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Salzbibel · Lesetext · 5. Buch

Das fünfte Buch · S. 65–74

Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 65–74 · Bl. 31r–35v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Geyselers Denkschrift von 1489

S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch

S. 65

Bl. 31rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteBorn noch volnstenndigk1 was, da that er zwolff gemeiner fuesse tieff, oder zehenn grosse fuesse.

… Brunnen noch vollständig war, da hatte er zwölf gemeine Fuß Tiefe oder zehn große Fuß.

2

Als er aber wardt abgelassenn der abezucht gleich, behilt er sechsthalbenn fus tieff,

Als er aber bis auf die Höhe der Abzucht abgelassen wurde, behielt er fünfeinhalb Fuß Tiefe.

3

vf dinstage nach Dominus fortitudo, Was der dinstage vor Marien Magdalenenn tage, satzte der meister die pompenn Inn den Saltzbronn, Jegenn die abzucht da der Born den ausflus hatte.

Am Dienstag nach ‚Dominus fortitudo‘, das war der Dienstag vor dem Marien-Magdalenen-Tag [22. Juli], setzte der Meister die Pumpen in den Salzbrunnen, gegen die Abzucht hin, wo der Brunnen den Ausfluss hatte.

4

Vonn dem Erstenn austossenn2 des Bornns VII. Capitell.

Vom ersten Ausstoßen [Ausschöpfen] des Brunnens. VII. Kapitel.

5

Vf denn Sonnabendt darnach was Sanct Jacobs abendt, hattenn die Pfenner alle Söder zun Sodenn3 gebettenn, das sie woltenn arbeitenn ann denn pompenn, den Born zu Ösenn vnnd zusaubernn, vnnd gabenn Ihnenn Insampt ein Tonnenn Biers, wecke vnnd kese,

Am Sonnabend darauf — es war der Sankt-Jakobs-Abend [24. Juli] — hatten die Pfänner alle Sieder zu den Sooden gebeten, an den Pumpen zu arbeiten, um den Brunnen zu ösen und zu säubern, und gaben ihnen insgesamt eine Tonne Bier, Wecken und Käse.

6

Vnnd also wardt vor Mittage der Born geöset, das er zweyer fus tieff sohlenn hatte, vnnd dieweil vnnd also baldt wardt auch vmb den Born geraumet, amLäuft auf der nächsten Seite weiter

Und so wurde vor Mittag der Brunnen ausgeöst, so dass er zwei Fuß tief Sole hatte, und währenddessen und alsbald wurde auch um den Brunnen herum geräumt, an

Unsichere Lesungen

  1. noch volnstenndigk — 'noch' auch als 'nach' lesbar; 'that' wohl für 'hatt'
  2. austossenn — Lesung des Überschriftworts; gemeint ist das Ausschöpfen (Ösen) des Brunnens
  3. zun Sodenn — Präposition schwer lesbar, Sinn: zu den Sooden

S. 66

Bl. 31vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteetlichenn enndenn zu grunde vf den gries, vnnd man fanndt Moß gelegt zwischenn dem thon vnnd griesse /

… an etlichen Enden bis auf den Grund, auf den Kies, und man fand Moos gelegt zwischen dem Ton und dem Kies;

2

vnnd die anndernn mochtenn wohl leidenn, das man die last der sohle abermals ausösete.

und die anderen hätten es wohl leiden mögen, dass man die Last der Sole abermals ausöste.

3

So aber die Söder das bier ausgetrunckenn verschleich sich einer nach dem anndernn vonn der arbeit zu den Badestubenn / vnnd also nam der Born wieder den Oberhanndt,

Als aber die Sieder das Bier ausgetrunken hatten, verschlich sich einer nach dem anderen von der Arbeit zu den Badestuben, und so gewann der Brunnen wieder die Oberhand,

4

vnd was da vom volcke ann der arbeit bliebe, wardt auch baldt müde vnnd verlassenn, so das nach Mittage kein vleis1 mehr gethann wardt, mit Ösenn oder saubernn,

und was vom Volk noch bei der Arbeit blieb, wurde auch bald müde und ließ ab, so dass nach Mittag kein Fleiß mehr auf das Ösen oder Säubern verwendet wurde.

