Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 815–824
Die Reise von 1568: Halle in Sachsen · S. 815–824 · Bl. 406r–410v · Band 2
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Die Reise von 1568: Halle in Sachsen
S. 794–825 · Bl. 395v–411r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 815
Bl. 406rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
verschaffenn vnnd bezahlenn, vnnd da er nit gnugsam gerenntte hat, dieselbigenn ann sich wochenntlich keuffenn, dem wircker lohnenn, vnnd fürters warttenn, was gewin oder verlust im daraus eruolge. Doch halttenn die vorschleger den gebrauch, das sie vmb bestenndiges nutzenn willenn, so den Gutherrnn hieraus eruolgenn kann, die Sohlenn vnnd holtz Jederzeit nach gelegennheit im kaufgeldt auff vnnd absetzenn, wie sie dann destenn alle Sonntag, wie es hierin volgennde wochenn gehaltenn werdenn sollenn, ein zettell offenntlich annschlagenn lassenn. Benebenn diesem, vnnd als ich auff den Bronnenn mich wie gehort, aller gelegennheit erfragt gehabt, Hab ich meinenn diener Inns kodt abgefertiget, daselbst sich zuerlernenn, wie die Herde vnnd Gesöde angestellet, wie die Pfannenn aufgesetzt, Wieuiel Pfannennkennn vnnd harkenn gebraucht werdenn, wie mann das Saltz ausbrechtte, wie manns derrette.
beschaffen und bezahlen; und wenn er nicht genug Gerente hat, muss er sie wöchentlich an sich kaufen, dem Wirker lohnen und sodann abwarten, was für Gewinn oder Verlust ihm daraus erwächst.
Doch halten die Vorschläger den Brauch, dass sie um des beständigen Nutzens willen, der den Gutsherren daraus erwachsen kann, die Sole und das Holz jeweils nach Lage der Dinge im Kaufpreis auf- und absetzen; wie sie denn deshalb jeden Sonntag einen Zettel öffentlich anschlagen lassen, wie es in der folgenden Woche gehalten werden soll.
Daneben, und nachdem ich mich, wie gehört, auf dem Brunnen über alle Umstände erkundigt hatte, habe ich meinen Diener in die Kothe geschickt, um dort zu erkunden, wie die Herde und Gesöde eingerichtet sind, wie die Pfannen aufgesetzt werden, wie viele Pfannenketten und Haken gebraucht werden, wie man das Salz ausbringt und wie man es dörrt,
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Bl. 406vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Wie gros die Pfannenn, Wie offt mann sie fegete, wie lanng ein Pfann stehenn könnte, Was mann vonn Jeder arbeit zu lohne gebe, Item Was für Instrumenta vnnd werck zeugk mann brauche, vnnd wie dieselbigenn genennet würdenn, auch was sonnst in gemein desfals vom siedenn, Sothenn, fegenn, vnnd Saltzmachenn, furnemblich zuwissen vonnötenn, Gemelter mein diener hat mir nachuolgenndenn bericht bracht. Der Herdt wirdt nachuolgennder weise mit Schlotter /: welchs sie foet1[?] nennenn :/ gemacht, ist vntenn einer ehlenn, obenn aber annderthalbenn Elaffter weit, zwo ehlenn tieff, Es wirdt das Pfannloch vonn der erdenn bis ann die Pfann mitt gebackenn steinenn eines schuchs weit, da mann das holtz hinein wirfft, gemacht, Mann steckt auch ein Eisenn zweyer ehlenn lanng, vornne Inns Pfannenn loch, so mann mit dem stro seudet, das es nit vf dem herde zusammenn falle, Sonndern vf dem Eisenn sich zertheile, vnd desto besser brennen müge,
wie groß die Pfannen sind, wie oft man sie fegt, wie lange eine Pfanne stehen kann, was man für jede Arbeit an Lohn gibt, ebenso welche Instrumente und Werkzeuge man gebraucht und wie sie genannt werden, auch was sonst im allgemeinen vom Sieden, Setzen, Fegen und Salzmachen vornehmlich zu wissen nötig ist.
Der genannte Diener hat mir folgenden Bericht gebracht.
