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Salzbibel · Lesetext · 2. Buch

Das zweite Buch · S. 225–234

Die Rechtsgutachten · S. 225–234 · Bl. 110r–114v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Rechtsgutachten

S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch

S. 225

Bl. 110rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen Seitein eius possessione in qua tueri et manuteneri debet per supdicta Concludo igitur ex praemissis quod dictum collegium Salinarum ad elidendam principis intentionem priuilegijs, iuribus, consuetudinibus earundemq; confirma tionibus uti potest .

in seinem Besitz, in dem es nach dem Obengesagten geschützt und erhalten werden muss. Ich schließe daher aus dem Vorausgeschickten, dass das besagte Kollegium der Salinen zur Abwehr der Absicht des Fürsten sich der Privilegien, Rechte, Gewohnheiten und deren Bestätigungen bedienen kann.

2

Ad allegata in contrarium Responsio ex supdictis1 colligitur .

Die Antwort auf die zum Gegenteil angeführten Gründe ergibt sich aus dem Obengesagten.

3

Et specialiter respondendo non obstat l. fi.

Und im Besonderen antwortend: Es steht nicht entgegen l. fi.

4

C. si contra ius uel utili: publ.

C. si contra ius uel utili: publ.

5

Nam lex ea loquitur de rescripto quod contra publicam utilitatem non tenet nisi interuenerit secundus iussus2 principis in anten. ut nulli Judi. §. et hoc Vero Videmus .

Denn jenes Gesetz spricht von einem Reskript, das gegen den öffentlichen Nutzen nicht gilt, es sei denn, es ist ein zweiter Befehl des Fürsten hinzugekommen, in anten. ut nulli Judi. §. et hoc Vero Videmus.

6

At uero in casu nostro non solum interuenit secundus iussus, sed sæpe sepius repetita concessio et confirmatio ut patet ex uetustissimis literis .

In unserem Fall aber ist nicht nur ein zweiter Befehl hinzugekommen, sondern eine oft und öfter wiederholte Bewilligung und Bestätigung, wie aus den ältesten Briefen ersichtlich ist.

7

Accedat quod huiusmodi rescripta ad iuris communis obseruationem concedi soleant . l. falso C. de diversis rescript. no.

Hinzu kommt, dass solche Reskripte zur Beachtung des gemeinen Rechts gewährt zu werden pflegen, l. falso C. de diversis rescript., angemerkt von

8

Bar. in l. fi. ff. de constitu. princ.

Bar. in l. fi. ff. de constitu. princ.

9

Et ideo rescriptum d.3 esse modici præiudicij ut no.

Und deshalb wird von einem Reskript gesagt, dass es von geringem Präjudiz sei, wie anmerkt

10

Bald. in l. 1.

Bald. in l. 1.

11

C. de dixs.4 rescrip.

C. de dixs. rescrip.

12

Priuilegium Vero dicitur quando scribitur contra ius commune ut no. in d. l. fi. ff. de constitut. prim. & l. 1.

Ein Privileg aber wird es genannt, wenn gegen das gemeine Recht geschrieben wird, wie angemerkt in d. l. fi. ff. de constitut. prim. und l. 1.

13

C. de iuris & fact. igno.

C. de iuris & fact. igno.

14

Vnde dato minime tamen concesso quod huiusmodi priuilegia essent, contra ius commune, ut reuera non sunt, certe ex eo capite infringi uel reuocari non possent .

Daher: Gesetzt, jedoch keineswegs zugestanden, dass solche Privilegien gegen das gemeine Recht wären, wie sie es in Wahrheit nicht sind, so könnten sie gewiss aus diesem Grund nicht gebrochen oder widerrufen werden.

15

Sed quod sint contra publicam utilitatem, unde nam obsecro probari potest[?]5 an ex eo quod certus et determinatus ee6 debeat domicularum et caldariorum numerus ?c.7

Dass sie aber gegen den öffentlichen Nutzen seien — woraus, ich bitte, kann das bewiesen werden[?] — etwa daraus, dass die Zahl der Häuschen und Kessel fest und bestimmt sein soll etc.?

16

Quid huic cum utilitate communi ? an non tendit in publicum usum totius Hassiacæ ditionis, tantum Salis in eo loco confici, ut communibus annis hactenus suffecerit,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Was hat dies mit dem gemeinen Nutzen zu tun? Dient es nicht dem öffentlichen Gebrauch des ganzen hessischen Herrschaftsgebiets, dass an jenem Ort so viel Salz hergestellt wird, wie es in gewöhnlichen Jahren bisher ausgereicht hat

Unsichere Lesungen

  1. supdictis — Kuerzung, wohl supradictis; buchstabengetreu belassen
  2. iussus — mit us-Kuerzel (9) geschrieben
  3. d. — d mit Strich, Kuerzel; wohl dicitur oder de
  4. dixs. — Kuerzung, wohl diuersis
  5. potest[?] — als pt-Kuerzel geschrieben
  6. ee — mit Ueberstrichen = esse
  7. ?c. — Zeichen nach numerus, wohl etc.-Kuerzel

