Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 841–850
Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza · S. 841–850 · Bl. 419r–423v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß Salza
S. 826–846 · Bl. 411v–421v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 841
Bl. 419rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Virdt Appendix
Saalsstrambs1 willenn seltenn wohl ab, wann aber anndere Saltzwercker, ein zeitlanng vngewitters halber still haltenn müssenn, werdenn sie Jres vorraths ein mahl los, vnnd hab ich mich berichtenn lassenn, das auch bisweilenn vnnsere fuhrleute dahin kommenn. Mit dem sieden vnnd Saltzhanndell wirdets nachuolgennder massenn gehaltenn. Zu Staßfurt wirdt die Beiße im Sohlfasse gebraucht, wie zu Ascherslebenn, Mann hat aber daselbst zwene Herde, so der einer Reiffe vnnd gute Beisse hat, zeuhet mann die Pfannenn ab, setzt sie auff den anndernn Herdt, der tieff in der Erdenn liegtt, also das die Pfann so darauff gesetzt, ein wenigk vber der Erdenn stehet. Es wirdt der new Herdt vnntenn vnnd auf den seittenn, vonn grundt wiederumb mit Schleter auffgefuret, vnnd ausgefullet, ist — 2 ehlenn tieff, acht ehlenn lanng, vnnd — 6 ehlenn die breidt.
Saalstroms selten gut ab; wenn aber andere Salzwerke eine Zeitlang des Unwetters wegen stillhalten müssen, werden sie ihren Vorrat einmal los. Und ich habe mich berichten lassen, dass bisweilen auch unsere Fuhrleute dorthin kommen.
Mit dem Sieden und dem Salzhandel wird es auf folgende Weise gehalten. Zu Staßfurt wird die Beiße im Solfass gebraucht wie zu Aschersleben. Man hat aber dort zwei Herde; wenn der eine reife und gute Beiße hat, zieht man die Pfanne ab und setzt sie auf den anderen Herd, der tief in der Erde liegt, so dass die darauf gesetzte Pfanne ein wenig über der Erde steht.
Der neue Herd wird unten und an den Seiten vom Grund an wiederum mit Schlotter aufgeführt und ausgefüllt; er ist 2 Ellen tief, acht Ellen lang und 6 Ellen breit.
Unsichere Lesungen
- Saalsstrambs — Schreibung unsicher (Z. 1)
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Bl. 419vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Darauff wirdt die Pfannenn gesetzt, welche — 7. schue lanng, — 6 ¼ breidt ist, Es stehenn auff Jeder seittenn nebenn der Pfannenn zwene staffelnn, in die Erdenn gesenncket, darauff zwene dicke Pfannennbeume liegenn, vber der Pfannen, vber welche anndere geringere beume liegenn, — 6. geleget seindt, ann welche die Pfannenn harbenn, der — 12. seindt, anngehenncket. Mann geust auch alle wercke in die Pfannenn — 36. eimer, seudet darann ein halbe stunde, vnnd als dann thut mann schwenncke1 bier ein, rürett bey den kolenn aus, wenns nu gnugsamb zu saltze wordenn, setzet mann die Saltzkörbe auff, welche drey spannenn lanng, zwo breit, vnnd obenn ein spann hoch sein, zwischenn die zwenn grossenn Pfannenn beume, welche sie Behrbeume nennenn, bringet das saltz auff Jeder seittenn zusammenn, schlegts mit einer Saltzschauffelnn auf den korb, bißolanng2 der korb voll ist, Darnach
Darauf wird die Pfanne gesetzt, die 7 Schuh lang und 6¼ breit ist. Es stehen auf jeder Seite neben der Pfanne zwei Ständer, in die Erde gesenkt, auf denen zwei dicke Pfannenbäume über der Pfanne liegen; über diesen liegen andere, geringere Bäume, deren 6 gelegt sind, an die die Pfannenhaken — deren 12 sind — angehängt werden.
