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Salzbibel · Lesetext · 2. Buch

Das zweite Buch · S. 239–248

Die Rechtsgutachten · S. 239–248 · Bl. 117r–121v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Rechtsgutachten

S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch

S. 239

Bl. 117rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNon obstat primum fundamentum adductum in contra rium dirui, dicebatur quod subsistente causa potest tolli priuilegium quod transiuit in contractum.

Die erste zum Gegenteil angeführte Grundlage steht nicht entgegen, sondern ist niederzureißen; es wurde gesagt, dass bei fortbestehendem Grund ein Privileg, das in einen Vertrag übergegangen ist, aufgehoben werden könne.

2

Respondeo et fateor illud esse Verum.

Ich antworte und gestehe zu, dass dies wahr ist.

3

Sed dum dicebatur, quod hic suberat justa causa, Respondeo et dico, quod Immo. quantum ad terminos nostros particulares non est Verum quod fuerit uera et iusta & sufficiens causa per quam possent reuocari aut tolli prius concessa, per maiores principis Via contractus.

Aber wenn gesagt wurde, dass hier ein gerechter Grund (iusta causa) zugrunde lag, so antworte ich und sage: Im Gegenteil, was unsere besonderen Umstände betrifft, ist es nicht wahr, dass ein wahrer, gerechter und hinreichender Grund vorgelegen hätte, durch den das zuvor von den Vorfahren des Fürsten auf dem Wege des Vertrags Gewährte widerrufen oder aufgehoben werden könnte.

4

Nam adhoc ut dicatur iusta et sufficiens causa, requiritur quod illa sit noua causa, uel etiam antiqua, quam tamen princeps ignoraret tempore statuti confecti uel tempore factæ concessionis,

Denn damit von einem gerechten und hinreichenden Grund gesprochen werden kann, ist erforderlich, dass es ein neuer Grund sei oder auch ein alter, den der Fürst jedoch zur Zeit der Abfassung des Statuts oder zur Zeit der erfolgten Gewährung nicht kannte;

5

tex. est. de hoc singularis & multum signandus in l. si hominem ff. manda, quem adhoc ibi multum no1 bar. & idem bar. in §. quibus in l. consti.

ein einzigartiger und sehr zu merkender Text hierzu ist l. si hominem ff. manda., den Bartolus dort hierzu ausführlich anmerkt, und derselbe Bartolus in §. quibus in l. consti.

6

C. et in l. ambitiosa in prim. 3 col.

C. und in l. ambitiosa in prim. 3 col.

7

Et Bal. in §. hæc igr2 in l. constitu.

Und Baldus in §. hæc igitur in l. constitu.

8

C. & no Dns Abb.

C., und es merkt an der Herr Abbas

9

Panor. in c. studuisti extra de off. lega.

Panormitanus in c. studuisti extra de off. lega.

10

Vbi dicit quod requiritur quod sit noua causa uel etiam antiqua quam princeps ignoraret conditi statuti tempore, q3 nunc sit nouiter detecta, et sit talis quam si princeps sciuisset tempore concessionis, Verisimiliter non fuisset concessurus.

Dort sagt er, dass erforderlich sei, dass es ein neuer Grund sei oder auch ein alter, den der Fürst zur Zeit des Erlasses des Statuts nicht kannte, der jetzt neu entdeckt worden ist und so beschaffen ist, dass der Fürst, hätte er ihn zur Zeit der Gewährung gekannt, wahrscheinlich nicht gewährt hätte.

11

Cum ergo in casu nostro, netrum[?]4 ex istis contingat, prout liquidissime apparet et latius circa quartam quæstionem dicetur, Ergo sequitur quod non fuit aliqua iusta & sufficiens causa, per quam posset princeps concessionem certi numeri domicularum et caldariorum prius factam reuocare de iure.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Da nun in unserem Fall keines[?] von beiden zutrifft, wie aufs Klarste erhellt und bei der vierten Frage ausführlicher gesagt werden wird, so folgt, dass es keinen gerechten und hinreichenden Grund gab, durch den der Fürst die zuvor erfolgte Gewährung einer bestimmten Zahl von Koten (domicularum) und Pfannen (caldariorum) von Rechts wegen widerrufen könnte.

Unsichere Lesungen

  1. no — mit Kuerzungsstrich, Abbreviatur fuer notat
  2. igr — mit Kuerzungsstrich, Abbreviatur fuer igitur); no Dns Abb. Panor. (no mit Strich = notat, Dns = Dominus, Abbas Panormitanus
  3. q — q mit Kuerzungsstrich, wohl quae
  4. netrum[?] — so geschrieben, dem Sinn nach neutrum

S. 240

Bl. 117vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteCum ergo in casu nostro, netrum[?] ex istis contingat, prout liquidissime apparet et latius circa quartam quæstionem dicetur, Ergo sequitur quod non fuit aliqua iusta & sufficiens causa, per quam posset princeps concessionem certi numeri domicularum et caldariorum prius factam reuocare de iure.

