Salzbibel · Lesetext · Einleitung
Die Einleitung · S. 23–32
Die Widmung an den Landgrafen · S. 23–32 · Bl. 9r–13v · Band 1
Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.
Die Widmung an den Landgrafen
S. 9–41 · Bl. 2–18 · Bd. 1 · Zeitleiste: Einleitung
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Bl. 9rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)ist auch das Saltz, zu allenn Gottes dienstenn vnd Opffern gebraucht wordenn, Denn dieweils expers Corruptionis et perpetuitatis Symbolum ist, habenn sies denn Opffer darumb zugefugt, weil im Gottes diennst kein Corruptio, sonndernn perpetuitas sein solle, Demnach denn auch das Saltz einenn gutenn geschmack machet, das mann eigenntlich die Sapores vnderscheidenn kann, So ist auch die discretio, das ist der verstandt vnnd bescheidennheit, Inn sachenn recht zuerkennen, Sapientia, das ist Sal a sapiendo genennet wordenn. Vnnd weil dem allen nun also, Nemblich, das das Saltz die beste wurtze zur gesundtheit, vnnd mehrung der lebenndigenn Creaturen, diennstlich vnnd notwenndigk, sonnstenn auch grosser sachenn vnnd geheimnissen vns erinnert, vnnd aber dieses nicht, durch mennschenn scharffsinnigkeit vnnd geschicklichkeit, sonndernn allein aus Gottes des almechtigenn, vnnd allein weisenn guete, enndtstanndenn, vnnd noch teglich ist, vnd wirdt, solchs aber alles vmb vnsert willenn, das wir vns Corporis, Morum vnd Animæ Valetudinem, desto besser befleissenn sollenn, anngesehenn, So ist es rechtt
Auch ist das Salz zu allen Gottesdiensten und Opfern gebraucht worden. Denn weil es der Verderbnis nicht unterworfen und ein Sinnbild der Dauer ist, hat man es den Opfern beigefügt: Im Gottesdienst soll keine Verderbnis sein, sondern Dauer.
Und weil das Salz einen guten Geschmack macht, sodass man die Geschmäcker eigentlich erst unterscheiden kann, ist auch die Unterscheidung — das heißt der Verstand und die Besonnenheit, in einer Sache das Rechte zu erkennen — Weisheit genannt worden: *sapientia* von *sapere*, wie *sal* vom Schmecken.
Weil dem nun so ist — dass nämlich das Salz die beste Würze zur Gesundheit ist, der Vermehrung der lebendigen Geschöpfe dienlich und notwendig, und uns überdies an große Dinge und Geheimnisse erinnert —, und weil das alles nicht durch menschlichen Scharfsinn und menschliches Geschick entstanden ist, sondern allein aus der Güte des allmächtigen und allein weisen Gottes, und weil es täglich noch so entsteht, und zwar alles um unsertwillen, damit wir uns umso mehr um die Gesundheit des Leibes, der Sitten und der Seele bemühen — so ist es recht
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Bl. 9vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)vnnd billich, das wir nit allein mit grosser Reuerenz vnnd ehrerbietung aus der milttenn hanndt Gottes, solchs entpfahenn vnnd annehmenn, Sonndernn desselbenn rechttenn brauch wohl studiren vnd lernenn, auch der guete Gottes für diese wolthat, welche, wie mann sagtt Vsu & crebritate, geringschetzig vnnd gar gemein, vnnd nichts werth geachttet möchte werdenn, Inn rechtenn brauch bringenn, Innsonderheit aber, weil der almechtige Gott E. F. Gl. hochlöbliches Furstennthumb Hessenn, mit einer herlichenn Fundtgrubenn oder Brunnenn, Natiui vnd Coctilis salis, in vnserm liebenn Vatterlanndt, für vielenn anndernn Furstennthumbenn vnnd Lannden, welche gernne mit grossem kostenn, gutt vnnd geldt, bey Ihnenn Saltzwerck annstellenn wolttenn, begnadiget, vnnd also dieses löbliche Furstennthumb gesaltzenn, vnd zur lebenndigenn Apotheckenn gemacht, sollenn wirs erkennenn, recht brauchenn, vnnd Gott so lenger so mehr dannckenn, preisenn, lobenn vnnd ehrenn, Demnach nun gnediger Fürst vnnd Herr, Ich ohne zweiffell, aus dem willenn vnnd versehung Gottes, vonn
und billig, dass wir es nicht nur mit großer Ehrfurcht aus der milden Hand Gottes empfangen und annehmen, sondern dass wir auch seinen rechten Gebrauch studieren und lernen und die Güte Gottes für diese Wohltat — die, wie man sagt, durch Gewohnheit und Häufigkeit geringgeschätzt, ganz gewöhnlich und für nichts geachtet werden könnte — in rechten Gebrauch bringen.