Man gießt auch jedes Werk 36 Eimer in die Pfanne, siedet daran eine halbe Stunde, und alsdann tut man Schwenkbier hinein und rührt bei den Kohlen aus. Wenn es nun hinreichend zu Salz geworden ist, setzt man die Salzkörbe auf — die drei Spannen lang, zwei breit und oben eine Spanne hoch sind — zwischen die zwei großen Pfannenbäume, die sie Bärbäume nennen, bringt das Salz auf jeder Seite zusammen und schlägt es mit einer Salzschaufel auf den Korb, bis der Korb voll ist. Danach
Unsichere Lesungen
- schwenncke — Wortende undeutlich (Z. 11)
- bißolanng — Schreibung unsicher (Z. 19)
S. 843
Bl. 420rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
schlagenn sie das Saltz benebenn dem Korbe, auff die Beune, also das das stuck zwo pfannenn breit, dreÿ lanng, vnnd funff hoch wirdt, derenn werdenn auf Jedes werck zweÿ bereitet, vnnd mann sendet die vorhenn in Jedem Bodt, welcher — 32. seindt — 50 wercke, denn Je in dreÿ stundenn ein werck bereitet wirdt, thun — 100 stucke, Werckzeuge, so alhier zum Saltzmachenn gebraucht werdenn seindt diese wie volgt, Erstlich ein Groß sohlenn faß, darein ein gezeunete hordt lieget, darauff die Seiße1[?] zergehet, vnnd die Sohle damit gebessert wirdt, einenn full eÿmer, henget ann einem schwenngell, damit die Sohlenn Jn die Pfann gefullet werde, Ein handtfaß darin die werckzeuge gereiniget werdenn, — 4. Saltzschauffelnn, damit die stucke gemacht, Saltzkörbe, darauff die Stöcke geschlagenn werdenn, die stucke werdenn mit stoernn2[?] bandenn vmblegt, vnnd etliche nicht, dreÿ fegefesser, darin sich der dreck vnnd vnreÿnigkeit setzt /: welchen
schlagen sie das Salz neben dem Korb auf die Bühne, so dass das Stück zwei Spannen breit, drei lang und fünf hoch wird; deren werden auf jedes Werk zwei bereitet. Und man siedet vorne in jedem Bothe, deren 32 sind, 50 Werke — denn je in drei Stunden wird ein Werk bereitet —, das macht 100 Stücke.
Werkzeuge, die hier zum Salzmachen gebraucht werden, sind diese, wie folgt: Erstens ein großes Solfass, in dem eine geflochtene Horde liegt, auf der die Beiße zergeht und die Sole damit gebessert wird; einen Fülleimer, der an einem Schwengel hängt, damit die Sole in die Pfanne gefüllt wird; ein Handfass, in dem die Werkzeuge gereinigt werden; 4 Salzschaufeln, mit denen die Stücke gemacht werden; Salzkörbe, auf denen die Stücke geschlagen werden — die Stücke werden mit Strohbändern umlegt, etliche auch nicht; drei Fegfässer, in denen sich der Dreck und die Unreinigkeit setzt, die
Unsichere Lesungen
- Seiße — Wort undeutlich (Z. 11)
- stoernn — evtl. stroernn (Z. 18)
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Bl. 420vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
sie schlam nennenn :| beÿ vnns aber sannck genennet wirdt . Arbeiterlohnn, dem Meister geburt vonn Jedem stuck — 6 ₰1[?] thut die woche — 50 groschen, der knecht verdiennt — ½ thaler die wochen, vnnd am heiligenn abenndt hat er beÿ dem meister die malzeit, die vnderstörerin verdienet die woche — 8 gl2[?] vnderzustörenn, Grossenn Saltza. Dieses Saltzwergk ist in allem beÿ nahe anngestellet, wie das zu Staßfurdt, hat auch daselbst zwenn bronnenn, vnnd wirdt die Sohle mitt zweÿenn Roßkunstenn geschepfft, doch ist die eine gleich wie die zu Staßfurt, die beide mit grossen schepffeimernn derenn einer vmb den anndern wechselt, anngestellet, die annder aber mitt schleuchenn, Die kunst mit den schleuchenn ist in dem grundt=
sie Schlamm nennen, bei uns aber Sand genannt wird.