Der Herd wird auf folgende Weise mit Schlotter — den sie Fot nennen — gemacht: er ist unten eine Elle, oben aber anderthalb Klafter weit und zwei Ellen tief. Das Pfannenloch, wo man das Holz hineinwirft, wird von der Erde bis an die Pfanne mit gebackenen Steinen einen Schuh weit gemacht. Man steckt auch ein Eisen von zwei Ellen Länge vorn ins Pfannenloch, wenn man mit dem Stroh siedet, damit es nicht auf dem Herd zusammenfällt, sondern sich auf dem Eisen verteilt und desto besser brennen kann.
Unsichere Lesungen
- foet — Fremdwort, Lesung unsicher (Z. 11)
S. 817
Bl. 407rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Die Pfannenn so vf Jtztgedachtenn Herdt gesetzt, ist —— 4½ schuch breit —— 6½ schuch lanng, vnnd ein halbenn schuch tieff, zweyer finger hoch, vff dem Herde auff Hornnsteine gesetzt, wirdt darnach etwas vmbhero offenn mit Oseln /: wie sie es genennet :/ rings vmb die Pfann zugelegt, Es werdenn vf Jeder seittenn nebenn der Pfannenn, zwo staffelnn in die Erde gesetzt, darauff werdenn vber die Pfann zwenn Pfannenn beume, /: welche sie Behrstebe1[?] nennenn :/ gelegt, kostenn einen orts thalers, dartzwischenn werdenn zwey Harkscheide gesteckt, welche vber die Pfann hindenn darann zwenn Eiserne Bordtharkenn2[?], welche die Pfannenn haltenn, gehenncket, Vber das sein auch drey kurtze Beumlein, einer ehlenn lanng mitten vber gelegt, darann Nein Pfannenn harkenn, welche die Pfann haltenn, gehenncket. Wenn mann seudet so wirdt eingegossenn alle werck —— 36. Eimer Inn die Pfannenn, vnnd so mann —— 20 gefüllet, thut mann in denn —— 21 Eymer ein Nepflein[?] Rindes farbe[?],
Die Pfanne, die auf diesen Herd gesetzt wird, ist 4½ Schuh breit, 6½ Schuh lang und einen halben Schuh tief. Sie steht zwei Finger hoch auf dem Herd auf Hornsteinen und wird danach ringsherum etwas offen mit Öseln — wie sie es nennen — rings um die Pfanne zugelegt.
Es werden auf jeder Seite neben der Pfanne zwei Ständer in die Erde gesetzt; darauf werden über die Pfanne zwei Pfannenbäume — die sie Bärstäbe nennen — gelegt; sie kosten einen Ortstaler. Dazwischen werden zwei Hakenscheite gesteckt, die über die Pfanne gehen; daran sind zwei eiserne Bordhaken gehängt, die die Pfanne halten. Darüber hinaus sind auch drei kurze Bäumlein von einer Elle Länge quer darübergelegt, an denen neun Pfannenhaken hängen, die die Pfanne halten.
Wenn man siedet, so werden jedes Werk 36 Eimer in die Pfanne gegossen; und wenn man 20 eingefüllt hat, tut man in den 21. Eimer ein Näpflein Rinderblut,
Unsichere Lesungen
- Behrstebe — Fachwort, Lesung unsicher (Z. 10)
- Bordtharkenn — Anfangsbuchstabe B/V unklar (Z. 13)
- Nepflein Rindes farbe — Wortlaut unsicher (Z. 21) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
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Bl. 407vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Welchs die Sohlenn klar reiniget, vnnd wanns aufgewellet, scheumet manns, darnach seudett mann drey virteil stundt, bis zum voll schütten, vnnd vfschlagenn gehenn zwo stundtenn, thut zusammenn ——1 stundenn, darin ein werck volkomblich bereitet wirdt, darnach tregt mann die stück ab, setzt die obenn auff die da zubereitetenn Saltzstedte, damit das Saltz recht trockenn werde, vnd Je lennger es darauf stehet, Je herter vnnd trockener es wirdt. Es werdenn aber die Pfannenn, dauonn drobenn anngezeigt, Jede wochenn dreymahl abgezogenn, vnd gereiniget, vnnd wann mann abziehenn will, mus der Saltztreger, vnnd des meisters knecht sie vom herde ziehenn, hinaus ans kodt richtenn, Nimpt ein Schüssell, schwemmket2[?] darein, darnach leget er sie nieder, vnndersetzet sie vf einer seittenn mit einer stebbelnn, macht mit einem bundt stro ein feur darunder, störet mit einer stanngen zu, bis es gnug ist, darnach müssenn sie die knechte wie=
was die Sole klar reinigt. Und wenn es aufgewallt ist, schäumt man es ab; danach siedet man drei Viertelstunden bis zum Vollschütten, und zum Aufschlagen gehen zwei Stunden — macht zusammen — Stunden, in denen ein Werk vollständig bereitet wird. Danach trägt man die Stücke ab und setzt sie oben auf die dafür bereiteten Salzstätten, damit das Salz recht trocken wird; und je länger es darauf steht, desto härter und trockener wird es.