Das gilt besonders, weil der allmächtige Gott Eurer Fürstlichen Gnaden hochlöbliches Fürstentum Hessen in unserem lieben Vaterland mit einer herrlichen Fundgrube oder Quelle natürlichen und gesottenen Salzes begnadet hat — vor vielen anderen Fürstentümern und Ländern, die gern mit großem Aufwand an Gut und Geld bei sich ein Salzwerk anlegen wollten. So hat er dieses löbliche Fürstentum gesalzen und zu einer lebendigen Apotheke gemacht; das sollen wir erkennen, recht gebrauchen und Gott je länger je mehr danken, preisen, loben und ehren.
Weil ich nun, gnädiger Fürst und Herr, ohne Zweifel aus dem Willen und der Fügung Gottes von
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Bl. 10rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)E. F. G. Herrnvatter hochlöblicher gedechtnus, an dieses ortt vnnd ennde des Furstenthumbs Hessenn, meines geliebtenn vatterlanndts, zu einem Prediger vnd Saltzgrevenn verordenett, das in denn Sodenn, da diese lebenndige Quelle, der wunderlichenn guete Gottes, alle tage mitt verwunderung gesehenn, vnnd daraus menschenn vnnd viehes Artzeney, aus der reichenn vnnd mildenn Hanndt Gottes, Immediate geschöpffet, vnnd empfanngenn wirdt, Hab Ich meines ampts ein nottürfft erachttet, Erstlich meine Auditores, vf dieses beneficium Dei vielmahls zuverweisenn, Damit sie fernner, desto ehr Gott vertrauwenn, vnnd es mit demut, vnnd in warer Gottseligkeit, erkennenn, vnnd gebrauchenn mögenn, vnnd solchs vonn der Cantzell nicht allein mündtlich, Sonndernn auch furs annder, Weil E. F. G. ein solches gnediglich vonn mir begerett, mit [gestrichen: ?]1 der feddernn, vnnd schrifftlich, E. F. G. schuldige, vnderthenige ehre vnnd gehorsamb zuerzeigenn, etwas an den tagk zubringenn, mich enndtschlossenn vnd furgenommenn, Gleich aber wie kein speis so sues vnnd gut nichtt ist,
Eurer Fürstlichen Gnaden Herrn Vater hochlöblichen Angedenkens an diesen Ort und Winkel des Fürstentums Hessen, meines geliebten Vaterlandes, zum Prediger und Salzgrafen bestellt worden bin — nämlich in den Sooden, wo diese lebendige Quelle der wunderbaren Güte Gottes alle Tage mit Verwunderung gesehen wird und wo Arznei für Mensch und Vieh unmittelbar aus der reichen und milden Hand Gottes geschöpft und empfangen wird —, darum habe ich es für eine Notwendigkeit meines Amtes gehalten, erstens meine Zuhörer vielfach auf diese Wohltat Gottes hinzuweisen, damit sie Gott umso eher vertrauen und sie in Demut und wahrer Gottesfurcht erkennen und gebrauchen mögen.
Und zwar nicht nur mündlich von der Kanzel, sondern zweitens auch — weil Eure Fürstlichen Gnaden dies gnädig von mir begehrt haben — mit der Feder und schriftlich. So habe ich mich entschlossen und vorgenommen, Euren Fürstlichen Gnaden die schuldige, untertänige Ehre und den Gehorsam zu erweisen und etwas an den Tag zu bringen.