Arbeiterlohn: Dem Meister gebühren von jedem Stück 6 Pfennig, das macht die Woche 50 Groschen. Der Knecht verdient ½ Taler die Woche, und am Heiligen Abend hat er beim Meister die Mahlzeit. Die Unterschürerin verdient die Woche 8 Groschen fürs Unterschüren.
Groß Salza. Dieses Salzwerk ist in allem beinahe so eingerichtet wie das zu Staßfurt. Es hat auch dort zwei Brunnen, und die Sole wird mit zwei Rosskünsten geschöpft; doch ist die eine so wie die zu Staßfurt, die beide mit großen Schöpfeimern eingerichtet sind, von denen einer um den anderen wechselt, die andere aber mit Schläuchen.
Die Kunst mit den Schläuchen ist in dem grundlosen
Unsichere Lesungen
- ₰ — Münzkürzel, Pfennig/Denar (Z. 4)
- gl — Münzkürzel unklar (Z. 8)
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Bl. 421rBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
losenn Bronnenn, in welchem obenn auf die Sohle sehr geringe, vnnd allein die Sörenn1[?] mit den Schleuchenn in die tieffe gereichet wirdt. Die kunst mit den Eÿmernn steget auf dem anndernn Bronnenn, welcher vber — 50. ehlenn tiefft. Sonnst verhelttet sichs mit dem Saltzwergk in allem beÿ nahe, wie mit Staßfurdt, ist so alt als daßelbige, die Bronnenn seindt vonn dem Grauen vom harckelbronnen2[?], wie Staßfurdt erbauwenn, gleich gefaßet, mit Tennenn holtz, die Bode also — 32 gebauwenn, also das die ohnne noth, solchs alles zu wiederholenn, Doch hatt in diesem Saltzwergk ein furzogk fur Staßfurdt, dieweil vmb der nahe annfließenden Sala vnnd Elba willenn, sie wohl holtz konnen bekommenn, das Saltz wohl abgehet, vnnd gros getrennge darumb ist, also das die Pfenner auch kaum Jrenn Saltzknechtenn, die finantzereÿ, damitt
Brunnen, in dem die Sole oben sehr gering ist und allein die tiefere mit den Schläuchen aus der Tiefe geholt wird. Die Kunst mit den Eimern steht auf dem anderen Brunnen, der über 50 Ellen tief ist.
Sonst verhält es sich mit dem Salzwerk in allem beinahe wie mit Staßfurt; es ist ebenso alt wie dieses. Die Brunnen sind von dem Grafen von Hackeborn wie Staßfurt erbaut, gleich gefasst mit Tannenholz, die Bothe ebenso — 32 gebaut —, so dass es unnötig ist, das alles zu wiederholen.
