Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 135–144
Berkers Baubericht von 1550 · S. 135–144 · Bl. 66r–70v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Berkers Baubericht von 1550
S. 103–277 · Bl. 50r–137v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 135
Bl. 66rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitemetz, Burger zu Hombergk Jnn Hessenn, E. f. gl.1 Bawmeister zu Ziegennhain Anthonius, Meister Hanns Guldennkopff vonn Weynmar Jn duringenn, welcher mehr Saltzwercke gebawet, vnnd dann einen Zimmermann Hanns Wizell genanndt,
…metz, Bürger zu Homberg in Hessen, Euer fürstlichen Gnaden Baumeister zu Ziegenhain Anthonius, Meister Hans Guldenkopf von Weimar in Thüringen, der mehrere Salzwerke gebaut hat, und dazu einen Zimmermann namens Hans Wetzel,
so E. f. G. etlich Jar Im Bodenn ann allerley bewenn gearbeit, Inn den Saltzbronn zu grunde zusteigenn, vnnd allen manngell zubesichtigenn, verordennt wordenn, dem wir dann also gelebt vnnd nachkommenn sein,
der Euer fürstlichen Gnaden etliche Jahre im Siedehaus (Boden) an allerlei Bauten gearbeitet hat; sie wurden verordnet, in den Salzbrunnen bis auf den Grund hinabzusteigen und alle Mängel zu besichtigen — dem sind wir dann auch so nachgelebt und nachgekommen.
Da habenn wir eigenntlich vnnd augennscheinlich befundenn, das das fas im Saltzbronn vffm grunde, auch der Tam2 mangellhafftigk, vnnd wir habenn vnter dem fasse hin Inn den Tam mehr dann einer ehlen lanng greiffenn könnenn,
Da haben wir genau und augenscheinlich befunden, dass das Fass im Salzbrunnen auf dem Grund und auch der Damm mangelhaft sind, und wir haben unter dem Fass hindurch mehr als eine Elle weit in den Damm hineingreifen können.
Nach solcher besichtigung vf vnnd vmb den Saltzbron, Sohlgrabenn, Kunste vnnd annders des tags vnnd artts3 geschehenn,
Nach dieser Besichtigung auf und um den Salzbrunnen, den Sohlgraben, die Pumpwerke (Künste) und anderes, wie sie an diesem Tag und in dieser Weise geschehen ist,
Habenn die Pfenner den Saltzbronn mitt einer Wardeln oder Leynenn, darann Bleyenn Zeichl4 vnnd feddern gehanngen, Inn die Höge tieffe, weitte vnnd lennge, Inn vnnd auswenndigk zumessenn,Läuft auf der nächsten Seite weiter
haben die Pfänner begonnen, den Salzbrunnen mit einer Wardel oder Leine, an der bleierne Zeichen und Federn hingen, nach Höhe, Tiefe, Weite und Länge innen und außen zu vermessen,
Unsichere Lesungen
- E. f. gl. — Abkürzung mit Schlaufenbuchstabe; Auflösung als 'Euer fürstlichen Gnaden' aus dem Kontext (Bericht an den Landgrafen), Lesung des ersten Buchstabens nicht ganz sicher
- Tam — Anfangsbuchstabe T mit Querstrich; auch Lesung 'Cam' (Kamm) denkbar, gemeint ist der Damm um das Brunnenfass
- artts — Wohl 'orts' gemeint (des Tages und Ortes); Vokal sieht wie a aus
- Zeichl — Wortende undeutlich; wohl bleierne Zeichen/Senkbleie an der Messleine
S. 136
Bl. 66vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd darnach durch Niedennstein1, den Herrnn Rethenn2 sagenn lassenn, das sie den Saltzbronn des tags, allermassenn wieder in vberliefferung zu annfanng der Location, das in verschienenem 41. Jare prima Maij gewesenn, noch vnbeschediget fundenn,
und danach durch Niedenstein den Herren Räten sagen lassen, dass sie den Salzbrunnen an diesem Tag — ganz so wie bei der Wiederübergabe zu Anfang der Verpachtung (Location), die im vergangenen Jahr 1541 am 1. Mai stattfand — noch unbeschädigt vorgefunden haben.