Da nun in unserem Fall keines[?] von beiden zutrifft, wie aufs Klarste erhellt und bei der vierten Frage ausführlicher gesagt werden wird, so folgt, dass es keinen gerechten und hinreichenden Grund gab, durch den der Fürst die zuvor erfolgte Gewährung einer bestimmten Zahl von Koten (domicularum) und Pfannen (caldariorum) von Rechts wegen widerrufen könnte.

2

Et ista apparet mihi clara et indubitata responsio.

Und das erscheint mir als klare und unzweifelhafte Antwort.

3

Nec obstat secundum Argumentum.

Auch das zweite Argument steht nicht entgegen.

4

Fateor equidem Verum esse priuilegium zdm1 petitionis formam declarari, Sed cum narratio pfati2 priuilegij siue confirmationis Dni3 Guilielmi fuerit Verissima, ut ex multis antiquis imo antiquissimis literis perpenditur constat, principi nihil esse neq obreptum neq subreptum.

Ich gestehe zwar zu, dass es wahr ist, dass ein Privileg nach der Form der Bitte (secundum petitionis formam) ausgelegt wird; da aber die Erzählung des vorgenannten Privilegs oder der Bestätigung des Herrn Wilhelm völlig wahr gewesen ist, wie sich aus vielen alten, ja ältesten Briefen erwägen lässt, steht fest, dass dem Fürsten nichts erschlichen (obreptum) noch verschwiegen (subreptum) worden ist.

5

Decet igr principis beneficium esse mansurum.

Es ziemt sich also, dass die Wohltat des Fürsten Bestand hat.

6

Præterea a Vero alienissimum est præfatum principem Dnm Guilielmum tempore concessi priuilegij, in pupillari ætate fuisse constitutum.

Außerdem ist es der Wahrheit völlig fremd, dass der vorgenannte Fürst, Herr Wilhelm, zur Zeit der Gewährung des Privilegs im Mündelalter (in pupillari ætate) gestanden habe.

7

Nam ut ipsomet in literis asserit, assumpsit iam pridem prouinciæ et ditionis suæ regimen et gubernationem cui assertioni in hoc standum.

Denn wie er selbst in den Briefen versichert, hatte er schon lange zuvor das Regiment und die Regierung seines Landes und seiner Herrschaft übernommen, bei welcher Versicherung es hierin zu bleiben hat.

8

Creditur .n.4 graui & digno Viro, l. si à bonæ fidei, ff. de rei Vendi. ubi Ange. refert quandam facti contingentiam quanto magis Landgrauio Guilielmo principi integerrimo, et omnibus modis grauissimo.

Denn man glaubt einem ernsten und würdigen Mann, l. si à bonæ fidei, ff. de rei Vendi., wo Angelus einen gewissen Fall berichtet; um wie viel mehr dem Landgrafen Wilhelm, einem höchst unbescholtenen und in jeder Hinsicht höchst gewichtigen Fürsten.

Unsichere Lesungen

  1. zdm — mit Kuerzungsstrich, Abbreviatur fuer secundum
  2. pfati — p mit Kuerzungsstrich, Abbreviatur fuer praefati
  3. Dni — mit Kuerzungsstrich, Abbreviatur fuer Domini; ebenso Zeile 13 Dnm = Dominum
  4. .n. — Abbreviatur fuer enim

S. 241

Bl. 118rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch.

1

QVARTA QVÆSTIO.

VIERTE FRAGE (QVARTA QVÆSTIO).

2

Nunc ad quartum dubium procedamus.

Nun wollen wir zum vierten Zweifel übergehen.

3

Nempe, An sit contra publicam utilitatem et necessitatem communem, certum esse numerum domicularum1[?] & caldariorum?

Nämlich: Ist es gegen den öffentlichen Nutzen und die gemeine Notdurft, dass die Zahl der Koten[?] und Pfannen bestimmt ist?

4

Quanquam ad resolutionem istius dubij, iam pridem in secunda quæstione satis multa adduximus, adeo ut repetitione opus non esset, tamen ut quærentibus mos geratur hanc quæstionem latius explicandum duximus.

Obwohl wir zur Auflösung dieses Zweifels schon längst in der zweiten Frage genug angeführt haben, sodass eine Wiederholung nicht nötig wäre, haben wir es dennoch, um den Fragenden zu Willen zu sein, für gut befunden, diese Frage ausführlicher zu erläutern.

5

Et prima facie Videtur quod sic.

Und auf den ersten Blick scheint es so zu sein.

6

Nam cum uberrimæ sint Salinarum Venæ, adeo ut Salinarum aqua pluribus sufficiat, possitq; inde copia Salis uberrima confici, quæ non solum prouincialibus sed et exteris regionibus commodari posset, hæc publica utilitas præferenda est priuati commodati l.1. in fi.

