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Salzbibel · Lesetext · 5. Buch

Das fünfte Buch · S. 85–94

Geyselers Denkschrift von 1489 · S. 85–94 · Bl. 41r–45v · Band 2

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Geyselers Denkschrift von 1489

S. 49–102 · Bl. 23r–49v · Bd. 2 · Zeitleiste: 5. Buch

S. 85

Bl. 41rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteaber es fanndt sich annders als hernach folgenn wirdt,

aber es fand sich anders, wie hernach folgen wird.

2

vnnd wardt also derselbe gebrech vielmahl vonn den Pfennernn verkundet, der vrsach auch semptlich1 beschlossenn, das mann bawenn solt vnnd wolt

Und so wurde derselbe Schaden vielmals von den Pfännern verkündet und deshalb auch gemeinsam beschlossen, dass man bauen sollte und wollte.

3

vnnd also stetes was bedacht nach gutenn meisternn, die darzu konntenn gerathenn,

Und so war man stets auf gute Meister bedacht, die dazu raten konnten.

4

Des gab Junckher Hanns von Dornebergk Hofmeister zu Marpurgk seinenn Rath, vnnd weisete die Pfenner ann Meister Curtenn Martorff2,

Dazu gab Junker Hans von Dörnberg, Hofmeister zu Marburg, seinen Rat und verwies die Pfänner an Meister Curt Martorff,

5

mit dem die Pfenner also zusprechenn, vnnd zu gedinge kommenn, dem gebreche des Bornns zurathenn, als er auch dem gerathenn that,

mit dem die Pfänner also ins Gespräch und zum Verding kamen, dem Gebrechen des Brunnens abzuhelfen, wie er ihm denn auch abhalf.

6

vnnd viel geschehenn dings, wie vor ist gnuglich berurt, ruhenn vnnd hierstehenn zulassenn, geschach das als mann das alte werck ganntz hat abgebrochenn, vnnd den Born geöset,

Und um vieles Geschehene — wie zuvor hinlänglich berührt — ruhen und dahingestellt sein zu lassen: Es geschah, als man das alte Werk ganz abgebrochen und den Brunnen ausgeschöpft hatte,

7

fanndt mann vberall keinenn ausflus, oder ausbruch der Sohlenn,

da fand man nirgends einen Ausfluss oder Ausbruch der Sole.

8

Mann mochte auch keins gebrechs im Borne weis werdenn3, vnnd doch gleichwohl in dem vmbgannge, der augezucht die Sohle gleich als vor Jrem ganng flos in das Gewelbe,

Man konnte auch keines Gebrechens im Brunnen gewahr werden, und doch floss gleichwohl im Umgang der Abzucht die Sole wie zuvor ihren Gang in das Gewölbe.

9

So da etliche meinetenn, es were ein sonnderlich ader, vnnd gequelle vor sich die in den Bornn nicht gehörte,

Da meinten etliche, es sei eine besondere Ader und ein Gequell für sich, das nicht in den Brunnen gehörte.

Unsichere Lesungen

  1. der vrsach auch semptlich — ›semptlich‹ (= sämtlich, gemeinsam) leicht unsichere Lesung
  2. Curtenn Martorff — Eigenname, Lesung ziemlich sicher
  3. weis werdenn — ›weis‹/›weit‹ unsicher; Sinn ›gewahr werden‹

S. 86

Bl. 41vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Die anndernn sprachenn Es were die Sohle aus dem Borne, vnnd keme durch die heimliche schliche des grieses vswenndig gestiegenn Jnn den vmbganng der augezuchte,

Die anderen sprachen, es sei die Sole aus dem Brunnen und komme, durch die heimlichen Schliche des Grieses außen aufgestiegen, in den Umgang der Abzucht.

2

vnnd die meinung bewegte die Pfenner zubawenn, Wiewohl sich der gebrech nit also erfanndt

Und diese Meinung bewegte die Pfänner zum Bauen, wiewohl sich der Schaden nicht so herausstellte.

