Forschung · Orte
Sooden
Lebensort · 1555–1589 · heute Bad Sooden-Allendorf (Sooden), Hessen
Der Eintrag
Sooden
heute: Bad Sooden-Allendorf (Sooden), HessenLebensort 1555–1589 auf der Karte
Lebensmittelpunkt von 1555 bis zum Tod 1589: Pfarrer an St. Marien und Salzgraf des Salzwerks. Hier entstand die Salzbibel, hier standen die Siedehäuser, hier wurde er begraben. Die Salzbibel nennt ihn auf dem Titelblatt „Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden“.
Sooden ist die Salinensiedlung am westlichen Werraufer, gegenüber der Stadt Allendorf. Hier sprudelte die Sole, hier standen die Kothen (die Siedehäuser), hier hatte der Landesherr sein Amt — und hier war Rhenanus von 1555 an Pfarrer an der Marienkirche. In der Widmung der Salzbibel schreibt er, Landgraf Philipp habe ihn „an diesen Ort und Winkel des Fürstentums Hessen, meines geliebten Vaterlandes, zum Prediger und Salzgrafen bestellt“, nämlich „in den Sooden, wo diese lebendige Quelle der wunderbaren Güte Gottes alle Tage mit Verwunderung gesehen wird“.
Das Doppelamt ist das Eigentümliche seines Lebens. Auf dem Titelblatt nennt er sich „Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden“, im Archivverzeichnis der Miszellen „Johann Rhenanus, Pfarrer und Salzgraf zu Sooden“. In der Widmung nimmt er den Einwand vorweg, seine Arbeit „sei mehr politisch als theologisch und darum nicht meines Berufs und Amtes“ — und weist ihn zurück.
Wann er Salzgraf wurde, sagt die Handschrift nicht mit einem Datum. Im Archivverzeichnis steht ein undatiertes Schreiben Philipps, „dass er ihn künftig des Predigtamtes entlasten und ihn an Jost Beckers Stelle als Salzgrafen gebrauchen und bestellen lassen wolle“, und ein Brief Jost Beckers vom 24. Juni 1559, man solle Rhenanus „als einem jungen Mann, der allein in Büchern gelesen, sonst aber nicht viel erfahren habe, in allem nicht verpflichten“. 1567 spricht ihn Wilhelm als Pfarrherrn und Salzgrafen an, 1568 als seinen „derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk“. Die Literatur nennt 1559, 1561 und 1563 — je nachdem, ob die Aufsicht über die Holzwirtschaft, die Mitaufsicht über das Werk oder das alleinige Amt gemeint ist.
Sooden ist auch der Ort der Versuche. Der erste Appendix verzeichnet für 1584, dass von den 43 landgräflichen Bothen „nunmehr Anno 84 zwanzig zum Steinkohlensieden hergerichtet“ seien; das habe bisher 3.524 Gulden gekostet. Das ist der nüchterne Beleg für den Brennstoffwechsel, den die Literatur Rhenanus zuschreibt — die Salzbibel nennt die Meißner Kohle stets „Steinkohlen“.
Hier schrieb er die Salzbibel, zusammen mit dem Mitsalzgrafen Christoph Homberg, den Wilhelm am 24. Februar 1567 anwies, dem Pfarrer „das Buch aufs Beste mit erstellen“ zu helfen. Nach der Vorbemerkung des dritten Bands hat Rhenanus das Werk „bereits im Jahr 1568 begonnen und 1574 fertiggestellt“; abgeschrieben wurde es erst in den folgenden Jahren.
Am 29. April 1589 starb er in Sooden und wurde nach der Literatur in der Marienkirche begraben. Ein Grab ist nicht erhalten. Die Gedenktafel im Kurpark wurde zum 400. Todestag 1989 gesetzt.
- Bd. 1, S. 7 Lesetext — Titelblatt: „Pfarrer und Salzgrafen zu Sooden“
- Bd. 1, S. 25 Lesetext — Widmung: „zum Prediger und Salzgrafen bestellt“
- Bd. 2, S. 521 Lesetext — 1584: zwanzig Bothe zum Steinkohlensieden hergerichtet
- Bd. 2, S. 728 Lesetext — „derzeit ältesten Diener und Salzgrafen im Salzwerk“, 1568
- Bd. 2, S. 885 Lesetext — Archivverzeichnis: „Pfarrer und Salzgraf zu Sooden“
- Bd. 2, S. 994 Lesetext — Jost Becker über den jungen Rhenanus, 1559
- Bd. 2, S. 1002 Lesetext — Philipp will ihn des Predigtamts entlasten und als Salzgrafen bestellen
- Bd. 3, S. 5 Lesetext — Salzbuch begonnen 1568, fertiggestellt 1574
Derselbe Ort im anderen Bestand
Sooden (in der Salzbibel genannt)
Auf der Karte: Sooden auf „Rhenanus’ Wirken“.
Dauerhafte Adresse: https://salzbibel.de/ort.php?id=sooden.
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