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Salzbibel · Lesetext · 5. Buch

Das fünfte Buch · S. 125–134

Berkers Baubericht von 1550 · S. 125–134 · Bl. 61r–65v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Berkers Baubericht von 1550

S. 103–277 · Bl. 50r–137v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch

S. 125

Bl. 61rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitesampt gemeinenn Pfennernn verordenten, den Salzbronn, vfs niedrigste ausösenn lassenn, Vnnd darnach die nachbenente Werckleute, das im bronnenn besichtigenn lassenn,

… samt den Verordneten der gemeinen Pfenner den Salzbrunnen aufs Niedrigste ausschöpfen lassen und ihn danach durch die nachbenannten Werkleute im Brunnen besichtigen lassen.

2

Hat sich nachmahls wie zuuor fundenn, das, das das fas im grunde, ann etlichenn ortenn, hole vnnd wans1 ist, wie sie die Werckleute abgehort sein, vnnd hernach verzeichnet ist.

Es hat sich nachmals wie zuvor gezeigt, dass das Fass im Grund an etlichen Orten hohl und schadhaft ist, wie man die Werkleute dazu angehört hat und es hernach verzeichnet ist.

3

Es hat auch Meister Jorge die bede Rörenn2 zugleich müssenn gehenn lassenn, damit mann sehe, wie sehre die kunst bewegt werde, am Salzbronn vnd Bodenn3,

Meister Jorge hat auch beide Röhren zugleich laufen lassen müssen, damit man sehe, wie sehr die Kunst am Salzbrunnen und am Boden bewegt (in Bewegung gesetzt) wird.

4

Hanns vonn [gestrichen: Frannckfurt]4 der Steinmez ist gefragt wie er das werck des Salzbronnens befundenn, Ob Jorgenn kunst dem Bornn schedtlich sey oder nit, vnnd wie dem zuhelffenn sey,

Hans, der Steinmetz, ist gefragt worden, wie er das Werk des Salzbrunnens befunden habe, ob Jörgens Kunst dem Born schädlich sei oder nicht und wie dem zu helfen sei.

5

Sagt das werck sey dem Bornn schedtlich, so sey das werck vnntenn zubrochenn, vnnd were sein rath, das der Born erst mit holzwergk, vnnd darnach darumb her mitt steinenn gefast wurde,

Er sagt, das Werk sei dem Born schädlich; auch sei das Werk unten zerbrochen, und sein Rat wäre, dass der Born zuerst mit Holzwerk und danach ringsherum mit Steinen gefasst werde.

6

Meint auch das ein zug mit gewicht könt5 darauf gesazt werdenn, die soviehl sohle heraus bringenn könte, als Jzige kunst,

Er meint auch, dass ein Zug mit Gewicht daraufgesetzt werden könnte, der so viel Sole herausbringen könnte wie die jetzige Kunst.

Unsichere Lesungen

  1. wans — frühnhd. wan = leer, schadhaft; Lesung nicht ganz sicher, auch 'wanck' denkbar; übersetzt als 'schadhaft'
  2. Rörenn — Anfangsbuchstabe R/K im Duktus mehrdeutig; 'Röhren' (der Kunst) nach dem Kontext
  3. Bodenn — Wort mit Querstrich – wohl Zierstrich, keine Tilgung
  4. [gestrichen: Frannckfurt] — Herkunftsangabe gestrichen; nach 'gefragt' zusätzlich ein gestrichener Schnörkel/Buchstabe, unleserlich
  5. könt — Lesung könt/kömt; dem Sinn nach 'könnte'

S. 126

Bl. 61vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Sagt auch das vf der seittenn Jegenn dem kunsthaus, das meiste wilde wasser in Salzbronn feldt, Darumb soll mann zwölff pompenn1 Inn Bornn sezenn, vnd den ausösenn, damit mann den grundt sehen könte,

Er sagt auch, dass auf der Seite gegen das Kunsthaus das meiste wilde Wasser in den Salzbrunnen fällt; darum soll man zwölf Pumpen in den Born setzen und ihn ausschöpfen, damit man den Grund sehen könnte.

