Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 55–64
Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 55–64 · Bl. 26r–30v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Geyselers Denkschrift von 1489
S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 55
Bl. 26rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitemochte, dem also nachgethann vnnd alles geschehen, mit nicht weniger arbeit vnnd kostenn, volgete das wasser aus dem Gewelbe, vnnd viel mercklich,
konnte. Dem wurde so nachgegangen, und als alles geschehen war – mit nicht geringer Arbeit und Kosten –, folgte das Wasser aus dem Gewölbe, und zwar merklich viel,
Jedoch nicht also sehre, das mann mochte In das Gewelbe wandernn, darumb das der Sohlgrabe wolt nicht tieffer zugrabenn leidenn, so die Werra ihm vnttenn auff zu Jegenn kam, vnnd sich stauwete1,
jedoch nicht so sehr, dass man in das Gewölbe hätte gehen können, weil der Sohlgraben sich nicht tiefer graben ließ, da ihm die Werra von unten entgegenkam und sich staute,
das er dachte, der meister, wie er mit kunst mochte helffenn, was die natur nicht leidenn oder ertragen wolt,
sodass der Meister darüber nachdachte, wie er mit Kunst (Technik) nachhelfen könnte, wo die Natur es nicht leiden oder ertragen wollte,
vnnd macht ein vierkandt Radt vor das gewelbe, desgleichenn nit mehr gesehenn, oder gehört,
und er baute ein vierkantiges Rad vor das Gewölbe, desgleichen nie zuvor gesehen oder gehört worden ist,
vnnd vf die seittenn Inn den grabenn alse die Werra was geweiset vor das gewelbe ein Schuffell Radt das die Werra vmbtreibt,
und an der Seite, in dem Graben, wohin die Werra vor das Gewölbe geleitet war, ein Schaufelrad, das die Werra umtreibt,
vnnd also mit solcher kunst ösete, das wasser aus dem Gewelbe, bis zu grunde, das nit mehr gedacht was, also flach auszunösenn2,
und so schöpfte er mit solcher Kunst das Wasser aus dem Gewölbe bis auf den Grund aus – was man nicht mehr für möglich gehalten hatte, es so vollständig auszuschöpfen –,
vnd das Rath stetes tage vnnd nacht3, vnnd die kunst was bestenndigk,
und das Rad lief stets Tag und Nacht, und das Werk war beständig,
auch alle feuchtigkeit vnnd gewesser In den Sodenn in den Bodenn bey den Herdten, vnd in den kellernn, zeuge sich allesampt nach dem gewelbe,Läuft auf der nächsten Seite weiter
auch alle Feuchtigkeit und alles Gewässer in Sooden – in den Siedehäusern bei den Herden und in den Kellern – zog sich allesamt zum Gewölbe hin,
Unsichere Lesungen
- stauwete — Schreibung unsicher (staubete/stauwete); Sinn: staute sich
- auszunösenn — Wortbild unsicher; Sinn: auszuschoepfen
- das Rath stetes tage vnnd nacht — Verb fehlt in der Vorlage; Ergaenzung lief in der Uebersetzung
S. 56
Bl. 26vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd wurde also die Gesöde1 trockenn, gut vnnd besser, dann sie vorgewest warenn,
… und so wurden die Siedestätten trocken, gut und besser, als sie zuvor gewesen waren.
