Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 737–746
Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen · S. 737–746 · Bl. 367r–371v · Band 2
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Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen
S. 733–793 · Bl. 365r–395r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
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Bl. 367rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
zwischenn den Lanndtgrauenn zu Duringenn vnnd Grauenn zu Schwartzburgk datiret Anno 1312. darinnenn allerley anngezeigt, wie es darmitt gehaltenn solle werdenn, tractiret seyenn, aber nicht gehaltenn wordenn, Vber das so sey das eltiste Monument, damit zubescheinenn, das Franckenhausenn ein sehr alt Saltzwerck sein muste, dieweil die vonn Franckennhausenn ein Innsiegell gehabt, damit sie wohl fur funffhundert Jaren gesiegelt, darein Saltzknecht |: welchenn sie einen Nappenn1[?] knecht nennenn :| stehe, welcher zwen eimer mit Sohlenn trage, Es hat mich auch Iztgedachter Doctor berichttet, das er in seiner peregrination sey zu Salin, Dauonn sich der Königk vonn Hispanienn pflegt ein Grauenn zu nennen, gewesenn, da sey der Saltzbronn in ein gros gewaltiges rundes gewelb, vnnter welchem gewelb wol das gantze Schlos Sundershausenn sich verbergenn möchte, gebauenn, sey sehr tieff im grunde, vnnd steige mann vmb vnnd vmb, bis
Der Vierte Appendix. zwischen den Landgrafen zu Thüringen und den Grafen zu Schwarzburg, datiert Anno 1312, worin allerlei angezeigt und verhandelt ist, wie es damit gehalten werden solle; das sei aber nicht eingehalten worden.
Darüber hinaus sei das älteste Denkmal, mit dem zu belegen ist, dass Frankenhausen ein sehr altes Salzwerk sein muss, dies: dass die von Frankenhausen ein Siegel gehabt haben, mit dem sie wohl vor fünfhundert Jahren gesiegelt haben, worin ein Salzknecht — den sie einen Nappenknecht nennen — steht, der zwei Eimer mit Sole trägt.
Es hat mich auch der genannte Doktor berichtet, dass er auf seiner Reise zu Salins gewesen sei, wovon sich der König von Spanien einen Grafen zu nennen pflegt. Da sei der Salzbrunnen in ein großes gewaltiges rundes Gewölbe gebaut, unter dem sich wohl das ganze Schloss Sondershausen verbergen könnte; er sei sehr tief im Grund, und man steige ringsherum bis
Unsichere Lesungen
- Nappenn — Anfangsbuchstabe N oder R (Z. 11)
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Bl. 367vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
hinunter auff zum grunde, auf treppenn, Welche anngelegt sein, gleich wie vor zeit Amphiteatra gewesenn, im grundt vnd auf den vndersten Basenn, aber sey die Sohlenn vnnd wiltwasser dermassenn mit geschickligkeit vnnd Kunst ein Jede ader besonnders gefasset, das mann eigenntlich die sehenn konne, wie sie bis Inn Ire besonndere deuchell fliessenn vnnd geschepfft werden, Es habenn auch die anndernn Rethe, ein Jeder das seine darzugeredt, seindt dem doctori in erzelung der annkunfft des Franckennheusisch Saltzwergks zugetrettenn, vnnd habenn also dieses abenndts vber tische zwo stunden hiermit zubracht, Franckennhausenn. Volgennts Morgenns frue, Bin ich vffgewesenn, vnnd den Schwartzburgischenn Baumeister Bernt Pfeyfer, welcher vergangenes abendts
Der Vierte Appendix. hinunter auf den Grund, und zwar auf Treppen, die so angelegt sind, wie vorzeiten die Amphitheater gewesen sind. Im Grund und auf den untersten Stufen aber seien die Sole und das wilde Wasser dermaßen geschickt und kunstvoll — jede Ader für sich — gefasst, dass man genau sehen könne, wie sie bis in ihre besonderen Deicheln fließen und geschöpft werden.
