Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 117–126
Berkers Baubericht von 1550 · S. 117–126 · Bl. 57r–61v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Berkers Baubericht von 1550
S. 103–277 · Bl. 50r–137v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 117
Bl. 57rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Darauf die Pfenner ein klein bedennckenn gebettenn, ist Ihnenn zugelassenn,
Daraufhin haben die Pfänner eine kurze Bedenkzeit erbeten; sie ist ihnen zugestanden worden.
Nach dem gehabtenn bedacht, sagt Widennstein4 vonn wegk1 gemeiner Pfenner, das die verordenntenn habenn des Herrn Stadthalters erzehlung anngehört, vnnd erkennenn sich ohnn das fur sich selbst schuldige,
Nach der gehaltenen Beratung sagt Widenstein im Namen der gemeinen Pfänner, dass die Verordneten den Bericht des Herrn Statthalters angehört haben und sich ohnehin von sich aus in der Pflicht wissen;
Vnnd dieweil solchs vnnserm gnedigenn Furstenn vnnd Herrn mitbelanngt, den Bornn in besserung zufassenn, Bitten sie, Ire bedennckenn anzuhörenn, erkennenn sich schuldige zuuerdienenn,
Und weil es auch unseren gnädigen Fürsten und Herrn mit angeht, den Brunnen instand zu setzen, bitten sie, ihre Bedenken anzuhören, und erkennen sich für verpflichtet, sich das zu verdienen.
Darauf der Herr Stadthalter gesagt, sie habenn zuerachtenn, das dis suchenn nit annders dann dem Handell zu gut, begeret nachmahls diese sachenn zufordernn,
Darauf hat der Herr Statthalter gesagt, sie hätten zu bedenken, dass dieses Ansinnen allein dem Werk zugutekomme, und nochmals begehrt, diese Sache voranzubringen.
Johann Widennstein erinnert die vorigenn vfgerichte vertrege, vnnd Location, sagenn das sie sich schuldige erkennenn, dem manngell rathenn zuhelffenn, doch das es demselbenn nit zuwieder protestirende, wollenn vnnbeschwert sein,
Johann Widenstein erinnert an die früher aufgerichteten Verträge und die Verpachtung; sie sagen, dass sie sich für verpflichtet erkennen, dem Mangel abzuhelfen, verwahren sich jedoch dagegen, dass es diesen zuwiderlaufe, und wollen davon unbeschwert bleiben;
Unsichere Lesungen
- vonn wegk — Lesung des Wortendes unsicher; sinngemäß „von wegen“ (im Namen der gemeinen Pfenner)
- werckleutenn — Wort mit Zierstrich durch ck; Lesung „Werkleuten“ wahrscheinlich
- dann= — Am Seitenende getrenntes Wort; Fortsetzung S. 118 „derlich“ ergibt wohl „sonnderlich“, erster Wortteil liest sich aber eher wie „dann“
- Widennstein — Anfangsbuchstabe des Namens mehrdeutig, auch „Niedennstein“ möglich (so auch S. 119)
S. 118
Bl. 57vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitederlich Meister Jorgenn Behm zuuiel geuolgt, ziehen sich auff den augennschein, vnnd thun dem Bornn schadenn, dann die altenn habenn vf das alte fundament, das neue fas gesezt, vnnd vfgestosenn pfele, zweÿ fasse1 seindt mit Thonn verstopfft,
…[son]derlich Meister Jorgen Behm zu viel gefolgt worden; sie berufen sich auf den Augenschein und tun dem Brunnen Schaden, denn die Alten haben auf das alte Fundament das neue Fass gesetzt, und zwar auf eingestoßene Pfähle; zwei Fässer sind mit Ton verstopft.
Nun ist die kunst darauf gelegt, die nit allein das fas, Sondern auch die bodenn bewegt,
Nun ist das Pumpwerk daraufgelegt, das nicht allein das Fass, sondern auch die Böden bewegt.
Darumb erschell2 die kunst diesem leichtenn Baw, kömpt der schade allein vonn der kunst, vnnd seÿ meister Jorgenn kunst schuldt,
Darum erschüttert das Pumpwerk diesen leichten Bau; der Schaden kommt allein vom Pumpwerk, und Meister Jorgens Kunst sei daran schuld.