Denn da die Adern der Salinen überaus reich sind, sodass das Salinenwasser für mehrere ausreicht und daraus eine überaus reiche Menge Salz hergestellt werden könnte, die nicht nur den Landeskindern, sondern auch auswärtigen Gegenden zugutekommen könnte, ist dieser öffentliche Nutzen dem privaten Vorteil vorzuziehen, l. 1. in fi.

7

C. de cadu. toll. aut. res q.

C. de cadu. toll., aut. res q.

8

C. coia2[?] de lega. l. pe.

C. coia[?] de lega. l. pe.

9

C. de priui. credi.

C. de priui. credi.

10

Facit ad hoc.

Hierzu dient:

11

Nam tametsi statutum sit per Collegium Canonicorum3 alicuius Ecclesiæ, et à summo pontifice confirmatum, ut certus et determinatus sit numerus Canonicorum tamen si augmentantur redditus Ecclesiæ,

Denn wenn auch durch das Kapitel der Kanoniker irgendeiner Kirche festgesetzt und vom Papst bestätigt ist, dass die Zahl der Kanoniker gewiss und bestimmt sei, so wird dennoch, wenn die Einkünfte der Kirche vermehrt werden,

12

augmentabitur et numerus Clericorum l. in Ecclesijs C. de Epis. & Cleri. c. cum M. de consti. c. qm d uita & honest.Läuft auf der nächsten Seite weiter

auch die Zahl der Kleriker vermehrt werden, l. in Ecclesijs C. de Epis. & Cleri., c. cum M. de consti., c. quoniam de uita & honest.

Unsichere Lesungen

  1. domicularum — Wortbild eher domicularum als domuncularum; gemeint sind die Siedehaeuser (domunculae)
  2. coia — mit Ueberstrich, wohl Abkuerzung fuer communia (C. communia de legatis)
  3. Canonicorum — in der Vorlage mit -rum-Kuerzel (Canonicoꝝ) geschrieben, hier aufgeloest

S. 242

Bl. 118vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch.

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteaugmentabitur et numerus Clericorum l. in Ecclesijs C. de Epis. & Cleri. c. cum M. de consti. c. qm d uita1 & honest.

auch die Zahl der Kleriker vermehrt werden, l. in Ecclesijs C. de Epis. & Cleri., c. cum M. de consti., c. quoniam de uita & honest.

2

Cleri. c. quanto de censi. cum similibus ubi uolunt Canonistæ quod accrescentibus fructibus nouæ creari debeant Præbendæ pares cum antiquis.

Cleri., c. quanto de censi. samt ähnlichen, wo die Kanonisten wollen, dass bei anwachsenden Früchten neue Pfründen geschaffen werden müssen, die den alten gleich sind.

3

Et ubi messis multa est et operarij pauci alij admittendi sunt. c. minouo[?]. 21. dist. glos. c. fi. de Verbo. signif.

Und wo die Ernte groß ist und der Arbeiter wenige sind, sind andere zuzulassen, c. minouo[?]. 21. dist., glos. c. fi. de Verbo. signif.

4

Sic in casu nostro à simili, Cum augeantur Venæ Salinarum augmentari etiam3 debet numerus Caldariorum.

So muss in unserem Fall nach Ähnlichkeit (à simili), da die Adern der Salinen zunehmen, auch die Zahl der Pfannen vermehrt werden.

5

Præterea.

Außerdem.

6

Tertia est in Jure Regula, nempe, quod illud quod nemini nocet et mihi prodest, de facili concedendum est, Doct. in l.

Drittens gibt es im Recht die Regel, nämlich, dass das, was niemandem schadet und mir nützt, leicht zu gewähren ist, Doct. in l.

7

Rescripta C. d præci.

Rescripta C. de præci.

8

Imperi. offer. concordat tex. in l. 1. §. ijdem aiunt aquam ff. de aq. pluo. arcen. glos. in l. 2. ff. solu. matr. ubi bar.

Imperi. offer.; damit stimmt überein der Text in l. 1. §. ijdem aiunt aquam ff. de aq. pluo. arcen., glos. in l. 2. ff. solu. matr., wo Bartolus.

9

Sed cum Intentio & propositio eo tendat ut publicæ utilitati & necessitati, atq; ærario suo prosit et societati Salinarum non obsit, cum Salinarum aqua utriq; sufficiat, ædificandi facultas ei facile concedenda est.

Da aber die Absicht und das Vorhaben dahin zielt, dem öffentlichen Nutzen und der Notdurft sowie seiner Kammer zu nützen und der Gesellschaft der Salinen nicht zu schaden, da das Salinenwasser für beide ausreicht, ist ihm die Befugnis zu bauen leicht zu gewähren.

10

Adhæc, licet collegia à iure approbata possint facere statuta, super his quæ ad artem suam pertinent. l. fi.

