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Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix

Der vierte Appendix · S. 831–840

Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza · S. 831–840 · Bl. 414r–418v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza

S. 826–846 · Bl. 411v–421v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix

S. 831

Bl. 414rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

Ehe aber vnnd zuuor die Sohlenn Jn der Rörenn kömpt. wirdt sie — 32 ehlenn hoch vber erdenn mitt einer gewechseltenn1[?] pomppenn kunst, ann einem wasser radt, nach anngebenn des agricola gehabenn, hat ein Meißner anngestelt, also das die Sohlenn aus der dieffe, bis in die höhe zum fasse, daraus sie Jnn die Rörenn felt — 57 ehlenn hoch aufgezogenn wurdet. Vnnd habenn mich der Stadtvogt vnnd ein Saltzgreue, welche mit mir zum Bronnenn gefahrenn, auf mein frage berichttet, das wann sie — 28. zuber Sohlenn auß dem Bronn richtenn, Jnn die Rörenn abgiessenn, vnnd weitters durstadt2[?] ein virteil wegs |: wie obenn gedacht :| fliessenn lassenn. so finde sich der abgang, das nur — 18. im Saltzwergk annkommenn, habenn wir augennscheinlich auch gezeigt, wie die Sohlenn allennthalben, im felde, durch Jre heimliche durchtringung, als lanng die Rörenn sein, vnnd mit obenn im wechssell3[?] vf den erbenn vnnd wiesenn verursache, das nichts

Ehe aber die Sole in die Röhre kommt, wird sie 32 Ellen hoch über die Erde mit einer Wechselpumpenkunst an einem Wasserrad nach der Angabe des Agricola gehoben; das hat ein Meißner eingerichtet, so dass die Sole aus der Tiefe bis in die Höhe zum Fass, aus dem sie in die Röhre fällt, 57 Ellen hoch aufgezogen wird.

Und der Stadtvogt und ein Salzgraf, die mit mir zum Brunnen gefahren sind, haben mir auf meine Frage berichtet: wenn sie 28 Zuber Sole aus dem Brunnen holen, in die Röhre abgießen und sie weiter durch die Stadt eine Viertelmeile weit — wie oben gesagt — fließen lassen, so findet sich der Abgang, dass nur 18 im Salzwerk ankommen. Sie haben mir auch augenscheinlich gezeigt, wie die Sole allenthalben im Feld durch ihr heimliches Durchdringen, so lang die Röhren sind, und mit ihrem Überlaufen auf den Äckern und Wiesen verursacht, dass nichts

Unsichere Lesungen

  1. gewechseltenn — Wort undeutlich (Z. 3)
  2. durstadt — Lesung unsicher (Z. 13)
  3. wechssell — Lesung unsicher (Z. 19)

S. 832

Bl. 414vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

daraufft wechst, als breit die Rörenn seindt, da sie doch zimbliche tieff, Nemblich bis in die drey schue, vnnder erdenn gesenncket seindt, vnnd als sie insonnderheit begerttenn, das ich Jhnenn meinenn rath eröffnenn wolte, was sie doch für ertz |: dieweil sie schonn Erdene vnnd Holtzerne Rörenn versucht gehabt :| wohl brauchenn möchtenn, das sie einenn solchenn grossenn abganngk, nicht erfahrenn durfftenn, hab ich Jhnenn zu Bley gerathenn, welches sie Jhnenn gefallenn habenn lassenn, zweiuelt auch nicht darann, wo obgedachter alter mann Marcus Muller lennger lebenn wurde, Er werde vnderstehenn solches Jnns wergk zubringenn. Volgennts hab ich die Sohlenn probirt, vnnd wie volgt befundenn, Helt die quart Sohle — 96. lot. vnnd ann Saltz beim Bronnenn — 7 lot 3½ q.1 die letzte aus dem Bode helt — 6½ lot ½ q.2 Mit dem siedenn aber vnnd anndernn darzu gehörigen sachenn, wirdts wie hiernechst gehaltenn.

darauf wächst, so breit die Röhren sind — obwohl sie doch ziemlich tief, nämlich bis zu drei Schuh, unter die Erde gesenkt sind.