S. 226

Bl. 110vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteQuid huic cum utilitate communi ?1 an non tendit in publicum usum totius Hassiacæ ditionis, tantum Salis in eo loco confici, ut communibus annis hactenus suffecerit,

Was hat dies mit dem gemeinen Nutzen zu tun? Dient es nicht dem öffentlichen Gebrauch des ganzen hessischen Herrschaftsgebiets, dass an jenem Ort so viel Salz hergestellt wird, wie es in gewöhnlichen Jahren bisher ausgereicht hat

2

et adhuc sufficere posset, modo non inter cidat casus fortuitus aut Vis maior ut inquit iuriscon. in l. ex conducto §.

und auch weiterhin ausreichen könnte, sofern nicht ein Zufall (casus fortuitus) oder höhere Gewalt (vis maior) dazwischentritt, wie der Rechtsgelehrte sagt in l. ex conducto §.

3

Si uis tempestatis et in l. si merces §.

Si uis tempestatis, und in l. si merces §.

4

Vis maior ff loca ?.

Vis maior ff loca. etc.

5

Verum de his inferius iuxta quartam quæstionem siue dubium latius dicemus .

Doch hierüber werden wir unten bei der vierten Frage oder dem vierten Zweifel ausführlicher sprechen.

6

Nec obstat l. 1. de monop. et dictum Bar.

Es steht auch nicht entgegen l. 1. de monop. und der Ausspruch des Bar.

7

Nam licet pacta se leges Collegij de certis tantum personis admittendis legib. inprobetur d. l. 1.

Denn obwohl Verträge oder Satzungen eines Kollegiums, nur bestimmte Personen zuzulassen, von den Gesetzen missbilligt werden, d. l. 1.

8

C. de monop. hoc tantum procedat nisi hoc fieret ex causa legitima . quod aut originarij tantum in collegium admittuntur causam habet legitimam .

C. de monop., so gilt dies nur, wenn es nicht aus rechtmäßigem Grund geschähe; dass aber nur Gebürtige in das Kollegium zugelassen werden, hat einen rechtmäßigen Grund.

9

Nimirum quod maiores sui primi ædificauerunt dactas[?]2 Salinas, atque pondus et æstus ingentium laborum et expensarum tulerunt .

Nämlich, dass ihre Vorfahren als Erste die besagten[?] Salinen erbaut und die Last und Hitze gewaltiger Arbeiten und Kosten getragen haben.

10

Præterea l. illa loquitur quando fiunt conuentiones inter negotiatores et artifices nequis eorum minori pcio3 ab eis taxato res Vendat, uel ne per unum inchoatum per alium expediatur seu perficiatur: huiusmodi .n. conuentiones sunt legib. reprobatæ .

Außerdem spricht jenes Gesetz von dem Fall, dass Vereinbarungen zwischen Händlern und Handwerkern getroffen werden, dass keiner von ihnen Waren zu einem geringeren als dem von ihnen festgesetzten Preis verkaufe oder dass das von einem Begonnene nicht von einem anderen fortgeführt oder vollendet werde; denn solche Vereinbarungen sind von den Gesetzen verworfen.

11

At uero in casu nostro semper manet statum et uniforme Salis pretium in Salinis, quod si pretium Salis in Villis, vicis uel oppidis prouinciæ intendatur,Läuft auf der nächsten Seite weiter

In unserem Fall aber bleibt der Preis des Salzes in den Salinen immer fest und gleichförmig; wenn aber der Preis des Salzes in den Dörfern, Flecken oder Städten des Landes gesteigert wird,

Unsichere Lesungen

  1. communi ? — Fragezeichen-artiges Kuerzel nach communi); se leges (vielleicht seu leges
  2. dactas[?] — so geschrieben, wohl dictas gemeint; vergroessert geprueft
  3. pcio — Kuerzung, wohl precio/pretio

S. 227

Bl. 111rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteAt uero in casu nostro semper manet statum et uniforme Salis pretium1 in Salinis, quod si pretium Salis in Villis, vicis uel oppidis prouinciæ intendatur,

In unserem Fall aber bleibt der Preis des Salzes in den Salinen immer fest und gleichförmig; wenn aber der Preis des Salzes in den Dörfern, Flecken oder Städten des Landes gesteigert wird,

2

id contingit sine Sodalium culpa qnimo2 uel industria uel auaritia Vectorum ementium in Salinis et euehentium ad loca distantia, qui secundum qualitatem temporis & loci uel intendunt uel remittunt precium, cum interim Sodalitati nihil commodi accedat uel decedat quapropter l. 1.

so geschieht dies ohne Schuld der Genossen, vielmehr durch Betriebsamkeit oder Habgier der Fuhrleute, die in den Salinen kaufen und an entfernte Orte ausführen, die je nach Beschaffenheit der Zeit und des Ortes den Preis erhöhen oder senken, während der Genossenschaft unterdessen kein Vorteil zu- oder abgeht; weshalb l. 1.

3

C. de monopo. his adaptari non potest .

C. de monopo. hierauf nicht angewandt werden kann.

4

Nec obstat etiam, si diceretur, quod priuilegium præfatum sit personale, et sic non debuerit egdi3 personam Sodalium tempore impetrati priuilegij uiuentium l. qai tali ff. solu. matri. l.

