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Salzbibel · Lesetext · 5. Buch

Das fünfte Buch · S. 75–84

Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 75–84 · Bl. 36r–40v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Geyselers Denkschrift von 1489

S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch

S. 75

Bl. 36rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitegetemme was annderthalb manns hoch vfwarts vnnd einer gutenn tieffe, Inn den grundt gerammet, vnnd bleib vnuerbrochenn stehennde,

…Gedämme war anderthalb Mann hoch aufwärts und von guter Tiefe in den Grund gerammt, und es blieb unversehrt stehen.

2

bey dem neuenn wercke vnnd dem getemme wardt der grundt gefullet mit Mosse, vnnd mit thonn, hardt zusammen gestossenn vnnd getrettenn, vnnd vff das aller vesteste getemmet,

Bei dem neuen Werk und dem Gedämme wurde der Grund mit Moos und mit Ton gefüllt, hart zusammengestoßen und festgetreten und aufs allerfesteste gedämmt.

3

auch allen hanndt1 als mann also temmete, arbeittete der Meister mit denn Zimmerleuthenn an den abzuchtenn, vnnd raumete vom obenn hinzu, vnd fassete den Bergk, vnnd macht den vmbgang neuwe, mit den Lichtlochernn oder abezuchtenn

Auch unterdessen, während man so dämmte, arbeitete der Meister mit den Zimmerleuten an den Abzüchten (Wasserabzügen), räumte von oben her zu, fasste den Berg ein und erneuerte den Umgang, mit den Lichtlöchern oder Abzüchten.

4

Vonn dem Wercke des Borns XII. Capitell

Vom Werk des Brunnens. Zwölftes Kapitel.

5

Das werck hatte achte Reiffe, darein vnnd mittell2 die Bolenn, oder taubenn gebundenn vnnd gefassett seindt,

Das Werk hatte acht Reife, in die hinein und in deren Mitte die Bohlen oder Dauben gebunden und gefasst sind.

6

der eine Reiff der da der enngest ist, der soltt aller dinge in den grundt Innwendig gelegt sein, gleicher weis als die schwelenn, die bleib vfwarts dreyer fuesse hoch, vnnd wardt also fur das beste erkanndt, als er Inngesenncket wardt,

Der eine Reif, der engste, sollte gänzlich innen auf den Grund gelegt werden, ebenso wie die Schwellen; er blieb drei Fuß hoch aufwärts stehen, und so wurde es, als er eingesenkt wurde, für das Beste befunden.

7

der annder reiff der da einer3Läuft auf der nächsten Seite weiter

Der zweite Reif, der …

Unsichere Lesungen

  1. allen hanndt — Lesung/Deutung unsicher (allenthalben? unterdessen?)
  2. darein vnnd mittell — Wortlaut unsicher
  3. einer — letztes Wort der Seite unsicher; Satz läuft auf der Folgeseite weiter

S. 76

Bl. 36vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitehanndt breidt weitter ist, der ist gelegt vf die schwellenn, vnnd zwuschenn den zwölff reiffenn seindt die Bolenn1 vnntenn in dem grundt gesatzt vnnd ein halben fus tieff Inn den grundt eingerammbt,

eine Hand breit weiter ist; der ist auf die Schwellen gelegt, und zwischen den zwölf Reifen sind die Bohlen unten in den Grund gesetzt und einen halben Fuß tief in den Grund eingerammt;

2

darnach seindt die anndernn funf reiff vfwarts getriebenn Je einer vber demm andernn vier oder funffthalbenn fus weidt, vnnd liegenn vf den Pflockenn2, die da in die achte seulenn seindt gemacht, vnnd der achteste reiff beschleusset obenn die seuhle,

danach sind die anderen fünf Reifen aufwärts getrieben, je einer vier oder viereinhalb Fuß über dem anderen, und liegen auf den Pflöcken, die in die acht Säulen eingearbeitet sind; und der achte Reif beschließt oben die Säulen;

