Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 121–130
Berkers Baubericht von 1550 · S. 121–130 · Bl. 59r–63v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Berkers Baubericht von 1550
S. 103–277 · Bl. 50r–137v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 121
Bl. 59rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebronn ausgeöst1 wurde, damit mann den Bodenn sehen könntte,
…brunnen ausgeschöpft würde, damit man den Boden sehen könnte.
Vnnd wann der Grabe gesaubert, solt das wasser 14 tage aus dem gewelbe fliessenn, vnnd da es sich dann mit dem siedenn nit bessert, so solt mann ein probwerck siedenn, damit mann Innenn werde, wie es ein gestalt darumb habe.
Und wenn der Graben gesäubert ist, soll das Wasser 14 Tage aus dem Gewölbe fließen; und wenn es sich dann beim Sieden nicht bessert, soll man ein Probewerk sieden, damit man innewird, wie es darum bestellt ist.
Der Pfenner Anntwort vf obbeschriebenn antragenn.
Antwort der Pfänner auf den oben beschriebenen Antrag.
Zuuor vnnd ehr sie vf das anntragenn anntwort geben wollenn sie anngezeigt habenn, dieweil gesternn Christof vnnd Meister Jorg mit redenn zusammenn kommen2, das einer den anndernn Jzigs schadenn vhrsach zusein, beschuldigt,
Zuvor, und ehe sie auf den Antrag Antwort geben, wollen sie angezeigt haben: Weil gestern Christof und Meister Jorg mit Worten aneinandergeraten sind, wobei einer den anderen beschuldigte, die Ursache des jetzigen Schadens zu sein,
So wollenn sie gebettenn habenn, des einem grundtlichenn bericht zuempfahenn,
so bitten sie darum, darüber einen gründlichen Bericht zu empfangen.
Ist abgeleint das Christoff mit vfreumung des grabenns keinenn schadenn gethann, vnnd da dem Bornn solt schadenn geschehenn sein, als mann doch nit hofft, So müste es der schwere der kunst gethann habenn,
Es wird in Abrede gestellt, dass Christoff mit dem Aufräumen des Grabens Schaden getan habe; und sollte dem Brunnen Schaden geschehen sein, was man doch nicht hofft, so müsste es die Schwere des Pumpwerks getan haben.
Unsichere Lesungen
- ausgeöst — „ausösen“ = ausschöpfen; Lesung wahrscheinlich, aber Wortbild eng geschrieben
- zusammenn kommen — Sinn: mit Reden aneinandergeraten; Wortfolge etwas unsicher
- Widennstein — Anfangsbuchstabe mehrdeutig, auch „Niedennstein“/„Tiedennstein“ lesbar; hier wie zuvor als Widennstein wiedergegeben
S. 122
Bl. 59vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedenselbenn nit wissenn zuuerendernn, doch das der Grabe nit tieffer denn das gewelbe ist, ausgefurtt werde, Dann wann er tieffer gemacht wurde, keme dem Salzbronn nit zugut, so fielle er auch destomehr Inn,
…diesen nicht zu ändern wüssten, doch solle der Graben nicht tiefer ausgeführt werden, als das Gewölbe liegt; denn würde er tiefer gemacht, käme das dem Salzbrunnen nicht zugute, und er fiele auch umso mehr ein.
Den anndernn artickell, das der Grabe gefast werde mit dielenn, Ist Inenn auch zugefallenn,
Dem zweiten Artikel, dass der Graben mit Dielen gefasst werde, haben sie ebenfalls zugestimmt.
Den drittenn habenn sie ein gros bedennckenn, dann vom Berge her ist nit souiel wassers als vonn der Werra herkommenn ist, wie mann in sezung des kunstkastenns gesehenn hat, Ist in vorzeitenn der vhrsach halbenn auch verpliebenn,
Beim dritten haben sie ein großes Bedenken, denn vom Berge her kommt nicht so viel Wasser, wie von der Werra hergekommen ist, wie man beim Setzen des Kunstkastens gesehen hat; aus diesem Grund ist es auch in früheren Zeiten unterblieben.
Wollenn Ihnenn solichs zubedennckenn heimgestelt habenn, könnenn auch darin ohn vorwissenn aller Pfenner nit willigen,
Sie wollen ihnen dies zu bedenken anheimgestellt haben und können auch ohne Vorwissen aller Pfänner nicht darin einwilligen.
