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Salzbibel · Lesetext · 5. Buch

Das fünfte Buch · S. 445–454

Die Dankpredigt von 1550 · S. 445–454 · Bl. 221r–225v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Dankpredigt von 1550

S. 440–460 · Bl. 218v–228v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch

S. 445

Bl. 221rBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

Jnenn das wasser fliessenn, aus den Bronnenn fernn vonn den Leuthenn, in geholtze vnnd gebirgenn, vff das das wilt auch des liebenn Vatters gutigkeitt mögenn geniessenn, Wie Dauidt ann einem anndern ort sagtt.

ihnen das Wasser fließen, aus den Brunnen fern von den Leuten, in Gehölzen und Gebirgen, damit auch das Wild die Güte des lieben Vaters genießen möge. Wie David an einem anderen Ort sagt:

2

Aller augenn wartten auff dich herr Also auch, die vogell in der Lufft, Wie er weitter spricht, ann dennselbenn Bronnenn quellenn vnnd flüssenn wonenn die vogell, vnnd singenn vnter den zweigenn, das ist seint frölich vnnd lustigk, singen für das essenn vnnd trinckenn, ein frölich gesanng vnnd liedt, vnnd lobenn Jrenn Schepffer vnnd ernehrer, Summa es ist alles danckbar dem herrn, das viehe vf dem felde, die vogell vnter dem Himmell, Soltenn wir mennschenn nit viel mehr Gottes gabenn erkennenn, vnnd darfür danckbar sein, Darumb so wollenn wir mit dem heiligenn Prophetenn vnnd anndernn gleubigenn mennschenn, auch diesenn Psalmenn vnns der wolthat Gottes erjnnernn, vnnd darfür Gott lobenn.

„Aller Augen warten auf dich, Herr.“ Ebenso auch die Vögel in der Luft, wie er weiter spricht: An diesen Brunnenquellen und Flüssen wohnen die Vögel und singen unter den Zweigen — das heißt, sie sind fröhlich und lustig, singen für das Essen und Trinken ein fröhliches Gesang und Lied und loben ihren Schöpfer und Ernährer.

Kurz, es ist alles dem Herrn dankbar: das Vieh auf dem Felde, die Vögel unter dem Himmel. Sollten wir Menschen nicht viel mehr Gottes Gaben erkennen und dafür dankbar sein? Darum wollen wir mit dem heiligen Propheten und anderen gläubigen Menschen uns auch durch diesen Psalm der Wohltat Gottes erinnern und Gott dafür loben

S. 446

Bl. 221vBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

vnnd preisenn, vnnd sagenn, Du lessest Bronnen quellenn, Dann welcher Konig oder Keiser hat die Kunst, das er seinem Volcke Bronnen gebe, so es vonnötenn were, aber du, du ewiger Gott, du lessest Bronnenn quellenn, es ist dein werck, Wir lesen, das er auch wohl hat Bronnenn gebenn, vnnd wasser lauffenn lassenn, aus hartenn felssenn, wie er den Kindernn Jsraël in der Wüstenn Wasser gab, Jtem da Konige Judith vnnd Jsmael zufelde lagenn, wieder den Konig Edem, vnnd grossenn mangel hattenn ann wasser, vnnd all viehe, vnnd alle verderbenn hettenn müssenn, gab Jne Gott wasser aus fürbit des Heiligenn Prophetenn Elisei, wie wir lesenn, 4.

und preisen und sagen: „Du lässest Brunnen quellen.“ Denn welcher König oder Kaiser hat die Kunst, seinem Volk Brunnen zu geben, wenn es nötig wäre? Aber du, du ewiger Gott, du lässest Brunnen quellen; es ist dein Werk. Wir lesen, dass er auch wohl Brunnen gegeben und Wasser hat laufen lassen aus harten Felsen, wie er den Kindern Israel in der Wüste Wasser gab. Ebenso, als die Könige Juda und Israel zu Felde lagen wider den König Edoms und großen Mangel an Wasser hatten und alles Vieh und alle hätten verderben müssen, gab ihnen Gott Wasser auf die Fürbitte des heiligen Propheten Elisa, wie wir lesen, 2. Könige 3.