Als nun der vielgenantte Meister sein kunst hatte bewerth, vnnd das gewelbe vom wassers wegenn ledig vnnd geoffnet was, das mann darin wanndernn möchte, bis ann den Bornn,
Als nun der vielgenannte Meister seine Kunst erwiesen hatte und das Gewölbe vom Wasser frei und geöffnet war, sodass man darin bis an den Born gehen konnte,
mit vieler kost vnnd arbeit den gannzenn Sommer gehabt, bis vf Michelis tagk,
was mit vielen Kosten und viel Arbeit den ganzen Sommer über gedauert hatte, bis auf den Michaelistag (29. September),
darnach vf donnabendt nach Conceptionis Mariæ in demselbenn Neun vnnd achzigstenn Jar bescheiden die vorgenanttenn Salzgreuenn, Innsampt der Pfenner Eddelenn vnnd Gemeine, für sich auff das Rathaus Meister Churten Mardtorff2,
da beschieden danach, am Sonnabend nach Mariä Empfängnis in demselben neunundachtzigsten Jahr (1489), die vorgenannten Salzgrafen samt der Pfänner Edlen und Gemeinde Meister Kurt Mardtorff zu sich auf das Rathaus,
in meinung seiner gethanenn arbeit, vnnd kunst zubelohnenn, auch furter mit Ime zudingenn vnnd zu vberkommenn, den Salzbronn zumachenn, vnnd seinenn gebrechenn zurathenn,
in der Absicht, seine getane Arbeit und Kunst zu belohnen, auch weiter mit ihm zu dingen und übereinzukommen, den Salzbrunnen instand zu setzen und seinen Gebrechen abzuhelfen,
das die also mit Ime eintrechtiglich eins wordenn, vnd zwischen einander verzietelt, Innmassenn hiernach volgenndt,
sodass sie mit ihm einträchtig eins geworden sind und es untereinander verzettelt (schriftlich festgehalten) haben, wie hiernach folgt.
Unsichere Lesungen
- Gesöde — Lesung wahrscheinlich; Gesoede = die Siedestaetten
- Churten Mardtorff — Name; PDF-S. 54 hat 'Curt Mardorff' - Vorname Churt/Curt und Nachname Mardtorff/Mardorff schwanken in der Schreibung
S. 57
Bl. 27rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Die Copey der zittelnn vnnd vberkommunge III. Capittell.
Die Kopie der Zettel und Übereinkommen. Drittes Kapitel.
Zuweissenn, das auf heut donnabendt nach Conceptionis Mariæ Virginis Anno Domini cccc° Octuagesimo nono,
Zu wissen, dass auf heute, Sonnabend nach Mariä Empfängnis, im Jahr des Herrn 1489,
Habenn die Vestenn Junckernn, Juncker Jörge vonn Bottlar der Eltter, Wilhelm vonn Bischofshausenn, vnnd Henrich Hartmann vnnsers gnedigk herrnn Schultheis, Burckhardt Neulanndt1 Burgermeister, Conradt Jordann vnnd Hanns Schaffnicht2, vonn der Pfenner wegenn,
die festen Junker – Junker Jörg von Buttlar der Ältere und Wilhelm von Bischoffshausen – sowie Heinrich Hartmann, unseres gnädigen Herrn Schultheiß, Burkhard Neuland, Bürgermeister, Conrad Jordan und Hans Schaffnicht, von wegen der Pfänner,
Inn Jegennwertigkeit der Salzgreuenn, Wartenn3 vnnd der Pfenner gemeiniglich, mit Meister Churt Mardtorff, vberkommenn, vnnd eins wordenn seindt,
in Gegenwart der Salzgrafen, Warte und der Pfänner insgesamt mit Meister Kurt Mardtorff übereingekommen und eins geworden sind:
vmb die gethane arbeit, die er mit seiner Meisterschafft zugrabenn, vnnd den gezeug, da mann das wilde wasser vor dem Bornne gelöset hat,
über die getane Arbeit, die er mit seiner Meisterschaft zu graben hatte, und das Gezeug, mit dem man das wilde Wasser vor dem Born gelöst (abgeschöpft) hat,
vnnd vmb arbeit die er noch thun soll, den Salzbronn genntzlich4 vom newenn in grunde wieder vfreumenn, vnnd machenn soll,
und über die Arbeit, die er noch tun soll: den Salzbrunnen gänzlich von neuem im Grund wieder aufräumen und herrichten,
vnnd den Bergk zufassenn mit den anngezeigtenn, Innmassenn Itzundt der Bornn mit seinem abzüchten stehett,
und das Gebirge mit dem Angezeigten zu fassen, in der Weise, wie der Born jetzt mit seinen Abzüchten (Abflusskanälen) steht,
vnnd ein gezeugk machenn, das wir in den BodennLäuft auf der nächsten Seite weiter
und ein Gezeug machen, das wir in den Boden …
Unsichere Lesungen
- Neulanndt — Familienname des Buergermeisters nicht ganz sicher
- Schaffnicht — Familienname nicht ganz sicher
- Wartenn — Unklar; vielleicht 'Warte' = Aufseher/Wardeine der Saline
- genntzlich — Minimfolge unsicher; wohl 'gaentzlich'
S. 58
Bl. 27vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitebleibenn, Jedoch das die Pfenner holtz, Seile, taglohn vnnd was not darzu ist, verandelagenn1, darumb sollenn die Pfenner dem obgemeltenn Meister Curtenn gebenn, zwey hundert vnnd dreyßigk guldenn, zwenn guldenn zu tranckgelde2, zwey Malter kornns, vnnd ein Schwein vor zwenn guldenn vnd ein orth.