Es haben auch die anderen Räte, ein jeder das Seine dazu gesagt und sind dem Doktor in der Erzählung von der Entstehung des Frankenhäuser Salzwerks beigetreten; und so haben wir an diesem Abend zwei Stunden bei Tisch damit zugebracht.
Frankenhausen. Sodann bin ich morgens früh aufgestanden und habe den Schwarzburger Baumeister Bernt Pfeifer, der am vergangenen Abend
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Bl. 368rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
vber disch beuelch enndtpfingk1[?], mit mir furt zureisenn, aufwarthenn lassenn, vnnd habenn wir beide furt geeylet, also das wir zeitlich frue zu Franckennhausenn einkommenn, Vnnter wegenn hat gedachter Baumeister, welcher mit mir vf dem wagenn gesessenn, mancherley rede gehapt, vonn Saltzwerckenn, Bergkwergken, vnnd Bausachenn, Sonnderlich vom Saltzwergk zu Aulebenn, vnnd meister Hannsenn Wetzelnn, Habe aber annderst nicht gespuret, denn das er vnnd meniglich Meister Hannsenn noch wohl gewogen, vnnd dem aufkommenn gedachts Saltzwergks nit viel zuschreibenn, Solchs geschwetze hat geweret, bis wir zum Kloster Gellingenn so des Abts zu Hirsfeldt ist, kommenn seindt. Daselbst habenn die Grauenn vonn Schwartzburgk ein grossenn deich, stet voller Rors, hat mir der Baumeister anngezeigt, das aus den Ror, so in demselbigenn deich vnnd anndern wechst, seine Gnedige Herrenn die Grauenn zu Schwartzburgk, Jerlich
Der Vierte Appendix. bei Tisch Befehl empfangen hatte, mit mir weiterzureisen, aufwarten lassen; und wir beide haben geeilt, so dass wir zeitig früh in Frankenhausen eintrafen.
Unterwegs hat der genannte Baumeister, der mit mir auf dem Wagen saß, mancherlei Reden über Salzwerke, Bergwerke und Bausachen geführt, besonders über das Salzwerk zu Auleben und Meister Hans Wetzel. Ich habe aber nichts anderes gespürt, als dass er und jedermann Meister Hans noch wohlgesinnt sind und dem Aufkommen dieses Salzwerks nicht viel zuschreiben.
Dieses Gespräch hat gewährt, bis wir zum Kloster Göllingen gekommen sind, das dem Abt zu Hersfeld gehört. Dort haben die Grafen von Schwarzburg einen großen Teich, ganz voller Rohr; der Baumeister hat mir angezeigt, dass seine gnädigen Herren, die Grafen zu Schwarzburg, aus dem Rohr, das in diesem und in anderen Teichen wächst, jährlich
Unsichere Lesungen
- enndtpfingk — Buchstabenfolge unklar, wohl entpfing (Z. 1)
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Bl. 368vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
zu gemeinenn Jarenn, vber siebenn hundert gulden lösenn konnenn, So habenn auch sonnst seine gnedige herrenn die Grauenn zu Schwartzburgk stetigs funff wagenn geschir, welche nichts dann holtz in seulenn kaufft zu Marckt fuhrenn, dauonn sie dann ein zimblichenn stattlichenn gewinst einnehmen, Vnnder des sein wir zum Stollenn kommenn, dadurch vonn alters die Wipper, welche die Kunst zu Franckennhausenn treibt, mit grossenn vncostenn geleitet wordenn, seindt abgestiegenn, vnnd hat mir der Baumeister alle gelegennheit gezeigt, vnnd berichttet das der Stollenn vonn einem mundtloch zum andern sey lanng — Ein hundert zwanntzigk rutenn, vnd am hochstenn ort tieff zwanntzigk vier Ehlenn, sonst ist die art des bergs eyttell leymenn, ist sehr vnformlich gebauet, hat viel leuchtschachtenn, derenn einer oder zwenn dem Berge gleich obenn ausgefurt, also das leichtlich in vnstetiger Winter zeit dem Saltzwergk durch eingang des Stollenn, grosser schadenn begegenenn kann, Wie dann auch
Der Vierte Appendix. in gewöhnlichen Jahren über siebenhundert Gulden lösen können. So haben auch sonst seine gnädigen Herren, die Grafen zu Schwarzburg, ständig fünf Wagengespanne, die nichts als Holz in Säulen gekauft zu Markte fahren; davon nehmen sie dann einen ziemlich stattlichen Gewinn ein.