Zuuorkommenn demselbenn, Woltenn sie einfeltiger weise sagenn, nach dem das fundament noch gannz, das der Tham wurdt ausgenommenn bis auf den grundt, als dann wurdt der schade gesehenn,
Um dem zuvorzukommen, wollten sie in aller Einfalt vorschlagen: Da das Fundament noch ganz ist, solle der Damm bis auf den Grund ausgehoben werden; dann würde man den Schaden sehen,
Dieweil das fas noch gannz seÿ, vnnd kannt3 ohnn schadenn geschehenn, Dann sie befindenn, das die sohle im Bornn noch wie zuuor starck gnug ist,
weil das Fass noch ganz sei; und das könne ohne Schaden geschehen, denn sie finden, dass die Sole im Brunnen noch wie zuvor stark genug ist.
Darauf anntwort der Herr Stadthalter, dieweil der mehrenntheil beruhet vf dem augennschein, Wollenn sie nach essenns zeitlich hinaussenn zum Sodenn4Läuft auf der nächsten Seite weiter
Darauf antwortet der Herr Statthalter: Weil das meiste auf dem Augenschein beruht, wollen sie nach dem Essen beizeiten hinaus zum Soden
Unsichere Lesungen
- zweÿ fasse — Lesung „fasse“ (Fässer) nicht ganz sicher, auch „faste“ denkbar
- erschell — Wortform unsicher; wohl „erschellt/erschüttert“
- kannt — Lesung unsicher, „kannt/konnt“ (= könnte)
- zum Sodenn — „zum“ auch als „zun“ (= zu den) lesbar
S. 119
Bl. 58rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitesein, vnnd solchs in augennschein besichtigenn, gefelt denn verordenntenn vnnserm gnedigenn furstenn vnnd herrnn, vnnd gemeinenn Pfennernn wohl.
sein und dies in Augenschein nehmen; das gefällt den Verordneten unseres gnädigen Fürsten und Herrn und den gemeinen Pfännern wohl.
Vnnd ist die besichtigung in sampt also geschehen, vnnd vmb den Salzbronn, Sohlgrabenn, Kunste, vnnd annders,
Und die Besichtigung ist gemeinsam so geschehen, rings um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke und anderes.
vnnd sagt Johann Widennstein1, das sie den Salzbronnen heutigs tags noch freÿ vnnbeschedigt fundenn, allermassenn der in vberliefferung vnnd annfanng der Location gewesenn seÿ,
Und Johann Widenstein sagt, dass sie den Salzbrunnen bis zum heutigen Tag frei und unbeschädigt gefunden haben, ganz so, wie er bei der Übergabe und zu Beginn der Verpachtung gewesen sei;
dann er denn mit dem mas darann der Bleÿ vnnd federnn stein2, vnnd sie solch mas zu der zeit genommenn gemessenn, Welch mas die Pfenner beÿ sich behaltenn,
denn er habe ihn mit dem Maß gemessen, an dem der Blei- und Federstein hängt, und sie hätten dieses Maß seinerzeit genommen; dieses Maß haben die Pfänner bei sich behalten.
vnnd sagter Widennstein, das sie den Salzbronn alle Jar etlich mahl geraumpt, Kies vnnd steine heraus geraumpt,
Und Widenstein sagte, dass sie den Salzbrunnen alle Jahre etliche Male geräumt und Kies und Steine herausgeräumt haben;
vnnd wie er vonn den altenn gehort, auch selbst gesehenn habe, so seÿ also viel heraus gelannget, das der Bronn Jzt da mit gefult kondt werdenn,
und wie er von den Alten gehört und auch selbst gesehen habe, sei so viel herausgeholt worden, dass der Brunnen jetzt damit gefüllt werden könnte.
Nach beschehener heutiger besichtigung, habenn sich Stadthalter, Lanndtvogt, Heinz vonn Lütter4, Nordeck, vnnd wir vnns vnnderredt vnnd enndtschlossenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Nach der heute geschehenen Besichtigung haben sich der Statthalter, der Landvogt, Heinz von Lüder, Nordeck und wir uns unterredet und entschlossen:
Unsichere Lesungen
- Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“ lesbar (zweimal auf der Seite)
- der Bleÿ vnnd federnn stein — Lesung und Sachbezug unsicher; wohl Blei(lot) und Federstein am Messmaß
- gefult [gestrichen] — Nach „gefult“ ein kurzes, doppelt durchstrichenes Wort am Zeilenende, unleserlich (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Heinz vonn Lütter — Name mit Zierstrich durch tt; wohl Heinz von Lüder, Statthalter zu Kassel
S. 120
Bl. 58vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedas Heinrich Müldener2, Jost Becker1, vnnd der Rendtmeister der Pfenner Salzgrebenn, nachuolgennde meÿnung annzeigenn sollenn, sich darauf zu vnnderredenn, vnnd morgenn zeitlich anntwort zugebenn,
dass Heinrich Müldener, Jost Becker und der Rentmeister den Salzgreben der Pfänner die nachfolgende Meinung anzeigen sollen, damit diese sich darüber beraten und morgen beizeiten Antwort geben.
