Salzbibel · Lesetext · Einleitung
Die Einleitung · S. 17–26
Die Widmung an den Landgrafen · S. 17–26 · Bl. 6r–10v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Widmung an den Landgrafen
S. 9–41 · Bl. 2–18 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung
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Bl. 6rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)weisheitt vnnd hohenn verstanndt, mitt seinenn almechtigenn fingernn, alles formire vnnd zu einem gewissen enndt oder ziel richtte. Vnd schleusset der Theologus, Ob wir wohl etwas durch vnnsere scharffsinnigkeit vnnd vleissige nachforschung der naturlichenn ding, Materiam et ordinem naturalium ersehenn, vnnd abnehmenn könnenn, so behalte doch der Schöpffer, vnnd allergrosseste kunstler, im allwegenn in allen dingenn, nichts ausgeschlossenn, so viel zuuor, das wir daruber erstarrenn, vnnd nicht annders als ein blinder im finsternn tappeln müssen, Wie dann solches auch der vortrefflichste Heidtnische Philosophus Aristoteles selbst gefuelet, vnnd geklagtt1 hatt, Da er sagt, das vnnser verstanndt in den naturlichenn dingenn, wenn wir meinenn, das wir dieselbigenn, so klar vnnd ausfuhrlich ergründet haben, das manns auch mitt den fingernn greiffenn könne, Je so blindt vnd so weit vonn dem grundt der sachenn seÿe, als ein Nachteul vonn der Sonnenn glanntz: Denn wir allesampt sehenn vnnd verstehenn das geringste vnnd schlechteste theil der Wercke Gottes, könnens vbrige weder ergründenn noch aussprechenn,
Weisheit und seinem hohen Verstand, mit seinen allmächtigen Fingern alles formt und auf ein bestimmtes Ende oder Ziel hin richtet.
Und der Theologe schließt: Mögen wir durch unseren Scharfsinn und fleißiges Nachforschen in den natürlichen Dingen auch Stoff und Ordnung erkennen und ableiten können — der Schöpfer und allergrößte Künstler behält doch in allen Dingen, nichts ausgenommen, immer so viel zurück, dass wir darüber erstarren und nicht anders als ein Blinder im Finstern tappen müssen.
Das hat auch der vortrefflichste heidnische Philosoph Aristoteles selbst empfunden und beklagt, wenn er sagt: Unser Verstand sei in den natürlichen Dingen — gerade dann, wenn wir meinen, wir hätten sie so klar und ausführlich ergründet, dass man sie mit den Fingern greifen könne — ebenso blind und ebenso weit vom Grund der Sache entfernt wie eine Nachteule vom Glanz der Sonne. Denn wir alle sehen und verstehen den geringsten und schlechtesten Teil der Werke Gottes; das Übrige können wir weder ergründen noch aussprechen.
Unsichere Lesungen
- geklagtt — evtl. gerlagtt verschrieben (Z. 13)
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Bl. 6vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Wie aber dem allen, so will ich dismahls als der geringste vnnder den Philosophis vnd Theologis, vom Saltz, dessen vrsprung, eigennschafft vnnd nutzenn, etwas also viel Immer muglich, mit wenigenn worttenn, kurtzlich einpringenn, Denn ich haltt das Saltz vor ein naturlich wunderwerck vnnd geschöpff Gottes, welches er in vnnd nach der natur durch wasser vnd erdenn, herfurbringt, vnnd damit seine freÿe milte hanndt, grosse vnnd vnaussprechliche gewalt, höheste vnnd vnerforschliche weisheitt vnnd guete, Jegenn vnns mennschenn Ja der ganntzenn welt offenbaret, denn seine weisheitt Je in dem erkanndt, vnnd billich gepreiset wirdt, das er alles, was zur volkommenheit der welt nötigk gewesenn, ohne Jemanndts eingebenn vnnd bedennckenn vor sich selbst, vnnd was dem mennschenn vnnd viehe zur gesundtheit, vnnd artzneÿ diennstlich, lannge zuuor, ehe auch die beschaffung aller ding anngangenn, ersehenn, vnnd also aus zweÿenn: Nemblich wasser vnnd Erdenn, ein solches dritte simplex vnd per se constans elementatum, heruor zubringenn, vnd zuerschaffenn, vor nottwenndigk erkannt hatt.
Wie dem auch sei: Ich will diesmal, als der Geringste unter den Philosophen und Theologen, vom Salz, seinem Ursprung, seiner Eigenschaft und seinem Nutzen mit wenigen Worten so viel vorbringen, wie es irgend möglich ist.
