Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 805–814
Die Reise von 1568: Halle in Sachsen · S. 805–814 · Bl. 401r–405v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Reise von 1568: Halle in Sachsen
S. 794–825 · Bl. 395v–411r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 805
Bl. 401rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Was nun dieser er1 aller vnnd eines Iedenn besonnder beuelch sey, wehre wohl notwenndigk, das dis orts dauonn bericht geschehe, Ich wils aber kurtze willenn vnterlassenn, Doch kan ich Ihrer aller einigkeit, leutseligkeitt, vnnd freundtlichkeit nit gnugsamb lobenn, Bey Itztgedachtenn gesprech, Ist es dieses tags bliebenn, vnnd bin ich in mein Herberge vmb funff vhr zu tisch ganngenn, daselbst hin ich dann einenn Saltzknechtt gefordert habe, der mich aller gelegennheit, wie es vmb das Saltzwerck geschaffenn, berichtet hat, wie druntenn ann seinem ort weitters anngezeigtt soll werdenn, Nachgehenndes tags hat der Saltzgreue mir von neuem ein Bottenn geschickt, vnnd darbenebenn ann mich gesinnenn lassenn, das ich zu mittags sein gast sein wolte, Darauf ich als baldt zu Ime ganngenn, vnd nach wiederholung seiner gesterigenn zusage, die Ordenung zubesehenn begeret, welche er mir gezeiget, vnnd daruber manncherley gesprech, frag vnnd
Was nun deren aller und eines jeden besonderer Befehl sei, wäre wohl notwendig, dass an dieser Stelle davon Bericht geschähe; ich will es aber der Kürze halber unterlassen. Doch kann ich ihrer aller Einigkeit, Leutseligkeit und Freundlichkeit nicht genug loben.
Bei diesem Gespräch ist es an diesem Tag geblieben, und ich bin um fünf Uhr in meiner Herberge zu Tisch gegangen. Dorthin habe ich dann einen Salzknecht gefordert, der mich über alle Umstände, wie es um das Salzwerk bestellt ist, berichtet hat, wie weiter unten an seinem Ort angezeigt werden soll.
Am folgenden Tag hat mir der Salzgraf von neuem einen Boten geschickt und daneben an mich sinnen lassen, dass ich zu Mittag sein Gast sein möge. Darauf bin ich sogleich zu ihm gegangen und habe nach Wiederholung seiner gestrigen Zusage begehrt, die Ordnung zu besehen, die er mir gezeigt hat; und wir haben darüber mancherlei Gespräch, Frage und
Unsichere Lesungen
- dieser er — so getrennt geschrieben (Z. 1)
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Bl. 401vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
anntwort mit mir gehalttenn, also das die zeitt vngefehr verlauffenn, vnnd der tisch gedeckt wordenn, Er hat aber mir vnnder anndernn anngezeigt, das mein gnediger furst vnnd herr, als sfgl.1[?] daselbst zu Hall gewesenn, mit Ime in beysein des Ertzbischoffs gleicher gestalt auch manncherley frage vnnd anntwortt gepflogenn, ganntz frölich gewesenn, vnnd mit solchl2 vielenn fragenn, dem ErtzBischoff Sigismundo vnd anndernn Vhrsach gegebenn, den sachenn weitters nachzutrachtenn, die Ordenung vleissiger zulesenn, vnnd Iren schanntzenn besser, dann zuuor geschehen, war zunehmenn, Innsonnderheit aber hat er gedacht, das mehr hochermelter mein gl. f. vnnd herr, eine sonnderliche kurtzweilige frölicheit zuwegenn bracht, mit dem Basilisco, vonn dem mann sagt, das er den ganntzenn Bronnenn, vor etlichen vielenn Iarenn, solte verstopfft vnnd verhindert habenn, da doch der Basiliscus so ein geringes thierlein sey, das manns auch in einer hanndt
Antwort miteinander gehalten, so dass die Zeit unversehens verlief und der Tisch gedeckt wurde.