Erstlich sehenn Stadthalter vnnd Räthe fur nüzlich vnnd gut ann, das der Sohlgrabe vom vnnten herauf bis fur das gewelbe gannz zu grunde geraumbt vnnd gesaubert werdenn soll, also das das wasser aus dem gewelbe sein ausflus vnnd fall habenn könne.
Erstens sehen Statthalter und Räte es für nützlich und gut an, dass der Sohlgraben von unten herauf bis vor das Gewölbe ganz bis auf den Grund geräumt und gesäubert werden soll, sodass das Wasser aus dem Gewölbe seinen Abfluss und sein Gefälle haben kann.
Zum anndernn das darnach derselbe sohlgrabe vom Karmeberge3 ann bis vors gewelbe mit dielenn vnten vnnd vf beidenn seittenn gefuttert, vnnd gefast werden soll, Inmassenn Jzo ein Stutenn4 zur proba gemacht ist,
Zum Zweiten, dass danach derselbe Sohlgraben vom Karmeberg an bis vor das Gewölbe mit Dielen unten und auf beiden Seiten ausgefüttert und gefasst werden soll, so wie jetzt ein Stück zur Probe gemacht worden ist;
vnnd sollenn die Pfenner mit annrathenn, ob mann darzu Eichenn, Buchenn, oder Tannenn dielenn nehmenn soll.
und die Pfänner sollen mitberaten, ob man dazu Eichen-, Buchen- oder Tannendielen nehmen soll.
Zum drittenn das der Berck am Salzbronn durch verstenndige werckleuthe mit einem gutenn Stoll durchfahrenn solt werdenn,
Zum Dritten, dass der Berg am Salzbrunnen durch verständige Werkleute mit einem guten Stollen durchfahren werden soll.
Zum vierdtenn, Wo es Ihnenn gefiele das der Salz=Läuft auf der nächsten Seite weiter
Zum Vierten: wenn es ihnen gefiele, dass der Salz…
Unsichere Lesungen
- Jost Becker — Zierstrich durch ck; auch „Berker“ lesbar
- Heinrich Müldener — Name; Lesung „Müldener“ (auch „Mildener“ denkbar)
- Karmeberge — Ortsname unsicher; Anfangsbuchstabe mehrdeutig (K/S/W), etwa „Karmeberg/Karnberg“
- Stutenn — Lesung unsicher; dem Sinn nach „ein Stück (Abschnitt) zur Probe“
S. 121
Bl. 59rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebronn ausgeöst1 wurde, damit mann den Bodenn sehen könntte,
…brunnen ausgeschöpft würde, damit man den Boden sehen könnte.
Vnnd wann der Grabe gesaubert, solt das wasser 14 tage aus dem gewelbe fliessenn, vnnd da es sich dann mit dem siedenn nit bessert, so solt mann ein probwerck siedenn, damit mann Innenn werde, wie es ein gestalt darumb habe.
Und wenn der Graben gesäubert ist, soll das Wasser 14 Tage aus dem Gewölbe fließen; und wenn es sich dann beim Sieden nicht bessert, soll man ein Probewerk sieden, damit man innewird, wie es darum bestellt ist.
Der Pfenner Anntwort vf obbeschriebenn antragenn.
Antwort der Pfänner auf den oben beschriebenen Antrag.
Zuuor vnnd ehr sie vf das anntragenn anntwort geben wollenn sie anngezeigt habenn, dieweil gesternn Christof vnnd Meister Jorg mit redenn zusammenn kommen2, das einer den anndernn Jzigs schadenn vhrsach zusein, beschuldigt,
Zuvor, und ehe sie auf den Antrag Antwort geben, wollen sie angezeigt haben: Weil gestern Christof und Meister Jorg mit Worten aneinandergeraten sind, wobei einer den anderen beschuldigte, die Ursache des jetzigen Schadens zu sein,
So wollenn sie gebettenn habenn, des einem grundtlichenn bericht zuempfahenn,
so bitten sie darum, darüber einen gründlichen Bericht zu empfangen.