2

Meister Annthonius Baumeister zu Ziegennhain, sagt vf des Stadthalters fragt, ob die kunst dem Borne schadenn thue oder nit, vnnd wie dem Bornn zuhelffenn were,

Meister Antonius, Baumeister zu Ziegenhain, sagt auf die Frage des Statthalters, ob die Kunst dem Born Schaden tue oder nicht und wie dem Born zu helfen wäre:

3

Die kunst sey dem Borne nit nuzlich, dann der Born sey mittenn nidrigk, vnnd das fas vf etlichenn ortenn ledigk, hab die kunst mit den schleuchenn ausgezogenn,

Die Kunst sei dem Born nicht nützlich, denn der Born sei in der Mitte niedrig, und das Fass sei an etlichen Orten leer; das habe die Kunst mit den Schläuchen herausgezogen.

4

Der den Bornn gebauwet hat, der hat den vf den kies2 gesezt, Darumb must mann kunst sezenn, das der Bornn ausgeöst wurde, Damit mann dem Bornn vf dem Bodenn sehenn konne,

Wer den Born gebaut hat, der hat ihn auf den Kies gesetzt; darum musste man eine Kunst einsetzen, damit der Born ausgeschöpft würde und man dem Born auf den Boden sehen könnte.

5

Meint auch besser sein, das holzer Rörenn vnd leddernn schleuche gesezt wurdenn, hettenn kein gewalt noch läst, vnnd solten in einem troge gehen,

Er meint auch, es sei besser, dass hölzerne Röhren und lederne Schläuche gesetzt würden; die hätten weder Gewalt noch Last auszuhalten und sollten in einem Trog laufen.

6

Der Thonn sey vnnfleissige3 hinein kommenn, sey klomperchtige4.

Der Ton sei nachlässig hineingebracht worden und sei klumpig.

Unsichere Lesungen

  1. zwölff pompenn — Zahlwort zwölf; Lesung ziemlich sicher, aber auffällig hohe Zahl
  2. kies — Anfangsbuchstabe k/b nicht ganz sicher; 'Kies' nach dem Kontext (Brunnengrund)
  3. vnnfleissige — Lesung unsicher; verstanden als 'unfleißig' = nachlässig
  4. klomperchtige — Wort mit langem Querstrich – wohl Zierstrich/Unterstreichung, keine Tilgung; Lesung klomperchtige/klemperchtige, verstanden als 'klumpig'

S. 127

Bl. 62rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Nach Mittage zu gehe ein Ader starck, aber der Tast1[?] sey zu grob noch darauf, das mann nit eigenntlich sehenn konne, wo sie sich ereugtt2.

Gegen Mittag (Süden) hin gehe eine Ader stark; aber das darüber Liegende sei noch zu grob, sodass man nicht genau sehen könne, wo sie hervortritt.

2

Heinz vonn Lutter sagt, das in Lothringenn viel Salzwerck sein, die liegenn gemeinlich im gemohr3, Hab Balthasar Merz, vnnd Meister Kunz der Zimmermann besichtiget, vnnd vielleicht, darauf verzeichnus gemacht,

Heinz von Lutter sagt, dass es in Lothringen viele Salzwerke gibt, die gemeinhin im Moorgrund liegen; Balthasar Merz und Meister Kunz, der Zimmermann, haben sie besichtigt und vielleicht ein Verzeichnis darüber gemacht.

3

Derowegenn hat mann sich zuerkundenn, vnnd vonn dem ort leute zubekommenn, die gutenn Rath gebenn köntenn,

Deswegen hat man sich zu erkundigen und von dem Ort Leute zu bekommen, die guten Rat geben könnten.

4

Meister Hanns Güldennzopff vonn Freunbergk4[?] sagt, es thue vonn nötenn, das der Bornn Neue gefast, vnd diesenn winter darzu alle bereitschafft verschafft5 werde,

Meister Hans Güldenzopf vom Freunberg sagt, es tue not, dass der Born neu gefasst und diesen Winter dazu alle Bereitschaft (alles Nötige) beschafft werde.

5

Die beste fassung ist Inns gefierdte zu sezen, vnnd viel besser dann mit den Rundenn fassenn,

Die beste Fassung ist, ins Geviert (viereckig) zu setzen; das ist viel besser, als mit dem Runden zu fassen.