3

vnnd also stehet das werck vnten ennge vnnd obenn weitt, mit achte seulenn vnnd schwellenn befestiget, das es nicht magk vfwartts geweichenn, auch nicht Innwarts getrettenn, vmb der zweyenn reiff willenn, die da vonn Inwendigen dem Bolenn ingestucket seindt,

und so steht das Werk unten eng und oben weit, mit acht Säulen und Schwellen befestigt, sodass es weder nach oben ausweichen noch nach innen treten kann — wegen der zwei Reifen, die von innen an die Bohlen eingestückt sind;

4

auch ist dis werck im grunde zweyer fuße lanng weitter dan das alte werck was, vnnd obenn vier fueße weitter, auch vf das werck geweist was3, So werdenn die Reiffe obenn einer vf den andernn gelegt, vnnd also erhöhet.

Auch ist dieses Werk im Grund zwei Fuß weiter, als das alte Werk war, und oben vier Fuß weiter — wie es auch für das Werk vorgesehen war. So werden die Reifen oben einer auf den anderen gelegt und das Werk so erhöht.

5

Vonne dem abgannge des Bornns vndLäuft auf der nächsten Seite weiter

Von dem Abgang (Überlauf) des Borns und

Unsichere Lesungen

  1. Bolenn — Anfangsbuchstabe B/S mehrdeutig; auch 'Solenn' (Säulen) denkbar, 'Bolenn' (Bohlen) passt zum Kontext der Brunnenverschalung
  2. Pflockenn — Lesung des Wortanfangs (Pfl-) nicht ganz sicher; gemeint sind Halterungen in den acht Säulen
  3. vf das werck geweist was — Lesung 'geweist' unsicher, Sinn der Wendung unklar; Übersetzung sinngemäß ('vorgesehen')

S. 77

Bl. 37rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteseinem Höchstenn1. XIII Capitell.

und seinem Höchststand. Das 13. Kapitel.

2

Der Meister gab den Rath das mann dem Borne ein abganng machte, so er in seinem höchstenn stannde were, vf das Ime die Last nit schadenn brecht,

Der Meister gab den Rat, dass man dem Born einen Abgang (Überlauf) mache, wenn er auf seinem höchsten Stand wäre, damit ihm die Last keinen Schaden brächte.

3

Wente der meister besorgte des, Wenn der Born zu schwer belestiget wurde, vnnd obenn keinen abganng hette, das dann der Born vnndenn im grundt außbrechen möchte,

Denn der Meister befürchtete: Wenn der Born zu schwer belastet würde und oben keinen Abgang hätte, dass der Born dann unten im Grund ausbrechen könnte.

4

Solches der Pfenner viel bestundenn2, vnnd folgetenn dem Rathe, vnnd bedaucht sie also auch nutzlich ohne schadenn vnnd gut sein, vnnd wardt also zu machenn beschlossenn, vonn den Bawmeisternn vnnd Pfennernn vf Montage nach Egidij.

Dies billigten viele der Pfänner und folgten dem Rat; es erschien auch ihnen nützlich, unschädlich und gut, und so wurde es von den Baumeistern und Pfännern am Montag nach Ägidii [nach dem 1. September] zu machen beschlossen.

5

Nun ist der abganng geschickt also, Nach dem als die Sohle im Born am höchstenn gestiegenn ist, darunter tieff eines fußes lanng ist ein loch durch die Bolenn am werke geboret,

Nun ist der Abgang folgendermaßen eingerichtet: Dort, wo die Sole im Born am höchsten gestiegen ist, einen Fuß tief darunter, ist ein Loch durch die Bohlen am Werk gebohrt,

6

vnnd vonn außwenndigk des wercks ist vor das loch geleigt eine Rennenn, Inn ein viereckendt dick eichenn holz gehawenn, vnnd obenn wohl verdecket mit einer eichenn deckenn vonn demselbennLäuft auf der nächsten Seite weiter

und von der Außenseite des Werks ist vor das Loch eine Rinne gelegt, in ein viereckiges, dickes Eichenholz gehauen und oben gut abgedeckt mit einem eichenen Deckel, der aus demselben

Unsichere Lesungen

  1. Höchstenn — Lesung des Überschriftworts nicht ganz sicher (Höchstenn/Hochstenn); gemeint ist der Höchststand des Borns
  2. der Pfenner viel bestundenn — Lesung 'viel bestundenn' unsicher; Übersetzung sinngemäß 'billigten viele'

S. 78

Bl. 37vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteholtze geschnittenn, vnnd mit vierenn holtzern negelnn, mit der Rinnenn zusammenn genagelt,

Holz geschnitten und mit vier hölzernen Nägeln mit der Rinne zusammengenagelt ist.

