Salzbibel · Lesetext · 3. Appendix
Der dritte Appendix · S. 723–734
Die Fortschreibung · S. 723–734 · Bl. 360r–365v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Fortschreibung
S. 700–724 · Bl. 349r–360v · Bd. 2 · Zeitleiste: 3. Appendix
S. 723
Bl. 360rBd. 23. Appendix · Die FortschreibungFaksimile (ORKA)Der dritt Appendix.
Der dritt Appendix. Anno 1 5 8 5. Diesenn Winter vber hats sehr wenig geschneyet, auch kein Eisfart oder wasserflut gewesenn, derowegen die Sohle das gantze Jar vber beide am gehalt vnnd ann der menge sehr gering gewesenn, vnnd nicht mehr gehaltenn dann, Im Januario, Februario, Martio, Maio vnnd Junio Ein quart ——————————————— 5 } lot ungeferlich1 Ein Wormbster maß ——————————— 7½ } Freytags den 18. Junij Erhub sich die Werra vonn dem vielenn regenn so sehr, das mann vffm Bronnenn außspannenn, vnnd mit dem fahrenn bis vff den 26 stillhaltenn müstenn, Derowegenn mann gemeinet, es würde sich darnonn2 die Sohle wie im Frůling, vonn der Winterflutenn, gebessert habenn, aber sie hatt sich vber ein halb lot nit gebessert, Ist auch ann der menge baldt wieder abfellig wordenn, Hatt demnach gehalttenn, am 5. Julij.
Der Dritte Appendix. Anno 1585. In diesem Winter hat es sehr wenig geschneit, auch ist keine Eisfahrt oder Wasserflut gewesen; deshalb ist die Sole das ganze Jahr über sowohl am Gehalt als auch an der Menge sehr gering gewesen und hat nicht mehr gehalten als:
Im Januar, Februar, März, Mai und Juni: ein Quart ——————————————— ungefähr 5 Lot, ein Wormser Maß ——————————— 7½ Lot.
Freitag, den 18. Juni, erhob sich die Werra von dem vielen Regen so sehr, dass man auf dem Brunnen ausspannen und mit dem Fahren bis zum 26. stillhalten musste. Deshalb meinte man, die Sole würde sich davon wie im Frühling von den Winterfluten gebessert haben; aber sie hat sich über ein halbes Lot nicht gebessert und ist auch an der Menge bald wieder abfällig geworden. Sie hat demnach gehalten am 5. Juli:
Unsichere Lesungen
- ungeferlich — Klammer über zwei Zeilen (Z. 10)
- darnonn — wohl darvonn (Z. 16)
S. 724
Bl. 360vBd. 23. Appendix · Die FortschreibungFaksimile (ORKA)Der dritte Appendix
Der dritte Appendix Ein quart ——————————————— 5½ lot. Ein Wormbster maß ——————————— 8 lot j q̃ Den 11 Julij Ein quart ——————————————— 5 lot j q̃ Ein Wormbster maß ——————————— 7 lot 3½ q̃ Den 25. Julij Ein quart ——————————————— 5 lot gar nerlich.
Der Dritte Appendix. Ein Quart ——————————————— 5½ Lot, ein Wormser Maß ——————————— 8 Lot 1 Quentchen.
Den 11. Juli: ein Quart ——————————————— 5 Lot 1 Quentchen, ein Wormser Maß ——————————— 7 Lot 3½ Quentchen.
Den 25. Juli: ein Quart ——————————————— 5 Lot gar knapp.
Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568
S. 727–732 · Bl. 362r–364v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 727
Bl. 362rBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. Volget nun die beschreibung angeregter Reise in welcher aüff beuelch Meines G. F. vnnd herrnn Ich nachuolgennde Saltzwerck hin vnd wieder besichtiget, wies1 aller gelegennheit erkündiget, vnnd was ich befundenn, in baldt volgennde erzehlung ordenntlich vnnd kürtzlich aüffgeschriebenn Als der Durchleuchtige Hochgeborne Fürst vnnd Herr, Herr Wilhelm Lanndtgraue zu Hessenn, Graue zu Catzennelnpogenn, Dietz, Ziegennhain vnnd Nidda ec. Mein gnediger fürst vnnd herr, nach tödtlichem Christlichem abscheidt [übergeschrieben: von] dieser welt, des Durchleuchtigenn Hochgebornenn fürstenn vnnd herrnn, Herrnn Philipsenn des elternn Lanndtgrauenn zu Hessenn, S. F. G. Herrnn Vatters, im annfanng Ires fürstlichenn lobreichenn Regiments S. F. G. vmb vieler vnnd wichtiger vrsach willenn, Inen gnediglich furgenommenn, vnnd sich enndtschlossen, nicht allein ein general beschreibung des Saltz=
Der Vierte Appendix. Es folgt nun die Beschreibung der angeregten Reise, auf der ich auf Befehl meines gnädigen Fürsten und Herrn die nachfolgenden Salzwerke hier und dort besichtigt, mich über alle Umstände erkundigt und das, was ich befunden habe, in der bald folgenden Erzählung ordentlich und kurz aufgeschrieben habe.
Als der durchlauchtige, hochgeborene Fürst und Herr, Herr Wilhelm, Landgraf zu Hessen, Graf zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda usw., mein gnädiger Fürst und Herr, nach dem tödlichen christlichen Abschied aus dieser Welt des durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipps des Älteren, Landgrafen zu Hessen, Seiner Fürstlichen Gnaden Herrn Vaters, zu Anfang ihrer fürstlichen lobreichen Regierung sich aus vielen und wichtigen Gründen gnädig vorgenommen und entschlossen haben, nicht allein eine allgemeine Beschreibung des Salz-

Unsichere Lesungen
- wies — Wortform unsicher (Z. 6)
S. 728
Bl. 362vBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix wercks Sodenn, mit allenn annhengenn daraüff zurichtenn vnnd zubeschreibenn, Sonndernn auch ein besondere daraus außgezogegene Ordenung, nach erforderung Ires ampts, in ein bestenndige richtige Ordenung zubringenn, zu ratificiren vnnd zubestettigenn, Vnnd aber vnnder der hanndt S. F. G. im hanndell befunden, das solches nützlich furnehmenn, oder vieler Saltzwercker nach allenn vmbstenndenn erfahrung nicht volkomlich vnnd nach gebüer außgefürt könne werdenn, So habenn demnach S. F. G. mich vnndenbenenttenn, als Irer F. G. Itziger zeit im Saltzwerck Eltistenn diener vnnd Saltzgreuenn darzu verordenet, das ich nach anweisung baldt volgender Instruction, auf die darin benemte Saltzwercker verreisenn, vnnd alles was der Instruction gemeß, ich erfahrenn konnte, S. F. G. vfrichtigk referiren, vnnd bestenndiglich eröffnenn solte, Instruction. Was vnnser Wilhelms von Gots
Der Vierte Appendix. werks Sooden mit allen Anhängen darauf einzurichten und aufzuschreiben, sondern auch eine besondere, daraus ausgezogene Ordnung nach dem Erfordernis ihres Amtes in eine beständige, richtige Ordnung zu bringen, zu ratifizieren und zu bestätigen —
und weil aber Seine Fürstlichen Gnaden im Lauf der Sache befunden haben, dass ein solches nützliches Vorhaben ohne Erfahrung vieler Salzwerke nach allen Umständen nicht vollständig und gebührend ausgeführt werden könne, so haben demnach Seine Fürstlichen Gnaden mich, den Untenbenannten, als Ihrer Fürstlichen Gnaden derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk dazu bestimmt, dass ich nach Anweisung der bald folgenden Instruktion zu den darin genannten Salzwerken reisen und alles, was ich der Instruktion gemäß erfahren könnte, Seiner Fürstlichen Gnaden aufrichtig referieren und beständig eröffnen sollte.
