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Salzbibel · Lesetext · 5. Buch

Das fünfte Buch · S. 131–140

Berkers Baubericht von 1550 · S. 131–140 · Bl. 64r–68v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Berkers Baubericht von 1550

S. 103–277 · Bl. 50r–137v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch

S. 131

Bl. 64rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitegros herzlich mitleidenn tragenn, vnnd doch vnns die eußerste noth tringt, ann E. f. gl. diesenn schrifftlichenn bericht gelegennheit des Salzwercks halbenn zum Sodenn zuthun,

… großes, herzliches Mitleiden tragen; und doch zwingt uns die äußerste Not, an Euer Fürstliche Gnaden diesen schriftlichen Bericht über die Lage des Salzwerks zu Sooden zu richten.

2

Hettenn aber weis Gott E. f. gl. zu Irer Jzigenn großenn vnnd eußerstenn beschwerungenn, gernn damit verschonnt, So habenn wir es doch lennger nit vmbgehenn, noch vfhaltenn konnenn, vnnd helt sich also,

Wir hätten aber, weiß Gott, Euer Fürstliche Gnaden bei ihren jetzigen großen und äußersten Beschwernissen gern damit verschont; doch haben wir es nicht länger umgehen noch aufschieben können, und es verhält sich so:

3

E. F. G. habenn verschienenn den 29. Juny dis Jars aus dem kaÿ: Lager zur Neuenn stadt1 ann derselbenn Stadthalter vnnd Räthe alhie zu Cassell, des Salzbronns halbenn zum Sodenn also geschriebenn,

Euer Fürstliche Gnaden haben am vergangenen 29. Juni dieses Jahres aus dem kaiserlichen Lager zu Neustadt an dero Statthalter und Räte hier in Kassel wegen des Salzbrunnens zu Sooden folgendermaßen geschrieben:

4

Dieweil E. f. gl. für Irem abreisenn befundenn das der Salzbronn zu Allenndorff ann der Werra manngellhafftigk, so seÿ E. f. gl.2 das sie Stadthalter vnnd Räthe, mit Rath ezlicher Pfenner vnnd annder verstenndigenn biderleuthe, solchem manngell zuhelffenn vnterstehenn sollenn,

Weil Euer Fürstliche Gnaden vor ihrer Abreise befunden haben, dass der Salzbrunnen zu Allendorf an der Werra mangelhaft sei, so sei es Euer Fürstlicher Gnaden Wille, dass die Statthalter und Räte mit dem Rat etlicher Pfänner und anderer verständiger Biederleute es unternehmen sollen, diesem Mangel abzuhelfen,

5

doch in allewege mit vfzusehenn, das nit vbell werde erger gemacht,

doch in jedem Fall mit der Vorsicht, dass das Übel nicht noch schlimmer gemacht werde.

Unsichere Lesungen

  1. zur Neuenn stadt — kaiserliches Feldlager zu Neustadt; welcher Ort gemeint ist, bleibt offen
  2. so seÿ E. f. gl. — elliptisch; zu ergänzen wohl Wille oder Befehl

S. 132

Bl. 64vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Darauf vier der vornembstenn vnnd Elttestenn der Pfenner vf den 11. Julij alhier gein Cassell beschrieben wordenn,

Daraufhin wurden vier der vornehmsten und ältesten Pfänner auf den 11. Juli hierher nach Kassel geladen,

2

vnnd sein vonn E. f gl. wegenn derselbenn Stadthalter, Lanndtvogt, vnnd Doctor Walther, E. fgl. amptknechte dhin Sodem1 vnnd wir beyde bey solcher handelung gewesenn,

und von Euer Fürstlichen Gnaden wegen sind deretwegen der Statthalter, der Landvogt und Doktor Walther, Euer Fürstlichen Gnaden Amtsknechte dahin nach Sooden, sowie wir beide bei dieser Verhandlung zugegen gewesen,

3

vnnd notturfftiglich gerathschlaget wie vnnd welcher massenn solchem manngell kont2 oder möcht gerathenn werdenn,

und es wurde gründlich beraten, wie und auf welche Weise diesem Mangel abgeholfen werden könnte oder möchte.