Item das ein Tham geschlagenn werde, darmit die Werra nit herabgehenn könne, Ist geschehenn,
Ferner, dass ein Damm geschlagen werde, damit die Werra nicht herabdringen kann: Das ist geschehen.
Unsichere Lesungen
- liederlicher kunst — „liederlich“ hier wohl = leichter, geringer (einfacheres Pumpwerk); Lesung sicher, Deutung erschlossen
- Schaffnit — Personenname; Lesung wahrscheinlich, sonst nicht belegt
S. 123
Bl. 60rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteso mus es Jorgenn kunst1 schuldt sein, vnnd keinem annderm2,
… so muss es an Jörgens Kunst (Pumpwerk) liegen und an keinem anderen.
Heintzenn Lutters Rath ist, Wann flude seyenn, das dann furs gewelbe ein Tam geschlagenn werde, vnnd soll das wasser was aus dem gewelbe kömpt, mit ein tag Haspell ausgezogenn werdenn,
Heinz Luthers Rat ist: Wenn Fluten kommen, soll vor dem Gewölbe ein Damm geschlagen werden, und das Wasser, das aus dem Gewölbe kommt, soll mit einem Taghaspel herausgezogen werden.
Stadthalter sagt, das der Sohlgrabe soll bleibenn, vnnd gemacht werdenn, wie die Pfenner begert, also das der abfall eines fußes vorm gewelbe sey,
Der Statthalter sagt, dass der Sohlgraben bleiben und so gemacht werden soll, wie die Pfenner es begehrt haben, sodass vor dem Gewölbe ein Gefälle von einem Fuß ist.
Des Stols halber soll es bleibenn bis der Salzbronn gebauwet werde,
Wegen des Stollens soll es dabei bleiben, bis der Salzbrunnen gebaut wird.
Das der Sohlgrabe gefast werdenn soll, vnnd das sie den Baw mit helffenn tragenn,
Der Sohlgraben soll gefasst werden, und sie sollen die Baukosten mittragen helfen.
Der Tham soll geschlagenn werdenn, das die Werra nit herab gehenn soll,
Der Damm soll so geschlagen werden, dass die Werra nicht herabgehen kann.
Unsichere Lesungen
- Jorgenn kunst — Deutung unsicher: Jörgens Kunst (Pumpwerk) oder Personenname Jorge Kunst; Satzanfang liegt auf der Vorseite
- keinem annderm — Endungen der beiden Wörter (m/r bzw. m/nn) nicht ganz sicher
- liederlich — frühnhd. liederlich = leicht, mühelos; Lesung ziemlich sicher
S. 124
Bl. 60vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Pfenner Widennstein1 bitt, Was sie in dieser sachen geredt, das sie es trewlich vnnd gut gemeint, sie des nit zuuerdennckenn,
Der Pfenner Widenstein bittet: Was sie in dieser Sache geredet haben, das haben sie treulich und gut gemeint; man möge es ihnen nicht verdenken.
Das sie aber den kostenn des Sohlgrabenns soltenn mittragenn, vermeinenn sie nit schuldigk zusein,
Dass sie aber die Kosten des Sohlgrabens mittragen sollen, dazu meinen sie nicht verpflichtet zu sein.
Zum anndernn das die Bawleute zur kunst sollenn mit bestellenn, Habenn sie Jzo niemanndts, dann Meister Hansenn, darauf der Herr Stadthalter den bescheidt gebenn,
Zum anderen, dass sie die Bauleute für die Kunst (das Pumpwerk) mitbestellen sollen: Dafür haben sie jetzt niemanden außer Meister Hansen; darauf hat der Herr Statthalter den Bescheid gegeben:
Dieweil der Baw am Sohlgrabenn nit allein Jn zeit der Location, sonndernn auch hernach Ihnenn zu gut kömpt, soll sie4 den grabenn mit bawenn, vnnd allenn vnkosten zum halbenn theil tragenn vnnd geltenn helffenn,
Weil der Bau am Sohlgraben ihnen nicht nur zur Zeit der Verpachtung, sondern auch danach zugutekommt, sollen sie den Graben mitbauen und alle Unkosten zur Hälfte tragen und bezahlen helfen.