Instruktion. Was unser, Wilhelms von Gottes
Unsichere Lesungen
- außgezoge=gene — Silbe doppelt geschrieben (Z. 4) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
S. 729
Bl. 363rBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. gnadenn, Lanndtgraue zu Hessenn, Graue zu Catzennelnbogenn, Dietz, Ziegennhain vnnd Nidda ec. Saltzgreue zu Allenndorff ann der Werra, vnnd lieber Getrewer Johannes Rhenanus in besichtigung etlicher Saltzwercke, Nemblich zu Allelebenn, Franckennhausenn, Hall in Sachssenn, Artternn, Ascherslebenn, Staßfurt, Grossen Saltza, Lünebürgk, Saltzdietfoll1, Saltz zur Helle, vnnd Bodennfelde sich verhaltenn, vnnd in beuelch habenn soll Erstlich soll er eines Jedenn orts priuatim das Saltzwergk besichtigenn, doch die brieffe bey sich im busen habenn, die er da ers rathsamb befindet, den Saltzwercks beuelchabernn vbergebenn, Vnnd Ihnenn nach vberanntwortung derselbigenn, vnsern gnedigenn grus, vnnd darbenebenn vermeldenn, Nach dem wir in vnserm Saltzwergk zu Allendorf allerley vnrichtigkeit befundenn, derowegenn vnser notturfft erfordernn wolle, solchs in anndere wege annzustellenn, als wer er vonn vnns ab=
Der Vierte Appendix. Gnaden, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda usw., Salzgraf zu Allendorf an der Werra und lieber Getreuer Johannes Rhenanus bei der Besichtigung etlicher Salzwerke — nämlich zu Auleben, Frankenhausen, Halle in Sachsen, Artern, Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza, Lüneburg, Salzdetfurth, Salz zur Hölle und Bodenfelde — sich verhalten und in Befehl haben soll.
Erstens soll er an jedem Ort das Salzwerk privat besichtigen, doch die Briefe bei sich im Busen tragen, die er, wo er es für ratsam hält, den Befehlshabern des Salzwerks übergeben soll. Und nach Übergabe derselben soll er ihnen unseren gnädigen Gruß entrichten und daneben vermelden: Nachdem wir in unserem Salzwerk zu Allendorf allerlei Unrichtigkeit befunden haben, weshalb unsere Notdurft erfordere, dies auf andere Weise einzurichten, sei er von uns ab-
Unsichere Lesungen
- Saltzdietfoll — Ortsname, Schreibung unsicher (Z. 8)
S. 730
Bl. 363vBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix gefertigt, Ihr Saltzwerck zubesichtigenn, vnnd sich aller desselbenn gelegennheit gründtlich zuerlernenn, Nicht der vrsachenn wegenn, etwas dardurch, das Ihnenn oder Irem Saltzwergk nachteiligk sein möchte, zuerforschenn, Sonndern alleine darumb, das mann dis vnnser Saltzwergk desto bestenndiger vnnd besser mit gutenn Ordnungk, Wasserkünstenn, Bewenn1 vnnd anndernn anngerichttet hette, vnnd demnach begerenn, Ime darzu zuuerstattenn, auch gute annweisung zugebenn, vnnd wann solchs also beschicht, soll er sich des Saltzwergks, vnnd der Bronnenn gelegennheit ganntz wohl erkündigenn, Nemblich wie tieff sie seyenn, Wo her vnnd aus was grundt sie springenn, zu dem behuff er dann mit sich habenn soll, einenn kleinenn Probir zeugk, auch Jedes orts die Sohlenn probiren, vnnd dasselbige in sein Büchlein aufzeichnenn, fürters solchs mit annhero bringk, Vornemblich aber vleissige vfmerckens haben,
Der Vierte Appendix. gefertigt, ihr Salzwerk zu besichtigen und sich über dessen ganze Beschaffenheit gründlich zu unterrichten — nicht aus dem Grund, dadurch etwas zu erforschen, was ihnen oder ihrem Salzwerk nachteilig sein könnte, sondern allein deshalb, damit man dieses unser Salzwerk desto beständiger und besser mit guter Ordnung, Wasserkünsten, Bauten und anderem einrichten könne; und demnach begehren wir, ihm dazu Zutritt zu gestatten und auch gute Anweisung zu geben.
