Die Widmung — und warum sie kein Vorwort ist. Siebzehn Blatt Zueignung an Wilhelm IV. Man erwartet Höflichkeitsformeln und findet stattdessen einen zusammenhängenden Aufsatz: Rhenanus’ Rechenschaft darüber, warum ein Pfarrer über Salz schreibt.
Er beginnt so weit oben, wie man nur beginnen kann. Das „große, schöne und allerherrlichste Welttheater“ sei nicht von selbst entstanden; und wenn Gott es geschaffen habe, dann habe er auch dem Menschen die Vernunft nicht ohne Absicht gegeben. Die Augen habe er uns „um keiner anderen Sache willen gegeben“, als damit die Geschöpfe „nicht im Finstern liegen und nicht verborgen bleiben, sondern gesehen, mit Fleiß betrachtet und verstanden werden“.
Das ist ein Programmsatz, und er beruft die Zeugen dafür: David, der ausruft, „groß sind die Werke des Herrn; wer sie betrachtet, hat große Lust daran“; Hiob, der „das große Buch der Natur mit Fleiß Tag und Nacht studiert“ habe; und Salomo, „der fleißigste Erforscher aller natürlichen Dinge“, der „vom Ysop an bis zum Zedernbaum“ alles untersucht habe. Auch die Heiden seien „nie so grob und viehisch gewesen“, das Erforschen der Natur zu verachten.
Was ist Salz? Dann folgt etwas, das man in der Widmung eines Verwaltungswerks nicht erwartet: ein Forschungsbericht über die Theorien zur Entstehung des Salzes.
Die erste, den phönizischen Gelehrten Misor und Sydyk zugeschrieben: Salz sei nichts als Wasser und Erde, „gleichsam wie Lauge durch Asche, so werde es durch die Erde gegossen“. Die zweite: Salz sei „ein innerer Schweiß der Erde“ — Dünste, die durch die innere Hitze der Gebirge aufsteigen wie die Feuchtigkeit im Destillierhelm und dabei die Eigenschaft der Erde annehmen, durch die sie dringen. Als Beleg dienen die Farben der Salze: „dass das memphitische Salz rot ist, das sizilische purpurn, das kappadokische safranfarben, das parthische glänzend, das agrigentinische weiß“ — dies vor allem nach Giovanni Pontanos Meteora.
Die dritte Ansicht, und ihr neigt Rhenanus zu: Salz sei „ein selbständiges Ding“. Denn es gebe ganze Berge, „besonders in Polen, in Ungarn, in Kärnten, in der Steiermark“, in denen nichts als Salz ausgehauen werde, und alle Meere seien salzig — „ja, wie der Augenschein und die Erfahrung ausweisen, sei der dritte und größte Teil der Welt nichts als Salz“. Die vierte, dass alle Brunnen aus dem Meer kämen, verwirft er kurz: Die hätten „ganz weit gefehlt“.
Dass er die Sache nicht ausführt, hat einen Grund, den er selbst nennt — und der neugierig macht: Er habe vor, einen eigenen Traktat darüber zu schreiben, „ich habe bereits damit begonnen“. Ob er je fertig wurde, weiß man nicht.
Wo der Theologe weitergeht als der Naturkundige. Es folgt die methodisch interessanteste Passage. Die Naturkundigen, sagt Rhenanus, betrachteten nur „den Stoff und die Form“; einem Theologen aber gebühre es, „etwas höher zu steigen und die wirkende Ursache solcher Natur gründlicher zu suchen“. Die erste Art des Forschens zeige „nicht mehr als die Ordnung in den Dingen, wie sie sind und werden“; die zweite frage, wozu sie so geordnet sind.
Und dann setzt er der eigenen Erkenntnis eine Grenze, mit einem Bild, das haften bleibt. Selbst wenn wir meinten, eine Sache so gründlich erforscht zu haben, „dass man sie mit den Fingern greifen könne“, seien wir davon noch so weit entfernt „wie eine Nachteule vom Glanz der Sonne“ — das habe schon Aristoteles beklagt.
Was Salz kann. Zuletzt die Wirkungen, gesammelt aus antiker Naturkunde: Salz sei „von feuriger Eigenschaft“, weshalb die Philosophen eine Verwandtschaft mit der Sonne vermuteten — auch der Namen wegen, sal und sol, die sich „nur durch einen einzigen Buchstaben“ unterschieden. Es wärme und trockne, mache kalte Erden fruchtbar, wende Fäulnis ab und erhalte den Körper; darum habe Homer es „für ein besonderes göttliches Wesen und ein Sinnbild der Ewigkeit“ gehalten. Es wecke Lust zum Essen — deshalb, sagen die Naturkundigen, streuten Tauben ihren Jungen Salz ein. Und weil es zu Gottesdiensten und Opfern gebraucht wurde, sei es Bild des Unvergänglichen.