Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 787–796
Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen · S. 787–796 · Bl. 392r–396v · Band 2
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Die Reise von 1568: von Sondershausen bis Kösen
S. 733–793 · Bl. 365r–395r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 787
Bl. 392rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Grauenn vonn Mannsfeldt habenn austrucklich das Saltzwergk Jnnerleibt, vnnd stehenn nur alleine den 3/5. Graff Hanns Jorgenn vnnd S. Gn. bruedernn zu, vnnd habenn die anndernn Grauenn nichts darann zufordernn, vnnd das dem also seÿ, Erbeut er sich mit den Lehennbrieffenn zubeweisenn. Wir habenn auch die altenn gewerckenn, die vornembsten abgehöret, vnnd aus Jrer anntwort befundenn, das sie vnnd alle alte Gewerckenn, mit Doctor Landeler1[?] wohl zufriedenn, Wollenn auch am Saltzwerck, kein beforderung mehr habenn, dann was die Vergleichung mitbringt. Sultza. Als ich nun zu Sultza war, hab ich mit vielenn freundtlichenn vnnd glimpfflichenn worttenn, gedachtenn kunstler anngeredt, vnnd vonn wegenn meines gnedigenn fürstenn vnnd herrnn, zur besichtigung zugelassenn zuwerdenn begeret, Hab ich doch nichts
Der Vierte Appendix. Grafen von Mansfeld, haben, sei das Salzwerk ausdrücklich einverleibt. Und es stehen nur die drei Fünftel Graf Hans Georg und seinen Gnaden Brüdern zu, und die anderen Grafen haben nichts daran zu fordern; und dass dem so sei, erbietet er sich mit den Lehnbriefen zu beweisen.
Wir haben auch die alten Gewerken, die vornehmsten, angehört und aus ihrer Antwort befunden, dass sie und alle alten Gewerken mit Doktor Landeler wohl zufrieden sind. Sie wollen auch am Salzwerk keine weitere Förderung haben, als was der Vergleich mit sich bringt.
Sulza. Als ich nun zu Sulza war, habe ich mit vielen freundlichen und glimpflichen Worten den genannten Künstler angeredet und von wegen meines gnädigen Fürsten und Herrn begehrt, zur Besichtigung zugelassen zu werden. Ich habe aber nichts
Unsichere Lesungen
- Landeler — Personenname (Z. 9)
S. 788
Bl. 392vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
erhaltenn mugenn, dann er mir stetigs zur anntwort gebenn, Es seÿ im ganntz vngelegenn, seine kunst, darauf er ein merckliche vnnd grosse gewendet vnnd gewagt, einigenn mennschenn, ohnne gnugsame vndtgeltnus1[?] zuzeigenn, da aber mein gnediger fürst vnnd Herr sich mit Jme einzulassenn, vnnd ein stadtliche nambhafftige vergleichung versichernn wurde, wert er vnderthenigk erbuetigk seine kunst auch in ffgl. Saltzwergk Sodenn annzustellenn, Darauf ich zur anntwort gebenn, das mein gl. f. vnnd herr, noch in ffgl. Saltzwergk keinenn manngell befundenn, nicht leichtlich allenn Geisternn gleubte, vielweniger sich in einige vngewisse Contrahirunge einlassen wurde, So könnte auch seine kunst, wanns Jnns wergk gesetzt wurde, nicht lanng verborgenn bleibenn, Aus diesem gesprech hat er vber tisch, abendts vnnd morgenns, sich mit viel ruhmreistigenn redenn vernehmenn lassenn, das keiner im Reich wert,
Der Vierte Appendix. erlangen können, denn er hat mir beständig zur Antwort gegeben, es sei ihm ganz ungelegen, seine Kunst, auf die er Beträchtliches gewendet und gewagt habe, irgendeinem Menschen ohne hinreichende Entgeltung zu zeigen. Wenn aber mein gnädiger Fürst und Herr sich mit ihm einlassen und einen stattlichen, namhaften Vergleich zusichern würde, so wäre er untertänig erbötig, seine Kunst auch in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk Sooden anzustellen.
