Salzbibel · Lesetext · 5. Buch
Das fünfte Buch · S. 79–88
Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 79–88 · Bl. 38r–42v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Geyselers Denkschrift von 1489
S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch
S. 79
Bl. 38rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen SeiteJe mehr vnnd vester das werck vom Thone gestopffet bliebe.
desto mehr und fester bliebe das Werk vom Ton abgedichtet.
Es haltenn auch die Söder1 in ganntzer erfahrung, das sohlwasser schwerer sey dann wilt wasser, vnnd so wiltt wasser in der sohle vermenget sey, so ist die Sohle vntenn, vnnd das wilt wasser obenn,
Die Sieder wissen auch aus voller Erfahrung, dass Solwasser schwerer ist als wildes (süßes) Wasser; und wenn wildes Wasser in die Sole gemengt ist, so ist die Sole unten und das wilde Wasser oben.
vnnd meinenn das also der abganng darzu auch nutze sey, das das wiltt wasser obenn durch den abganng abgehe, vnnd das vnter dem abgannge die pure sohle allein Inn Ihrer guete bleibe,
Und sie meinen, dass der Abgang auch dazu nütze sei, dass das wilde Wasser oben durch den Abgang abfließe und unter dem Abgang die reine Sole allein in ihrer Güte bleibe.
Ob sich nun das saltzwasser vnnd das suesse wasser so baldt vonn ein schiede, das das ein vntenn bliebe, vnnd das annder obenn, das hat mann nicht trefflich beweisungt2,
Ob sich nun das Salzwasser und das süße Wasser so schnell voneinander scheiden, dass das eine unten bliebe und das andere oben — das hat man nicht überzeugend bewiesen.
vnnd der abganng ist gemacht vnnd bereit, vf Sonnabendt nach Michaelis tagk,
Und der Abgang wurde fertiggestellt am Sonnabend nach dem Michaelistag [nach dem 29. September].
Vonn dem vmbgannge des Bornns vnnd vonn den leuchtelöchernn, die mann nennet die agezuchte XIIII. Capitell.
Von dem Umgang des Borns und von den Luftlöchern, die man die Abzuchten nennt. Das 14. Kapitel.
Der vmbganngk ist ist3 sechsthalb fueße in seine grunde, höher denn der grundt des Borns, vnnd vfwarts eines mannes hoch, das mann darin möge wanndern, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter
Der Umgang liegt mit seinem Grund sechsthalb (fünfeinhalb) Fuß höher als der Grund des Borns und ist nach oben mannshoch, sodass man darin gehen kann, und
Unsichere Lesungen
- Söder — Lesung nicht ganz sicher; gemeint sind die Sieder (Salzsieder)
- beweisungt — Ungewöhnliche Wortform, Lesung unsicher; sinngemäß 'bewiesen'
- ist ist — Doppelschreibung (Dittographie) in der Vorlage; diplomatisch beibehalten
S. 80
Bl. 38vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitefunff fueße weidt, vnnd in dem vmbgannge Jegenn vnd nach dem Borne1 fanndt mann stehenn eichenn viereckente seulenn, die da reichenn vonn vnttenn ann, bis obenn aus,
und fünf Fuß breit; und in dem Umgang, zum Born hin, fand man eichene viereckige Säulen stehen, die von unten an bis oben hinaus reichen.
vnnd Je ein seuhle ist ohn ein virtell dreyer ehlenn weidt, vonn der anndernn seuhle, mitt Riegelnn zusammenn verbundenn,
Und jede Säule steht drei Ellen weniger ein Viertel von der anderen Säule entfernt, mit Riegeln zusammen verbunden.
darzwischenn stundenn auch lannge eichenn Bolenn, gleich als ein starck eichenn Bretternn wanndt, vnnd durch Ire sterckete vnnd guete ließ mann die stehenn bleibenn,
Dazwischen standen auch lange eichene Bohlen, gleich einer starken eichenen Bretterwand; und wegen ihrer Stärke und Güte ließ man sie stehen.