Unterdessen sind wir zum Stollen gekommen, durch den von alters her die Wipper, die die Kunst zu Frankenhausen treibt, mit großen Unkosten geleitet worden ist. Wir sind abgestiegen, und der Baumeister hat mir alle Umstände gezeigt und berichtet, dass der Stollen von einem Mundloch zum anderen 120 Ruten lang und am höchsten Ort 24 Ellen tief sei. Sonst ist die Art des Berges lauter Lehm; er ist sehr unförmlich gebaut und hat viele Lichtschächte, deren einer oder zwei dem Berg gleich oben ausgeführt sind, so dass in unbeständiger Winterzeit dem Salzwerk durch den Eingang des Stollens leicht großer Schaden entstehen kann, wie denn auch
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Bl. 369rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
vnnlanngst beschehenn, das der Schacht einer daselbst, vom schnee eingangenn vnnd mann den ganntzenn wintter hat still halttenn mussenn, Als aber wir in die Stadt kommenn, ist der Baumeister im Schlos eingezogenn, meine Jegennwertigkeit den Beuelchabernn vermeldet, welche dann in einer stunde zusammenn kommenn, mich zu sich erfordert, Credenntz vnnd werbung anngenommenn vnnd gehöret, vnnd darauf sich mit aller gutwilligkeit ganntz freundtlich vernehmenn lassenn, sich auch genntzlich erbottenn, das mir im geringstenn, auf mein fragenn vnnd begerenn, nichts verhalten werdenn solte, mit vnderthenniger erbietung, das nit allein in solchemm, sonndernn nach Irem mehrem Ires vermugenns sie geneigt wehrenn Meinem gnedigenn furstenn vnnd herrnn zu wilfahrenn, darauf ich wie geburlich gedannckt, Als baldt hab ich meinem einem diener den Probirdeuchte1[?] lassenn zustellenn, die Sohlenn holenn, nach essenn probiren, vnnd hundert zwey lot am gewicht
es unlängst geschehen ist, dass einer der Schächte dort vom Schnee verschüttet wurde und man den ganzen Winter hat stillhalten müssen.
Als wir aber in die Stadt kamen, ist der Baumeister ins Schloss gegangen und hat meine Anwesenheit den Befehlshabern vermeldet. Diese sind dann innerhalb einer Stunde zusammengekommen, haben mich zu sich gefordert, das Beglaubigungsschreiben und die Werbung angenommen und angehört und haben sich darauf mit aller Gutwilligkeit ganz freundlich vernehmen lassen. Sie haben sich auch gänzlich erboten, dass mir auf mein Fragen und Begehren nicht das Geringste vorenthalten werden solle, mit untertäniger Erbietung, dass sie nicht allein hierin, sondern nach ihrem ganzen Vermögen geneigt wären, meinem gnädigen Fürsten und Herrn zu willfahren; worauf ich gebührend gedankt habe.