Und als sie insbesondere begehrten, dass ich ihnen meinen Rat eröffne, was für ein Material sie wohl gebrauchen könnten — da sie schon irdene und hölzerne Röhren versucht hatten —, damit sie einen solch großen Abgang nicht erfahren müssten, habe ich ihnen zu Blei geraten; das haben sie sich gefallen lassen. Und ich zweifle nicht daran: wenn der genannte alte Mann Marcus Müller länger leben würde, er würde es unternehmen, dies ins Werk zu bringen.

Sodann habe ich die Sole geprobt und wie folgt befunden: Das Quart Sole hält 96 Lot und an Salz beim Brunnen 7 Lot 3½ Quentchen; die letzte aus dem Bothe hält 6½ Lot ½ Quentchen.

Mit dem Sieden aber und den anderen dazugehörigen Sachen wird es gehalten wie hiernach.

Unsichere Lesungen

  1. q. — Kürzel, wohl Quintlein (Z. 17)
  2. q. — Kürzel, wohl Quintlein (Z. 18)

S. 833

Bl. 415rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

Der Herdt ist mit schloter gemacht — 12 schue weit einwenndigk vnnter der Pfannenn, auf beidenn seitten, mit schlotter ausgefult, also das die Pfannenn ein Ehlennbogenn hoch vber dem Herde stehet, mittenn durch gehet ein Grabenn, darfür ist das Pfannloch, da das feuer hin ein geworffenn wirdt, Jst eines schuchs weit, liegenn auf dem Herde vier grosse eysenn vberlegt, darauf das Holtz vnnd feuerwergk geworffenn wirdt, Die Pfann so darauf gesetzt, seindt Breit — 7 schuch vnnd — 9½ schue lanng minus 1 zoll, 8. zoll tieff, wirdt vf Hornnstein1[?] dreyer finger hoch ob den Herdt gesetzt, dahindenn noch ein klein Pfennlein stehet. — 6½ schue lanng, vnnd — 3½ schuch breit, die tieffe ein schuch minus 1 zoll, wirdt aus dem Herde der fordernn Pfannenn, durch ein darunter gehenndt gewelbe, bis zur Saltzstubenn gehitzt, daselbst ist ein Schornnstein, durch welchenn der Rauch aufzüchet, vnnd stehet ein Rörstock vnebenn2[?] der pfannenn, Hat einen Hanen

Der Herd ist mit Schlotter gemacht, 12 Schuh weit; inwendig unter der Pfanne ist er auf beiden Seiten mit Schlotter ausgefüllt, so dass die Pfanne eine Ellenbogenlänge hoch über dem Herd steht. Mitten hindurch geht ein Graben; davor ist das Pfannenloch, wo das Feuer hineingeworfen wird, einen Schuh weit. Auf dem Herd liegen vier große Eisen übergelegt, auf die das Holz und Feuerwerk geworfen wird.

Die Pfanne, die darauf gesetzt wird, ist 7 Schuh breit und 9½ Schuh weniger 1 Zoll lang, 8 Zoll tief; sie wird drei Finger hoch auf Hornsteinen über dem Herd gesetzt. Dahinter steht noch ein kleines Pfännlein, 6½ Schuh lang und 3½ Schuh breit, die Tiefe einen Schuh weniger 1 Zoll; es wird vom Herd der vorderen Pfanne durch ein darunter gehendes Gewölbe bis zur Salzstube beheizt. Dort ist ein Schornstein, durch den der Rauch abzieht; und es steht ein Röhrenstock neben der Pfanne, der einen Hahn hat,