Darauf habe ich zur Antwort gegeben, dass mein gnädiger Fürst und Herr in Seiner Fürstlichen Gnaden Salzwerk noch keinen Mangel befunden habe, nicht leichtlich allen Geistern glaube und sich viel weniger auf eine ungewisse Vertragsschließung einlassen würde; auch könne seine Kunst, wenn sie ins Werk gesetzt würde, nicht lange verborgen bleiben.
Aus diesem Gespräch hat er bei Tisch, abends und morgens, sich mit vielen ruhmredigen Reden vernehmen lassen, dass keiner im Reich wäre,
Unsichere Lesungen
- vndtgeltnus — Lesung unsicher (Z. 5)
S. 789
Bl. 393rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
der sich auf Saltzwergk, vnnd Saltzprobiren, besser als er verstunde, vnnd insonderheit das er die Sohla zu Sultza, die doch sehr gering were, ohnne zuthun einiges feurwergks, dermassenn gescheidenn hette, das der Centner — 18 ℔1 hielte, Solches hab ich in seinem werth vnnd vnwerth beruhenn lassenn, vnnd seine Sohl zuhabenn begeret, welche er mir auch zugestelt, aber dermassenn ist sie vnschmackhafft vonn Saltze gewesenn, das ich sie nitt werdigk geschetzt habe zu probiren, dieweil vnnser weltwasser reicher ist am geschmack dann die Sola, vnnd es seÿ dann, das ein besonnder heimblicher betrugk dahinder stecke, dauonn ich drundenn weitters beÿ Ascherslebenn meldunge thun will, So mus ich das dis orts rundt schliessenn, das kein bestenndig Saltzwergk in ewigkeit da werdenn könne, Es kunstiere zugleich der kunstierer was er wolle, Er berichtet aber vnter anndern, das der Bronnenn — 18. Lachter tieff were, so hoch voll Sohlenn stunde, vnnd mit Schepff eimernn gereicht würde,
der sich auf Salzwerke und das Probieren der Sole besser verstünde als er — und insbesondere, dass er die Sole zu Sulza, die doch sehr gering sei, ohne Zutun irgendeines Feuerwerks dermaßen geschieden habe, dass der Zentner 18 Pfund halte.
Das habe ich auf sich beruhen lassen und begehrt, seine Sole zu bekommen; die hat er mir auch zugestellt. Sie ist aber dermaßen unschmackhaft an Salz gewesen, dass ich sie nicht für würdig gehalten habe, sie zu proben — denn unser wildes Wasser ist am Geschmack reicher als diese Sole. Und es sei denn, dass ein besonderer heimlicher Betrug dahinterstecke, wovon ich weiter unten bei Aschersleben Meldung tun will, so muss ich an dieser Stelle rundheraus schließen, dass dort in Ewigkeit kein beständiges Salzwerk werden kann, der Künstler künstele auch, was er wolle.
Er berichtete aber unter anderem, dass der Brunnen 18 Lachter tief sei, so hoch voll Sole stehe und mit Schöpfeimern geholt werde.