Sogleich habe ich einem meiner Diener das Probiergerät zustellen, die Sole holen und nach dem Essen proben lassen und hundertzwei Lot am Gewicht
Unsichere Lesungen
- deuchte — Wortende des Probiergeraets unklar (Z. 19)
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Bl. 369vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
der rohenn Sohlenn, Sechtzehenn Loth aber am gehalt, grundtlich rein geleuttert Saltz befunden, vnnd dieweil ebenn als baldt Sohlenn vom Auleben auch bey der hanndt gewesenn, Habe dieselbige Ich auch probirt, vnnd nicht mehr als zwey loth annderthalbe quenten, wie dann auch fur dieser zeit befundenn, Nach beschener Proba hab ich begeret, das mann mich zum Bronnenn vnnd Kunstenn, wolte kommenn lassenn, seindt die Beuelch haber wohl zu friedenn gewesenn, vnnd seindt mit mir vf den Brunnen ganngenn, der Schwartzburgische Baumeister vnd Kunstmeister, welcher sampt den beidenn Saltzgreuen mich aller gelegennheit nach, alles besehenn lassen, vnnd darbenebenn notturfftiglich berichttet, Der Bronnen kömpt aus weissem Gibsgrundt, wie auch der zu Sodenn, ist gefasset in einem mit Holtz ausgefurtenn Schacht — 25 ehlenn hoch, ohnne was noch bis ad superficiem færam1[?] terræ, darzu zu nehmenn, ist noch sehr frisch holtz, wiewohl mich
Der Vierte Appendix. der rohen Sole, sechzehn Lot aber am Gehalt an gründlich rein geläutertem Salz befunden. Und weil eben zugleich auch Sole von Auleben zur Hand gewesen ist, habe ich diese auch geprobt und nicht mehr als zwei Lot anderthalb Quentchen gefunden, wie ich es auch schon früher befunden hatte.
Nach vollzogener Probe habe ich begehrt, dass man mich zum Brunnen und zu den Künsten kommen lasse; damit sind die Befehlshaber wohl zufrieden gewesen, und mit mir sind der Schwarzburger Baumeister und der Kunstmeister auf den Brunnen gegangen, die mich samt den beiden Salzgrafen alles nach allen Umständen haben besehen lassen und daneben hinreichend berichtet haben.
Der Brunnen kommt aus weißem Gipsgrund, wie auch der zu Sooden. Er ist in einem mit Holz ausgeführten Schacht gefasst, 25 Ellen hoch, ohne das, was noch bis zur Erdoberfläche hinzuzunehmen ist; das Holz ist noch sehr frisch, wiewohl mir
Unsichere Lesungen
- færam — lateinisches Wort unklar (Z. 19)
S. 743
Bl. 370rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
niemanndt bescheidenn kunte, wie lanng derselbige bau gestanndenn, Die Sohlenn steiget im Schacht — 5 ehlenn, vnnd als ein kleine zeit still gehaltenn wardt, wuchs vnnd nam das aufsteigenn vier ehlen hoch, Benebenn dem reichenn Bronnenn, ist ein gar wilde ader besonnders besturzt, laufft durch ein niedrigenn Stollenn, zum grossenn wasser Schacht, Sonnst ist das wilde wasser in einem besonndernn Stollenn vmb den Bronnenn hero abgeleitet, vnnd ist der Tam zwischenn dem Wildenn wasser vnnd Bronnenn zwanntzigk ehlenn dick, stehet das wilde wasser funff ehlenn höher dann die Sohlenn, denn die wildenn wasser scheichte derenn drey seindt, habenn nur zwanntzigk ehlenn Inn die tieffe, Die kunste damit Sohl vnnd wiltwasser gelanngtt wirdt, seindt mit Schleuchenn zubereit, vnnd ist am der wasserkunst das wasser radt — 27 schue hoch, vnnd das kunstradt —— 20 schue, hat — 216 kammenn, die furlege oder drilintz
Der Vierte Appendix. niemand Bescheid geben konnte, wie lange dieser Bau gestanden hat. Die Sole steigt im Schacht 5 Ellen, und als eine kleine Zeit stillgehalten wurde, wuchs das Aufsteigen und nahm auf vier Ellen Höhe zu.
