Salzbibel · Lesetext · 4. Appendix
Der vierte Appendix · S. 847–856
Die Reise nach Pommern 1584 · S. 847–856 · Bl. 422r–426v · Band 2
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Reise nach Pommern 1584
S. 847–884 · Bl. 422r–440v · Bd. 2 · Zeitleiste: 4. Appendix
S. 847
Bl. 422rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Nach dem der Durchleuchtiger Hochgebornner Fürst vnnd Herr, Herr Ernnst Ludwig Hertzogk zu Stettin, Pommernn, der Caßubenn vnnd Wendenn, Fürst zu Rügenn, vnnd Graue zu Gutzkaw, in anfang sfgl.1 Regirung befundenn, das allennthalb in sfgl. Furstennthumb vnnd lanndenn, beide ann Eisenn vnd ann Saltz groser manngell vorhanndenn, vnnd mit schwerem vnkostenn, vnnd theurer bezahlunge aufbracht werdenn müssenn, habenn dieselben mit allem vleis darauf gedacht; wie doch solchem mangell zeittig begegnet, vnnd Jrenn Lanndenn vnnd Leuthen, mit ersprißlichenn nutzenn gedienet, vnnd mitt hinzu sfgl. Cammergut ermehret werdenn mochte/ Dieweil nun allennthalb in beidenn Fürstenthumenn Pommernn vnnd Rügenn, auch vffm Landt Vsethumb2[?] ein groster vorrath ann Holtz, sonnderlich aber beÿ Jasenitz, Vckermünden, Klempenaw, vnnd Pudekglaw3[?] beÿ hanndenn, vnnd denn vor dieser
Nachdem der durchlauchtige, hochgeborene Fürst und Herr, Herr Ernst Ludwig, Herzog zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, Fürst zu Rügen und Graf zu Gützkow, zu Anfang Seiner Fürstlichen Gnaden Regierung befunden hat, dass allenthalben in Seiner Fürstlichen Gnaden Fürstentum und Landen sowohl an Eisen als auch an Salz großer Mangel herrscht und beides mit schweren Unkosten und teurer Bezahlung aufgebracht werden muss, haben Seine Fürstlichen Gnaden mit allem Fleiß darauf gesonnen, wie doch diesem Mangel rechtzeitig begegnet, ihren Landen und Leuten mit ersprießlichem Nutzen gedient und dazu Seiner Fürstlichen Gnaden Kammergut vermehrt werden möchte.
Weil nun allenthalben in beiden Fürstentümern Pommern und Rügen, auch auf dem Land Usedom, ein großer Vorrat an Holz vorhanden ist, besonders aber bei Jasenitz, Ueckermünde, Klempenow und Pudagla, und weil vor dieser
Unsichere Lesungen
- sfgl. — Kürzel S.F.G., zweimal (Z. 5)
- Vsethumb — Usedom, Schreibung unsicher (Z. 17)
- Pudekglaw — Ortsname Pudagla? (Z. 19)
S. 848
Bl. 422vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
zeit alberreits Eisennhüttenn beÿ Jaßnitz im brauch gewesenn, auch allennthalb die Bronnenn Saltzigk, vnnd der Erdtbodenn im Sommer Jegenn der Sonnenn Saltz schlecht vnnd apriciret, als hat hochgedachter furst eine neue Eisennhüttenn, beÿ der Neuenn Mühlenn im Vckermündischenn ampt bauwenn lassenn, daselbst zuuersuchenn, ob sfgl. aus Schwedenn Osemundt mit vorteil ann sich bringenn, volgennts verschmidenn, vnnd also dem theurenn kauff des Eisenns zuuorkommenn mochtenn/ Desgleichenn habenn sfgl. auch beÿ Coblenntz vnnd Krugsdorff, wie denn auch beÿ Golckenn1[?] im ampt Klempenaw nach Saltzquellenn durch Jrenn besteltenn Bronnenkunstmeister Hannsenn Fritzen senckenn, die gesenncktenn grubenn, mit Holtz verbauwenn, vnnd alles wasser darein außösenn2 lassen, ob vielleicht gute Saltzquellenn annzutreffenn werenn, aber so lannge sfgl. sich bemühett, vnnd grossenn kostenn darauff gewenndet, auch
Zeit bereits Eisenhütten bei Jasenitz in Gebrauch gewesen sind, auch allenthalben die Brunnen salzig sind und der Erdboden im Sommer gegen die Sonne Salz ansetzt und ausblüht, so hat der genannte Fürst eine neue Eisenhütte bei der Neuen Mühle im Ueckermünder Amt bauen lassen, um dort zu versuchen, ob Seine Fürstlichen Gnaden Osemund aus Schweden mit Vorteil an sich bringen, ihn sodann verschmieden und so dem teuren Kauf des Eisens vorkommen könnten.