Unsichere Lesungen
- ℔ — Pfundzeichen, Lesung Zeichen (Z. 5)
S. 790
Bl. 393vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Als ich aber dis orts weitters nicht habe ausrichtenn könnenn, hab ich mich vfgemacht, vnnd bin dannenn gezogenn, Dieweil aber gleich vor Sultza der kunstler seine kunstirung aufgericht gehabt, habe ich dieselbigenn vber zeune vnnd grabenn hin soviel anngesehenn, das ich befundenn, das daselbst ein kodt vfgericht mit einem Schornnstein, gleich wie zu arternn, vnnd nicht weit dauonn etliche andere schmale lannge gebeue, vngefehr acht oder neun schue breit, Jnn der Lennge vnnd höhe aber vngleich vfgericht gewesenn seindt, welche mit strogedeckt, vnnd etwann zwene schue hoch vber der Erdenn, darin flache tröge, vngefehr halbes schuchs hoch, zwölff schue lanng, vonn dennen dielenn zusammenn gefügt, vnnd getrunngenn gewesenn, vber denselbigenn habenn gehanngenn Stroernn oder Schilferne ketzenn1[?], welche wie ich sonnst berichtet wordenn, er darzu braucht, das er die Sohlenn darauff mit schauffelnn lecket, welche darnach in die tröge abtreiffenn, vnnd fürters vonn einem troge zum
Der Vierte Appendix. Als ich aber an diesem Ort weiter nichts ausrichten konnte, habe ich mich aufgemacht und bin von dannen gezogen. Weil aber gleich vor Sulza der Künstler seine Kunstanlage errichtet hatte, habe ich sie über Zäune und Gräben hinweg so weit angesehen, dass ich befunden habe: dort ist eine Kothe mit einem Schornstein errichtet, gleich wie zu Artern, und nicht weit davon etliche andere schmale lange Gebäude, ungefähr acht oder neun Schuh breit, in Länge und Höhe aber ungleich errichtet, mit Stroh gedeckt und etwa zwei Schuh hoch über der Erde. Darin sind flache Tröge, ungefähr einen halben Schuh hoch und zwölf Schuh lang, aus dünnen Dielen zusammengefügt und gedichtet. Darüber haben strohene oder schilfene Matten gehangen, die er, wie ich sonst berichtet worden bin, dazu gebraucht, dass er die Sole mit Schaufeln darauf leckt; die tropft dann in die Tröge ab und läuft weiter von einem Trog zum
Unsichere Lesungen
- ketzenn — Wort unklar (Z. 17)
S. 791
Bl. 394rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
anndernn |: derenn vngefehr in die vierzehenn ich gezehlet :| ableuffet, vnnd soll also durch solchs leckenn vnnd leitenn, die Sohla gebessert werdenn, Boserne1[?] Folgennts tags binn ich vff Weissennfels vnnd nach Bosernn verreiset, daselbst auch die gelegennheit des daselbst fürgenommenn Saltzwergks bau zuerlernen, vnnd dieweil zu Weissennfels ein Bürger, mitt nahmenn zacharias hoffmann genanndt, welcher für einenn zimblichenn verstenndigenn Philosophum anngebenn wardt, auch kurtz zuuor mit den kunstlernn auf dem Bronnenn zu Bosernn gewesenn, vnnd dauonn zuberichtenn wissenn hatte, Hab ich denselbigenn zu mir erfordert, vnnd nach essenns auff meinem wagenn mit mir nach Bosernn genommen, dieser hat mich berichtet, das er vonn altenn leutenn erfahrenn, wie weÿlanndt der Hochlöbliche fürst Hertzogk George zu Sachssenn, denselbigenn Saltzbronnenn zubauenn erstmahls vngefehr vor — 50. Jarenn vnderstanndenn, habe auch darauff ein
Der Vierte Appendix. anderen — deren ich ungefähr vierzehn gezählt habe. Und durch dieses Lecken und Leiten soll die Sole gebessert werden.
Kösen. Am folgenden Tag bin ich nach Weißenfels und nach Kösen gereist, um dort ebenfalls die Umstände des dort vorgenommenen Salzwerksbaus zu erkunden. Und weil zu Weißenfels ein Bürger namens Zacharias Hoffmann lebte, der für einen ziemlich verständigen Philosophen ausgegeben wurde und kurz zuvor mit den Künstlern auf dem Brunnen zu Kösen gewesen war und davon zu berichten wusste, habe ich diesen zu mir gefordert und nach dem Essen auf meinem Wagen mit mir nach Kösen genommen.