Doch hat dieses Salzwerk einen Vorzug vor Staßfurt: weil sie wegen der nahe fließenden Saale und Elbe gut Holz bekommen können, geht das Salz gut ab, und es ist großes Gedränge darum, so dass die Pfänner kaum ihren Salzknechten die Betrügereien, mit denen
Unsichere Lesungen
- Sörenn — Anfangsbuchstabe unklar (Z. 2)
- harckelbronnen — Name, evtl. hackelbronnen (Z. 10)
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Bl. 421vBd. 24. Appendix · Die Reise von 1568: Aschersleben, Staßfurt, Groß SalzaFaksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
sie vmbgehenn, werenn könnenn, wirdet beÿ hennckenn, vnnd hohenn leib vnnd geldt straffen verbottenn, aber wenig gehalttenn, Vnnd ob schonn der mehrertheil Pfenner, so bis vf gar wenige alle vom adell seindt mehrertheils seßhafft, vnnd das gantze Regiment vber die Stadt vnnd das Saltzwerck habenn, so ist doch das stetigenn Banckedirenn, pranngenn, vnnd hoffarts souiel, das seltenn einer befundenn wirdet, der furtreffliche narung hatt, vnnd stehenn disfals die Staßfurtter etwas besser. Weitters vonn anndernn Saltzwerckenn zuschreiben hab Jch vnnötigk gearchttet, da mann aber Je dauonn bericht begeret, werdet in meinen Miscellaneis anngezeigt werdenn, wo derselbig zufinden, Volget nun beschreibung meiner Reise, so vff beuelchs meines gnedigen Fürsten vnnd Herrnn Jch Jnn1[?] Pommern verrichtet.
sie umgehen, wehren können. Es wird bei Hängen und bei hohen Leib- und Geldstrafen verboten, aber wenig eingehalten.
Und obwohl der größte Teil der Pfänner — die bis auf ganz wenige alle vom Adel sind — größtenteils dort ansässig ist und die ganze Verwaltung über die Stadt und das Salzwerk hat, so ist doch das ständige Bankettieren, Prunken und die Hoffart so groß, dass sich selten einer findet, der vortreffliche Nahrung hat; und in dieser Hinsicht stehen die Staßfurter etwas besser.
Weiter von anderen Salzwerken zu schreiben habe ich für unnötig erachtet; wenn man aber doch Bericht davon begehrt, wird in meinen Miszellen angezeigt werden, wo dieser zu finden ist.
Es folgt nun die Beschreibung meiner Reise, die ich auf Befehl meines gnädigen Fürsten und Herrn nach Pommern ausgerichtet habe.
Unsichere Lesungen
- Jnn — evtl. Jnner; Zeilen 16-18 rot (Z. 18)
Die Reise nach Pommern 1584
S. 847–884 · Bl. 422r–440v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 847
Bl. 422rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Nach dem der Durchleuchtiger Hochgebornner Fürst vnnd Herr, Herr Ernnst Ludwig Hertzogk zu Stettin, Pommernn, der Caßubenn vnnd Wendenn, Fürst zu Rügenn, vnnd Graue zu Gutzkaw, in anfang sfgl.1 Regirung befundenn, das allennthalb in sfgl. Furstennthumb vnnd lanndenn, beide ann Eisenn vnd ann Saltz groser manngell vorhanndenn, vnnd mit schwerem vnkostenn, vnnd theurer bezahlunge aufbracht werdenn müssenn, habenn dieselben mit allem vleis darauf gedacht; wie doch solchem mangell zeittig begegnet, vnnd Jrenn Lanndenn vnnd Leuthen, mit ersprißlichenn nutzenn gedienet, vnnd mitt hinzu sfgl. Cammergut ermehret werdenn mochte/ Dieweil nun allennthalb in beidenn Fürstenthumenn Pommernn vnnd Rügenn, auch vffm Landt Vsethumb2[?] ein groster vorrath ann Holtz, sonnderlich aber beÿ Jasenitz, Vckermünden, Klempenaw, vnnd Pudekglaw3[?] beÿ hanndenn, vnnd denn vor dieser
Nachdem der durchlauchtige, hochgeborene Fürst und Herr, Herr Ernst Ludwig, Herzog zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, Fürst zu Rügen und Graf zu Gützkow, zu Anfang Seiner Fürstlichen Gnaden Regierung befunden hat, dass allenthalben in Seiner Fürstlichen Gnaden Fürstentum und Landen sowohl an Eisen als auch an Salz großer Mangel herrscht und beides mit schweren Unkosten und teurer Bezahlung aufgebracht werden muss, haben Seine Fürstlichen Gnaden mit allem Fleiß darauf gesonnen, wie doch diesem Mangel rechtzeitig begegnet, ihren Landen und Leuten mit ersprießlichem Nutzen gedient und dazu Seiner Fürstlichen Gnaden Kammergut vermehrt werden möchte.