3

Es geschach auch darbey der vleis das man die Sohle der adernn im vmbgannge probirte Jegenn die Sohle, die im Borne ist, vnnd wardt erkanndt eintrechtig, gutheit, schmacks vnnd einer substantien on allem vnnderscheidt1,

Es geschah dabei auch mit Fleiß, dass man die Sole der Adern im Umgang gegen die Sole prüfte, die im Brunnen ist; und sie wurde als übereinstimmend erkannt, an Güte, Geschmack und Substanz ohne allen Unterschied.

4

also nun das neue werck was gesatzt vnnd verteumet, vnnd das mann vffbrach die augezuchte, den vmbganng wieder zumachenn,

Als nun das neue Werk gesetzt und verdämmt war und man die Abzucht aufbrach, um den Umgang wieder herzustellen,

5

vnnd das mann kam ann die annder zucht, oder Lichte loch2 Jegenn dem Berge, da mann Je meinete der gebrech sein solte vnnd erschienenn3, da fanndt mann die sonnderliche adernn starck gehenn, vnnd fliessennde,

und als man an die zweite Zucht oder das Lichtloch gegen den Berg kam, wo man ja meinte, dass der Schaden sein sollte und sich zeigen würde, da fand man die besondere Ader stark gehen und fließen,

6

vnnd doch nicht mochte merckenn, das der Bornn eine niederunge dardurch in seiner Sohle hette,

und konnte doch nicht merken, dass der Brunnen dadurch eine Minderung an seiner Sole gehabt hätte.

7

Da fanndt sich in warheit, das der Born kein gebrech noch ausganng hatte, vnnd das dieLäuft auf der nächsten Seite weiter

Da fand sich in Wahrheit, dass der Brunnen kein Gebrechen noch Ausgang hatte und dass die…

Unsichere Lesungen

  1. on allem vnnderscheidt — ›on‹ (= ohne) unsicher, auch ›in‹ lesbar; Übersetzung folgt dem Sinn
  2. Lichte loch — Anfangsbuchstabe L/T unsicher; vgl. ›lichtloch‹ fol. 39v
  3. vnnd erschienenn — in der Vorlage zusammengeschrieben (›vnnderschienenn‹), Worttrennung unsicher

S. 87

Bl. 42rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteader in der augezucht ein sonnderlich gequelle was, vnnd nie was aus dem Borne kommenn,

…Ader in der Abzucht ein besonderes Gequell war und niemals aus dem Brunnen gekommen ist.

2

Das aber die Söder klagetenn, das das wilde wasser in den Born keme, das mochte wohl daruonn kommenn, das das gewelbe mit steinenn meisterlich was zugelegt,

Dass aber die Sieder klagten, das wilde Wasser komme in den Brunnen, das mochte wohl daher kommen, dass das Gewölbe mit Steinen meisterlich zugedeckt war,

3

so das die quelle im gewelbe, vnnd in dem vmbgannge sich zogenn nach dem Borne, Sintemahl das der Born niedriger vnnd tieffer ist, denn das gewelbe,

so dass die Quellen im Gewölbe und im Umgang sich zum Brunnen hin zogen, sintemal der Brunnen niedriger und tiefer liegt als das Gewölbe.

4

So nun dieselbenn quelle susse wasser tragenn, habenn sich dieselbenn durch heimliche gennge zu grunde geholffenn, Jnn den gries des Bornns, vnnd sich also vermenget mit der Sohlenn im Borne,

Da nun dieselben Quellen süßes Wasser führen, haben sie sich durch heimliche Gänge in den Grund geholfen, in den Gries des Brunnens, und sich so mit der Sole im Brunnen vermengt.

5

Es that auch das bezeichenn, wann das gewelbe nicht seinenn ganntzenn ausflus hat, so das gewesser sich versamblet in den augezuchtenn, denn wirdt mann sichtlich gewahr, das die Sohle im Borne höher steiget,

Das zeigte auch folgendes Zeichen: Wenn das Gewölbe nicht seinen ganzen Ausfluss hat, so dass sich das Gewässer in den Abzuchten sammelt, dann wird man sichtlich gewahr, dass die Sole im Brunnen höher steigt,

6

das darvonn kommet, das das gewesser sich zu der Sohle heimlich einschleuffet im grunde,

was daher kommt, dass sich das Gewässer im Grund heimlich zur Sole einschleicht.

