Lannde mitt gefahr, Inn frembde Salzwercker einzutringenn,

sich mit Gefahr durch die Länder ihrer Feinde in fremde Salzwerke einzudrängen,

2

bleib Ich beÿ dem Ptolomæo vnnd Shoppero1, vnnd las das Salzwerck Soden, das Salzwerck bleibenn, darumb sich die Catten, mit den Hermunduris gezweÿet habenn,

bleibe ich bei Ptolemäus und Schopper und lasse das Salzwerk Sooden dasjenige Salzwerk bleiben, um dessentwillen sich die Chatten mit den Hermunduren entzweit haben.

3

Will aber niemandts verachttenn der etwas bessers auff die ban bringet,

Ich will aber niemanden verachten, der etwas Besseres auf die Bahn bringt.

4

Woher aber das Salzwerck, den nahmenn Sodenn bekommenn, darff nicht vielets nachdennckenns, denn der nahme gibts ann sich selbst, das es vom Siedenn, Sodenn genennet wordenn,

Woher aber das Salzwerk den Namen Sooden bekommen hat, bedarf keines langen Nachdenkens, denn der Name gibt es von selbst zu erkennen: dass es vom Sieden 'Sooden' genannt worden ist.

5

Vnd ist aus oberzehlten vmbstendenn, leichtlich abzunehmenn, das ehir denn die Stadt erbauenn, die Sodenn benennet, vnnd gewesen,

Und aus den oben erzählten Umständen ist leicht abzunehmen, dass die Sooden benannt und vorhanden gewesen sind, ehe die Stadt erbaut wurde,

6

vnnd sich die besitzer vnnd Innhaber des Salzwercks, in der nehe herumb vf den Schlössernn vnnd Burgenn, damit sie ihr Salzwerck beschutzenn möchttenn, gehalttenn habenn,

und dass sich die Besitzer und Inhaber des Salzwerks in der Nähe ringsum auf den Schlössern und Burgen aufgehalten haben, damit sie ihr Salzwerk beschützen konnten.

7

So erscheinet auch, das die alttenn erstenn Pfenner, nicht schlechte noch geringe leute gewesenn, die auch die nahe gelegene grentze, Inn ihrem gewaltt, vnnd besitze gehapt,

So zeigt sich auch, dass die alten ersten Pfänner keine schlichten oder geringen Leute gewesen sind, die vielmehr auch das nahe gelegene Grenzgebiet in ihrer Gewalt und in ihrem Besitz gehabt haben.

8

Wie denn die vom Beÿne=2Läuft auf der nächsten Seite weiter

Wie denn die von Boyne-

Unsichere Lesungen

  1. Shoppero — Name in lateinischer Schrift; gemeinter Autor (Schopper?) nicht sicher identifiziert
  2. Beÿne= — am Zeilenende getrennt; Fortsetzung auf der Folgeseite, wohl 'Beyneburg' (Boyneburg)

S. 87

Bl. 41rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteburgk, Eschwegh, Dörnbergk, Bischoffshausenn, Diedenn, Netter1, vnnd Hannstein, appenn2, die Rulannden, Schwanflügell, Rodenn, Gautzler3, Jringe4, vnnd anndere,

-burg, Eschwege, Dörnberg, Bischoffshausen, die Diede, Netter und die von Hanstein, die Appen, die Rulanden, Schwanflügel, Roden, Gautzler, Iringe und andere,

2

welche alle sehr altte geschlechtter sein, vnnd sehr reiche leute gewesenn, das Salzwergk allein für sich, vor Zeittenn Inngehapt, vnnd zum theil noch habenn,

welche alle sehr alte Geschlechter sind und sehr reiche Leute gewesen sind, die das Salzwerk vor Zeiten allein für sich innegehabt haben und es zum Teil noch haben.

3

Wanndt5 aber, wenn vnnd wie die Stadt gebauenn, ich noch nichts bestenndiges vernehmenn könnenn, So will Ich nurt dismahls darvonn sagenn, Woher sie denn nahmenn Allenndorff bekommenn,

Weil ich aber darüber, wann und wie die Stadt gebaut worden ist, noch nichts Beständiges habe in Erfahrung bringen können, so will ich diesmal nur davon sprechen, woher sie den Namen Allendorf bekommen hat.