Gleichwie es aber keine Speise gibt, so süß und gut sie sei,
Unsichere Lesungen
- [gestrichen: ?] — Streichung am Zeilenende unleserlich (Z. 16)
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Bl. 10vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)wo die fuei1[?] zu kommenn konnenn, die nicht vonn fliegenn beschmeist, vnnd vonn den Meusenn benaget vnd zerschrottenn werde, Auch so recht vnnd wohl nichts gethann, noch geredt wirdt, Welches wie der Heyde sagtt, vonn bösenn gifftigenn zungenn, nicht könne Cauillirt vnnd vbell ausgelegt werdenn, also mache Ich mir keinenn zweiuell, es werdenn gifftige Natternn vber diesenn meinenn vleis vnnd arbeytt kommenn, (: denn wer ann den wegk wie mann sagt, bauett, hatt viel meister :) die es mir zu keinem gutenn, was Ich hie gethann, deutenn vnnd auslegenn werdenn, Inn fürwenndung, das dieses meines schreibenns, ganntz nicht vonnötenn, vnnd die sachenn ohne des besser vnd klerer am tag vnnd bekanndt, denn es vonn mir in solchem schreibenn, erkleret vnnd beschriebenn werdenn könne. Werdenn auch sagenn, es sey diese meine arbeit, auch mehr Politisch denn Theologisch, vnnd derohalbenn nicht meines berufs vnnd ampts, vnnd obs gleich einem gelertten zugelassenn, So sey es doch ein Heidtnisches vnnd Philosophisches ding einem Theologo (: der nichts wissen noch hanndtlenn soll, denn was Christi vnnd Gottes sache :)
die nicht, wo die Fliegen hinkommen können, von ihnen beschmutzt und von den Mäusen benagt und zerschroten würde — und wie auch nichts so recht und gut getan oder gesagt wird, dass es nicht, wie der Heide sagt, von bösen giftigen Zungen bekrittelt und übel ausgelegt werden könnte —, so mache ich mir keinen Zweifel: Es werden giftige Nattern über diesen meinen Fleiß und diese Arbeit herfallen. Denn wer an den Weg baut, wie man sagt, hat viele Meister. Sie werden mir, was ich hier getan habe, zu nichts Gutem deuten und auslegen, unter dem Vorwand, dieses mein Schreiben sei gar nicht nötig und die Sache sei ohnehin besser und klarer zutage und bekannt, als sie von mir in solchem Schreiben erklärt und beschrieben werden könne.
Sie werden auch sagen, diese meine Arbeit sei mehr politisch als theologisch und darum nicht meines Berufs und Amtes. Und sei sie auch einem Gelehrten erlaubt, so sei sie doch eine heidnische und philosophische Sache, die einen Theologen — der nichts wissen noch treiben soll als das, was Christi und Gottes Sache ist —
Unsichere Lesungen
- fuei — Wort unklar (Z. 1)
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Bl. 11rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)belanngt, nach dem dicto des Heiligen Pauli, Nemo militans Deo implicet se secularibus negocijs :) nicht von nötenn zuwissenn, Vielgeschweigenn zu tractiren, vnnd dauonn zuschreibenn : Solle sich auch mit weltlichenn hänndeln nicht bekümmernn, noch annehmenn das seye Philosophisch ding, welche Je vnnd alwegenn Hæreticos oder Ketzer gemacht, vnnd gegeben, vnnd derohalbenn vom Apostell Paulo als alienum à Theologia, den Predigernn ganntz vnnd gar niedergelegt vnnd verbottenn wordenn, Derowegenn einem Prediger besser seye, hieruonn geschwiegenn, denn geredt, oder geschriebenn. Darauff Ich anntwortte, das es wohl war, ob gleich meine feddernn geruhet vnnd geschwiegenn, das Saltz nichts desto weniger saltz gewesenn, vnnd saltz pliebenn were, vnnd durch mein arbeit vnd schreibenn, das Allendorffisch Saltz weder besser noch erger wordenn, Ich bin auch selbst meines geringenn verstanndts vnnd vermögenns in so reicher vnnd weitleufftiger Materien vnnd sachenn, mir leider alzu wohl bewust, Jedoch weil E. F. G. ein solches zu tentiren vnnd annzugreiffenn, vonn mir ver
nicht zu kümmern habe, nach dem Wort des heiligen Paulus: Niemand, der Gott dient, verwickle sich in weltliche Geschäfte. Er brauche das nicht zu wissen, geschweige denn zu behandeln und darüber zu schreiben. Er solle sich mit weltlichen Händeln nicht befassen; das sei philosophisches Zeug, das immer und überall Ketzer hervorgebracht habe, und darum sei es vom Apostel Paulus als der Theologie fremd den Predigern ganz und gar untersagt worden. Deshalb sei es für einen Prediger besser, hiervon zu schweigen, als davon zu reden oder zu schreiben.
Darauf antworte ich: Es ist wohl wahr — hätte meine Feder geruht und geschwiegen, das Salz wäre nichtsdestoweniger Salz gewesen und Salz geblieben, und durch meine Arbeit und mein Schreiben ist das Allendorfer Salz weder besser noch schlechter geworden. Auch bin ich mir meines geringen Verstandes und Vermögens in einer so reichen und weitläufigen Materie leider allzu gut bewusst.