Hierzu: Obwohl vom Recht gebilligte Körperschaften (collegia) Satzungen über das, was zu ihrem Gewerbe gehört, machen können, l. fi.

Unsichere Lesungen

  1. c. qm d uita — Abkuerzungen: qm mit Kuerzungsstrich (quoniam?), d mit Strich (de); Zitatkette kanonistisch
  2. mino=uo — Zeilenuebergang 5/6; Wortbild mino=uo, moeglicherweise c. in nouo, 21. dist. (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  3. etiam — Wort wirkt nachgezogen/korrigiert, moeglicherweise ueber Gestrichenem); C. d præci. (d mit Kuerzungsstrich, wohl C. de preci(bus) Imperatori offer(endis)

S. 243

Bl. 119rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

C. de iuris omnium jud. et l. f. ff. de colle. illi.1 hactenus tantum conceditur hoc, quatenus publ. sanctionibus non contradicant uel alijs præiudicent.

C. de iuris omnium jud. und l. f. ff. de colle. illi., so wird dies nur insoweit zugestanden, als sie den öffentlichen Satzungen nicht widersprechen oder anderen nicht zum Nachteil gereichen.

2

Quapropter si faciant legem ut certe personæ possent tantum artem illam exercere et non alij uel similes.

Wenn sie deshalb ein Gesetz machen, dass nur bestimmte Personen jenes Gewerbe ausüben können und nicht andere oder ähnliche,

3

Istæ eorum leges sunt reprobatæ p. l. 1.

so sind diese ihre Gesetze verworfen durch l. 1.

4

C. de monop.

C. de monop.

5

Sed leges et Statuta huius collegij Salinarum sunt huiusmodi.

Aber die Gesetze und Satzungen dieser Gemeinschaft der Salinen sind von dieser Art.

6

Ergo.

Folglich.

7

His adde quod secundum diuersitatem temporum et Varietatem rerum priuilegia sunt Varianda c. non debet de con sang. et affi. glos. in c. constitutus de reg. domi. quandoquidem tempori debet conueniri lex c. deniq; 4 dist.

Füge dem hinzu, dass nach der Verschiedenheit der Zeiten und dem Wechsel der Dinge die Privilegien zu ändern sind, c. non debet de consang. et affi., glos. in c. constitutus de reg. domi., da ja das Gesetz der Zeit angepasst sein muss, c. denique 4 dist.

8

Facit elegans dictum bar. in l. quod ad præsens.

Hierzu dient der treffliche Ausspruch des Bartolus in l. quod ad præsens.

9

C. de murilegu. tb.[?] XI.

C. de murilegu. tb.[?] XI.

10

Quod si ex forma statuti tenentes lacum Perusinum teneantur ad certam quantitatem piscium singulis diebus: tantum si ex causa multitudo gentium superuenit, poterunt tenentes lacum cogi ad portandum tantum piscium quod multitudini sufficiat.

Dass nämlich, wenn nach der Form des Statuts die Pächter des Sees von Perugia zu einer bestimmten Menge Fische an jedem einzelnen Tag verpflichtet sind, dann, wenn aus einem Anlass eine Menge Volks hinzukommt, die Pächter des Sees gezwungen werden können, so viele Fische zu bringen, wie der Menge genügt.

11

Vnde si tempore Statuti huiusmodi de certo numero domicularum et caldariorum, eiusq; confirmationis paucitas non refragabatur, tamen hodiernis temporibus tanto hominum excreuit multitudo et prouincialium frequentia,

Wenn daher auch zur Zeit eines derartigen Statuts über die bestimmte Zahl der Koten und Pfannen und seiner Bestätigung die geringe Zahl nicht entgegenstand, so ist doch in heutigen Zeiten die Menge der Menschen und die Zahl der Landeskinder so sehr angewachsen,

12

ut propter necessitatem2 urgentem & utilitatem euidentem, recedendum sit ab huiusmodi dispositione, cum finis legis concernere debeat necessitatem uel utilitatem subiectorum.Läuft auf der nächsten Seite weiter

dass wegen dringender Notdurft und offenkundigen Nutzens von einer derartigen Anordnung abzugehen ist, da der Zweck des Gesetzes die Notdurft oder den Nutzen der Untertanen betreffen muss.

Unsichere Lesungen

  1. l. f. ff. de colle. illi. — Zitatkette schwer aufloesbar; l. f. wohl l. fi(nalis), de colle(giis) illi(citis)); p. l. 1. (p mit Unterstrich, wohl per l. 1. C. de monop(oliis)); tb. XI (Kuerzel wohl lib. XI (C. de murilegulis, lib. XI)
  2. necessitatem — in der Vorlage abgekuerzt geschrieben (necessatem mit Kuerzungszeichen)

S. 244

Bl. 119vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen Seiteut propter necessitatem urgentem & utilitatem euidentem, recedendum sit ab huiusmodi dispositione, cum finis legis concernere debeat necessitatem uel utilitatem subiectorum.

dass wegen dringender Notdurft und offenkundigen Nutzens von einer derartigen Anordnung abzugehen ist, da der Zweck des Gesetzes die Notdurft oder den Nutzen der Untertanen betreffen muss.