2

Rege. 3: Welches alles sein grosse wercke seine gewaldt vnnd güete zuerzeigen[?]1 Nun habenn wir aber dieses orts, eine besonndere gabe eines Bronnes als nemblich der Saltzbronn, für den wir fürnemblich vnnd insonnderheit dem Herrnn danckenn, vnnd ein te Deum laudamus singenn sollenn, vonn wegenn des nutzbarkeitt.

Was alles seine großen Werke, seine Gewalt und Güte erweist. Nun haben wir aber an diesem Ort eine besondere Gabe eines Brunnens, nämlich den Salzbrunnen, für den wir vornehmlich und insbesondere dem Herrn danken und ein Te Deum laudamus singen sollen, seiner Nutzbarkeit wegen,

Unsichere Lesungen

  1. zuerzeigen[?] — Wortende gekürzt (Z. 15)

S. 447

Bl. 222rBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

so aus demselbigenn der liebe Gott so lannge gebenn, vnnd noch alle tage gibet, dann rechenn du, Wieviel tausenndt haußvetter mit allenn Jrenn Kindernn vnnd gesinde hat wohl der liebe Vatter souiel hundert Jar daher begabet, ernehret, erhalttenn, gespeiset, getrencket, gekleidet, aus dieser gabe des Bronnens, vnnd wieuiel habenn noch heutigs tags Jrenn vffennthalt, vnnd narung vom Bronnenn, mit alle Jrem Haußgesinde, Der mit Saltz machenn, dieser mit abführenn, vnnd wegkbringenn, Jener mit Holtz zu zuführenn, Holtz zu hauwenn, Wellenn zubindenn, Will geschweigenn der schmiede, die Jmmer ann den Pfannen zumachenn, vnnd zu lappenn habenn, Zimmerleute vnnd viel anndere arbeitsleute vnd taglöhner, welche mann teglich habenn muß, vnd allesampt Jre gewerbe darbey treibenn, Jrenn nutz suchenn, vnnd Jhr brodt verdienenn, solt mann dann nit Gott darfür lobenn vnnd erkennenn, das er vnns vnser teglich brodt also bescheren muß,

die der liebe Gott daraus so lange gegeben hat und noch alle Tage gibt. Denn rechne du: wie viele tausend Hausväter mit allen ihren Kindern und ihrem Gesinde hat wohl der liebe Vater so viele hundert Jahre her aus dieser Gabe des Brunnens beschenkt, ernährt, erhalten, gespeist, getränkt und gekleidet! Und wie viele haben noch heutigen Tages ihren Unterhalt und ihre Nahrung vom Brunnen mit all ihrem Hausgesinde: der mit Salzmachen, dieser mit Abführen und Wegbringen, jener mit Holzzufahren, Holzhauen, Wellenbinden. Ich will schweigen von den Schmieden, die immer an den Pfannen zu machen und zu flicken haben, von Zimmerleuten und vielen anderen Arbeitsleuten und Tagelöhnern, die man täglich haben muss und die allesamt ihr Gewerbe dabei treiben, ihren Nutzen suchen und ihr Brot verdienen. Sollte man dann nicht Gott dafür loben und erkennen, dass er uns unser täglich Brot so bescheren muss?