Weil nun allenthalben in beiden Fürstentümern Pommern und Rügen, auch auf dem Land Usedom, ein großer Vorrat an Holz vorhanden ist, besonders aber bei Jasenitz, Ueckermünde, Klempenow und Pudagla, und weil vor dieser
Unsichere Lesungen
- sfgl. — Kürzel S.F.G., zweimal (Z. 5)
- Vsethumb — Usedom, Schreibung unsicher (Z. 17)
- Pudekglaw — Ortsname Pudagla? (Z. 19)
S. 848
Bl. 422vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
zeit alberreits Eisennhüttenn beÿ Jaßnitz im brauch gewesenn, auch allennthalb die Bronnenn Saltzigk, vnnd der Erdtbodenn im Sommer Jegenn der Sonnenn Saltz schlecht vnnd apriciret, als hat hochgedachter furst eine neue Eisennhüttenn, beÿ der Neuenn Mühlenn im Vckermündischenn ampt bauwenn lassenn, daselbst zuuersuchenn, ob sfgl. aus Schwedenn Osemundt mit vorteil ann sich bringenn, volgennts verschmidenn, vnnd also dem theurenn kauff des Eisenns zuuorkommenn mochtenn/ Desgleichenn habenn sfgl. auch beÿ Coblenntz vnnd Krugsdorff, wie denn auch beÿ Golckenn1[?] im ampt Klempenaw nach Saltzquellenn durch Jrenn besteltenn Bronnenkunstmeister Hannsenn Fritzen senckenn, die gesenncktenn grubenn, mit Holtz verbauwenn, vnnd alles wasser darein außösenn2 lassen, ob vielleicht gute Saltzquellenn annzutreffenn werenn, aber so lannge sfgl. sich bemühett, vnnd grossenn kostenn darauff gewenndet, auch
Zeit bereits Eisenhütten bei Jasenitz in Gebrauch gewesen sind, auch allenthalben die Brunnen salzig sind und der Erdboden im Sommer gegen die Sonne Salz ansetzt und ausblüht, so hat der genannte Fürst eine neue Eisenhütte bei der Neuen Mühle im Ueckermünder Amt bauen lassen, um dort zu versuchen, ob Seine Fürstlichen Gnaden Osemund aus Schweden mit Vorteil an sich bringen, ihn sodann verschmieden und so dem teuren Kauf des Eisens vorkommen könnten.
Desgleichen haben Seine Fürstlichen Gnaden auch bei Koblentz und Krugsdorf, wie denn auch bei Golchen im Amt Klempenow, durch ihren bestellten Brunnenkunstmeister Hans Fritz nach Salzquellen senken, die gesenkten Gruben mit Holz verbauen und alles Wasser daraus ausschöpfen lassen, ob vielleicht gute Salzquellen anzutreffen wären. Aber so lange Seine Fürstlichen Gnaden sich bemüht und große Kosten darauf gewendet haben, auch
Unsichere Lesungen
- Golckenn — Ortsname unsicher (Z. 13)
- außösenn — evtl. außschösenn (Z. 17)
S. 849
Bl. 423rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
so tieffer dieselbigenn (: in hoffnung das in der tieffe die rechte Sohlenn annzutreffenn :) habenn sencken lassenn, souiel mehr ist das wilde wasser zugefallenn, also das sfgl. hieruonn ablassenn müssenn, So hat es auch mit vorgenommenen Osemundts Eisennhanndell ein annstanndt genommenn, derselbige ist im kauff höher gestiegenn, vnnd habenn sfgl. hierann auch keinenn vorteil (: außerhalb der vngewißheit :) nicht findenn könnenn. Wenndt1[?] denn es furstlich Christlich vnnd wohl gethann ist, das ein Jeder vor die seinenn, sonnderlich aber vor sein Vatterlanndt sorget, vnnd derselben nutzenn vnnd frommenn sucht. Nihil enim dulcius est quam patriæ bene prodesse bono publico (: wie auch der Heide Cicero sagt :) als hat hochgedachter fürst nit ruhenn noch feÿrenn wollenn, biß solanng sfgl. im grundt wissenn mochtenn, ob auch nachmahls in Jrenn Fürstennthumbenn vnnd Landen etwas ersprißlicher nutzenn geschafft, vnnd obenn
und je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen — haben senken lassen, desto mehr ist das wilde Wasser zugelaufen, so dass Seine Fürstlichen Gnaden hiervon ablassen mussten. So hat es auch mit dem vorgenommenen Osemund-Eisenhandel einen Aufschub genommen: dieser ist im Preis höher gestiegen, und Seine Fürstlichen Gnaden haben auch hieran keinen Vorteil — außer der Ungewissheit — finden können.