Unsichere Lesungen

  1. Hornnstein — Lesung unsicher (Z. 12)
  2. vnebenn — Lesung unsicher (Z. 20)

S. 834

Bl. 415vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

welchenn mann aufdrehet, so mann einlassenn will. So lest mann auch dreymahl ein Jedes wercke, vnd so erst mann einlest, lest mann das kleine Pfennlein Jnn die grosse, vnnd lest sie auch allemahl aus dem stock wiederumb voll lauffenn, Sonnst hat die Heupt pfann auf Jeder seittenn der seittewenndt ein gesenckte staffelnn stehenn, auf welchenn die pfannbeume ruhenn, vber welche Pfannennbeume oder behrstebe1, noch anndere kleine beumlein liegenn, ann welchenn die Pfannen in zwelff harbenn2 henncket, damit dieselbige im strecke erhaltenn, vnnd nicht beuchig werde, vnd keret mann dieses orts grossenn fleis darauf, das wochenntlich die Pfannenn abgezogenn, gefegett, vnnd vonn neuenn bestrichenn werde, welches der Saltzknecht, welcher zugleich auch ein Pfannschmidt daselbst ist, für sehr zutreglich achttet, wiewohl Jch Jme nit kann beyfallenn. Jnn der zubereitunge zum siedenn braucht mann

den man aufdreht, wenn man einlassen will. So lässt man auch jedes Werk dreimal ein; und wenn man zuerst einlässt, lässt man das kleine Pfännlein in die große laufen und lässt sie auch jedesmal aus dem Stock wieder voll laufen.

Sonst hat die Hauptpfanne auf jeder Seite der Seitenwand eine eingesenkte Stufe stehen, auf der die Pfannenbäume ruhen. Über diesen Pfannenbäumen oder Bärstäben liegen noch andere kleine Bäumlein, an denen die Pfanne in zwölf Haken hängt, damit sie gestreckt gehalten wird und sich nicht wölbt.

Und man wendet an diesem Ort großen Fleiß darauf, dass die Pfanne wöchentlich abgezogen, gefegt und von neuem bestrichen wird, was der Salzknecht — der dort zugleich auch Pfannenschmied ist — für sehr zuträglich hält, wiewohl ich ihm nicht beipflichten kann.

Bei der Zubereitung zum Sieden gebraucht man

Unsichere Lesungen

  1. behrstebe — Lesung unsicher (Z. 9)
  2. harbenn — Lesung unsicher (Z. 11)

S. 835

Bl. 416rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

dis orts auch beiste1, welchs aus dem Herde vnnd gesöde wirdt genommenn, vnnd zuuor klein zerschlagenn, Jnns Sohlfas vf ein Herdt geschüttet, vnnd zerlassenn wirdet, dauonn haltenn sie viel. Jm siedenn aber setzet mann drey fegeseblein ein, darin der schaum, sanndt vnnd vnreinigkeit gesamlet, vnnd ausgehabenn wirdt, Mann seudet vier stunde, vnnd wanns zu Saltz gehet, schwennckett mann Bier ein, lessets darauff ein stunde sochenn, vnnd wann mann ausbringenn, vnnd Saltz machen will, So legt zuuor der Saltzknecht, ein Brett voller löcher vber die Pfannenn, Vff die Behrstebe, setzt darauf als baldt ein Büttenn, zeuhet das Saltz zusammenn, schlegets auf, bis das er ein Büttenn voll, vnnd also ein stucke verfertiget hatt, auff der einenn seyttenn, also fehret er fort auff der annder seittenn, vnnd wechsselt eine seittenn vmb die anndernn, bis das er vier stucke ausbrachtt, welcher fürters Jedes — 8. gl2[?] giltt, vnnd bey nahe vnser gewichttenn metzenn — 6. heltet,

an diesem Ort auch Beiße, die aus dem Herd und Gesöde genommen, zuvor klein zerschlagen, ins Solfass auf einen Herd geschüttet und zerlassen wird; davon halten sie viel.