4

Denn ettliche wollenn sagenn, das zum Haÿn, etliche dorffer soltenn gewesenn sein, welche hernachmals zusammenn gebauenn,

Denn etliche wollen sagen, dass beim Hain etliche Dörfer gewesen sein sollen, welche hernach zusammengebaut worden seien,

5

vnnd die Stadt so in der erst noch ein dorff, als vonn dreÿenn zusammenn gebauet, Alleindorff solle genennet wordenn sein, stimpts doch aus volgendem vhrsachenn, gar nicht vberein,

und die Stadt, die zuerst noch ein Dorf war, solle, weil aus dreien zusammengebaut, 'Alleindorf' genannt worden sein; das stimmt jedoch aus folgenden Ursachen gar nicht überein.

6

Denn ob schonn sein köntte, das etwa leute zum Haÿn gewonet, So könnens6 doch kein, oder doch in der warheit arme dorffer gewesenn sein, denn Je vmb vnd vmbLäuft auf der nächsten Seite weiter

Denn ob es schon sein könnte, dass etwa Leute beim Hain gewohnt haben, so können es doch keine oder jedenfalls in Wahrheit nur arme Dörfer gewesen sein; denn ringsum

Unsichere Lesungen

  1. Netter — Anfangsbuchstabe N/V unsicher, evtl. 'Vetter'
  2. appenn — kleingeschrieben; Familienname 'Appen' vermutet
  3. Gautzler — Name unsicher, evtl. 'Gauchler' oder 'Gaugler'
  4. Jringe — Name unsicher, wohl Familie 'Iring'
  5. Wanndt — archaische Konjunktion 'wand(t)' = weil; Lesung des Wortanfangs nicht ganz sicher
  6. könnens — auch 'kommens' lesbar; Sinn spricht für 'können es'

S. 88

Bl. 41vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteSteinklipffenn, vnnd alzusammen nicht soviel ebens Bodenns beÿhanndenn, das vier oder fünff hufe Lanndes, darab gemessenn werdenn könttenn,

sind Steinklippen, und insgesamt ist nicht so viel ebener Boden vorhanden, dass vier oder fünf Hufen Landes davon abgemessen werden könnten.

2

Vnnd da Je Jemanndts daselbst gewonet, so müstenns vielleicht arme holzheuwer vnnd Kolnmacher1 gewesenn sein,

Und wenn dort je jemand gewohnt hat, so müssten es vielleicht arme Holzhauer und Kohlenmacher gewesen sein,

3

Vnnd werdenn in der warheit, dannen her so reiche vnnd gewalttige Leut, kaumpt enntstehenn könnenn, die eine solche annsehenntliche Stadt, wie Allenndorff ist, hettenn annfangen vnnd erbauen könnenn,

und in Wahrheit hätten daraus kaum so reiche und mächtige Leute hervorgehen können, die eine so ansehnliche Stadt, wie Allendorf es ist, hätten anfangen und erbauen können.

4

Demnach denn Ichs gennzlich darfür haltte, das ann den örttenn, da noch die stehennde Maurschettel2 gesehen werdenn, vorzeiten, erstlich heidtnische, Volgentts papistische Wallennfarttenn, Wie denn solchs in Lucis breüchlich, gewesenn seÿenn,

Demnach halte ich es gänzlich dafür, dass an den Orten, wo noch die stehenden Mauerreste zu sehen sind, vor Zeiten zuerst heidnische, dann papistische Wallfahrten gewesen sind, wie solches in den Lucis (heiligen Hainen) gebräuchlich war,

5

Vnnd das darbenebenn, etwa die Æditui vnnd Götzennwartter, gewohnet, vnnd Ihrenn vnnderhaltt vonn den wenigenn annliegenden ackernn gehapt mügenn habenn,

und dass daneben etwa die Aeditui (Tempelhüter) und Götzenwärter gewohnt und ihren Unterhalt von den wenigen anliegenden Äckern gehabt haben mögen.

6

Wie denn auch noch beÿ beidenn verwüstetenn kirchenn, Keller vnnder der erdenn befundenn werdenn,

Wie denn auch noch bei beiden verwüsteten Kirchen Keller unter der Erde gefunden werden.