2

Sed pmissis non obstantib. contrariam sententiam de iure puto Veriorem.

Ungeachtet des Vorausgeschickten halte ich jedoch die gegenteilige Meinung von Rechts wegen für die richtigere.

3

Pro cuius clariori euidentia, pmitto primum quod Salinarum socijs permissum est habere corpus siue collegium l. 1. in prin.[?] ff. quod cuiusq; uniuer. no.

Zu deren klarerer Offenkundigkeit schicke ich erstens voraus, dass den Genossen der Salinen erlaubt ist, eine Körperschaft oder ein Kollegium zu haben, l. 1. in prin.[?] ff. quod cuiusque uniuer. no.

4

Et per consequens, Res communes et arcam communem eal.[?] §. 1.

Und folglich gemeinsame Sachen und eine gemeinsame Kasse, ea l.[?] §. 1.

5

Porro qui eiusdem collegij, sodales sunt, quibus lex potestatem facit pactionem quam Voluit sibi ferre, dum ne quid ex publica lege corrumpant l.

Ferner sind die, die demselben Kollegium angehören, Genossen (sodales), denen das Gesetz die Befugnis gibt, sich die Vereinbarung zu setzen, die sie wollen, sofern sie nichts vom öffentlichen Gesetz verletzen, l.

6

Sodales ff. de colle. illici. quiq; huic collegio psunt, corporis curatores dicuntur. l.

Sodales ff. de colle. illici.; und die diesem Kollegium vorstehen, werden Pfleger der Körperschaft (corporis curatores) genannt, l.

7

Collegia. §.

Collegia. §.

8

Seruos eo tit.

Seruos eo tit.

9

Iam Vero certum et determinatum esse numerum domicularum et caldariorum Vulgo der Bothenn vnnd Pfannen, neq; Juri neq; publicæ utilitati refragatur.

Dass nun aber die Zahl der Koten und Pfannen, gemeinhin „der Boten und Pfannen“ genannt, gewiss und bestimmt ist, widerstreitet weder dem Recht noch dem öffentlichen Nutzen.

10

Quandoquidem bonum non est quod immensum est, Et omne quod est nimium Vertitur in Vitium.

Denn was unermesslich ist, ist nicht gut, und alles, was zu viel ist, verkehrt sich in ein Laster.

11

Et (ut dici consueuit:) multitudo parit confusionem in auth:

Und (wie man zu sagen pflegt) die Menge gebiert Verwirrung, in auth.

12

Vt determi. sit nume. cler.

Vt determi. sit nume. cler.

13

Et infinitas iure reprobatur c. fin. de ætat. & qual. ord. et c. cum in multis de rescrip. in VI. & utrobiq; glos.

Und Unbegrenztheit wird vom Recht verworfen, c. fin. de ætat. & qual. ord. und c. cum in multis de rescrip. in VI., und an beiden Stellen die Glosse.

14

Quapropter laudabile est, tantum abest, ut iuri uel publicæ utilitati contrarium certum et determinatum esse præben darum et Canonicorum esse numerum c. constitutus de rescrip. c. qm de vita & honesta cle. c. fin. de Verb. significationibus l. non plures C. de sacro sancta Ecclesia l. in Ecclesijs C. de Episc. et cleri cum multis simil.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Deshalb ist es lobenswert – so weit ist es davon entfernt, dem Recht oder dem öffentlichen Nutzen zuwider zu sein –, dass die Zahl der Pfründen und Kanoniker gewiss und bestimmt ist, c. constitutus de rescrip., c. quoniam de vita & honesta cle., c. fin. de Verb. significationibus, l. non plures C. de sacro sancta Ecclesia, l. in Ecclesijs C. de Episc. et cleri., mit vielen ähnlichen.

Unsichere Lesungen

  1. pmissis / obstantib. — p mit Kuerzungsstrich = praemissis; obstantib. mit Kuerzel = obstantibus; ebenso Zeile 4 pmitto = praemitto, Zeile 11 psunt = praesunt); in prin. (Wortbild eher prim als prin; gemeint l. 1 in principio); eal. §. 1. (Wortbild eal, wohl ead. (eadem lege) § 1); der Bothenn vnnd Pfannen (deutsche Woerter in Kurrent mit durchgehenden Querstrichen (Zierstriche durch th/nn/ff, keine Tilgung); Endung von Bothenn nicht eindeutig (-em/-enn) (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 245

Bl. 120rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteQuapropter laudabile est, tantum abest, ut iuri uel publicæ utilitati contrarium certum et determinatum esse præben darum et Canonicorum esse numerum c. constitutus de rescrip. c. qm de vita1 & honesta cle. c. fin. de Verb. significationibus l. non plures C. de sacro sancta Ecclesia l. in Ecclesijs C. de Episc. et cleri cum multis simil.