Dieser hat mir berichtet, dass er von alten Leuten erfahren habe, wie weiland der hochlöbliche Fürst Herzog Georg zu Sachsen diesen Salzbrunnen erstmals vor ungefähr 50 Jahren zu bauen unternommen habe. Er habe auch darauf ein
Unsichere Lesungen
- Boserne — Ortsname, wohl Poserna (Z. 4)
S. 792
Bl. 394vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
merglichs vnnd grosses gewenndet, den Bronnenn vber — 40 ehlenn tieff gesenncket, viel kunst: vnd Schepffwergk daselbst vfgericht, habe aber nichts zu wegenn bracht, sonnder souiel tieffer er in weichenn Steinechtenn grundt gesenncket, souiel mehr seÿ das wilde wasser herzugedrungenn, welchs enndtlich die arbeiter dermassenn vberwaltigt, das sie vonn der arbeit ablassenn mustenn, vnnd seÿ also das vorgenommene Saltzwergk zu wustenn rechtenn1[?] liegenn bliebenn, bis auf den Jtzigenn Churfürstenn zu Saxenn, Hertzogenn Augustum, beÿ dem habenn die Nürnbergischenn kunstler vmb belehnung anngesuchtt, aber noch zur zeit nichts erhaltenn könnenn, Als ich nun Jnns dorff Bosernn kommenn, habe Jch zwenn alte menner, vf alle die Jtzt erzelten Puncten, Jre wissennschafft zueroffnenn, im augennschein vff dem Bronnenn gefragt, seindt die dem allenn zugetrettenn, vnnd darbenebenn anngezeigt, das in zeit des fürgenommenn Baues nichtt allein an einem
Der Vierte Appendix. Beträchtliches und Großes gewendet, den Brunnen über 40 Ellen tief gesenkt und viel Kunst- und Schöpfwerk dort errichtet, habe aber nichts zuwege gebracht. Sondern je tiefer er in weichen steinigen Grund gesenkt habe, desto mehr sei das wilde Wasser herzugedrungen, was endlich die Arbeiter dermaßen überwältigt habe, dass sie von der Arbeit ablassen mussten. Und so sei das vorgenommene Salzwerk als wüstes Gut liegengeblieben bis auf den jetzigen Kurfürsten zu Sachsen, Herzog August; bei dem haben die Nürnberger Künstler um Belehnung angesucht, aber bis jetzt nichts erlangen können.
Als ich nun ins Dorf Kösen kam, habe ich zwei alte Männer im Augenschein auf dem Brunnen gefragt, ihre Kenntnis über alle eben erzählten Punkte zu eröffnen. Diese sind dem allen beigetreten und haben daneben angezeigt, dass zur Zeit des vorgenommenen Baus nicht allein an einer,
Unsichere Lesungen
- wustenn rechtenn — Lesung unsicher (Z. 9)
S. 793
Bl. 395rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: von Sondershausen bis KösenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
sonndernn ann zweyenn dreyenn enndenn eingesenckt, vnnd nichts ausgericht were wordenn, wie dann solchs der augennschein mit sich brechtte. Weitters habe ich die Sohlenn zu probiren begeret, Nach dem aber der Bronnenn schacht, wie tieff er auch ist, mit Sohl vnnd wiltwasser bis obenn aus der erdenn gleich erfült gewesenn, auch vmb vnnd vmb ein kreuchechtigk[?] gemöhr[?] vorhanndenn, Hab Jch zur Sohlenn nit kommenn mügenn, bis solanng ich vf fürschlagenn obgedachts Weissenfelssischenn Burgers, ann einer lanngenn Leynenn, vber ein lange stanngenn ein kruglein mit annhanngenndem gewichte eingelassenn, vnnd die Sohle aus der tieffe zureichenn, fürgenommenn, Jst aber vmb der vielenn strebenn willenn, so im Schacht seindt, nichts zuwegenn bracht, denn der krugk am stricke zerbrochenn, Souiel vonn diesem Saltzwerck, das annder wirdt sich in gemeinem bericht wohl findenn,
Der Vierte Appendix. sondern an zwei, drei Stellen eingesenkt und nichts ausgerichtet worden sei, wie das denn der Augenschein mit sich bringt.
