Forschung
Maße, Gewichte, Geld
Womit die Salzbibel rechnet — und womit nicht
Vorbemerkung: Diese Seite rechnet nicht um
Wer in der Salzbibel liest, dass ein Achtel Salz 155 Pfund wiegt, möchte wissen, wie viel Kilogramm das sind. Diese Seite gibt darauf absichtlich keine Antwort. Sie sammelt statt dessen, was die Handschrift selbst über ihre Maße sagt — und das ist mehr, als man erwartet. Das Glossar des Holzvogts (Bd. 2, S. 473–582) nennt zu fast jedem Stichwort ein Maß und einen Preis; der dritte Anhang beginnt mit einer Umrechnungstabelle für Sole und Salz (Bd. 2, S. 676); das zweite Buch rechnet Salz nach, das zur Probe nach Gießen gefahren wurde; und die Bauberichte notieren Schuh und Zoll. Aus diesen Angaben lässt sich ein geschlossenes System ablesen, in dem sich die Einheiten zueinander verhalten. Diese Verhältnisse sind belastbar. Die Umrechnung in Gramm und Liter ist es nicht, und der letzte Abschnitt dieser Seite erklärt, warum.
Alle Tabellen nennen die Stellen im Faksimile. Wo die Handschrift an zwei Stellen Verschiedenes sagt, stehen beide Angaben nebeneinander — das ist kein Fehler dieser Seite, sondern ein Befund.
Gewicht
Das Gewichtssystem der Salzbibel ist einfach und in sich geschlossen: Ein Pfund hat 32 Lot, ein Lot vier Quentchen. Das steht nicht als Regel da, sondern folgt aus einer Rechnung am Anfang des dritten Anhangs: „Eine Pfanne hat: Pfund — 1240, Lot — 39 680, Quentchen — 158 720.“ 39 680 geteilt durch 1240 ist 32; 158 720 geteilt durch 39 680 ist 4. Das Quentchen ist die kleinste Einheit, mit der gewogen wird — Christoph Hombergs Solemessungen sind auf halbe Quentchen angegeben. Der Zentner dagegen ist keine feste Größe: „Ein Zentner zu Allendorf hält — 104 Pfund. Ein Zentner zu Kassel — 108 Pfund.“ Und der Waldzentner, mit dem die Eisenhütte abrechnet, „hält gemeiner Rechnung — 1¼ Zentner“.
| Verhältnis | Was die Salzbibel sagt | Stellen |
|---|---|---|
| 1 Pfund = 32 Lot; 1 Lot = 4 Quentchen | Aus der Rechnung „Pfund 1240, Lot 39 680, Quentchen 158 720“ für eine Pfanne Salz. | Bd. 2, S. 676 |
| 1 Zentner (Allendorf) = 104 Pfund | Zweimal im Glossar, unter „Zentner“ und unter „Gewicht“. | Bd. 2, S. 489, 510 |
| 1 Zentner (Kassel) = 108 Pfund | Derselbe Eintrag — die Landeshauptstadt wog anders als die Salzstadt. | Bd. 2, S. 489 |
| 1 Waldzentner = 1¼ gemeine Zentner | Abrechnungseinheit der Eisenhütte für Pfanneneisen; zu 4½ Gulden (zu 27 Albus). | Bd. 2, S. 489, 492, 534 |
| 1 Achtel Salz = 155 Pfund (Soll) | „auch 150 oder 140“; „soll wiegen 155 Pfund, wiegt bisweilen 150 bis 140 Pfund“. | Bd. 2, S. 476, 510, 545, 676 |
| 1 Pfanne Salz = 8 Achtel = 1240 Pfund | „Eine Pfanne gutes trockenes Salz soll wiegen 1240 Pfund, oder ein Achtel 155 Pfund.“ | Bd. 2, S. 545, 676 |
| 1 Salzgans ≈ 5–6 Pfund | Die Schaufel Salz, die aus der Pfanne gehoben wird; rund 24 Gänse auf ein Achtel. | Bd. 2, S. 505, 510 |
| 1 Quart Sole = 96 Lot = 3 Pfund (1574) | Rhenanus’ eigene Wägung vom 2. Februar 1574: „ein Quart Sole 96 Lot gehalten hat, das sind 3 Pfund; die gaben Salz 7 Lot“. | Bd. 2, S. 556 |
| 1 Quart Sole = 2 Pfund 27 Lot (= 91 Lot) | Eintrag „Gewicht“ im Glossar; wildes Wasser: 2 Pfund 22 Lot. | Bd. 2, S. 510 |
| 1 Quart Sole = 2 Pfund 23 Lot (= 87 Lot) | Eintrag „Wildes Wasser“: Wasser 2 Pfund 22 Lot, Sole 2 Pfund 23 Lot. Drei Einträge, drei Werte — siehe unten. | Bd. 2, S. 568 |