5

Es mocht wohl die sache sein, das niemanndt vonn den öberstenn Pfennernn, da zur Zeit ein vffsehenn hatt, der das volck hett anngesprochenn / vnnd Ösenn vermanet,

Es mochte wohl daran liegen, dass niemand von den obersten Pfännern da war, der zu der Zeit ein Aufsehen [die Aufsicht] hatte, der das Volk angesprochen und zum Ösen ermahnt hätte.

6

Demnach geschach des Mittages ein nuzliche arbeit, das der Meister die newenn annfing, mit den vierzehen Eymern /

Demnach geschah am Mittag doch eine nützliche Arbeit, indem der Meister die neuen [Gezeuge] anfing, mit den vierzehn Eimern.

7

Darnach vf Sonntage omnes gentes, war Sanct Jacobs tage, wardt geordnet vnnd bestalt, das die Söder siedenn soltenn, vnnd in derselbenn wochennLäuft auf der nächsten Seite weiter

Danach, am Sonntag ‚Omnes gentes‘, der der Sankt-Jakobs-Tag war [25. Juli], wurde angeordnet und bestellt, dass die Sieder sieden sollten, und in derselben Woche

Unsichere Lesungen

  1. kein vleis — 'vleis' (Fleiß) nicht ganz sicher; erster Buchstabe des Zeilenanfangs 'kein' mit Strich, wohl Zierstrich
  2. [gestrichen: bothenn] — Das gestrichene Wort ist unsicher zu lesen (bothenn/bethenn); Strich könnte auch Zierstrich durch th sein, dann wäre 'die newenn bothenn' (die neuen Bütten/Böden) zu halten (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 67

Bl. 32rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnderstundt der Meister zumachenn noch ein ander Öse gezeuge in dem Saltzborne,

… unternahm es der Meister, noch ein weiteres Ösegezeug in dem Salzbrunnen zu machen,

2

So das ann einer wellenn gemacht warenn, funff Eymer, als funff kastenn, der Je ein Jeglicher truge ein halb Tonnen wassers,

so dass an einer Welle fünf Eimer angebracht waren, in Gestalt von fünf Kästen, von denen ein jeder eine halbe Tonne Wasser trug,

3

vnnd derselbig gezeuge wardt vmbgetriebenn mit dem Rade da die vierzehenn Eymer ann hingenn, also das derselbig Öse gezeuge vf den Freytage nach Suscepimus, was der tage Sanct Sixti aller erst wardt bereit.

und dasselbe Gezeug wurde mit dem Rad umgetrieben, an dem die vierzehn Eimer hingen, so dass dasselbe Ösegezeug erst am Freitag nach ‚Suscepimus‘, dem Tag Sankt Sixti [6. August], fertig wurde.

4

Vonn der anndernn Ösunge des Borns VIII. Capitell.

Von der zweiten Ösung [Ausschöpfung] des Brunnens. VIII. Kapitel.

5

Darnach vf den Montage Ecce Deus, was der abendt Sancti Laurentij Wardt zum anndernn mahl versucht, den Born zu ösenn mit allem gezeuge zugleich,

Danach, am Montag ‚Ecce Deus‘, der der Vorabend von Sankt Laurentius war [9. August], wurde zum zweiten Mal versucht, den Brunnen mit allem Gezeug zugleich zu ösen,

6

alß das vor Mittage der Born gesaubert vnd geöset wardt zugrunde, das der meister mochte volkomlich des grundes weis werdenn, vnnd sein newe werck darnach wissenn zusetzenn,

so dass vor Mittag der Brunnen bis auf den Grund gesäubert und ausgeöst wurde, damit der Meister vollkommen über den Grund Bescheid wissen und sein neues Werk danach zu setzen wüsste,

7

vnnd das alte werck wardt daselbst vom grunde abgereumbt, vnnd herausser ge=Läuft auf der nächsten Seite weiter

und das alte Werk wurde dort vom Grund abgeräumt und heraus…

S. 68

Bl. 32vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitezogenn,

… gezogen.