Er hat mir aber unter anderem angezeigt, dass mein gnädiger Fürst und Herr, als Seine Fürstlichen Gnaden dort zu Halle gewesen sind, mit ihm in Beisein des Erzbischofs gleichermaßen mancherlei Frage und Antwort gepflogen habe, ganz fröhlich gewesen sei und mit so vielen Fragen dem Erzbischof Sigismund und anderen Anlass gegeben habe, den Sachen weiter nachzutrachten, die Ordnung fleißiger zu lesen und ihre Vorteile besser als zuvor wahrzunehmen.
Insbesondere aber hat er gedacht, dass mein oft genannter gnädiger Fürst und Herr eine besondere kurzweilige Fröhlichkeit zuwege gebracht habe mit dem Basilisken, von dem man sagt, er habe vor etlichen vielen Jahren den ganzen Brunnen verstopft und behindert — obwohl doch der Basilisk ein so geringes Tierlein sei, dass man es auch in einer Hand
Unsichere Lesungen
- sfgl. — Kürzel, wohl S. F. Gl. (Z. 4)
- solchl — so, wohl solchen (Z. 7)
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Bl. 402rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
wohl haltenn könne, solch gesprech hat zwischen1[?] Ihm vnnd mir, vonn morgens ann, bis zu essenns zeit gewehret, Vber tische hat er mit mir vielerley vom holtzhandell geredt, vnnd vnter anndernn gedacht, Nach dem sie aus dem Churfurstennthumb vnnd Stifft Merseburgk nicht mehr feurwergks wie vonn alters bekommenn mügenn, vnnd dennach der holtzhandell sehr geschwinde werde, sey er mit etzlichenn anndernn Pfennernn des fürhabenns, habs auch schonn Inns werck gesetzt Jerlich vonn dem fürstenn zu anhalt ein stattliche Summa ann sich die Saal heraüf zubringen, Was sonnst sein gesprech gewesenn, daraus allerley kann abgenommenn werdenn, will ich ann seinem ort, vnnd zu seiner zeit wohl einzubringen wissen Darnach hab ich in seinem haus ein Stück Saltz messen lassenn, welchs vnnserer geeichtenn maß — 10 ½ hatt gehaltenn, vnnd dieweil ich vnter des in
wohl halten könne. Dieses Gespräch hat zwischen ihm und mir von morgens an bis zur Essenszeit gewährt.
Bei Tisch hat er mit mir vielerlei über den Holzhandel geredet und unter anderem angeführt: Nachdem sie aus dem Kurfürstentum und Stift Merseburg nicht mehr so viel Feuerwerk wie von alters her bekommen können und demnach der Holzhandel sehr schwierig werde, sei er mit etlichen anderen Pfännern des Vorhabens — er habe es auch schon ins Werk gesetzt —, jährlich vom Fürsten zu Anhalt eine stattliche Summe an sich zu bringen und die Saale heraufzuführen.
Was sonst sein Gespräch gewesen ist, woraus allerlei abgenommen werden kann, will ich an seinem Ort und zu seiner Zeit wohl einzubringen wissen.
Danach habe ich in seinem Haus ein Stück Salz messen lassen, das 10½ unserer geeichten Maße gehalten hat. Und weil ich inzwischen in
Unsichere Lesungen
- zwischen — Endung abgekürzt mit Schleife (Z. 1)
S. 808
Bl. 402vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
meiner Herberge meine diener die Sohlenn Proba hab annstellenn lassenn, vnnd mein diener solchs zu der zeit annzeigete, Hat der Saltzgreue begeret, Ihme dieselbige zueröffnenn, wie dann auch beschehenn, vnnd stehet dieselbige Proba, wie volgtt. Der teutsche Bronn die quart —— 24 lot. Sohl thut rothe1[?] —— 106 lot. Metritz die quart —— 22 lot. Gut Jahr —— 22 lot ½ q2[?] Hacke Bronn ein quart —— 20 lot 1½ q3[?] Vnnter des hat er alle die vber die Bronnenn beuelch habenn, auf den Bronnenn durch den Thalvogtt, /: ist Richter oder wie manns alhier nennett Schultheis :/ fordernn lassenn, vnnd als ich mit im vf die Bronnenn ganngenn, daselbst alle gelegennheit der Bronnenn, des austheilenns der Sodt, siedenns, Saltzausbringenns, vnnd Saltzderrenns, augennscheinlich besichtiget, erforschet, doch bin ich des mehrenntheils zuuor durch den Hall knecht /: dauon ich drobenn meldung gethan :/ berichtet gewesen.