| 1 Malter Asche ≈ 188 Pfund | Die Asche der Siedehäuser ging an die Glaser. | Bd. 2, S. 477 |
| 1 Kanne Sole = 1 Lot Salz → 1 Eimer = 2 Pfund 10 Lot | Zweite Tafel des Universalprobierbuchs, meißnisches Maß: 1 Eimer = 74 Kannen (erschlossen, siehe unten). | Bd. 2, S. 628 |
Solemaße
Sole wird in Hohlmaßen gemessen, deren Reihe die Salzbibel selbst angibt: „Ein Fuder Allendorfer Maß hat — 6 Ohm oder — 720 Quart. Ein Ohm — 120 Quart oder 20 Viertel.“ Daraus folgt, was nirgends ausdrücklich steht: Ein Viertel hat 6 Quart. Dazu passt das Zinnmaß, mit dem die Salzmaße geeicht werden — es „hält ― 2 Viertel, sind ― 12 Quart“. Für eine Pfanne Salz braucht man „9 oder 10 Fuder“ Sole, „jetzt auch mehr, je nach den Umständen der Zeit“: bei sieben Prozent Gehalt sind das rund 6500 Quart Sole für 1240 Pfund Salz. Hombergs Probiertäfelchen (Bd. 2, S. 678) rechnet genau das aus — wie viel Sole bei welchem Gehalt auf eine Pfanne gehört.
Das Universalprobierbuch benutzt ein anderes System, das meißnische Eichmaß mit Kanne, Eimer, Fass und Fuder, weil es für den Kurfürsten von Sachsen gerechnet wurde. Seine Verhältnisse stehen nicht im Text; sie lassen sich aber aus den Tafeln zurückrechnen (siehe den letzten Abschnitt). Wer die Tafeln auf Sooden anwenden will, muss zuerst umrechnen — und genau dafür steht die Allendorfer Tabelle am Anfang des dritten Anhangs.
| Verhältnis | Was die Salzbibel sagt | Stellen |
|---|---|---|
| 1 Fuder (Allendorf) = 6 Ohm = 720 Quart | Umrechnungstabelle am Anfang des dritten Anhangs. | Bd. 2, S. 676 |
| 1 Ohm = 120 Quart = 20 Viertel | Ebenda; daraus: 1 Viertel = 6 Quart. | Bd. 2, S. 676 |
| 1 Zinnmaß = 2 Viertel = 12 Quart | Eichnormal für die Salzmaße; jedes Salzmaß muss sechs davon halten. | Bd. 2, S. 546, 579 |
| 1 Pfanne Salz ← 9–10 Fuder Sole | „Man muss zu jeder Pfanne 9 oder 10 Fuder haben, jetzt auch mehr“. | Bd. 2, S. 555 |
| 1 Pfanne Salz ← 11 Fuder 16 Quart bei 5 Lot je Quart | Hombergs Probiertäfelchen; die Zeile für 5 Lot stimmt mit 1240 Pfund je Pfanne überein. | Bd. 2, S. 679 |
| 1 Pfanne Salz ← 10 Fuder 2 Ohm 7 Quart bei 5½ Lot (1551) | Baubericht; rechnerisch setzt diese Angabe eine schwerere Pfanne voraus als 1240 Pfund — offen. | Bd. 2, S. 296 |
| 1 Fuder (meißnisch) = 2 Fass = 12 Eimer = 888 Kannen | Aus den Tafeln des Universalprobierbuchs zurückgerechnet; nicht ausdrücklich genannt. | Bd. 2, S. 625, 628 |
| 1 Bierzuber (Allendorf) = Weineich + 7 Quart | „Der Bierzuber in Allendorf ist 7 Quart größer als die Weineich.“ | Bd. 2, S. 496 |
Salzmaße
Salz wird nicht gewogen, sondern gemessen — im Salzmaß, einem geeichten Holzgefäß, das die Schätzer führen. „Maß. So nennt man das Gefäß, mit dem das Salz gemessen wird; es ist ein halbes Achtel, und es gehören 16 davon auf eine Pfanne. Es hält 6 Dünnenmaß oder 8 Homberger Metzen oder 8½ Allendorfer.“ „Salzmaß. Es sind ihrer im Salzwerk 21; die haben die Schätzer, und darin wird alles Salz gemessen.“ Geeicht werden sie „in Beisein des Rentmeisters, des Holzvogts und des Böttchers“. Die Metze ist dabei keine Konstante: Ein Achtel „hält 14 Allendorfer Metzen“ „Salzmetzen, an Kornmetzen aber 17, an Homberger Metzen 16“ — Salzmetze und Kornmetze desselben Ortes sind also verschieden groß, und die Homberger Metze ist eine dritte. Wer in Sooden von „Metzen“ liest, muss fragen, welche.