Es steht auch nicht entgegen, wenn gesagt würde, dass das vorgenannte Privileg persönlich sei und daher nicht über die Person der zur Zeit der Erwirkung des Privilegs lebenden Genossen hinausgehen dürfe, l. qai tali ff. solu. matri., l.

5

Sorditorum C. de excusa mune. lib.

Sorditorum C. de excusa mune. lib.

6

X. l. 1. ff. de iure commu. c.

X., l. 1. ff. de iure commu., c.

7

Priuilegium de reg. iur. lib.

Priuilegium de reg. iur. lib.

8

VI.

VI.

9

Quia ex quod clare constat ex uerbis illius priuilegij, quod illa concessio fuerit realis et non personalis .

Denn aus den Worten jenes Privilegs steht klar fest, dass jene Bewilligung dinglich (realis) und nicht persönlich (personalis) gewesen ist.

10

Patet ex illis verbis Vz das obgedachtte Gebaurschafft vnnd Pfenner, vorgemelt.

Das ergibt sich aus jenen Worten, nämlich: dass die oben gedachte Gebauerschaft und die Pfänner, vorgemeldet,

11

Ihr Erbe, das Saltzwerck mitt allem seinen Herkommenn, rechttenn vnnd gewonnheittenn ?c.4

ihr Erbe, das Salzwerk mit allem seinem Herkommen, Rechten und Gewohnheiten etc.

12

Vorgemelt Ihr Erbe, inquit concessio .

‚Vorgemeldet ihr Erbe', sagt die Bewilligung.

13

Et etiam ex alijs Verbis sequentibus .

Und auch aus anderen folgenden Worten,

14

Vdz, Vnnd die Zahl der Saltzbodenn vnnd Pfannenn, welche Zahl die Furstenn zu Hessenn, auch niemanndts annders zubrechenn5 soll .

nämlich: Und die Zahl der Salzboden und Pfannen, welche Zahl die Fürsten zu Hessen, auch niemand anders, brechen soll.

15

Quæ profecto Verba sunt multum ampla & præcisa, et a ui Verborum in dubio non est procedendum l. non aliter ff. de lega. 3. l. 1. §.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Diese Worte sind fürwahr sehr weit und präzise, und von der Kraft der Worte ist im Zweifel nicht abzugehen, l. non aliter ff. de lega. 3., l. 1. §.

Unsichere Lesungen

  1. pretium — beide Male als ptium-Kuerzel geschrieben
  2. qnimo — Kuerzung, wohl quinimo
  3. egdi — Kuerzung mit Strich, wohl egredi); l. qai tali (Lesung des Allegats unsicher, wohl l. qui tali); Quia ex (ueber dem folgenden quod (Z. 14) steht eine kleine 2, wohl Umstellungszeichen
  4. ?c. — Kuerzel nach gewonnheittenn, wohl etc.
  5. zubrechenn — Lesung unsicher, vergroessert geprueft

S. 228

Bl. 111vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteQuæ profecto Verba sunt multum ampla & præcisa, et a ui Verborum1 in dubio non est procedendum l. non aliter ff. de lega. 3. l. 1. §.

Diese Worte sind fürwahr sehr weit und präzise, und von der Kraft der Worte ist im Zweifel nicht abzugehen, l. non aliter ff. de lega. 3., l. 1. §.

2

Si is qui nauem ff. de exercita .

Si is qui nauem ff. de exercita.

3

Et illa uniuersalis et nullus alius neminem excipit arg. c.

Und jene allgemeine Wendung ‚und niemand anders' nimmt niemanden aus, arg. c.

4

Solite . circa fin. de maio . et obedien .

Solite. circa fin. de maio. et obedien.

5

Vnde princeps non solum se et suos hæredes sed et etiam quoscunque exclusit, ut sonant uerba a quib. non est recedendum ut dixi .

Daher hat der Fürst nicht nur sich und seine Erben, sondern auch jeden beliebigen ausgeschlossen, wie die Worte lauten, von denen nicht abzuweichen ist, wie ich gesagt habe.

6

Nemini ergo dubium est, quod cum dictum priuilegium, de certo numero domitularum2 et Caldariorum habendo concessum fuerit,

Niemandem ist also zweifelhaft, dass, da das besagte Privileg über das Halten einer bestimmten Zahl von Häuschen und Kesseln

7

dictis Sodalib. respectu rei & fontis Salinarum . debet cum re ad quolibet singularem sucessorem et possessorem transire . l. forma §. qua q. ff. de censib. et per glos. 25. q. 2. in Sum: ubi etiam fortius dixit glos. quod priuilegium in dubio præsumitur esse reale,

den besagten Genossen mit Rücksicht auf die Sache und die Solequelle gewährt worden ist, es mit der Sache auf jeden Einzelnachfolger und Besitzer übergehen muss, l. forma §. qua q. ff. de censib., und nach der glos. 25. q. 2. in Sum:, wo die Glosse sogar noch stärker gesagt hat, dass ein Privileg im Zweifel als dinglich vermutet wird,

8

& io . and . in mercu . in Regul.

und Jo. And. in mercu. in Regul.