Deshalb ist es lobenswert – so weit ist es davon entfernt, dem Recht oder dem öffentlichen Nutzen zuwider zu sein –, dass die Zahl der Pfründen und Kanoniker gewiss und bestimmt ist, c. constitutus de rescrip., c. quoniam de vita & honesta cle., c. fin. de Verb. significationibus, l. non plures C. de sacro sancta Ecclesia, l. in Ecclesijs C. de Episc. et cleri., mit vielen ähnlichen.

2

Sic si decurionum numerus plenus non sit, in demortui uel relegati locum sublegi alium permittitur l. 2. ff. de decurio.

So ist es, wenn die Zahl der Dekurionen nicht voll ist, erlaubt, an die Stelle eines Verstorbenen oder Verbannten einen anderen nachzuwählen, l. 2. ff. de decurio.

3

Porro statutum hoc concernens realem fauorem Salinarum, non more2[?] fauorem statuentium nequaquam refragatur bono publico.

Ferner widerstreitet dieses Statut, das die sachliche Begünstigung der Salinen betrifft, nicht bloß[?] die Begünstigung der Satzenden, keineswegs dem Gemeinwohl.

4

Nam si tanta esset multitudo domicularum & caldariorum, quantam Venarum ubertas, (ut hoc interim demus:) supportare posset, oriretur ex multitudine famulorum Sal coqntium mira confusio, perpetuæ rixæ,

Denn wenn die Menge der Koten und Pfannen so groß wäre, wie sie der Reichtum der Adern (was wir einstweilen zugestehen wollen) tragen könnte, so entstünde aus der Menge der Salz siedenden Knechte eine erstaunliche Verwirrung, immerwährende Händel,

5

lites & iurgia imo et homicidia dum alter alterum assidue impediret ne Salinis suo arbitratu uti permittent3[?], unde propter parem4[?] et concordiam conseruandam, quod summum reip. est bonum, statutus est certus domicularum et caldariorum numerus.

Streitigkeiten und Zänkereien, ja sogar Totschläge, indem einer den anderen beständig hinderte, damit sie einander nicht gestatten[?], die Salinen nach eigenem Gutdünken zu nutzen; weshalb zur Bewahrung des Friedens[?] und der Eintracht, was das höchste Gut des Gemeinwesens ist, eine bestimmte Zahl der Koten und Pfannen festgesetzt worden ist.

6

Adhæc, unde tantum lignorum haberi posset, ut oib95 sufficeret, cum iampridem excisis et extirpatis pene circumcirca siluis et nemoribus super defectu lignorum assidue audiuntur quærimoniæ. quæ profecte res una cum aeris intempie6[?] in causa fuit hac præsertim hijeme,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Hierzu: Woher könnte so viel Holz beschafft werden, dass es für alle ausreichte, da schon längst die Wälder und Haine ringsum beinahe abgehauen und ausgerodet sind und beständig Klagen über den Mangel an Holz zu hören sind; welcher Umstand in der Tat zusammen mit der Unbill[?] der Witterung besonders in diesem Winter die Ursache war,

Unsichere Lesungen

  1. c. qm de vita — qm mit Kuerzungsstrich, wohl quoniam
  2. more — Wortbild more; Sinnzusammenhang legt uero oder modo nahe); Sal coqntium (abgekuerzt, wohl coquentium (Salzsieder)
  3. permittent — Endung mit Kuerzungsstrich, moeglicherweise permitteret
  4. parem — Wortbild parem, dem Sinn nach wohl pacem (pacem et concordiam conseruandam)
  5. oib9 — Abkuerzung omnibus (oib mit us-Haken)
  6. intempie — abgekuerzt, wohl intemperie; Satz laeuft auf der Folgeseite weiter

S. 246

Bl. 120vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteAdhæc, unde tantum lignorum haberi posset, ut oib9 sufficeret, cum iampridem excisis et extirpatis pene circumcirca siluis et nemoribus super defectu lignorum assidue audiuntur quærimoniæ. quæ profecte res una cum aeris intempie[?] in causa fuit hac præsertim hijeme,

Hierzu: Woher könnte so viel Holz beschafft werden, dass es für alle ausreichte, da schon längst die Wälder und Haine ringsum beinahe abgehauen und ausgerodet sind und beständig Klagen über den Mangel an Holz zu hören sind; welcher Umstand in der Tat zusammen mit der Unbill[?] der Witterung besonders in diesem Winter die Ursache war,

2

ut Salis multo minus conficeretur, quam hactenus coqui et confici consueuit, ut euidens est rerum experientia.

dass viel weniger Salz hergestellt wurde, als bisher gesotten und hergestellt zu werden pflegte, wie die Erfahrung der Dinge offenkundig zeigt.