Denn ich halte das Salz für ein natürliches Wunderwerk und Geschöpf Gottes, das er in und nach der Natur durch Wasser und Erde hervorbringt. Damit offenbart er uns Menschen, ja der ganzen Welt, seine freigebige milde Hand, seine große und unaussprechliche Macht und seine höchste, unerforschliche Weisheit und Güte.
Denn seine Weisheit wird ja daran erkannt und billig gepriesen, dass er alles, was zur Vollkommenheit der Welt nötig war, ohne jemandes Eingebung und Rat aus sich selbst vorgesehen hat — und dass er alles, was dem Menschen und dem Vieh zur Gesundheit und als Arznei dienlich ist, lange zuvor bedacht hat, ehe die Erschaffung aller Dinge überhaupt begann. So hat er es für notwendig erkannt, aus zweien, nämlich Wasser und Erde, ein solches drittes, einfaches und für sich bestehendes Element hervorzubringen und zu erschaffen.
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Bl. 7rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Seine gewaltt aber wirdt in dem erkanndt, das alles was er zuuor beschlossenn, vnnd im vorgenommenn, solches auch ohnn einigs verhindernn, ohnn alle muhe, Ja gantz ohn alle beschwerung, vnnd leichtlich mitt einem athem oder wortt zuwegenn hatt bringenn könnenn, vnnd zugleich mit demselbigenn almechtigenn athem oder wortt, das es nicht vffhörenn, sonndernn wehrenn vnnd bestehenn müsse, bis anns enndt der weltt bestetiget, Wie ich solches beids in meinem grossenn Tractatu ausfurenn, vnnd das wiederige ablehnenn will. Es ist aber das Saltz feuriger eigennschafft vnnd nattur, wie solchs ipso sensu communi offennbar vnnd bekandt ist, Daher denn die Philosophi vnnd Naturkundiger gemeinet, das es ein Cognation oder verwanndtschafft, mitt der Sonnenn habe, vnnd das es ein sonderlich geheimnus seÿe, Weÿl Irer beider benennung so gleich lautenn, vnnd nur durch einenn einzigenn Buchstabenn vnnderscheidenn werdenn, denn Saltz im Latein Sal, vnnd die Sonn Sol genennett werdenn, Sodann das Saltz feuriger vnnd warmmer Natur ist, so mus Je nottwendig eruolgenn, das seine eigen=
Seine Macht aber wird daran erkannt, dass er alles, was er zuvor beschlossen und sich vorgenommen hatte, auch ohne jede Behinderung, ohne alle Mühe, ja ganz ohne Beschwerde und leicht mit einem Atemzug oder Wort zustande bringen konnte — und dass er zugleich mit demselben allmächtigen Atem oder Wort festgesetzt hat, dass es nicht aufhören, sondern währen und bestehen soll bis ans Ende der Welt. Beides will ich in meinem großen Traktat ausführen und das Gegenteil widerlegen.
Das Salz ist aber von feuriger Eigenschaft und Natur, wie das dem gesunden Menschenverstand offenbar und bekannt ist. Daher haben die Philosophen und Naturkundigen gemeint, es habe eine Verwandtschaft mit der Sonne, und darin liege ein besonderes Geheimnis, weil beider Benennung so ähnlich klingt und sich nur durch einen einzigen Buchstaben unterscheidet: Salz heißt lateinisch *sal*, die Sonne *sol*.