Desgleichen haben Seine Fürstlichen Gnaden auch bei Koblentz und Krugsdorf, wie denn auch bei Golchen im Amt Klempenow, durch ihren bestellten Brunnenkunstmeister Hans Fritz nach Salzquellen senken, die gesenkten Gruben mit Holz verbauen und alles Wasser daraus ausschöpfen lassen, ob vielleicht gute Salzquellen anzutreffen wären. Aber so lange Seine Fürstlichen Gnaden sich bemüht und große Kosten darauf gewendet haben, auch
Unsichere Lesungen
- Golckenn — Ortsname unsicher (Z. 13)
- außösenn — evtl. außschösenn (Z. 17)
S. 849
Bl. 423rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
so tieffer dieselbigenn (: in hoffnung das in der tieffe die rechte Sohlenn annzutreffenn :) habenn sencken lassenn, souiel mehr ist das wilde wasser zugefallenn, also das sfgl. hieruonn ablassenn müssenn, So hat es auch mit vorgenommenen Osemundts Eisennhanndell ein annstanndt genommenn, derselbige ist im kauff höher gestiegenn, vnnd habenn sfgl. hierann auch keinenn vorteil (: außerhalb der vngewißheit :) nicht findenn könnenn. Wenndt1[?] denn es furstlich Christlich vnnd wohl gethann ist, das ein Jeder vor die seinenn, sonnderlich aber vor sein Vatterlanndt sorget, vnnd derselben nutzenn vnnd frommenn sucht. Nihil enim dulcius est quam patriæ bene prodesse bono publico (: wie auch der Heide Cicero sagt :) als hat hochgedachter fürst nit ruhenn noch feÿrenn wollenn, biß solanng sfgl. im grundt wissenn mochtenn, ob auch nachmahls in Jrenn Fürstennthumbenn vnnd Landen etwas ersprißlicher nutzenn geschafft, vnnd obenn
und je tiefer sie diese — in der Hoffnung, in der Tiefe die rechte Sole anzutreffen — haben senken lassen, desto mehr ist das wilde Wasser zugelaufen, so dass Seine Fürstlichen Gnaden hiervon ablassen mussten. So hat es auch mit dem vorgenommenen Osemund-Eisenhandel einen Aufschub genommen: dieser ist im Preis höher gestiegen, und Seine Fürstlichen Gnaden haben auch hieran keinen Vorteil — außer der Ungewissheit — finden können.