Und wenn das so geschieht, soll er sich über die Beschaffenheit des Salzwerks und der Brunnen ganz genau erkundigen: nämlich wie tief sie seien, woher und aus welchem Grund sie springen. Zu diesem Behuf soll er ein kleines Probiergerät bei sich haben, an jedem Ort die Sole proben und dies in sein Büchlein aufzeichnen und es sodann mit hierher bringen. Vornehmlich aber soll er sorgfältig darauf achten,
Unsichere Lesungen
- Bewenn — Lesung unsicher (Z. 8)
S. 731
Bl. 364rBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. wie die Sohle gefast sey, desgleichenn wie mann an einem Jedenn ort seudet, vnnd was sie für vortheil, das saltz außzubringenn habenn, vnnd wie sie es allennthalbenn mit Irem Saltzwerck halttenn, auch was Jedes orts für künste vnnd vortheil vfgericht, damit mann die Sohle lanngt, vnd das wilde wasser abweiset, Ferner soll er sonnderlich bey gutenn leütenn erforschenn, mit was vortheil annfengklich die Bronnenn seindt erbauet wordenn, vnnd wie sichs im selbenn bauenn allennthalbenn hab anngelassenn, Vnnd was sonnstenn dieser vnnd dergleichenn dinge mehr, so zuerkündigenn vnnd zumerckenn von notenn, vnnd würdigk sein werdenn, denselbigen bestes vleißes nachforschenn, vnnd vns vonn dem allenn zu seiner wiederkunfft Relation thun, Signatum Cassell den 28. Junij Anno Domini 1568. Wilhelm L. zu Hessenn. Es soll sich auch Rhenanus genn Bremenn verfügen,
Der Vierte Appendix. wie die Sole gefasst ist, desgleichen wie man an jedem Ort siedet und welche Vorteile sie haben, das Salz auszubringen, und wie sie es allenthalben mit ihrem Salzwerk halten, auch was an jedem Ort für Künste und Vorrichtungen errichtet sind, mit denen man die Sole holt und das wilde Wasser abweist.
Ferner soll er besonders bei guten Leuten erforschen, mit welchen Mitteln anfänglich die Brunnen erbaut worden sind und wie es sich bei diesem Bauen allenthalben angelassen hat. Und was sonst dieser und dergleichen Dinge mehr zu erkunden und zu merken nötig und würdig sein werden, dem soll er mit bestem Fleiß nachforschen und uns von allem bei seiner Rückkehr Bericht erstatten.
Unterzeichnet zu Kassel, den 28. Juni Anno Domini 1568. Wilhelm, Landgraf zu Hessen.
Es soll sich Rhenanus auch nach Bremen verfügen
S. 732
Bl. 364vBd. 24. Appendix · Vorrede und Instruktion vom 28. Juni 1568Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix vnnd sich aller gelegennheit des Poys1 erkündigen, ob derselbige in der grosse mennge zubekommenn, vnnd wie theur vngeuerlichenn ein Tonna, auch mit was vortheil derselbige heraüff zubringenn, Heinrich Hesbergk sst.2
Der Vierte Appendix. und sich über alle Umstände des Bois erkundigen, ob dieser in großer Menge zu bekommen ist und wie teuer ungefähr eine Tonne, auch mit welchen Mitteln er heraufzubringen wäre. Heinrich Hesberg, selbst.
