Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 821–830
Die Reise von 1568: Halle in Sachsen · S. 821–830 · Bl. 409r–413v · Band 2
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Die Reise von 1568: Halle in Sachsen
S. 794–825 · Bl. 395v–411r · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 821
Bl. 409rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. zu lohnn gibt, der Wircker nimpt alles geldt furs Saltz ein, Verechnet Jede wochenn den Junckernn, Jedoch emtpfenngt er vonn Jedem stuck ein groschen, thut die woch — 80 groschenn, dauonn lohnet er dem gesinde, gibt einem knecht die wochenn — 11 groschenn, darzu gibt im der Gast vonn Jedem stuck — 2 d.2 dem Jungenn gibt der wircker die wochenn — 8 groschenn, vonn einem gantz herde zu machenn gibt mann — 3 schock, Jedes zu 20 gr. Ein Sohlzieger verdienet vonn einem herde annzuziehenn — j gr. der Grinder verdienet vonn einem werck zu Grindenn, vnnd auszururenn — 2 d. zahlet der wircker, der treger verdienet vonn Jedem stuck — j d. der leder1[?] — 8. gr. vonn — 4 stuckenn, der stopffer vonn Jedem stuck — j d., darzu gibt der gast — 6 d. ein werck furzuziehenn — 2 d. zufullenn zur notturfft, Sonstenn brauchtenn sie ganntz vnnd gar keinenn vortheil zum siedenn, ob sie es schonn thun könnttenn,
Der Vierte Appendix. an Lohn gibt: Der Wirker nimmt alles Geld für das Salz ein und verrechnet es jede Woche mit den Junkern; jedoch empfängt er von jedem Stück einen Groschen, das macht die Woche 80 Groschen. Davon lohnt er dem Gesinde: einem Knecht gibt er die Woche 11 Groschen, dazu gibt ihm der Gast von jedem Stück 2 Pfennig; dem Jungen gibt der Wirker die Woche 8 Groschen.
Für einen ganzen Herd zu machen gibt man 3 Schock, jedes zu 20 Groschen. Ein Solzieher verdient für einen Herd anzuziehen 1 Groschen. Der Grinder verdient für ein Werk zu grinden und auszurühren 2 Pfennig, die der Wirker zahlt. Der Träger verdient von jedem Stück 1 Pfennig, der Lader 8 Groschen von 4 Stücken, der Stopfer von jedem Stück 1 Pfennig; dazu gibt der Gast 6 Pfennig, ein Werk vorzuziehen 2 Pfennig, zum Auffüllen nach Bedarf.
Sonst gebrauchen sie ganz und gar keine Kunstgriffe zum Sieden, obwohl sie es wohl könnten;
Unsichere Lesungen
- leder — leder/lader (Z. 15)
- d. — Pfennigzeichen, so aufgelöst (Z. 8)
S. 822
Bl. 409vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. vnnd wann mann Ihnenn dauonn sagt, habenn sie Irenn spot vnnd hohnn darauff Als ich weitters auf dem bronnenn fragte, ob auch die Sohlenn ab vnnd zunehme, im ab vnnd zunehmenndes Jars, oder in trockenn vnd nassenn wetter, hab ich in gemein zur anntwort bekommenn, das sie es solchs niemahls acht gegebenn, viel weniger gefrobiret gehabt, So sey es auch bey Ihnenn vonn vnnötenn, dieweil sie Jederzeit das Saltz bey Ihnen nach dem stucke, vnnd nicht nach dem mas verkeuffenn, denn ein stuck gelte souiel als das annder, es sey gleich gros oder kleine, Ich hab auch weitters gefragt, ob auch vmb das Saltzwergk halle hero sich hin vnnd wieder etwa Sehe, Erdtfall, Sumpff, vnnd gemohr, gleich wie bey allenn anndernn Saltzwerckenn, ereugtenn, darauff mir der Saltzgreue zur anntwort gebenn, das nichtt weit vonn Hall ein See, der Rebelinger1[?] Sehe genanndt, vorhanndenn sey, vnnd bey demselbigen Sehe wurcke die Sonne Sommerzeit auf der ebene
Der Vierte Appendix. und wenn man ihnen davon sagt, so haben sie ihren Spott und Hohn darüber.