Wente sie beschleustet mit Irem vmbganng alle getemme vnnd thone, das das werck des Bornes mit getemmet ist,
Denn sie umschließt mit ihrem Umgang das ganze Gedämme und den Ton, mit dem das Werk des Borns abgedichtet (gedämmt) ist.
vnnd ann derselbenn Bretternn wanndt neder, wordenn vonn newes Ingestoßenn vnnd eingeraumet große eichenn Pföle, die ein nicht ferne vonn der anndernn Inn dem vmbgannge,
Und an derselben Bretterwand hinab wurden von neuem große eichene Pfähle eingestoßen und eingesetzt, einer nicht weit vom anderen, in dem Umgang;
Desgleichenn auch also Jegenn vber de zwene Pföle3 Jegenn ein annder obenn gedacht mit einem eichenn Balckenn, darauf seindt gelegt grobe eichenn Reiffe zu beiden seittenn,
desgleichen auch gegenüber; je zwei Pfähle sind gegeneinander oben abgedeckt (verbunden) mit einem eichenen Balken, darauf sind grobe eichene Reifen zu beiden Seiten gelegt;
vnnd die Reiffe seindt obenn zugedacht, mit eichenn Balckenn vnnd Bodenn zwerch vber,Läuft auf der nächsten Seite weiter
und die Reifen sind oben zugedeckt mit eichenen Balken und Bohlen quer darüber,
Unsichere Lesungen
- Jegenn vnd nach dem Borne — Wendung unsicher gelesen; sinngemäß 'zum Born hin'
- getemme / getemmet — Lesung nicht ganz sicher; verstanden als 'Gedämme / gedämmt' (Abdichtung mit Ton) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- Jegenn vber de zwene Pföle — Wortfolge unsicher; verstanden als 'gegenüber; je zwei Pfähle'
S. 81
Bl. 39rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seitedarauf das Erdtriche geschut ist, vnnd darmit gefullet bis obenn aus,
worauf das Erdreich geschüttet und damit bis oben hinaus aufgefüllt ist.
auch so hat der Vmbganng obenn aus drey Luchtlöcher1 die mann nennet agezuchte, die erst ist vor dem gewelbe, die annder Jegenn dem Berge, die dritt Jegenn dem lichte,
Auch hat der Umgang oben hinaus drei Luftlöcher, die man Abzuchten nennt: das erste ist vor dem Gewölbe, das andere gegen den Berg, das dritte gegen das Licht.
durch welche Lichtelöcher oder agezuchte das gewasser vonn den Tachenn, vnnd auch was vonn sohlenn vf dem Borne vergossenn wirdt ein fall in dem vmbganng vnnd furthann Inn das gewelbt gekart2, vnnd ausgewanndt wirdt, vnnd seinenn ausflus hatt.
Durch diese Lichtlöcher oder Abzuchten bekommt das Wasser von den Dächern, und auch was an Sole auf dem Born vergossen wird, einen Fall in den Umgang, wird weiter in das Gewölbe gekehrt und ausgeleitet und hat so seinen Ausfluss.
Mann fanndt auch in dem vmbgannge zwuschenn dem erstenn vnnd dem anndernn Lichteloch einenn quell der was sohle oder Saltzwasser im flos, all eines armes dicke,
Man fand auch in dem Umgang zwischen dem ersten und dem zweiten Lichtloch eine Quelle; das war Sole oder Salzwasser im Fluss, ganz von eines Armes Dicke.
vnnd die sohle was in der guete, einer Jeglichenn substantien mit der Sohle im Born,
Und die Sole war in ihrer Güte, in jeder Substanz, der Sole im Born gleich.
auch daruber in dem anndernn Lichteloch vf die rechte hanndt, vnnd furthann vfwarts fanndt mann einen flus wildes wassers, derselbe enntspringt vber dem drittenn Lichtloch vf die rechte hanndt, drey schrede,
Auch darüber, beim zweiten Lichtloch zur rechten Hand und weiter aufwärts, fand man einen Fluss wilden Wassers; derselbe entspringt über dem dritten Lichtloch zur rechten Hand, drei Schritte [entfernt].