2

Mann wardt auch des weis vnnd erfahrenn / das die achte seulenn des altenn wercks nit warenn Inngeraumbt, auch nicht vf schwellenn gezapfft /

Man wurde auch dessen gewahr und erfuhr, dass die acht Säulen des alten Werks nicht eingeräumt und auch nicht auf Schwellen gezapft waren,

3

Sonndernn sie warenn schlecht vf den hartenn gries, vnd grundt des Bornes gesatzt, vnnd zwischenn den achten seulenn, dicke vnnd eichenn Bretter, eins Inn das annder gegrupet1,

sondern sie waren schlicht auf den harten Kies und Grund des Brunnens gesetzt, und zwischen den acht Säulen dicke eichene Bretter, eins in das andere genutet,

4

so das ein bret ann beidenn enden zwo seulenn begreifft Inn Irer fuge, vonn vnten an / bis obenn aus,

so dass ein Brett an beiden Enden zwei Säulen in ihrer Fuge fasst, von unten an bis oben hinaus.

5

vnnd als der Meister vff Mittag das volck vonn der arbeit des Ösenns verliesse, vnd Zum essenn erlaubte, da gabenn die Pfenner dem volcke Ein halb fas biers, wecke vnnd kese ein gnuge,

Und als der Meister am Mittag das Volk von der Arbeit des Ösens entließ und zum Essen freigab, da gaben die Pfänner dem Volk ein halbes Fass Bier, Wecken und Käse zur Genüge.

6

Es wardt auch als baldt vf dem Born vonn dem Pfennernn mit dem meister berathenn vnnd beschlossenn, das mann solt mehr Zimmerleute annschickenn, die schwellenn mit Irenn seulenn baldt zubereitenn, vmb gutes gewitters willenn,

Es wurde auch alsbald am Brunnen von den Pfännern mit dem Meister beraten und beschlossen, dass man mehr Zimmerleute heranschicken sollte, um die Schwellen mit ihren Säulen bald zuzubereiten, um des guten Wetters willen;

7

das dan also geschach, vnnd bestelt wardt /

das geschah dann auch so und wurde bestellt.

8

Vonn dem grundt des Saltzbrons VIIII. Capitell.

Vom Grund des Salzbrunnens. IX. Kapitel.

Unsichere Lesungen

  1. gegrupet — seltenes Wort, wohl 'genutet/eingefalzt'; Lesung des Mittelteils nicht ganz sicher

S. 69

Bl. 33rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Der grundt des Saltzborns ist ein harter flus, gries vnnd kieseling, vnnd keine gesöhre1, oder Modt,

Der Grund des Salzbrunnens ist ein harter Fels [Fluss], Kies und Kieselstein, und keinerlei Schlamm oder Moder.

2

Er ist auch im Bodenn schlecht, mann magk auch kein höle oder loch merckenn, daraus die ader entspringenn, denn das die sohle durch den harttenn kieseling heraustringt gleich als wasser durch ein siep.

Er ist auch im Boden eben; man kann auch keine Höhle oder kein Loch bemerken, aus dem die Ader entspringt, sondern die Sole dringt durch den harten Kiesel heraus gleich wie Wasser durch ein Sieb.