Das aber der Bodenn am grunde ann etlichenn orttenn etwas tieffer, dann das fas sey, kam daher, das die Altenn vonn Jar zu Jar den Saltzbronn gesaubert, vnd viel kodt, kies vnnd steine daraus geraumbt habenn,
Dass aber der Boden am Grund an etlichen Orten etwas tiefer liegt als das Fass, kommt daher, dass die Alten den Salzbrunnen von Jahr zu Jahr gesäubert und viel Kot, Kies und Steine daraus geräumt haben;
vnnd sey des soviel heraus gelanngt, das der Saltzbronn Jzo damit gefult konnt3 werdenn, dadurch dann vnter dem fasse vnnd Tamme hero sich wohl konnt wilt wasser Inngeschleiffenn,
und davon sei so viel herausgeholt worden, dass der Salzbrunnen jetzt damit gefüllt werden könnte; dadurch konnte sich dann unter dem Fass und Damm wohl wildes Wasser einschleichen.
dann wir auch eigentlich befindenn, das sich etlich wilt wasser, so in der Abzucht gestanndenn, daselbst verlorenn hatt,
Denn wir stellen auch tatsächlich fest, dass sich etliches wilde Wasser, das in der Abzucht (dem Abflussgraben) stand, ebendort verloren hat.
Vnd kann niemandt annders verstehenn, dann das solchs durch den baufelligenn Tam Inn den Saltzbronn falle,
Und niemand kann es anders verstehen, als dass dieses Wasser durch den baufälligen Damm in den Salzbrunnen fällt.
Aber die Saltzadernn im Saltzbronn vnnd fas, gehenn noch Gott lob so starck vnnd gewaltigk, wie sie Je vnnd allwegenn gethann habenn,
Aber die Salzadern im Salzbrunnen und im Fass gehen, Gott sei Lob, noch so stark und gewaltig, wie sie es je und allezeit getan haben;
Unsichere Lesungen
- Niedennstein — Wohl Ortsname Niedenstein oder Personenname; als Vermittler der Nachricht an die Räte genannt
- Rethenn — Am Zeilenumbruch Re=thenn; Lesung 'Räten' aus dem Sinn, erster Buchstabe nicht ganz eindeutig
- konnt — Beide Male stark verschliffen geschrieben; Lesung 'konnt(e)' aus dem Sinn
S. 137
Bl. 67rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedesmahls nit muglich, das der Saltzbronn konnt oder mochte nidriger, dann einem ann sein knie, geöst vnnd gewaltiget werdenn, dringenn mit aller gewalt durch den kies heraus, das wir alle sehr erfreuet wordenn.
…damals nicht möglich, den Salzbrunnen tiefer als bis an das Knie eines Mannes auszuschöpfen (zu ösen) und zu bewältigen; sie [die Salzadern] dringen mit aller Gewalt durch den Kies heraus, worüber wir alle sehr erfreut waren.
Darnach hat mann sich vonn allenn theilenn notturfftlich vnnderredt hin vnnd weder, wie vnnd welcher gestalt solchem manngell sonnder nachteil, vnnd das mann nit vbell erger machte, gerathenn, vnd geholffenn konnte werdenn, gerathschlagt, vnnd desmahls enndtlich dahin geschlossenn, vnnd verabschiedt,
Danach hat man sich von allen Seiten notdürftig hin und her unterredet und beratschlagt, wie und auf welche Weise diesem Mangel ohne Nachteil — und ohne das Übel ärger zu machen — geraten und geholfen werden könnte, und damals endlich Folgendes beschlossen und verabschiedet:
Dieweil desmahls im Sommer mercklich vnnd grosse durre dieser Lannde art gewesenn, dadurch gemeintlich1 viel vnnd schier alle Bornne vertrockenet, derwegenn dann zuvermutenn gewest, das die Sohle auch im Saltzbronn nit so starck vnnd gut als zuvor sein mochte,
Weil damals im Sommer eine merkliche und große Dürre in diesen Landen herrschte, wodurch gemeinhin viele und fast alle Brunnen vertrockneten, war deshalb zu vermuten, dass auch die Sole im Salzbrunnen nicht so stark und gut wie zuvor sein möchte,
Wie dann in allenn Laubrosenn2 Jedes Jars geschicht, vnnd doch hernach wann die gebirge wieder voller wasser werdenn, sich die Sohl auch wieder gebessert habe,
wie es denn in jeder Laubrise (zur Zeit des Laubfalls) jedes Jahr geschieht — und doch hat sich hernach, wenn die Berge wieder voller Wasser werden, die Sole auch wieder gebessert.
