Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 109–118
Berkers Baubericht von 1550 · S. 109–118 · Bl. 53r–57v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Berkers Baubericht von 1550
S. 103–277 · Bl. 50r–137v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 109
Bl. 53rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Vff beuelch vnnsers gnedigenn fürstenn vnnd herrnn zu Hessenn habenn wir etliche aus den Pfannhern2 bey euch, annhero beschriebenn,
Auf Befehl unseres gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen haben wir etliche von den Pfannherren bei euch hierher einberufen,
vf nechstenn Sonntagk den 10. dieses Monats Jegenn abendt alhie annzukommenn, vnnd nebenn vnns, wie den gebrechenn des Saltzbronns zu helffenn sein wolle, zu redenn vnnd zu rathschlagen
damit sie am nächsten Sonntag, dem 10. dieses Monats, gegen Abend hier eintreffen und mit uns darüber reden und beratschlagen, wie den Gebrechen des Salzbrunnens abzuhelfen sei.
Dieweil nun die notturfft erfordert, das ihr auch bey solchem hanndell seyet, So ist in nahmenn sfgl. vnnser begere, Ir wöllet als dann auch alhie annkommen,
Weil nun die Notdurft erfordert, dass auch ihr bei dieser Verhandlung zugegen seid, so ist im Namen Seiner Fürstlichen Gnaden unser Begehren, ihr wollet alsdann ebenfalls hier eintreffen
vnnd zwene verstenndige Söder3 |: welchenn Ir doch die vrsachenn, weshalbenn ihr annhero beschriebenn seidt, nicht eröfnenn sollet :| mitbringet,
und zwei verständige Sieder mitbringen – denen ihr jedoch die Gründe, weshalb ihr hierher einberufen worden seid, nicht eröffnen sollt –,
Unsichere Lesungen
- Gönnere — Endung unsicher (Gönnere/Gönnern)
- Pfannhern — Lesung unsicher (Pfannherrn/Pfennern)
- Söder — Anfangsbuchstabe S/B nicht sicher; 'Sieder' aus dem Kontext erschlossen
- Geschickt — Lesung unsicher, auch 'Geschicht' möglich
S. 110
Bl. 53vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegeschicht sfgl. meinung1, So seindt wir euch mit gunstenn geneigt
…geschieht nach Seiner Fürstlichen Gnaden Meinung; und wir sind euch mit Gunst geneigt.
Ann Renndtmeister vnnd Saltzwartenn zu Allenndorff ann der Werra,
An den Rentmeister und die Salzwarte zu Allendorf an der Werra.
Darauf ist den 11. Julij desselbenn Jars berathschlagt, wie volget,
Daraufhin ist am 11. Juli desselben Jahres beratschlagt worden, wie folgt:
Unsichere Lesungen
- geschicht sfgl. meinung — Zeilenanordnung zweispaltig; Lesereihenfolge rekonstruiert (linke und rechte Halbzeilen)
S. 111
Bl. 54rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Wie dem Saltzbronn daselbst zum Sodenn für Allenndorff ann der Werra ann dem fürstehenndenn1 mangell zuhelffenn sein wolt.
Wie dem Salzbrunnen dort zum Sooden vor Allendorf an der Werra bei dem bevorstehenden Mangel zu helfen sein sollte.
Vonn wegenn vnsers gnedigenn Herrnn, durch den hern Stadthalter Rudolff Schennck, Lanndtvogt, Doctor Waltter, Henrich Muldener, Jost Bertternn2 den Renndtmeister vnd Salzewardt3 zum Sodenn
Von wegen unseres gnädigen Herrn: durch den Herrn Statthalter Rudolf Schenck, Landvogt, Doktor Walter, Heinrich Muldener und Jost Berttern, den Rentmeister und Salzwart zum Sooden.
Vonn Gemeiner Pfenner wegenn: Johann Riedennstein, Johann Schaffnit, Chias Cherey4, Hanns Meuth5.