Unsichere Lesungen

  1. Kolnmacher — auch 'Kelnmacher' lesbar; gemeint sind Kohlenmacher (Köhler)
  2. Maurschettel — ungewöhnliches Wort; Übersetzung 'Mauerreste' sinngemäß

S. 89

Bl. 42rBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Es seindt1 noch leut beÿ lebenn, die gut wissenns tragenn, das mann Jerlich dahin vnder dem Pabstumb, mitt allem Heilthumb, Creuz vnnd fahnenn gewallet,

Es sind noch Leute am Leben, die gutes Wissen davon tragen, dass man unter dem Papsttum jährlich mit allem Heiligtum, Kreuz und Fahnen dorthin gewallfahrtet ist.

2

Darumb las Ich diese thörecht vngegrundte meinung fahrenn, vnnd will mit dem M. Petro Nigidio seligen, der aus Allenndorff burttig, vnnd zu Marpurgk ein Professor gewesenn, vnnd dem Schoppero2 bleiben,

Darum lasse ich diese törichte, unbegründete Meinung fahren und will bei dem seligen Magister Petrus Nigidius, der aus Allendorf gebürtig und zu Marburg Professor gewesen ist, und bei dem Schopper bleiben

3

vnnd mitt Ihnenn die Stadt Hallenndorff, vom Salz, gleich wie Hall in Sachssenn, Hall in Schwabenn, nennenn,

und mit ihnen die Stadt 'Hallendorf' nennen, nach dem Salz — gleich wie Hall in Sachsen und Hall in Schwaben.

4

Vnnd soll mich hier nicht Irrenn noch hindernn, das zu dieser Zeitt das H. nicht hinzu gesezt wurdet, Dieweils für kurzenn Jarenn, beÿ vnnsernn furfahren breüchlich, das H. aussenn zulassenn,

Und es soll mich hier nicht irren noch hindern, dass zu dieser Zeit das 'H.' nicht hinzugesetzt wird, weil es vor wenigen Jahren bei unseren Vorfahren gebräuchlich war, das 'H.' wegzulassen.

5

Der almechttige Gott wolle hinfüro, dis herlich, löblich Salzwerck Soden, sampt der Stadt Allendorff, vnder dem Schuz vnnd schirm, seiner milttenn güete vnd barmherzigkeitt, noch lannge Zeitt, erhalttenn vnd bewahrenn,

Der allmächtige Gott wolle hinfort dieses herrliche, löbliche Salzwerk Sooden samt der Stadt Allendorf unter dem Schutz und Schirm seiner milden Güte und Barmherzigkeit noch lange Zeit erhalten und bewahren.

Unsichere Lesungen

  1. Es seindt — stark verschnörkelte Initiale; auch 'Als seindt' lesbar
  2. Schoppero — derselbe Autor wie auf Blatt 40v; Identifikation unsicher

S. 90

Bl. 42vBd. 11. Buch · Der Beweis des hohen AltersFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Dieses seindt nun also mein muttmassungen, meÿnungen, vnnd bedennckenn, vonn erster annkunfft, des Salzwercks Sodenn,

Dies sind nun also meine Mutmaßungen, Meinungen und Bedenken über den ersten Ursprung des Salzwerks Sooden.

2

vnnd dieweil daraus erscheinet, das es ein sehr altt Salzwerck seÿe, vnnd die angrenzenden vom Adell vnnd Geschlechtter, dasselbige Je vnnd alwegenn besessenn, vnnd eingehapt,

Und weil daraus erscheint, dass es ein sehr altes Salzwerk ist und die angrenzenden Angehörigen des Adels und der Geschlechter dasselbe je und allezeit besessen und innegehabt haben —

3

Ob sie denn schon nicht Eltere Priuilegia, denn die volgendenn habenn, So erscheinet doch, aus den Priuilegijs, das es auch ehe, zuuor die priuilegia erlanngtt wordenn, ein Salzwergk gewesenn seÿe,

obwohl sie denn keine älteren Privilegien als die folgenden haben, so erscheint doch aus den Privilegien, dass es auch schon, ehe die Privilegien erlangt worden sind, ein Salzwerk gewesen ist,

4

Vnnd aus fahrlessigkeit der alttenn, alles was weitters notwenndigk zuwissenn, in windt geschlagenn, vnnd in vergeß gestellet werdenn1,

und dass aus Fahrlässigkeit der Alten alles, was weiter zu wissen notwendig wäre, in den Wind geschlagen und dem Vergessen anheimgestellt worden ist.