Ein Fixpunkt reicht über Hessen hinaus: Das Salzmaß hält „12 Viertel Wormser Eich oder, gemäß dem Vertrag — ein Marburger Mut“. Das älteste Eichnormal des Salzwerks ist keine Zahl, sondern ein Ritzbild: Die Urkunde von 1322 bindet die Größe der Pfanne an das Maß, „das wir öffentlich sichtbar in die Wände der Gotteshäuser des Heiligen Kreuzes und Sankt Nikolaus in unserer Stadt Allendorf haben einzeichnen lassen“. Ob davon etwas erhalten ist, steht auf der Seite Offene Fragen.
| Verhältnis | Was die Salzbibel sagt | Stellen |
|---|---|---|
| 1 Pfanne = 8 Achtel = 16 Maß | „Eine Pfanne hat 8 Achtel; ein Achtel 2 Maß.“ | Bd. 2, S. 528, 545 |
| 1 Maß = 6 Dünnenmaß = 8 Homberger Metzen = 8½ Allendorfer Metzen | Eintrag „Maß“. | Bd. 2, S. 528 |
| 1 Dünnenmaß = 2 Wormser Viertel | Eichgefäß für die Salzmaße. | Bd. 2, S. 529 |
| 1 Salzmaß = 12 Viertel Wormser Eich = 1 Marburger Mut | Also 1 Achtel = 2 Marburger Mut (S. 476). | Bd. 2, S. 476, 545 |
| 1 Achtel = 144 Allendorfer Quart | Eintrag „Salz“; die Handschrift schreibt auf S. 476 an derselben Stelle „144 lb“ — Lesung offen. | Bd. 2, S. 476, 545 |
| 1 Achtel = 22 Viertel | Eintrag „Zinnmaß“. Rechnerisch ergeben 2 Maß zu 12 Viertel aber 24 — Widerspruch in der Vorlage. | Bd. 2, S. 579 |
| 1 Achtel = 14 Allendorfer Salzmetzen = 17 Kornmetzen = 16 Homberger Metzen | Eintrag „Achtel“. | Bd. 2, S. 476, 545 |
| 1 Maß Steinkohlen = 22 Metzen | Dasselbe Wort „Maß“ für das Kohlenmaß; ein halbes Maß 11 Metzen. | Bd. 2, S. 529, 562 |
| 1 Malter Hafer = 16 Metzen | Erschlossen: 273 Malter im Jahr sind „jede Woche 5 Malter 4 Metzen“ (273 ÷ 52 = 5¼). | Bd. 2, S. 511 |
| 1 Pfanne Salz = 10 Mainzer Malter (Darmstadt) | Verkaufsmaß in Darmstadt; darunter Sümmer, Kumpf und Gescheid. | Bd. 2, S. 547 |
| 1 Kufe Sole, 1 Trog, 1 Esche | Betriebsgefäße ohne Maßangabe: zwei Kufen und zwei Tröge je Siedehaus; die Esche „ein Gefäß wie eine Metze“. | Bd. 2, S. 494, 521, 557 |
Holz und Kohle
Das Holz ist der größte Posten der ganzen Rechnung, und sein Maß, das Klafter, ist ein Raummaß, das von der Art des Holzes abhängt. Der Holzvogt hat das 1572 selbst geprüft: „Anno 72 habe ich auf ein besonderes Schreiben des Pfarrers Rhenanus hin aus Kassel 4 Klafter zählen lassen, um zu erforschen, wie viele Scheite ein Klafter hält“ — ausgelesene gespaltene Scheite 304, gemischte 251, Scheite und Knüttel 281, gemeines Holz 261, „das kommt auf ein Klafter — 274 Scheite“. Eine Stichprobe mit vier Klaftern und einer Streuung von zwanzig Prozent: Das ist ehrlicher als jede Umrechnung in Kubikmeter. Die Sägen, mit denen das Holz geschroten wird, sparen „jedesmal das fünfte Klafter“.