Dargegenn die Pfenner protestiren, Wollenn aber die Ein hundert guldenn schuldenn hievor hiever2 vnnserm gnedigenn Herrnn gewilligt entrichtenn, die sie noch zum Sohlgrabenn zubawenn schuldigk sein,
Dagegen protestieren die Pfenner; sie wollen aber die einhundert Gulden Schulden entrichten, die zuvor unserem gnädigen Herrn bewilligt worden sind und die sie noch für den Bau des Sohlgrabens schuldig sind.
Unsichere Lesungen
- Widennstein — Anfangsbuchstabe W/N nicht sicher; auch 'Nidennstein' (vgl. 'Niedennstein' PDF-S. 136) möglich
- hievor hiever — Zwei fast gleiche Wörter hintereinander, wohl Dittographie des Schreibers; Übersetzung gibt nur 'zuvor' wieder
- Nordeck — Endung -ck mit Zierstrich; Familienname von Nordeck, Lesung ziemlich sicher
- soll sie — so die Vorlage; grammatisch 'sollen sie' zu erwarten
S. 125
Bl. 61rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitesampt gemeinenn Pfennernn verordenten, den Salzbronn, vfs niedrigste ausösenn lassenn, Vnnd darnach die nachbenente Werckleute, das im bronnenn besichtigenn lassenn,
… samt den Verordneten der gemeinen Pfenner den Salzbrunnen aufs Niedrigste ausschöpfen lassen und ihn danach durch die nachbenannten Werkleute im Brunnen besichtigen lassen.
Hat sich nachmahls wie zuuor fundenn, das, das das fas im grunde, ann etlichenn ortenn, hole vnnd wans1 ist, wie sie die Werckleute abgehort sein, vnnd hernach verzeichnet ist.
Es hat sich nachmals wie zuvor gezeigt, dass das Fass im Grund an etlichen Orten hohl und schadhaft ist, wie man die Werkleute dazu angehört hat und es hernach verzeichnet ist.
Es hat auch Meister Jorge die bede Rörenn2 zugleich müssenn gehenn lassenn, damit mann sehe, wie sehre die kunst bewegt werde, am Salzbronn vnd Bodenn3,
Meister Jorge hat auch beide Röhren zugleich laufen lassen müssen, damit man sehe, wie sehr die Kunst am Salzbrunnen und am Boden bewegt (in Bewegung gesetzt) wird.
Hanns vonn [gestrichen: Frannckfurt]4 der Steinmez ist gefragt wie er das werck des Salzbronnens befundenn, Ob Jorgenn kunst dem Bornn schedtlich sey oder nit, vnnd wie dem zuhelffenn sey,
Hans, der Steinmetz, ist gefragt worden, wie er das Werk des Salzbrunnens befunden habe, ob Jörgens Kunst dem Born schädlich sei oder nicht und wie dem zu helfen sei.
Sagt das werck sey dem Bornn schedtlich, so sey das werck vnntenn zubrochenn, vnnd were sein rath, das der Born erst mit holzwergk, vnnd darnach darumb her mitt steinenn gefast wurde,
Er sagt, das Werk sei dem Born schädlich; auch sei das Werk unten zerbrochen, und sein Rat wäre, dass der Born zuerst mit Holzwerk und danach ringsherum mit Steinen gefasst werde.
Unsichere Lesungen
- wans — frühnhd. wan = leer, schadhaft; Lesung nicht ganz sicher, auch 'wanck' denkbar; übersetzt als 'schadhaft'
- Rörenn — Anfangsbuchstabe R/K im Duktus mehrdeutig; 'Röhren' (der Kunst) nach dem Kontext
- Bodenn — Wort mit Querstrich – wohl Zierstrich, keine Tilgung
- [gestrichen: Frannckfurt] — Herkunftsangabe gestrichen; nach 'gefragt' zusätzlich ein gestrichener Schnörkel/Buchstabe, unleserlich
- könt — Lesung könt/kömt; dem Sinn nach 'könnte'
S. 126
Bl. 61vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Sagt auch das vf der seittenn Jegenn dem kunsthaus, das meiste wilde wasser in Salzbronn feldt, Darumb soll mann zwölff pompenn1 Inn Bornn sezenn, vnd den ausösenn, damit mann den grundt sehen könte,
Er sagt auch, dass auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt; darum soll man zwölf Pumpen in den Born setzen und ihn ausschöpfen, damit man den Grund sehen könnte.