Von Seiten der gemeinen Pfenner: Johann Riedenstein, Johann Schaffnit, Chias Cherey, Hans Meuth.
Also ist gemeiner Pfenner bedennckenn, dieweil die gebeue vmb den Salzbronn, durch lennge der zeit etwas manngelhafftigk sein köntt, damit man sich dann nit in sorgliche gebeu begebe,
Also ist das Bedenken der gemeinen Pfenner: Weil die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft sein könnten – und damit man sich dann nicht auf bedenkliche Bauarbeiten einlassen muss –,
das mann den Tam vmb den Bronnenn offne, vnd besehe, ob manngell da befundenn, köndt mann ein neu fas vnnd Tam darumb schlagen vnd machenn, das dann sonnder grosse beschwerung geschehenn köntte.
dass man den Damm um den Brunnen öffne und nachsehe, ob dort Mängel gefunden werden; dann könnte man ein neues Fass und einen neuen Damm darum schlagen und errichten, was ohne große Beschwernis geschehen könnte.
Unsichere Lesungen
- fürstehenndenn — Lesung des Wortes nicht ganz sicher; Sinn 'bevorstehenden/vorstehenden' Mangel.
- Bertternn — Familienname des Rentmeisters Jost nicht sicher lesbar.
- Salzewardt — Amtsbezeichnung nicht sicher; wohl 'Salzwart' (Aufseher des Salzwerks).
- Chias Cherey — Vor- und Nachname unsicher; 'Chias' wohl Kurzform von Matthias.
- Meuth — Nachname unsicher, auch 'Reuth' möglich.
S. 112
Bl. 54vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Johann Schafnit bericht, wann der Sohlgrabe gereumbt, so habe der Bronn keinenn1 manngell.
Johann Schaffnit berichtet: Wenn der Sohlgraben geräumt werde, habe der Brunnen keinen Mangel.
Item der Bronn ist vor zehenn Jarenn vber den Zapffen gestigenn, vnnd bleibt itzo darunter, darumb muß der Bronn manngelhafftigk sein.
Ferner: Der Brunnen ist vor zehn Jahren über den Zapfen gestiegen und bleibt jetzt darunter; darum muss der Brunnen mangelhaft sein.
Hanns Meutenn meinung ist, das mann den Bornn mitt pompenn außöse2, als dann köndt mann sehenn, ob an den ädernn manngell seÿ oder nicht.
Hans Meuths Meinung ist, dass man den Brunnen mit Pumpen ausschöpfe; dann könnte man sehen, ob an den Adern ein Mangel sei oder nicht.
Lanndtvogt beschleust mit das der Sohlgrabe gereumbt werde, zum anndernn das verstenndige leute, so sich vff grundt beue, nebenn den Rethenn im augennschein vf einem namhafftigenn tagk verordenet wurdenn, darvonn zu rathschlagenn,
Der Landvogt beschließt mit, dass der Sohlgraben geräumt werde; zum anderen, dass verständige Leute, die sich auf Grundbauten verstehen, neben den Räten zur Besichtigung auf einen benannten Tag verordnet würden, um darüber zu beraten;
zum drittenn das eh3 Meister Jorgenn Baw vnnd Kunst dem hauptwerck sehr schedtlich vnnd furderlich abzuthun seÿ.
zum dritten, dass Meister Jörgens Bau und Kunst (Pumpwerk) dem Hauptwerk sehr schädlich und schleunigst zu beseitigen sei.
Des Herrnn Stadthalters meinung ist, das der Sohlgrabe vollennt geraumbt werde vfs furderlichst, vnnd dieweil der Tam vmb den Salzbronn manngelhafftigk, das demselbenn furderlich gerathenn, vnnd das Innsonnderheit nach itzigem furhabenndem Lanndtage,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Des Herrn Statthalters Meinung ist, dass der Sohlgraben aufs Förderlichste vollends geräumt werde; und weil der Damm um den Salzbrunnen mangelhaft ist, dass demselben umgehend abgeholfen werde, und dass insbesondere nach dem jetzt bevorstehenden Landtag,
Unsichere Lesungen
- keinenn — Wort mit langem Querstrich durchzogen; als Zierstrich (nicht Tilgung) gedeutet, da sonst der Satzsinn fehlt.