6

Diese alte fassung sey sehr wanndelbar, vnnd sey werck6, da es ein Werckmann gemacht hette, were es bestenndiger vnnd kunstlicher.

Diese alte Fassung sei sehr baufällig; und wäre das Werk von einem Werkmann gemacht worden, wäre es beständiger und kunstgerechter.

7

Sollenn zwene Schachte gemacht werdenn diesennLäuft auf der nächsten Seite weiter

Es sollen zwei Schächte gemacht werden; diesen …

Unsichere Lesungen

  1. Tast — Lesung Tast/Last unsicher; verstanden als das über der Ader Liegende, das die Sicht verwehrt
  2. ereugtt — Zierstrich durch tt, keine Tilgung; ereugen = sich zeigen
  3. gemohr — wohl 'Gemoor' (Moorgrund); Lesung ziemlich sicher
  4. Freunbergk — Herkunftsname unsicher; auch Frauenberg, Freudenberg oder Creuzberg denkbar
  5. bereitschafft verschafft — beide Wörter mit Zierstrich durch fft, keine Tilgung
  6. vnnd sey werck — Wortlaut syntaktisch hart; 'hette' mit Zierstrich durch tt, keine Tilgung; Übersetzung sinngemäß

S. 128

Bl. 62vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)
1

wintter, die Östenn1[?] dem Bronn, vnnd könndt man gleichwohl siedenn, Wann der Bronn zu grundt geöst2 wurde, könnt mann vonn den adernn redenn, Wann die Salzadernn noch geringer were als diese, so könnte mann es durch die waßer Schechte Jnnenn werdenn, vnnd die gepüre rechte adernn findenn, Wann mann die rechte adernn findenn will, so muß mann seiner natur nachvolgenn, dann gewiß, das die rechte Sohle in einem sonndernn gehenße3[?] gehe, Die taubenn am faß des Salzbronns sein etlich scharff Kann nit befindenn, das Jzige Kunst dem Bornne schadenn thue, dann die schleuche nit vffm Bodenn oder grundt stehenn, Meister Hanns Wezell4 der Zimmermann sagtt, wann diese Jzige alte faßung bleibenn sölte, das mann die ader so aus dem faße bliebenn ist, Jnnsonnderheit gefast wurde, Jnnwenndigk vnd auswendigk, Der Bornn ist vnntenn viel enger dann obenn, vnd wan

Winter das Ösen (Ausschöpfen) des Borns, und man könnte gleichwohl sieden. Wenn der Born bis auf den Grund geöst würde, könnte man von den Adern reden. Wenn die Salzader noch geringer wäre als diese, so könnte man es durch die Wasserschächte innewerden und die gebührenden rechten Adern finden. Wenn man die rechte Ader finden will, so muss man ihrer Natur nachfolgen; denn es ist gewiss, dass die rechte Sole in einem besonderen Gehäuse geht. Die Dauben am Fass des Salzborns sind zum Teil scharf. Ich kann nicht befinden, dass die jetzige Kunst dem Born Schaden tut, denn die Schläuche stehen nicht auf dem Boden oder Grund. Meister Hans Wetzel, der Zimmermann, sagt, wenn diese jetzige alte Fassung bleiben sollte, dass man die Ader, die außerhalb des Fasses geblieben ist, insbesondere fassen müsste, inwendig und auswendig. Der Born ist unten viel enger als oben, und wenn

Unsichere Lesungen

  1. Östenn — Ostern oder Osten unklar (Z. 1)
  2. geöst — ösen = ausschöpfen, Lesung wahrscheinlich (Z. 3)
  3. gehenße — Gehänge? Endung unklar (Z. 10)
  4. Wezell — Name, e/a unsicher (Z. 15)

S. 129

Bl. 63rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitegannzenn dielenn Jeglich fas in verzeittenn geseztt3.

… aus ganzen Dielen; jedes Fass wurde zu verschiedenen Zeiten gesetzt.