4

also ist desmahls geschlossenn, Dieweil die Söder für vnnd für klagenn, vnnd doch im Pfenner buche stunde, das mann Irer klage nit leichtlich glaubenn gebenn solt,

Daher ist damals beschlossen worden: Weil die Söder immerfort klagen und doch im Pfännerbuch stand, dass man ihren Klagen nicht leichthin Glauben schenken solle,

5

vnnd doch wohl sein möchte das die gebeuwe vmb den Salzbronn durch lennge der Zeit etwas manngelhafftigk sein köntenn,

und es doch wohl sein könnte, dass die Bauten um den Salzbrunnen durch die Länge der Zeit etwas mangelhaft geworden sein könnten:

6

Das nach dem gehaltenem zu der Zeit am schieste3[?] für die Kay:5 Commißarien bestimptenn Lanndtage der Stadthalter, Lanndtvogt, Nordeck, Heinz von Lutter4, vnnd annder verstenndige werckleute

dass nach dem abgehaltenen, zu jener Zeit als nächstes für die kaiserlichen Kommissarien anberaumten Landtag der Statthalter, der Landvogt, Nordeck, Heinz von Lutter und andere sachverständige Werkleute

7

vf einen namhafftigenn tagk, welchenn der Stadthalter benennenn solt, inn Augennschein dhin Sodenn annkommen,Läuft auf der nächsten Seite weiter

an einem bestimmten Tag, den der Statthalter benennen sollte, zur Besichtigung nach Sooden kommen (…)

Unsichere Lesungen

  1. dhin Sodem — Wort vor der Einfügung Sodem unsicher gelesen (dhin = dahin?); Einfügung über der Zeile
  2. kont — Lesung des Wortes am Zeilenende nicht ganz sicher (kont = könnte)
  3. schieste — Lesung unsicher; wohl Form von schierst (= nächst bevorstehend)
  4. Heinz von Lutter — Name nicht ganz sicher; vermutlich Heinz von Lüder
  5. Kay: — Kay: mit horizontalem Kürzungsstrich (kaiserlichen); kein Tilgungsstrich, vgl. Kayr: Mayt: auf Blatt 65r

S. 133

Bl. 65rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd vonn solchem manngell, wie dem am bestenn vnd nuzlichstenn möchte vorkommenn werdenn, zu rathschlagenn,

… und über diesen Mangel zu beraten, wie ihm am besten und nützlichsten vorgebeugt werden könnte.

2

Jnn gleichnus1 soltenn die Pfenner sich auch stadtlich darzu geschickt machtenn, vnnd auch nach verstenndigenn Bawleutenn mit vleis trachten,

Desgleichen sollten die Pfänner sich ebenfalls gehörig darauf vorbereiten und sich auch mit Fleiß um sachverständige Bauleute bemühen.

3

Mittler Zeit solt der Sohlgrabe bis furs gewelbe, wie wir dann desmahls albereit für diesem tage in arbeit warenn, so viel es mennschlich vnnd muglich geraumbt werdenn,

Mittlerweile sollte der Sohlgraben bis vor das Gewölbe — wie wir denn damals bereits vor diesem Tag an der Arbeit waren — so weit es menschlich und möglich ist, geräumt werden,

4

Ob mann furm Gewelbe außerhalb den Sodenn einenn abfall erlanngenn vnnd habenn möchtte,

ob man vor dem Gewölbe außerhalb des Soodens einen Abfluss (Abfall) gewinnen und haben könnte.

5

Dieweil aber in des vielerley E. f. gl. mercklich gescheffte furfielenn, auch inder Zeit E. f. gl. Stadthalter etwas schwach,

Weil aber unterdessen vielerlei bedeutende Geschäfte Euer Fürstlicher Gnaden anfielen, auch in dieser Zeit Euer Fürstlicher Gnaden Statthalter etwas schwach (kränklich) war,

6

vnnd Ich Jost mit dem leztenn gelde Kayr: Mayt:3 zu enndtlicher enndtlicher2 enndtrichtung der Capitulation articul zuliefernn gein Speyr geschickt wordenn,

und ich, Jost, mit dem letzten Geld nach Speyer geschickt wurde, um es der Kaiserlichen Majestät zur endgültigen Entrichtung der Kapitulationsartikel zu überbringen,

7

hat sich solcher tagk bis auff den leztenn Augusti erstreckt vnnd verweilett.

hat sich dieser Termin bis auf den letzten August hinausgezogen und verzögert.