7

Wannt1 in der zeit vnnd weyle, als das Rath2 vor dem gewelbe, vnnd das wilde wasser aus dem vmbgannge, derLäuft auf der nächsten Seite weiter

Denn in der Zeit und Weile, als das Rad vor dem Gewölbe (stand) und das wilde Wasser aus dem Umgang, der…

Unsichere Lesungen

  1. Wannt — Lesung unsicher; wohl ›want‹ = denn/weil
  2. Rath — wohl das Eimerrad des Schwellenberg (vgl. fol. 40r); Satz läuft auf die Folgeseite

S. 88

Bl. 42vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteangezüchte Ösete1[?], das was die söhle im Bornne also gut, das die söder eintheil bekanndtenn, das sie viel wercke2[?] hattenn gesottenn, ohne alle beiße3, mitt purer Rothe söhle,

… die Anzüchte …(?) — da war die Sole im Born so gut, dass die Sieder zum Teil bekannten, dass sie viele Werke gesotten hatten, ohne jeden Zusatz, mit purer roter Sole,

2

als mann sie aus dem Bornne füllet, das sie darvor nit hattenn gethann, eher denn das Rath vor dem Gewelbe gesatzt wardt,

so wie man sie aus dem Born füllte — was sie zuvor nicht getan hatten, ehe das Rad vor dem Gewölbe gesetzt wurde.

3

Hieraus zu proben ist, das die söhle besser ist, wann das Gewelbe offen ist,

Daraus ist zu ersehen, dass die Sole besser ist, wenn das Gewölbe offen ist.

4

Wann aber das gewelbe voller gewässers ist, So tringt das gewaßer zum Bornne zu, vnnd menget sich mit der söhlenn, vnnd daher kommet der söder klage, das die söhle nit gut sey,

Wenn aber das Gewölbe voller Wasser ist, so dringt das Wasser zum Born hin und mengt sich mit der Sole; und daher kommt die Klage der Sieder, dass die Sole nicht gut sei.

5

Dargegenn ist auch erdacht der abganng des Borns, das das wilde waßer sich solte obenn abziehenn,

Dagegen ist auch der Ablauf des Borns erdacht, damit sich das wilde Wasser oben abziehen sollte.

6

Hierumb ob die gequelle vnnd adernn in dem vmbgannge des Borns fundenn werdenn, des soll niemanndt erfehret sein, auch keine sorge darbey habenn,

Wenn darum die Quellen und Wasseradern im Umgang des Borns gefunden werden, soll darüber niemand erschrocken sein und sich auch keine Sorge dabei machen;

7

wennte sie kommen nicht aus dem Bornne, Sonndern sie seindt auswendige des Borns sonnderliche gequelle, vnnd aigen sich ann mehr enndenn4 der mann nicht bedarff,Läuft auf der nächsten Seite weiter

denn sie kommen nicht aus dem Born, sondern sind außerhalb des Borns eigene, besondere Quellen und zeigen sich an mehr Stellen, als man ihrer bedarf,

Unsichere Lesungen

  1. angezüchte Ösete — Satzanfang von voriger Seite; zweites Wort trotz Vergrößerung nicht sicher lesbar (Ösete/Öfete?), Anschluss unklar
  2. wercke — Lesung unsicher (wercke/wercker), Zierstrich durch ck erschwert Lesung
  3. beiße — Wortbedeutung unklar, wohl 'Zusatz/Zubuße'
  4. aigen sich ann mehr enndenn — Lesung 'enndenn' (Enden = Stellen) nicht ganz sicher

S. 89

Bl. 43rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitevnnd derhalbenn bedarf der Bornn auch keines bauens, auch ob die angezüchte vnnd der vmganngk infiele1, oder brochhafftigk werdenn, So kann vnnd magk mann sie wieder machenn, ohne des Borns schadenn, vnnd seiner wercke,

und deshalb bedarf der Born auch keines Baues; und wenn die Anzüchte (Abzugskanäle) und der Umgang einfielen oder schadhaft würden, so kann und mag man sie wiederherstellen, ohne Schaden für den Born und seine Werke.