2

auch hat dieselbe decke vornn am wercke ein heupt, viel nahe eines fußes dicke, auch holl vnnd ausgehawen,

Auch hat derselbe Deckel vorn am Werk ein Kopfstück, beinahe einen Fuß dick, ebenfalls hohl und ausgehauen.

3

vnnd also lieget die Renne vor dem loche, vf dem thone der sache halber, ob nach vielenn Jarenn sich der thon begunte zusetzenn, das sich denn auch mit dem Thon die Renne setzete vnnd nicht wane wurde darzwischenn,

Und so liegt die Rinne vor dem Loch auf dem Ton — aus dem Grund, dass, wenn sich der Ton nach vielen Jahren zu setzen begänne, sich die Rinne mit dem Ton ebenfalls setzte und kein Hohlraum dazwischen entstünde.

4

vnnd dis was die sache das der meister nicht wolte die Rennenn Inn die Bolenn legenn oder verzapffenn, das er besorgte,

Und dies war der Grund, weshalb der Meister die Rinne nicht in die Bohlen legen oder verzapfen wollte: Er befürchtete,

5

Wann die Rinne oder ein Bort vornn mitt dem heupt in der Bolenn lege so sich dann der Thonn senckte, das dann zwischenn der Rinnenn vnnd dem thonn ledige vnnd wane wurde, vnnd also durch die luffte die Rinne verfaulete vnnd gebrechlich wurde,

wenn die Rinne oder ein Brett vorn mit dem Kopfstück in den Bohlen läge und sich dann der Ton senkte, dass es dann zwischen der Rinne und dem Ton leer und hohl würde und die Rinne so durch die Luft verfaulte und schadhaft würde.

6

Der Meister meinte auch, ob die sohle tropffte zwuschenn der Bolenn vnnd der Rinnenn, vnnd das also dadurch einsihenn oder gesehegt1 wurde, solches brecht keinen schadenn,

Der Meister meinte auch: Wenn die Sole zwischen den Bohlen und der Rinne tropfte und so dabei einsickerte oder abgeseiht würde, brächte das keinen Schaden,

7

Sintemahl das dasselbe trieffenn in thonn keme, vnnd Je der thonn feuchter vnnd nesser were,Läuft auf der nächsten Seite weiter

da dasselbe Getropfe in den Ton käme; und je feuchter und nässer der Ton wäre,

Unsichere Lesungen

  1. einsihenn oder gesehegt — Beide Wörter unsicher gelesen; sinngemäß 'einsickern oder abgeseiht werden'

S. 79

Bl. 38rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteJe mehr vnnd vester das werck vom Thone gestopffet bliebe.

desto mehr und fester bliebe das Werk vom Ton abgedichtet.

2

Es haltenn auch die Söder1 in ganntzer erfahrung, das sohlwasser schwerer sey dann wilt wasser, vnnd so wiltt wasser in der sohle vermenget sey, so ist die Sohle vntenn, vnnd das wilt wasser obenn,

Die Sieder wissen auch aus voller Erfahrung, dass Solwasser schwerer ist als wildes (süßes) Wasser; und wenn wildes Wasser in die Sole gemengt ist, so ist die Sole unten und das wilde Wasser oben.

3

vnnd meinenn das also der abganng darzu auch nutze sey, das das wiltt wasser obenn durch den abganng abgehe, vnnd das vnter dem abgannge die pure sohle allein Inn Ihrer guete bleibe,

Und sie meinen, dass der Abgang auch dazu nütze sei, dass das wilde Wasser oben durch den Abgang abfließe und unter dem Abgang die reine Sole allein in ihrer Güte bleibe.