Beim Sieden aber setzt man drei Fegfässlein ein, in denen der Schaum, Sand und die Unreinigkeit gesammelt und herausgehoben werden. Man siedet vier Stunden, und wenn es zu Salz geht, schwenkt man Bier ein und lässt es darauf eine Stunde setzen. Und wenn man ausbringen und Salz machen will, so legt zuvor der Salzknecht ein Brett voller Löcher über die Pfanne auf die Bärstäbe, setzt sogleich eine Bütte darauf, zieht das Salz zusammen und schlägt es auf, bis er eine Bütte voll und also ein Stück auf der einen Seite fertiggestellt hat. So fährt er auf der anderen Seite fort und wechselt eine Seite um die andere, bis er vier Stücke ausgebracht hat, von denen sodann jedes 8 Groschen gilt und beinahe 6 unserer geeichten Metzen hält.

Unsichere Lesungen

  1. beiste — Lesung unsicher (Z. 1)
  2. gl — Münzkürzel undeutlich (Z. 19)

S. 836

Bl. 416vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

Souiel vonn diesem Saltzwergk. Wie wohl ich in willenns war, alle Saltzwergk nach der lennge, wie dann die nottürfft solchs erfordert, zubeschreibenn, doch dieweil ich vnter der handt war genommenn, das das werck zu grob gewachssenn, Hab ich für gut anngesehenn, hinfüro allein die fürnembstenn Heuptstucke eines Jedenn Saltzwercks zubeschreibenn, vnnd es darbey wenndenn zulassen, Stasfurth. Vonn Ascherslebenn auff Stasfurdt gezogenn, vnnd vnnter wegenn im felde allennthalbenn schwartze Erde, vnnd darauff Saltz von der Sonnenn gewircket, dermassenn befundenn, das das feldt ganntz vmb vnnd vmb weis geschienenn, Vnnd als Jch hinein kommenn, mich vonn stundt an den beidenn Saltzgreuenn |: warenn zweenn vom Adell, darunter ein Brösigke1 :| annzeigen lassen, welche zu mir selbst in die Herberge kommenn.

So viel von diesem Salzwerk. Wiewohl ich willens war, alle Salzwerke der Länge nach zu beschreiben, wie es die Notdurft erfordert, so habe ich doch, weil ich unter der Hand bemerkte, dass das Werk zu umfangreich wuchs, es für gut befunden, künftig allein die vornehmsten Hauptstücke eines jeden Salzwerks zu beschreiben und es dabei bewenden zu lassen.

Staßfurt. Von Aschersleben nach Staßfurt gezogen und unterwegs im Feld allenthalben schwarze Erde und darauf Salz, von der Sonne gewirkt, dermaßen befunden, dass das Feld ringsherum ganz weiß schien.

Und als ich hineinkam, habe ich mich sogleich den beiden Salzgrafen anzeigen lassen — es waren zwei vom Adel, darunter ein Brösigke —, die selbst zu mir in die Herberge gekommen sind.

Unsichere Lesungen

  1. Brösigke — Familienname, Lesung wahrscheinlich (Z. 17)

S. 837

Bl. 417rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

mein Credenntz vnnd werbunge, mit geburlicher Reuerenntz, vnnd höchster leutseligkeit, anngenommen, vnnd sich aller vnnderthenigenn gutwilligkeitt, Jegenn meinem gnedigenn fürstenn vnnd herrn, vnnd mich erbottenn. Als ich nun auf Jre zulassunge allennthalbenn das Saltzwergk besichtiget, vnnd mich allerley erkundiget, Hab ich befundenn, Erstlich das dieses Saltzwercks annkunfft, wie dann auch dessenn zu Großen Saltza, vber — 600 Jar sich erstreckt, welchs sie mit brieffenn zubescheinenn sich erbottenn, Denn damahls sagenn sie habe ein Graue vonn Harkekenn2[?] aus Hall, Erstlich den Harkebrunnen, also dieses orts genennet, erbauet, vnnd denselbigen damahls dermassenn verteffelt3[?], vertammet, verdarrest, vnnd verwaret, das mann nicht in Registernn geschriebenn finde, das seidt hero Jemahls darann gebauet sey wordenn, ist tieff — 34. klaffter, der grundt aber ist, wie sie mich berichtet grauer Gips,

Sie haben mein Beglaubigungsschreiben und meine Werbung mit gebührender Ehrerbietung und höchster Leutseligkeit angenommen und sich aller untertänigen Gutwilligkeit gegenüber meinem gnädigen Fürsten und Herrn und mir erboten.