Als ich weiter auf dem Brunnen fragte, ob auch die Sole ab- und zunehme, in ab- und zunehmenden Jahren oder bei trockenem und nassem Wetter, habe ich allgemein zur Antwort bekommen, dass sie darauf niemals achtgegeben, viel weniger geprobt hätten. So sei es auch bei ihnen unnötig, weil sie das Salz jederzeit bei sich nach dem Stück und nicht nach dem Maß verkaufen; denn ein Stück gilt so viel wie das andere, es sei groß oder klein.
Ich habe auch weiter gefragt, ob sich auch um das Salzwerk Halle herum hier und dort etwa Seen, Erdfälle, Sümpfe und Moore zeigten, gleich wie bei allen anderen Salzwerken. Darauf hat mir der Salzgraf zur Antwort gegeben, dass nicht weit von Halle ein See, der Rebelinger See genannt, vorhanden sei; und bei diesem See wirke die Sonne zur Sommerzeit auf der Ebene
Unsichere Lesungen
- Rebelinger — Ortsname, e/o unsicher (Z. 19)
S. 823
Bl. 410rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. weiß Saltz, so stehe das ganntze Saltzwerck auff einem Gemohr, so finde mann nit weit vonn der Stadt, auch tieffe Erdtfell, Innsonderheit einenn die Grietgenns1[?] grubenn genennt, welchs stetigs mit wasser stehet. Als auch Ich in des Saltzgreuenn Hause mit allem vleis annhielt, desgleichenn auch auf dem Bronnenn, in beysein der anndernn Beuelchhaber zu ettlichenn mahlenn wiederholete, vnnd zur besichtigung der Bronnenn in grundt zugelassenn zu werdenn, begerte, Ist mir solchs erstmahls durch den Saltzgreuenn abgeschlagenn wordenn, dann er vor vnnötigk schetzte, dieweil schonn mein gnediger furst vnnd herr Persönlich eingefahren, wie er mich berichttet, das ich nachmals darzu gelassenn wurde, Dieweil es were Res rari exempli Ohnne versamblung des Raths zu Hall, vnnd der furnembstenn Pfenner, nicht durffe geschehenn, vnnd mit hinzu auch dem Saltzwergk, weil mann mit dem Sohl=
Der Vierte Appendix. weißes Salz. So stehe das ganze Salzwerk auf einem Moor; so finde man auch nicht weit von der Stadt tiefe Erdfälle, insbesondere einen, der die Gretchensgrube genannt wird, der ständig unter Wasser steht.