Neben dem reichen Brunnen ist eine ganz wilde Ader gesondert abgefasst; sie läuft durch einen niedrigen Stollen zum großen Wasserschacht. Sonst ist das wilde Wasser in einem besonderen Stollen um den Brunnen herum abgeleitet, und der Damm zwischen dem wilden Wasser und dem Brunnen ist zwanzig Ellen dick. Das wilde Wasser steht fünf Ellen höher als die Sole, denn die Wildwasserschächte — deren drei sind — haben nur zwanzig Ellen in die Tiefe.
Die Künste, mit denen Sole und wildes Wasser geholt werden, sind mit Schläuchen eingerichtet. An der Wasserkunst ist das Wasserrad 27 Schuh hoch und das Kunstrad 20 Schuh; es hat 216 Kämme, das Vorgelege oder der Drilling
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Bl. 370vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
— 24. — 25. Schleuche ann der kettenn, vnd seindt alwegen ein schlauch vonn dem anndernn — 3 ½ schuch, vnnd wirdt mit dieser kunst das wilde wasser, bis vf ein ehlenn hoch stets zu sumpffe gehaltenn, Die Sohlenn kunst aber ist anngestelt — 36 schue hoch ist das wasser radt, das kampffradt — 10. ehlenn, hat — 216 kammenn, vnnd ist der Drilintz gleich wie obenn beim Wildenn wasser geredt ist wordenn, hat gehenn — 36 schleuche ann der kettenn, damit die Sohlenn aus dem Bronnenn schacht gereicht wirdet, welche darnach als baldt in einenn besonndernn deuchell oder kumpff geleitet ist, da mann sie vf ein newes hebet, Inn gleicher höhe vnnd massenn, wie Izundt vom rechtenn Bronnenn gesagt ist wordenn, Dannenn wirdt die Sohle in alle Bothenn geleitet, also das in denselbigenn Bothenn |: welches sie Soellen nennenn :| ein Jeder gnugsamb Sohlenn bekommen kann, vnnd ist zwar sehr viel vnnd reiche Sohlenn furhanndenn, denn sie im gerin vnnd lauffenn — 3.
Der Vierte Appendix. 24 bis 25. Schläuche sind an der Kette, und es ist stets ein Schlauch vom anderen 3½ Schuh entfernt; und mit dieser Kunst wird das wilde Wasser ständig bis auf eine Elle Höhe zu Sumpf gehalten.
Die Solekunst aber ist so eingerichtet: das Wasserrad ist 36 Schuh hoch, das Kammrad 10 Ellen, es hat 216 Kämme, und der Drilling ist so, wie eben beim wilden Wasser gesagt worden ist. Es laufen 36 Schläuche an der Kette, womit die Sole aus dem Brunnenschacht geholt wird; diese wird danach sogleich in einen besonderen Deichel oder Kumpf geleitet, wo man sie von neuem hebt, in gleicher Höhe und Weise, wie eben vom rechten Brunnen gesagt worden ist.
Von dort wird die Sole in alle Bothe geleitet, so dass in diesen Bothen — die sie Sollen nennen — ein jeder genug Sole bekommen kann. Und es ist zwar sehr viel und reiche Sole vorhanden, denn sie füllen das Gerinne im Lauf ständig 3
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Zoll in die höhe, vnnd — 6 in die breite, stetigs erfullet, Benebenn denn wildenn wasser kunstenn, derenn zwo seindt, wirdt noch eine besonndere kunst gehaltenn, welche sie die Baukunst nennenn, dieselbige wirdt gebraucht, wann mann bauet, vnnd wan sonnst das wilde wasser zustarck ist, Stehet vf dem drittenn wildenn wasser schacht, ist gleicher massen anngestelt, wie vonn den anndernn anngezeigt ist wordenn, Souiel vom Bronnenn vnnd kunstenn, Vnnder des Ich nun vf dem Bronnen war, habe ich mancherley gefragt, vnnd vnnder anndernn mich zu berichtenn begeret, ob auch die sohle ein zeit besser dann die annder were, Darauf ich vonn beidenn Saltzgreuenn zur anntwort bekommenn, vnnd enndtpfanngenn, das zu nasser zeit, vnnd wanns im Winter viel schne vnnd regenn gebe, sie gar nit siedenn köntenn, Sonndernn still mustenn haltenn, bis so lannge das nach Irer altenn gewönlichen Proba
Zoll in der Höhe und 6 in der Breite aus.