Weiter habe ich begehrt, die Sole zu proben. Nachdem aber der Brunnenschacht, so tief er auch ist, mit Sole und wildem Wasser bis oben der Erde gleich angefüllt gewesen ist und auch ringsherum ein brüchiges Gemäuer vorhanden war, habe ich zur Sole nicht kommen können — bis ich schließlich auf Vorschlag des genannten Weißenfelser Bürgers an einer langen Leine über eine lange Stange ein Krüglein mit angehängtem Gewicht eingelassen und vorgenommen habe, die Sole aus der Tiefe zu holen. Es ist aber wegen der vielen Streben, die im Schacht sind, nichts zuwege gebracht worden, denn der Krug zerbrach am Strick.
So viel von diesem Salzwerk; das andere wird sich im allgemeinen Bericht wohl finden.
Unsichere Lesungen
- kreuchechtigk gemöhr — Lesung unsicher (Z. 8) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
Die Reise von 1568: Halle in Sachsen
S. 794–825 · Bl. 395v–411r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 794
Bl. 395vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Hall in Sachssenn Zu Hall in Sachssenn einkommenn, vnnd als baldt meinenn diener zum Secretario Kitzingenn1[?] abgefertiget, durch eine zettell, meine Jegennwertigkeit eroffnet, vnnd vonn Jm freundtlich begeret, das er beÿ den Herrnn Rethenn |: vnnter welchenn auch der Saltzgreue mit war :| in abwesenns des Ertzbischoffs mich wolte anngebenn, welches er gethann, vnnd mir annzeigenn lassenn, das die Hern Rethe mich vonn stundt ann hörenn woltenn, auf solche anntwort hab ich mich als baldt auf die Cantzleÿ verfügt, bin zu den Rethenn eingelassenn werdenn, Habe meine werbung nach gelegenheit fürgetragenn, meine Credentz vbergebenn, welche sie mit sonnderlicher Reuerentz anngenommenn, vnnd bin ich nach gethaner werbung abgetrettenn, Jr anntwort weitters erwarttenndt, vber ein gar kleine weile, habenn sie mich zu sich wieder erfordert, meine gethane werbung vnd Credentz
Der Vierte Appendix. Halle in Sachsen. Zu Halle in Sachsen eingetroffen und sogleich meinen Diener zum Sekretär Kitzing geschickt, durch einen Zettel meine Anwesenheit eröffnet und von ihm freundlich begehrt, dass er mich bei den Herren Räten — unter denen auch der Salzgraf war — in Abwesenheit des Erzbischofs anmelden wolle. Das hat er getan und mir anzeigen lassen, dass die Herren Räte mich sogleich hören wollten.
Auf diese Antwort habe ich mich sogleich in die Kanzlei verfügt und bin zu den Räten eingelassen worden. Ich habe mein Anliegen nach Lage der Dinge vorgetragen und mein Beglaubigungsschreiben übergeben, das sie mit besonderer Ehrerbietung angenommen haben; und ich bin nach vollzogener Werbung abgetreten und habe ihre weitere Antwort erwartet.