9

Priuilegium arg. l. fi. ff. de constitu. prin. & c. cum dilecti . de dona .

Priuilegium, arg. l. fi. ff. de constitu. prin. und c. cum dilecti. de dona.

10

Præterea ponderanda sunt illa Verba in priuilegio Dni Guilielmi postea Vz wollenn vff eine meyle wegs / vonn demselbenn Sodenn zurechnen3, in keine weise vberbawenn4 .

Außerdem sind jene Worte im Privileg des Herrn Wilhelm zu erwägen, weiter unten nämlich: ‚wollen auf eine Meile Wegs, von demselben Sooden zu rechnen, in keiner Weise überbauen'.

11

Nam ubicunque ponitur dictio nulla tenus uel similis, habet uim clausulæ decreti glos. in cle. 1 . in Verb. nullatenus, de sequest. posses. & fruct.

Denn wo immer das Wort ‚nullatenus' (keineswegs) oder ein ähnliches gesetzt wird, hat es die Kraft einer Dekretsklausel, glos. in cle. 1. in Verb. nullatenus, de sequest. posses. & fruct.

12

Jo. de ana, in c. quia frustra de usur. fat glos. in cle. & hi qui in Verbo nullo modo de æta & quali . ordi .Läuft auf der nächsten Seite weiter

Jo. de ana, in c. quia frustra de usur.; dafür spricht die glos. in cle. & hi qui in Verbo nullo modo de æta & quali. ordi.

Unsichere Lesungen

  1. et a ui Verborum — Lesung a ui unsicher
  2. domitularum — so geschrieben; vgl. p0225 domicularum); §. qua q. (Allegat mit Kuerzel, Lesung unsicher
  3. zurechnen — Lesung vergroessert geprueft, wohl zu rechnen
  4. vberbawenn — darueber kleine 2, wohl Umstellungs- oder Verweiszeichen); Jo. de (Zeilenende, d mit Strich; Fortsetzung auf Folgeseite

S. 229

Bl. 112rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteJo. de ana, in c. quia frustra de usur. fat glos.1 in cle. & hi qui in Verbo nullo modo de æta & quali . ordi .

Jo. de ana, in c. quia frustra de usur.; dafür spricht die glos. in cle. & hi qui in Verbo nullo modo de æta & quali. ordi.

2

Vnde etiam si hoc sit statutum in fauorem partis non potest pars tacite uel expsse2 renuntiare p. c. dilecto de pbend. quia ubi datum est aliquid pro forma, non potest consensu partium tolli secundum Bart . in l. de his C. de transact.

Daher kann, auch wenn dies zugunsten einer Partei festgesetzt ist, die Partei weder stillschweigend noch ausdrücklich darauf verzichten, nach c. dilecto de pbend., denn wo etwas als Form gegeben ist, kann es nicht durch Zustimmung der Parteien aufgehoben werden, nach Bart. in l. de his C. de transact.

3

Bal. de anten .

Bal. de anten.

4

Jubemus C. de nup.

Jubemus C. de nup.

5

Quinimo hæc dictio nullatenus inficit actum ipso iure glos. in auten.

Ja, dieses Wort ‚nullatenus' macht den Akt von Rechts wegen (ipso iure) ungültig, glos. in auten.

6

Si quæ mulier C. ad Velleian .

Si quæ mulier C. ad Velleian.

7

Et tantum de secunda quæstione .

Und so viel zur zweiten Frage.

8

TERTIÆ3 QVÆSTIO Iam uero ad tertiam quæstionem progrediamur, nimirum qua quæritur :

DRITTE FRAGE (TERTIÆ QVÆSTIO). Nun aber wollen wir zur dritten Frage fortschreiten, in der nämlich gefragt wird:

9

An sub pretextu publicæ utilitatis Dns Landgrauius possit maiorum suorum & præsertim patris Guilielmi quondam Landgrauij, priuilegia et confirmationes tollere & reuocare .

Ob der Herr Landgraf unter dem Vorwand des öffentlichen Nutzens die Privilegien und Bestätigungen seiner Vorfahren und besonders seines Vaters Wilhelm, weiland Landgrafen, aufheben und widerrufen könne.

10

Vt veritas magis elucescat, arguo ad partes .

Damit die Wahrheit besser hervorleuchte, argumentiere ich nach beiden Seiten.

11

Et in primis Videtur quod princeps possit huiusmodi conuentiones, priuilegia et confirmationes tollere .

Und zunächst scheint es, dass der Fürst solche Vereinbarungen, Privilegien und Bestätigungen aufheben könne.

12

Nam quamuis 9is4 opinio sit, quod priuilegia quæ transierunt in contractum princeps non possit tollere, ut statim infra late deducetur certe ista communis conclusio limitatur ut procedat non subsistente iusta causa .Läuft auf der nächsten Seite weiter

Denn obwohl die gemeine Meinung ist, dass der Fürst Privilegien, die in einen Vertrag übergegangen sind, nicht aufheben könne, wie sogleich unten ausführlich dargelegt werden wird, so wird diese gemeine Schlussfolgerung doch gewiss dahin eingeschränkt, dass sie gilt, wenn kein gerechter Grund vorliegt.