Unsichere Lesungen
- gemeintlich — Am Zeilenumbruch gemeint=lich; wohl Nebenform von 'gemeiniglich'
- Laubrosenn — Lesung des Vokals unsicher; wohl 'Laubrise' = Zeit des Laubfalls, Herbst
S. 138
Bl. 67vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedie gebirge wieder wasserigk wurdenn, annsehenn,
[Darum sollte man es] ansehen, bis die Berge wieder wasserreich würden.
vnnd solt doch mitler Zeit der Sohlgrabe ausserhalb den Bodenn vonn vnntenn herauff bis fur das gewelbe am dem orte, da E. f. gl. fur zehenn Jarenn, als der erste vertragk wardt vfgericht, die Soder1 schepffenn ließ,
Doch sollte mittlerweile der Sohlgraben außerhalb der Siedehäuser (Boden), von unten herauf bis vor das Gewölbe, an dem Ort, wo Euer fürstliche Gnaden vor zehn Jahren, als der erste Vertrag aufgerichtet wurde, die Sieder schöpfen ließ,
ganntz zu grunde vollennt geraumbt, vnnd gesaubert wordenn, also das das wilt wasser aus dem gewelbe, einem abflus vnnd fall habenn könte, damit vmb den Saltzbronn ganntz vnnd gar kein wasser stehenn bleiben muste,
ganz bis auf den Grund vollends geräumt und gesäubert werden, sodass das wilde Wasser aus dem Gewölbe einen Abfluss und ein Gefälle haben könnte, damit um den Salzbrunnen ganz und gar kein Wasser stehen bleiben müsste.
Vnd wann der Sohlgrabe also gesaubert, vnnd der abfall erlanngt wurde, solte das wilde wasser vierzehenn tage, aus dem Gewelbe fliessenn, damit mann sehe, ob sichs mit dem siedenn bessernn wurde,
Und wenn der Sohlgraben so gesäubert und das Gefälle erreicht wäre, sollte das wilde Wasser vierzehn Tage aus dem Gewölbe fließen, damit man sähe, ob es sich mit dem Sieden bessern würde.
Darnebenn ist auch im Rath beschlossenn, wo mann furm gewelbe ein abfall, der dem ganntzenn Saltzwergk hoch vnnd sehr tröstlich vnnd nutzlich were, erlanngen könte |: den doch die altenn nie gehabt habenn :|
Daneben ist auch im Rat beschlossen worden: Wenn man vor dem Gewölbe ein Gefälle erreichen könnte, das dem ganzen Salzwerk höchst tröstlich und nützlich wäre — welches doch die Alten nie gehabt haben —,
das dann der Sohlgrabe solt gefast, vnnd vf beidenn seittenn mit dielenn gefuttert werdenn,
dass dann der Sohlgraben gefasst und auf beiden Seiten mit Dielen ausgekleidet (gefüttert) werden sollte.
Unsichere Lesungen
- Soder — Lesung sicher bis auf Deutung; wohl 'Söder' = Sieder (Siedeleute), vgl. fol. 68r 'die Söder ... gesottenn'
S. 139
Bl. 68rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Also hat mann Gottlob den 8. Octobris den abfall vor dem Gewelbe ein fus hoch erlanngt, das die altenn da sie schonn allerley künste gebraucht, nie gehabtt habenn,
So hat man, Gott sei Dank, am 8. Oktober das Gefälle vor dem Gewölbe einen Fuß hoch erreicht, wie es die Alten, obwohl sie schon allerlei Künste (Pumpwerke) gebraucht haben, nie gehabt haben.