Als ich nun mit ihrer Zulassung das Salzwerk allenthalben besichtigt und mich über allerlei erkundigt hatte, habe ich befunden: Erstens, dass die Entstehung dieses Salzwerks, wie auch die des zu Groß Salza, sich über 600 Jahre zurück erstreckt, was sie mit Briefen zu belegen sich erboten haben. Denn damals, sagen sie, habe ein Graf von Hackeborn aus Halle zuerst den Hackeborn — so an diesem Ort genannt — erbaut und ihn damals dermaßen vertäfelt, verdämmt, verdichtet und verwahrt, dass man in keinem Register geschrieben finde, es sei seither jemals daran gebaut worden. Er ist 34 Klafter tief; der Grund aber ist, wie sie mir berichtet haben, grauer Gips.

Unsichere Lesungen

  1. Harke= — Name, Trennung unklar (Z. 12) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. kenn — Namensende unsicher (Z. 13)
  3. verteffelt — Lesung unsicher (Z. 15)

S. 838

Bl. 417vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

Vonn dem anndernn Bronnenn, der nicht minder wohl verwaret ann seinenn wenndenn ist, wissen sie gar nichts zusagenn, wissenn auch nichtt wie tieff er sey. Das Saltzwerck ist der Pfenner daselbst vonn anbegin frey erb eigenn gewesenn, wie dann auch zu Saltza, Es habenn aber mit der zeit die Pfenner selbst, als sie sich adelnn lassenn dem Ertzstifft zu Madeburgk dasselbige mehrertheils zu mannlehenn aufgetragenn, also das mit der zeit die alten Burger stemme ann diesenn beidenn enndenn sehr dauonn kommenn, vnnd nu mehrertheils die vom adell alles Jnnhabenn. Dieweil aber dieselbigenn nicht selbst alzeit darbey sein könnenn, die Saltzknechte mit Jhnenn, am Holtz vnd Saltz der vntreu spielenn, vnnd das Saltz nit alzeit wohl abgehet, auch sich viel vnneynigkeit vnnter den Pfennernn erhaltenn, Haben sie es nicht alle gleichenn frommenn,

Von dem anderen Brunnen, der an seinen Wänden nicht minder gut verwahrt ist, wissen sie gar nichts zu sagen; sie wissen auch nicht, wie tief er ist.

Das Salzwerk ist von Anbeginn freies Erbeigen der dortigen Pfänner gewesen, wie auch zu Salza. Es haben aber mit der Zeit die Pfänner selbst, als sie sich adeln ließen, es größtenteils dem Erzstift zu Magdeburg zu Mannlehen aufgetragen, so dass mit der Zeit die alten Bürgerstämme an diesen beiden Orten sehr davon abgekommen sind und nunmehr größtenteils die vom Adel alles innehaben.

Weil diese aber nicht allezeit selbst dabei sein können, die Salzknechte ihnen am Holz und Salz Untreue spielen, das Salz nicht allezeit gut abgeht und sich auch viel Uneinigkeit unter den Pfännern hält, so haben sie nicht alle gleichen Nutzen.