Weil es aber fürstlich, christlich und wohlgetan ist, dass ein jeder für die Seinen, besonders aber für sein Vaterland sorgt und dessen Nutzen und Wohl sucht — denn nichts ist süßer, als dem Vaterland durch das Gemeinwohl wohl zu nützen, wie auch der Heide Cicero sagt —, so hat der genannte Fürst nicht ruhen noch feiern wollen, bis Seine Fürstlichen Gnaden im Grunde wissen möchten, ob auch künftig in ihren Fürstentümern und Landen etwas ersprießlicher Nutzen geschaffen und der oben
Unsichere Lesungen
- Wenndt — evtl. Weill (Z. 10)
S. 850
Bl. 423vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
gedachter manngell, auf tregliche mittell ergentzet werdenn möchtte, Habenn dennach beidt in vnnd außer Lanndes sich nach verstenndigenn Leutenn vmbgehöret, auch ann Churfürstenn vnnd anndere geschriebenn, aber niemanndts zu wegenn bringenn könnenn, darauf mann sich zuuerlassenn hette, biß solanng das der Edtle vnnd Ernuest Georg vonn Verbentin1[?], Vber vffseher der Graffschafft Mannsfeldt sfgl. vnderthenniglich berichtet, das im Lanndt zu Hessenn leut annzutreffenn werenn derenn Rath vnnd bedenncknus sfgl. dieses fals erforschenn, vnnd nach gelegennheit volgenn möchttenn, Darauff hat mehr hochgedachter Hertzogk zu Pommernn ann den Herrnn Lanndtgrauenn zu Hessenn, wie denn auch sfgl. Gemahl vnnd Schwiegervatter zu etlichenn mahlenn geschriebenn, vnd enntlich zuwegenn bracht, das Jtztgedachter fürst, der Lanndtgraue zu Hessenn, M. Johannem Rhe=
genannte Mangel auf zuträgliche Weise behoben werden könnte. Sie haben demnach sowohl im Land als auch außer Landes sich nach verständigen Leuten umgehört, auch an Kurfürsten und andere geschrieben, aber niemanden zuwege bringen können, auf den man sich hätte verlassen können — bis der edle und ehrenfeste Georg von Verbentin, Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld, Seiner Fürstlichen Gnaden untertänig berichtete, dass im Land zu Hessen Leute anzutreffen wären, deren Rat und Bedenken Seine Fürstlichen Gnaden in diesem Fall erforschen und je nach Lage befolgen könnten.
Darauf hat der genannte Herzog zu Pommern an den Herrn Landgrafen zu Hessen wie auch an Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin und Schwiegervater etliche Male geschrieben und schließlich zuwege gebracht, dass der genannte Fürst, der Landgraf zu Hessen, Magister Johannes Rhe-
Unsichere Lesungen
- Verbentin — Familienname unsicher (Z. 8)