Es werden aber die Pfannen, wovon oben die Rede war, jede Woche dreimal abgezogen und gereinigt. Und wenn man abziehen will, müssen der Salzträger und der Knecht des Meisters sie vom Herd ziehen und hinaus an die Kothe richten. Er nimmt eine Schüssel, schwenkt darin, danach legt er sie nieder, unterstützt sie auf einer Seite mit einem Stab, macht mit einem Bund Stroh ein Feuer darunter und schürt mit einer Stange zu, bis es genug ist. Danach müssen die Knechte sie wie-
Unsichere Lesungen
- —— — Zahl nach Strich ausgelassen (Z. 5)
- schwemmket — Wort unklar (Z. 16)
S. 819
Bl. 408rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. derumb anns bodt aufrichttenn, vnnd was noch von Schebenn, vnnd vnreints darann, klopfft der Wirt[?]er mit einem eiser hemmerlein, vnnd einem holtzernn Instrument, welchs ein Heigenn genenndt wirdt vollents ab, vnnd wann sie gar rein ist, bestreicht er sie mit kleister, damit sie nicht außlauffe, lesset sie wieder auff den Herdt tragenn, hat auch ein Holtzern Bordt hanngenn2[?], damit er die Bortte zu rechte rucket, vnnd stellet die Pfann also wiederumb auf den Herdt zu rechte, Solcher Pfann kann eine ein virtell Jars stehenn, vnnd gebraucht werdenn, kostet ein neue Pfann zu machenn — 18 fl. zu zwanntzigk groschenn, wie mich die knechte berichttet habenn, Die bode seindt anngestellet, eins ist ann dreyenn ortenn vnderscheidenn, ann einem welchs zu vnderst, wirdt die stro stedte genennet, dahin das Stro, holtz, vnnd feurwergk gelegt, zum anndernn da die Pfannenn stehet, vnnd am drittenn vnd höchstenn ortte, da das Saltz gederret, die Saltzstette.
Der Vierte Appendix. derum an der Kothe aufrichten; und was noch an Scheiben und Unreinem daran ist, klopft der Wirker mit einem eisernen Hämmerlein und einem hölzernen Gerät, das ein Heige genannt wird, vollends ab. Und wenn sie ganz rein ist, bestreicht er sie mit Kleister, damit sie nicht ausläuft, und lässt sie wieder auf den Herd tragen; er hat auch ein hölzernes Bordholz zur Hand, mit dem er die Borte zurechtrückt, und stellt die Pfanne so wieder auf dem Herd zurecht.
Eine solche Pfanne kann ein Vierteljahr stehen und gebraucht werden; eine neue Pfanne zu machen kostet 18 Gulden zu zwanzig Groschen, wie mir die Knechte berichtet haben.
Die Bothe sind so eingerichtet: eines ist an drei Stellen unterschieden. An der einen, die zuunterst liegt, wird die Strohstätte genannt, dorthin werden Stroh, Holz und Feuerwerk gelegt; die zweite ist, wo die Pfanne steht; und an der dritten und höchsten Stelle, wo das Salz gedörrt wird, ist die Salzstätte.