Weil nun das Salz von feuriger und warmer Natur ist, so muss notwendig folgen, dass seine Eigen-
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Bl. 7vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)schafft, nicht allein sey. erwermenn, sonndernn auch trockenn, zumachenn: aus welchem weitters zuschliessenn, das es die nassenn vnnd kaltten erder1[?] erwermet, vnnd austrocknet, vnnd per Consequens traghafftig2[?] machet, Item das es die Phlegmata in Corpernn verzehre, vnnd alle feulnis vnd Corruption abwennde, vnnd also per Consequens das Corpus erhaltte, vnnd langwerenndt mache, Welches zwar den König aller Poëten Homerum bewegtt hatt, das er das Saltz vor ein sonnderlich Götliches wesenn, vnnd Symbolum der Ewigkeitt geachttet hatt. Es erwermbt auch das Saltz, wegenn seiner naturlichKrafft, den Magenn, befordert die digestion desselbigenn preseruirt vor aller feulnis, erwecktt Lust zuessenn, verzehret die vbrigenn feuchtigkeitt, welches auch wie die Naturkundiger sagenn, die natur den Taubenn also Inngebildet, das sie Irenn Jungenn saltz einstreuenn3[?], sie damitt zur speise anzureizenn. Es macht auch das Saltz den geschmack subtil vnnd gut, vnnd insonnderheitt wirdt in allem saltz, ein sondere Krafft vnnd Lust, zu ermehrung allerley
schaft nicht nur das Erwärmen ist, sondern auch das Trocknen. Daraus ist weiter zu schließen, dass es die nassen und kalten Erden erwärmt, austrocknet und infolgedessen fruchtbar macht. Ebenso, dass es die Schleimstoffe in den Körpern verzehrt, alle Fäulnis und Verderbnis abwendet und folglich den Körper erhält und langlebig macht. Das hat den König aller Dichter, Homer, dazu bewogen, das Salz für ein besonderes göttliches Wesen und ein Sinnbild der Ewigkeit zu halten.
Das Salz erwärmt wegen seiner natürlichen Kraft auch den Magen, fördert dessen Verdauung, bewahrt vor aller Fäulnis, weckt Lust zum Essen und verzehrt die überflüssige Feuchtigkeit. Deshalb hat, wie die Naturkundigen sagen, die Natur es den Tauben so eingegeben, dass sie ihren Jungen Salz einstreuen, um sie damit zur Speise zu reizen.
Das Salz macht auch den Geschmack fein und gut. Und besonders liegt in allem Salz eine eigene Kraft und Lust zur Vermehrung aller
Unsichere Lesungen
- erder — Endung unklar (Z. 3)
- traghafftig — Lesung unsicher (Z. 5)
- streuenn — Lesung unsicher (Z. 19)
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Bl. 8rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)thierer vermerckt vnnd befundenn, wie das alle Naturkundiger einmutigk bezeugenn, Deshalb denn auch Venus, darumb das sie aus Saltz vnnd Meer herkommenn, Haligena genanndt wirdet, Denn am Vffer des Meers viel mehr lebenndiges gewurmbs von Schneckenn vnnd anndernn vngeziefernn, vmb des Saltzes willenn fundenn werdenn, denn in den Teichenn vnnd süssenn wassernn, deshalb denn das Saltz, nit vnzimblich Mater Viuentium genennet wordenn, Dieweil denn nun aus diesem allenn erscheinet, das das Saltz Res omnino medicinalis, vnnd zur gesundtheitt der mennschenn vnnd viehes sehr nötigk seye, So habenn die alttenn Weisenn heidenn hiervonn sehr viel gehalttenn, dasselb in stettenn brauch vber disch gehapt, vnnd keine speise ohnne saltz zu sich nehmenn wollenn, auch damit Je die speise, durch einenn andernn nit verderbet, oder versaltzenn wurde, hatt ein Jeder souiel ihm vonnötenn, des vffgesetztenn saltzes genommenn, vnnd genossenn, Welches volgennds in also einenn stettigenn brauch kommenn, das sies nicht allein, als ein leibs Artzeney, zur gesundtheit gebraucht, Sonndernn sie habenns auch traus
Tiere bemerkt und gefunden, wie alle Naturkundigen einmütig bezeugen. Deshalb wird auch Venus, weil sie aus Salz und Meer hervorgegangen ist, die Salzgeborene genannt. Denn am Ufer des Meeres findet sich um des Salzes willen viel mehr lebendiges Gewürm an Schnecken und anderem Getier als in den Teichen und im Süßwasser. Darum ist das Salz nicht unpassend die Mutter der Lebendigen genannt worden.