4

Ob sich nun das saltzwasser vnnd das suesse wasser so baldt vonn ein schiede, das das ein vntenn bliebe, vnnd das annder obenn, das hat mann nicht trefflich beweisungt2,

Ob sich nun das Salzwasser und das süße Wasser so schnell voneinander scheiden, dass das eine unten bliebe und das andere oben — das hat man nicht überzeugend bewiesen.

5

vnnd der abganng ist gemacht vnnd bereit, vf Sonnabendt nach Michaelis tagk,

Und der Abgang wurde fertiggestellt am Sonnabend nach dem Michaelistag [nach dem 29. September].

6

Vonn dem vmbgannge des Bornns vnnd vonn den leuchtelöchernn, die mann nennet die agezuchte XIIII. Capitell.

Von dem Umgang des Borns und von den Luftlöchern, die man die Abzuchten nennt. Das 14. Kapitel.

7

Der vmbganngk ist ist3 sechsthalb fueße in seine grunde, höher denn der grundt des Borns, vnnd vfwarts eines mannes hoch, das mann darin möge wanndern, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter

Der Umgang liegt mit seinem Grund sechsthalb (fünfeinhalb) Fuß höher als der Grund des Borns und ist nach oben mannshoch, sodass man darin gehen kann, und

Unsichere Lesungen

  1. Söder — Lesung nicht ganz sicher; gemeint sind die Sieder (Salzsieder)
  2. beweisungt — Ungewöhnliche Wortform, Lesung unsicher; sinngemäß 'bewiesen'
  3. ist ist — Doppelschreibung (Dittographie) in der Vorlage; diplomatisch beibehalten

S. 80

Bl. 38vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitefunff fueße weidt, vnnd in dem vmbgannge Jegenn vnd nach dem Borne1 fanndt mann stehenn eichenn viereckente seulenn, die da reichenn vonn vnttenn ann, bis obenn aus,

und fünf Fuß breit; und in dem Umgang, zum Born hin, fand man eichene viereckige Säulen stehen, die von unten an bis oben hinaus reichen.

2

vnnd Je ein seuhle ist ohn ein virtell dreyer ehlenn weidt, vonn der anndernn seuhle, mitt Riegelnn zusammenn verbundenn,

Und jede Säule steht drei Ellen weniger ein Viertel von der anderen Säule entfernt, mit Riegeln zusammen verbunden.

3

darzwischenn stundenn auch lannge eichenn Bolenn, gleich als ein starck eichenn Bretternn wanndt, vnnd durch Ire sterckete vnnd guete ließ mann die stehenn bleibenn,

Dazwischen standen auch lange eichene Bohlen, gleich einer starken eichenen Bretterwand; und wegen ihrer Stärke und Güte ließ man sie stehen.

4

Wente sie beschleustet mit Irem vmbganng alle getemme vnnd thone, das das werck des Bornes mit getemmet ist,

Denn sie umschließt mit ihrem Umgang das ganze Gedämme und den Ton, mit dem das Werk des Borns abgedichtet (gedämmt) ist.

5

vnnd ann derselbenn Bretternn wanndt neder, wordenn vonn newes Ingestoßenn vnnd eingeraumet große eichenn Pföle, die ein nicht ferne vonn der anndernn Inn dem vmbgannge,

Und an derselben Bretterwand hinab wurden von neuem große eichene Pfähle eingestoßen und eingesetzt, einer nicht weit vom anderen, in dem Umgang;

6

Desgleichenn auch also Jegenn vber de zwene Pföle3 Jegenn ein annder obenn gedacht mit einem eichenn Balckenn, darauf seindt gelegt grobe eichenn Reiffe zu beiden seittenn,

desgleichen auch gegenüber; je zwei Pfähle sind gegeneinander oben abgedeckt (verbunden) mit einem eichenen Balken, darauf sind grobe eichene Reifen zu beiden Seiten gelegt;

7

vnnd die Reiffe seindt obenn zugedacht, mit eichenn Balckenn vnnd Bodenn zwerch vber,Läuft auf der nächsten Seite weiter

und die Reifen sind oben zugedeckt mit eichenen Balken und Bohlen quer darüber,

Unsichere Lesungen

  1. Jegenn vnd nach dem Borne — Wendung unsicher gelesen; sinngemäß 'zum Born hin'
  2. getemme / getemmet — Lesung nicht ganz sicher; verstanden als 'Gedämme / gedämmt' (Abdichtung mit Ton) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  3. Jegenn vber de zwene Pföle — Wortfolge unsicher; verstanden als 'gegenüber; je zwei Pfähle'

S. 81

Bl. 39rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitedarauf das Erdtriche geschut ist, vnnd darmit gefullet bis obenn aus,

worauf das Erdreich geschüttet und damit bis oben hinaus aufgefüllt ist.