Mit der Braunkohle kommt ein neues Maß in den Betrieb: das Kohlenmaß zu 22 Metzen. Ein Werk braucht davon „18 Maß, auch wohl 19 oder 20 Maß, je nachdem die Sole am Gehalt gut oder schlecht ist“. Auf dem Berg kostet das Maß 2½ Albus, das Fuhrlohn noch einmal so viel.
| Verhältnis | Was die Salzbibel sagt | Stellen |
|---|---|---|
| 1 Klafter ≈ 274 Scheite (251–304) | Zählung von vier Klaftern 1572 auf Veranlassung Rhenanus’. | Bd. 2, S. 488 |
| 1 Fuhr = ½ Klafter | Beim Einfahren geben die Fuhrleute den Pförtnern je Fuhr ein Zeichen ab. | Bd. 2, S. 501 |
| 1 Schock = 60; 1 Gebund Dachgerten = 7 Stecken | Schock als Zählmaß für Wellen, Latten, Dielen, Nägel, Stroh. | Bd. 2, S. 489, 529 |
| 1 Steige Eselwellen | Zählmaß für die Reisigbündel, die Eseltreiber bringen; sieben Steige zu 1 Taler 3 Albus. | Bd. 2, S. 514 |
| 1 Maß Steinkohlen = 22 Metzen | Kohlenmaß; 18–20 Maß je Werk. | Bd. 2, S. 529, 562, 563 |
| 1 Maß Steinkohlen brennt 3 Maß Kalk | Der Kalkofen des Salzwerks, „nunmehr mit Steinkohlen“. | Bd. 2, S. 523 |
| 1 Fuder Heu; 3 Fuder je Kunstpferd und Jahr | Fuder auch als Wagenladung Heu, Lehm, Pfahlholz — kein festes Maß. | Bd. 2, S. 497, 512, 537 |
| 1 Klafter Holz = 1 Taler (Buchen) / 28 Albus, „nunmehr 1 Gulden“ (Eichen) | Preise, die im Glossar selbst schon mit „nunmehr“ fortgeschrieben werden. | Bd. 2, S. 483, 513, 514 |
Längen
Gemessen wird in Schuh und Zoll, im Bergbau in Lachtern. „Lachter. Ist wie ein Maß — 7 Werkschuh lang; damit nimmt man jeweils die Tiefe und Länge dessen ab, was aufgefahren wird, und misst damit.“ Der Werkschuh ist der Schuh des Zimmermanns; das Bautagebuch von 1550 unterscheidet ihn vom gewöhnlichen Schuh, wenn es die Fassung „20 Werkschuh lang und 8 Schuh weit“ machen lässt. Tuch wird nach Ellen gekauft, Wege nach Meilen bemessen — die Bannmeile der Pfänner ist „eine Meile Wegs“ —, Ufer nach Ruten verpachtet. Für keine dieser Einheiten nennt die Salzbibel einen Wert; sie setzt sie als bekannt voraus.