Darnach habenn wir vierzehenn tage verzogenn, zu sehenn, ob sich das siedenn bessernn wolte, auch bis auf Martin1 gewarttet, das das gebirge zimblich wasserig wordenn ist,
Danach haben wir vierzehn Tage verstreichen lassen, um zu sehen, ob sich das Sieden bessern wollte, und auch bis Martini gewartet, bis das Gebirge ziemlich wasserreich geworden ist.
da habenn wir befundenn, das die Söder etliche stunde weniger dann zuuor gesottenn, aber doch siedenn sie vber die vorige Zeit, vnd bleibenn auff Irer klage,
Da haben wir befunden, dass die Söder etliche Stunden weniger als zuvor gesotten haben; aber dennoch sieden sie länger als die vorige Zeit und bleiben bei ihrer Klage.
Derowegenn wir solchs dem Stadthalter anngezeigt, vnd vnns allerley vnnderredt, vnnd enndtschlossenn,
Deswegen haben wir dies dem Statthalter angezeigt, uns über allerlei unterredet und beschlossen:
dieweil der Salzbronn solt vnnd must gebauwet vnnd gebessert werdenn, vnnd E. f. gl. doch solchs nit allein zuthun hette, sondernn die Pfenner mit rathenn, vnnd willigenn mustenn,
weil der Salzbrunnen gebaut und ausgebessert werden sollte und musste, und Euer Fürstliche Gnaden dies doch nicht allein zu tun hatten, sondern die Pfänner mitraten und einwilligen mussten,
das wir beide mit den Pfenner Salzgreuenn dauonn hanndelenn soltenn, Wie wir dann vf nechst verschienenn Martini notturfftiglich gethann,
dass wir beide mit dem Salzgräfen der Pfänner darüber verhandeln sollten, wie wir es denn am jüngst vergangenen Martinstag gebührend getan haben.
Nun stehet der articul vom bauwen in der Location wie volget.
Nun steht der Artikel über das Bauen in der Location (dem Pachtvertrag) wie folgt.
Unsichere Lesungen
- Martin — wohl Martini (11. November); Endung am Zeilenende undeutlich
S. 140
Bl. 68vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
So aber wir oder vnnsere Erbenn ann Vestunngenn1, desgleichenn am Salzbronn etwas newes bauwenn, vnnd die Pfenner Ire Erbenn oder nachkommenn darzu gebrauchenn woltenn,
Wenn aber wir oder unsere Erben an Befestigungen, desgleichen am Salzbrunnen etwas Neues bauen und die Pfänner, ihre Erben oder Nachkommen dazu heranziehen wollten,
das soll mit Irer der Pfenner wissenn vnnd willenn geschehenn,
so soll das mit Wissen und Willen der Pfänner geschehen.
Doch soll den Pfennernn hierin vorbehaltenn sein, So sie befindenn wurdenn, das dieselbenn gebeuwe Ihnenn oder dem Salzwergk gefehrlich, nit diennlich, oder sonnst beschwerlich vnnd vnntreglich sein woltenn,
Doch soll den Pfännern hierin vorbehalten sein: Wenn sie befinden würden, dass dieselben Bauten ihnen oder dem Salzwerk gefährlich, nicht dienlich oder sonst beschwerlich und unzuträglich wären,
das sie auch als dann darzu nicht verpflicht oder obligirt sein soltenn,
dass sie dann auch dazu nicht verpflichtet oder obligiert sein sollten.
Vff solch anntragenn habenn der Pfenner Salzgreuenn Zeit begert, das ann gemeine Pfenner gelanngenn zulassenn, So woltenn sie vnns in kurzem derselbenn gemüte annzeigenn,
Auf diesen Antrag haben die Salzgräfen der Pfänner Zeit begehrt, um das an die gemeinen Pfänner gelangen zu lassen; dann wollten sie uns in Kurzem deren Meinung anzeigen.