Meister Annthonius Baumeister zu Ziegennhain, sagt vf des Stadthalters fragt, ob die kunst dem Borne schadenn thue oder nit, vnnd wie dem Bornn zuhelffenn were,
Meister Antonius, Baumeister zu Ziegenhain, sagt auf die Frage des Statthalters, ob die Kunst dem Born Schaden tue oder nicht und wie dem Born zu helfen wäre:
Die kunst sey dem Borne nit nuzlich, dann der Born sey mittenn nidrigk, vnnd das fas vf etlichenn ortenn ledigk, hab die kunst mit den schleuchenn ausgezogenn,
Die Kunst sei dem Born nicht nützlich, denn der Born sei in der Mitte niedrig, und das Fass sei an etlichen Orten leer; das habe die Kunst mit den Schläuchen herausgezogen.
Der den Bornn gebauwet hat, der hat den vf den kies2 gesezt, Darumb must mann kunst sezenn, das der Bornn ausgeöst wurde, Damit mann dem Bornn vf dem Bodenn sehenn konne,
Wer den Born gebaut hat, der hat ihn auf den Kies gesetzt; darum musste man eine Kunst einsetzen, damit der Born ausgeschöpft würde und man dem Born auf den Boden sehen könnte.
Meint auch besser sein, das holzer Rörenn vnd leddernn schleuche gesezt wurdenn, hettenn kein gewalt noch läst, vnnd solten in einem troge gehen,
Er meint auch, es sei besser, dass hölzerne Röhren und lederne Schläuche gesetzt würden; die hätten weder Gewalt noch Last auszuhalten und sollten in einem Trog laufen.
Unsichere Lesungen
- zwölff pompenn — Zahlwort zwölf; Lesung ziemlich sicher, aber auffällig hohe Zahl
- kies — Anfangsbuchstabe k/b nicht ganz sicher; 'Kies' nach dem Kontext (Brunnengrund)
- vnnfleissige — Lesung unsicher; verstanden als 'unfleißig' = nachlässig
- klomperchtige — Wort mit langem Querstrich – wohl Zierstrich/Unterstreichung, keine Tilgung; Lesung klomperchtige/klemperchtige, verstanden als 'klumpig'
S. 127
Bl. 62rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Nach Mittage zu gehe ein Ader starck, aber der Tast1[?] sey zu grob noch darauf, das mann nit eigenntlich sehenn konne, wo sie sich ereugtt2.
Gegen Mittag (Süden) hin gehe eine Ader stark; aber das darüber Liegende sei noch zu grob, sodass man nicht genau sehen könne, wo sie hervortritt.
Heinz vonn Lutter sagt, das in Lothringenn viel Salzwerck sein, die liegenn gemeinlich im gemohr3, Hab Balthasar Merz, vnnd Meister Kunz der Zimmermann besichtiget, vnnd vielleicht, darauf verzeichnus gemacht,
Heinz von Lutter sagt, dass es in Lothringen viele Salzwerke gibt, die gemeinhin im Moorgrund liegen; Balthasar Merz und Meister Kunz, der Zimmermann, haben sie besichtigt und vielleicht ein Verzeichnis darüber gemacht.
Derowegenn hat mann sich zuerkundenn, vnnd vonn dem ort leute zubekommenn, die gutenn Rath gebenn köntenn,
Deswegen hat man sich zu erkundigen und von dem Ort Leute zu bekommen, die guten Rat geben könnten.
Meister Hanns Güldennzopff vonn Freunbergk4[?] sagt, es thue vonn nötenn, das der Bornn Neue gefast, vnd diesenn winter darzu alle bereitschafft verschafft5 werde,
Meister Hans Güldenzopf vom Freunberg sagt, es tue not, dass der Born neu gefasst und diesen Winter dazu alle Bereitschaft (alles Nötige) beschafft werde.
Die beste fassung ist Inns gefierdte zu sezen, vnnd viel besser dann mit den Rundenn fassenn,
Die beste Fassung ist, ins Geviert (viereckig) zu setzen; das ist viel besser, als mit dem Runden zu fassen.