2

Ehe, hettenn die Pfenner so viel gewust, vonn solchem vnterschiede des Borns, vnnd des auswenndigenn gequelles, So were Ihne am Borne vnnd seine wercke keins bauens noth gewest zuthunde,

Hätten die Pfänner zuvor so viel von diesem Unterschied zwischen dem Born und dem äußeren Gequell gewusst, so wäre ihnen am Born und seinen Werken kein Bau zu tun nötig gewesen,

3

Sonndernn alleinn ann dem vmbgange, der anzucht, die da allein verfallenn warenn,

sondern allein am Umgang und an der Anzucht, die allein verfallen waren.

4

also seindt die Pfenner mit schadenn vnnd mit bauenn, weis wordenn,

So sind die Pfänner durch Schaden und durch Bauen klug geworden.

5

Mann bedarff auch sich alzeitt kerenn2 ann der söder klage, Ob Ihne die söhle nit behaget,

Man braucht sich auch nicht allzeit an die Klage der Sieder zu kehren, ob ihnen die Sole nicht behagt.

6

Wennte sie iamert nit der Pfenner schade, das mercke wer da will,

Denn sie jammert der Schaden der Pfänner nicht — das merke, wer da will.

7

So sich aber in warheit findet, das das wilde waßer Innschleuffet3 zu der söhle,

Findet sich aber in Wahrheit, dass das wilde Wasser zur Sole einschleicht,

8

das zu wehrenn magk mann das Rath vor dem Gewelbe halttenn, oder den Sohlgrabenn zu grunde reumenn, zu des wildenn waßers abganng,

so mag man, um dem zu wehren, das Rad vor dem Gewölbe halten oder den Sohlgraben bis auf den Grund räumen, zum Ablauf des wilden Wassers;

9

vnnd ab dardurch die söhle im Bornn nicht also hoch steiget,Läuft auf der nächsten Seite weiter

und wenn dadurch die Sole im Born auch nicht so hoch steigt

Unsichere Lesungen

  1. infiele — Lesung einfiele/infiele
  2. Mann bedarff auch sich alzeitt kerenn — Negation ('nicht') fehlt im Original, ist aber vom Sinnzusammenhang gefordert; nach 'alzeitt' gestrichenes bzw. verziertes Zeichen
  3. Innschleuffet — Lesung des Wortanfangs unsicher (Inn-/Imm-), Bedeutung 'einschlieft/einschleicht'

S. 90

Bl. 43vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteals vor, So ist ihr dennach gnug zu allem gesöde ohent[?] zweiuell[?]

wie zuvor, so ist ihrer dennoch ohne Zweifel genug für alles Gesiede vorhanden.

2

Vff freytagk Sanct Remigen tagk2 wardt der vmbgang bereit vonn den zimmerleutenn, das man den mochte zufüllenn zu ennde, da er wenndt vber der drittenn abtzucht,

Am Freitag, Sankt Remigius' Tag [1. Oktober], wurde der Umgang von den Zimmerleuten fertiggestellt, so dass man ihn bis zu dem Ende zufüllen konnte, wo er über der dritten Abzucht wendet.

3

Es geschach auch dieweil am Borne bawete, das die söder den gebau versprochenn, vnnd gleich als vor vber die söhle klagetenn, das sie müstenn viel holtzes verbrennenn,

Es geschah auch, während man am Born baute, dass die Sieder den Bau schmähten und wie zuvor über die Sole klagten, dass sie viel Holz verbrennen müssten.

4

Mann konnt auch also nicht gebauwenn, das Inen der Bau behagete,

Man konnte auch gar nicht so bauen, dass ihnen der Bau behagt hätte.

5

Dardurch auch etliche Pfenner nicht wenig bewegt wordenn, vnnd vmb solches bey ezlichenn glaubhafftigenn Södernn, sich befragtenn, die warheit zuerforschenn,

Dadurch wurden auch etliche Pfänner nicht wenig beunruhigt und befragten deswegen etliche glaubwürdige Sieder, um die Wahrheit zu erforschen,

6

vonn denenn sie wurdenn berichtet in glaubenn, das die söhle nit geringer were,

von denen ihnen glaubhaft berichtet wurde, dass die Sole nicht geringer sei;

7

das sie aber mehr holtzes verbrenntenn, das keme darvonn3, das sie größer werck siedenn, vnnd siedenn müstenn, soltenn sie ihre lade leute bey sich behaltenn,

dass sie aber mehr Holz verbrennten, das komme daher, dass sie größere Werke sieden — und sieden müssten, wollten sie ihre Ladeleute bei sich behalten.