als habenn sie alle furnembste, auslendische vnnd annder Pfenner vf Jzo nehistverschienenem2 Nicolai gein Allenndorf beschriebenn, da wir auch erschienenn,
Daraufhin haben sie alle vornehmsten, auswärtigen und anderen Pfänner auf den jüngst vergangenen Nikolaustag nach Allendorf geladen, wo auch wir erschienen sind,
vnnd Irer enndtlichenn anntwort, Da mit man solchs in der eyle ann E. f. gl. gelanngenn lies, vnnd sich in der Zeit mit zubereitung zum baue schickennLäuft auf der nächsten Seite weiter
und auf ihre endgültige Antwort — damit man solches in der Eile an Euer Fürstliche Gnaden gelangen ließe und sich unterdessen mit der Vorbereitung zum Bau einrichtete — (…)
Unsichere Lesungen
- Vestunngenn — Lesung V/B am Wortanfang nicht ganz sicher; Sinn: Befestigungen
- Jzo nehistverschienenem — Wortfolge (Jzo = jetzo) und Endung unsicher
S. 141
Bl. 69rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Es habenn aber vnns der Pfenner Salzgreuenn1 den 12. Decembris die anntwort gebenn, das die auslenndischenn Pfenner des mahls aller aussenn bliebenn, vielleicht aus vhrsachenn, das der zeit alle wasser dieser Lanndtart vber aus sehr grob vnnd fluetigk gewesenn, das niemanndt hab wanndern könnenn,
Die Salzgräfen der Pfänner haben uns aber am 12. Dezember die Antwort gegeben, dass die auswärtigen Pfänner damals alle ausgeblieben seien – vielleicht aus dem Grund, dass zu jener Zeit alle Gewässer dieser Landesgegend überaus stark angeschwollen und reißend gewesen seien, sodass niemand habe reisen können.
Sie woltenn aber alle auslenndische Pfenner, dieweil die das meiste ann Irem Salzwercke habenn, zu stundt vf nechstkünfftige Weynachtenn wiederumb gein Allenndorf zukommenn beschreibenn,
Sie wollten aber alle auswärtigen Pfänner – weil diese den größten Anteil an ihrem Salzwerk haben – sogleich schriftlich laden, auf das nächstkommende Weihnachtsfest wieder nach Allendorf zu kommen,
der zuuersicht, sie wurdenn erscheinenn, vnnd was sie sich als dann enndtschliessenn, vnns vfs furderlichst zuuerstendigenn, des wir dann gewarttenn müssenn,
in der Zuversicht, sie würden erscheinen; und was sie alsdann beschließen, wollten sie uns aufs Förderlichste mitteilen, worauf wir nun warten müssen.
Was vnns nun vonn Ihnenn zu anntwort wierdet, wie vnnd welcher gestalt sie zu bauwenn willigenn, wollenn E. fgl.2 wir vfs eilennts verstendigenn,
Was uns nun von ihnen zur Antwort wird und wie und auf welche Weise sie in den Bau einwilligen, davon wollen wir Eure Fürstlichen Gnaden aufs Eiligste verständigen.
Wo sie dann zum Baw oder Je zum wenigstenn den Tam vmb den Salzbronn hero zu renouiren, vnnd zu ernewerenn willigenn, so will vonn nötenn sein, das E. fgl. leute darzu verordtnen, die der sachenn vnd bawennLäuft auf der nächsten Seite weiter
Wenn sie dann in den Bau oder wenigstens darin einwilligen, den Damm rings um den Salzbrunnen zu renovieren und zu erneuern, so wird es vonnöten sein, dass Eure Fürstlichen Gnaden Leute dazu verordnen, die von der Sache und vom Bauen (…)
Unsichere Lesungen
- Salzgreuenn — Lesung des Anfangsbuchstabens (S) nach Kurrent-Duktus; gemeint sind die Salzgräfen
- E. fgl. — Abkürzung für 'Euer fürstliche Gnaden'; erster Buchstabe im Duktus zwischen E und L
S. 142
Bl. 69vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegutenn verstanndt habenn, vnnd dauonn gelegennheit wissenn
(…) guten Verstand haben und darin Bescheid wissen.