S. 448

Bl. 222vBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

Vielmehr aber sollenn die Jenigenn Gott danncken, die die Pfanntheile vnnd Erbe habenn ann solcher gabe, denenn souiel leute mit Jrer arbeit dienen, vnnd sie ohn alle mühe solchs aus des gütigen Vatters hanndt emtpfahenn, Ja sage Jch, die sollen sonnderlich vor anndernn Gott für die Gabe preisenn, vnnd auch des nechstenn nit vergessenn, mitzutheilenn, Was Jhnenn Gott bescheret, wie dann auch der brauch gewesenn, vf einen sonderlichenn tagk ein almusenn bey dem Bronnen allenn armenn leutenn, außzutheilenn, Wie dann auch mitgetheilt wirdt, alle Jar ein Fürstlich almosenn, armenn Pfarherrnn, Studenten, Jungfrauwenn so zur ehe greiffenn, vnd auch sonst armenn leutenn, Ja sage Jch, das ist wohlgethan, das mann mit wortenn vnnd werckenn vns sollenn dannckbar Jegenn vnserm woltheter erzeigenn vnnd erkennenn, dann vonn welchem wir solchs vnnd alles annder habenn, vnnd wo wir auch solchs nit thetenn, vnnd allein

Vielmehr aber sollen diejenigen Gott danken, die die Pfannteile und Erbe an solcher Gabe haben, denen so viele Leute mit ihrer Arbeit dienen und die ohne alle Mühe dies aus der Hand des gütigen Vaters empfangen. Ja, sage ich, die sollen besonders vor anderen Gott für die Gabe preisen und auch nicht vergessen, dem Nächsten mitzuteilen, was ihnen Gott beschert hat. Wie es denn auch Brauch gewesen ist, an einem besonderen Tag ein Almosen beim Brunnen allen armen Leuten auszuteilen; wie denn auch alle Jahre ein fürstliches Almosen an arme Pfarrherren, Studenten, Jungfrauen, die zur Ehe greifen, und auch sonst an arme Leute ausgeteilt wird. Ja, sage ich, das ist wohlgetan: dass wir uns mit Worten und Werken gegen unseren Wohltäter dankbar erzeigen und erkennen sollen, von wem wir dies und alles andere haben. Und wenn wir das nicht täten und allein

S. 449

Bl. 223rBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

vnsernn pracht, hoffart, vnnd geitz, schwelgen, vnnd prassenn treibenn, wie leider in etzlichenn der böse brauch vnnd vergeß Gottes ist, könnte vnd wurde auch der liebe Gott vnns der mahl eins, solche gabe schmeler machenn, Jne auch wohl gar enndtziehenn, denn denckt nit, ob es wohl ein lannge zeit gestanndenn, das darumb altzeit so stehenn müsse, dann singet vnns der Prophet ein annder liedt, vonn der die Beche zu Wüsten macht, vnnd die wasserquellenn lest versiegenn, setzt ein fruchtbar Lanndt in ein vnfruchtbars vmb der boßheit willenn, derenn die darinnen wohnenn Psal 107,1 wie offt ist das geschehenn, das Gott Stedte vnnd dorffer hatt gar lassenn vergehenn, vnnd ann anndernn ortten, anndere wieder lassenn vfgehenn, Bronnenn vnnd wasser versiegenn, vnnd ann anndernn orten wieder lassenn quellenn, wie wir das auch finden beim Stabone in seinem erstenn vnnd letztenn buche seiner Geographei, Jtem die Heilige schrifft gedenckt des Bronnens zu Jericho, Wie

unseren Prunk, unsere Hoffart und unseren Geiz, unser Schwelgen und Prassen trieben, wie es leider bei etlichen der böse Brauch und das Vergessen Gottes ist, so könnte und würde uns der liebe Gott dermaleinst diese Gabe auch schmälern oder sie gar ganz entziehen. Denn denkt nicht, dass es, nur weil es eine lange Zeit bestanden hat, darum allzeit so bestehen müsse; denn der Prophet singt uns ein anderes Lied von dem, der die Bäche zur Wüste macht und die Wasserquellen versiegen lässt und ein fruchtbares Land in ein unfruchtbares verwandelt um der Bosheit willen derer, die darin wohnen (Psalm 107).