8

Auch wardt gemercket vonn den die da den södern dieLäuft auf der nächsten Seite weiter

Auch wurde von denen bemerkt, die da den Siedern die …

Unsichere Lesungen

  1. ohent zweiuell — Beide Wörter schwer lesbar; kontextuell wohl 'ohne Zweifel' (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. Sanct Remigen tagk — 'Sanct' aus Parallelstelle fol. 44r erschlossen, Schriftbild eher 'danct'; Remigiustag = 1. Oktober
  3. das keme darvonn — 'keme' mit kräftigem Querstrich (wohl Zierstrich, keine Tilgung); 'darvonn' geschrieben wie 'darnonn'

S. 91

Bl. 44rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitewellenn5 verkaufftenn das sie nicht mehr holtzes zu ein wercke kaufftenn, dann sie vor gethann hetten,

… die Wellen (Reisigbündel) verkauften, dass sie nicht mehr Holz für ein Werk kauften, als sie zuvor getan hatten.

2

vnnd hierumb ist nit noth sich zu kerenn ann Jedermans sage, auch so ist nicht allenn Geisternn zuglaubenn,

Und darum ist es nicht nötig, sich an jedermanns Gerede zu kehren; auch ist nicht allen Geistern zu glauben.

3

Vff Sanct Seuers tagk1, Inn der wochen Salus ppli2, Vnnd die achte tage darnach brachte der Meister das gerüste vom Borne vnnd auch das Rath, mit seinenn Eimernn,

Am Sankt-Severus-Tag [22. Oktober], in der Woche 'Salus populi', und die acht Tage danach brachte der Meister das Gerüst vom Born und auch das Rad mit seinen Eimern,

4

vnnd richtete vf ein annder gezeugk vber den Born, mit zweuen scheibenn, vnnd ann Jeglicher scheibenn hingenn zwenn Eimer,

und richtete ein anderes Hebezeug über dem Born auf, mit zwei Scheiben (Seilrollen), und an jeder Scheibe hingen zwei Eimer,

5

damit mann die söhle solt aus dem Borne gewinnen, vnnd forthann giessenn in zweenn kastenn, oder tröge, vnnd daraus solt fliessenn, Inn die gerinne,

damit man die Sole aus dem Born gewinnen und sodann in zwei Kästen oder Tröge gießen sollte, aus denen sie in die Gerinne fließen sollte.

6

vnnd vber solcher arbeit lag mann baldt in der wochenn omnia quæcunqz3,

Und über dieser Arbeit lag man bald bis in die Woche 'Omnia quaecumque'.

7

vnnd in der zeit, als der gezeug wardt vfgericht, wordenn die Obristenn Reiffe vf den Born gebracht, vnd den auch gleich getemmet,

Und in der Zeit, als das Hebezeug aufgerichtet wurde, wurden die obersten Reifen auf den Born gebracht und dieser auch sogleich verdämmt.

8

vnd der gezeugk gingann, vf aller Sehlenn tagk, vnnd die nacht, vnnd er wardt ganntz vnnzaulich4[?], So das die söder vnnd Giesser darüber clagtenn, vnndLäuft auf der nächsten Seite weiter

Und das Hebezeug ging am Allerseelentag [2. November] an, auch die Nacht hindurch, und es wurde ganz unzulänglich(?), so dass die Sieder und Gießer darüber klagten und …

Unsichere Lesungen

  1. Sanct Seuers tagk — Heiligenname unsicher, wohl Severus (22. Oktober); davor gestrichenes 'freytagk'
  2. Salus ppli — abgekürzt mit Kürzungsstrich, aufzulösen als 'Salus populi' (Introitus)
  3. omnia quæcunqz — lateinisch abgekürzt, wohl Introitus 'Omnia quaecumque'
  4. vnnzaulich — Lesung und Bedeutung unsicher; vielleicht 'unzulänglich' oder 'unzählich' (= übermäßig)
  5. wellenn — Lesung wellenn/wollenn; gemeint wohl Wellen = Reisigbündel als Brennholz

S. 92

Bl. 44vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitebrechte ann dem siedenn mergklichenn schadenn, vnnd was ganntz vmb sonnst gemacht,

… es brächte dem Sieden merklichen Schaden und sei ganz umsonst gemacht.