Weil es aber fürstlich, christlich und wohlgetan ist, dass ein jeder für die Seinen, besonders aber für sein Vaterland sorgt und dessen Nutzen und Wohl sucht — denn nichts ist süßer, als dem Vaterland durch das Gemeinwohl wohl zu nützen, wie auch der Heide Cicero sagt —, so hat der genannte Fürst nicht ruhen noch feiern wollen, bis Seine Fürstlichen Gnaden im Grunde wissen möchten, ob auch künftig in ihren Fürstentümern und Landen etwas ersprießlicher Nutzen geschaffen und der oben
Unsichere Lesungen
- Wenndt — evtl. Weill (Z. 10)
S. 850
Bl. 423vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
gedachter manngell, auf tregliche mittell ergentzet werdenn möchtte, Habenn dennach beidt in vnnd außer Lanndes sich nach verstenndigenn Leutenn vmbgehöret, auch ann Churfürstenn vnnd anndere geschriebenn, aber niemanndts zu wegenn bringenn könnenn, darauf mann sich zuuerlassenn hette, biß solanng das der Edtle vnnd Ernuest Georg vonn Verbentin1[?], Vber vffseher der Graffschafft Mannsfeldt sfgl. vnderthenniglich berichtet, das im Lanndt zu Hessenn leut annzutreffenn werenn derenn Rath vnnd bedenncknus sfgl. dieses fals erforschenn, vnnd nach gelegennheit volgenn möchttenn, Darauff hat mehr hochgedachter Hertzogk zu Pommernn ann den Herrnn Lanndtgrauenn zu Hessenn, wie denn auch sfgl. Gemahl vnnd Schwiegervatter zu etlichenn mahlenn geschriebenn, vnd enntlich zuwegenn bracht, das Jtztgedachter fürst, der Lanndtgraue zu Hessenn, M. Johannem Rhe=
genannte Mangel auf zuträgliche Weise behoben werden könnte. Sie haben demnach sowohl im Land als auch außer Landes sich nach verständigen Leuten umgehört, auch an Kurfürsten und andere geschrieben, aber niemanden zuwege bringen können, auf den man sich hätte verlassen können — bis der edle und ehrenfeste Georg von Verbentin, Oberaufseher der Grafschaft Mansfeld, Seiner Fürstlichen Gnaden untertänig berichtete, dass im Land zu Hessen Leute anzutreffen wären, deren Rat und Bedenken Seine Fürstlichen Gnaden in diesem Fall erforschen und je nach Lage befolgen könnten.
Darauf hat der genannte Herzog zu Pommern an den Herrn Landgrafen zu Hessen wie auch an Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin und Schwiegervater etliche Male geschrieben und schließlich zuwege gebracht, dass der genannte Fürst, der Landgraf zu Hessen, Magister Johannes Rhe-
Unsichere Lesungen
- Verbentin — Familienname unsicher (Z. 8)
S. 851
Bl. 424rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
nanum sfgl. Pfarhernn vnnd Saltzgreuenn zun Sodenn beÿ allenndorff, heraus Jnns Lanndt zu Pommernn habenn volgenn lassenn, Wann nun derselbe annkommenn, Was er außgerichttet, wo er vmbher gezogenn, auch was er Jedes orts vnterschiedtlich ann Ertzenn Mineris vnnd Mineralibus befundenn, Was sein Rath, bedencken, vnnd fürschlegs gewesenn, dessenn hat er nachfolgenndenn schrifftlichenn bericht ad æternam rei memoriam, auff mehr hochgedachtes fürsten des Hertzogenn zu Pommernn gnediges begerenn, mit seiner eigenenn hanndt vnderzeichnett hinderlassenn, Als auff freundtliches annsuchenn vnnd begerenn, des mehr hochgedachtenn Durchleuchtigenn hochgebornnenn fürstenn vnnd herrnn, Herrnn Ernnsten Ludewigenn, Hertzogenn zu Stetin Pommernn der Cassubenn vnnd Wendenn, Fürstenn zu Rügen, vnnd Grauenn zu Gutzkaw, beÿ dem auch durchleuchtigenn hochgebornnenn fürstenn vnnd herrn,
nanus, Seiner Fürstlichen Gnaden Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden bei Allendorf, heraus ins Land zu Pommern hat ziehen lassen.