2

Vff solche abhörung vnnd bericht ist geschlossenn, das der Tam1 vmb den Salzbronn ein achtennteil vf ein mahl vfgethann, vnnd dann vonn neuwem außgetembt2 werde, vnnd also gar vmbhero kann ohnn alle beschwerung geschehenn,

Auf diese Anhörung und diesen Bericht hin ist beschlossen worden, dass der Damm um den Salzbrunnen jeweils zu einem Achtel auf einmal geöffnet und dann von neuem ausgedämmt werden soll; so kann es ringsum ganz ohne alle Beschwernis geschehen,

3

vnnd dadurch wirdt mann Innen, ob manngell sey oder nit am Salzbronn, dann das fas noch allennthalbenn gannz vnd gut ist,

und dadurch wird man gewahr, ob am Salzbrunnen ein Mangel besteht oder nicht, denn das Fass ist noch überall ganz und gut.

4

Jorge Behm ernnstlich befohlnn, diese Kunst abzuthun, vnnd ein annder leichter Kunst zu außbringung der Sohl zumachenn,

Jorge Behm wurde ernstlich befohlen, dieses Pumpwerk abzubauen und ein anderes, leichteres Werk zur Förderung der Sole zu bauen;

5

aber er weis kein annder Kunst zumachenn, dann das er diese Kunst annders faße, vnnd hannge,

aber er weiß kein anderes Werk zu bauen, außer dass er dieses Werk anders fassen und aufhängen will,

6

das haus vffm Borne abthue, vnnd den stall hinder sich rucke, auch im Salzbronn vnter die schleucht ein kastenn mache, doch das er nit vf den Boddenn rucke,

das Haus über dem Brunnen abbrechen und den Stall nach hinten versetzen, auch im Salzbrunnen unter der Schleuche (Zulaufrinne) einen Kasten anbringen will, doch so, dass er nicht auf den Boden rückt.

7

Wo mann den Bornn vfreist, soltt mann es wohl böser machenn, darumb vonn nötenn den Bornn gar auszuösenn, könnte mann die adernn erkennen vnd den manngell sehenn,

Wenn man den Brunnen aufreißt, könnte man es wohl noch schlimmer machen; darum wäre es nötig, den Brunnen ganz auszuschöpfen (auszuösen); dann könnte man die Adern erkennen und den Mangel sehen.

Unsichere Lesungen

  1. Tam — Anfangsbuchstabe nicht ganz sicher (T/S); dem Sinn nach Damm um den Salzbrunnen
  2. außgetembt — Lesung der Buchstabenfolge -embt gesichert per Zoom; gedeutet als ausgedämmt
  3. geseztt — Satzanfang fehlt (steht auf der Vorseite); Zierstriche durch tt

S. 130

Bl. 63vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Vonn solchenn gepflegtenn hanndelungenn hochgedachtem vnnserm gnedigenn furstenn vnd herrn mit wissen des Herrnn Stadthalters Inn die schwere harte Custodien1, schrifftlicher bericht geschehenn ist, Innhaltenndt, wie volgett.

Über diese geführten Verhandlungen ist dem hochgedachten, unserem gnädigen Fürsten und Herrn mit Wissen des Herrn Statthalters in die schwere, harte Gefangenschaft (Custodie) schriftlicher Bericht erstattet worden, folgenden Inhalts:

2

Dem durchleuchtigenn Hochgebornnenn furstenn vnd herrenn Herrn Philipsenn Lanndtgrauen zu Hessenn, Grauenn zu Cazennelnpogenn etc. vnnserm gnedigenn furstenn vnd Herrnn

Dem durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen etc., unserem gnädigen Fürsten und Herrn.

3

Durchleuchtiger Hochgebornner furst, E. F. G. sein vnnser vnderthenig, schuldige, vnnd gannz bereitwillige diennste alzeit zuvor, Gnediger furst vnd herr,

Durchlauchtiger, hochgeborener Fürst, Euer Fürstlichen Gnaden seien unsere untertänigen, schuldigen und ganz bereitwilligen Dienste allezeit zuvor entboten, gnädiger Fürst und Herr.