2

Darumb bereitetenn die Pfenner samptlich das Rath, das mann die schwenngell solt wieder vfrichtenn, nach alter gewonheit,

Darum fassten die Pfänner sämtlich den Rat, dass man die Schwengel nach alter Gewohnheit wieder aufrichten sollte.

3

vnnd wiewohl solchs dem meister widerig was, demnach also baldt nach aller Sehlenntage müstenn die zimmerleute, die schwengel zu wege suchenn, bereitenn vnnd vfrichtenn,

Und obwohl dies dem Meister zuwider war, mussten die Zimmerleute demnach alsbald nach Allerseelen die Schwengel beschaffen, zurichten und aufrichten,

4

das vf Freitage nach Martini wardt der gezeug mit seinen scheibenn wieder abgebrochenn, vnnd vonn dem Borne gebracht,

so dass am Freitag nach Martini [11. November] das Hebezeug mit seinen Scheiben wieder abgebrochen und vom Born weggebracht wurde;

5

vnnd das schwenngell machenn, vnd die gerinne ann der Wercke2[?] zulegenn, wehrett bis vf Sontage Anndres tage3,

und das Anfertigen der Schwengel und das Anlegen der Gerinne am Werk währte bis zum Sonntag, dem Andreastag [30. November].

6

Vff Sontage vor Gaudete begundt der Meister den Born zu flasternn vnnd zu deckenn, das wehret bis aufs neu Jar,

Am Sonntag vor Gaudete [3. Adventssonntag] begann der Meister, den Born zu pflastern und zu decken; das währte bis aufs neue Jahr.

7

Ein nützlich Rath denn nachkommendenn Pfennernn .XVI. Capitell.

Ein nützlicher Rat für die nachkommenden Pfänner. 16. Kapitel.

8

Ob nach vielenn zukünfftigenn Jarenn not würdeLäuft auf der nächsten Seite weiter

Wenn es nach vielen zukünftigen Jahren nötig würde …

Unsichere Lesungen

  1. bereitetenn ... das Rath — Lesung 'bereitetenn'; Sinn wohl 'berieten/beschlossen den Rat' (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. ann der Wercke — Wort mit Zierstrich, Lesung Wercke/Werbe unsicher
  3. Sontage Anndres tage — Datumsangabe: Andreastag (30. November) fiel 1489 nicht auf einen Sonntag; Lesung 'Sontage' gleichwohl deutlich

S. 93

Bl. 45rBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteden Pfennern, aber eins denn Bornn zu bauenn, vnnd das sie annsehenn woltenn, wie das erste alte wercke geschickt geweist wehre, als dauonn hieuor stehet, vonn der anndernn Ösunng1 des Bornns,

… den Pfennern; sie wurden aber einig, den Born zu bauen, und dass sie ansehen wollten, wie das erste alte Werk beschaffen gewesen war – wie davon zuvor die Rede ist, bei der anderen Ösung (Ausschöpfung) des Borns –,

2

oder das sie woltenn annsehenn, wie das werck geschickt ist, als dauonn hieuor stehet, vonn dem wercke des Bornns,

oder dass sie ansehen wollten, wie das Werk beschaffen ist, wie davon zuvor die Rede ist, bei dem Werk des Borns.