Wann nun derselbe angekommen ist, was er ausgerichtet hat, wo er umhergezogen ist, auch was er an jedem Ort im einzelnen an Erzen, Mineralien und Mineralvorkommen befunden hat, was sein Rat, sein Bedenken und sein Vorschlag gewesen ist — davon hat er den folgenden schriftlichen Bericht zum ewigen Gedächtnis der Sache auf das gnädige Begehren des genannten Fürsten, des Herzogs zu Pommern, mit seiner eigenen Hand unterzeichnet hinterlassen.
Auf freundliches Ansuchen und Begehren des genannten durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Ernst Ludwig, Herzogs zu Stettin, Pommern, der Kassuben und Wenden, Fürsten zu Rügen und Grafen zu Gützkow, bei dem ebenfalls durchlauchtigen, hochgeborenen Fürsten und Herrn,
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Bl. 424vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Herrnn Wilhelmenn Lanndtgrauenn zu Hessenn, Grauenn zu Catzennelnpogenn, Dietz, ziegenhain vnnd Nidda, beider meiner G. F. vnnd Herrn, Jch mich den 10. Martÿ zu Allenndorff vff die Reise gemacht, vnnd vnterwegenn obgedachten Georgenn vonn Verbentin1[?] in der Graffschafft Mannsfeldt zu Leimbach (: dahin mich der Lackeÿ Hanns Sadebosch2[?] gefueret :) anngesprochenn, beÿ demselbenn allerleÿ gelegennheit im Lanndt zu Pommernn, mich erkundiget, bin ich nechst annruffung Gottes mit freudenn furt gezogenn, vnd durch verleÿhung Götlicher hulff den 31 Martÿ zu Wolgast gesundt vnnd frisch annkommenn, volgenndes tages in der herberge bliebenn, den 2 vnnd 3 Aprilis aber die Sohlenn so ich aus dem Lanndt zu Hessenn, aus meines gl. f vnnd Herrnn Saltzwergk Sodenn, pro fundamento mitgebracht, wie denn auch die dreÿerleÿ, welche zu Dreptaw vnnd Klempenaw, in beÿsein des Strenngenn, Edtlenn vnnd Ernuestenn
Herrn Wilhelm, Landgrafen zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain und Nidda — beider meiner gnädigen Fürsten und Herren —, habe ich mich am 10. März zu Allendorf auf die Reise gemacht. Unterwegs habe ich den genannten Georg von Verbentin in der Grafschaft Mansfeld zu Leimbach — wohin mich der Lakai Hans Sadebosch führte — angesprochen und mich bei ihm über allerlei Verhältnisse im Land zu Pommern erkundigt. Sodann bin ich unter Anrufung Gottes mit Freuden weitergezogen und durch Verleihung göttlicher Hilfe am 31. März zu Wolgast gesund und frisch angekommen; am folgenden Tag bin ich in der Herberge geblieben.
Am 2. und 3. April aber habe ich die Sole, die ich aus dem Land zu Hessen, aus dem Salzwerk Sooden meines gnädigen Fürsten und Herrn, als Grundlage mitgebracht hatte, wie auch die dreierlei, die ich zu Treptow und Klempenow in Beisein des gestrengen, edlen und ehrenfesten
Unsichere Lesungen
- Verbentin — Familienname unsicher (Z. 6)
- Sadebosch — Name unsicher (Z. 8)
S. 853
Bl. 425rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Bußo vonn Rammin hauptmanns daselbst Jch selbst geschepfft, Jhnen versieglenn lassenn, vnnd mitt genommenn, in Jegennwertigkeit meines gl. F. vnnd Herrnn des Hertzogenn zu Pommernn, sfgl. Gemahlin, Canntzlers, etzlicher Rethe vnnd furnembstenn dienern probiret, Jnn der Hessische Sohlenn — 6½ lot, vnnd in den anndernn nichts befundenn, Als aber Jch zu Klempenaw vonn dem Hauptmann daselbst berichttet wordenn, das zu Grieb[?]waldt Sohlenn furhanndenn, vnnd daselbst vor dieser zeit Saltz gesottenn, aber aus manngell holtzes eingestellet wordenn, hab ich dessenn benebenn den Probenn, vnnd sonnsten vber Taffell gedacht,
Busso von Rammin, Hauptmanns daselbst, selbst geschöpft, ihn hatte versiegeln lassen und mitgenommen hatte, in Gegenwart meines gnädigen Fürsten und Herrn, des Herzogs zu Pommern, Seiner Fürstlichen Gnaden Gemahlin, des Kanzlers, etlicher Räte und der vornehmsten Diener geprobt. In der hessischen Sole habe ich 6½ Lot und in den anderen nichts befunden.