Als ich auch im Haus des Salzgrafen mit allem Fleiß anhielt, desgleichen auch auf dem Brunnen in Beisein der anderen Befehlshaber es etliche Male wiederholte und begehrte, zur Besichtigung der Brunnen in den Grund gelassen zu werden, ist mir dies zunächst durch den Salzgrafen abgeschlagen worden. Denn er hielt es für unnötig, weil schon mein gnädiger Fürst und Herr persönlich eingefahren sei, wie er mir berichtete, dass ich sodann dazu gelassen würde. Weil es eine Sache von seltenem Beispiel sei, dürfe es ohne Versammlung des Rates zu Halle und der vornehmsten Pfänner nicht geschehen; und dazu gereiche es auch dem Salzwerk zum Hindernis, weil man mit dem Sole-
Unsichere Lesungen
- Grietgenns — Eigenname unsicher (Z. 5)
S. 824
Bl. 410vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. schepffenn still haltenn müste, zu hindersall gereichte, als ich aber gleichwohl nit ablassenn wolte, hab ich enndtlich zur anntwort bekommen, das den nechstvolgenndenn donnerstagk, welcher der tagk Marien Magdalenen were, sie vonn alters hero solemiter1[?] herbracht, das sie die Bronnen mit gewalt erschepffenn liessenn, vnnd als dann müste der Saltzgreue die Bronnenn meister, vnnd benebenn Ihnenn des Thals zimmermann, einfahrenn, die Bronnenn allennthalb mit vleis beleuchtenn, vnd besichtigenn, ob die auch etwa manngell oder schadthafft werenn, darzu brauchte der zimmermann sein eigenn mas, vnnd da er manngell befunde, müste er als baldt denselbigenn bussenn vnnd verbessernn, darbey sie es also furters bleibenn liessen, Sie habenn mir auch durch glaß, dadurch die Sonnen geschienenn, den teutschenn Bronn eigenntlich segenn lassenn, also das ich Ihrenn hab quellen sehenn, vnnd weitters mich beanntwort, wo Ich bis vf gedachtes fest daselbst bleibenn wurde, wol=
Der Vierte Appendix. schöpfen stillhalten müsste. Als ich aber gleichwohl nicht ablassen wollte, habe ich endlich zur Antwort bekommen, dass am nächstfolgenden Donnerstag, der der Tag Maria Magdalena wäre, sie es von alters her feierlich hergebracht hätten, dass sie die Brunnen mit Gewalt ausschöpfen ließen; und alsdann müssten der Salzgraf, die Bornmeister und neben ihnen der Zimmermann des Tales einfahren, die Brunnen allenthalben mit Fleiß ausleuchten und besichtigen, ob sie etwa Mangel hätten oder schadhaft wären. Dazu gebrauche der Zimmermann sein eigenes Maß, und wenn er einen Mangel fände, müsse er ihn sogleich büßen und ausbessern; dabei ließen sie es weiterhin bleiben.
Sie haben mir auch durch ein Glas, durch das die Sonne schien, den Deutschen Born genau sehen lassen, so dass ich ihn habe quellen sehen. Und sie haben mir weiter geantwortet, wenn ich bis zu diesem Fest dort bleiben würde, wollten
Unsichere Lesungen
- solemiter — solemniter, m/nn unklar (Z. 7)
S. 825
Bl. 411rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Halle in SachsenFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. tenn sie mich vnweigerlich mit den Saltzgreuen einfahrenn lassenn, Welches aber meine gelegenheit nicht war, hab ich Ihnenn desmahls gedannckt, vnnd es hierbey bleibenn lassenn, vnnd weitters nicht viel gesprech mehr gepflogenn, Sonnst that auch der Saltzgreue fur sein Personn schlißen wollenn, vnnd kam1[?] ich im darin gentzlich nit abgefallenn, das gemeinlich alle Sohlenn so im grunde der Bronnenn gefundenn werdenn, Saltzreich seyenn, das mann sie obenn aber nicht Saltzreich am geschmack finde, sey allein der tieffe schuldt, dieweil die Sohle zu grundt weiche, vnd das wilde wasser obenn auffschwimmet, Diese frage will ich baldt bey aschersleben aufflösenn, Souiel vom Saltzwerck Hall in Sachßen, was noch manngelt, wirdt sich in der Ordenung wohl findenn.
Der Vierte Appendix. sie mich unweigerlich mit dem Salzgrafen einfahren lassen. Weil das aber meiner Lage nicht entsprach, habe ich ihnen diesmal gedankt und es dabei bewenden lassen und weiter nicht mehr viel Gespräch gepflogen.
Sonst wollte der Salzgraf für seine Person schließen — und ich konnte ihn darin nicht gänzlich widerlegen —, dass gemeinhin alle Sole, die im Grund der Brunnen gefunden wird, salzreich sei; dass man sie oben aber nicht salzreich am Geschmack findet, sei allein der Tiefe zuzuschreiben, weil die Sole zu Grunde weicht und das wilde Wasser obenauf schwimmt. Diese Frage will ich bald bei Aschersleben auflösen.