Unsichere Lesungen
- Wirt= — Wirt/Wirck, Trennung unklar (Z. 3) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
- hanngenn — Anfangsbuchstabe h/d (Z. 9)
S. 820
Bl. 408vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. Es ist auch vber der Pfann ein holtzernn deck, vonn dunnenn1[?] Bretternn gelegt, damit nichts vnreynes Inn die Pfann fallenn magk, Die Wergkzeugk so zum Saltzmachenn gebraucht, seindt diese wie volgt, Erstlich hat mann ein groß2[?] Sohlfaß, welchs einestheils zum bodt hinaus gehet, also das die Sohlenntreger auswendigk dem bode, einschuttenn konnenn, daselbst ist ein geflachtent3[?] weidenn hort aufgelegt, das nicht stro oder vnreinigkeit, muge hinein kommenn, einenn full eimer, mit einem darann gemachtenn langen harkenn, ein Gabbelnn, einenn harkenn, Saltzkorbe, Saltzschauffelnn, werdenn Soegstiele4[?] genennet, fege hemer vnnd Heigenn, Schuffenn vnnd Aschenn krukenn, ein Schrapteisenn5[?], ein hanndtfaß, ein Hoselein6[?], Es muß auch ein Jeder wercker in seinem bodt, ein grosse messingt oder kupfferne sprutzenn habenn, vnnd ein Pfannenn breth, Arbeiter lohnn, vnnd was mann vonn Jeder arbeit
Der Vierte Appendix. Es ist auch über der Pfanne eine hölzerne Decke aus dünnen Brettern gelegt, damit nichts Unreines in die Pfanne fallen kann.
Die Werkzeuge, die zum Salzmachen gebraucht werden, sind diese, wie folgt: Erstens hat man ein großes Solfass, das zum Teil aus der Kothe hinausgeht, so dass die Soleträger von außen in die Kothe einschütten können; dort ist eine geflochtene Weidenhorde aufgelegt, damit kein Stroh oder Unreinigkeit hineinkommen kann. Ferner einen Fülleimer mit einem daran gemachten langen Haken, eine Gabel, einen Haken, Salzkörbe, Salzschaufeln — die Sogstiele genannt werden —, Fegehämmer und Heigen, Schippen und Aschenkrücken, ein Schrapeisen, ein Handfass, ein Häslein. Es muss auch ein jeder Wirker in seiner Kothe eine große messingene oder kupferne Spritze haben und ein Pfannenbrett.
Arbeiterlohn und was man für jede Arbeit
Unsichere Lesungen
- dunnenn — dunnenn/dennenn (Z. 3)
- groß — groß/grob (Z. 6)
- tent — Wortende unklar (Z. 10)
- Soegstiele — Vokale unsicher (Z. 14)
- Schrapteisenn — t unsicher (Z. 16)
- Hoselein — Lesung unsicher (Z. 17)
S. 821
Bl. 409rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. zu lohnn gibt, der Wircker nimpt alles geldt furs Saltz ein, Verechnet Jede wochenn den Junckernn, Jedoch emtpfenngt er vonn Jedem stuck ein groschen, thut die woch — 80 groschenn, dauonn lohnet er dem gesinde, gibt einem knecht die wochenn — 11 groschenn, darzu gibt im der Gast vonn Jedem stuck — 2 d.2 dem Jungenn gibt der wircker die wochenn — 8 groschenn, vonn einem gantz herde zu machenn gibt mann — 3 schock, Jedes zu 20 gr. Ein Sohlzieger verdienet vonn einem herde annzuziehenn — j gr. der Grinder verdienet vonn einem werck zu Grindenn, vnnd auszururenn — 2 d. zahlet der wircker, der treger verdienet vonn Jedem stuck — j d. der leder1[?] — 8. gr. vonn — 4 stuckenn, der stopffer vonn Jedem stuck — j d., darzu gibt der gast — 6 d. ein werck furzuziehenn — 2 d. zufullenn zur notturfft, Sonstenn brauchtenn sie ganntz vnnd gar keinenn vortheil zum siedenn, ob sie es schonn thun könnttenn,
Der Vierte Appendix. an Lohn gibt: Der Wirker nimmt alles Geld für das Salz ein und verrechnet es jede Woche mit den Junkern; jedoch empfängt er von jedem Stück einen Groschen, das macht die Woche 80 Groschen. Davon lohnt er dem Gesinde: einem Knecht gibt er die Woche 11 Groschen, dazu gibt ihm der Gast von jedem Stück 2 Pfennig; dem Jungen gibt der Wirker die Woche 8 Groschen.