Wie oft ist es geschehen, dass Gott Städte und Dörfer ganz hat vergehen lassen und an anderen Orten andere wieder hat aufgehen lassen, dass Brunnen und Wasser versiegten und an anderen Orten wieder quollen — wie wir das auch bei Strabo im ersten und letzten Buch seiner Geographie finden. Ebenso gedenkt die Heilige Schrift des Brunnens zu Jericho, wie

Unsichere Lesungen

  1. 107, — Zeichen über der Zeile (Z. 13)

S. 450

Bl. 223vBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

der verdorbenn, vnnd verlestert ist, vonn wegenn der sünde der Jnnwohner, vnnd wiederumb durch gebete des gleubigenn Helisei, vnnd annderer Gottes Kinder, gesundt süsse vnnd heilsamb gemacht ist, das sie sichs kunttenn gebrauchenn, kochen vnnd trinckenn, der für der zeit, weder mensch[?]1 noch viehe nütze war, Darumb solchs zuuerhutenn, sollenn wir wie fromme Gotteskinder, Gott in seinenn gabenn erkennenn, darfür danckenn, für sundenn vnns hutenn, Gott lobenn, vnsers armenn nehistenn nit vergessenn, vnnd vns also stellenn, das Gott nit mitt vnns zürne, dann sehet vor augenn Wann Gott die hanndt abzeucht, wie balde alle arbeitt verlorenn werenn, er könntte die Saltzadern sich verlierenn lassenn, oder stopffenn, er könte wiltwasser mit solcher weise quellenn lassenn, das mann es nit könntte gesonndernn, es könte durch Bauleute, den Bronnenn verderbenn lassenn werdenn, vnnd was soll mann viel

der verdorben und verlästert war von wegen der Sünde der Einwohner und wiederum durch das Gebet des gläubigen Elisa und anderer Gotteskinder gesund, süß und heilsam gemacht wurde, so dass sie sich seiner bedienen, damit kochen und daraus trinken konnten — er, der vorher weder Mensch noch Vieh nütze war.

Um dies zu verhüten, sollen wir wie fromme Gotteskinder Gott in seinen Gaben erkennen, dafür danken, uns vor Sünden hüten, Gott loben, unseren armen Nächsten nicht vergessen und uns so verhalten, dass Gott nicht mit uns zürne. Denn seht es vor Augen: Wenn Gott die Hand abzieht, wie bald wäre alle Arbeit verloren! Er könnte die Salzadern sich verlieren lassen oder verstopfen; er könnte wildes Wasser in solcher Weise quellen lassen, dass man es nicht absondern könnte; er könnte den Brunnen durch Bauleute verderben lassen. Und was soll man viel

Unsichere Lesungen

  1. mensch[?] — Wortende gekürzt (Z. 6)

S. 451

Bl. 224rBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

sagenn, da steht es im Psal, das er vmb der leute boßheit willenn, die hanndt kann vnnd will abziehenn, ein fruchtbar Lanndt in ein fruchtbars zusetzenn, Ja sprechenn etliche, dieweil du dann sagest, das mann Gott dannckenn soll, Warumb hat mann die weise lassenn abgehenn, das mann vf einenn besonnder, als S:

sagen — da steht es im Psalm, dass er um der Leute Bosheit willen die Hand abziehen kann und will und ein fruchtbares Land in ein unfruchtbares verwandeln.

Ja, sagen etliche: Weil du denn sagst, dass man Gott danken soll — warum hat man den Brauch abkommen lassen, dass man an einem besonderen Tag, nämlich St.

2

Bonifacij Gott lobet vnnd spennde gabe, das Sacrament vff den Bronnenn truge, vnnd alle Pfarher, Schueler vnnd Volck, Anntwort, Es ist Ja dieselbe weise abganngenn, so im Pabstumb breuchlich gewesen, aber was ist das, das mann das Heilige Sacrament zu dem Bronnenn truge, meinenn wir denn das das dem Herrnn Christo so wohlgefalle, vnnd nit besser gefallenn, das wirs essenn vnnd trinckenn, zu sterck vnsers betrubtenn gewissenns, vnnd sagenn dem Herrnn danck für sein bitter leidenn, wie die erste vnnd elteste Kirche gethan hatt, das möchte mann thun, das wir vns vmb denn Bronnenn versambletenn, vnnd daselbst