8

Da sein des tags vonn E. f. gl. wegenn zu AllendorffLäuft auf der nächsten Seite weiter

Da sind an diesem Tag von Euer Fürstlicher Gnaden wegen zu Allendorf (…)

Unsichere Lesungen

  1. Jnn gleichnus — Lesung des ersten Wortes (Jnn/Jm) nicht ganz sicher; Sinn: desgleichen
  2. enndtlicher enndtlicher — Wortdoppelung am Zeilenumbruch (Zeile 15/16), so in der Vorlage
  3. Kayr: Mayt: — beide Wörter mit horizontalem Kürzungsstrich (Kayserlicher Maytstät)

S. 134

Bl. 65vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitezukommenn der Stadthalter zu Cassell, Lanndtvogt, Heinz vonn Lutter, Johann Nordeck, Valtin Thulde1, vnnd wir beide sampt E. fgl. ampt knechten zum Sodenn,

… angekommen: der Statthalter zu Kassel, der Landvogt, Heinz von Lutter, Johann Nordeck, Valentin Thulde und wir beide samt Euer Fürstlicher Gnaden Amtsknechten, zum Sooden,

2

vnnd vonn Gemeiner Pfenner wegenn, vnnd auch für sich selbst Jnn die dreißigk personenn, von Prelaten, Adell vnnd Burger, so alle mit Pfenner warenn,

und von wegen der gemeinen Pfänner, und auch für sich selbst, an die dreißig Personen von Prälaten, Adel und Bürgern, die alle Mitpfänner waren.

3

Da ist die vorige obberurte Hanndelung, vnnd der abschiedt zu Cassell repetirt,

Da wurde die vorige, oben berührte Verhandlung und der Abschied zu Kassel wiederholt,

4

vnnd nach vielen langen hin vnnd wieder gehaptenn redenn, geschlossenn, das der Salzbronn solt vfs aller niedrigst ausgeöst, vnnd darnach besichtiget werdenn,

und nach vielen langen, hin und her geführten Reden beschlossen, dass der Salzbrunnen aufs allertiefste ausgeschöpft und danach besichtigt werden sollte.

5

Also that mann zustundt ann2, den Salzbronn ausgeöst, bis vff ein ehlenn tieff Sohl,

Also machte man sich sogleich daran: der Salzbrunnen wurde ausgeschöpft bis auf eine Elle tief Sole.

6

darnach seindt vonn E. fgl. vnnd gemeiner Pfenner wegenn, Ich Hienrich Muldenner3, Johann Niedennstein Burgermeister vnnd der Pfenner Salzgreuen zu Allendorff mit sampt vier Werckmeisternn, als nemblich Meister Hanns vonn Franckfurth SteinLäuft auf der nächsten Seite weiter

Danach sind von Euer Fürstlicher Gnaden und der gemeinen Pfänner wegen ich, Heinrich Muldenner, Johann Niedenstein, Bürgermeister, und der Salzgräfe der Pfänner zu Allendorf samt vier Werkmeistern — nämlich Meister Hans von Frankfurt, Stein… (…)

Unsichere Lesungen

  1. Valtin Thulde — Familienname unsicher gelesen (Thulde/Chulde?)
  2. that mann zustundt ann — Wendung unsicher; wohl: machte man sich sogleich daran
  3. Hienrich Muldenner — Name unsicher gelesen (Muldenner/Wuldenner?)