So viel vom Salzwerk Halle in Sachsen; was noch fehlt, wird sich in der Ordnung wohl finden.
Unsichere Lesungen
- kam — kam/kann/bin (Z. 8)
Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza
S. 826–846 · Bl. 411v–421v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 826
Bl. 411vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. Aescherslebenn1[?] Zu Aescherslebenn annkommenn, vnnd als baldt die gelegennheit des Saltzwercks besehenn, dieweil auch der Bronnenn da er gefast, weit vber der Stadt ist, hab ich den erstenn tagk nit darbey gethann könnenn, habe aber nicht desto minder mich bey beidenn Saltzgreuenn, so alle beidt mit dem zunahmen Muller genennt, des orts, derenn einer damals Burgermeister war, durch meinenn diener annzeigenn lassenn, vnnd begeret, das ich volgennts morgenns frue gehöret werdenn möchte, Volgennts morgenns habenn beide Saltzgreuenn mich zu sich erfordert, vnnd benebenn Irenn anndernn gewerkenn, vnnd dem Stadtvogt, mein werbung anngehort, die Credenz angenommenn, vnd benebenn erbietung Ires geneigtenn willenns, gegenn meinem gl. f. vnnd herrnn, nachuolgenndenn bericht einhelliglich gethann.
Der Vierte Appendix. Aschersleben. Zu Aschersleben eingetroffen und sogleich die Beschaffenheit des Salzwerks besehen. Weil aber der Brunnen dort, wo er gefasst ist, weit außerhalb der Stadt liegt, habe ich am ersten Tag nichts dabei tun können. Nichtsdestoweniger habe ich mich bei beiden Salzgrafen — die beide mit dem Zunamen Müller genannt werden, deren einer damals Bürgermeister war — durch meinen Diener anzeigen lassen und begehrt, dass ich am folgenden Morgen früh gehört werden möchte.
Am folgenden Morgen haben mich beide Salzgrafen zu sich gefordert und neben ihren anderen Gewerken und dem Stadtvogt mein Anliegen angehört, das Beglaubigungsschreiben angenommen und neben der Erbietung ihres geneigten Willens gegenüber meinem gnädigen Fürsten und Herrn einhellig folgenden Bericht getan.
Unsichere Lesungen
- Aescherslebenn — Ae-Ligatur, Zwischenüberschrift (Z. 2)
S. 827
Bl. 412rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. Die erste annkunfft des Saltzwergks wissenn sie nicht weitters, denn das vor Hundert Jarenn, sagt der Burgermeister, sey erstmals die Sohle, enntplosset, aber nichts geschafft wordenn, Darnach vor viertzigk acht Jarenn hat mann wiederumb anngefanngenn, vnnd mit einer wasser kunst, das wilde wasser abgehabenn, vnnd die Sohlenn so doch gering gewesenn, besonnders geschepfft vnnd versottenn, Enndtlich aber for zwanntzigk Jarenn, habe mann zubauenn mit aller gewalt anngefanngenn, wie solchs der augennschein außweiset, vnnd sey damahls Jörge Behm2 Ir Baumeister gewesenn, der sie in manchfaltigenn schadenn gefuhrt, vnnd Je lennger dieser zu seinerkenn1[?] anngehaltenn, vnnd durch ein gleichnus sie darzu vberredet, vom wein vnnd wasser, Bey diesem habenn sie einenn Stollenn vnnd grabenn, einer virteil meyl wegs lanng, mit grossem kostenn erbauet, darnach habenn sie einenn kunstmeister
Der Vierte Appendix. Über die erste Entstehung des Salzwerks wissen sie nicht mehr, als dass vor hundert Jahren, sagt der Bürgermeister, erstmals die Sole entblößt, aber nichts geschafft worden sei. Danach hat man vor achtundvierzig Jahren wiederum angefangen und mit einer Wasserkunst das wilde Wasser gehoben und die Sole, die doch gering war, gesondert geschöpft und versotten.