3

Die sohle wermelt2 auch nit vf als ein quell born, sonndernn sich gibet die sohle durch den kieseling vfwerts nach der lufft, vnnd steiget nach Irer macht,

Die Sole quillt auch nicht auf wie ein Quellbrunnen, sondern die Sole gibt sich durch den Kiesel aufwärts, der Luft entgegen, und steigt nach ihrer Kraft,

4

vnnd nicht ist zuwehnenn das die sohle aus dem Meer komme, Sonnder viel mehr ist zugleubenn, das der kißeling Inn seine grunde vonn natur wegenn Saltzwasser tregt,

und es ist nicht zu wähnen, dass die Sole aus dem Meer komme; vielmehr ist zu glauben, dass der Kiesel in seinem Grund von Natur aus Salzwasser trägt,

5

vnnd also gut, als der grundt vonn natur Saltzwasser tregt vnnd gibet, also gut ist auch die Sohle, vnnd man magk die sohlenn vber Ir natur nicht besser machenn,

und so gut, wie der Grund von Natur aus Salzwasser trägt und gibt, so gut ist auch die Sole, und man kann die Sole über ihre Natur hinaus nicht besser machen;

6

aber mann magk wohl dem Wilden wasser vnnd anndernn gebrechenn werenn, das die sohle Inn Irer Natur nicht geschwechet, vnnd gemindert wurde,

aber man kann wohl dem wilden Wasser und anderen Gebrechen wehren, damit die Sole in ihrer Natur nicht geschwächt und gemindert wird.

7

keme die sohle aus dem Mehre, so must sie Je sich tringenn / durch mittell stein vnnd Erdtrich, vnnd solcheLäuft auf der nächsten Seite weiter

Käme die Sole aus dem Meer, so müsste sie sich ja hindurchdrängen durch dazwischenliegenden Stein und Erdreich, und solche

Unsichere Lesungen

  1. gesöhre — Wort unsicher gelesen; gemeint wohl schlammige Ablagerung ('Gesöhr/Sohr')
  2. wermelt — Verb unsicher; Sinn: quillt/sprudelt auf

S. 70

Bl. 33vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedurchtringung, macht Salzwaßer suße, Inmaßenn als zu der Seewerth1 die Schiffleute, Wann sie nicht suße waßer habenn damit sie vff den Schiffenn kochenn mögenn, denn werffenn sie ein ledige zugespunte Tonnenn, ann einer Leine gebundenn, ann das Schiff, Inn die Gesalzetenn See, oder Mehr,

…durchdringung macht Salzwasser süß, so wie es auf der Seefahrt die Schiffsleute machen: Wenn sie kein Süßwasser haben, um damit auf den Schiffen zu kochen, dann werfen sie eine leere, zugespundete Tonne, an einer Leine an das Schiff gebunden, in die gesalzene See oder das Meer;

2

tringt sich das nasse Inn die ledige Tonnenn, vnnd wirdt also durch das durchtringenn Inn der Tonnenn susse waßer, das die schiffleute zu kochenn vnnd zutrinckenn gebrauchenn mögenn2,

so dringt das Nasse in die leere Tonne ein, und so entsteht durch das Durchdringen in der Tonne süßes Wasser, das die Schiffsleute zum Kochen und Trinken gebrauchen können.

3

Vermagk nun das die durchtringung durch ein Bredt, ann einer Tonnenn, das auch Salzwaßer des Mehrs susse waßer wirdt, vielmehr geschehe das, wann das Meer solt vonn ferans, bis hierher durch grosse Berge, Steine vnnd Erdtrich quellenn vnnd durchtringenn,

Vermag nun die Durchdringung durch ein Brett an einer Tonne so viel, dass selbst Salzwasser des Meeres zu süßem Wasser wird, um wie viel mehr geschähe das, wenn das Meer von ferne bis hierher durch große Berge, Steine und Erdreich quellen und durchdringen sollte.

4

Hierumb legt mann billich vnnd pflichtige solchs zu der grossenn sonnderlichenn Gottesgnade, das die natur in diesem ennde griesses flus vnnd Kiesseling3 zum Bodenn, Salzwaßer brenngt, vnnd treget, vnnd wir wollenn auch des alzeit Gott danncksagenn

Darum schreibt man solches billig und pflichtgemäß der großen, besonderen Gnade Gottes zu, dass die Natur in dieser Gegend durch Gries, Geschiebe und Kiesel hindurch dem Grund Salzwasser bringt und zuträgt; und wir wollen dafür auch allezeit Gott danksagen.