Es habenn auch die Herrenn Jorgenn Behmenn des Bornmeisters kunst, so er zu ausbringung der Sohl vffm Salzbronn gebraucht, besichtiget, vnnd dauonn mit den Pfennernn gerathschlagt, Ob die kunst dem Salzbronn schadenn thun könnt, oder nit,
Die Herren haben auch die Kunst (das Pumpwerk) Jörg Böhmes, des Bornmeisters, besichtigt, die er zum Heraufbringen der Sole am Salzbrunnen gebraucht, und darüber mit den Pfännern beratschlagt, ob die Kunst dem Salzbrunnen Schaden zufügen könnte oder nicht.
Habenn die werckleute geschlossenn, das die Last nit sonnderlich schadenn thun könndt,
Die Werkleute sind zu dem Schluss gekommen, dass die Last keinen besonderen Schaden anrichten könnte.
Dieweil aber die Last vfm Tamme des Salzbronns gestanndenn, So hat mann Ime zugelassenn, etlich strebenn zumachenn, die so lang werenn, das sie vber den Tham reichenn, vnd denn last vfm Bornn gebenn2, Welche sein kunst tragenn solte,
Weil aber die Last auf dem Damm des Salzbrunnens stand, hat man ihm gestattet, etliche Streben anzufertigen, die so lang sein sollten, dass sie über den Damm reichen und die Last auf den Born abgeben; diese sollten seine Kunst tragen.
Vnnd das er solchs vor Michaelis, da das siedenn nit strennge were, vfrichtenn solt, damit er sich dann geseumpt, vnnd solches erst Martini, da das siedenn am strenngstenn war, vfrichtenn wolt,
Und er sollte dies vor Michaelis (29. September), wenn das Sieden nicht intensiv wäre, aufrichten; damit hat er sich jedoch gesäumt und wollte es erst zu Martini (11. November) aufrichten, als das Sieden am intensivsten war.
Unsichere Lesungen
- Kaldtleger — Lesung unsicher (Kaldtleger/Kaldtfeger); erster Buchstabe K oder B, gemeint wohl das Kaltliegen der Pfannen
- vnd denn last vfm Bornn gebenn — 'gebenn' Lesung wahrscheinlich, syntaktisch hart (die Last auf den Born abgeben)
S. 143
Bl. 70rBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitehett, vnnd auch das solchs alsbalde der Salzbronn gebauwet, wieder must abgethann werdenn, So haben wir Ime das dieser Zeit vfzurichtenn nit gestattenn wollenn,
(…) hatte, und auch, weil solches, sobald der Salzbrunnen gebaut würde, wieder abgetan werden müsste, haben wir ihm nicht gestatten wollen, es zu dieser Zeit aufzurichten –
Innsonnderheit darumb wann der Bornn rechtschaffenn gebauwet ist, So kann mann dann auch allerley kunst ohnn allen nachteil, darauff gebrauchenn,
insbesondere deshalb, weil man, wenn der Born erst ordentlich ausgebaut ist, darauf auch allerlei Pumpwerke ohne allen Nachteil gebrauchen kann.
Solchs wolttenn E. fgl. wir auch in vnnderthenigkeit nit verhaltenn,
Dies wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden in Untertänigkeit ebenfalls nicht vorenthalten.
Auch gnediger fürst vnnd Herr, E. fgl. habenn auch den gewesenn Pfarher zum Sodenn verordent, das vierdt Wardt Register1 gegenn den Renndtmeister zuhaltenn,
Auch, gnädiger Fürst und Herr: Eure Fürstlichen Gnaden haben den bisherigen Pfarrer zum Sooden dazu verordnet, das vierte Wart-Register als Gegenkontrolle zum Rentmeister zu führen.
Nun ist berurter Pfarher newlicher tage plözlich verstorbenn,
Nun ist der besagte Pfarrer dieser Tage plötzlich verstorben.
Dieweil dann die Pfar zimblich gut Innkommenns hat, So vernehmenn wir das viel darnach stehenn,
Weil die Pfarre ein ziemlich gutes Einkommen hat, vernehmen wir, dass sich viele darum bemühen.