2

auch so hat der Vmbganng obenn aus drey Luchtlöcher1 die mann nennet agezuchte, die erst ist vor dem gewelbe, die annder Jegenn dem Berge, die dritt Jegenn dem lichte,

Auch hat der Umgang oben hinaus drei Luftlöcher, die man Abzuchten nennt: das erste ist vor dem Gewölbe, das andere gegen den Berg, das dritte gegen das Licht.

3

durch welche Lichtelöcher oder agezuchte das gewasser vonn den Tachenn, vnnd auch was vonn sohlenn vf dem Borne vergossenn wirdt ein fall in dem vmbganng vnnd furthann Inn das gewelbt gekart2, vnnd ausgewanndt wirdt, vnnd seinenn ausflus hatt.

Durch diese Lichtlöcher oder Abzuchten bekommt das Wasser von den Dächern, und auch was an Sole auf dem Born vergossen wird, einen Fall in den Umgang, wird weiter in das Gewölbe gekehrt und ausgeleitet und hat so seinen Ausfluss.

4

Mann fanndt auch in dem vmbgannge zwuschenn dem erstenn vnnd dem anndernn Lichteloch einenn quell der was sohle oder Saltzwasser im flos, all eines armes dicke,

Man fand auch in dem Umgang zwischen dem ersten und dem zweiten Lichtloch eine Quelle; das war Sole oder Salzwasser im Fluss, ganz von eines Armes Dicke.

5

vnnd die sohle was in der guete, einer Jeglichenn substantien mit der Sohle im Born,

Und die Sole war in ihrer Güte, in jeder Substanz, der Sole im Born gleich.

6

auch daruber in dem anndernn Lichteloch vf die rechte hanndt, vnnd furthann vfwarts fanndt mann einen flus wildes wassers, derselbe enntspringt vber dem drittenn Lichtloch vf die rechte hanndt, drey schrede,

Auch darüber, beim zweiten Lichtloch zur rechten Hand und weiter aufwärts, fand man einen Fluss wilden Wassers; derselbe entspringt über dem dritten Lichtloch zur rechten Hand, drei Schritte [entfernt].

7

vnd daruber einenn schriedt weidt, fanndt mann das ende des vmbgannges, dasselbe ennde was vnnter dem bestenn balckenn3, zugelegt, mit Buchenn Holtzernn, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter

Und einen Schritt weit darüber fand man das Ende des Umgangs; dasselbe Ende war unter dem obersten Balken zugelegt mit Buchenhölzern, und

Unsichere Lesungen

  1. Luchtlöcher — Erster Buchstabe L/T mehrdeutig; 'Luchtlöcher' (Luftlöcher) nach Kontext, in der Überschrift 'leuchtelöchernn'
  2. gekart — Lesung unsicher; verstanden als 'gekehrt' (geleitet)
  3. vnnter dem bestenn balckenn — Lesung 'bestenn' unsicher, evtl. Schreib- oder Leseform für 'obersten'

S. 82

Bl. 39vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Jennseitenn des balckenns, lies mann in grabenn zulernenn ob das ennde zugefallenn were,

Jenseits des Balkens ließ man hineingraben, um zu erfahren, ob das Ende eingefallen wäre.

2

Wie tieff mann aber grub so fanndt mann kein anndere vrkunde, denn das der vmbganng daselbst sein ennde hat,

Wie tief man aber grub, so fand man keinen anderen Befund, als dass der Umgang dort sein Ende hat.