vnd daruber einenn schriedt weidt, fanndt mann das ende des vmbgannges, dasselbe ennde was vnnter dem bestenn balckenn3, zugelegt, mit Buchenn Holtzernn, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und einen Schritt weit darüber fand man das Ende des Umgangs; dasselbe Ende war unter dem obersten Balken zugelegt mit Buchenhölzern, und
Unsichere Lesungen
- Luchtlöcher — Erster Buchstabe L/T mehrdeutig; 'Luchtlöcher' (Luftlöcher) nach Kontext, in der Überschrift 'leuchtelöchernn'
- gekart — Lesung unsicher; verstanden als 'gekehrt' (geleitet)
- vnnter dem bestenn balckenn — Lesung 'bestenn' unsicher, evtl. Schreib- oder Leseform für 'obersten'
S. 82
Bl. 39vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Jennseitenn des balckenns, lies mann in grabenn zulernenn ob das ennde zugefallenn were,
Jenseits des Balkens ließ man hineingraben, um zu erfahren, ob das Ende eingefallen wäre.
Wie tieff mann aber grub so fanndt mann kein anndere vrkunde, denn das der vmbganng daselbst sein ennde hat,
Wie tief man aber grub, so fand man keinen anderen Befund, als dass der Umgang dort sein Ende hat.
Jedoch vf das mann mehre vnnd furter erfahrung gehabenn möchte, So lies mann in fahrenn Jnn die vierte aberzucht1 die da stundt zur linketenn2 hanndt, als mann zum Borne gehet, im gannge,
Damit man jedoch mehr und weitere Kenntnis gewinnen konnte, ließ man in die vierte Abzucht einfahren, die zur linken Hand liegt, wenn man im Gang zum Brunnen geht.
vnnd ließ die Raumenn vnnd seubernn zubesehenn, ob sie im grunde Jrgenndts einenn vmbganng hette, darbey Probenn vnnd geachtenn kundte, ob der vmbganng in vorzeitenn were fermner gewest,
Und man ließ sie räumen und säubern, um zu besehen, ob sie im Grund irgendwo einen Umgang hätte, und um dabei prüfen und beurteilen zu können, ob der Umgang in früheren Zeiten weiter gereicht hätte.
vnnd mann mochte kein zeichenn findenn, das sich die augezuchte im grunde oberzoge,
Und man konnte kein Zeichen finden, dass sich die Abzucht im Grund zugesetzt hätte.
vnnd hierumb wardt berathenn vonn den Pfennern vnnd beschlossenn vf Sanct Michäelis tagk, das man nemet3 den vmbganng nicht fermner solt machenn,
Und hierüber wurde von den Pfännern beraten und am Sankt-Michaelis-Tag beschlossen, dass man den Umgang nicht weiter treiben sollte,
Sonndernn da wenndenn lassenn, vnnd bleibenn, vber dem drittenn lichtloch vier oder funf schredde, als sein ennde fundenn wardt,
sondern es dort bewenden und bleiben lassen sollte, vier oder fünf Schritte über dem dritten Lichtloch, wo sein Ende gefunden wurde,
Unsichere Lesungen
- aberzucht — Schreibvariante zu ›augezucht‹ (Abzucht); zweiter Buchstabe b/u nicht ganz sicher
- linketenn — ›zur linketen handt‹ = zur linken Hand; Buchstabenbestand nicht ganz sicher
- nemet — Lesung unsicher; wohl ›niemet‹ (= niemand) oder ›nemlich‹; Übersetzung folgt dem Sinn
- verteumenn — wohl ›verdämmen/zudämmen‹; vgl. ›verteumet‹ fol. 41v
S. 83
Bl. 40rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteganng hatte, das dem alles also ist geschehenn,
…gang hatte — wie dies alles so geschehen ist.