… verbleiben; jedoch sollen die Pfänner Holz, Seile, Taglohn und was sonst dazu nötig ist, vorstrecken; dafür sollen die Pfänner dem obengenannten Meister Curt 230 Gulden geben, dazu zwei Gulden Trinkgeld, zwei Malter Korn und ein Schwein im Wert von zwei Gulden und einem Ort (Viertelgulden).
Vnnd derselbig Meister Curt gelobett, vnnd mit seinem eide behelttet3, denn Pfennernn getreue vnnd gewege zu sein, Ohne geverde vnnd argelist, die Pfenner zuuerwarenn.
Und derselbe Meister Curt gelobte und bekräftigte mit seinem Eid, den Pfännern treu und gewogen zu sein und die Pfänner ohne Gefährde und Arglist zu schützen.
Des zu vrkunde seindt dieser Zettelnn zwo, gleichlautende, auseinannder geschnittenn, denn Pfennernn ein, vnd Meister Churtenn die annder, vf beidenn seittenn sich darnach wissenn zuhalttenn.
Zur Beurkundung dessen sind von diesem Zettel zwei gleichlautende Ausfertigungen auseinandergeschnitten worden (Kerbzettel), eine für die Pfänner und die andere für Meister Curt, damit sich beide Seiten danach zu richten wissen.
Vonn dem Zureytenn4 des gebews IIII. Capittell.
Vom Zurüsten (Vorbereiten) des Baues – Viertes Kapitel.
Darnach in dem nachuolgenndenn Neunzigstenn Jare, ließenn die Pfenner nach Rath des Meisters Holtz niederhauenn, vnnd vor die Bodenn vf der Boder wiesenn fuerenn, als viele dem Meister bedauchttLäuft auf der nächsten Seite weiter
Danach, im folgenden Jahr 1490, ließen die Pfänner auf den Rat des Meisters Holz fällen und vor die Böden (Siedehäuser) auf der Boderwiese fahren, so viel dem Meister … dünkte
Unsichere Lesungen
- verandelagenn — Lesung unsicher; wohl 'vorstrecken/aufbringen' (verlegen), Wortform unklar
- tranckgelde — nck-Ligatur schwer lesbar, aus dem Kontext 'Trinkgeld'
- behelttet — Wort mit Zierstrich durch tt; Lesung unsicher, Sinn: 'mit dem Eid bekräftigt/beschworen'
- Zureytenn — auch 'Zubereyten' denkbar; Sinn: Zurichten/Vorbereiten
S. 59
Bl. 28rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitenoth sein, vnnd schicketenn nach zimmerleutenn zu arbeitenn, die da stetes gearbeit habenn biß ann die Ostern, vnnd Meisterliche gezeug bereidt habenn.
… nötig sein dünkte; und sie schickten nach Zimmerleuten zur Arbeit, die bis Ostern beständig gearbeitet und das meisterliche Gezeug (Gerät) bereitet haben.
Das erst was ein Rath, darmit mann solt die Sohle auß dem Bornn gewinnenn, zu siedenn, dieweil mann ann dem Borne solt bauenn,
Das erste war ein Rad, mit dem man die Sole aus dem Brunnen gewinnen sollte, um weiter zu sieden, während man an dem Brunnen bauen würde.