3

Jedoch vf das mann mehre vnnd furter erfahrung gehabenn möchte, So lies mann in fahrenn Jnn die vierte aberzucht1 die da stundt zur linketenn2 hanndt, als mann zum Borne gehet, im gannge,

Damit man jedoch mehr und weitere Kenntnis gewinnen konnte, ließ man in die vierte Abzucht einfahren, die zur linken Hand liegt, wenn man im Gang zum Brunnen geht.

4

vnnd ließ die Raumenn vnnd seubernn zubesehenn, ob sie im grunde Jrgenndts einenn vmbganng hette, darbey Probenn vnnd geachtenn kundte, ob der vmbganng in vorzeitenn were fermner gewest,

Und man ließ sie räumen und säubern, um zu besehen, ob sie im Grund irgendwo einen Umgang hätte, und um dabei prüfen und beurteilen zu können, ob der Umgang in früheren Zeiten weiter gereicht hätte.

5

vnnd mann mochte kein zeichenn findenn, das sich die augezuchte im grunde oberzoge,

Und man konnte kein Zeichen finden, dass sich die Abzucht im Grund zugesetzt hätte.

6

vnnd hierumb wardt berathenn vonn den Pfennern vnnd beschlossenn vf Sanct Michäelis tagk, das man nemet3 den vmbganng nicht fermner solt machenn,

Und hierüber wurde von den Pfännern beraten und am Sankt-Michaelis-Tag beschlossen, dass man den Umgang nicht weiter treiben sollte,

7

Sonndernn da wenndenn lassenn, vnnd bleibenn, vber dem drittenn lichtloch vier oder funf schredde, als sein ennde fundenn wardt,

sondern es dort bewenden und bleiben lassen sollte, vier oder fünf Schritte über dem dritten Lichtloch, wo sein Ende gefunden wurde,

8

vnnd das mann die vierte augezucht im gannge zum Borne zu füllenn solt, vnnd verteumenn4, darumb das sie vnntenn keinenn ab=Läuft auf der nächsten Seite weiter

und dass man die vierte Abzucht im Gang zum Brunnen zufüllen und verdämmen sollte, weil sie unten keinen Ab…

Unsichere Lesungen

  1. aberzucht — Schreibvariante zu ›augezucht‹ (Abzucht); zweiter Buchstabe b/u nicht ganz sicher
  2. linketenn — ›zur linketen handt‹ = zur linken Hand; Buchstabenbestand nicht ganz sicher
  3. nemet — Lesung unsicher; wohl ›niemet‹ (= niemand) oder ›nemlich‹; Übersetzung folgt dem Sinn
  4. verteumenn — wohl ›verdämmen/zudämmen‹; vgl. ›verteumet‹ fol. 41v

S. 83

Bl. 40rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteganng hatte, das dem alles also ist geschehenn,

…gang hatte — wie dies alles so geschehen ist.

2

Vonn der sache durch welche die Pfenner zu bawenn seindt bewegt wordenn

Von der Sache, durch welche die Pfänner zum Bauen bewegt worden sind

3

XV. Capitell.

15. Kapitel

4

Vonn dreyßigk Jarenn bis hiehero, Klagetenn die Söder vber denn Bornn, das die Sohle gering vnnd vnntuchtigk were, vnnd wie das wilde wasser Jnnbreche1 ann der Sohle,

Seit dreißig Jahren bis heute klagten die Sieder über den Brunnen, dass die Sole gering und untauglich sei und dass das wilde Wasser an der Sole einbreche,

5

so das viel mehr holtzes mustenn verbrennenn zum Saltzsiedenn, denn sie in vorzeitenn gethann hettenn, Derhalbenn sie nit mochtenn zukommenn, sonndernn beysetzenn mustenn,

so dass sie zum Salzsieden viel mehr Holz verbrennen mussten, als sie es in früheren Zeiten getan hatten, weshalb sie nicht zurechtkommen konnten, sondern zusetzen mussten.

6

Solcher klage lannge vnnd viele vonn Ihnenn gehört, vnnderstunden die Pfenner das Gewelbe zu ösenn2, vf das sie möchtenn erfahrenn den gebrauch,

Nachdem sie solche Klagen lange und vielfach von ihnen gehört hatten, unternahmen es die Pfänner, das Gewölbe auszuschöpfen, damit sie erfahren könnten, wie es damit stand.