Unsichere Lesungen

  1. werdenn — Schreibung 'werdenn' statt erwartetem 'wordenn'; sinngemäß Partizip

Die Privilegien der Pfänner

S. 91–144 · Bl. 43r–69v · Bd. 1 · Zeitleiste: 1. Buch

S. 91

Bl. 43rBd. 11. Buch · Die Privilegien der PfännerFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Das Erste Buch.

Das Erste Buch.

2

I.

I.

3

Wir Heinrich Gottes gnadenn Lanndtgraue, Herre des Lanndes zu Hessenn, Mechtildt vnse Werthin, vnnd Johann vnse sohnn, vnnd vnse erbenn, Bekennen ann disem Jegennwerttigem brieffe, allenn die den hörenn vnd sehenn,

Wir Heinrich, von Gottes Gnaden Landgraf, Herr des Landes zu Hessen, Mechthild, unsere Gemahlin, und Johann, unser Sohn, und unsere Erben bekennen mit diesem gegenwärtigen Brief allen, die ihn hören und sehen:

4

Das wir wolttenn mehr Pfannen hann gesatzet, zum Soden, auff das Saltzwergk, das wir des aber enkommen, mit den geburenn von Soden, die geerbet sein zu deme Saltzwercke,

Wir wollten mehr Pfannen zum Soden auf das Salzwerk gesetzt haben; davon sind wir aber in Übereinkunft mit den Gebauern von Soden abgekommen, die an dem Salzwerk erbberechtigt sind,

5

das wir do keine Pfannenn, do mehr sollenn setzenn,

sodass wir dort keine Pfannen mehr setzen sollen.

6

Darumb sollenn sie vnnd Ihre erbenn, vns efft vnnserm erbenn gebenn, alle Jar vierzehenn tage, vor Sancte Johannes tage, zu mittenn Sommer, fünff vnnd zwenzigk Vbene1 Saltzes,

Dafür sollen sie und ihre Erben uns oder unseren Erben jedes Jahr vierzehn Tage vor dem Sankt-Johannes-Tag zu Mittsommer fünfundzwanzig Übene Salz geben;

7

das Saltz sollenn sie vmbantwurtten2, zu Cassell Inn vnnser Stadt, vf Ihre kostenn, vnnd vnder vnnser geleide, vor allen den, die dar vns thun vnnd lassenn wollenn3,

das Salz sollen sie uns in unserer Stadt Kassel auf ihre Kosten und unter unserem Geleit überantworten, geschützt vor allen, die ihnen dort etwas tun oder es hindern wollen.

8

Darumb das diese rede stette vnd gantz bleiben, Darauff gebenn wir diesenn brieff, gefestet vnnd besiegelt, mitt vnnseme Ingesiegeltte, offt4 vnnser Wirthin, wanntte5 Johann vnse Sohn,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Damit diese Abrede stet und unverbrüchlich bleibe, geben wir darauf diesen Brief, bekräftigt und besiegelt mit unserem Ingesiegel und auch dem unserer Gemahlin, weil Johann, unser Sohn,

Unsichere Lesungen

  1. Vbene — Salzmaß; Lesung des Wortes sicher, Bedeutung/Schreibung unsicher (Übene?)
  2. vmbantwurtten — = überantworten, abliefern; Parallelstelle Bl. 44r bestätigt die Lesung
  3. die dar vns thun vnnd lassenn wollenn — Wendung unklar, Übersetzung sinngemäß
  4. offt — wohl „auch“/„oder“; Lesung offt sicher, Deutung unsicher
  5. wanntte — mhd. wande/wante = weil; Strich durch tt ist Zierstrich, keine Tilgung (Fortsetzung S. 92: nicht Ingesiegelt hatt)

S. 92

Bl. 43vBd. 11. Buch · Die Privilegien der PfännerFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Das Erste Buch.

