Salzbibel · Lesetext · Einleitung
Die Einleitung · S. 36
Die Widmung an den Landgrafen · S. 36 · Bl. 15v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Widmung an den Landgrafen
S. 9–41 · Bl. 2–18 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung
S. 36
Bl. 15vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)selbst heylig vnnd Gottlich ist, sie zu ketzernn gemacht, sonndernn der schenndtlich misbrauch der Philosophi, derselbe hatts gethann: So sie Gottes mechtige vnnd freye hanndt, mit Irer kunst meister, vnnd der freyheit Gottes, die Natur wie sie ist, vnd leufft, opponiren vnnd zugegenn setzenn, vnnd mit dem naturlichenn lauff, vber naturliche thatenn Gottes ermessenn, vnnd ergrundenn wollenn, vnd also die dienerin, mit Irer frauwenn, der sie vnnderworffenn, vnnd vff den diennst warttenn sollenn, die Philosophia, mit der heiligenn Theologia, wie Agar mit der Sara zustreittenn sich vnnderstanndenn, machet auch derowegenn Philosophia, wenn sie Theologiæ auffwarttet, nicht allein keinen ketzer, Sonndern einenn vleissigenn auffwartter vnnd diener, in Gott bey den Reichenn, Nemblich der gewalt vnd gnadenn, Der Heylige Apostel Paulus auch, do er für der Philosophi, die zu Colossis warnnet, verdambt nichtt simpliciter ganntz vnnd gar dieses studium, Sonndern sagt, es sey ein studium philosophiæ, das Vanum vnd
selbst heilig und göttlich ist, sie zu Ketzern gemacht hätte — sondern der schändliche Missbrauch der Philosophie hat das getan. Denn sie wollten Gottes mächtige und freie Hand mit ihrer Kunst meistern und der Freiheit Gottes die Natur entgegensetzen, wie sie ist und läuft, und mit dem natürlichen Lauf die übernatürlichen Taten Gottes ermessen und ergründen. So haben sie es unternommen, die Magd mit ihrer Herrin streiten zu lassen, der sie unterworfen ist und aufwarten soll: die Philosophie mit der heiligen Theologie, wie Hagar mit Sara.
Darum macht die Philosophie, wenn sie der Theologie aufwartet, nicht nur keinen Ketzer, sondern einen fleißigen Diener Gottes in den Reichen der Macht und der Gnade.
Auch der heilige Apostel Paulus verdammt, wo er vor der Philosophie in Kolossä warnt, nicht schlechthin und gänzlich dieses Studium. Er sagt vielmehr, es gebe ein Studium der Philosophie, das leer und