Ist abgeleint das Christoff mit vfreumung des grabenns keinenn schadenn gethann, vnnd da dem Bornn solt schadenn geschehenn sein, als mann doch nit hofft, So müste es der schwere der kunst gethann habenn,
Es wird in Abrede gestellt, dass Christoff mit dem Aufräumen des Grabens Schaden getan habe; und sollte dem Brunnen Schaden geschehen sein, was man doch nicht hofft, so müsste es die Schwere des Pumpwerks getan haben.
Unsichere Lesungen
- ausgeöst — „ausösen“ = ausschöpfen; Lesung wahrscheinlich, aber Wortbild eng geschrieben
- zusammenn kommen — Sinn: mit Reden aneinandergeraten; Wortfolge etwas unsicher
- Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“/„Tiedennstein“ lesbar; hier wie zuvor als Widennstein wiedergegeben
S. 122
Bl. 59vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedenselbenn nit wissenn zuuerendernn, doch das der Grabe nit tieffer denn das gewelbe ist, ausgefurtt werde, Dann wann er tieffer gemacht wurde, keme dem Salzbronn nit zugut, so fielle er auch destomehr Inn,
…diesen nicht zu ändern wüssten, doch solle der Graben nicht tiefer ausgeführt werden, als das Gewölbe liegt; denn würde er tiefer gemacht, käme das dem Salzbrunnen nicht zugute, und er fiele auch umso mehr ein.
Den anndernn artickell, das der Grabe gefast werde mit dielenn, Ist Inenn auch zugefallenn,
Dem zweiten Artikel, dass der Graben mit Dielen gefasst werde, haben sie ebenfalls zugestimmt.
Den drittenn habenn sie ein gros bedennckenn, dann vom Berge her ist nit souiel wassers als vonn der Werra herkommenn ist, wie mann in sezung des kunstkastenns gesehenn hat, Ist in vorzeitenn der vhrsach halbenn auch verpliebenn,
Beim dritten haben sie ein großes Bedenken, denn vom Berge her kommt nicht so viel Wasser, wie von der Werra hergekommen ist, wie man beim Setzen des Kunstkastens gesehen hat; aus diesem Grund ist es auch in früheren Zeiten unterblieben.
Wollenn Ihnenn solichs zubedennckenn heimgestelt habenn, könnenn auch darin ohn vorwissenn aller Pfenner nit willigen,
Sie wollen ihnen dies zu bedenken anheimgestellt haben und können auch ohne Vorwissen aller Pfänner nicht darin einwilligen.
Item das ein Tham geschlagenn werde, darmit die Werra nit herabgehenn könne, Ist geschehenn,
Ferner, dass ein Damm geschlagen werde, damit die Werra nicht herabdringen kann: Das ist geschehen.
Unsichere Lesungen
- liederlicher kunst — „liederlich“ hier wohl = leichter, geringer (einfacheres Pumpwerk); Lesung sicher, Deutung erschlossen
- Schaffnit — Personenname; Lesung wahrscheinlich, sonst nicht belegt
S. 123
Bl. 60rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteso mus es Jorgenn kunst1 schuldt sein, vnnd keinem annderm2,
… so muss es an Jörgens Kunst (Pumpwerk) liegen und an keinem anderen.
Heintzenn Lutters Rath ist, Wann flude seyenn, das dann furs gewelbe ein Tam geschlagenn werde, vnnd soll das wasser was aus dem gewelbe kömpt, mit ein tag Haspell ausgezogenn werdenn,
Heinz Luthers Rat ist: Wenn Fluten kommen, soll vor dem Gewölbe ein Damm geschlagen werden, und das Wasser, das aus dem Gewölbe kommt, soll mit einem Taghaspel herausgezogen werden.
Stadthalter sagt, das der Sohlgrabe soll bleibenn, vnnd gemacht werdenn, wie die Pfenner begert, also das der abfall eines fußes vorm gewelbe sey,
Der Statthalter sagt, dass der Sohlgraben bleiben und so gemacht werden soll, wie die Pfenner es begehrt haben, sodass vor dem Gewölbe ein Gefälle von einem Fuß ist.
Des Stols halber soll es bleibenn bis der Salzbronn gebauwet werde,
Wegen des Stollens soll es dabei bleiben, bis der Salzbrunnen gebaut wird.
Das der Sohlgrabe gefast werdenn soll, vnnd das sie den Baw mit helffenn tragenn,
Der Sohlgraben soll gefasst werden, und sie sollen die Baukosten mittragen helfen.