Unsichere Lesungen

  1. fat glos. — Lesung fat unsicher, vielleicht sat oder not
  2. expsse — Kuerzung, wohl expresse); p. c. dilecto de pbend. (Kuerzungen: p mit Strich (per), pbend wohl praebend); de anten . (wohl in auten. (Authentica) gemeint
  3. TERTIÆ — Ueberschrift in Auszeichnungsschrift; Endung Æ statt A auffaellig
  4. 9is — Kuerzel, wohl communis

S. 230

Bl. 112vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNam quamuis 9is opinio sit, quod priuilegia quæ transierunt in contractum princeps non possit tollere, ut statim infra late deducetur certe ista communis conclusio limitatur ut procedat non subsistente iusta causa .

Denn obwohl die gemeine Meinung ist, dass der Fürst Privilegien, die in einen Vertrag übergegangen sind, nicht aufheben könne, wie sogleich unten ausführlich dargelegt werden wird, so wird diese gemeine Schlussfolgerung doch gewiss dahin eingeschränkt, dass sie gilt, wenn kein gerechter Grund vorliegt.

2

Subsistente aut1 iusta causa potest princeps conuentionem siue priuilegium præcedens, etiam quod transiuit in contractum reuocare, ut est tex. qp. in l. quod semel ff. de decret. ab ordi . facien .

Liegt aber ein gerechter Grund vor, so kann der Fürst eine vorausgehende Vereinbarung oder ein Privileg, auch wenn es in einen Vertrag übergegangen ist, widerrufen, wie der Text (tex. qp.) ist in l. quod semel ff. de decret. ab ordi. facien.

3

Cano. in c. nouit de Judi, ubi Felin. col. 9 .

Cano. in c. nouit de Judi., wo Felin. col. 9.

4

Ergo cum terminis nostris fuerit iusta causa, et concernens publicam utilitatem .

Da also in unserem Fall (in terminis nostris) ein gerechter Grund vorlag, und zwar ein den öffentlichen Nutzen betreffender.

5

Ergo .

Also.

6

Præterea.

Außerdem.

7

Priuilegium concessum, secundum formam petitionis intelligitur et declaratur ut no.

Ein gewährtes Privileg wird nach der Form des Gesuchs verstanden und ausgelegt, wie anmerkt

8

Bald. in c. inter dilectos de fide instru. per illum tex. ibi ex forma petitionis .

Bald. in c. inter dilectos de fide instru., aufgrund jenes Textes dort: ‚ex forma petitionis' (nach der Form des Gesuchs).

9

Videndum igitur an preces2 Veritate nitantur c. ij. de rescrip. & l. præscriptione C. si contra ius Vel util. publ.

Es ist also zu prüfen, ob die Bitten auf Wahrheit beruhen, c. ij. de rescrip. und l. præscriptione C. si contra ius Vel util. publ.

10

Vnde si falsum sit, quod in narratione et præfatione priuilegij D.

Daher, wenn falsch ist, was in der Erzählung und Vorrede des Privilegs des Herrn

11

Guilielmi Landgrauij continetur ( prout per principem obijcitur ) gratia dr3 surreptitia et ipso iure non ualet c. ad aures infi. c. ad audientiam et de rescrip. ubi doct .

Landgrafen Wilhelm enthalten ist (wie vom Fürsten eingewendet wird), so wird die Gnade erschlichen (surreptitia) genannt und gilt von Rechts wegen nicht, c. ad aures infi., c. ad audientiam, et de rescrip., wo die Doktoren.

12

Quapropter cum societas Salinarum præcipuum fundamentum faciat in hoc priuilegio D.

Da deshalb die Gesellschaft der Salinen ihre hauptsächliche Grundlage auf dieses Privileg des Herrn

13

Guilielmi, incumbit onus probandi de ueritate eorum quæ in pæmio4 eiusdem priuilegij narrantur ut no.

Wilhelm stützt, liegt ihr die Beweislast (onus probandi) für die Wahrheit dessen ob, was in der Vorrede desselben Privilegs erzählt wird, wie anmerken

14

Jo. and . & domi . de litis contesta. lib.

Jo. and. und domi. de litis contesta. lib.

15

VI. sequitur Abbas in c. 2. in 2. no. de rescript .

VI.; es folgt Abbas in c. 2. in 2. no. de rescript.

Unsichere Lesungen

  1. aut — mit Ueberstrich, wohl autem); tex. qp. (doppelt unterstrichenes Kuerzel, Lesung unsicher
  2. preces — als pres-Kuerzel geschrieben
  3. dr — Kuerzel mit Strich, wohl dicitur); et de rescrip. (et als z-Kuerzel geschrieben
  4. pæmio — Kuerzung, wohl prooemio); c. 2. in 2. no. (Allegat mit Kuerzeln, Lesung unsicher

S. 231

Bl. 113rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Sed his non obstantibus, contrariam partem puto Veriorem .