Dasselbe Rath, hatt zum erstenn siebenn Eymer, darnach ließ mann einen anndern kethen machtenn1, darann hiengenn vierzehenn Eimer,
Dasselbe Rad hatte zuerst sieben Eimer; danach ließ man eine andere Kette machen, an der vierzehn Eimer hingen.
die Eimer warenn geformet, als die Schepffer Eymer, vntenn weit vnnd obenn enge, vnnd was Je ein Eymer siebenn virtell einer Ehlen lanng,
Die Eimer waren geformt wie die Schöpfeimer, unten weit und oben eng, und jeder Eimer war sieben Viertel einer Elle lang.
vnnd vntenn am Bodenn hat der Eimer ein Rundt loch, als ein Blasbalck, vnnd vornn Jnwenndig ein windtfanng, darvor vom bleye ein leder3 gefassett,
Und unten am Boden hatte der Eimer ein rundes Loch wie ein Blasebalg, und vorn inwendig einen Windfang; davor war ein mit Blei beschwertes Leder (als Ventilklappe) gefasst.
auch vonn obenn herab einer gutenn spannenn lanngk, was auch ein Rundt loch, schlecht offenn, ohne windtfanng, darumb das die Eimer sich nit zu voll fülleten, vnnd ann viel vergiessenn2, sich bequemlich außgoß,
Auch von oben herab, eine gute Spanne lang, war ein rundes Loch, einfach offen, ohne Windfang, damit sich die Eimer nicht zu voll füllten und, ohne viel zu vergießen, sich das Wasser bequem ausgoss.
vnnd die Eimer hiengenn alle miteinannder ann einer kettenn, die hieng obenn vber die wellenn des Raths, vnnd vntenn in dem Bornn ging sieLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und die Eimer hingen alle miteinander an einer Kette; die hing oben über der Welle des Rades, und unten im Brunnen lief sie …
Unsichere Lesungen
- kethen machtenn — Lesung 'machtenn' statt erwartetem 'machenn' unsicher; 'einen anndern kethen' so in der Vorlage
- ann viel vergiessenn — Wortlaut unsicher; Sinn: ohne viel zu vergießen
- leder — auch 'feder' lesbar; technisch ist eine bleibeschwerte Lederklappe (Ventil) gemeint
S. 60
Bl. 28vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitevmb ein Runde dicke walzar, als ein Tonnen, dieselbe Walzar was im Borne vonn beidenn seittenn gefasset, zwischenn zweyenn breitenn Leitterbeumenn, vnnd ging mit der kettenn vmb.
… um eine runde dicke Walze, wie eine Tonne; dieselbe Walze war im Brunnen von beiden Seiten gefasst, zwischen zwei breiten Leiterbäumen, und lief mit der Kette um.
Das annder gezeugk, was ein grob Rundt teller, mit einer scheibenn Stillenn1, vnnd mit zwen kranchenn2, damit mann solt Ösenn, den Thon, dreck vnnd kommer3 der da was vmb den Bornn mit grossenn Zobbernn,
Das andere Gerät war ein grober runder Teller mit einem Scheibenstiel und mit zwei Kränen (Handhaben), womit man den Ton, den Dreck und den Schutt, der um den Brunnen war, mit großen Zubern ausschöpfen (ösen) sollte.
die warenn am bodenn mit Eisern klosenn4 vnnd klippenn also gemacht, vf die masse als da seindt gemacht die Esels körbenn, da mann den mist Jnn außführet.
Diese Zuber waren am Boden mit eisernen Kloben und Klappen so gemacht, nach der Art, wie die Eselskörbe gemacht sind, in denen man den Mist hinausführt.
Das dritte gezeuge was ein schneide Möhlenn, die der meister satzte Jegenn das Zelgennhaus5, bey Gunterams hobe6, Vnnd weisete die Werra vonn obenn Jnn der Aue herab vf die schneide mohlenn,
Das dritte Gerät war eine Schneidemühle (Sägemühle), die der Meister gegenüber dem Zelgenhaus bei Gunterams Hof setzte; und er leitete die Werra von oben in der Aue herab auf die Schneidemühle.
vnnd legte ein Wehr benebenn den Zeunenn hinauff bis ober die Höffe, damit er die Werra fassete, vnnd in den grabenn bis vf die Schneide mohl brechte,
Und er legte ein Wehr neben den Zäunen hinauf bis oberhalb der Höfe, damit er die Werra fasste und im Graben bis auf die Schneidemühle brächte.