3

Porro causæ propter quas princeps intendit reuocare priuilegia concessiones et confirmationes prætenduntur tales ut ex narratione facti liquet 53.1[?] quod hac præsertim hijeme fuerit defectus Salis, et pluris emptum sit quam hacten92 consueuit.

Ferner werden die Gründe, deretwegen der Fürst die Privilegien, Gewährungen und Bestätigungen zu widerrufen beabsichtigt, so vorgebracht, wie aus der Erzählung des Sachverhalts erhellt, nämlich[?]: dass besonders in diesem Winter Mangel an Salz gewesen sei und es teurer gekauft worden sei, als bisher üblich war.

4

Item frequentia hominum indies magis magisq; excrescentium.

Ebenso die Menge der Menschen, die von Tag zu Tag mehr und mehr zunehmen.

5

Item quod Venæ Salinarum sint uberes, ex quarum redditu, si usus et ædifico3[?] modo proposito Principi permittatur ærario principali tantum utilitatis accrescere potest, ut exactionib. in solitis, et extraordinarijs collationibus prouinciales atterere grauare et exenterare necesse non sit.

Ebenso, dass die Adern der Salinen reich seien, aus deren Ertrag, wenn dem Fürsten die Nutzung und der Bau[?] in der vorgeschlagenen Weise gestattet wird, der fürstlichen Kammer so viel Nutzen zuwachsen kann, dass es nicht nötig sei, die Landeskinder mit ungewohnten Abgaben und außerordentlichen Steuern zu zermürben, zu beschweren und auszuweiden.

6

Iam Videamus an huiusmodi causæ tanti momenti sint, ut ad tellendum4 priuilegium quod cum subdito transit in contractum iustæ et sufficientes de iure dici possunt.

Nun wollen wir sehen, ob derartige Gründe von solchem Gewicht sind, dass sie zur Aufhebung eines Privilegs, das mit einem Untertanen in einen Vertrag übergegangen ist, von Rechts wegen gerecht und hinreichend genannt werden können.

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Et iam dudum in tertia qstione5, in solutione prioris obiectionis admonuimus. (: id quod repetere non pigebit, quoniam securim apponit ad radicem huius consultationis :) huiusmodi causam talem esse oportere, ut siue noua [gestrichen: unleserlich] siue antiqua fuerit,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Und wir haben schon längst in der dritten Frage, bei der Auflösung des ersten Einwands, darauf hingewiesen (was zu wiederholen nicht verdrießen wird, weil es die Axt an die Wurzel dieses Gutachtens legt), dass ein derartiger Grund so beschaffen sein muss, dass, sei er neu [gestrichen: unleserlich] oder alt gewesen,

Unsichere Lesungen

  1. 53. — Zahl mit Ueberstrich nach liquet; Funktion unklar (Verweisziffer?)
  2. hacten9 — hactenus mit us-Haken abgekuerzt
  3. ædifico — Wortbild ædifico, dem Sinn nach wohl ædificio (modo proposito)
  4. tellendum — Wortbild tellendum, dem Sinn nach wohl tollendum
  5. qstione — q mit Kuerzungsstrich = quæstione

S. 247

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Das Ander Buch.

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Fortsetzung von der vorigen SeiteEt iam dudum in tertia qstione, in solutione prioris obiectionis admonuimus. (: id quod repetere non pigebit, quoniam securim apponit ad radicem huius consultationis :) huiusmodi causam talem esse oportere, ut siue noua [gestrichen: unleserlich] siue antiqua fuerit,

Und wir haben schon längst in der dritten Frage, bei der Auflösung des ersten Einwands, darauf hingewiesen (was zu wiederholen nicht verdrießen wird, weil es die Axt an die Wurzel dieses Gutachtens legt), dass ein derartiger Grund so beschaffen sein muss, dass, sei er neu [gestrichen: unleserlich] oder alt gewesen,

2

eam princeps concessi priuilegij tempore penitus ignorauerit, quæ nunc sit nouiter detecta atq; talis, quam si princeps tempore concessionis sciuisset, Verisimile non fuisset concessurus, ut est doctrina Bar. in d. l. ambitiosa col. 3. ff. d. decre. ab ordi. faciend. et Dni Abb.

der Fürst ihn zur Zeit der Gewährung des Privilegs gänzlich nicht gekannt hat, dass er jetzt neu entdeckt und so beschaffen ist, dass der Fürst, hätte er ihn zur Zeit der Gewährung gekannt, wahrscheinlich nicht gewährt hätte, wie es die Lehre des Bartolus in d. l. ambitiosa col. 3. ff. de decre. ab ordi. faciend. und des Herrn Abbas

3

Panor. in d. c. studuisti extra de offic. lega.

Panormitanus in d. c. studuisti extra de offic. lega. ist.

4

Sed qs sane mentis dubitare potest, quod Henricus Landgrauius Hassiæ ante ducentos et amplius annos, suiq; successores Venarum ubertatem huius fontis Salinarum nescierint, cum manifestissime in literis suis profiteantur, se Voluisse plures ædificare domiculas & caldaria ponere?