Das Erste Buch.

2

Fortsetzung von der vorigen Seitenicht Ingesiegelt hatt, vnnd diese brieff ist gegebenn In dem Jare, da mann zaltte, vonn vnsers Herrenn Gottes geburt, Dreyzehenn Hundert Jar, am Sant Walpurs1 tag etc.

kein eigenes Ingesiegel hat. Und dieser Brief ist gegeben in dem Jahr, da man von unseres Herrn Gottes Geburt dreizehnhundert Jahre (1300) zählte, am Sankt-Walpurgis-Tag usw.

3

2.

2.

4

Wir Alheitt des Edelenn Furstenn Hertzogen Alberts dochter vonn Braunschweigk, die etwanne des Edelenn Furstenn Lanndtgrauen Johanns von Hessen Hausfrauwe was, Bekennenn offembarlich, allenn den die diesenn Jegennwerttigenn briefft sehen vnd hörenn lesenn,

Wir Adelheid, Tochter des edlen Fürsten Herzog Albrechts von Braunschweig, die einst die Ehefrau des edlen Fürsten Landgraf Johanns von Hessen war, bekennen öffentlich allen, die diesen gegenwärtigen Brief sehen und lesen hören,

5

das wir diesenn nachbeschriebenenn briefft vonn wortte zu wortte vnd gezeichnet2, mit vnnsers Herrnn vnnd Schwegers, Lanndtgrauenn Henrichs, vnnd mitt vnnser frauwenn vnnd Schwegerin Mechtildt Lanndtgrauinne, Ingesiegeln, gesehenn, gehört, vnnd gelesenn hann,

dass wir diesen nachbeschriebenen Brief von Wort zu Wort gesehen, gehört und gelesen haben, gezeichnet mit den Ingesiegeln unseres Herrn und Schwagers, Landgraf Heinrichs, und unserer Frau und Schwägerin Mechthild, der Landgräfin.

6

Wir Henrich Gotts gnadenn Lanndtgraue, Herre des Lanndes zu Hessenn, Mechtildt vnser Wirthinne, vnd JohanLäuft auf der nächsten Seite weiter

„Wir Heinrich, von Gottes Gnaden Landgraf, Herr des Landes zu Hessen, Mechthild, unsere Gemahlin, und Johann

Unsichere Lesungen

  1. Walpurs — Sankt-Walpurgis-Tag (1. Mai); Schreibung der Handschrift
  2. vnd gezeichnet — Satzbau der Vorlage sperrig; Übersetzung stellt um

S. 93

Bl. 44rBd. 11. Buch · Die Privilegien der PfännerFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Das Erste Buch

Das Erste Buch

2

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnse sohnn, vnnd vnnse Erbenn, Bekennenn ann diesem Jegennwerttigen brieffe, allen den die Ihnen hörenn vnnd sehenn,

unser Sohn, und unsere Erben bekennen mit diesem gegenwärtigen Brief allen, die ihn hören und sehen:

3

das wir wolttenn mehr Pfannen hann gesatzet, zum Sodenn, vff das Saltzwergk, das wir des vber ein komenn, mit dem geburenn vom Soden, die geerbet sein zu dem Saltzwercke,

Wir wollten mehr Pfannen zum Soden auf das Salzwerk gesetzt haben; darüber sind wir aber mit den Gebauern vom Soden übereingekommen, die an dem Salzwerk erbberechtigt sind,

4

das wir do keine Pfannenn, do mehr sollenn setzenn,

sodass wir dort keine Pfannen mehr setzen sollen.

5

Darumb sollenn sie vnnd Ihre erbenn, vnns vnd vnsern erben gebenn, alle Jar vierzehenn tage, vor Sant Jaannis1 tage zu mittem Sommer, fünff vnnd zwenzigk Vbene2 saltzes,

Dafür sollen sie und ihre Erben uns und unseren Erben jedes Jahr vierzehn Tage vor dem Sankt-Johannis-Tag zu Mittsommer fünfundzwanzig Übene Salz geben;

6

das saltz sollenn sie vmbantwurtten zu Cassell Inn vnnser Stadt, vf Ihre kost, vnnd in vnnserm geleitte, vor allen den die durch vns thun vnd lassenn wollen3,

das Salz sollen sie in unserer Stadt Kassel auf ihre Kosten und unter unserem Geleit überantworten, geschützt vor allen, die ihnen dort etwas tun oder es hindern wollen.