S. 135

Bl. 66rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitemetz, Burger zu Hombergk Jnn Hessenn, E. f. gl.1 Bawmeister zu Ziegennhain Anthonius, Meister Hanns Guldennkopff vonn Weynmar Jn duringenn, welcher mehr Saltzwercke gebawet, vnnd dann einen Zimmermann Hanns Wizell genanndt,

…metz, Bürger zu Homberg in Hessen, Euer fürstlichen Gnaden Baumeister zu Ziegenhain Anthonius, Meister Hans Guldenkopf von Weimar in Thüringen, der mehrere Salzwerke gebaut hat, und dazu einen Zimmermann namens Hans Wetzel,

2

so E. f. G. etlich Jar Im Bodenn ann allerley bewenn gearbeit, Inn den Saltzbronn zu grunde zusteigenn, vnnd allen manngell zubesichtigenn, verordennt wordenn, dem wir dann also gelebt vnnd nachkommenn sein,

der Euer fürstlichen Gnaden etliche Jahre im Siedehaus (Boden) an allerlei Bauten gearbeitet hat; sie wurden verordnet, in den Salzbrunnen bis auf den Grund hinabzusteigen und alle Mängel zu besichtigen — dem sind wir dann auch so nachgelebt und nachgekommen.

3

Da habenn wir eigenntlich vnnd augennscheinlich befundenn, das das fas im Saltzbronn vffm grunde, auch der Tam2 mangellhafftigk, vnnd wir habenn vnter dem fasse hin Inn den Tam mehr dann einer ehlen lanng greiffenn könnenn,

Da haben wir genau und augenscheinlich befunden, dass das Fass im Salzbrunnen auf dem Grund und auch der Damm mangelhaft sind, und wir haben unter dem Fass hindurch mehr als eine Elle weit in den Damm hineingreifen können.

4

Nach solcher besichtigung vf vnnd vmb den Saltzbron, Sohlgrabenn, Kunste vnnd annders des tags vnnd artts3 geschehenn,

Nach dieser Besichtigung auf und um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke (Künste) und anderes, wie sie an diesem Tag und in dieser Weise geschehen ist,

5

Habenn die Pfenner den Saltzbronn mitt einer Wardeln oder Leynenn, darann Bleyenn Zeichl4 vnnd feddern gehanngen, Inn die Höge tieffe, weitte vnnd lennge, Inn vnnd auswenndigk zumessenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter

haben die Pfänner begonnen, den Salzbrunnen mit einer Wardel oder Leine, an der bleierne Zeichen und Federn hingen, nach Höhe, Tiefe, Weite und Länge innen und außen zu vermessen,

Unsichere Lesungen

  1. E. f. gl. — Abkürzung mit Schlaufenbuchstabe; Auflösung als 'Euer fürstlichen Gnaden' aus dem Kontext (Bericht an den Landgrafen), Lesung des ersten Buchstabens nicht ganz sicher
  2. Tam — Anfangsbuchstabe T mit Querstrich; auch Lesung 'Cam' (Kamm) denkbar, gemeint ist der Damm um das Brunnenfass
  3. artts — Wohl 'orts' gemeint (des Tages und Ortes); Vokal sieht wie a aus
  4. Zeichl — Wortende undeutlich; wohl bleierne Zeichen/Senkbleie an der Messleine

S. 136

Bl. 66vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd darnach durch Niedennstein1, den Herrnn Rethenn2 sagenn lassenn, das sie den Saltzbronn des tags, allermassenn wieder in vberliefferung zu annfanng der Location, das in verschienenem 41. Jare prima Maij gewesenn, noch vnbeschediget fundenn,

und danach durch Niedenstein den Herren Räten sagen lassen, dass sie den Salzbrunnen an diesem Tag — ganz so wie bei der Wiederübergabe zu Anfang der Verpachtung (Location), die im vergangenen Jahr 1541 am 1. Mai stattfand — noch unbeschädigt vorgefunden haben.

2

Das aber der Bodenn am grunde ann etlichenn orttenn etwas tieffer, dann das fas sey, kam daher, das die Altenn vonn Jar zu Jar den Saltzbronn gesaubert, vnd viel kodt, kies vnnd steine daraus geraumbt habenn,

Dass aber der Boden am Grund an etlichen Orten etwas tiefer liegt als das Fass, kommt daher, dass die Alten den Salzbrunnen von Jahr zu Jahr gesäubert und viel Kot, Kies und Steine daraus geräumt haben;

3

vnnd sey des soviel heraus gelanngt, das der Saltzbronn Jzo damit gefult konnt3 werdenn, dadurch dann vnter dem fasse vnnd Tamme hero sich wohl konnt wilt wasser Inngeschleiffenn,

und davon sei so viel herausgeholt worden, dass der Salzbrunnen jetzt damit gefüllt werden könnte; dadurch konnte sich dann unter dem Fass und Damm wohl wildes Wasser einschleichen.