Weil aus alldem nun hervorgeht, dass das Salz durch und durch heilkräftig und für die Gesundheit von Mensch und Vieh sehr nötig ist, haben die alten weisen Heiden viel davon gehalten. Sie hatten es ständig bei Tisch und wollten keine Speise ohne Salz zu sich nehmen. Und damit die Speise nicht durch einen anderen verdorben oder versalzen würde, nahm jeder so viel vom aufgesetzten Salz, wie er brauchte, und genoss es. Das kam schließlich so in ständigen Gebrauch, dass sie es nicht nur als Arznei für den Leib zur Gesundheit gebrauchten, sondern es auch übertragen
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Bl. 8vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)sumptiue, vff die Ethicam vnnd Mores gezogenn, also das alle gesprech vnnd rede solttenn wie die rechtt wohlgesaltzene speise, lieblich vnnd lustig sein, vnnd keinenn verdris Jemanndts machenn, Daher sies dann auch vor ein sonnderlich böses Omen geachtet, wenn das saltz verschüttet wordenn, Einen langweiligenn vnlustigenn mennschenn, haben sie insulsum, in cuius corpore ne mica salis wehre, gescholtenn, vnnd ist bey den Erbarnn heydenn, ein Symbolum der messigkeit gewesenn, Da mann zusagenn pflegt, zuuiel vnnd zuwenig giltt nicht, Der Philosophus Diogenes, hatt vff ein zeit gesagt, er wolle lieber zu Athen saltz leckenn, das ist in mittelmessigenn stanndt lebenn, denn mit dem Cratero vber seiner Furstlichenn Taffelnn essenn, Denn ers darfür gehalttenn, das solchs gefehrlich. Also habenn auch anndere die redenn so heimlich stechenn, vnd verletzung hinder sich habenn, Salsa dicta, Wie dann auch kurtzweilige redenn, Sales genennet, Desgleichenn habenn sie zur warnung gesagt, Salem et mensam ne prætereas, das ist, es solle keiner keinenn vnlust erregenn, vnnd das Gelagk verderbenn, So
auf Sitte und Charakter bezogen: Alle Gespräche und Reden sollten wie eine recht gut gesalzene Speise lieblich und angenehm sein und niemandem Verdruss machen. Daher hielten sie es auch für ein besonders böses Vorzeichen, wenn Salz verschüttet wurde.
Einen langweiligen, unerfreulichen Menschen schalten sie „ungesalzen — einen, in dessen Körper kein Körnchen Salz ist". Und bei den ehrbaren Heiden war es ein Sinnbild der Mäßigung, wie man zu sagen pflegt: Zu viel und zu wenig taugt nicht. Der Philosoph Diogenes hat einmal gesagt, er wolle lieber in Athen Salz lecken — das heißt: in mittlerem Stand leben — als mit Krateros an dessen fürstlicher Tafel essen; denn er hielt Letzteres für gefährlich.
Ebenso haben andere die Reden, die heimlich stechen und eine Verletzung im Rücken führen, „gesalzene Reden" genannt, wie auch kurzweilige Reden „Salze" heißen. Desgleichen sagten sie zur Warnung: „Geh nicht an Salz und Tisch vorüber" — das heißt: Keiner soll Unlust erregen und die Tafelrunde verderben.
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Bl. 9rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)ist auch das Saltz, zu allenn Gottes dienstenn vnd Opffern gebraucht wordenn, Denn dieweils expers Corruptionis et perpetuitatis Symbolum ist, habenn sies denn Opffer darumb zugefugt, weil im Gottes diennst kein Corruptio, sonndernn perpetuitas sein solle, Demnach denn auch das Saltz einenn gutenn geschmack machet, das mann eigenntlich die Sapores vnderscheidenn kann, So ist auch die discretio, das ist der verstandt vnnd bescheidennheit, Inn sachenn recht zuerkennen, Sapientia, das ist Sal a sapiendo genennet wordenn. Vnnd weil dem allen nun also, Nemblich, das das Saltz die beste wurtze zur gesundtheit, vnnd mehrung der lebenndigenn Creaturen, diennstlich vnnd notwenndigk, sonnstenn auch grosser sachenn vnnd geheimnissen vns erinnert, vnnd aber dieses nicht, durch mennschenn scharffsinnigkeit vnnd geschicklichkeit, sonndernn allein aus Gottes des almechtigenn, vnnd allein weisenn guete, enndtstanndenn, vnnd noch teglich ist, vnd wirdt, solchs aber alles vmb vnsert willenn, das wir vns Corporis, Morum vnd Animæ Valetudinem, desto besser befleissenn sollenn, anngesehenn, So ist es rechtt
Auch ist das Salz zu allen Gottesdiensten und Opfern gebraucht worden. Denn weil es der Verderbnis nicht unterworfen und ein Sinnbild der Dauer ist, hat man es den Opfern beigefügt: Im Gottesdienst soll keine Verderbnis sein, sondern Dauer.
Und weil das Salz einen guten Geschmack macht, sodass man die Geschmäcker eigentlich erst unterscheiden kann, ist auch die Unterscheidung — das heißt der Verstand und die Besonnenheit, in einer Sache das Rechte zu erkennen — Weisheit genannt worden: *sapientia* von *sapere*, wie *sal* vom Schmecken.