Der Tham soll geschlagenn werdenn, das die Werra nit herab gehenn soll,
Der Damm soll so geschlagen werden, dass die Werra nicht herabgehen kann.
Unsichere Lesungen
- Jorgenn kunst — Deutung unsicher: Jörgens Kunst (Pumpwerk) oder Personenname Jorge Kunst; Satzanfang liegt auf der Vorseite
- keinem annderm — Endungen der beiden Wörter (m/r bzw. m/nn) nicht ganz sicher
- liederlich — frühnhd. liederlich = leicht, mühelos; Lesung ziemlich sicher
S. 124
Bl. 60vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Pfenner Widennstein1 bitt, Was sie in dieser sachen geredt, das sie es trewlich vnnd gut gemeint, sie des nit zuuerdennckenn,
Der Pfenner Widenstein bittet: Was sie in dieser Sache geredet haben, das haben sie treulich und gut gemeint; man möge es ihnen nicht verdenken.
Das sie aber den kostenn des Sohlgrabenns soltenn mittragenn, vermeinenn sie nit schuldigk zusein,
Dass sie aber die Kosten des Sohlgrabens mittragen sollen, dazu meinen sie nicht verpflichtet zu sein.
Zum anndernn das die Bawleute zur kunst sollenn mit bestellenn, Habenn sie Jzo niemanndts, dann Meister Hansenn, darauf der Herr Stadthalter den bescheidt gebenn,
Zum anderen, dass sie die Bauleute für die Kunst (das Pumpwerk) mitbestellen sollen: Dafür haben sie jetzt niemanden außer Meister Hansen; darauf hat der Herr Statthalter den Bescheid gegeben:
Dieweil der Baw am Sohlgrabenn nit allein Jn zeit der Location, sonndernn auch hernach Ihnenn zu gut kömpt, soll sie4 den grabenn mit bawenn, vnnd allenn vnkosten zum halbenn theil tragenn vnnd geltenn helffenn,
Weil der Bau am Sohlgraben ihnen nicht nur zur Zeit der Verpachtung, sondern auch danach zugutekommt, sollen sie den Graben mitbauen und alle Unkosten zur Hälfte tragen und bezahlen helfen.
Dargegenn die Pfenner protestiren, Wollenn aber die Ein hundert guldenn schuldenn hievor hiever2 vnnserm gnedigenn Herrnn gewilligt entrichtenn, die sie noch zum Sohlgrabenn zubawenn schuldigk sein,
Dagegen protestieren die Pfenner; sie wollen aber die einhundert Gulden Schulden entrichten, die zuvor unserem gnädigen Herrn bewilligt worden sind und die sie noch für den Bau des Sohlgrabens schuldig sind.
Unsichere Lesungen
- Widennstein — Anfangsbuchstabe W/N nicht sicher; auch 'Nidennstein' (vgl. 'Niedennstein' PDF-S. 136) möglich
- hievor hiever — Zwei fast gleiche Wörter hintereinander, wohl Dittographie des Schreibers; Übersetzung gibt nur 'zuvor' wieder
- Nordeck — Endung -ck mit Zierstrich; Familienname von Nordeck, Lesung ziemlich sicher
- soll sie — so die Vorlage; grammatisch 'sollen sie' zu erwarten
S. 125
Bl. 61rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitesampt gemeinenn Pfennernn verordenten, den Salzbronn, vfs niedrigste ausösenn lassenn, Vnnd darnach die nachbenente Werckleute, das im bronnenn besichtigenn lassenn,
… samt den Verordneten der gemeinen Pfenner den Salzbrunnen aufs Niedrigste ausschöpfen lassen und ihn danach durch die nachbenannten Werkleute im Brunnen besichtigen lassen.
Hat sich nachmahls wie zuuor fundenn, das, das das fas im grunde, ann etlichenn ortenn, hole vnnd wans1 ist, wie sie die Werckleute abgehort sein, vnnd hernach verzeichnet ist.
Es hat sich nachmals wie zuvor gezeigt, dass das Fass im Grund an etlichen Orten hohl und schadhaft ist, wie man die Werkleute dazu angehört hat und es hernach verzeichnet ist.