Unsichere Lesungen
- scheibenn Stillenn — Lesung unsicher; wohl Scheibe mit Stiel
- kranchenn — Lesung unsicher; 'Kranch' wohl = Kran/Handhabe (vgl. Seite 62 'mit seinenn zwenn krannchenn')
- kommer — 'Kummer' = Schutt/Unrat; Lesung des Vokals unsicher
- klosenn — auch 'klobenn' lesbar; eiserne Kloben/Beschläge gemeint
- Zelgennhaus — Ortsbezeichnung nicht sicher; auch 'Telgennhaus' lesbar
- Gunterams hobe — Personenname nicht sicher (Guntram?)
- Osterweche — wohl 'Osterwoche'; Schreibung unsicher
S. 61
Bl. 29rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitegunte der meister zuschneidenn die Bolenn, vnnd die bretter, damit er den Bornn zumachenn gedachte,
…(be)gann der Meister die Bohlen und die Bretter zuzuschneiden, mit denen er den Brunnen zu verschalen gedachte.
das Bolennschneidenn weret bis vf Sanct Johans tage, zu mittenn Sommer,
Das Bohlenschneiden währte bis auf St. Johannis Tag (24. Juni), zu Mittsommer.
da brachte der meister das gerüste holtz vf denn Bornn, vnnd begundt die schwengell vnnd das alte gerenne vfzubrechenn, vnnd den neuenn gezeug vfzuschlagenn,
Da brachte der Meister das Gerüstholz auf den Brunnen und begann, den Schwengel und die alten Gerinne aufzubrechen und das neue Gezeug aufzuschlagen.
Nemblich vor das erste hatt der Meister gemacht, grosse kastenn vom Telenn2 wohl zusammenngefügt vnnd bereit, der da stundenn zwenn bey dem Bornne, in der dritte im Teiche1,
Nämlich zum Ersten hatte der Meister große Kästen aus Dielen gemacht, wohl zusammengefügt und bereitet; von diesen standen zwei beim Brunnen und der dritte im Teich.
in welchenn kastenn, die Sohle solt gefasset, vnnd behaltenn werdenn, vnnd also furtan aus dem kasten Jnn die gerenne zu den Bodenn außgewanndt werden,
In diesen Kästen sollte die Sole gefasst und aufbewahrt werden und sodann fortan aus dem Kasten in die Gerinne zu den Böden (Siedehäusern) ausgeleitet werden.
Darnach richtete der meister das Rath vf den Bornn, vf eine Seuchle3, die hat obenn ein kreuze, vnnd die Seuchle stundt mittenn im Bornn vf dem Gries,
Danach richtete der Meister das Rad auf dem Brunnen auf, auf einer Säule; die hatte oben ein Kreuz, und die Säule stand mitten im Brunnen auf dem Kiesgrund.
Ann der Wellenn des Raths hing die kette mit den Eymernn, die die Sohle austrugenn Jnn die kastenn, vnnd Jnn die bötte4,
An der Welle des Rades hing die Kette mit den Eimern, die die Sole in die Kästen und in die Bütten hinauftrugen.
vf annderseits des Bornns Jegen dem Berge, richtete der Meister vf, den Teller,Läuft auf der nächsten Seite weiter
Auf der anderen Seite des Brunnens, gegen den Berg hin, richtete der Meister den Teller auf …
Unsichere Lesungen
- in der dritte im Teiche — 'in' wohl verschrieben für 'vnd'; 'Teiche' (Mühlteich?) nicht ganz sicher
- vom Telenn — = von Dielen (Bohlen); Schreibung unsicher
- Seuchle — Lesung unsicher: 'Seuchle' (Säulchen/Säule) oder 'Deuchle' (Deuchel, Holzrohr); gemeint ist der mittige Ständer des Rades
- bötte — Bütten; Zierstrich durch tt, auch als Streichung deutbar
S. 62
Bl. 29vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitemit seinenn zwenn krannchenn,
… mit seinen zwei Kränen (Handhaben).