4

dann wir auch eigentlich befindenn, das sich etlich wilt wasser, so in der Abzucht gestanndenn, daselbst verlorenn hatt,

Denn wir stellen auch tatsächlich fest, dass sich etliches wilde Wasser, das in der Abzucht (dem Abflussgraben) stand, ebendort verloren hat.

5

Vnd kann niemandt annders verstehenn, dann das solchs durch den baufelligenn Tam Inn den Saltzbronn falle,

Und niemand kann es anders verstehen, als dass dieses Wasser durch den baufälligen Damm in den Salzbrunnen fällt.

6

Aber die Saltzadernn im Saltzbronn vnnd fas, gehenn noch Gott lob so starck vnnd gewaltigk, wie sie Je vnnd allwegenn gethann habenn,

Aber die Salzadern im Salzbrunnen und im Fass gehen, Gott sei Lob, noch so stark und gewaltig, wie sie es je und allezeit getan haben;

7

dann es warLäuft auf der nächsten Seite weiter

denn es war

Unsichere Lesungen

  1. Niedennstein — Wohl Ortsname Niedenstein oder Personenname; als Vermittler der Nachricht an die Räte genannt
  2. Rethenn — Am Zeilenumbruch Re=thenn; Lesung 'Räten' aus dem Sinn, erster Buchstabe nicht ganz eindeutig
  3. konnt — Beide Male stark verschliffen geschrieben; Lesung 'konnt(e)' aus dem Sinn

S. 137

Bl. 67rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedesmahls nit muglich, das der Saltzbronn konnt oder mochte nidriger, dann einem ann sein knie, geöst vnnd gewaltiget werdenn, dringenn mit aller gewalt durch den kies heraus, das wir alle sehr erfreuet wordenn.

…damals nicht möglich, den Salzbrunnen tiefer als bis an das Knie eines Mannes auszuschöpfen (zu ösen) und zu bewältigen; sie [die Salzadern] dringen mit aller Gewalt durch den Kies heraus, worüber wir alle sehr erfreut waren.

2

Darnach hat mann sich vonn allenn theilenn notturfftlich vnnderredt hin vnnd weder, wie vnnd welcher gestalt solchem manngell sonnder nachteil, vnnd das mann nit vbell erger machte, gerathenn, vnd geholffenn konnte werdenn, gerathschlagt, vnnd desmahls enndtlich dahin geschlossenn, vnnd verabschiedt,

Danach hat man sich von allen Seiten notdürftig hin und her unterredet und beratschlagt, wie und auf welche Weise diesem Mangel ohne Nachteil — und ohne das Übel ärger zu machen — geraten und geholfen werden könnte, und damals endlich Folgendes beschlossen und verabschiedet:

3

Dieweil desmahls im Sommer mercklich vnnd grosse durre dieser Lannde art gewesenn, dadurch gemeintlich1 viel vnnd schier alle Bornne vertrockenet, derwegenn dann zuvermutenn gewest, das die Sohle auch im Saltzbronn nit so starck vnnd gut als zuvor sein mochte,

Weil damals im Sommer eine merkliche und große Dürre in diesen Landen herrschte, wodurch gemeinhin viele und fast alle Brunnen vertrockneten, war deshalb zu vermuten, dass auch die Sole im Salzbrunnen nicht so stark und gut wie zuvor sein möchte,

4

Wie dann in allenn Laubrosenn2 Jedes Jars geschicht, vnnd doch hernach wann die gebirge wieder voller wasser werdenn, sich die Sohl auch wieder gebessert habe,

wie es denn in jeder Laubrise (zur Zeit des Laubfalls) jedes Jahr geschieht — und doch hat sich hernach, wenn die Berge wieder voller Wasser werden, die Sole auch wieder gebessert.

5

Darumb solt manns bisLäuft auf der nächsten Seite weiter

Darum sollte man es bis

Unsichere Lesungen

  1. gemeintlich — Am Zeilenumbruch gemeint=lich; wohl Nebenform von 'gemeiniglich'
  2. Laubrosenn — Lesung des Vokals unsicher; wohl 'Laubrise' = Zeit des Laubfalls, Herbst

S. 138

Bl. 67vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedie gebirge wieder wasserigk wurdenn, annsehenn,

[Darum sollte man es] ansehen, bis die Berge wieder wasserreich würden.