Für einen ganzen Herd zu machen gibt man 3 Schock, jedes zu 20 Groschen. Ein Solzieher verdient für einen Herd anzuziehen 1 Groschen. Der Grinder verdient für ein Werk zu grinden und auszurühren 2 Pfennig, die der Wirker zahlt. Der Träger verdient von jedem Stück 1 Pfennig, der Lader 8 Groschen von 4 Stücken, der Stopfer von jedem Stück 1 Pfennig; dazu gibt der Gast 6 Pfennig, ein Werk vorzuziehen 2 Pfennig, zum Auffüllen nach Bedarf.
Sonst gebrauchen sie ganz und gar keine Kunstgriffe zum Sieden, obwohl sie es wohl könnten;
Unsichere Lesungen
- leder — leder/lader (Z. 15)
- d. — Pfennigzeichen, so aufgelöst (Z. 8)
S. 822
Bl. 409vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. vnnd wann mann Ihnenn dauonn sagt, habenn sie Irenn spot vnnd hohnn darauff Als ich weitters auf dem bronnenn fragte, ob auch die Sohlenn ab vnnd zunehme, im ab vnnd zunehmenndes Jars, oder in trockenn vnd nassenn wetter, hab ich in gemein zur anntwort bekommenn, das sie es solchs niemahls acht gegebenn, viel weniger gefrobiret gehabt, So sey es auch bey Ihnenn vonn vnnötenn, dieweil sie Jederzeit das Saltz bey Ihnen nach dem stucke, vnnd nicht nach dem mas verkeuffenn, denn ein stuck gelte souiel als das annder, es sey gleich gros oder kleine, Ich hab auch weitters gefragt, ob auch vmb das Saltzwergk halle hero sich hin vnnd wieder etwa Sehe, Erdtfall, Sumpff, vnnd gemohr, gleich wie bey allenn anndernn Saltzwerckenn, ereugtenn, darauff mir der Saltzgreue zur anntwort gebenn, das nichtt weit vonn Hall ein See, der Rebelinger1[?] Sehe genanndt, vorhanndenn sey, vnnd bey demselbigen Sehe wurcke die Sonne Sommerzeit auf der ebene
Der Vierte Appendix. und wenn man ihnen davon sagt, so haben sie ihren Spott und Hohn darüber.
Als ich weiter auf dem Brunnen fragte, ob auch die Sole ab- und zunehme, in ab- und zunehmenden Jahren oder bei trockenem und nassem Wetter, habe ich allgemein zur Antwort bekommen, dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten. So sei es auch bei ihnen unnötig, weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen; denn ein Stück gilt so viel wie das andere, es sei groß oder klein.
Ich habe auch weiter gefragt, ob sich auch um das Salzwerk Halle herum hier und dort etwa Seen, Erdfälle, Sümpfe und Moore zeigten, gleich wie bei allen anderen Salzwerken. Darauf hat mir der Salzgraf zur Antwort gegeben, dass nicht weit von Halle ein See, der Rebelinger See genannt, vorhanden sei; und bei diesem See wirke die Sonne zur Sommerzeit auf der Ebene
Unsichere Lesungen
- Rebelinger — Ortsname, e/o unsicher (Z. 19)
S. 823
Bl. 410rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. weiß Saltz, so stehe das ganntze Saltzwerck auff einem Gemohr, so finde mann nit weit vonn der Stadt, auch tieffe Erdtfell, Innsonderheit einenn die Grietgenns1[?] grubenn genennt, welchs stetigs mit wasser stehet. Als auch Ich in des Saltzgreuenn Hause mit allem vleis annhielt, desgleichenn auch auf dem Bronnenn, in beysein der anndernn Beuelchhaber zu ettlichenn mahlenn wiederholete, vnnd zur besichtigung der Bronnenn in grundt zugelassenn zu werdenn, begerte, Ist mir solchs erstmahls durch den Saltzgreuenn abgeschlagenn wordenn, dann er vor vnnötigk schetzte, dieweil schonn mein gnediger furst vnnd herr Persönlich eingefahren, wie er mich berichttet, das ich nachmals darzu gelassenn wurde, Dieweil es were Res rari exempli Ohnne versamblung des Raths zu Hall, vnnd der furnembstenn Pfenner, nicht durffe geschehenn, vnnd mit hinzu auch dem Saltzwergk, weil mann mit dem Sohl=
Der Vierte Appendix. weißes Salz. So stehe das ganze Salzwerk auf einem Moor; so finde man auch nicht weit von der Stadt tiefe Erdfälle, insbesondere einen, der die Gretchensgrube genannt wird, der ständig unter Wasser steht.