- außöse — Lesung nicht ganz sicher; Sinn 'ausschöpfe/auspumpe'.
- eh — Kurzes Wort vor 'Meister Jorgenn' unsicher lesbar (evtl. 'es' oder Kürzel); in der Übersetzung unberücksichtigt.
S. 113
Bl. 55rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteim augennschein davonn gerathschlagt vnnd gehanndelt werde.
bei einer Besichtigung darüber beraten und verhandelt werde.
Solches alles ist Jorgenn Behm furgehaltenn, dieweil die Kunst den Bronnenn beschwert, so muste sie abgethann werdenn, Weiße er nun annder mittell, die sohle heraus zubringenn, soll gehort, vnnd Ime darzu geholfenn werdenn,
Dies alles ist Jörgen Behm vorgehalten worden: Weil die Kunst (das Pumpwerk) den Brunnen belastet, müsste sie beseitigt werden; wisse er nun andere Mittel, die Sole herauszubringen, soll er gehört und ihm dazu geholfen werden.
darauf sagt Jörge Behm, die Kunst seÿ dem Bronnenn vnschedtlich, ziehe sich des vf alle verstenndige Bergkleute.
Darauf sagt Jörge Behm, die Kunst sei dem Brunnen unschädlich; er berufe sich dafür auf alle verständigen Bergleute.
Vff solche behanndelung ist dieser abschiedt gebenn, das nach diesem itzigenn furstehenndem Lanndtage am Vfies1, der Stadthalter, Lanndtvogt, Johann Nordeck, Heinz von Lutter2, der Baumeister zu Ziegennhain, Henrich Muldener, vnnd annder verstenndige Werckleuthe,
Auf diese Verhandlung hin ist dieser Abschied gegeben: dass nach diesem jetzt bevorstehenden Landtag alsbald der Statthalter, der Landvogt, Johann Nordeck, Heinz von Lutter, der Baumeister zu Ziegenhain, Heinrich Muldener und andere verständige Werkleute
vf einem namhafftigenn tage, Welcher der Stadthalter benennenn wirdet, im augennschein zum Sodenn annkommenn, vnnd vonn solchem manngell wie dem zuvorkommenn zu rathschlagenn.
an einem festgesetzten Tag, den der Statthalter benennen wird, zur Besichtigung zum Sooden kommen und über solchen Mangel – und wie ihm zuvorzukommen sei – beraten sollen.
Vnnd mitlerweÿl soll der Sohlgrabe geraumpt werdenn, Da auch die Pfenner etliche verstenndige Bauleute darzuLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und mittlerweile soll der Sohlgraben geräumt werden, wozu auch die Pfenner etliche verständige Bauleute
Unsichere Lesungen
- am Vfies — Wort nach 'Lanndtage' nicht sicher lesbar; vielleicht 'am schirsten' (= alsbald). Übersetzung sinngemäß 'alsbald'.
- Lutter — Name 'Heinz von Lutter' — u-Bogen ohne eindeutige Umlautzeichen, auch 'Lütter' möglich.
S. 114
Bl. 55vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedienlich, habenn vnnd bekommenn köntenn, Sollen sie vleis annkerenn, die werenn vffm Hain1, Inn oder außerhalb Lanndts, oder ann annderm orttenn,
die dienlich wären, beschaffen und bekommen könnten, sollen sie Fleiß aufwenden, seien diese auf dem Hain, innerhalb oder außerhalb des Landes oder an anderen Orten;
Vnnd das sie darann nichts sparenn soltenn, keme2 Ihnenn Irenn Erbenn vnnd nachkommenn selbst zum besten.
und dass sie daran nichts sparen sollten – es käme ihnen, ihren Erben und Nachkommen selbst zum Besten.