Vonn der sache durch welche die Pfenner zu bawenn seindt bewegt wordenn
Von der Sache, durch welche die Pfänner zum Bauen bewegt worden sind
Vonn dreyßigk Jarenn bis hiehero, Klagetenn die Söder vber denn Bornn, das die Sohle gering vnnd vnntuchtigk were, vnnd wie das wilde wasser Jnnbreche1 ann der Sohle,
Seit dreißig Jahren bis heute klagten die Sieder über den Brunnen, dass die Sole gering und untauglich sei und dass das wilde Wasser an der Sole einbreche,
so das viel mehr holtzes mustenn verbrennenn zum Saltzsiedenn, denn sie in vorzeitenn gethann hettenn, Derhalbenn sie nit mochtenn zukommenn, sonndernn beysetzenn mustenn,
so dass sie zum Salzsieden viel mehr Holz verbrennen mussten, als sie es in früheren Zeiten getan hatten, weshalb sie nicht zurechtkommen konnten, sondern zusetzen mussten.
Solcher klage lannge vnnd viele vonn Ihnenn gehört, vnnderstunden die Pfenner das Gewelbe zu ösenn2, vf das sie möchtenn erfahrenn den gebrauch,
Nachdem sie solche Klagen lange und vielfach von ihnen gehört hatten, unternahmen es die Pfänner, das Gewölbe auszuschöpfen, damit sie erfahren könnten, wie es damit stand.
des was einer gnent3 Schwellenbergk burger zu Witzennhausenn, sich vermessenn ein kunst zu machenn vor das Gewelbe, darmit er meinte das gewelbe zu ösenn, Nemlich ein Rath mit vielenn Eymerenn,
Indes war da einer namens Schwellenberg, Bürger zu Witzenhausen, der sich vermaß, eine Kunst (ein Pumpwerk) vor dem Gewölbe zu bauen, mit der er das Gewölbe auszuschöpfen meinte — nämlich ein Rad mit vielen Eimern.
vnnd mit vieler kost vnnd arbeit wolt der gezeugk vnnd kunst das gewesser nit austragenn, vnnd war gar vmb sonnst geschehenn, kostenn vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter
Und trotz vieler Kosten und Arbeit wollte das Gezeug und die Kunst das Gewässer nicht hinausschaffen, und es war ganz umsonst geschehen — Kosten und…
Unsichere Lesungen
- Jnnbreche — Wortmitte schwer lesbar; Sinn ›einbräche‹
- ösenn — ›ösen‹ = Wasser ausschöpfen; Lesung des diakritischen Bogens ziemlich sicher
- gnent — auch ›gnant‹ möglich
S. 84
Bl. 40vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Demnach warenn die Pfenner furter bedacht, Wie sie mochtenn die gebrechenn des Bornns erlernenn,
Demnach waren die Pfänner weiterhin darauf bedacht, wie sie die Gebrechen des Brunnens erkunden könnten.
Demnach als stettes die Söder klagtenn, vnnd in dem Jare Ao. cccc° lxxx1 verdingtenn sie den Polackenn, als die in derselbenn zeit im Lannde arbeitetenn,
Da nun die Sieder beständig klagten, verdingten sie im Jahr 1480 die Polacken, die zu derselben Zeit im Lande arbeiteten,
Grabenn vnnd Teich vfzuwerffenn, den Sohlgrabenn zureumenn, also tieff das darin das wasser aus dem Gewelbe gewanndernn, bis ann den Born,
Graben und Teich aufzuwerfen und den Sohlgraben zu räumen, so tief, dass darin das Wasser aus dem Gewölbe bis an den Brunnen fließen konnte.
vnnd dasselbe auch also versucht, fiel das gewesser aus dem gewelbe, das mann im wasser vf den Bolen2, bis ein ann seine knie3, konnte gewanndernn, vnd so mochte kommenn, bey das getemme das da ist vmb den Born,
Und als man dasselbe auch so versuchte, fiel das Gewässer so weit aus dem Gewölbe ab, dass man im Wasser auf den Bohlen, bis an die Knie reichend, waten und so zu dem Gedämme kommen konnte, das um den Brunnen ist.
Da fanndt mann gebrechenn, das ann etlichenn endenn, der augezucht vnnd des vmbganngs, etwas eingefallen was,
Da fand man Schäden: dass an etlichen Enden der Abzucht und des Umgangs etwas eingefallen war.