5

Es wardt auch offembarlich fundenn vnnd besehennLäuft auf der nächsten Seite weiter

Es wurde auch offenkundig festgestellt und in Augenschein genommen, …

Unsichere Lesungen

  1. zu der Seewerth — Lesung 'Seewerth' (= Seefahrt) nicht ganz sicher
  2. mögenn — in der Handschrift mit Kürzungsschleife 'mögl:' geschrieben; Endung -enn aufgelöst (ebenso 'durchtringenn' Zeile 14)
  3. griesses flus vnnd Kiesseling — Lesung und Deutung (Gries, Geschiebe, Kiesel) unsicher

S. 71

Bl. 34rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedas Jegenn Mittage sicht, Sudostenn, ein mercklich ader enndtspringt, vnnd durch den flus vnnd Kiesseling heraustringt hell vnnd klar im Born,

…dass an der Seite, die gegen Mittag, nach Südosten, sieht, eine beachtliche Ader entspringt und durch das Geschiebe und den Kiesel hell und klar im Brunnen hervordringt;

2

vnnd dieselbig ader geschmeckt, wardt geachtet vor die scherffeste Sohle am geschmacke, Jegenn der anndernn Sohle im Borne, Wann sie sich darin versamlet

und als man diese Ader kostete, hielt man sie dem Geschmack nach für die schärfste Sole, verglichen mit der übrigen Sole im Brunnen, wenn sie sich darin sammelt.

3

Vff Dinstage nach Ecce Deus Sanct Laurentiustage Jegenn den abenndt bereitetenn die Baumeister ein Collation, mit Wein vnnd Eimbeckischem Bier, vnnd guter koste, dem Meister Churte Wardtorfft1, seiner Hausfrauwenn, vnnd Zimmerleutenn,

Am Dienstag nach 'Ecce Deus', dem Sankt-Laurentius-Tag, richteten die Baumeister gegen Abend eine Kollation (einen Festschmaus) aus, mit Wein und Einbecker Bier und guter Kost, für den Meister Kurt Wardtorff, seine Hausfrau und die Zimmerleute,

4

vnnd ludenn darzu zu seinem ehrenn, die Salzgrevenn, Warthenn2, vnnd etliche aus den Pfennernn, vff das der Meister desto gutiger vnnd williger wehre,

und luden dazu, ihm zu Ehren, die Salzgräfen, die Warte und etliche aus den Pfännern ein, damit der Meister desto gütiger und williger wäre.

5

Vonn deme Hausleine3 vnd Schwellenn des wercks X. Capitell

Vom Häuslein und den Schwellen des Werks. Zehntes Kapitel.

6

Des anndernn tags darnach vff Mittwochenn Sanct Tiburtius tage beguntenn die Zimmerleute zu arbeiten ann den schwellenn, vnnd seuhlen, da der Meister imLäuft auf der nächsten Seite weiter

Am anderen Tag darauf, dem Mittwoch, Sankt Tiburtius' Tag, begannen die Zimmerleute an den Schwellen und Säulen zu arbeiten, mit denen der Meister im …

Unsichere Lesungen

  1. Churte Wardtorfft — Name des Meisters unsicher gelesen; Zierstrich durch die Endung erschwert die Lesung
  2. Warthenn — Amt/Personengruppe 'Warthen' nicht sicher gedeutet
  3. Hausleine — Lesung (Häuslein?) nicht ganz sicher

S. 72

Bl. 34vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteBorne sein werck Inn setzenn wolte, vff solche forme das er die Schwellenn brechte in acht eckenn nach dem Bodenn, mit achte seuhlenn darin gezapfft

…Brunnen sein Werk einsetzen wollte, und zwar so, dass er die Schwellen dem Boden entsprechend in ein Achteck brachte, mit acht darin eingezapften Säulen.