Weil jedoch Eure Fürstlichen Gnaden es von mir
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Bl. 11vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)dieser zeitt gnediglich begeret, Ich auch ein sonnderlich neigung durch Gottes milde guete hierzu habe, vnnd ohnne des schuldigk mich erkenne, zum Tabernacul Gottes meine gabenn einzubringenn, Welches, wo es nicht Silber, Goltt, Sammet oder Seydenn, doch nach meinem vermugenn, ziegennhar, Dachsfelle, Saltz, vnnd geringer Materien sein könnenn, Damit Gottes Herligkeit auch am Saltz alhier zun Sodenn desto reicher vnnd mechtiger herfür vnnd am tagk komme, als habe Ich als ein beruffener diener Gottes, dieser kirchenn Inn Sodenn, nicht allein ampts wegenn, sonndernn auch, weil Ich des Hochlöblichenn Furstenthumbs zu Hessenn, meines geliebtenn vatterlanndts Einwöhner, desgleichenn bestelter Saltzgreue bin, vnnd vonn dem theurenn vnnd Christlichenn Heldenn, dem durchleuchttigenn vnnd hochgebornenn Furstenn vnd Herrn Herrn Philipsenn dem Elttern, Weylanndt Lanndtgrauen zu Hessenn, E. F. G. Herrnn Vatternn, Meynem gnedigenn furstenn vnnd herrnn, Hochlöblicher Christmilder vnnd seliger gedechtnus, Wie auch nicht weniger vonn E. F. G. selbst, mir dieses werck, vielfelttigk benohlenn wordenn, vnnd beide vonn Hochge=
zu dieser Zeit gnädig begehrt haben, ich auch durch Gottes milde Güte eine besondere Neigung dazu habe und mich ohnehin schuldig erkenne, meine Gaben in das Zelt Gottes einzubringen — und wenn es nicht Silber, Gold, Samt oder Seide sein kann, so doch nach meinem Vermögen Ziegenhaar, Dachsfelle, Salz und geringe Stoffe —, damit Gottes Herrlichkeit auch am Salz hier zu Sooden umso reicher und mächtiger zutage trete:
darum habe ich als ein berufener Diener Gottes an dieser Kirche in Sooden nicht nur von Amts wegen, sondern auch, weil ich Einwohner des hochlöblichen Fürstentums Hessen, meines geliebten Vaterlandes, und dazu bestellter Salzgraf bin, diese Arbeit unternommen. Denn dieses Werk ist mir vielfach aufgetragen worden: von dem teuren und christlichen Helden, dem durchlauchtigen und hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Philipp dem Älteren, weiland Landgrafen zu Hessen, Eurer Fürstlichen Gnaden Herrn Vater, meinem gnädigen Fürsten und Herrn hochlöblichen, christmilden und seligen Angedenkens, nicht weniger aber auch von Euren Fürstlichen Gnaden selbst. Und weil mir von beiden, dem hochge-
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Bl. 12rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)dachtenn E. F. G. Herrnn Vatternn, auch E. F. Gl. mir viel gnade vnnd guts widerfarenn, E. F. G. auch danckbarlichenn gehorsamb zuleistenn schuldigk erkennet, ob gleich nicht fundamentaliter vnnd ausfurlich, doch superficialiter, anndernn für sich etwas bessers zu machenn, anreitzung zugebenn, solche schwere arbeytt, desto lieber vnnd getröster für die Hanndt genommenn, vnnd also, als zwiefach verpflichttet, mich derenn arbeit meines bestenn vermugenns vnderstanndenn. Hoffe, E. F. G. werdenn mit diesem meinem vnderthenigen willenn, vnnd Talent, nach des Poeten meinung vnnd Judicio, in magnis Voluisse sat est, gnediglich zufriedenn sein. Das aber die Zoyli mir fürwerffenn, vnnd wöllenn es sey mir nach dem dicto Pauli, weltliche sachenn zu tractiren, als ein Theologo verbottenn, achtte Ich, das die guete Herrnn, Wie fernn Politica den geistlichenn verbottenn, nicht verstehenn, oder vielleicht mit vleis nicht verstehenn wöllenn, Vnnd des zum beweis sage Ich, Es war die Administratio des Judischenn Reichs, ein gantz
dachten Herrn Vater Eurer Fürstlichen Gnaden wie auch von Euren Fürstlichen Gnaden selbst, viel Gnade und Gutes widerfahren ist und ich mich schuldig erkenne, dankbaren Gehorsam zu leisten, habe ich diese schwere Arbeit umso lieber und getroster in die Hand genommen — wenn auch nicht gründlich und erschöpfend, so doch der Oberfläche nach, um anderen einen Anreiz zu geben, es besser zu machen. So habe ich mich als zwiefach Verpflichteter dieser Arbeit nach bestem Vermögen unterzogen. Ich hoffe, Eure Fürstlichen Gnaden werden mit diesem meinem untertänigen Willen und Talent gnädig zufrieden sein, nach der Meinung des Dichters: Bei großen Dingen ist es genug, gewollt zu haben.