meiner Herberge meine Diener die Soleprobe hatte anstellen lassen und mein Diener dies zu dieser Zeit anzeigte, hat der Salzgraf begehrt, sie ihm zu eröffnen; wie es denn auch geschehen ist. Und diese Probe steht wie folgt:
Der Deutsche Born, das Quart —— 24 Lot; die Sole wiegt roh —— 106 Lot. Meteritz, das Quart —— 22 Lot. Gutjahr —— 22 Lot ½ Quentchen. Hackeborn, ein Quart —— 20 Lot 1½ Quentchen.
Unterdessen hat er alle, die über die Brunnen Befehl haben, durch den Talvogt — das ist der Richter, oder wie man es hier nennt, der Schultheiß — auf die Brunnen fordern lassen. Und als ich mit ihm auf die Brunnen ging, habe ich dort alle Umstände der Brunnen, des Austeilens der Sole, des Siedens, des Salzausbringens und des Salzdörrens augenscheinlich besichtigt und erforscht — wiewohl ich das meiste zuvor durch den Halloren, von dem ich oben Meldung getan habe, berichtet bekommen hatte.
Unsichere Lesungen
- rothe — Wort unklar (Z. 7)
- q — Kürzel, wohl quintlein (Z. 9)
- q — Kürzel, wohl quintlein (Z. 10)
S. 809
Bl. 403rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Die Bronnenn aber seindt tieff nach gründtlicher anzeigunge der Bronnenn verwalter —— 60. ehlen, ohnne der Guttjars Bronnenn, dauonn auch bener1[?] gründtlich berichttet. Der Teutsche Bornn wirdt mit einem haspell getriebenn, darann vor vnnd vor acht knechte in Schicht haspelnn, weret die Schicht zwo stundt, wirdt besetzt vf ein virtell /: welchs —— 12. Pfannen ist, mit —— 60. Zubernn. Der Metritz wirdt mit einem besser2[?] ausgetrieben, laufftenn Je zwo stunde in einer Schicht zwene, wirdt besetzt auf ein vierteil mit zehenn Zubernn, denn dieser Bronnenn allwegenn am ersten geschepfft wirdt. Gut Jars Bronnenn wirdt getriebenn mit dem besser3[?] lauffen Jede zwo stundenn in einer Schicht zwene knechte, wirdt besetzt aufs viertheil mit — 40. Zubernn. Hackebronn wirdt auch mit dem besser4[?] gehabenn, laufftenn gleicher gestalt Je zwo stünde zwene
Der Vierte Appendix. Die Brunnen aber sind nach gründlicher Angabe der Brunnenverwalter 60 Ellen tief, außer dem Gutjahrsborn, wovon ebenfalls gründlich berichtet wurde.
Der Deutsche Born wird mit einem Haspel getrieben, an dem fort und fort acht Knechte in der Schicht haspeln; die Schicht währt zwei Stunden. Er wird auf ein Viertel — das sind 12 Pfannen — mit 60 Zubern besetzt.
Der Meteritz wird mit einem Göpel ausgetrieben; es laufen je zwei Stunden in einer Schicht zwei Knechte. Er wird auf ein Viertel mit zehn Zubern besetzt, denn dieser Brunnen wird stets zuerst geschöpft.