2

vnnd solt doch mitler Zeit der Sohlgrabe ausserhalb den Bodenn vonn vnntenn herauff bis fur das gewelbe am dem orte, da E. f. gl. fur zehenn Jarenn, als der erste vertragk wardt vfgericht, die Soder1 schepffenn ließ,

Doch sollte mittlerweile der Sohlgraben außerhalb der Siedehäuser (Boden), von unten herauf bis vor das Gewölbe, an dem Ort, wo Euer fürstliche Gnaden vor zehn Jahren, als der erste Vertrag aufgerichtet wurde, die Sieder schöpfen ließ,

3

ganntz zu grunde vollennt geraumbt, vnnd gesaubert wordenn, also das das wilt wasser aus dem gewelbe, einem abflus vnnd fall habenn könte, damit vmb den Saltzbronn ganntz vnnd gar kein wasser stehenn bleiben muste,

ganz bis auf den Grund vollends geräumt und gesäubert werden, sodass das wilde Wasser aus dem Gewölbe einen Abfluss und ein Gefälle haben könnte, damit um den Salzbrunnen ganz und gar kein Wasser stehen bleiben müsste.

4

Vnd wann der Sohlgrabe also gesaubert, vnnd der abfall erlanngt wurde, solte das wilde wasser vierzehenn tage, aus dem Gewelbe fliessenn, damit mann sehe, ob sichs mit dem siedenn bessernn wurde,

Und wenn der Sohlgraben so gesäubert und das Gefälle erreicht wäre, sollte das wilde Wasser vierzehn Tage aus dem Gewölbe fließen, damit man sähe, ob es sich mit dem Sieden bessern würde.

5

Darnebenn ist auch im Rath beschlossenn, wo mann furm gewelbe ein abfall, der dem ganntzenn Saltzwergk hoch vnnd sehr tröstlich vnnd nutzlich were, erlanngen könte |: den doch die altenn nie gehabt habenn :|

Daneben ist auch im Rat beschlossen worden: Wenn man vor dem Gewölbe ein Gefälle erreichen könnte, das dem ganzen Salzwerk höchst tröstlich und nützlich wäre — welches doch die Alten nie gehabt haben —,

6

das dann der Sohlgrabe solt gefast, vnnd vf beidenn seittenn mit dielenn gefuttert werdenn,

dass dann der Sohlgraben gefasst und auf beiden Seiten mit Dielen ausgekleidet (gefüttert) werden sollte.

Unsichere Lesungen

  1. Soder — Lesung sicher bis auf Deutung; wohl 'Söder' = Sieder (Siedeleute), vgl. fol. 68r 'die Söder ... gesottenn'

S. 139

Bl. 68rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Also hat mann Gottlob den 8. Octobris den abfall vor dem Gewelbe ein fus hoch erlanngt, das die altenn da sie schonn allerley künste gebraucht, nie gehabtt habenn,

So hat man, Gott sei Dank, am 8. Oktober das Gefälle vor dem Gewölbe einen Fuß hoch erreicht, wie es die Alten, obwohl sie schon allerlei Künste (Pumpwerke) gebraucht haben, nie gehabt haben.

2

Darnach habenn wir vierzehenn tage verzogenn, zu sehenn, ob sich das siedenn bessernn wolte, auch bis auf Martin1 gewarttet, das das gebirge zimblich wasserig wordenn ist,

Danach haben wir vierzehn Tage verstreichen lassen, um zu sehen, ob sich das Sieden bessern wollte, und auch bis Martini gewartet, bis das Gebirge ziemlich wasserreich geworden ist.

3

da habenn wir befundenn, das die Söder etliche stunde weniger dann zuuor gesottenn, aber doch siedenn sie vber die vorige Zeit, vnd bleibenn auff Irer klage,

Da haben wir befunden, dass die Söder etliche Stunden weniger als zuvor gesotten haben; aber dennoch sieden sie länger als die vorige Zeit und bleiben bei ihrer Klage.