Dass mir aber die Krittler vorwerfen, es sei mir nach dem Wort des Paulus als einem Theologen verboten, weltliche Sachen zu behandeln, dazu meine ich: Die guten Herren verstehen nicht — oder wollen mit Fleiß nicht verstehen —, wie weit den Geistlichen das Politische verboten ist. Zum Beweis sage ich: Die Verwaltung des jüdischen Reiches war eine ganz
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Bl. 12vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Politisch vnnd weltlichs ding, Jedoch beuahl vnnser Herre Gott, den Priesternn, das sie Jura vnnd leges studiren solttenn, vff das im fall der noth, der König der Priester sich zutröstenn, vnnd sie mit gutem rath, dem König in Politischer Administration, damit es recht zuginge, nicht lasternn, sonndernn befordernn solttenn, Ja es Iniungirte vnnser Herre Gott dem Könige, das er in wichttigenn vnnd schwerenn henndelnn, der geistlich Rath brauchenn, vnnd Ihr Judicium hörenn sollte, darumb der Prophet sagt: Scientia soll sein in labijs Sacerdotum, vnnd Lex oder das recht soll vonn Ihnenn gelernnt vnnd befragt werdenn, daraus zusehenn, das Judische Priester Juristen gewesenn, Die Historien der Bibell bezeugenn, das sie Ertzte, vnnd auch wohl des kriegs nicht vnerfahrenn gewesenn sein, vnnd damit Ichs kurtzlich beschliesse, So gebenn text vnnd Historien der Bibell zuverstehenn, das ein Prediger, wo nicht omnium, tamen plurimarum rerum scientissimus, vnnd also beschaffenn sein soll, das er de iure, licet non de facto, zuerkennenn vnd zu redenn macht habe.
politische und weltliche Sache. Dennoch befahl unser Herrgott den Priestern, sie sollten Recht und Gesetze studieren, damit im Notfall der König sich bei den Priestern Rat holen könne und sie ihn mit gutem Rat in der politischen Verwaltung nicht behindern, sondern fördern, damit es recht zugehe. Ja, unser Herrgott trug dem König auf, in wichtigen und schweren Händeln den geistlichen Rat zu gebrauchen und deren Urteil zu hören. Darum sagt der Prophet: Erkenntnis soll auf den Lippen der Priester sein, und das Gesetz soll man von ihnen lernen und erfragen. Daraus ist zu sehen, dass die jüdischen Priester Juristen gewesen sind. Die Geschichten der Bibel bezeugen, dass sie Ärzte waren und auch im Kriegswesen nicht unerfahren.
Und damit ich es kurz beschließe: Text und Geschichten der Bibel geben zu verstehen, dass ein Prediger, wenn nicht in allen, so doch in sehr vielen Dingen der Kundigste und so beschaffen sein soll, dass er dem Recht nach — wenn auch nicht in der Ausübung — die Befugnis hat, zu urteilen und zu reden.
