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Salzbibel · Lesetext · Einleitung

Die Einleitung · S. 22

Die Widmung an den Landgrafen · S. 22 · Bl. 8v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Widmung an den Landgrafen

S. 9–41 · Bl. 2–18 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung

S. 22

Bl. 8vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)
1

sumptiue, vff die Ethicam vnnd Mores gezogenn, also das alle gesprech vnnd rede solttenn wie die rechtt wohlgesaltzene speise, lieblich vnnd lustig sein, vnnd keinenn verdris Jemanndts machenn, Daher sies dann auch vor ein sonnderlich böses Omen geachtet, wenn das saltz verschüttet wordenn, Einen langweiligenn vnlustigenn mennschenn, haben sie insulsum, in cuius corpore ne mica salis wehre, gescholtenn, vnnd ist bey den Erbarnn heydenn, ein Symbolum der messigkeit gewesenn, Da mann zusagenn pflegt, zuuiel vnnd zuwenig giltt nicht, Der Philosophus Diogenes, hatt vff ein zeit gesagt, er wolle lieber zu Athen saltz leckenn, das ist in mittelmessigenn stanndt lebenn, denn mit dem Cratero vber seiner Furstlichenn Taffelnn essenn, Denn ers darfür gehalttenn, das solchs gefehrlich. Also habenn auch anndere die redenn so heimlich stechenn, vnd verletzung hinder sich habenn, Salsa dicta, Wie dann auch kurtzweilige redenn, Sales genennet, Desgleichenn habenn sie zur warnung gesagt, Salem et mensam ne prætereas, das ist, es solle keiner keinenn vnlust erregenn, vnnd das Gelagk verderbenn, So

auf Sitte und Charakter bezogen: Alle Gespräche und Reden sollten wie eine recht gut gesalzene Speise lieblich und angenehm sein und niemandem Verdruss machen. Daher hielten sie es auch für ein besonders böses Vorzeichen, wenn Salz verschüttet wurde.

Einen langweiligen, unerfreulichen Menschen schalten sie „ungesalzen — einen, in dessen Körper kein Körnchen Salz ist". Und bei den ehrbaren Heiden war es ein Sinnbild der Mäßigung, wie man zu sagen pflegt: Zu viel und zu wenig taugt nicht. Der Philosoph Diogenes hat einmal gesagt, er wolle lieber in Athen Salz lecken — das heißt: in mittlerem Stand leben — als mit Krateros an dessen fürstlicher Tafel essen; denn er hielt Letzteres für gefährlich.

Ebenso haben andere die Reden, die heimlich stechen und eine Verletzung im Rücken führen, „gesalzene Reden" genannt, wie auch kurzweilige Reden „Salze" heißen. Desgleichen sagten sie zur Warnung: „Geh nicht an Salz und Tisch vorüber" — das heißt: Keiner soll Unlust erregen und die Tafelrunde verderben.

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