7

des was einer gnent3 Schwellenbergk burger zu Witzennhausenn, sich vermessenn ein kunst zu machenn vor das Gewelbe, darmit er meinte das gewelbe zu ösenn, Nemlich ein Rath mit vielenn Eymerenn,

Indes war da einer namens Schwellenberg, Bürger zu Witzenhausen, der sich vermaß, eine Kunst (ein Pumpwerk) vor dem Gewölbe zu bauen, mit der er das Gewölbe auszuschöpfen meinte — nämlich ein Rad mit vielen Eimern.

8

vnnd mit vieler kost vnnd arbeit wolt der gezeugk vnnd kunst das gewesser nit austragenn, vnnd war gar vmb sonnst geschehenn, kostenn vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter

Und trotz vieler Kosten und Arbeit wollte das Gezeug und die Kunst das Gewässer nicht hinausschaffen, und es war ganz umsonst geschehen — Kosten und…

Unsichere Lesungen

  1. Jnnbreche — Wortmitte schwer lesbar; Sinn ›einbräche‹
  2. ösenn — ›ösen‹ = Wasser ausschöpfen; Lesung des diakritischen Bogens ziemlich sicher
  3. gnent — auch ›gnant‹ möglich

S. 84

Bl. 40vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitearbeit,

…und Arbeit (waren vergebens).

2

Demnach warenn die Pfenner furter bedacht, Wie sie mochtenn die gebrechenn des Bornns erlernenn,

Demnach waren die Pfänner weiterhin darauf bedacht, wie sie die Gebrechen des Brunnens erkunden könnten.

3

Demnach als stettes die Söder klagtenn, vnnd in dem Jare Ao. cccc° lxxx1 verdingtenn sie den Polackenn, als die in derselbenn zeit im Lannde arbeitetenn,

Da nun die Sieder beständig klagten, verdingten sie im Jahr 1480 die Polacken, die zu derselben Zeit im Lande arbeiteten,

4

Grabenn vnnd Teich vfzuwerffenn, den Sohlgrabenn zureumenn, also tieff das darin das wasser aus dem Gewelbe gewanndernn, bis ann den Born,

Graben und Teich aufzuwerfen und den Sohlgraben zu räumen, so tief, dass darin das Wasser aus dem Gewölbe bis an den Brunnen fließen konnte.

5

vnnd dasselbe auch also versucht, fiel das gewesser aus dem gewelbe, das mann im wasser vf den Bolen2, bis ein ann seine knie3, konnte gewanndernn, vnd so mochte kommenn, bey das getemme das da ist vmb den Born,

Und als man dasselbe auch so versuchte, fiel das Gewässer so weit aus dem Gewölbe ab, dass man im Wasser auf den Bohlen, bis an die Knie reichend, waten und so zu dem Gedämme kommen konnte, das um den Brunnen ist.

6

Da fanndt mann gebrechenn, das ann etlichenn endenn, der augezucht vnnd des vmbganngs, etwas eingefallen was,

Da fand man Schäden: dass an etlichen Enden der Abzucht und des Umgangs etwas eingefallen war.

7

Es sagtenn auch die Jehnenn, die darein stiegen, vnnd gingenn der Born were zubrochenn, vnd die Sohle hette einenn grossenn ausganng, als sie wehnetenn,

Es sagten auch jene, die hineinstiegen und hineingingen, der Brunnen sei zerbrochen und die Sole habe einen großen Ausgang (Abfluss), wie sie wähnten,

8

vnnd das dardurch auch das willde wasser Jn dem Born keme, vnd aller dinge were bawens noth,Läuft auf der nächsten Seite weiter

und dass dadurch auch das wilde Wasser in den Brunnen komme, und dass in jeder Hinsicht ein Neubau nötig sei,

Unsichere Lesungen

  1. Ao. cccc° lxxx — = 1480; der Tausender (M) fehlt in der Vorlage
  2. Bolen — ›auf den Bohlen‹; auch ›Bodem‹ (Boden) möglich
  3. bis ein ann seine knie — ›ein‹ wohl = ›einem‹; Sinn: bis an die Knie

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