Der Gutjahrsborn wird mit dem Göpel getrieben; es laufen jeweils zwei Stunden in einer Schicht zwei Knechte. Er wird aufs Viertel mit 40 Zubern besetzt.
Der Hackeborn wird auch mit dem Göpel gehoben; es laufen gleichermaßen je zwei Stunden zwei
Unsichere Lesungen
- bener — Wort unklar (Z. 3)
- besser — Gerätename, Lesung unsicher (Z. 10)
- besser — wie Z. 10 (Z. 15)
- besser — wie Z. 10 (Z. 19)
S. 810
Bl. 403vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
knechte, ein Schicht wirdt besetzt, aufs Vertell1[?] mit zehenn Zubernn, Das aber die austheilung der Sohlenn so vngleich vonn alters hero gehaltenn, vnnd nach sonnderer proportion ausgetheilet ist wordenn, darin ist meines verstanndts die vorsichtigkeit der altenn Pfenner, billich zulobenn, welche nicht alleine, nach dem sie die gelegennheit der Bronnenn gewust, dieselbigenn nicht einmahls aller ausösenn wöllenn, Sonndernn auch fürnemblich darauff gesehenn, das nicht einer die gute Sohlenn, der annder die geringe enndtpfinge, damits vfs aller gleicheste ausgetheilt werdenn möchtte. Inn fernner austheilung der Sohlenn, enndtpfehet erstlich der Bischoff sein theil nach anntzahl der stuel, vnnd vierteil, welche er in Bronnen hatt, Darnach zum anndernn die Geistlichenn armenn vnd Arbeiter, zum drittenn die Beamptenn vnnd Beuelchhaber, Enndtlich die gemeinenn Pfenner, vnnd laufft also aller vnncostenn allein vf den Bronnen
Knechte. Eine Schicht wird aufs Viertel mit zehn Zubern besetzt.
Dass aber die Austeilung der Sole von alters her so ungleich gehalten und nach besonderem Verhältnis ausgeteilt worden ist — darin ist nach meinem Verstand die Umsicht der alten Pfänner billig zu loben. Denn sie haben nicht allein, nachdem sie die Beschaffenheit der Brunnen kannten, diese nicht auf einmal alle ausschöpfen wollen, sondern auch vornehmlich darauf gesehen, dass nicht der eine die gute, der andere die geringe Sole empfange, damit es aufs allergleichste ausgeteilt werden könne.
Bei der weiteren Austeilung der Sole empfängt zuerst der Bischof seinen Teil nach der Anzahl der Stühle und Viertel, die er im Brunnen hat; danach zum anderen die Geistlichen, die Armen und die Arbeiter; zum dritten die Beamten und Befehlshaber; endlich die gemeinen Pfänner. Und so laufen alle Unkosten allein auf den Brunnen,
Unsichere Lesungen
- Vertell — wohl virtell, Schreibung unklar (Z. 1)
S. 811
Bl. 404rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
dauonn ein Jeder bezahlt wirdt, Doch wer kein eigenn kodt, oder ein ganntz gerenthe, welches — 12 Pfannenn seindt, hat, darff nicht selbst siedenn, auch nicht siedenn lassenn, Sonndernn mus dieselbigenn Sohlen anndernn, so kode habenn, zu voller erstattung Irer gerenntte, vmbs geldt, wie die Jederzeit gesetzt wirdt, zukommenn lassenn, vnnd weis ein Jeder wohin er sein verdiennte Sohlenn, nach ausweisung der vorschleger liefernn soll, Die Sohle wirdt vonn kodenn zu kodenn, in Zubbernn getragenn, aus einem Jedenn Bronnenn nach seiner anntzahl, Da aber einer nicht seudet, bleibt die vbrige Sohlenn im Brunnen, wie solchs Jederzeit der Bronnennschreiber vnnd Bronnenmeister nach gelegennheit verordenenn, Vnnter des ich auf dem Bronnenn gewesenn, hab ich den full eymer vnnd Zubber einen eichen lassen, helt Jeder füll eymer —— 8 quart der Zuber vier full eymer tregt vf ein werck
wovon ein jeder bezahlt wird. Doch wer keine eigene Kothe oder eine ganze Gerente — das sind 12 Pfannen — hat, darf nicht selbst sieden und auch nicht sieden lassen, sondern muss diese Sole anderen, die Kothen haben, zur vollen Erstattung ihrer Gerente gegen Geld, wie es jeweils festgesetzt wird, zukommen lassen. Und ein jeder weiß, wohin er seine verdiente Sole nach Anweisung der Vorschläger liefern soll.