Aber ungeachtet dessen halte ich die Gegenseite für richtiger.

2

Sunt enim Verba priuilegij præsertim Domini Guilielmi præcisa & exploratam principis Voluntatem ostendunt, nempe, quod neque per se neque per hæredes suos neque per alios insuper siue prope fontem Salinarum,

Denn die Worte des Privilegs, besonders des Herrn Wilhelm, sind präzise und zeigen den erforschten Willen des Fürsten, nämlich, dass er weder durch sich selbst noch durch seine Erben noch durch andere auf oder nahe bei der Solequelle

3

et per distantiam unius miliaris a dictis Salinis computando, quo quomodo1 domiculas ad conficiendum Sal, Vulgo Saltzbode ædificare neque uelit neque debeat .

und im Abstand einer Meile, von den besagten Salinen an gerechnet, auf welche Weise auch immer Häuschen zum Herstellen von Salz, gemeinhin Salzboden, bauen weder wolle noch solle.

4

Vnde cum priuilegij Verba clara sint, non est opus coniecturis l. continuus §. cum ita ff. de Verbo. obligat . et l. ille aut ille §. cum in uerbis. ff. de lega . 3 .

Da daher die Worte des Privilegs klar sind, bedarf es keiner Mutmaßungen, l. continuus §. cum ita ff. de Verbo. obligat. und l. ille aut ille §. cum in uerbis. ff. de lega. 3.

5

Et uerba illa priuilegij .

Und jene Worte des Privilegs:

6

Vnnd die Zahl der Höltzbodte[?]2, vnnd Pfannenn niemanndt annders zerbrechenn3 soll, sonndernn viertzigk4 vnnd dreij Saltzbodte, vnnd souiel Pfannenn darin,

‚Und die Zahl der Holzboden[?] und Pfannen soll niemand anders zerbrechen, sondern dreiundvierzig Salzboden und so viele Pfannen darin

7

nicht mehr noch weniger zu ewigenn zeittenn pleibenn sollenn, etiam in minimo p5 intelliguntur, quia uerba neque plures neque pauciores præcisa sunt, l. non plures, ubi Bal.

sollen nicht mehr noch weniger zu ewigen Zeiten bleiben' werden auch im Kleinsten präzise verstanden, weil die Worte ‚weder mehr noch weniger' präzise sind, l. non plures, wo Bal.

8

C. de sacros.

C. de sacros.

9

Eccla. l.

Eccla. l.

10

Si seruum §.

Si seruum §.

11

Ptor6 ait, ubi Bar. ff. de acq. hered, fat glos. in cle 1, in Verb. earum7 par. de foro compo.

Prætor ait, wo Bar., ff. de acq. hered.; dafür spricht die glos. in cle 1, in Verb. earum par. de foro compo.

12

Accedat etiam verbum illud Inn keine weise .

Hinzu kommt auch jenes Wort ‚in keiner Weise'.

13

Nullatenus siue nullo modo sub quo includuntur quæ alias non includerentur c. ad nostram ut glos. de proba . in Ver . quo quomodo fat glos. in cle . ut hi qui in Ver . nullo modo de æta . et qual . ordi . his adde q sup infi . 2di dubij diximus Secundo principaliter pro hac parte adduco notabile Verbum .Läuft auf der nächsten Seite weiter

‚Nullatenus' oder ‚nullo modo' (auf keine Weise), worunter eingeschlossen wird, was sonst nicht eingeschlossen würde, c. ad nostram, wie die glos. de proba. in Ver. quo quomodo; dafür spricht die glos. in cle. ut hi qui in Ver. nullo modo de æta. et qual. ordi.; hierzu füge hinzu, was wir oben am Ende des zweiten Zweifels gesagt haben. Zweitens führe ich hauptsächlich für diese Seite den bemerkenswerten Ausspruch an

Unsichere Lesungen

  1. quo quomodo — Wortfolge unsicher, vielleicht quoquomodo
  2. Höltzbodte[?] — Anfangsbuchstabe H, vergroessert geprueft; sachlich wohl Saltzbodte gemeint (vgl. Z. 14)
  3. zerbrechenn — erster Buchstabe z/v unsicher, vergroessert geprueft
  4. viertzigk — Zahlwort, Lesung vierzigk/viertzigk
  5. p — p mit Kuerzungsstrich, wohl praecise
  6. Ptor — Kuerzung, wohl Praetor
  7. earum — als ea-rum-Kuerzel geschrieben; fat glos. wie p0229 unsicher

S. 232

Bl. 113vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Bůch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNullatenus siue nullo modo sub quo includuntur quæ alias non includerentur c. ad nostram ut glos. de proba . in Ver . quo quomodo fat glos.1 in cle . ut hi qui in Ver . nullo modo de æta . et qual . ordi . his adde q sup infi . 2di dubij diximus Secundo principaliter pro hac parte adduco notabile Verbum .