Vnnd ist darumb vonnötenn, das E. fgl. vf eine Personn trachtenn, der E. fgl. gleubenn, vnd der ann den ort bey die Söder2 diene, dieweil sie teglich vom laster des sauffenns gestrafft vnnd abgehalttenn wollenn sein,
Und darum ist es vonnöten, dass Eure Fürstlichen Gnaden auf eine Person bedacht sind, der Eure Fürstlichen Gnaden vertrauen und die an diesem Ort bei den Södern (Salzsiedern) dient, weil diese täglich wegen des Lasters des Saufens gestraft und davon abgehalten werden müssen.
wollenn E. fgl. wir auch nit bergen,
Das wollten wir Euren Fürstlichen Gnaden ebenfalls nicht verbergen.
Unsichere Lesungen
- das vierdt Wardt Register — 'Wardt' (Wart-/Wachregister) Lesung wahrscheinlich, Wortbedeutung nicht ganz sicher
- Söder — Lesung mit ö; gemeint die Salzsieder zum Sooden
S. 144
Bl. 70vBd. 25. Buch · Berkers Baubericht von 1550Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Es sagt auch des mahls Heinz vonn Lutter, das er in Lothringenn gesehenn, das sorglicher1 Salzbronn als dieser gefast seyenn,
Es sagte damals auch Heinz von Lutter, dass er in Lothringen gesehen habe, dass noch schwierigere Salzbrunnen als dieser gefasst worden seien.
vnnd wardt auch vonn beidenn theilenn geredt, das da mann den Salzbronn bauwenn wolte, solt nüzlich vnnd gut sein, das mann vmb den Salzbron hero, funf oder sechs Bodt2, dieweil mann doch dero die mennge hette, abthun vnnd raum machenn solt,
Und es wurde auch von beiden Seiten besprochen: Wenn man den Salzbrunnen bauen wolle, wäre es nützlich und gut, rings um den Salzbrunnen fünf oder sechs Siedehäuser (Boden) – da man von diesen ohnehin eine Menge habe – abzubrechen und Raum zu schaffen.
als dan könnt mann den Salzbronn, wie er Jzo ist, stehen lassenn, vnnd alles wildt wasser, was darumb her Jnnfelt, Jnn den Solhegrabenn sonnder alle beschwerung abführenn,
Alsdann könnte man den Salzbrunnen, so wie er jetzt ist, stehen lassen und alles wilde Wasser, das rings umher einfällt, ohne alle Beschwernis in den Sohlgraben abführen.
So war auch ezlicher Rath vnnd meinung, das der Salzbronn vnnd der Tam bis vf den vmbganng, da E. fgl. mehr dann einmahl Inn gestigenn gewesenn,
Es war auch etlicher Rat und Meinung, dass der Salzbrunnen und der Damm bis auf den Umgang – in den Eure Fürstlichen Gnaden mehr als einmal hinabgestiegen sind –
weidt gnug vom Bornn vnnd Tamme gerings vmbhero, solt vmfahenn3, vnnd mit gehauwenn quadranten steinenn gefast werden,
weit genug vom Born und Damm ringsumher umfangen und mit behauenen Quadersteinen gefasst werden sollten.
Da sich dann einich wilt wasser ereugt, das könntt mann alles in Solhgrabenn weisenn, dieweyl mann den abfall wie obsteht erlanngt hatt,
Wo sich dann irgendein wildes Wasser zeigt, könnte man das alles in den Sohlgraben leiten, weil man das Gefälle, wie oben steht, gewonnen hat.
Darumb habenn E. fgl. dem auch, wie vnnd welcher gestalt der Salzbronn einmahl solt vnnd möchtLäuft auf der nächsten Seite weiter
Darum haben Eure Fürstliche Gnaden dem auch – wie und auf welche Weise der Salzbrunnen dereinst gebaut werden sollte und könnte – (…)
Unsichere Lesungen
- sorglicher — Wohl komparativisch: 'sorglichere' (bedenklichere, schwieriger zu fassende) Salzbrunnen
- Bodt — Boden/Bothen = Siedehäuser; Schreibung der Endung nicht ganz sicher
- vmfahenn — = umfahen/umfangen; Lesung ohne r geprüft (Zoom)