4

Derowegenn wir solchs dem Stadthalter anngezeigt, vnd vnns allerley vnnderredt, vnnd enndtschlossenn,

Deswegen haben wir dies dem Statthalter angezeigt, uns über allerlei unterredet und beschlossen:

5

dieweil der Salzbronn solt vnnd must gebauwet vnnd gebessert werdenn, vnnd E. f. gl. doch solchs nit allein zuthun hette, sondernn die Pfenner mit rathenn, vnnd willigenn mustenn,

weil der Salzbrunnen gebaut und ausgebessert werden sollte und musste, und Euer Fürstliche Gnaden dies doch nicht allein zu tun hatten, sondern die Pfänner mitraten und einwilligen mussten,

6

das wir beide mit den Pfenner Salzgreuenn dauonn hanndelenn soltenn, Wie wir dann vf nechst verschienenn Martini notturfftiglich gethann,

dass wir beide mit dem Salzgräfen der Pfänner darüber verhandeln sollten, wie wir es denn am jüngst vergangenen Martinstag gebührend getan haben.

7

Nun stehet der articul vom bauwen in der Location wie volget.

Nun steht der Artikel über das Bauen in der Location (dem Pachtvertrag) wie folgt.

Unsichere Lesungen

  1. Martin — wohl Martini (11. November); Endung am Zeilenende undeutlich

S. 140

Bl. 68vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

So aber wir oder vnnsere Erbenn ann Vestunngenn1, desgleichenn am Salzbronn etwas newes bauwenn, vnnd die Pfenner Ire Erbenn oder nachkommenn darzu gebrauchenn woltenn,

Wenn aber wir oder unsere Erben an Befestigungen, desgleichen am Salzbrunnen etwas Neues bauen und die Pfänner, ihre Erben oder Nachkommen dazu heranziehen wollten,

2

das soll mit Irer der Pfenner wissenn vnnd willenn geschehenn,

so soll das mit Wissen und Willen der Pfänner geschehen.

3

Doch soll den Pfennernn hierin vorbehaltenn sein, So sie befindenn wurdenn, das dieselbenn gebeuwe Ihnenn oder dem Salzwergk gefehrlich, nit diennlich, oder sonnst beschwerlich vnnd vnntreglich sein woltenn,

Doch soll den Pfännern hierin vorbehalten sein: Wenn sie befinden würden, dass dieselben Bauten ihnen oder dem Salzwerk gefährlich, nicht dienlich oder sonst beschwerlich und unzuträglich wären,

4

das sie auch als dann darzu nicht verpflicht oder obligirt sein soltenn,

dass sie dann auch dazu nicht verpflichtet oder obligiert sein sollten.

5

Vff solch anntragenn habenn der Pfenner Salzgreuenn Zeit begert, das ann gemeine Pfenner gelanngenn zulassenn, So woltenn sie vnns in kurzem derselbenn gemüte annzeigenn,

Auf diesen Antrag haben die Salzgräfen der Pfänner Zeit begehrt, um das an die gemeinen Pfänner gelangen zu lassen; dann wollten sie uns in Kurzem deren Meinung anzeigen.

6

als habenn sie alle furnembste, auslendische vnnd annder Pfenner vf Jzo nehistverschienenem2 Nicolai gein Allenndorf beschriebenn, da wir auch erschienenn,

Daraufhin haben sie alle vornehmsten, auswärtigen und anderen Pfänner auf den jüngst vergangenen Nikolaustag nach Allendorf geladen, wo auch wir erschienen sind,

7

vnnd Irer enndtlichenn anntwort, Da mit man solchs in der eyle ann E. f. gl. gelanngenn lies, vnnd sich in der Zeit mit zubereitung zum baue schickennLäuft auf der nächsten Seite weiter

und auf ihre endgültige Antwort — damit man solches in der Eile an Euer Fürstliche Gnaden gelangen ließe und sich unterdessen mit der Vorbereitung zum Bau einrichtete — (…)

Unsichere Lesungen

  1. Vestunngenn — Lesung V/B am Wortanfang nicht ganz sicher; Sinn: Befestigungen
  2. Jzo nehistverschienenem — Wortfolge (Jzo = jetzo) und Endung unsicher

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