‚Nullatenus' oder ‚nullo modo' (auf keine Weise), worunter eingeschlossen wird, was sonst nicht eingeschlossen würde, c. ad nostram, wie die glos. de proba. in Ver. quo quomodo; dafür spricht die glos. in cle. ut hi qui in Ver. nullo modo de æta. et qual. ordi.; hierzu füge hinzu, was wir oben am Ende des zweiten Zweifels gesagt haben. Zweitens führe ich hauptsächlich für diese Seite den bemerkenswerten Ausspruch an

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Bar . in l. digna VOX C. de legibus . ubi uoluit quod quando princeps facit pactum cum aliqua ciuitate, quia pacta sunt de iure gentium, ut l. ex hoc Jure, ff. de iust. et Jure,

des Bar. in l. digna VOX C. de legibus, wo er gewollt hat, dass, wenn der Fürst einen Vertrag mit irgendeiner Stadt schließt, weil Verträge dem Völkerrecht (ius gentium) angehören, wie l. ex hoc Jure, ff. de iust. et Jure,

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et iura gentium sunt immutabilia ut §. sed natia2 Institu. de iure natu. gent. et ciui . sequitur quod etiam talia pacta sunt immutabilia Et ad hoc multum bene se conformat illud quod uoluit Dns Abbas pan . in c. nouit extra de Judi . ubi uoluit quod quamuis priuilegium concessum subdito possit reuocari per cle pastoralis de re Judi. & inno . in c. ura de iniur .

und die Rechte der Völker unveränderlich sind, wie §. sed natia Institu. de iure natu. gent. et ciui., folgt, dass auch solche Verträge unveränderlich sind. Und damit stimmt sehr gut überein, was der Herr Abbas Pan. gewollt hat in c. nouit extra de Judi., wo er gewollt hat, dass, obwohl ein einem Untertan gewährtes Privileg widerrufen werden kann nach cle. pastoralis de re Judi. und Inno. in c. ura de iniur.,

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Istud e3 Verum secundum eum, nisi talis concessio transiuerit in Jus gentium, puta quia princeps dedit alicui unam rem, et sic illi acquisitum est dominium quia tunc, secundum eum, reuocari non potest .

dies nach ihm wahr ist, es sei denn, eine solche Bewilligung ist in das Völkerrecht übergegangen, etwa weil der Fürst jemandem eine Sache gegeben hat und so jenem das Eigentum erworben worden ist, weil sie dann nach ihm nicht widerrufen werden kann.

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Et ad hoc est bene se conformant qdam4 notabilia Verba Bal . in l .

Und damit stimmen auch gewisse bemerkenswerte Worte des Bal. gut überein in l.

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Si cum mihi, ff. de dolo .

Si cum mihi, ff. de dolo.

Unsichere Lesungen

  1. fat glos. — wie p0229, Lesung fat unsicher); q sup infi . 2di (Kuerzel, wohl quae supra in fine secundi
  2. natia — mit Ueberstrich, wohl naturalia); c. ura (mit Ueberstrich, wohl c. uestra
  3. e — mit Ueberstrich, wohl est
  4. qdam — Kuerzel, wohl quaedam

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Bl. 114rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

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Accedat quod cunctus[?]1 facti cum principe ligant ipsum principem, ita quod de iure princeps ad eorum obseruantiam teneatur.

Hinzu kommt, dass alle[?] mit dem Fürsten geschlossenen Verträge den Fürsten selbst binden, sodass der Fürst von Rechts wegen zu ihrer Beachtung gehalten ist.

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Ista est conclusio Doctorum ut Cÿ. bar. bal. & aliorum in d. l. digna vox C. de legib. & in l. donones[?]2 quas diuus per illum tex. c. d dona. inter Vir. & uxor. & est tex. in c. de proba. ubi late Cano.

Das ist die Schlussfolgerung der Doktoren wie Cÿ., Bar., Bal. und anderer in d. l. digna vox C. de legib. und in l. donones[?] quas diuus, aufgrund jenes Textes, C. d dona. inter Vir. & uxor., und es ist der Text in c. de proba., wo ausführlich Cano.

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Et propterea dicit bal. in l. princeps ff. de legib. post Cÿ. in d. l. digna uox, quod princeps potest contrahere cum suis fidelibus & tenetur eis de iure gentium et ciuili, quia ciuili rationi naturalis ratio operatur l. bona fides ff. de posi.

Und deshalb sagt Bal. in l. princeps ff. de legib., nach Cÿ. in d. l. digna uox, dass der Fürst mit seinen Getreuen Verträge schließen kann und ihnen nach Völkerrecht und Zivilrecht verpflichtet ist, weil die natürliche Vernunft auf die zivile Vernunft einwirkt, l. bona fides ff. de posi.

4

Alias si princeps ex pacto uel contractu non obligaretur alÿ, certe nec alius obligaretur principi ex respectu correlatiuorum & sic esset principi interdictum commercium, & esset tanquam exul. qui est omnium præsul.

Andernfalls, wenn der Fürst aus Vertrag oder Kontrakt einem anderen nicht verpflichtet wäre, wäre gewiss auch kein anderer dem Fürsten verpflichtet, wegen der Wechselbeziehung der Korrelate, und so wäre dem Fürsten der Rechtsverkehr untersagt, und er wäre gleichsam ein Verbannter, der doch aller Vorsteher ist.