Nach einer ganz kleinen Weile haben sie mich wieder zu sich gefordert, meine vorgetragene Werbung und das Beglaubigungsschreiben
Unsichere Lesungen
- Kitzingenn — Personenname (Z. 3)
S. 795
Bl. 396rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Ihres Innhalts in allenn stuckenn wiederholet, vnnd darauf dir antwort gebenn, das sie vonn wegen Ires gnedigstenn furstenn vnnd herrnn des Administrators zu Magdeburgk, nicht allein geneigt werenn, Meinem gnedigenn furstenn vnnd herrnn ssgl1[?] begerenn zu wilfahrenn, sonndernn dieweil sie auch spuretenn, das solchs weder Irem Saltzwergk, noch Iemandts zu nachteil, aber viel mehr zu beforderunge des gemeinenn nutzenn gereichete, erkennetenn sie sich schuldig, dis fals meinem gnedigenn furstenn vnnd herrnn, aller gelegennheitt Ires Saltzwergks auf mein weitters ansuchenn vnd frage berichtenn zu lassenn, sie hettenn auch albereit den Saltzgreuenn, der da zur stedte zu Iegenn2[?] sesse, vonn wegenn hochgedachts Ires gnedigstenn herrn beuohlen, mir dis fals was notwendigk nichts zu verhaltenn, denn sie darann mit nichtenn zweyfeltenn, es stundenn die sachenn zwischenn Irem G. F. vnnd herrnn dem Administratorn, vnnd meinem gnedigenn herrnn dem Landtgrauenn, also, das
ihrem Inhalt nach in allen Stücken wiederholt und darauf zur Antwort gegeben, dass sie von wegen ihres gnädigsten Fürsten und Herrn, des Administrators zu Magdeburg, nicht allein geneigt wären, meines gnädigen Fürsten und Herrn Begehren zu willfahren, sondern dass sie sich, weil sie auch spürten, dass dies weder ihrem Salzwerk noch irgendjemandem zum Nachteil, vielmehr aber zur Förderung des gemeinen Nutzens gereiche, schuldig erkennten, in diesem Fall meinem gnädigen Fürsten und Herrn auf mein weiteres Ansuchen und Fragen über alle Umstände ihres Salzwerks berichten zu lassen. Sie hätten auch bereits dem Salzgrafen, der dort zur Stelle sitze, von wegen ihres genannten gnädigsten Herrn befohlen, mir in diesem Fall nichts Notwendiges zu verhalten; denn sie zweifelten mitnichten daran, dass die Sachen zwischen ihrem gnädigen Fürsten und Herrn, dem Administrator, und meinem gnädigen Herrn, dem Landgrafen, so stünden, dass
Unsichere Lesungen
- ssgl — Kürzel unklar, evtl. seinem (Z. 5)
- zu Iegenn — evtl. zugegenn (Z. 14)
S. 796
Bl. 396vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
sie auch beiderseits in noch einem grössern einer dem andernn eine freundtliche bitt nicht abschlagenn wurde, Als nun alsbaldt der Saltzgreue auch sich darzu gutwillig erbottenn, hab ich mich dagegenn geburlich bedannckt, mit angehenngter zusage, das ich Itztgedachte Ire gute antwort vnnd willenn, meinem gnedigen furstenn vnnd herrnn mit ruhm vermeldenn wolte, Vnnd hab ich furters zu bericht vom Saltzgreuenn eingenommenn, wie folgt, Vom erster annkunfft des Saltzwercks zu Hall wiste er grundtlichs nichts zusagenn, Ohne das in der Merseburgischenn Chronickenn ergeschriebenn befundenn, das der grosse Keiser Otto, das Saltzwergk daselbst, dem Ertzbischoff zu Magdeburgk vbergeben, vnnd sey damahls die Stadt noch ein Dorff gewesenn, welches mit Hall geheissenn habe, Hat weitters hinzu gesetzt, dieweil Itztgedachter Kaiser Otto daselbige verschennckt gehabt, das es damahls schonn ein Saltzwergk gewesenn sey,
Der Vierte Appendix. sie auch beiderseits in noch Größerem einer dem anderen eine freundliche Bitte nicht abschlagen würden. Als sich nun sogleich auch der Salzgraf dazu gutwillig erboten hatte, habe ich mich dagegen gebührend bedankt, mit der angehängten Zusage, dass ich ihre eben genannte gute Antwort und ihren Willen meinem gnädigen Fürsten und Herrn rühmend vermelden wolle.
Und ich habe sodann vom Salzgrafen folgenden Bericht eingenommen:
Über die erste Entstehung des Salzwerks zu Halle wisse er nichts Gründliches zu sagen, außer dass in der Merseburger Chronik geschrieben zu finden sei, dass der große Kaiser Otto das dortige Salzwerk dem Erzbischof zu Magdeburg übergeben habe und dass die Stadt damals noch ein Dorf gewesen sei, das Halle geheißen habe. Er hat weiter hinzugesetzt: weil der genannte Kaiser Otto es verschenkt habe, so sei es damals schon ein Salzwerk gewesen.