3

So magk mann aus beidenn gewerbenn2 nichts bessers erkiesenn, denn das mann die Seuhlenn3 vnnd schwellenn Inmassenn bereitte, als sie Jzundt gemacht seindt,

So kann man aus beiden Vorschlägen nichts Besseres erwählen, als dass man die Säulen und Schwellen in dem Maße herrichte, wie sie jetzt gemacht sind,

4

Ja ob sie brochhafftigk werdenn werenn, als dauonn hieuor stehet, vonn den Seuhlenn vnd Schwellenn des wercks,

ja, falls sie schadhaft geworden wären – wie davon zuvor die Rede ist, bei den Säulen und Schwellen des Werks –,

5

vnnd darein in den grundt legetenn reiff ein auff denn anndern, verzapffet, bis obenn aus, auff solche masse als Jzundt das werck vonn obenn aus dem Bodenn gleich wordenn ist,

und dass man darin bis auf den Grund einen Reifen auf den anderen legte, verzapft, bis oben hinaus, auf solche Weise, wie jetzt das Werk von oben bis auf den Boden gleichförmig geworden ist.

6

Welche reiffe vonn grobenn eichenn Krömlingenn4 gemacht seindt,

Diese Reifen sind aus groben eichenen Krömlingen (krummen Hölzern) gemacht.

7

vnnd wann der Born mit einem solchenn wercke gefasset würde, das weret ewiglichenn, mit kleiner Costenn, vnnd ein Jeglicher Zimmerman oder werckmeister kan dasLäuft auf der nächsten Seite weiter

Und wenn der Born mit einem solchen Werk gefasst würde, so hielte das ewig, mit geringen Kosten, und jeder Zimmermann oder Werkmeister kann das …

Unsichere Lesungen

  1. Ösunng — Lesung des Fachworts (Ösung = Ausschöpfen des Borns) nicht ganz sicher
  2. gewerbenn — frühnhd. Gewerbe = Vorbringen, Antrag; Lesung wahrscheinlich, aber nicht sicher
  3. Seuhlenn — Schreibung unsicher, auch als Seuchlenn lesbar; gemeint sind Säulen
  4. Krömlingenn — Fachwort (gebogene Eichenhölzer); Anfangsbuchstabe K nicht ganz sicher

S. 94

Bl. 45vBd. 25. Buch · Geyselers Denkschrift von 1489Faksimile (ORKA)

Das fünffte Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitegemachenn vnd bereytenn, Ohnne sonnderliche große Meister.

… machen und bereiten, ohne besondere große Meister.

2

Vonn den Pfölenn vnnd Plöckenn die da geschlagenn wordenn in den vmbganng XVII. Capitell.

Von den Pfählen und Pflöcken, die in den Umgang geschlagen worden sind. 17. Kapitel.

3

Es wardt auch berathenn vonn dem Meister vnnd den Pfennernn, das mann solte den vmbganng des Bornns gleich vnnd ebenn machenn mit Thone, vnd darein Plöcke schlagenn, einenn bey den anndernn,

Es wurde auch von dem Meister und den Pfennern beraten, dass man den Umgang des Borns mit Ton gleich und eben machen und Pflöcke hineinschlagen sollte, einen neben den anderen,

4

vf das also vf den Plöckenn das wilde wasser, vnnd auch die sohle, die vf dem Bornne vonn den Giessern vfgegossenn wurde, in das gewelbe flusse vnnd nicht stehenn bliebe vmb den Bornn,

damit so auf den Pflöcken das wilde Wasser und auch die Sole, die auf dem Born von den Gießern vergossen wurde, in das Gewölbe abflösse und nicht um den Born stehen bliebe,

5

damit sich auch verschlisze der Modt1 der sich sonnstenn verschlemmen möchtte, Wann das gewesser nicht abginge, als denn also geschehenn ist,

damit sich auch der Schlamm (Mod) verzöge, der sich sonst verschlämmen möchte, wenn das Gewässer nicht abliefe; wie es denn auch so geschehen ist.

6

Mann ist auch dardurch gewar wordenn, das die gequelle des wildenn wassers, vnnd die ader der Sohlenn, die da in dem vmbgange sich heruor eigtenn, vnnd ergebenn, armes dicke2Läuft auf der nächsten Seite weiter

Man ist auch dadurch gewahr geworden, dass die Quellen des wilden Wassers und die Adern der Sole, die sich in dem Umgang hervortaten und armdick ergossen, …

Unsichere Lesungen

  1. verschlisze der Modt — Lesung von verschlisze (sich verziehen/abnutzen) und Modt (Schlamm, Moder) unsicher
  2. armes dicke — Lesung armes dicke = eines Armes Dicke (armdick); nicht ganz sicher

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