Weil dem nun so ist — dass nämlich das Salz die beste Würze zur Gesundheit ist, der Vermehrung der lebendigen Geschöpfe dienlich und notwendig, und uns überdies an große Dinge und Geheimnisse erinnert —, und weil das alles nicht durch menschlichen Scharfsinn und menschliches Geschick entstanden ist, sondern allein aus der Güte des allmächtigen und allein weisen Gottes, und weil es täglich noch so entsteht, und zwar alles um unsertwillen, damit wir uns umso mehr um die Gesundheit des Leibes, der Sitten und der Seele bemühen — so ist es recht
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Bl. 9vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)vnnd billich, das wir nit allein mit grosser Reuerenz vnnd ehrerbietung aus der milttenn hanndt Gottes, solchs entpfahenn vnnd annehmenn, Sonndernn desselbenn rechttenn brauch wohl studiren vnd lernenn, auch der guete Gottes für diese wolthat, welche, wie mann sagtt Vsu & crebritate, geringschetzig vnnd gar gemein, vnnd nichts werth geachttet möchte werdenn, Inn rechtenn brauch bringenn, Innsonderheit aber, weil der almechtige Gott E. F. Gl. hochlöbliches Furstennthumb Hessenn, mit einer herlichenn Fundtgrubenn oder Brunnenn, Natiui vnd Coctilis salis, in vnserm liebenn Vatterlanndt, für vielenn anndernn Furstennthumbenn vnnd Lannden, welche gernne mit grossem kostenn, gutt vnnd geldt, bey Ihnenn Saltzwerck annstellenn wolttenn, begnadiget, vnnd also dieses löbliche Furstennthumb gesaltzenn, vnd zur lebenndigenn Apotheckenn gemacht, sollenn wirs erkennenn, recht brauchenn, vnnd Gott so lenger so mehr dannckenn, preisenn, lobenn vnnd ehrenn, Demnach nun gnediger Fürst vnnd Herr, Ich ohne zweiffell, aus dem willenn vnnd versehung Gottes, vonn
und billig, dass wir es nicht nur mit großer Ehrfurcht aus der milden Hand Gottes empfangen und annehmen, sondern dass wir auch seinen rechten Gebrauch studieren und lernen und die Güte Gottes für diese Wohltat — die, wie man sagt, durch Gewohnheit und Häufigkeit geringgeschätzt, ganz gewöhnlich und für nichts geachtet werden könnte — in rechten Gebrauch bringen.
Das gilt besonders, weil der allmächtige Gott Eurer Fürstlichen Gnaden hochlöbliches Fürstentum Hessen in unserem lieben Vaterland mit einer herrlichen Fundgrube oder Quelle natürlichen und gesottenen Salzes begnadet hat — vor vielen anderen Fürstentümern und Ländern, die gern mit großem Aufwand an Gut und Geld bei sich ein Salzwerk anlegen wollten. So hat er dieses löbliche Fürstentum gesalzen und zu einer lebendigen Apotheke gemacht; das sollen wir erkennen, recht gebrauchen und Gott je länger je mehr danken, preisen, loben und ehren.
Weil ich nun, gnädiger Fürst und Herr, ohne Zweifel aus dem Willen und der Fügung Gottes von
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Bl. 10rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)E. F. G. Herrnvatter hochlöblicher gedechtnus, an dieses ortt vnnd ennde des Furstenthumbs Hessenn, meines geliebtenn vatterlanndts, zu einem Prediger vnd Saltzgrevenn verordenett, das in denn Sodenn, da diese lebenndige Quelle, der wunderlichenn guete Gottes, alle tage mitt verwunderung gesehenn, vnnd daraus menschenn vnnd viehes Artzeney, aus der reichenn vnnd mildenn Hanndt Gottes, Immediate geschöpffet, vnnd empfanngenn wirdt, Hab Ich meines ampts ein nottürfft erachttet, Erstlich meine Auditores, vf dieses beneficium Dei vielmahls zuverweisenn, Damit sie fernner, desto ehr Gott vertrauwenn, vnnd es mit demut, vnnd in warer Gottseligkeit, erkennenn, vnnd gebrauchenn mögenn, vnnd solchs vonn der Cantzell nicht allein mündtlich, Sonndernn auch furs annder, Weil E. F. G. ein solches gnediglich vonn mir begerett, mit [gestrichen: ?]1 der feddernn, vnnd schrifftlich, E. F. G. schuldige, vnderthenige ehre vnnd gehorsamb zuerzeigenn, etwas an den tagk zubringenn, mich enndtschlossenn vnd furgenommenn, Gleich aber wie kein speis so sues vnnd gut nichtt ist,
Eurer Fürstlichen Gnaden Herrn Vater hochlöblichen Angedenkens an diesen Ort und Winkel des Fürstentums Hessen, meines geliebten Vaterlandes, zum Prediger und Salzgrafen bestellt worden bin — nämlich in den Sooden, wo diese lebendige Quelle der wunderbaren Güte Gottes alle Tage mit Verwunderung gesehen wird und wo Arznei für Mensch und Vieh unmittelbar aus der reichen und milden Hand Gottes geschöpft und empfangen wird —, darum habe ich es für eine Notwendigkeit meines Amtes gehalten, erstens meine Zuhörer vielfach auf diese Wohltat Gottes hinzuweisen, damit sie Gott umso eher vertrauen und sie in Demut und wahrer Gottesfurcht erkennen und gebrauchen mögen.