Die Sole wird von Kothe zu Kothe in Zubern getragen, aus jedem Brunnen nach seiner Anzahl. Wenn aber einer nicht siedet, bleibt die übrige Sole im Brunnen, wie das jeweils der Bornschreiber und der Bornmeister nach Lage der Dinge anordnen.
Während ich auf dem Brunnen war, habe ich den Fülleimer und den Zuber eichen lassen: jeder Fülleimer hält 8 Quart, der Zuber vier Fülleimer. Es trägt auf ein Werk,
S. 812
Bl. 404vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
wann —— 4½ Zuber eingegossenn werdenn —— 324. quart, seindt —— 54 virtell oder —— 5. Zuber 4½ virteil, Ist nach bey vnns nicht gar ein halb fuder, denn sechsthalb virteil darann manngelnn. Dieweil aber wie drobenn gedacht, Jeder stucke eines Elfftehalb metzenn macht, kann weitters die vergleichung leichtlich gemacht werdenn, wie viel Hellischer Sohl bey vnns ein werck machet. Ich bin auch weitters vf dem Bronnenn bericht wordenn, das niemanndts darauf /: wie auf anndernn Saltzwerckenn beschicht :/ durchs Jar Sohlenn holenn dörffe, weder vmb geldt, oder vmb sonnst, ohnn allein auf den Oster abenndt, als dann magk ein Jeder souiel Sohlenn holenn, als er will, vnd weret die austheilung einenn halbenn tagk, Aber vf dem Gut Jar theilet mann alle Sonntagk morgenn, auf alle mennschenn die es begerenn, ein Pfennig aus, vonn gemeinenn Pfennernn, vnnd des ganntzenn Saltzwergks wegenn.
wenn 4½ Zuber eingegossen werden, 324 Quart, das sind 54 Viertel oder 5 Zuber 4½ Viertel. Das ist bei uns nicht ganz ein halbes Fuder, denn fünfeinhalb Viertel fehlen daran. Weil aber, wie oben gesagt, jedes Stück elfeinhalb Metzen ausmacht, kann weiter leicht der Vergleich gezogen werden, wie viel Hallische Sole bei uns ein Werk macht.
Ich bin auch weiter auf dem Brunnen berichtet worden, dass dort niemand — wie es auf anderen Salzwerken geschieht — das Jahr über Sole holen darf, weder gegen Geld noch umsonst, außer allein am Osterabend; alsdann mag ein jeder so viel Sole holen, wie er will, und die Austeilung währt einen halben Tag. Aber auf dem Gutjahr teilt man jeden Sonntagmorgen an alle Menschen, die es begehren, einen Pfennig aus, von den gemeinen Pfännern und von wegen des ganzen Salzwerks.