| Verhältnis | Was die Salzbibel sagt | Stellen |
|---|---|---|
| 1 Lachter = 7 Werkschuh | Bergwerksglossar. | Bd. 2, S. 605 |
| Pumpen im Salzbrunnen: 5½ Zoll weit, 28 Schuh hoch | Zwei Pumpen im Brunnen, zwei zu 8 Zoll im Wasserschacht. | Bd. 2, S. 478, 481, 555 |
| Pfanne: 10 Schuh 7½ Zoll breit, 12 Schuh 8 Zoll lang, 11½ Zoll tief | Eintrag „Pfanne“ im Glossar. | Bd. 2, S. 533 |
| Rost (Steinkohle): 7 Schuh 8 Zoll × 5 Schuh 7 Zoll; Pfanne 2½ Schuh darüber | Eintrag „Rühren“ mit Anmerkung. | Bd. 2, S. 543 |
| Siedehaus: 35 Schuh weit, 49 Schuh lang, 20½ Schuh hoch | Anmerkung zum Eintrag „Kothe“. | Bd. 2, S. 521 |
| Ältere Brunnenfassung 1550: 15 Schuh weit | Der Fund, „von der kein Mensch gewusst hat“. | Bd. 2, S. 307 |
| Berghund: 3½ Schuh lang, 1 Schuh 9 Zoll weit, 2 Schuh 1 Zoll tief | Förderwagen im Bergwerksglossar. | Bd. 2, S. 588 |
| Elle: 4 Ellen londisches Tuch (Hofkleid); 28½ Ellen Leinen (Pfannentuch) | Tuchmaß ohne Umrechnung. | Bd. 2, S. 482, 536 |
| Meile: Bannmeile der Pfänner „eine Meile Wegs“; Bürgen bis „fünf oder sechs Meilen“ | Wegmaß ohne Umrechnung. | Bd. 1, S. 178, 718 |
| Rute: „sechs Ruten Länge“ Ufer am Wehr | Flächen- bzw. Längenmaß, einmal im Baubericht. | Bd. 2, S. 177 |
| Spanne: Salzstück „zwei Spannen breit, drei lang und fünf hoch“ | In Staßfurt; Körpermaß. | Bd. 2, S. 843 |
Geld
Geld ist in der Salzbibel dreierlei: Rechengeld, Münzgeld und Ortsgeld. Das Rechengeld des Glossars sind Gulden, Albus und Heller. Ihr Verhältnis wird an einigen Stellen ausdrücklich gemacht — „200 Gulden zu 27 Albus“, „4½ Gulden zu 27 Albus“ — und an anderen stillschweigend vorausgesetzt. Der Taler ist eine Münze und kein Rechenbegriff: „1 Taler oder 31 Albus“. Und das alte Allendorfer Ortsgeld hat das Glossar eigens beschrieben: „Münze zu Allendorf an der Werra, wie von alters her: 4 Heller sind ein Schilling, 20 Schilling sind ein Pfund, 4 Pfund sind eine Mark; also ist eine Mark 1 Gulden 8 Heller. 60 Schilling sind ein altes Schock, 18 Schilling sind ein neues Schock.“ Mit dieser Mark rechnen die Stammgelder der Holzberge — und mit einer anderen Mark rechnet Geyselers Baubericht von 1489, der „je drei Mark für zwei Gulden“ setzt, „da zu jener Zeit ein Gulden vier alte Schock galt“. Dieselbe Einheit, hundert Jahre auseinander, zwei Kurse: Das ist die Münzverschlechterung, von der die Wirtschaftsgeschichte spricht, an einer einzigen Quelle ablesbar.
| Verhältnis | Was die Salzbibel sagt | Stellen |
|---|---|---|
| 1 Gulden = 27 Albus (ausdrücklich) | „200 Gulden zu 27 Albus“, „4½ Gulden zu 27 Albus“, Eisenkauf, Pfanneneisen. | Bd. 2, S. 492, 502, 534 |
| 1 Gulden = 26 Albus (rechnerisch) | Die Summen des Glossars gehen mit 26 auf: 86 Taler = 102 Gulden 14 Albus; 39 Taler = 46½ Gulden; siehe unten. | Bd. 2, S. 542, 552 |
| 1 Taler = 31 Albus | „1 Taler oder 31 Albus“; auch „zwei Taler oder 2 Gulden“ (Böttcher), was nicht dazu passt. | Bd. 2, S. 486, 513 |
| 1 Albus = 12 Heller | Erschlossen aus „Ein Pfund Allendorfer Währung ist 20 Groschen oder Schilling, ein Groschen oder Schilling 4 Heller; also macht ein Pfund — 6 Albus 8 Heller“. | Bd. 2, S. 539 |
| 1 Mark = 4 Pfund = 80 Schilling = 320 Heller = 1 Gulden 8 Heller | Allendorfer Ortswährung; passt nur zum Gulden von 26 Albus. | Bd. 2, S. 529, 574, 575 |
| 1 Schilling = 1 Groschen = 4 Heller | Allendorfer Münze; „Anmerkung: Ein Groschen ist 4 Heller.“ | Bd. 2, S. 529, 575 |