Bonifatius, Gott lobte und Spenden gab, dass man das Sakrament auf den Brunnen trug, und alle Pfarrherren, Schüler und das Volk mitgingen? Antwort: Es ist ja dieser Brauch abgekommen, der im Papsttum üblich gewesen ist. Aber was ist es damit, dass man das heilige Sakrament zum Brunnen trug? Meinen wir denn, dass das dem Herrn Christus so wohlgefalle und dass ihm nicht besser gefalle, dass wir es essen und trinken zur Stärkung unseres betrübten Gewissens und dem Herrn Dank sagen für sein bitteres Leiden, wie es die erste und älteste Kirche getan hat? Das möchte man tun: dass wir uns um den Brunnen versammelten und dort

Unsichere Lesungen

  1. frucht= — so, Vorlage ohne vn- (Z. 3) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 452

Bl. 224vBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

dem Herrnn ein Te Deum, oder annder liedt sungen[?]1, vnnd im danckenn, aber was manngels haben wir darann, so in vnsernn Kirchenn, so offt wir zum Gottes Tische zusammenn kommen, so offt du zum Bronnenn kommest, oder auch daheim im hause Gott dannckenn, wann wir essenn oder trinckenn, gelt oder Saltz vfgebenn, das Saltzfas vf den tisch bey der Kost setzenn, Jtem wann du deine Saltzgennse gemacht, vnnd vmb die Pfann daher stehenn siehest, das du dann sprechest oder dechtest, O Gott Himlischer Vatter, Jch dancke dir vnnd preise dich vmb deine gabe, Das wurde ohn zweiuell Gott wohl gefallenn, vnnd hettest also nit allein einenn tage im Jare, sonder alle tage vnnd vielerley das dich annreitzet, vnnd vermanet, Gott zudannckenn, vnnd köntest mit dem Prophetenn sprechenn, Jch will den Herrnn lobenn allezeit, sein lob soll Jmmerdar in meinem munde sein, hettest also vhrsach gnug Gott vonn hertzenn vor seine gabenn zu loben

dem Herrn ein Te Deum oder ein anderes Lied sängen und ihm dankten. Aber was fehlt uns denn daran, in unseren Kirchen, so oft wir zum Tisch des Herrn zusammenkommen, so oft du zum Brunnen kommst, oder auch daheim im Haus Gott zu danken, wenn wir essen oder trinken, Geld oder Salz aufgeben, das Salzfass zur Mahlzeit auf den Tisch setzen? Ebenso, wenn du deine Salzgänse gemacht hast und sie um die Pfanne herum stehen siehst, dass du dann sprächest oder dächtest: O Gott, himmlischer Vater, ich danke dir und preise dich um deiner Gabe willen. Das würde ohne Zweifel Gott wohlgefallen; und du hättest so nicht allein einen Tag im Jahr, sondern alle Tage und vielerlei, das dich anreizt und ermahnt, Gott zu danken. Und du könntest mit dem Propheten sprechen: „Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.“ So hättest du Ursache genug, Gott von Herzen für seine Gaben zu loben

Unsichere Lesungen

  1. sungen[?] — Wortende gekürzt (Z. 1)