Es hat auch Meister Jorge die bede Rörenn2 zugleich müssenn gehenn lassenn, damit mann sehe, wie sehre die kunst bewegt werde, am Salzbronn vnd Bodenn3,
Meister Jorge hat auch beide Röhren zugleich laufen lassen müssen, damit man sehe, wie sehr die Kunst am Salzbrunnen und am Boden bewegt (in Bewegung gesetzt) wird.
Hanns vonn [gestrichen: Frannckfurt]4 der Steinmez ist gefragt wie er das werck des Salzbronnens befundenn, Ob Jorgenn kunst dem Bornn schedtlich sey oder nit, vnnd wie dem zuhelffenn sey,
Hans, der Steinmetz, ist gefragt worden, wie er das Werk des Salzbrunnens befunden habe, ob Jörgens Kunst dem Born schädlich sei oder nicht und wie dem zu helfen sei.
Sagt das werck sey dem Bornn schedtlich, so sey das werck vnntenn zubrochenn, vnnd were sein rath, das der Born erst mit holzwergk, vnnd darnach darumb her mitt steinenn gefast wurde,
Er sagt, das Werk sei dem Born schädlich; auch sei das Werk unten zerbrochen, und sein Rat wäre, dass der Born zuerst mit Holzwerk und danach ringsherum mit Steinen gefasst werde.
Unsichere Lesungen
- wans — frühnhd. wan = leer, schadhaft; Lesung nicht ganz sicher, auch 'wanck' denkbar; übersetzt als 'schadhaft'
- Rörenn — Anfangsbuchstabe R/K im Duktus mehrdeutig; 'Röhren' (der Kunst) nach dem Kontext
- Bodenn — Wort mit Querstrich – wohl Zierstrich, keine Tilgung
- [gestrichen: Frannckfurt] — Herkunftsangabe gestrichen; nach 'gefragt' zusätzlich ein gestrichener Schnörkel/Buchstabe, unleserlich
- könt — Lesung könt/kömt; dem Sinn nach 'könnte'
S. 126
Bl. 61vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Sagt auch das vf der seittenn Jegenn dem kunsthaus, das meiste wilde wasser in Salzbronn feldt, Darumb soll mann zwölff pompenn1 Inn Bornn sezenn, vnd den ausösenn, damit mann den grundt sehen könte,
Er sagt auch, dass auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt; darum soll man zwölf Pumpen in den Born setzen und ihn ausschöpfen, damit man den Grund sehen könnte.
Meister Annthonius Baumeister zu Ziegennhain, sagt vf des Stadthalters fragt, ob die kunst dem Borne schadenn thue oder nit, vnnd wie dem Bornn zuhelffenn were,
Meister Antonius, Baumeister zu Ziegenhain, sagt auf die Frage des Statthalters, ob die Kunst dem Born Schaden tue oder nicht und wie dem Born zu helfen wäre:
Die kunst sey dem Borne nit nuzlich, dann der Born sey mittenn nidrigk, vnnd das fas vf etlichenn ortenn ledigk, hab die kunst mit den schleuchenn ausgezogenn,
Die Kunst sei dem Born nicht nützlich, denn der Born sei in der Mitte niedrig, und das Fass sei an etlichen Orten leer; das habe die Kunst mit den Schläuchen herausgezogen.
Der den Bornn gebauwet hat, der hat den vf den kies2 gesezt, Darumb must mann kunst sezenn, das der Bornn ausgeöst wurde, Damit mann dem Bornn vf dem Bodenn sehenn konne,
Wer den Born gebaut hat, der hat ihn auf den Kies gesetzt; darum musste man eine Kunst einsetzen, damit der Born ausgeschöpft würde und man dem Born auf den Boden sehen könnte.
Meint auch besser sein, das holzer Rörenn vnd leddernn schleuche gesezt wurdenn, hettenn kein gewalt noch läst, vnnd solten in einem troge gehen,
Er meint auch, es sei besser, dass hölzerne Röhren und lederne Schläuche gesetzt würden; die hätten weder Gewalt noch Last auszuhalten und sollten in einem Trog laufen.
Unsichere Lesungen
- zwölff pompenn — Zahlwort zwölf; Lesung ziemlich sicher, aber auffällig hohe Zahl
- kies — Anfangsbuchstabe k/b nicht ganz sicher; 'Kies' nach dem Kontext (Brunnengrund)
- vnnfleissige — Lesung unsicher; verstanden als 'unfleißig' = nachlässig
- klomperchtige — Wort mit langem Querstrich – wohl Zierstrich/Unterstreichung, keine Tilgung; Lesung klomperchtige/klemperchtige, verstanden als 'klumpig'