2

vnnd Je wo der achte eckenn eine wechsselt, vnnd zusammentret darauf ist ein dick eichenn holz, mit vier hölzernn negelnn genegelt, der da seindt vierenn starcke, vnnd die anndernn vierenn scheib Jngeboret1, vnnd Jngeschlagenn,

Und überall dort, wo eine der acht Ecken wechselt und zusammenstößt, ist darauf ein dickes Eichenholz mit vier hölzernen Nägeln aufgenagelt; vier davon sind stark eingetrieben, und die anderen vier schräg(?) vorgebohrt und eingeschlagen.

3

vnnd obenn vff Jeglich holz ist ein Zaploch gemacht, darein die seuhle stehet, vnnd Inngezapfft ist, vnnd die achte seuhlenn seindt obenn auch gezapffet, in ein grossenn mechtigenn Reiff, vnnd seindt mit dem Reiff alle achte seuhlenn beschlossenn,

Oben in jedes Holz ist ein Zapfloch gemacht, in dem die Säule steht und eingezapft ist; und die acht Säulen sind oben ebenfalls in einen großen, mächtigen Reif eingezapft, und mit dem Reif sind alle acht Säulen zusammengeschlossen.

4

vnd die seuhle reichenn vom grunde des Borns, bis obenn aus weniger vier fusse langk,

Und die Säulen reichen vom Grund des Brunnens bis nach oben hinaus, weniger vier Fuß Länge.

5

Auch zu mittell wegs seindt die seuhlenn gelöchert, Je vier oder funffthalb fuesse ein loch vonn dem anndernn, vnnd seindt da starcke Knebele oder Flöcke darin geschlagenn, darauf rugenn2 die Reiffe, da das wercke mit gefasset, vnnd mit gebundenn ist,

Auch auf halber Höhe sind die Säulen durchlöchert, jeweils vier oder viereinhalb Fuß ein Loch vom anderen entfernt, und darin sind starke Knebel oder Pflöcke eingeschlagen; auf ihnen ruhen die Reife, mit denen das Werk gefasst und gebunden ist.

6

Vff donnerstage darnach Sanct Clarenn tage, brach der Meister im BorneLäuft auf der nächsten Seite weiter

Am Donnerstag darauf, dem Tag der heiligen Klara, brach der Meister im Brunnen …

Unsichere Lesungen

  1. scheib Jngeboret — Lesung 'scheib' unsicher (schräg? mittels Scheiben?)
  2. rugenn — Lesung unsicher; wohl 'ruhen'

S. 73

Bl. 35rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitewieder ab, die Pompenn, vnnd alle annder Zihegezeugk1, vnnd brachte es aus dem Bornn vff die meinung das er den Bornn nit mehr üsenn2 wolt,

…die Pumpen und alles andere Ziehgezeug wieder ab und brachte es aus dem Brunnen heraus, sodass es schien, als wolle er den Brunnen nicht mehr ausschöpfen;

2

Sonndernn als er den grundt besehenn hatte, vnnd was sein werck wordenn, So wolle er die schwellenn mit den seuhlenn, vff dem waßer zusammenn bringenn, vnnd also zu grunde sennckenn, vnnd darnach das werck auch im wasser darein setzenn,

Vielmehr wollte er, nachdem er den Grund besichtigt hatte und sein Werk fertig geworden war, die Schwellen mit den Säulen auf dem Wasser zusammenfügen, sie so auf den Grund absenken und danach auch das Werk im Wasser hineinsetzen.

3

Vff Sonnabenndt darnach vff vnnser liebenn Frauwen abenndt Assumptionis, vnnd auch vff den Monntage darnach liesse der Meister die schwellenn, Seulenn, vnd die Reiffe, vnnd was dem wercke gehörte bey den Born führenn,

Am Sonnabend darauf, dem Vorabend Unserer Lieben Frau Himmelfahrt, und auch am Montag danach ließ der Meister die Schwellen, Säulen und Reife, und was zum Werk gehörte, zum Brunnen führen.