Als mir aber zu Klempenow vom dortigen Hauptmann berichtet worden war, dass zu Greifswald Sole vorhanden sei und dort vor dieser Zeit Salz gesotten, dies aber aus Mangel an Holz eingestellt worden sei, habe ich dessen neben den Proben und sonst bei Tafel gedacht.
Unsichere Lesungen
- Grieb= — evtl. Griebs= (Z. 10) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
S. 854
Bl. 425vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Die Erste Reise Darauff mein Gnediger fürst vnnd Herr, den Hern Canntzlar Henning1 vonn Rammin mir gnediglich zugeordenet, Wir beide seindt den 4 Aprilis daselbst hin gezogenn, die Sohlenn mit einem eingelassenenn, vnnd mit steinenn beschwertenn Krugk, aus der tieffe geschepfft, auch die obenn aufft besonnders gefast, vnnd zugleich mit nach Wolgast zurucke genommenn, dieselbigenn volgennts den 5. probiret, vnnd die aus der tieffe nicht gar — 3. lötig, die obenn vff aber ein lötig befundenn, Als nun sfgl. solchs gesehenn, habenn sfgl. mich gnediglich gefragt, was mein bedennckens disfals were, hab ich für gut anngesehenn, das man einem oder zwen verfallene Bronnenn, deren daselbst sechs vonn alters gewesenn, eröffnen vnnd außfegenn solte, vnnd als dann ad ipsas
Die erste Reise. Darauf hat mir mein gnädiger Fürst und Herr den Herrn Kanzler Henning von Rammin gnädig zugeordnet. Wir beide sind am 4. April dorthin gezogen, haben die Sole mit einem eingelassenen und mit Steinen beschwerten Krug aus der Tiefe geschöpft, auch die obenauf gesondert gefasst und zugleich mit nach Wolgast zurückgenommen. Diese haben wir sodann am 5. geprobt und die aus der Tiefe nicht ganz 3-lötig, die obenauf aber 1-lötig befunden.
Als nun Seine Fürstlichen Gnaden das gesehen hatten, haben sie mich gnädig gefragt, was mein Bedenken in diesem Fall sei. Ich habe es für gut befunden, dass man einen oder zwei verfallene Brunnen — deren dort von alters her sechs gewesen sind — eröffnen und ausfegen sollte und alsdann an den Quellen selbst
Unsichere Lesungen
- Henning — Vorname, evtl. Hemming (Z. 3)
S. 855
Bl. 426rBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
Scaturigines1 die Sohlenn schopffenn vnnd probiren, Solchs habenn sfgl. Ihnenn gnediglich gefallenn lassenn, sich selbst enndtschlossenn, das sfgl. selbst mit nacher Griefßwaldt2 ziehenn, vnnd daselbst solanng verharrenn wolten, bis solchs also volnnzogenn, Wie denn auch beschehenn, denn sfgl. benebenn Irer Gemahlin, Cantzlar vnnd vornembstenn dienern nach Griefßwaldt volgenndts den 6. Aprilis verruckt, die außfegung des Bronnenns mit vleis bestellenn lassenn, bißolanng den 9. vnnd 10 Aprilis die Sohle gewunnenn, vnnd alsbaldt probiret, auch reichlich — 3. lot befundenn wordenn, Darauff sfgl. weitters gnediglich begertt zuwissenn, was mich gut deuchte, vnnd das ich einenn annschlagk machenn solte, ob etwa nutzenn des orts zuschaffenn were, Ob nun wohl die Sohlenn sehr geringe, vnnd die helffte so gut als die Vnnsere ist, Iedoch so habe ich in betrachtung das ein Cent=
die Sole schöpfen und proben. Das haben sich Seine Fürstlichen Gnaden gnädig gefallen lassen und sich selbst entschlossen, dass Seine Fürstlichen Gnaden selbst mit nach Greifswald ziehen und dort so lange verharren wollten, bis dies vollzogen sei; wie es denn auch geschehen ist. Denn Seine Fürstlichen Gnaden sind neben ihrer Gemahlin, dem Kanzler und den vornehmsten Dienern sodann am 6. April nach Greifswald aufgebrochen und haben das Ausfegen des Brunnens mit Fleiß bestellen lassen, bis am 9. und 10. April die Sole gewonnen und sogleich geprobt und reichlich 3-lötig befunden worden ist.