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Præterea ultra decisiones Doctorum, qd est secundum rationem naturalem quod magis congruat humanæ fidei quam ea quæ placauerunt et in pactiones venerunt seruare. ut inquit iurisconsul. in l. 1. in princi. ff. de constitu. pecu.

Außerdem, über die Entscheidungen der Doktoren hinaus: Es entspricht der natürlichen Vernunft, dass nichts der menschlichen Treue mehr entspricht, als das zu halten, was man vereinbart hat und worüber man zu Abmachungen gekommen ist, wie der Rechtsgelehrte sagt in l. 1. in princi. ff. de constitu. pecu.

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Reputat quam graue esse fidem fallere.

Er erachtet, wie schwerwiegend es ist, die Treue zu brechen.

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Si ergo istud est secundum rationem naturalem, quod quilibet teneatur pacta seruare tunc succedit illud quod eleganter inqt bal. in repe. l. 2. in con col.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Wenn also dies der natürlichen Vernunft entspricht, dass jeder gehalten ist, Verträge zu halten, dann folgt das, was Bal. treffend sagt in repe. l. 2. in con col.

Unsichere Lesungen

  1. cunctus[?] — so geschrieben mit u-Bogen; grammatisch waere contractus zu erwarten (ligant, eorum)
  2. donones[?] — mit langem Kuerzungsstrich ueber dem Wort, wohl Abbreviatur fuer donationes (l. donationes quas)); c. d dona. (d mit Kuerzungsstrich, wohl de; Zitat C. de donationibus inter virum et uxorem

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Fortsetzung von der vorigen SeiteSi ergo istud est secundum rationem naturalem, quod quilibet teneatur pacta seruare tunc succedit illud quod eleganter inqt bal. in repe. l. 2. in con col.1

Wenn also dies der natürlichen Vernunft entspricht, dass jeder gehalten ist, Verträge zu halten, dann folgt das, was Bal. treffend sagt in repe. l. 2. in con col.

2

C. de serui. & aqua.

C. de serui. & aqua.

3

Vbi inquit, quod licet princeps sit solutus lege positiua, non tamen est solutus dictamine rationis naturalis, nec à lege nostra. quia est aial2 rationale.

Wo er sagt, dass der Fürst zwar vom positiven Gesetz gelöst ist, aber nicht vom Gebot der natürlichen Vernunft noch von unserem Gesetz, weil er ein vernunftbegabtes Lebewesen (animal rationale) ist.

4

Et alibi inquit bal. non minus Vere quam eleganter in c. 1. §. fin. qui feu. dare pos. quod bona et naturales consuetudines ligant principem, quia potentius est ius naturale quam principatus.

Und anderswo sagt Bal., nicht weniger wahr als treffend, in c. 1. §. fin. qui feu. dare pos., dass gute und natürliche Gewohnheiten den Fürsten binden, weil das Naturrecht mächtiger ist als die Fürstengewalt.

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Accedat illud quod dicit tex. in Epistola inter claras C. de summa trin. & fide cathol.

Hinzu kommt, was der Text sagt in Epistola inter claras C. de summa trin. & fide cathol.:

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Nihil esse quod lumine clariore pfulgeat quam recta fides in principe.

Es gebe nichts, was in hellerem Licht erstrahle als der rechte Glaube (die rechte Treue) im Fürsten.

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Et dicit bal. in preal. c. 1. §. fin q feu. dare poss. quod in ore principum firmior debet esse Veritas quam priuatorum.

Und Bal. sagt in dem vorangeführten c. 1. §. fin. q feu. dare poss., dass im Mund der Fürsten die Wahrheit fester sein muss als bei Privatleuten.

8

Et quod illa in principe potissimum sint attendenda & magis quam in priuato quod princeps ex suis conuentionib. oio obligetur, fat illud, quod singulariter dicit bal. in extremus[?] d pace constan. in Ver.

Und dass dies beim Fürsten am meisten zu beachten sei, und mehr als bei einem Privatmann, dass der Fürst aus seinen Vereinbarungen gänzlich verpflichtet wird, dafür spricht das, was Bal. eigens sagt in extremus[?] d pace constan. in Ver.

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Si qua Vero, ubi arg. illius tex in Ver. bona fide no ubi omnes contractus, qui fiunt cum principe habent naturam bonæ fidei contractuum.

Si qua Vero, wo aus jenem Text in Ver. bona fide argumentiert und angemerkt wird, dass alle Verträge, die mit dem Fürsten geschlossen werden, die Natur von Verträgen guten Glaubens (bonae fidei contractus) haben.

Unsichere Lesungen

  1. in con col. — Zitatabbreviatur, Lesung der Buchstaben klar, Aufloesung unklar
  2. aial — mit Kuerzungsstrich, Abbreviatur fuer animal); conuentionib. oio ... fat (conuentionib. mit Kuerzungsstrich (-bus), oio = omnino, fat wohl fiat/facit abgekuerzt); in extremus[?] d pace con=stan. (wohl Abbreviatur fuer in extrauag. de pace constantiae; d mit Kuerzungsstrich = de

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