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Bl. 13rBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)Derwegenn der spruch Pauli zuverstehenn, vonn den polipragmonibus, die in weltliche geschefftte, so tieff sich einsteckenn, vnnd einlassenn, das sie auch de factis zuerkennenn, das Jus Ihnen nehmenn, vnnd zu wenndenn: Das sie Ires ampts, vnnd des Predigenns [übergeschrieben: vnder des] vergessenn, vnnd alle tage vf Cantzleyenn hadernn, vnnd Causas agiren, Wollenns bey der Scientia nit bewenndenn lassenn, Sonndernn in Praxin sich einhenckenn, vnnd einmenngenn, vnnd wie ein Crocodil, zu wasser vnnd Lanndt Jagenn, In kirchen vnnd foro politico sich hörenn vnnd sehenn lassenn, vnd so aus der Consequentz des fürgeworffenenn Dicti Paulini, einem Theologo soltte simpliciter weltliche henndell vnnd geschefftte, verbottenn vnnd niedergelegtt sein dörffte ein Prediger kein Ehemann, vnnd auch kein haushaltter sein. Derwegenn weil Ich nur παρεργικῶς1[?] vnuerhindert meines Predigenns, vnnd meines studij Theologici geschrittenn, Wirdt ein Erbar vnnd vernunfftiges hertz, mich wohl enndtschuldiget halttenn, So ist auch nicht weniger, Es habenn die Erbarnn Heiden
Deswegen ist der Spruch des Paulus von den Vielgeschäftigen zu verstehen: von denen, die sich so tief in weltliche Geschäfte einlassen, dass sie sich auch über die Tatsachen das Urteil anmaßen und das Recht an sich ziehen; die darüber ihr Amt und das Predigen vergessen und alle Tage auf den Kanzleien streiten und Prozesse führen; die es nicht beim Wissen bewenden lassen, sondern sich in die Ausübung einhängen und einmengen und wie ein Krokodil zu Wasser und zu Land jagen, sich in der Kirche wie auf dem politischen Forum hören und sehen lassen.
Denn wenn aus dem angeführten Paulus-Wort folgen sollte, dass einem Theologen weltliche Händel und Geschäfte schlechthin verboten sind, dann dürfte ein Prediger auch kein Ehemann und kein Haushalter sein.
Weil ich also nur nebenher geschrieben habe, ohne dass mein Predigen und mein theologisches Studium darunter gelitten hätten, wird ein ehrbares und vernünftiges Herz mich wohl entschuldigt halten.
Nicht weniger gilt: Die ehrbaren Heiden
Unsichere Lesungen
- παρεργικῶς — griechisch in Majuskeln (Z. 17)
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Bl. 13vBd. 1Einleitung · Die Widmung an den LandgrafenFaksimile (ORKA)vnnd Ihre gelerttenn in erkanndtnus der Naturen, vnnd Ihrer Ordenung, sich sehr geubt, vnnd beflissen, auch so fernn in erkanndtnus vnnd betrachtung derselbenn kommenn, das wir vnns höchlich zuverwundernn, wie sie so hoch vnnd tieff Inn die Natur gestiegenn, das wir zu vnnserer zeitt vonn Ihnen in vielenn dingenn lernenn müssenn, Aber wie dem, So ist Scire per se Jucundum et dulce, Ir meta vnnd finis gewest, vnnd seindt ihr gar wenig, die das quare sic est, gesucht vnnd fundenn habenn, Darumb sagt Paulus, euanuerunt in cogitationibus suis, sie seindt in Ihrenn gedannckenn Eyttell wordenn, Ein Christlicher Theologus aber, oder Philosophus, denn der Heylige Chrysostomus de Theologiam allenntthalbenn Philosophiam nennet, bleibt nicht in erfarung vnnd erkenndtnus der ding, ihrer Materien vnd form, das sie seindt, Sonndernn suchet efficiens primum et finem ultimum, Wer der sey, der es also habenn, vnnd warumb ers also habenn wölle: Darumb habenn die Heidenn, in erkenndtnus der dinge, so da seindt etwas vnns vorgearbeittet, vnnd ein hülffe
und ihre Gelehrten haben sich in der Erkenntnis der Natur und ihrer Ordnung sehr geübt und befleißigt und sind darin so weit gekommen, dass wir uns höchlich verwundern müssen, wie hoch und tief sie in die Natur eingedrungen sind — sodass wir zu unserer Zeit in vielen Dingen von ihnen lernen müssen.
Aber wie dem auch sei: Ihr Ziel und Ende war, dass Wissen an sich angenehm und süß ist, und es sind ihrer sehr wenige, die nach dem Warum gefragt und es gefunden haben. Darum sagt Paulus: Sie sind in ihren Gedanken eitel geworden.
Ein christlicher Theologe aber — oder Philosoph, denn der heilige Chrysostomus nennt die Theologie durchweg Philosophie — bleibt nicht bei der Erfahrung und Erkenntnis der Dinge, ihres Stoffes und ihrer Form stehen, also dabei, *dass* sie sind. Er sucht vielmehr die erste wirkende Ursache und das letzte Ziel: wer der sei, der es so haben will, und warum er es so haben will.
Darum haben uns die Heiden in der Erkenntnis der Dinge, die da sind, etwas vorgearbeitet und eine Hilfe