S. 839

Bl. 418rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

Die Sohle ist des orts sehr gut, helttet die quart — 16. loth, vnnd im anndernn Bronnenn — 14. wurdet mit Roßkunstenn1[?] darann eymer seindt, geschepft, vnnd fürters vonn kothenn zu kothenn, ohnne gewisses mas geleitet in — 32 kodt, Jnn welcher Jedem wochenntlich — 50. werck gesottenn werdenn, derenn helttet Jedes zwey stucke, vnnd wurdet Jedes stucke Saltzes für — 8 groschenn verkauft, Sonnst hats in diesem Saltzwergk kein besondere Ordenung, dieweil ein Jeder Pfenner, sein eigenn gesinde helt. Es hat aber zwey Bau kothe daselbst, vonn welchenn alle gemeine Beu erhaltenn werdenn. Der kothe seindt vmb des willenn, das mann Holtz, Pfannenn vnnd saltz alles darein beyeinannder in vorrath hat, sehr gros, wie gleicher massenn auch zu Saltza, seindt mit hohenn Beunenn, gleich wie die glashuettenn aufgerichttet, habenn sehr dicke dache bis auf die Erdenn, vnnd ist in denselbigenn, vmb des stetigenn siedenns willenn ein grosse

Die Sole ist an diesem Ort sehr gut; das Quart hält 16 Lot und im anderen Brunnen 14. Sie wird mit Rosskünsten, an denen Eimer sind, geschöpft und sodann von Kothe zu Kothe ohne festes Maß in 32 Kothen geleitet, in deren jeder wöchentlich 50 Werke gesotten werden; jedes hält zwei Stücke, und jedes Stück Salz wird für 8 Groschen verkauft.

Sonst hat es in diesem Salzwerk keine besondere Ordnung, weil ein jeder Pfänner sein eigenes Gesinde hält. Es hat aber dort zwei Baukothen, aus denen alle allgemeinen Bauten unterhalten werden.

Die Kothen sind deshalb, weil man Holz, Pfannen und Salz alles darin beieinander auf Vorrat hat, sehr groß, wie gleichermaßen auch zu Salza. Sie sind mit hohen Bühnen errichtet wie die Glashütten, haben sehr dicke Dächer bis auf die Erde, und in ihnen ist wegen des ständigen Siedens eine große

Unsichere Lesungen

  1. Roßkunstenn — Ros-/Rost- unsicher (Z. 3)

S. 840

Bl. 418vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)

Der Vierdt Appendix

1

Hitze, also das auf diesenn beidenn Saltzwerckenn, die knechte viel schwertzer, denn auf anndern vonn der Hitz wegenn, welchs darumb beschicht, Dieweil im obertheil des kodts, alwegenn das Saltz gederret mus werdenn, welches auch also lannge vf der Saltzstedte vielmahls stehet, das es ganntz schwartz wirdet, vnnd deshalb vonn neuenn Jnn die Sayße1 geschüttet, vnnd erleuttert werden muß, wie dann auch der ganntze boden dieser Saltzstetten, vom abtrieffenn sehr gut wirdet, vnnd Jerlich ausgebrochenn vnnd verbeisett werdenn mus. Vnnd wiewohl es daselbst gute Saltzknechte hatt, brauchenn sie doch sonnderlich kein vortheil, ohn allein mit der Beisse, denn sie gar kleine Saltz machenn, vnnd viel vnnutzes holtzes auffuren denn. Das Saltz gehet zu Staßfurt vmb der nahe liegenden Saltzwercker, vnnd des vnndtlegenenn2[?] Elbe: vnd

Hitze, so dass auf diesen beiden Salzwerken die Knechte der Hitze wegen viel schwärzer sind als auf anderen. Das kommt daher, dass im oberen Teil der Kothe stets das Salz gedörrt werden muss, das auch oft so lange auf der Salzstätte steht, dass es ganz schwarz wird und deshalb von neuem in die Sole geschüttet und geläutert werden muss; wie denn auch der ganze Boden dieser Salzstätten vom Abtropfen sehr gut wird und jährlich ausgebrochen und zu Beiße verarbeitet werden muss.

Und wiewohl es dort gute Salzknechte hat, gebrauchen sie doch keine besonderen Kunstgriffe außer allein mit der Beiße; denn sie machen gar kleines Salz und verfahren viel unnützes Holz.

Das Salz geht zu Staßfurt wegen der nahe liegenden Salzwerke und des benachbarten Elb- und

Unsichere Lesungen

  1. Sayße — Lesung unsicher (Z. 8)
  2. vnndtlegenenn — Wort undeutlich (Z. 19)

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