Darauf haben Seine Fürstlichen Gnaden weiter gnädig zu wissen begehrt, was mich gut dünke, und dass ich einen Anschlag machen solle, ob etwa an diesem Ort Nutzen zu schaffen wäre. Obwohl nun die Sole sehr gering und nur halb so gut wie die unsrige ist, habe ich doch in Betracht, dass ein Zent-
Unsichere Lesungen
- Scaturigines — lateinisch, Lesung wahrscheinlich (Z. 1)
- Griefßwaldt — Ortsname, Schreibung unsicher (Z. 4)
S. 856
Bl. 426vBd. 24. Appendix · Die Reise nach Pommern 1584Faksimile (ORKA)Der Vierdt Appendix
ner Saltzes, dieses orts wohl ein guldenn gelten kann, vnnd das Holtz wohl annbracht werdenn magk, auch vf den notfall zur vermehrung Soij1[?] anngebracht, vnnd mit nutzenn gebraucht werdenn kann, Jegenn vnnser Saltzwergk per regulas conuersam2 vnnd proportionum, mit dem Herrnn Cantzlar einenn annschlagk gemacht, vnnd fundenn, das vber die bezahlung Holtzes, Mein g. f. vnnd herr bey zwenn guldenn ann zwölff Centner erobernn kennenn, vnnd es weitters sfgl. zubedennkenn heimgestelt, was Ihnenn zuthun, oder zulassenn wollte wohlgefallenn, Dieselbenn habenn vor gutt anngesehenn, das der Bronnenn wie er Jtzt vffgereumet, vnnd enndtblöst, mit bretternn wohl zu gedeckt, vnnd mit erdenn darauff beschutt, damit nichts bis vff weitter berathschlagung darein geworffen wurde, Solchs hat M. Hans Fritz
ner Salz an diesem Ort wohl einen Gulden gelten kann und dass das Holz gut angebracht werden mag, auch im Notfall zur Vermehrung der Sole angebracht und mit Nutzen gebraucht werden kann, im Vergleich zu unserem Salzwerk nach den Regeln der Umrechnung und der Verhältnisse mit dem Herrn Kanzler einen Anschlag gemacht und gefunden, dass über die Bezahlung des Holzes hinaus mein gnädiger Fürst und Herr gegen zwei Gulden an zwölf Zentnern erübrigen könnte. Und ich habe es Seinen Fürstlichen Gnaden weiter anheimgestellt zu bedenken, was ihnen zu tun oder zu lassen wohlgefallen wolle.
Sie haben es für gut befunden, dass der Brunnen, wie er jetzt aufgeräumt und entblößt ist, mit Brettern gut zugedeckt und mit Erde darauf beschüttet werde, damit bis zur weiteren Beratschlagung nichts hineingeworfen würde. Das hat Meister Hans Fritz,
Unsichere Lesungen
- Soij — Wort am Zeilenende unklar (Z. 3)
- conuersam — lateinisch, Endung unsicher (Z. 6)