Diese alte fassung sey sehr wanndelbar, vnnd sey werck6, da es ein Werckmann gemacht hette, were es bestenndiger vnnd kunstlicher.
Diese alte Fassung sei sehr baufällig; und wäre das Werk von einem Werkmann gemacht worden, wäre es beständiger und kunstgerechter.
Sollenn zwene Schachte gemacht werdenn diesennLäuft auf der nächsten Seite weiter
Es sollen zwei Schächte gemacht werden; diesen …
Unsichere Lesungen
- Tast — Lesung Tast/Last unsicher; verstanden als das über der Ader Liegende, das die Sicht verwehrt
- ereugtt — Zierstrich durch tt, keine Tilgung; ereugen = sich zeigen
- gemohr — wohl 'Gemoor' (Moorgrund); Lesung ziemlich sicher
- Freunbergk — Herkunftsname unsicher; auch Frauenberg, Freudenberg oder Creuzberg denkbar
- bereitschafft verschafft — beide Wörter mit Zierstrich durch fft, keine Tilgung
- vnnd sey werck — Wortlaut syntaktisch hart; 'hette' mit Zierstrich durch tt, keine Tilgung; Übersetzung sinngemäß
S. 128
Bl. 62vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)wintter, die Östenn1[?] dem Bronn, vnnd könndt man gleichwohl siedenn, Wann der Bronn zu grundt geöst2 wurde, könnt mann vonn den adernn redenn, Wann die Salzadernn noch geringer were als diese, so könnte mann es durch die waßer Schechte Jnnenn werdenn, vnnd die gepüre rechte adernn findenn, Wann mann die rechte adernn findenn will, so muß mann seiner natur nachvolgenn, dann gewiß, das die rechte Sohle in einem sonndernn gehenße3[?] gehe, Die taubenn am faß des Salzbronns sein etlich scharff Kann nit befindenn, das Jzige Kunst dem Bornne schadenn thue, dann die schleuche nit vffm Bodenn oder grundt stehenn, Meister Hanns Wezell4 der Zimmermann sagtt, wann diese Jzige alte faßung bleibenn sölte, das mann die ader so aus dem faße bliebenn ist, Jnnsonnderheit gefast wurde, Jnnwenndigk vnd auswendigk, Der Bornn ist vnntenn viel enger dann obenn, vnd wan
Winter das Ösen (Ausschöpfen) des Borns, und man könnte gleichwohl sieden. Wenn der Born bis auf den Grund geöst würde, könnte man von den Adern reden. Wenn die Salzader noch geringer wäre als diese, so könnte man es durch die Wasserschächte innewerden und die gebührenden rechten Adern finden. Wenn man die rechte Ader finden will, so muss man ihrer Natur nachfolgen; denn es ist gewiss, dass die rechte Sole in einem besonderen Gehäuse geht. Die Dauben am Fass des Salzborns sind zum Teil scharf. Ich kann nicht befinden, dass die jetzige Kunst dem Born Schaden tut, denn die Schläuche stehen nicht auf dem Boden oder Grund. Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, sagt, wenn diese jetzige alte Fassung bleiben sollte, dass man die Ader, die außerhalb des Fasses geblieben ist, insbesondere fassen müsste, inwendig und auswendig. Der Born ist unten viel enger als oben, und wenn
Unsichere Lesungen
- Östenn — Ostern oder Osten unklar (Z. 1)
- geöst — ösen = ausschöpfen, Lesung wahrscheinlich (Z. 3)
- gehenße — Gehänge? Endung unklar (Z. 10)
- Wezell — Name, e/a unsicher (Z. 15)
S. 129
Bl. 63rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegannzenn dielenn Jeglich fas in verzeittenn geseztt3.
… aus ganzen Dielen; jedes Fass wurde zu verschiedenen Zeiten gesetzt.
Vff solche abhörung vnnd bericht ist geschlossenn, das der Tam1 vmb den Salzbronn ein achtennteil vf ein mahl vfgethann, vnnd dann vonn neuwem außgetembt2 werde, vnnd also gar vmbhero kann ohnn alle beschwerung geschehenn,
Auf diese Anhörung und diesen Bericht hin ist beschlossen worden, dass der Damm um den Salzbrunnen jeweils zu einem Achtel auf einmal geöffnet und dann von neuem ausgedämmt werden soll; so kann es ringsum ganz ohne alle Beschwernis geschehen,
vnnd dadurch wirdt mann Innen, ob manngell sey oder nit am Salzbronn, dann das fas noch allennthalbenn gannz vnd gut ist,
und dadurch wird man gewahr, ob am Salzbrunnen ein Mangel besteht oder nicht, denn das Fass ist noch überall ganz und gut.