S. 453

Bl. 225rBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

Das fünffte Buch. vnnd danckenn, Nit aber alleine sollen wir annderenn die wir kein Pfanntheil habenn, oder auch durch vnnser arbeit dauonn etwas gewinnenn Gott lobenn, sonndernn auch alle mennschenn, die des Saltzes gebrauchenn, denn es ist denenn zu nutz auch gebenn, denn dencke in doch nach, was fur nutzbarkeit wir alle davonn habenn, vnnd wie not es sey, vnnd wie das gemeine sprichwort laut, So ist Saltz die beste würtze, vnnd kann sein viel vbeler enndtberenn, in vnnserm kuchenn, denn des Zuckers oder Pfeffers, Welche kost wolt vnns doch schmeckenn, wie köndtenn wir sein enntperen zur haushaltunge, vnnser fleisch, fische, Butter, kese einzusaltzenn, vnnd zum vorrath vber[?]wartenn, Wie wolte mann gesinde, arbeits leute speisenn, vnnd settigenn, Wie könnt ein landt mehr dem anndernn zutreibenn, zu furenn, vnnd holenn lassenn, So viel fische, vnnd fleisch, Hering, vnnd anndere gesaltzene Speise, souiel Butter

Das Fünfte Buch. und zu danken. Nicht allein aber sollen wir anderen, die wir kein Pfannteil haben oder auch durch unsere Arbeit etwas davon gewinnen, Gott loben, sondern auch alle Menschen, die das Salz gebrauchen; denn es ist auch ihnen zunutze gegeben. Denn denke doch nach, welche Nutzbarkeit wir alle davon haben und wie nötig es ist — und wie das gemeine Sprichwort lautet: So ist Salz die beste Würze, und man kann es in unserer Küche viel schlechter entbehren als Zucker oder Pfeffer. Welche Speise wollte uns doch schmecken? Wie könnten wir es zur Haushaltung entbehren, unser Fleisch, Fische, Butter, Käse einzusalzen und zum Vorrat aufzubewahren? Wie wollte man Gesinde und Arbeitsleute speisen und sättigen? Wie könnte ein Land dem anderen so viele Fische und Fleisch, Hering und andere gesalzene Speise zutreiben, zuführen und holen lassen, so viel Butter

Unsichere Lesungen

  1. vber= — Vorsilbe undeutlich (Z. 16) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 454

Bl. 225vBd. 25. Buch · Die Dankpredigt von 1550Faksimile (ORKA)
1

Das fünffte Buch. vnnd kese könnenn wir in vnnserm Lannde nicht machenn, das wir vnns kündtenn behelffenn, Wo mann vnns aus anndernn Lanndenn nit mehr zufuret, Was wolt dann vor ein theurung vnd manngell volgenn, wo vnns solches saltzes halben wurde fehlenn, Ja was wurde in diesem vnnd anndernn Lanndenn werdenn, so mann kein fleisch wilt oder zam, kein fische, kein butter, kein kese machenn kündte, Saltzes manngell halbenn, muste es doch alles verderbenn, stinckent vnnd modicht werdenn, vnnd vnns zu keinem nutze kommenn, Mustenn vns der wurtzell vnnd grases behelffenn wie das viehe, soltenn wir vnns des hartenn vnnseligenn hungers erwehrenn, Wo nit der liebe Gott, diese Edtle Creatur des Saltzes darzu gebenn, vnnd erschaffenn hette, das dem mennschenn dadurch seine speise geweret, vnnd nutze gemacht wurde, Wie mannche Stadt liede auch grosse not, so in

Das Fünfte Buch. und Käse können wir in unserem Land nicht machen, dass wir uns behelfen könnten, wenn man uns nicht mehr aus anderen Ländern zuführte. Was für eine Teuerung und Mangel würde dann folgen, wenn es uns an solchem Salz fehlte! Ja, was würde aus diesem und anderen Ländern werden, wenn man aus Mangel an Salz kein Fleisch, wildes oder zahmes, keine Fische, keine Butter, keinen Käse machen könnte? Es müsste doch alles verderben, stinkend und schimmlig werden und uns zu keinem Nutzen kommen. Wir müssten uns mit Wurzeln und Gras behelfen wie das Vieh, wollten wir uns des harten, unseligen Hungers erwehren — wenn nicht der liebe Gott diese edle Kreatur des Salzes dazu gegeben und erschaffen hätte, damit dem Menschen dadurch seine Speise erhalten und nutzbar gemacht würde. Wie manche Stadt litte auch große Not, die in

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