| 1 altes Schock = 60 Schilling; 1 neues Schock = 18 Schilling | Ebenda. | Bd. 2, S. 529 |
| 3 Mark = 2 Gulden; 1 Gulden = 4 alte Schock (1489) | Geyselers Umrechnung der Baukosten von 1157 Mark. | Bd. 2, S. 98, 99 |
| 1½ Mariengroschen = 1 Albus 4 Heller | Zoll zu Münden — fremdes Geld an der Weser. | Bd. 2, S. 577 |
| 1 Pfennig | Kleinstmünze für Stricke und Nägel; Verhältnis zum Heller nicht angegeben. | Bd. 2, S. 536, 560 |
| Groschen (Sachsen): Wellen 3 Groschen das Schock, in Frankenhausen 8 | Rhenanus notiert fremde Preise in fremder Münze. | Bd. 2, S. 783 |
Der Gulden von 26 Albus steht nirgends. Er ergibt sich, wenn man nachrechnet: 21 Schätzer bekommen je Siedehaus einen Taler, „das macht von 86 Bothen — 102 Gulden 14 Albus“ — 86 Taler zu 31 Albus sind 2666 Albus, und das sind 102 Gulden 14 Albus nur, wenn der Gulden 26 Albus hat. Ebenso beim Rost: 39 Zentner zu einem Taler „das macht 46½ Gulden“. Der Holzvogt rechnete also mit 26 und schrieb 27 nur dahin, wo eine Urkunde es so festlegte. Beide Gulden nebeneinander in derselben Handschrift: Wer Beträge der Salzbibel addiert, muss das wissen.
Und noch ein Rechenbefund: Das Pfannentuch. 28½ Ellen Leinen „die Elle zu 12 Hellern gerechnet“ ergäben 28½ Albus; das Glossar nennt aber „1 Gulden 23 Albus 10½ Heller“, und das ist genau der Preis zu 21 Hellern die Elle. Die Summe des Eintrags, „1 Gulden 3 Albus 10 Heller“, ist wiederum um einen Gulden zu niedrig — die Stückliste am Ende des Glossars führt das Pfannentuch mit „2 Gulden 3 Albus 10½ Heller“. Ein Zahlendreher und ein Additionsfehler, beide in der Reinschrift; die Stückliste hat recht.
Warum Verhältniszahlen tragen und Umrechnungen trügen
Der wichtigste Satz dieser Seite steht in einer Anmerkung des Glossars: „Am 2. Februar habe ich die Sole und das wilde Wasser gewogen und befunden, dass ein Quart Sole 96 Lot gehalten hat, das sind 3 Pfund; die gaben Salz 7 Lot. Ein Quart wildes Wasser — 91 Lot.“ Man braucht kein Lot in Gramm zu kennen, um diese Zeile zu verstehen. 7 von 96 sind rund 7,3 Prozent. Das Verhältnis ist von der Größe des Quarts unabhängig, von der Größe des Lots unabhängig, von allem unabhängig außer der Sole selbst. Genau darin liegt die Modernität des Verfahrens, das Christoph Homberg 1549 begann: Er wog die Sole und wog das Salz, und das Verhältnis war der Gehalt. Homberg formuliert es selbst so: „Wenn 1 Quart 5 Lot Salz gibt, so ist eben das 18. Lot an Sole Salz, oder der 18. Teil ist gut.“ — 5 Lot aus 91 Lot Sole, also der achtzehnte Teil.
Warum Umrechnungen trügen, zeigt dieselbe Zeile. Das Quart Sole wiegt einmal 96 Lot, einmal 91 (2 Pfund 27 Lot, Bd. 2, S. 510), einmal 87 (2 Pfund 23 Lot, Bd. 2, S. 568); das wilde Wasser einmal 91, zweimal 86 Lot. Das sind nicht drei Fehler, sondern drei Messungen mit verschiedenen Gefäßen oder verschiedener Sole — schwerere Sole ist salzhaltigere Sole. Rhenanus’ Wägung vom Februar 1574 lässt sich sogar in sich prüfen: 96 zu 91 Lot ist ein Dichteverhältnis von rund 1,055, und das entspricht einer Kochsalzlösung von etwa sieben bis acht Prozent — was zu den sieben Lot aus sechsundneunzig passt. Er hat, ohne es so zu nennen, zwei voneinander unabhängige Messungen desselben Gehalts gemacht, eine gravimetrische und eine über die Dichte. Diese Übereinstimmung ist ein Befund dieser Ausgabe und wäre am Original nachzurechnen.