Vnnd vber aller dieser arbeit, lag mann nicht mehr dann eine woche kaldt, das was die Dominica respice primo2, versache halber1, das die kettenn zu dreyenn mahlen zubrach da die Eimer annhingenn,
Und während all dieser Arbeit lag man nicht mehr als eine Woche kalt (ohne zu sieden); das war die Woche des Sonntags 'Respice' I – aus der Ursache, dass die Kette, an der die Eimer hingen, dreimal zerbrach.
Auch so waren zwenn Heilige tage in der selbigenn wochenn, als petri vnd pauli vf den dinstagk, vnnd vnser liebenn Frauenntagk Visitationis Mariæ vff den Freytagk, dardurch mustenn sich die leute leidenn,
Auch waren zwei Feiertage in derselben Woche, nämlich Peter und Paul (29. Juni) am Dienstag und Unserer Lieben Frauen Tag Visitationis Mariae (2. Juli) am Freitag; dadurch mussten sich die Leute gedulden.
aber in der Wochenn darnach Dominus illuminatio3, wordenn gesottenn zwey vnnd vierzigk wercke, vnnd so forthann gesottenn, das ann kein saltz feilete.
Aber in der Woche danach, 'Dominus illuminatio', wurden zweiundvierzig Werke (Siedegänge) gesotten, und so wurde fortan gesotten, dass es an keinem Salz fehlte.
Es warenn auch aus allenn Pfennernn achte gekoren4, zu Bawmeisternn, die damit dem Baw meister Curten Weisenn5 bestellenn vnnd versorgenn soltenn,
Es waren auch aus allen Pfännern acht zu Baumeistern gekoren (gewählt), die damit zusammen mit dem Baumeister Curt den Bau anweisen, bestellen und versorgen sollten.
Unsichere Lesungen
- versache halber — wohl für 'vrsache halber' (aus der Ursache); Schreibung der Vorlage
- Dominica respice primo — Sonntagsname nach dem Introitus; Lesung 'primo' unsicher
- Dominus illuminatio — Sonntagsname nach dem Introitus 'Dominus illuminatio mea' (Ps 27)
- gekoren — auch 'geboren' lesbar; dem Sinn nach 'gekoren' (gewählt)
- dem Baw meister Curten Weisenn — Syntax unklar: 'mit dem Baumeister Curten (an)weisen' oder 'den Bau Meister Curten weisen'
- Ruelandt — Personenname nicht sicher
S. 63
Bl. 30rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteCasselmann, Henrich Lawir1, Hanns Breule, Henrich Gundelach, vnnd Jch der aller schlemst, vnnd vnntuegest2 prister Cunradt Geyseler,
… Casselmann, Henrich Lawir, Hans Breule, Henrich Gundelach und ich, der allergeringste und untauglichste Priester Conradus Geyseler.
daruber Jnn sonderheit warenn zwenn geordennt, Nemblich Henrich Hanemann der Junger, vnnd Henrich Gundelach itzundt guth3,
Darüber waren im Besonderen zwei verordnet, nämlich Henrich Hanemann der Jüngere und Henrich Gundelach, jetzt Guth genannt.
der Jglicher hatte vor seine arbeit zu Lohne, drey Marck, das sie die taglöhner vnnd arbeits leute mittelen, belohnetenn, vnnd berechnetenn,
Jeder von ihnen hatte für seine Arbeit drei Mark zum Lohn, dafür dass sie die Taglöhner und Arbeitsleute einteilten, entlohnten und abrechneten.
Vnnd vf dem achtenn tag Visitationis Mariæ verließ Henrich Gundelach sein ambt, sache halber, dann Jme bedauchte das lohnn zu klein sein,
Und am achten Tag nach Visitationis Mariae (9. Juli) verließ Henrich Gundelach sein Amt, aus dem Grund, dass ihm der Lohn zu klein deuchte.
vnnd also wardt ann seine stadt vffn Sontagk darnach exaudi secundo4 gesetzt vnnd erwehlet Cunradus Culde5 der Weinschennck,
Und so wurde an seiner Statt am Sonntag danach, 'Exaudi' II, Cunradus Culde, der Weinschenk, eingesetzt und erwählt.