Es sagtenn auch die Jehnenn, die darein stiegen, vnnd gingenn der Born were zubrochenn, vnd die Sohle hette einenn grossenn ausganng, als sie wehnetenn,
Es sagten auch jene, die hineinstiegen und hineingingen, der Brunnen sei zerbrochen und die Sole habe einen großen Ausgang (Abfluss), wie sie wähnten,
vnnd das dardurch auch das willde wasser Jn dem Born keme, vnd aller dinge were bawens noth,Läuft auf der nächsten Seite weiter
und dass dadurch auch das wilde Wasser in den Brunnen komme, und dass in jeder Hinsicht ein Neubau nötig sei,
Unsichere Lesungen
- Ao. cccc° lxxx — = 1480; der Tausender (M) fehlt in der Vorlage
- Bolen — ›auf den Bohlen‹; auch ›Bodem‹ (Boden) möglich
- bis ein ann seine knie — ›ein‹ wohl = ›einem‹; Sinn: bis an die Knie
S. 85
Bl. 41rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteaber es fanndt sich annders als hernach folgenn wirdt,
aber es fand sich anders, wie hernach folgen wird.
vnnd wardt also derselbe gebrech vielmahl vonn den Pfennernn verkundet, der vrsach auch semptlich1 beschlossenn, das mann bawenn solt vnnd wolt
Und so wurde derselbe Schaden vielmals von den Pfännern verkündet und deshalb auch gemeinsam beschlossen, dass man bauen sollte und wollte.
vnnd also stetes was bedacht nach gutenn meisternn, die darzu konntenn gerathenn,
Und so war man stets auf gute Meister bedacht, die dazu raten konnten.
Des gab Junckher Hanns von Dornebergk Hofmeister zu Marpurgk seinenn Rath, vnnd weisete die Pfenner ann Meister Curtenn Martorff2,
Dazu gab Junker Hans von Dörnberg, Hofmeister zu Marburg, seinen Rat und verwies die Pfänner an Meister Curt Martorff,
mit dem die Pfenner also zusprechenn, vnnd zu gedinge kommenn, dem gebreche des Bornns zurathenn, als er auch dem gerathenn that,
mit dem die Pfänner also ins Gespräch und zum Verding kamen, dem Gebrechen des Brunnens abzuhelfen, wie er ihm denn auch abhalf.
vnnd viel geschehenn dings, wie vor ist gnuglich berurt, ruhenn vnnd hierstehenn zulassenn, geschach das als mann das alte werck ganntz hat abgebrochenn, vnnd den Born geöset,
Und um vieles Geschehene — wie zuvor hinlänglich berührt — ruhen und dahingestellt sein zu lassen: Es geschah, als man das alte Werk ganz abgebrochen und den Brunnen ausgeschöpft hatte,
fanndt mann vberall keinenn ausflus, oder ausbruch der Sohlenn,
da fand man nirgends einen Ausfluss oder Ausbruch der Sole.
Mann mochte auch keins gebrechs im Borne weis werdenn3, vnnd doch gleichwohl in dem vmbgannge, der augezucht die Sohle gleich als vor Jrem ganng flos in das Gewelbe,
Man konnte auch keines Gebrechens im Brunnen gewahr werden, und doch floss gleichwohl im Umgang der Abzucht die Sole wie zuvor ihren Gang in das Gewölbe.
So da etliche meinetenn, es were ein sonnderlich ader, vnnd gequelle vor sich die in den Bornn nicht gehörte,
Da meinten etliche, es sei eine besondere Ader und ein Gequell für sich, das nicht in den Brunnen gehörte.