Dieweil nun die besichtigung vnnd weitter Hanndelung im augennschein geschehenn solle, So habenn die fürstliche Herrnn Stadthalter vnnd Räthe darin den erstenn Septembris daselbst zum Sodenn zu ein tage anngesezt, daselbst sein erschienenn, vnnd ist verhanndelt wie volgtt.
Weil nun die Besichtigung und die weitere Verhandlung in Augenschein geschehen sollten, haben die fürstlichen Herren Statthalter und Räte dafür den 1. September dort zum Sooden als Tag angesetzt, sind dort erschienen, und es ist verhandelt worden wie folgt.
Unsichere Lesungen
- vffm Hain — Lesung 'Hain' nicht ganz sicher; wohl Ortsangabe (auf dem Hain).
- keme — Wort vor 'Ihnenn' nicht ganz sicher; Sinn 'es käme ihnen ... zum Besten'.
S. 115
Bl. 56rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Beratsschlagt wie dem manngell des Saltzbronnes möchte gerathenn werdenn
Beratschlagt, wie dem Mangel des Salzbrunnens abgeholfen werden könnte.
Vonn wegenn vnnsers gnedigenn fürstenn vnnd Herrn: stzl1 Stadthalter Rudolff Schennck zu Schweinsburgk2, der Lanndtvogt Sigmundt vonn Beÿneburgk3, Heinz vonn Lutter Hauptmann zu Ziegennhain,
Von wegen unseres gnädigen Fürsten und Herrn: der Statthalter Rudolf Schenck zu Schweinsberg, der Landvogt Sigmund von Boyneburg, Heinz von Lutter, Hauptmann zu Ziegenhain,
Johann Nordeck, Henrich Muldener, Valtin Schulde4, Jost Berker5, Hanns Geilmann6 Schultheis von Hombergk, Renndtmeister zum Sodenn Johann Bartholmes, Salzwardt zum Sodenn Christoff Hombergk.
Johann Nordeck, Heinrich Muldener, Valentin Schulde, Jost Berker, Hans Geilmann, Schultheiß von Homberg, der Rentmeister zum Sooden Johann Bartholmes und der Salzwart zum Sooden Christoff Homberg.
Vonn wegenn Gemeiner Pfänner vnnd für sies selbst.
Von Seiten der gemeinen Pfänner und für sich selbst:
Ernnst vonn Bischausenn, Hans Caspar7 von Eschwege, Bernnt vonn Bischausenn, Her Wilhelm Prediger Dechant zu Hilgennstadt, Her Henrich Löber vonn Hilgennstadt.Läuft auf der nächsten Seite weiter
Ernst von Bischhausen, Hans Caspar von Eschwege, Bernd von Bischhausen, Herr Wilhelm, Prediger und Dechant zu Heiligenstadt, Herr Heinrich Löber von Heiligenstadt …
Unsichere Lesungen
- stzl — Kürzel vor 'Stadthalter' nicht sicher aufzulösen; in der Übersetzung ausgelassen.
- Schweinsburgk — Wohl 'Schweinsbergk' — die Familie Schenck zu Schweinsberg.
- Beÿneburgk — Gemeint ist die Familie von Boyneburg.
- Valtin Schulde — Nachname unsicher, auch 'Schilde' möglich.
- Jost Berker — Nachname unsicher; wohl dieselbe Person wie 'Jost Bertternn' auf Blatt 54r.
- Geilmann — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher, auch 'Seilmann' möglich.
- Caspar — Vorname des Hans von Eschwege nicht ganz sicher lesbar.