Endlich aber, vor zwanzig Jahren, habe man mit aller Gewalt zu bauen angefangen, wie das der Augenschein ausweist; und damals sei Jörg Behm ihr Baumeister gewesen, der sie in mannigfaltigen Schaden geführt und sie je länger, desto mehr dazu angehalten und durch ein Gleichnis von Wein und Wasser dazu überredet hat.
Unter diesem haben sie einen Stollen und Graben, eine Viertelmeile Wegs lang, mit großen Kosten erbaut. Danach haben sie einen Kunstmeister
Unsichere Lesungen
- seinerkenn — Wort unklar (Z. 16)
- Behm — Personenname, e/ö (Z. 14)
S. 828
Bl. 412vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. vonn Lüneburgk1[?], George Rose2[?] genanndt, bekommenn, welcher den vorigenn grabenn wieder eingerissenn, neue kunste wieder umb vfgerichttet, anndere kothe gebauet, vnnd sey doch nichts daraus wordenn, Darnach habenn sie kunstler vonn Nurmbergk, vom Mansfeldt, aus Meissenn, Duringenn vnnd allennthalbenn hero gehabt, welche Je einer es besser denn der annder hat machenn wollenn, bis enndtlich ein Confusium Chaos daraus ist wordenn, denn ob schonn mit grossem kosten, sie ein Bronnenn fassunge die noch fur augenn anngestelt, sey doch dieselbige vonn vngeschicklichkeit wegenn der furlegung vonn sich selbst hoher dann drey ehlenn zu Berge gestiegenn, deshalbenn sie aus der not eintugennt habenn müssenn machenn, vnnd ein Rörenn durch das wilde wasser zu grunde des Bronnenn einsennckenn, dadurch sie Itziger zeit die Sohlenn aufziehenn, Als sie aber in Itztgedachtem bauenn gewesenn vnd
Der Vierte Appendix. von Lüneburg, Georg Rose genannt, bekommen, der den vorigen Graben wieder eingerissen, neue Künste wiederum errichtet und andere Kothen gebaut hat — und es ist doch nichts daraus geworden. Danach haben sie Künstler von Nürnberg, aus Mansfeld, aus Meißen, Thüringen und allenthalben her gehabt, von denen jeder es besser machen wollte als der andere, bis endlich ein verwirrtes Chaos daraus geworden ist.
Denn obwohl sie mit großen Kosten eine Brunnenfassung eingerichtet haben, die noch vor Augen steht, so ist diese doch wegen der Ungeschicklichkeit der Vorlage von selbst um mehr als drei Ellen zu Berge gestiegen. Deshalb haben sie aus der Not eine Tugend machen und eine Röhre durch das wilde Wasser bis zum Grund des Brunnens einsenken müssen, durch die sie jetzt die Sole aufziehen.
Als sie aber in diesem Bauen begriffen waren und
Unsichere Lesungen
- Lüneburgk — Ortsname, Vokal unsicher (Z. 2)
- Rose — Personenname (Z. 2)
S. 829
Bl. 413rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. darmit vmbganngenn, habenn sie viel vnnd mancherley Bronnenn fassunge, kunste, vnnd dergleichenn furgenommenn, Ins werck gesetzt, ann vnnd abgeschafft, also das Ihnenn Inner zwanntzigk Jarenn vber — 40000 guldenn darauff ganngk seindt, Sie habenn gehabt Roßkunste, wasserkunste, welche die Wipper getriebenn, darann sie schleuche pomppenn, Schepff vnnd Hentzennkunst, allerley anngestelt, vnnd vf ein zeit beyeinannder — 60 kunstpferde gehabt, derenn Je in einer Schicht — 6 gelauffenn, Ist aber alles vergebens gewesenn, am aller vnschedtlichstenn aber vnnter allenn kunstenn, achtenn sie aus gewisser erfahrunge, seyenn die pompenn kunste, welche nicht viel erschütterung machenn, Die Itzige Bronnennfassunge so noch stehet, vnnd wie obenn gedacht, vonn sich selbst zu berge gestiegenn, ist — 32 ehlenn tieff, mit Tennenn holtz aufgefuret, gleich wie die Bronnenn zu Hall in Sachßenn.