S. 813
Bl. 405rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Vnnd damit Je weder in Beuenn, Bestellungenn, vnnd anndernn gemeinenn vnncostenn, Inn die Heupt Rennthe nicht gegriffenn dürffe werden, seindt wie Ich bericht eingenommenn, dartzu fünff besonnder kodt geordennt. Der Saltzgreue aber hat für sein theil den gantzen1[?] Zoll, Nemblich vonn Jedem Saltzwagenn ein groschen2[?] vnnd dartzu alle Buts so im thal felt, ohnn etliche Saltzgerenntte, welchs er doch nicht hoch achttet. Gleicher massenn wirdts auch zu Franckennhausenn, Stasfurt, vnnd grossenn Saltza, mit dem gemeinenn vnncostenn gehaltenn, Volget nun vom siedenn, Wenn ein Herr voll gerenntte, vnnd ein Vierker3[?] voll siedenns hat, magk er wochenntlich — 40 werck siedenn, Dieweil aber etliche nicht voll gerenntte, auch nicht voll siedenns habenn könnenn, Ist der gemein annschlagk —— 70. stück wochenntlich gemacht, welche wann das Saltz wohl abgeht, Inn Jedem
Und damit weder bei Bauten, Bestallungen noch anderen allgemeinen Unkosten in die Hauptrente gegriffen werden muss, sind, wie ich berichtet bekommen habe, dazu fünf besondere Kothen bestimmt. Der Salzgraf aber hat für seinen Teil den ganzen Zoll, nämlich von jedem Salzwagen einen Groschen, und dazu alle Bußen, die im Tal anfallen, außer etlichen Salzgerenten, die er aber nicht hoch achtet. Gleichermaßen wird es auch zu Frankenhausen, Staßfurt und Groß Salza mit den allgemeinen Unkosten gehalten.
Es folgt nun vom Sieden. Wenn ein Herr volle Gerente und ein Wirker volles Sieden hat, mag er wöchentlich 40 Werke sieden. Weil aber etliche nicht volle Gerente und auch nicht volles Sieden haben können, ist der allgemeine Anschlag auf 70 Stück wöchentlich gemacht worden, die, wenn das Salz gut abgeht, in jeder
Unsichere Lesungen
- gantzen — Endung abgekürzt mit Schleife (Z. 6)
- groschen — Endung abgekürzt mit Schleife (Z. 7)
- Vierker — Wort unklar (Z. 15)
S. 814
Bl. 405vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
kodt durchs ganntze Jar gesottenn werdenn könnenn, dieselbigenn multipliciret mit — 102. kodenn, so stets im schwangk gehenn, tregts die wochenn vf alle kodt zusammenn. —— 7140. stuck, wiederumb multiplicirt mit wochenn, denn mann kein kaldtleger durchs ganntze Jar nur zwey auf Mitfastenn vmbs Thalsgerichts, vnnd vf Pfingstenn, vmb Irs Pfingstbiers /: wie sie es nennenn :/ willenn helt, thut vfs ganntze Jar, vnnd alle kodenn — 71400 stuck, derenn gilt Jedes ein halbenn thaler, tregt Jerlich —————————— 35700 thaler Welche das Saltzwerck Hall gewislich vnnd ohnne hindersall Jerlich kann ertragenn, Sonnstenn heltet mann auch gebotte kaltleger, wenns Saltz nicht wohl abgehet, oder sonnst mangell fürleufft, Es mus aber der Herr eines Jedenn kodts das Holtz, /: welchs alzeit im kauff vngewis ist :/ Pfannen vnnd anndere Rüstunge, auff seinenn kostenn selbst
Kothe das ganze Jahr hindurch gesotten werden können. Diese mit 102 Kothen multipliziert, die ständig im Gang sind, ergibt für die Woche auf alle Kothen zusammen —— 7140 Stück; wiederum multipliziert mit den Wochen — denn man hält im ganzen Jahr nur zwei Kaltlager, zu Mittfasten wegen des Talgerichts und zu Pfingsten wegen ihres Pfingstbiers, wie sie es nennen — macht das aufs ganze Jahr und alle Kothen 71 400 Stück. Davon gilt jedes einen halben Taler; das trägt jährlich —————————— 35 700 Taler, die das Salzwerk Halle gewiss und ohne Hindernis jährlich tragen kann.
Sonst hält man auch gebotene Kaltlager, wenn das Salz nicht gut abgeht oder sonst ein Mangel eintritt. Es muss aber der Herr einer jeden Kothe das Holz — dessen Preis stets ungewiss ist —, die Pfannen und andere Ausrüstung auf seine Kosten selbst