S. 116
Bl. 56vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteJörge Freundt Renndtschreiber zu Eschwege, Johann Schaffnit der Elter, Johann Nidernstein1, Johann Caßelmann, Hanns Meuth, Heinz Meinhardt, Chias Choreÿ2,
Jörge Freundt, Rentschreiber zu Eschwege, Johann Schaffnit der Ältere, Johann Nidernstein, Johann Casselmann, Hans Meuth, Heinz Meinhardt, Chias Chorey,
Curt Rulanndt3, Jörge Gauwler4, Hanns Möller der Eltter, Alexannder Jordann, Bernnhardt Wallis vnnd annder Bürger die Pfentzsch5.
Curt Ruland, Jörge Gauwler, Hans Möller der Ältere, Alexander Jordan, Bernhard Wallis und andere Bürger, die Pfänner sind.
Actum Allenndorff ann der Werra den erstenn Septembris Anno 47.
Geschehen zu Allendorf an der Werra, den 1. September im Jahr 1547.
Der Herr Stadthalter erzehlt die Hanndelung zu Cassell, vnnd befihlt den verordenntenn der Pfenner beÿ den Pflichtenn, damit sie vnnserm gnedigenn fürstenn vnnd herrnn verwanndt sein,
Der Herr Statthalter berichtet über die Verhandlung zu Kassel und gebietet den Verordneten der Pfänner bei den Pflichten, mit denen sie unserem gnädigen Fürsten und Herrn verbunden sind,
Wes sie sich bedacht habenn, wie dem manngell zuvorkommenn, anzuzeigenn, vnnd zum bestenn mit anrathen zuhelffenn.
anzuzeigen, was sie sich überlegt haben, wie dem Mangel zuvorzukommen sei, und zum Besten mit ihrem Rat zu helfen.
Unsichere Lesungen
- Nidernstein — Anfangsbuchstabe N/R mehrdeutig; wohl dieselbe Person wie 'Johann Riedennstein' auf Blatt 54r.
- Chias Choreÿ — Vor- und Nachname unsicher (auf Bl. 54r als 'Chias Cherey' gelesen).
- Rulanndt — Anfangsbuchstabe R/M mehrdeutig; auch 'Mulanndt' möglich.
- Gauwler — Nachname unsicher; auch 'Gaißler' oder 'Saurler' denkbar.
- Pfentzsch — Wort nach 'Bürger die' nicht sicher lesbar; dem Sinn nach 'Pfänner'.
S. 117
Bl. 57rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Darauf die Pfenner ein klein bedennckenn gebettenn, ist Ihnenn zugelassenn,
Daraufhin haben die Pfänner eine kurze Bedenkzeit erbeten; sie ist ihnen zugestanden worden.
Nach dem gehabtenn bedacht, sagt Widennstein4 vonn wegk1 gemeiner Pfenner, das die verordenntenn habenn des Herrn Stadthalters erzehlung anngehört, vnnd erkennenn sich ohnn das fur sich selbst schuldige,
Nach der gehaltenen Beratung sagt Widenstein im Namen der gemeinen Pfänner, dass die Verordneten den Bericht des Herrn Statthalters angehört haben und sich ohnehin von sich aus in der Pflicht wissen;
Vnnd dieweil solchs vnnserm gnedigenn Furstenn vnnd Herrn mitbelanngt, den Bornn in besserung zufassenn, Bitten sie, Ire bedennckenn anzuhörenn, erkennenn sich schuldige zuuerdienenn,
Und weil es auch unseren gnädigen Fürsten und Herrn mit angeht, den Brunnen instand zu setzen, bitten sie, ihre Bedenken anzuhören, und erkennen sich für verpflichtet, sich das zu verdienen.
Darauf der Herr Stadthalter gesagt, sie habenn zuerachtenn, das dis suchenn nit annders dann dem Handell zu gut, begeret nachmahls diese sachenn zufordernn,
Darauf hat der Herr Statthalter gesagt, sie hätten zu bedenken, dass dieses Ansinnen allein dem Werk zugutekomme, und nochmals begehrt, diese Sache voranzubringen.