Der Vierte Appendix. damit umgingen, haben sie viele und mancherlei Brunnenfassungen, Künste und dergleichen vorgenommen, ins Werk gesetzt, an- und abgeschafft, so dass ihnen innerhalb von zwanzig Jahren über 40 000 Gulden darauf gegangen sind.
Sie haben Rosskünste gehabt und Wasserkünste, die die Wipper trieb; daran haben sie Schlauch-, Pumpen-, Schöpf- und Heinzenkünste, allerlei eingerichtet und zu einer Zeit 60 Kunstpferde beieinander gehabt, von denen je in einer Schicht 6 liefen. Es ist aber alles vergebens gewesen. Am allerunschädlichsten aber unter allen Künsten halten sie aus gewisser Erfahrung die Pumpenkünste, die nicht viel Erschütterung machen.
Die jetzige Brunnenfassung, die noch steht und, wie oben gesagt, von selbst zu Berge gestiegen ist, ist 32 Ellen tief, mit Tannenholz aufgeführt, gleich wie die Brunnen zu Halle in Sachsen.
S. 830
Bl. 413vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix.
Der Vierdt Appendix. Die Pfenner aber so hierann gebauenn habenn die ganntze gewerckschafft ist in — 32 theil getheilet, derenn sie erstlich — 2. den armenn aus gemeinem Beuttell zu gutenn gebauenn, die andernn — 30. werdenn — 6. durch die Stifftherrn zu Halberstadt — 6. vonn gemeiner Stadt daselbst, — 6. vonn wegenn Marx müllers, so der diesenn Bau bis dahero mit grossem vleis getriebenn, vnnd nunmehr ein verlebter mann ist, vnnd — 12. vonn den Gemeinenn Pfennernn verlegt, gehet Ihnenn allenn pro rata zu gewinst vnnd verlust, vnnd tragenns zu Erblehenn vom Bischoff zu Halberstadt. Sie habenn auch ein ganntz vierteil meyl wegs lang die Sohlenn durch Steinene Rörenn zur Stadt gefurt, in ein Closter, welchs sie vom Bischoff zu Halberstadt vmb ein liederlichs zu kauffe bekommen habenn, darinnenn sie Neun kothe vfgerichtet habenn, Inn derenn dreyenn man Itzunder seudet.
Der Vierte Appendix. Die Pfänner aber, die hieran gebaut haben — die ganze Gewerkschaft ist in 32 Teile geteilt, von denen sie zuerst 2 aus dem gemeinen Beutel den Armen zugute gebaut haben; von den anderen 30 werden 6 durch die Stiftsherren zu Halberstadt, 6 von der gemeinen Stadt daselbst, 6 von wegen Marx Müllers, der diesen Bau bis dahin mit großem Fleiß getrieben hat und nunmehr ein betagter Mann ist, und 12 von den gemeinen Pfännern getragen. Es geht ihnen allen anteilig zu Gewinn und Verlust, und sie tragen es zu Erblehen vom Bischof zu Halberstadt.
Sie haben auch eine ganze Viertelmeile Wegs lang die Sole durch steinerne Röhren zur Stadt geführt, in ein Kloster, das sie vom Bischof zu Halberstadt für ein Geringes zu kaufen bekommen haben; darin haben sie neun Kothen errichtet, in deren dreien man jetzt siedet.