4

Wiewohl wir bisdaher, vonn einer zeit zur anndernn E. f. gl. erledigung vnnd heimkunfft, mit herzlicher vnnd hochster begir gehofft, vnnd noch teglich hoffenn, Innsonnderheit dieweil die Capitulation articul alle volnzogenn,

Wiewohl wir bisher von einer Zeit zur anderen Euer Fürstlicher Gnaden Freilassung und Heimkehr mit herzlichem und höchstem Verlangen erhofft haben und noch täglich erhoffen, insbesondere weil die Artikel der Kapitulation alle vollzogen sind,

5

So werdenn doch E. f. gl. leider Gott geclagt2, vber das alles vonn tage zu tage vfgehalttenn, derwegenn wirLäuft auf der nächsten Seite weiter

so werden Euer Fürstliche Gnaden doch, Gott sei es geklagt, trotz alledem von Tag zu Tag hingehalten; deswegen wir …

Unsichere Lesungen

  1. Custodien — gemeint ist die Gefangenschaft Landgraf Philipps (1547-1552)
  2. geclagt — c/r schwer unterscheidbar; Formel leider Gott geklagt

S. 131

Bl. 64rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitegros herzlich mitleidenn tragenn, vnnd doch vnns die eußerste noth tringt, ann E. f. gl. diesenn schrifftlichenn bericht gelegennheit des Salzwercks halbenn zum Sodenn zuthun,

… großes, herzliches Mitleiden tragen; und doch zwingt uns die äußerste Not, an Euer Fürstliche Gnaden diesen schriftlichen Bericht über die Lage des Salzwerks zu Sooden zu richten.

2

Hettenn aber weis Gott E. f. gl. zu Irer Jzigenn großenn vnnd eußerstenn beschwerungenn, gernn damit verschonnt, So habenn wir es doch lennger nit vmbgehenn, noch vfhaltenn konnenn, vnnd helt sich also,

Wir hätten aber, weiß Gott, Euer Fürstliche Gnaden bei ihren jetzigen großen und äußersten Beschwernissen gern damit verschont; doch haben wir es nicht länger umgehen noch aufschieben können, und es verhält sich so:

3

E. F. G. habenn verschienenn den 29. Juny dis Jars aus dem kaÿ: Lager zur Neuenn stadt1 ann derselbenn Stadthalter vnnd Räthe alhie zu Cassell, des Salzbronns halbenn zum Sodenn also geschriebenn,

Euer Fürstliche Gnaden haben am vergangenen 29. Juni dieses Jahres aus dem kaiserlichen Lager zu Neustadt an dero Statthalter und Räte hier in Kassel wegen des Salzbrunnens zu Sooden folgendermaßen geschrieben:

4

Dieweil E. f. gl. für Irem abreisenn befundenn das der Salzbronn zu Allenndorff ann der Werra manngellhafftigk, so seÿ E. f. gl.2 das sie Stadthalter vnnd Räthe, mit Rath ezlicher Pfenner vnnd annder verstenndigenn biderleuthe, solchem manngell zuhelffenn vnterstehenn sollenn,

Weil Euer Fürstliche Gnaden vor ihrer Abreise befunden haben, dass der Salzbrunnen zu Allendorf an der Werra mangelhaft sei, so sei es Euer Fürstlicher Gnaden Wille, dass die Statthalter und Räte mit dem Rat etlicher Pfänner und anderer verständiger Biederleute es unternehmen sollen, diesem Mangel abzuhelfen,

5

doch in allewege mit vfzusehenn, das nit vbell werde erger gemacht,

doch in jedem Fall mit der Vorsicht, dass das Übel nicht noch schlimmer gemacht werde.

Unsichere Lesungen

  1. zur Neuenn stadt — kaiserliches Feldlager zu Neustadt; welcher Ort gemeint ist, bleibt offen
  2. so seÿ E. f. gl. — elliptisch; zu ergänzen wohl Wille oder Befehl

S. 132

Bl. 64vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Darauf vier der vornembstenn vnnd Elttestenn der Pfenner vf den 11. Julij alhier gein Cassell beschrieben wordenn,

Daraufhin wurden vier der vornehmsten und ältesten Pfänner auf den 11. Juli hierher nach Kassel geladen,