Unsichere Lesungen
- Poys — Salzsorte, Lesung unsicher (Z. 1)
- Hesbergk sst. — Unterschrift mit Paraphe (Z. 6)
Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen
S. 733–793 · Bl. 365r–395r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 733
Bl. 365rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Der Vierdt Appendix Sunderßhausenn Nach empfahung Itzt gedachter Credentz Hab mich vfgemacht, bin nach Sunderßhausenn gezogenn, vnnd daselbst in die Sunderßhausische Canntzley ein werbenn vnnd annzeigenn lassenn, auch als baldt zur anntwort bekommenn, das der Secretarius meine Jegennwertigkeit, seinen gnedigenn herrenn, derenn nur Graff Hanns Günter vnnd Graf Albrecht, so zur stette warenn, vermeldenn wolte, vnnd mich weitters beanttworttenn. Kurtzlich darnach, bin ich vf die Canntzley gefordert wordenn, vnnd habe mich nach anweisung meyner Instruction vnderthenigklich verhaltenn, nach beschehener vnnd gethaner werbunge habenn mir die Rethe durch den Secretarium als baldt in Jegennwertigkeit zur anntwort gebenn, Sie woltenn die versiegeltenn Credentz Irenn gnedigen Herrenn zubringenn, Mein werbung eroffnenn, vnd
Der Vierte Appendix. Sondershausen. Nach Empfang des eben genannten Beglaubigungsschreibens habe ich mich aufgemacht und bin nach Sondershausen gezogen und habe dort in der Sondershäuser Kanzlei mein Anliegen vorbringen und anzeigen lassen. Ich bekam auch sogleich zur Antwort, der Sekretär wolle meine Anwesenheit seinen gnädigen Herren — deren nur Graf Hans Günther und Graf Albrecht zur Stelle waren — vermelden und mir weiter Bescheid geben.
Kurz darauf bin ich in die Kanzlei gefordert worden und habe mich nach Anweisung meiner Instruktion untertänig verhalten. Nach vollzogener Werbung haben mir die Räte durch den Sekretär sogleich in Gegenwart zur Antwort gegeben, sie wollten das versiegelte Beglaubigungsschreiben ihren gnädigen Herren bringen, mein Anliegen eröffnen und
S. 734
Bl. 365vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. was sich wohlgedachte Ire gnedige Herrenn daraüf erkleretenn, mich nach kurtzer weile in die Herbrige weisenn lassenn, vnnd seindt als baldt die Rethe aus der Canntzley zu wohlgedachtenn Grafenn Irenn gnedigenn Herrenn ganngenn, Esselbigenn1 abendts hat mir der Secretarius der Canntzleyschreiber einenn zugeschickt, vnnd das ich in das Schlos zu den Rethenn vnnd Ime kommenn wolte begeret, als ich aber Ins Schlos kommenn Hat der Secretarius mir vonn wegenn ser2 gnedigenn Herrenn, in beysein der Rethe endtdeckt, das Ire gnedige Herrenn, die Credentz vnnd werbüng enndtpfanngenn, anngenommenn vnd selbst verlesenn. Vnnd ob schonn bedennklich were, einem Jedenn bey die geheimnus Ires Saltzwercks zulassenn, So sein sie doch nit allein in dem, Sonndernn auch in einem mehrenn vnnd grösserm Irenn gnedigenn Herrnn, dem Lanndtgrauenn zu Hessenn, zu wilfahrenn geneigt. Mit dem weitternn annhanngk, das auch als
Der Vierte Appendix. mich nach kurzer Weile in die Herberge weisen lassen, was ihre wohlgenannten gnädigen Herren sich daraufhin erklärten. Und die Räte sind sogleich aus der Kanzlei zu den genannten Grafen, ihren gnädigen Herren, gegangen.
Desselben Abends hat mir der Sekretär einen der Kanzleischreiber geschickt und begehrt, dass ich ins Schloss zu den Räten und zu ihm kommen wolle. Als ich aber ins Schloss kam, hat mir der Sekretär von wegen seiner gnädigen Herren in Beisein der Räte eröffnet, dass ihre gnädigen Herren das Beglaubigungsschreiben und die Werbung empfangen, angenommen und selbst gelesen hätten. Und obwohl es bedenklich wäre, einen jeden in das Geheimnis ihres Salzwerks zu lassen, so seien sie doch nicht allein hierin, sondern auch in Größerem geneigt, ihrem gnädigen Herrn, dem Landgrafen zu Hessen, zu willfahren — mit dem weiteren Zusatz, dass sie auch so-
Unsichere Lesungen
- Esselbigenn — wohl Desselbigenn, Initiale (Z. 6)
- ser — vielleicht Irer, Anfang undeutlich (Z. 11)