Jorge Behm ernnstlich befohlnn, diese Kunst abzuthun, vnnd ein annder leichter Kunst zu außbringung der Sohl zumachenn,
Jorge Behm wurde ernstlich befohlen, dieses Pumpwerk abzubauen und ein anderes, leichteres Werk zur Förderung der Sole zu bauen;
aber er weis kein annder Kunst zumachenn, dann das er diese Kunst annders faße, vnnd hannge,
aber er weiß kein anderes Werk zu bauen, außer dass er dieses Werk anders fassen und aufhängen will,
das haus vffm Borne abthue, vnnd den stall hinder sich rucke, auch im Salzbronn vnter die schleucht ein kastenn mache, doch das er nit vf den Boddenn rucke,
das Haus über dem Brunnen abbrechen und den Stall nach hinten versetzen, auch im Salzbrunnen unter der Schleuche (Zulaufrinne) einen Kasten anbringen will, doch so, dass er nicht auf den Boden rückt.
Wo mann den Bornn vfreist, soltt mann es wohl böser machenn, darumb vonn nötenn den Bornn gar auszuösenn, könnte mann die adernn erkennen vnd den manngell sehenn,
Wenn man den Brunnen aufreißt, könnte man es wohl noch schlimmer machen; darum wäre es nötig, den Brunnen ganz auszuschöpfen (auszuösen); dann könnte man die Adern erkennen und den Mangel sehen.
Unsichere Lesungen
- Tam — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher (T/S); dem Sinn nach Damm um den Salzbrunnen
- außgetembt — Lesung der Buchstabenfolge -embt gesichert per Zoom; gedeutet als ausgedämmt
- geseztt — Satzanfang fehlt (steht auf der Vorseite); Zierstriche durch tt
S. 130
Bl. 63vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Vonn solchenn gepflegtenn hanndelungenn hochgedachtem vnnserm gnedigenn furstenn vnd herrn mit wissen des Herrnn Stadthalters Inn die schwere harte Custodien1, schrifftlicher bericht geschehenn ist, Innhaltenndt, wie volgett.
Über diese geführten Verhandlungen ist dem hochgedachten, unserem gnädigen Fürsten und Herrn mit Wissen des Herrn Statthalters in die schwere, harte Gefangenschaft (Custodie) schriftlicher Bericht erstattet worden, folgenden Inhalts:
Dem durchleuchtigenn Hochgebornnenn furstenn vnd herrenn Herrn Philipsenn Lanndtgrauen zu Hessenn, Grauenn zu Cazennelnpogenn etc. vnnserm gnedigenn furstenn vnd Herrnn
Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen etc., unserem gnädigen Fürsten und Herrn.
Durchleuchtiger Hochgebornner furst, E. F. G. sein vnnser vnderthenig, schuldige, vnnd gannz bereitwillige diennste alzeit zuvor, Gnediger furst vnd herr,
Durchlauchtiger, hochgeborener Fürst, Euer Fürstlichen Gnaden seien unsere untertänigen, schuldigen und ganz bereitwilligen Dienste allezeit zuvor entboten, gnädiger Fürst und Herr.
Wiewohl wir bisdaher, vonn einer zeit zur anndernn E. f. gl. erledigung vnnd heimkunfft, mit herzlicher vnnd hochster begir gehofft, vnnd noch teglich hoffenn, Innsonnderheit dieweil die Capitulation articul alle volnzogenn,
Wiewohl wir bisher von einer Zeit zur anderen Euer Fürstlicher Gnaden Freilassung und Heimkehr mit herzlichem und höchstem Verlangen erhofft haben und noch täglich erhoffen, insbesondere weil die Artikel der Kapitulation alle vollzogen sind,
Unsichere Lesungen
- Custodien — gemeint ist die Gefangenschaft Landgraf Philipps (1547-1552)
- geclagt — c/r schwer unterscheidbar; Formel leider Gott geklagt