Unsichere Lesungen
- der vrsach auch semptlich — ›semptlich‹ (= sämtlich, gemeinsam) leicht unsichere Lesung
- Curtenn Martorff — Eigenname, Lesung ziemlich sicher
- weis werdenn — ›weis‹/›weit‹ unsicher; Sinn ›gewahr werden‹
S. 86
Bl. 41vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Die anndernn sprachenn Es were die Sohle aus dem Borne, vnnd keme durch die heimliche schliche des grieses vswenndig gestiegenn Jnn den vmbganng der augezuchte,
Die anderen sprachen, es sei die Sole aus dem Brunnen und komme, durch die heimlichen Schliche des Grieses außen aufgestiegen, in den Umgang der Abzucht.
vnnd die meinung bewegte die Pfenner zubawenn, Wiewohl sich der gebrech nit also erfanndt
Und diese Meinung bewegte die Pfänner zum Bauen, wiewohl sich der Schaden nicht so herausstellte.
Es geschach auch darbey der vleis das man die Sohle der adernn im vmbgannge probirte Jegenn die Sohle, die im Borne ist, vnnd wardt erkanndt eintrechtig, gutheit, schmacks vnnd einer substantien on allem vnnderscheidt1,
Es geschah dabei auch mit Fleiß, dass man die Sole der Adern im Umgang gegen die Sole prüfte, die im Brunnen ist; und sie wurde als übereinstimmend erkannt, an Güte, Geschmack und Substanz ohne allen Unterschied.
also nun das neue werck was gesatzt vnnd verteumet, vnnd das mann vffbrach die augezuchte, den vmbganng wieder zumachenn,
Als nun das neue Werk gesetzt und verdämmt war und man die Abzucht aufbrach, um den Umgang wieder herzustellen,
vnnd das mann kam ann die annder zucht, oder Lichte loch2 Jegenn dem Berge, da mann Je meinete der gebrech sein solte vnnd erschienenn3, da fanndt mann die sonnderliche adernn starck gehenn, vnnd fliessennde,
und als man an die zweite Zucht oder das Lichtloch gegen den Berg kam, wo man ja meinte, dass der Schaden sein sollte und sich zeigen würde, da fand man die besondere Ader stark gehen und fließen,
vnnd doch nicht mochte merckenn, das der Bornn eine niederunge dardurch in seiner Sohle hette,
und konnte doch nicht merken, dass der Brunnen dadurch eine Minderung an seiner Sole gehabt hätte.
Da fanndt sich in warheit, das der Born kein gebrech noch ausganng hatte, vnnd das dieLäuft auf der nächsten Seite weiter
Da fand sich in Wahrheit, dass der Brunnen kein Gebrechen noch Ausgang hatte und dass die…
Unsichere Lesungen
- on allem vnnderscheidt — ›on‹ (= ohne) unsicher, auch ›in‹ lesbar; Übersetzung folgt dem Sinn
- Lichte loch — Anfangsbuchstabe L/T unsicher; vgl. ›lichtloch‹ fol. 39v
- vnnd erschienenn — in der Vorlage zusammengeschrieben (›vnnderschienenn‹), Worttrennung unsicher
S. 87
Bl. 42rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteader in der augezucht ein sonnderlich gequelle was, vnnd nie was aus dem Borne kommenn,
…Ader in der Abzucht ein besonderes Gequell war und niemals aus dem Brunnen gekommen ist.
Das aber die Söder klagetenn, das das wilde wasser in den Born keme, das mochte wohl daruonn kommenn, das das gewelbe mit steinenn meisterlich was zugelegt,
Dass aber die Sieder klagten, das wilde Wasser komme in den Brunnen, das mochte wohl daher kommen, dass das Gewölbe mit Steinen meisterlich zugedeckt war,
so das die quelle im gewelbe, vnnd in dem vmbgannge sich zogenn nach dem Borne, Sintemahl das der Born niedriger vnnd tieffer ist, denn das gewelbe,
so dass die Quellen im Gewölbe und im Umgang sich zum Brunnen hin zogen, sintemal der Brunnen niedriger und tiefer liegt als das Gewölbe.
So nun dieselbenn quelle susse wasser tragenn, habenn sich dieselbenn durch heimliche gennge zu grunde geholffenn, Jnn den gries des Bornns, vnnd sich also vermenget mit der Sohlenn im Borne,
Da nun dieselben Quellen süßes Wasser führen, haben sie sich durch heimliche Gänge in den Grund geholfen, in den Gries des Brunnens, und sich so mit der Sole im Brunnen vermengt.