Hierauff vf dem Montagk des anndernn tags nach Vdelrici brach der Meister vf die deckenn des Borns, Jegenn der antzucht bey Lucas Beltzers hoff6, dasLäuft auf der nächsten Seite weiter
Hierauf, am Montag, dem zweiten Tag nach St. Ulrich (4. Juli), brach der Meister die Decke des Brunnens auf, gegen die Anzucht (den Abzugsgraben) bei Lucas Beltzers Hof hin, sodass …
Unsichere Lesungen
- Lawir — Personenname nicht sicher (Lawer/Lauwer?)
- aller schlemst, vnnd vnntuegest — Demutsformel Geyselers ('geringster und untauglichster'); Lesung 'schlemst' unsicher
- itzundt guth — Beiname oder Zusatz zu Gundelach; Lesung und Bedeutung unsicher
- exaudi secundo — Sonntagsname nach dem Introitus 'Exaudi'; Zählung 'secundo' unsicher
- Culde — Personenname nicht sicher (Culde/Kulde?)
- Beltzers hoff — 'hoff' mit Zierstrich; Name Beltzer nicht ganz sicher
S. 64
Bl. 30vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteist die erste abzucht am Gewelbe, vnnd vf Sanct Alexij tage, kam mann also ferne zu Raume, das die Sohle aus dem Borne konntte Inn die abzucht Inn das gewelbe fliessenn,
… ist die erste Abzucht am Gewölbe, und am Sankt-Alexius-Tag [17. Juli] kam man so weit voran, dass die Sole aus dem Brunnen in die Abzucht in das Gewölbe fließen konnte,
vnnd wardt auch also vf denselben tage die Sohle abgelassenn, das der Born bey sechsthalb schue lanng vnnd tieff in dem Borne in seinem stannde behilt,
und es wurde auch an demselben Tag die Sole abgelassen, so dass der Brunnen bei fünfeinhalb Schuh Länge und Tiefe im Brunnen seinen Stand behielt,
vnnd also viel Sohle die ader truge, flös in die abzucht vber die sohle, die mann mitt dem Rade ausschepffete Inn die bode vnnd bastenn1 zusiedenn.
und so viel Sole, wie die Ader trug, floss in die Abzucht über die Sole, die man mit dem Rad ausschöpfte in die Böden [Siedehäuser] und Basten, um sie zu sieden.
Darnach vf den Sontage Dominus fortitudo Sanct Arnolfus tage, fiel des berges ein theil obenn herab, auch etwas in den Born /
Danach, am Sonntag ‚Dominus fortitudo‘, dem Sankt-Arnolfs-Tag [18. Juli], fiel ein Teil des Berges oben herab, auch etwas in den Brunnen.
Darumb das das werck was abgenommenn, dem ausflus gleich Inn die abzucht, dargegenn2 wardt als baldt der berge gefasset, zu gerings vmb, vor ebenntheur.
Weil das Werk abgetragen war, bis auf die Höhe des Ausflusses in die Abzucht, wurde dagegen der Berg alsbald ringsum gefasst [abgestützt], zur Vorsicht.
Der Meister macht auch das vierdte gezeug dem Born zu Ösenn, das warenn pompenn vf die meynung, das er damit die sohle vber den ausflus wolt mit gewalt lanngenn vnnd Ösenn, auch als derLäuft auf der nächsten Seite weiter
Der Meister machte auch das vierte Gezeug, um den Brunnen zu ösen [auszuschöpfen]; das waren Pumpen, in der Absicht, dass er damit die Sole über den Ausfluss mit Gewalt heben und ösen wollte; auch als der
Unsichere Lesungen
- bastenn — Lesung unsicher; Gefäßbezeichnung, vielleicht auch 'kastenn' zu lesen
- dargegenn — auch 'dartegenn' lesbar