7

Darumb das diese rede stette vnnd gantz bleibe, darauff gebenn wir diesenn briefft, besiegelt mit vnserm Ingesiegell, vnd vnnser Wirthinne, Wann Johann vnnser sohnn nicht Ingesiegelt hatt,

Damit diese Abrede stet und unverbrüchlich bleibe, geben wir darauf diesen Brief, besiegelt mit unserem Ingesiegel und dem unserer Gemahlin, weil Johann, unser Sohn, kein eigenes Ingesiegel hat.

8

Diese brieff ist gegebenn, nach Gottes geburt, Dreyzehen Hundertt Jahr,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Dieser Brief ist gegeben nach Gottes Geburt im Jahr 1300,

Unsichere Lesungen

  1. Jaannis — so die Handschrift; gemeint ist Johannis
  2. Vbene — Salzmaß, vgl. Bl. 43r
  3. die durch vns thun vnd lassenn wollen — Wendung unklar, Übersetzung sinngemäß wie Bl. 43r

S. 94

Bl. 44vBd. 11. Buch · Die Privilegien der PfännerFaksimile (ORKA)

Das Erste Buch

1

Das Erste Buch.

Das Erste Buch.

2

Fortsetzung von der vorigen Seitean Sant Walpurge tage,

am Sankt-Walpurgis-Tag.“

3

Diesenn Jegennwerttig1 brieff, als er vonn worte zu wortte geschriebenn ist, verneuwenn wir, vnnd stettigenn Inn, also, das wir wollenn Ine in allenn stuckenn, stette halttenn,

Diesen gegenwärtigen Brief, wie er von Wort zu Wort geschrieben ist, erneuern und bestätigen wir, sodass wir ihn in allen Stücken stet halten wollen —

4

also doch, das mann vmb das vorgenanntte Saltz, vnns anntworttenn soll, so wir wollenn binnen den festen vnsers liebgedinges, vnnd verwehre2,

doch so, dass man uns das vorgenannte Salz dorthin überantworten soll, wohin wir wollen, innerhalb der Festen unseres Leibgedinges und Gewahrsams.

5

zu sonnden gnadenn Wollenn wir, das dieselbenn gebuer zum Soden in allem rechtte vnnd gewonheitt, mit Inen steden bliebenn, die sie gehatt hann, vonn vnsers Herrenn Lanndtgrauen Henrichenn, vnnd Johanns vnsers vetters geziettenn, bis ann vnns,

Aus besonderer Gnade wollen wir, dass dieselben Gebauern zum Soden bei allem Recht und aller Gewohnheit unverändert bleiben, die sie von den Zeiten unseres Herrn Landgraf Heinrichs und Johanns, unseres Vetters, bis auf uns gehabt haben,

6

also das wir, noch vnnse arme Leute, sie furwert nichtes sollen dringk3,

sodass weder wir noch unsere armen Leute sie fortan in irgendetwas bedrängen sollen.

7

Des gebenn wir diesenn Jegenwurttigenn brieff, zu gewisheit mit vnnserm Ingesiegele gezeichnet,

Dessen geben wir diesen gegenwärtigen Brief, zur Sicherheit mit unserem Ingesiegel gezeichnet.

8

Der ist gegebenn nach Gottes geburtt, Dreyzehenn Hundert Jar, vnnd in dem Eilfften4 Jare, am dem Sonntage vor Mitfastenn.

Er ist gegeben nach Gottes Geburt im Jahr 1311, am Sonntag vor Mitfasten.

Unsichere Lesungen

  1. Jegennwerttig — Wortende mit Zierschwung, evtl. Jegennwerttigenn
  2. vnnd verwehre — Deutung unsicher: wohl Gewahrsam/Verwahrung
  3. dringk — Wortende verschliffen, wohl dringen = bedrängen
  4. Eilfften — erster Buchstabe undeutlich (auch filfften lesbar); Randvermerk Anno 1311 auf Bl. 43v stützt Eilfften

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