2

vnnd sein vonn E. f gl. wegenn derselbenn Stadthalter, Lanndtvogt, vnnd Doctor Walther, E. fgl. amptknechte dhin Sodem1 vnnd wir beyde bey solcher handelung gewesenn,

und von Euer Fürstlichen Gnaden wegen sind deretwegen der Statthalter, der Landvogt und Doktor Walther, Euer Fürstlichen Gnaden Amtsknechte dahin nach Sooden, sowie wir beide bei dieser Verhandlung zugegen gewesen,

3

vnnd notturfftiglich gerathschlaget wie vnnd welcher massenn solchem manngell kont2 oder möcht gerathenn werdenn,

und es wurde gründlich beraten, wie und auf welche Weise diesem Mangel abgeholfen werden könnte oder möchte.

4

also ist desmahls geschlossenn, Dieweil die Söder für vnnd für klagenn, vnnd doch im Pfenner buche stunde, das mann Irer klage nit leichtlich glaubenn gebenn solt,

Daher ist damals beschlossen worden: Weil die Söder immerfort klagen und doch im Pfännerbuch stand, dass man ihren Klagen nicht leichthin Glauben schenken solle,

5

vnnd doch wohl sein möchte das die gebeuwe vmb den Salzbronn durch lennge der Zeit etwas manngelhafftigk sein köntenn,

und es doch wohl sein könnte, dass die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft geworden sein könnten:

6

Das nach dem gehaltenem zu der Zeit am schieste3[?] für die Kay:5 Commißarien bestimptenn Lanndtage der Stadthalter, Lanndtvogt, Nordeck, Heinz von Lutter4, vnnd annder verstenndige werckleute

dass nach dem abgehaltenen, zu jener Zeit als nächstes für die kaiserlichen Kommissarien anberaumten Landtag der Statthalter, der Landvogt, Nordeck, Heinz von Lutter und andere sachverständige Werkleute

7

vf einen namhafftigenn tagk, welchenn der Stadthalter benennenn solt, inn Augennschein dhin Sodenn annkommen,Läuft auf der nächsten Seite weiter

an einem bestimmten Tag, den der Statthalter benennen sollte, zur Besichtigung nach Sooden kommen (…)

Unsichere Lesungen

  1. dhin Sodem — Wort vor der Einfügung Sodem unsicher gelesen (dhin = dahin?); Einfügung über der Zeile
  2. kont — Lesung des Wortes am Zeilenende nicht ganz sicher (kont = könnte)
  3. schieste — Lesung unsicher; wohl Form von schierst (= nächst bevorstehend)
  4. Heinz von Lutter — Name nicht ganz sicher; vermutlich Heinz von Lüder
  5. Kay: — Kay: mit horizontalem Kürzungsstrich (kaiserlichen); kein Tilgungsstrich, vgl. Kayr: Mayt: auf Blatt 65r

S. 133

Bl. 65rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd vonn solchem manngell, wie dem am bestenn vnd nuzlichstenn möchte vorkommenn werdenn, zu rathschlagenn,

… und über diesen Mangel zu beraten, wie ihm am besten und nützlichsten vorgebeugt werden könnte.

2

Jnn gleichnus1 soltenn die Pfenner sich auch stadtlich darzu geschickt machtenn, vnnd auch nach verstenndigenn Bawleutenn mit vleis trachten,

Desgleichen sollten die Pfänner sich ebenfalls gehörig darauf vorbereiten und sich auch mit Fleiß um sachverständige Bauleute bemühen.

3

Mittler Zeit solt der Sohlgrabe bis furs gewelbe, wie wir dann desmahls albereit für diesem tage in arbeit warenn, so viel es mennschlich vnnd muglich geraumbt werdenn,

Mittlerweile sollte der Sohlgraben bis vor das Gewölbe — wie wir denn damals bereits vor diesem Tag an der Arbeit waren — so weit es menschlich und möglich ist, geräumt werden,

4

Ob mann furm Gewelbe außerhalb den Sodenn einenn abfall erlanngenn vnnd habenn möchtte,

ob man vor dem Gewölbe außerhalb des Soodens einen Abfluss (Abfall) gewinnen und haben könnte.