Wer dagegen die Angabe 1 Achtel = 155 Pfund in Kilogramm umrechnet, muss ein Pfund wählen. Das hessische Pfund des 16. Jahrhunderts lag, je nach Ort und Quelle, zwischen 460 und 490 Gramm; das Allendorfer Pfund ist nicht überliefert. Die Bandbreite der Umrechnung ist damit größer als die Bandbreite, die das Glossar selbst für das Achtel angibt (140 bis 155 Pfund). Man rechnet also eine bekannte Unsicherheit in eine unbekannte um. Sinnvoll ist das nur, wenn man dazusagt, welchen Wert man gewählt hat und warum — und wenn man die Umrechnung als das ausweist, was sie ist: eine Größenordnung, kein Messwert. Für Vergleiche innerhalb der Salzbibel braucht man sie nicht. Dass ein Brunnenbau von 2741 Gulden rund zwanzig komplette Siedehäuser zu 139 Gulden kostete, sagt mehr als jede Kaufkraftrechnung.
96 Lot Sole ÷ 91 Lot Wasser = 1,055 → Dichte einer etwa 7- bis 8-prozentigen Kochsalzlösung
Eine Stichprobe: stimmen die Rechentafeln?
Das Universalprobierbuch (Bd. 2, S. 623–672) besteht aus achtundvierzig Seiten Tafeln, in denen Rhenanus „von Kannen auf Eimer, von Eimern auf Fass, von Fässern auf Fuder — nach meißnischem Eichmaß“ rechnet, von der Stunde auf Tag, Monat und Jahr, und von einsechzehntellötiger bis dreißiglötiger Sole. Die Anmerkung zum zweiten Anhang nennt es eine offene Aufgabe, diese Tafeln nachzurechnen. Eine erste Stichprobe ist für diese Seite gemacht worden — über die Transkription der Tafeln, nicht am Original, und unter Annahmen, die aus den Tafeln selbst gewonnen sind:
- 1 Eimer = 74 Kannen, 1 Fass = 6 Eimer, 1 Fuder = 2 Fass = 888 Kannen; 1 Monat = 30 Tage, 1 Jahr = 360 Tage;
- 1 Pfund = 32 Lot, 1 Zentner = 100 Pfund;
- in den Salztafeln: 1 Metze Salz = 200 Lot, 1 Viertel = 4 Metzen, 1 Scheffel = 16 Metzen, 1 Werk = 12 Scheffel.
Mit diesen Verhältnissen gehen die erste Tafel (Solemenge je Stunde, Tag, Monat, Jahr) bis auf einen einzigen Wert und die zweite Tafel (Salzgehalt je Kanne auf Eimer, Fass und Fuder) vollständig auf; in den Salztafeln stimmen rund 1200 von 1260 prüfbaren Einträgen. Der eine Fehler der ersten Tafel ist ein Zahlendreher — 13 Fuder in der Stunde sind 312 am Tag, die Tafel schreibt 321 (Bd. 2, S. 626). Die Abweichungen der Salztafeln liegen zu einem guten Teil auf Seiten, deren Scan oben beschnitten ist und deren Spalten die Transkription nur nach dem Muster der Nachbarseiten zuordnen konnte; ob dort Rhenanus oder die Übertragung irrt, muss das Original entscheiden. Das Ergebnis der Stichprobe lautet also: Die Tafeln sind im Kern richtig gerechnet, sie wurden multipliziert und nicht fortlaufend addiert (sonst wanderten Fehler durch die Spalten), und die meißnischen Maße, mit denen Rhenanus rechnete, lassen sich aus ihnen zurückgewinnen — ein Eimer von 74 Kannen, was nachzuprüfen wäre, denn die Literatur nennt für das Dresdner Eichmaß meist 72.
Auch Hombergs Probiertäfelchen (Bd. 2, S. 678–680) lässt sich prüfen. Es rechnet mit der Pfanne von 39 680 Lot und geht für 4, 5, 6, 7 und 8 Lot je Quart auf; nur die erste Zeile — 3 Lot je Quart — nennt 17 Fuder 4 Ohm 6⅔ Quart, wo 18 Fuder 2 Ohm 26⅔ Quart stehen müssten. Rhenanus merkt selbst an, dass er die Brüche hinzugesetzt habe (Bd. 2, S. 680); der Fehler der ersten Zeile könnte von ihm oder von Homberg stammen. Näheres auf der Seite Offene Fragen.
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