4

Desgleichenn auch vff den Monntage nach Assumptionis Mariæ oder nach Deum Clamarem3 daselbst brachte er die Schwellenn in den Bornn, vnnd zappete die seuhlenn darin vff dem waßer, oder der sohle des Bornns,

Desgleichen brachte er dort am Montag nach Mariä Himmelfahrt, oder nach 'Dum clamarem', die Schwellen in den Brunnen und zapfte die Säulen darin ein, auf dem Wasser, das heißt der Sole des Brunnens.

5

vnnd am Dinstage Octaua Laurentij sennckete er die schwellenn mit den achten seulenn zu grunde vnnd beschlosse die säuhle obenn mit dem reif oder Lattenn,

Und am Dienstag, der Oktav des Laurentius, senkte er die Schwellen mit den acht Säulen auf den Grund und schloss die Säulen oben mit dem Reif oder den Latten zusammen.

6

Vff den Mitwochenn darnach brachte er die Setzbreitte4 zwischenn die seuhle vff die FlockeLäuft auf der nächsten Seite weiter

Am Mittwoch darauf brachte er die Setzbretter zwischen die Säulen auf die Pflöcke …

Unsichere Lesungen

  1. Zihegezeugk — Lesung unsicher; wohl 'Ziehgezeug' (Hebezeug)
  2. üsenn — Lesung unsicher; wohl 'ösen/üsen' = ausschöpfen
  3. Deum Clamarem — wohl der Introitus 'Dum clamarem' gemeint
  4. Setzbreitte — Lesung unsicher; wohl 'Setzbretter'

S. 74

Bl. 35vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteoder knebbelte vnnd fassete wieder die seuhle, wo des noth sein bedeuchte,

…oder er verknebelte und fasste die Säulen wieder ein, wo ihm das nötig erschien.

2

Vff Donnerstage darnach vmb die Vesperstunde begundt der meister die Bolenn Inn den Bornn zulassenn vnnd zusetzenn, die arbeit wehredt bis vff Monntage nach Deus in loco, was Sanct Bartholomeus abenndt,

Am Donnerstag darauf um die Vesperstunde begann der Meister, die Bohlen in den Brunnen hinabzulassen und einzusetzen; die Arbeit währte bis zum Montag nach 'Deus in loco', dem Vorabend von Sankt Bartholomäus.

3

da stundt das werck gemacht, gesatzt, vnnd bereidt, mit allem seinem Bolenn vnnd Reiffenn Innwenndig vnnd außwenndigk ohne das getemme, vnnd ohne die oberstenn Reiffe, die obenn vff dem wercke noch soltenn gemacht werdenn,

Da stand das Werk fertig, gesetzt und bereit, mit all seinen Bohlen und Reifen innen und außen — abgesehen vom Gedämme und von den obersten Reifen, die oben auf dem Werk noch angebracht werden sollten.

4

Vonn dem Getemme aller nechst dem wercke XI. Capitell

Vom Gedämme unmittelbar am Werk. Elftes Kapitel.

5

Mann fanndt auch bey dem altenn wercke im grunde ein gut fest getemme, vonn gutenn festenn Eichen Bolenn, viereckigk gemacht bey nahe zweyenn1 oder drithalbenn fus weit, vonn dem werck, das man sehr erfreuwet was,

Man fand auch bei dem alten Werk im Grund ein gutes, festes Gedämme aus guten, festen Eichenbohlen, viereckig gemacht, nahezu zwei oder zweieinhalb Fuß vom Werk entfernt, worüber man sehr erfreut war.

6

wardt auch furter bas beuestiget, mit Riegelnn vnnd banndenn, das es den Bergk vntenn mit gewalt mocht erhaltenn, vnnd dasselbigkLäuft auf der nächsten Seite weiter

Es wurde auch weiter besser befestigt, mit Riegeln und Bändern, damit es den Berg unten mit Gewalt zurückhalten konnte; und dasselbe …

Unsichere Lesungen

  1. zweyenn — Zahlwort unsicher gelesen (zwei)

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