Es that auch das bezeichenn, wann das gewelbe nicht seinenn ganntzenn ausflus hat, so das gewesser sich versamblet in den augezuchtenn, denn wirdt mann sichtlich gewahr, das die Sohle im Borne höher steiget,
Das zeigte auch folgendes Zeichen: Wenn das Gewölbe nicht seinen ganzen Ausfluss hat, so dass sich das Gewässer in den Abzuchten sammelt, dann wird man sichtlich gewahr, dass die Sole im Brunnen höher steigt,
das darvonn kommet, das das gewesser sich zu der Sohle heimlich einschleuffet im grunde,
was daher kommt, dass sich das Gewässer im Grund heimlich zur Sole einschleicht.
Unsichere Lesungen
- Wannt — Lesung unsicher; wohl ›want‹ = denn/weil
- Rath — wohl das Eimerrad des Schwellenberg (vgl. fol. 40r); Satz läuft auf die Folgeseite
S. 88
Bl. 42vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)Das fünffte Buch
Fortsetzung von der vorigen Seiteangezüchte Ösete1[?], das was die söhle im Bornne also gut, das die söder eintheil bekanndtenn, das sie viel wercke2[?] hattenn gesottenn, ohne alle beiße3, mitt purer Rothe söhle,
… die Anzüchte …(?) — da war die Sole im Born so gut, dass die Sieder zum Teil bekannten, dass sie viele Werke gesotten hatten, ohne jeden Zusatz, mit purer roter Sole,
als mann sie aus dem Bornne füllet, das sie darvor nit hattenn gethann, eher denn das Rath vor dem Gewelbe gesatzt wardt,
so wie man sie aus dem Born füllte — was sie zuvor nicht getan hatten, ehe das Rad vor dem Gewölbe gesetzt wurde.
Hieraus zu proben ist, das die söhle besser ist, wann das Gewelbe offen ist,
Daraus ist zu ersehen, dass die Sole besser ist, wenn das Gewölbe offen ist.
Wann aber das gewelbe voller gewässers ist, So tringt das gewaßer zum Bornne zu, vnnd menget sich mit der söhlenn, vnnd daher kommet der söder klage, das die söhle nit gut sey,
Wenn aber das Gewölbe voller Wasser ist, so dringt das Wasser zum Born hin und mengt sich mit der Sole; und daher kommt die Klage der Sieder, dass die Sole nicht gut sei.
Dargegenn ist auch erdacht der abganng des Borns, das das wilde waßer sich solte obenn abziehenn,
Dagegen ist auch der Ablauf des Borns erdacht, damit sich das wilde Wasser oben abziehen sollte.
Hierumb ob die gequelle vnnd adernn in dem vmbgannge des Borns fundenn werdenn, des soll niemanndt erfehret sein, auch keine sorge darbey habenn,
Wenn darum die Quellen und Wasseradern im Umgang des Borns gefunden werden, soll darüber niemand erschrocken sein und sich auch keine Sorge dabei machen;
wennte sie kommen nicht aus dem Bornne, Sonndern sie seindt auswendige des Borns sonnderliche gequelle, vnnd aigen sich ann mehr enndenn4 der mann nicht bedarff,Läuft auf der nächsten Seite weiter
denn sie kommen nicht aus dem Born, sondern sind außerhalb des Borns eigene, besondere Quellen und zeigen sich an mehr Stellen, als man ihrer bedarf,
Unsichere Lesungen
- angezüchte Ösete — Satzanfang von voriger Seite; zweites Wort trotz Vergrößerung nicht sicher lesbar (Ösete/Öfete?), Anschluss unklar
- wercke — Lesung unsicher (wercke/wercker), Zierstrich durch ck erschwert Lesung
- beiße — Wortbedeutung unklar, wohl 'Zusatz/Zubuße'
- aigen sich ann mehr enndenn — Lesung 'enndenn' (Enden = Stellen) nicht ganz sicher