Als ich auch im Haus des Salzgrafen mit allem Fleiß anhielt, desgleichen auch auf dem Brunnen in Beisein der anderen Befehlshaber es etliche Male wiederholte und begehrte, zur Besichtigung der Brunnen in den Grund gelassen zu werden, ist mir dies zunächst durch den Salzgrafen abgeschlagen worden. Denn er hielt es für unnötig, weil schon mein gnädiger Fürst und Herr persönlich eingefahren sei, wie er mir berichtete, dass ich sodann dazu gelassen würde. Weil es eine Sache von seltenem Beispiel sei, dürfe es ohne Versammlung des Rates zu Halle und der vornehmsten Pfänner nicht geschehen; und dazu gereiche es auch dem Salzwerk zum Hindernis, weil man mit dem Sole-
Unsichere Lesungen
- Grietgenns — Eigenname unsicher (Z. 5)
S. 824
Bl. 410vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. schepffenn still haltenn müste, zu hindersall gereichte, als ich aber gleichwohl nit ablassenn wolte, hab ich enndtlich zur anntwort bekommen, das den nechstvolgenndenn donnerstagk, welcher der tagk Marien Magdalenen were, sie vonn alters hero solemiter1[?] herbracht, das sie die Bronnen mit gewalt erschepffenn liessenn, vnnd als dann müste der Saltzgreue die Bronnenn meister, vnnd benebenn Ihnenn des Thals zimmermann, einfahrenn, die Bronnenn allennthalb mit vleis beleuchtenn, vnd besichtigenn, ob die auch etwa manngell oder schadthafft werenn, darzu brauchte der zimmermann sein eigenn mas, vnnd da er manngell befunde, müste er als baldt denselbigenn bussenn vnnd verbessernn, darbey sie es also furters bleibenn liessen, Sie habenn mir auch durch glaß, dadurch die Sonnen geschienenn, den teutschenn Bronn eigenntlich segenn lassenn, also das ich Ihrenn hab quellen sehenn, vnnd weitters mich beanntwort, wo Ich bis vf gedachtes fest daselbst bleibenn wurde, wol=
Der Vierte Appendix. schöpfen stillhalten müsste. Als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte, habe ich endlich zur Antwort bekommen, dass am nächstfolgenden Donnerstag, der der Tag Maria Magdalena wäre, sie es von alters her feierlich hergebracht hätten, dass sie die Brunnen mit Gewalt ausschöpfen ließen; und alsdann müssten der Salzgraf, die Bornmeister und neben ihnen der Zimmermann des Tales einfahren, die Brunnen allenthalben mit Fleiß ausleuchten und besichtigen, ob sie etwa Mangel hätten oder schadhaft wären. Dazu gebrauche der Zimmermann sein eigenes Maß, und wenn er einen Mangel fände, müsse er ihn sogleich büßen und ausbessern; dabei ließen sie es weiterhin bleiben.
Sie haben mir auch durch ein Glas, durch das die Sonne schien, den Deutschen Born genau sehen lassen, so dass ich ihn habe quellen sehen. Und sie haben mir weiter geantwortet, wenn ich bis zu diesem Fest dort bleiben würde, wollten
Unsichere Lesungen
- solemiter — solemniter, m/nn unklar (Z. 7)