Und zwar nicht nur mündlich von der Kanzel, sondern zweitens auch — weil Eure Fürstlichen Gnaden dies gnädig von mir begehrt haben — mit der Feder und schriftlich. So habe ich mich entschlossen und vorgenommen, Euren Fürstlichen Gnaden die schuldige, untertänige Ehre und den Gehorsam zu erweisen und etwas an den Tag zu bringen.
Gleichwie es aber keine Speise gibt, so süß und gut sie sei,
Unsichere Lesungen
- [gestrichen: ?] — Streichung am Zeilenende unleserlich (Z. 16)
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Bl. 10vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)wo die fuei1[?] zu kommenn konnenn, die nicht vonn fliegenn beschmeist, vnnd vonn den Meusenn benaget vnd zerschrottenn werde, Auch so recht vnnd wohl nichts gethann, noch geredt wirdt, Welches wie der Heyde sagtt, vonn bösenn gifftigenn zungenn, nicht könne Cauillirt vnnd vbell ausgelegt werdenn, also mache Ich mir keinenn zweiuell, es werdenn gifftige Natternn vber diesenn meinenn vleis vnnd arbeytt kommenn, (: denn wer ann den wegk wie mann sagt, bauett, hatt viel meister :) die es mir zu keinem gutenn, was Ich hie gethann, deutenn vnnd auslegenn werdenn, Inn fürwenndung, das dieses meines schreibenns, ganntz nicht vonnötenn, vnnd die sachenn ohne des besser vnd klerer am tag vnnd bekanndt, denn es vonn mir in solchem schreibenn, erkleret vnnd beschriebenn werdenn könne. Werdenn auch sagenn, es sey diese meine arbeit, auch mehr Politisch denn Theologisch, vnnd derohalbenn nicht meines berufs vnnd ampts, vnnd obs gleich einem gelertten zugelassenn, So sey es doch ein Heidtnisches vnnd Philosophisches ding einem Theologo (: der nichts wissen noch hanndtlenn soll, denn was Christi vnnd Gottes sache :)
die nicht, wo die Fliegen hinkommen können, von ihnen beschmutzt und von den Mäusen benagt und zerschroten würde — und wie auch nichts so recht und gut getan oder gesagt wird, dass es nicht, wie der Heide sagt, von bösen giftigen Zungen bekrittelt und übel ausgelegt werden könnte —, so mache ich mir keinen Zweifel: Es werden giftige Nattern über diesen meinen Fleiß und diese Arbeit herfallen. Denn wer an den Weg baut, wie man sagt, hat viele Meister. Sie werden mir, was ich hier getan habe, zu nichts Gutem deuten und auslegen, unter dem Vorwand, dieses mein Schreiben sei gar nicht nötig und die Sache sei ohnehin besser und klarer zutage und bekannt, als sie von mir in solchem Schreiben erklärt und beschrieben werden könne.
Sie werden auch sagen, diese meine Arbeit sei mehr politisch als theologisch und darum nicht meines Berufs und Amtes. Und sei sie auch einem Gelehrten erlaubt, so sei sie doch eine heidnische und philosophische Sache, die einen Theologen — der nichts wissen noch treiben soll als das, was Christi und Gottes Sache ist —
Unsichere Lesungen
- fuei — Wort unklar (Z. 1)