Neben den Wildwasserkünsten, deren zwei sind, wird noch eine besondere Kunst gehalten, die sie die Baukunst nennen; die wird gebraucht, wenn man baut und wenn sonst das wilde Wasser zu stark ist. Sie steht auf dem dritten Wildwasserschacht und ist auf gleiche Weise eingerichtet wie die anderen, wie angezeigt worden ist. So viel vom Brunnen und den Künsten.
Während ich nun auf dem Brunnen war, habe ich mancherlei gefragt und unter anderem Bericht darüber begehrt, ob auch die Sole zu der einen Zeit besser sei als zur anderen. Darauf habe ich von beiden Salzgrafen zur Antwort empfangen, dass sie zu nasser Zeit und wenn es im Winter viel Schnee und Regen gebe, gar nicht sieden könnten, sondern stillhalten müssten so lange, bis nach ihrer alten gewöhnlichen Probe
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Bl. 371vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
die Sohlenn ein frisch Ey wiederumb ertragenn, vnd empor hebenn könnte, vnnd als ich sie gefragt, Ob sie sonnst vonn keiner Prob, als vonn der Iztgemelten wissennschafft hettenn, habenn sie zur anntwort gebenn, Nein, vnnd darbenebenn anngezeigt, das sie nie vonn keinenn Sohlenn probiren gehört habenn, da sie doch nunmehr alte verlebte menner werenn, bis solanng die neuenn Kunstler Inns Lanndt kommen werenn, welche sich bey Ihnenn fur etlicher zeitt anngebenn, damahls verachtet wordenn, vnnd sich Iziger zeit, zu Artternn vnnd Sultza verhieltenn Es seindt zu Franckhausenn — 117 Kothe, oder Sollenn, wie sie es nennenn, darinnenn könnenn teglich, wenns durch den Zöller, der Rendtmeister ist, vonn der Grauenn wegenn erlaubt wirdt — 944 stucke, derenn Jedes vnnser Justirten metzl — 6 helt, gesottenn werdenn. Wurdt aber vom Zolner nicht ehr erleubt zusiedenn, es seyenn dann gnugsame kaufleut [übergeschrieben: vnd fuhrleut] welche das Saltz hinwegk fuhrenn, furhanndenn, aus vhrsachenn, das sie
Der Vierte Appendix. die Sole ein frisches Ei wieder tragen und emporheben könne. Und als ich sie fragte, ob sie sonst von keiner anderen Probe als der eben genannten Kenntnis hätten, haben sie zur Antwort gegeben: nein, und daneben angezeigt, dass sie nie von einem Probieren der Sole gehört hätten — obwohl sie doch nunmehr alte, betagte Männer seien —, bis die neuen Künstler ins Land gekommen seien, die sich vor etlicher Zeit bei ihnen angeboten hätten, damals aber verachtet worden seien und sich jetzt zu Artern und Sulza aufhielten.
Es sind zu Frankenhausen 117 Kothen oder Sollen, wie sie es nennen. Darin können täglich, wenn es durch den Zöllner, der Rentmeister ist, von wegen der Grafen erlaubt wird, 944 Stücke gesotten werden, deren jedes 6 unserer geeichten Metzen hält. Es wird aber vom Zöllner nicht eher zu sieden erlaubt, als bis genügend Kaufleute und Fuhrleute vorhanden sind, die das Salz wegführen — aus dem Grund, dass sie