Johann Widennstein erinnert die vorigenn vfgerichte vertrege, vnnd Location, sagenn das sie sich schuldige erkennenn, dem manngell rathenn zuhelffenn, doch das es demselbenn nit zuwieder protestirende, wollenn vnnbeschwert sein,
Johann Widenstein erinnert an die früher aufgerichteten Verträge und die Verpachtung; sie sagen, dass sie sich für verpflichtet erkennen, dem Mangel abzuhelfen, verwahren sich jedoch dagegen, dass es diesen zuwiderlaufe, und wollen davon unbeschwert bleiben;
Unsichere Lesungen
- vonn wegk — Lesung des Wortendes unsicher; sinngemäß „von wegen“ (im Namen der gemeinen Pfenner)
- werckleutenn — Wort mit Zierstrich durch ck; Lesung „Werkleuten“ wahrscheinlich
- dann= — Am Seitenende getrenntes Wort; Fortsetzung S. 118 „derlich“ ergibt wohl „sonnderlich“, erster Wortteil liest sich aber eher wie „dann“
- Widennstein — Anfangsbuchstabe des Namens mehrdeutig, auch „Niedennstein“ möglich (so auch S. 119)
S. 118
Bl. 57vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitederlich Meister Jorgenn Behm zuuiel geuolgt, ziehen sich auff den augennschein, vnnd thun dem Bornn schadenn, dann die altenn habenn vf das alte fundament, das neue fas gesezt, vnnd vfgestosenn pfele, zweÿ fasse1 seindt mit Thonn verstopfft,
…[son]derlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt worden; sie berufen sich auf den Augenschein und tun dem Brunnen Schaden, denn die Alten haben auf das alte Fundament das neue Fass gesetzt, und zwar auf eingestoßene Pfähle; zwei Fässer sind mit Ton verstopft.
Nun ist die kunst darauf gelegt, die nit allein das fas, Sondern auch die bodenn bewegt,
Nun ist das Pumpwerk daraufgelegt, das nicht allein das Fass, sondern auch die Böden bewegt.
Darumb erschell2 die kunst diesem leichtenn Baw, kömpt der schade allein vonn der kunst, vnnd seÿ meister Jorgenn kunst schuldt,
Darum erschüttert das Pumpwerk diesen leichten Bau; der Schaden kommt allein vom Pumpwerk, und Meister Jorgens Kunst sei daran schuld.
Zuuorkommenn demselbenn, Woltenn sie einfeltiger weise sagenn, nach dem das fundament noch gannz, das der Tham wurdt ausgenommenn bis auf den grundt, als dann wurdt der schade gesehenn,
Um dem zuvorzukommen, wollten sie in aller Einfalt vorschlagen: Da das Fundament noch ganz ist, solle der Damm bis auf den Grund ausgehoben werden; dann würde man den Schaden sehen,
Dieweil das fas noch gannz seÿ, vnnd kannt3 ohnn schadenn geschehenn, Dann sie befindenn, das die sohle im Bornn noch wie zuuor starck gnug ist,
weil das Fass noch ganz sei; und das könne ohne Schaden geschehen, denn sie finden, dass die Sole im Brunnen noch wie zuvor stark genug ist.
Darauf anntwort der Herr Stadthalter, dieweil der mehrenntheil beruhet vf dem augennschein, Wollenn sie nach essenns zeitlich hinaussenn zum Sodenn4Läuft auf der nächsten Seite weiter
Darauf antwortet der Herr Statthalter: Weil das meiste auf dem Augenschein beruht, wollen sie nach dem Essen beizeiten hinaus zum Soden
Unsichere Lesungen
- zweÿ fasse — Lesung „fasse“ (Fässer) nicht ganz sicher, auch „faste“ denkbar
- erschell — Wortform unsicher; wohl „erschellt/erschüttert“
- kannt — Lesung unsicher, „kannt/konnt“ (= könnte)
- zum Sodenn — „zum“ auch als „zun“ (= zu den) lesbar