5

Dieweil aber in des vielerley E. f. gl. mercklich gescheffte furfielenn, auch inder Zeit E. f. gl. Stadthalter etwas schwach,

Weil aber unterdessen vielerlei bedeutende Geschäfte Euer Fürstlicher Gnaden anfielen, auch in dieser Zeit Euer Fürstlicher Gnaden Statthalter etwas schwach (kränklich) war,

6

vnnd Ich Jost mit dem leztenn gelde Kayr: Mayt:3 zu enndtlicher enndtlicher2 enndtrichtung der Capitulation articul zuliefernn gein Speyr geschickt wordenn,

und ich, Jost, mit dem letzten Geld nach Speyer geschickt wurde, um es der Kaiserlichen Majestät zur endgültigen Entrichtung der Kapitulationsartikel zu überbringen,

7

hat sich solcher tagk bis auff den leztenn Augusti erstreckt vnnd verweilett.

hat sich dieser Termin bis auf den letzten August hinausgezogen und verzögert.

8

Da sein des tags vonn E. f. gl. wegenn zu AllendorffLäuft auf der nächsten Seite weiter

Da sind an diesem Tag von Euer Fürstlicher Gnaden wegen zu Allendorf (…)

Unsichere Lesungen

  1. Jnn gleichnus — Lesung des ersten Wortes (Jnn/Jm) nicht ganz sicher; Sinn: desgleichen
  2. enndtlicher enndtlicher — Wortdoppelung am Zeilenumbruch (Zeile 15/16), so in der Vorlage
  3. Kayr: Mayt: — beide Wörter mit horizontalem Kürzungsstrich (Kayserlicher Maytstät)

S. 134

Bl. 65vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitezukommenn der Stadthalter zu Cassell, Lanndtvogt, Heinz vonn Lutter, Johann Nordeck, Valtin Thulde1, vnnd wir beide sampt E. fgl. ampt knechten zum Sodenn,

… angekommen: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thulde und wir beide samt Euer Fürstlicher Gnaden Amtsknechten, zum Sooden,

2

vnnd vonn Gemeiner Pfenner wegenn, vnnd auch für sich selbst Jnn die dreißigk personenn, von Prelaten, Adell vnnd Burger, so alle mit Pfenner warenn,

und von wegen der gemeinen Pfänner, und auch für sich selbst, an die dreißig Personen von Prälaten, Adel und Bürgern, die alle Mitpfänner waren.

3

Da ist die vorige obberurte Hanndelung, vnnd der abschiedt zu Cassell repetirt,

Da wurde die vorige, oben berührte Verhandlung und der Abschied zu Kassel wiederholt,

4

vnnd nach vielen langen hin vnnd wieder gehaptenn redenn, geschlossenn, das der Salzbronn solt vfs aller niedrigst ausgeöst, vnnd darnach besichtiget werdenn,

und nach vielen langen, hin und her geführten Reden beschlossen, dass der Salzbrunnen aufs allertiefste ausgeschöpft und danach besichtigt werden sollte.

5

Also that mann zustundt ann2, den Salzbronn ausgeöst, bis vff ein ehlenn tieff Sohl,

Also machte man sich sogleich daran: der Salzbrunnen wurde ausgeschöpft bis auf eine Elle tief Sole.

6

darnach seindt vonn E. fgl. vnnd gemeiner Pfenner wegenn, Ich Hienrich Muldenner3, Johann Niedennstein Burgermeister vnnd der Pfenner Salzgreuen zu Allendorff mit sampt vier Werckmeisternn, als nemblich Meister Hanns vonn Franckfurth SteinLäuft auf der nächsten Seite weiter

Danach sind von Euer Fürstlicher Gnaden und der gemeinen Pfänner wegen ich, Heinrich Muldenner, Johann Niedenstein, Bürgermeister, und der Salzgräfe der Pfänner zu Allendorf samt vier Werkmeistern — nämlich Meister Hans von Frankfurt, Stein… (…)

Unsichere Lesungen

  1. Valtin Thulde — Familienname unsicher gelesen (Thulde/Chulde?)
  2. that mann zustundt ann — Wendung unsicher; wohl: machte man sich sogleich daran
  3. Hienrich Muldenner — Name unsicher gelesen (Muldenner/Wuldenner?)

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