Aber wer, der bei gesundem Verstand ist, kann daran zweifeln, dass Landgraf Heinrich von Hessen vor zweihundert und mehr Jahren und seine Nachfolger den Reichtum der Adern dieses Salzbrunnens gekannt haben, da sie in ihren Briefen aufs Offenkundigste bekennen, dass sie mehr Koten hätten bauen und Pfannen setzen wollen?

5

An non tum quidem hominum frequentia fuit, uel facile futuram (: modo casus mortalitatis et morborum popularium, qui quotidie expectandus :) princeps suspiciari poterat?

Gab es nicht auch damals eine Menge von Menschen, oder konnte der Fürst nicht leicht vermuten, dass sie kommen werde (außer im Fall eines Sterbens und von Volksseuchen, der täglich zu erwarten ist)?

6

Quid? quod et eo tempore quidem, defectus salis ex causa aliqua acncidenti, puta, uel aquarum mundatione3, aeris in tempe alioue casu contingere poterat?

Was? Konnte nicht auch zu jener Zeit ein Mangel an Salz aus irgendeinem zufälligen Grund, etwa durch Überschwemmung der Gewässer, Unbill der Witterung oder einen anderen Zufall eintreten?

7

Porro quod princeps ærarium suum locupletari studet, cum aliena iactura, à liberali et Christiano principe abesse debet quam longissime.

Ferner: Dass der Fürst seine Kammer zu bereichern trachtet, und zwar mit fremdem Schaden, muss einem freigebigen und christlichen Fürsten so fern wie nur möglich liegen.

8

Nam auaritia quæ est Idolorum Seruitus, ut inquit Apostol94, cum in Christianis omnibus tum Vero in principe, atq; eo quidem principe,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Denn der Geiz, der Götzendienst ist, wie der Apostel sagt, ist bei allen Christen, besonders aber bei einem Fürsten, und zwar bei einem solchen Fürsten,

Unsichere Lesungen

  1. noua [gestrichen] — nach noua kleine gestrichene Buchstaben, unleserlich); ff. d. decre. ab ordi. faciend. (d mit Kuerzungsstrich (de); Zitat ff. de decre(tis) ab ordi(ne) faciend(is)); Sed qs (qs mit Kuerzungsstrich = quis (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. acn= — Zeilenuebergang; Wortbild acn=cidenti, gemeint accidenti (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  3. mundatione — Wortbild mundatione, dem Sinn nach wohl inundatione); in tempe (abgekuerzt, wohl intemperie (aeris intemperie aliove casu)
  4. Apostol9 — Apostolus mit us-Haken abgekuerzt

S. 248

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Das Annder Buch.

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNam auaritia quæ est Idolorum Seruitus, ut inquit Apostol9, cum in Christianis omnibus tum Vero in principe, atq; eo quidem principe,

Denn der Geiz, der Götzendienst ist, wie der Apostel sagt, ist bei allen Christen, besonders aber bei einem Fürsten, und zwar bei einem solchen Fürsten,

2

qui et Euangelicus esse et appellari gaudet summopere est detestanda, quod s31[?] radix et mater sit omnium Vitiorum tex. in Auth. ut Judi. sine quoquo suffra. in prim.

der sich freut, evangelisch zu sein und genannt zu werden, aufs Höchste zu verabscheuen, weil er nämlich[?] die Wurzel und Mutter aller Laster ist, tex. in Auth. ut Judi. sine quoquo suffra. in prim.

3

Versic.

Versic.

4

Administrationes namq; c. auaritiæ extra de pbend. c. auaritiæ de elect. tb.[?] VI. & c. sicut 47. distinc. ubi tex. elegantiss.

Administrationes namque, c. auaritiæ extra de præbend., c. auaritiæ de elect. tb.[?] VI. und c. sicut 47. distinc., wo ein sehr treffender Text steht.

5

Ex his igr oibus[?] clarissime opinor, constat causas allegatas ad reuocandum priuilegia per contractum subditis concessa neq; iustas neq; sufficientes esse.

Aus all[?] diesem steht also, wie ich meine, aufs Klarste fest, dass die angeführten Gründe zum Widerruf der den Untertanen durch Vertrag gewährten Privilegien weder gerecht noch hinreichend sind.

6

Quanquam aut2 ad allegata in contrarium ex his responsio colligi posset particulatim tamen et breuiter respondebimus.

Obwohl aber die Antwort auf das zum Gegenteil Angeführte hieraus entnommen werden könnte, wollen wir dennoch im Einzelnen und kurz antworten.

7

Et primo, quod auctis Ecclæ3 redditibus numerus præbendarum augeri debeat, concedimus, dum modo eorum de quorum præiudicio agatur, accedat consensus alioqui Vel solo Episcopo uel Solis Canonicis ea facultas non permittitur, ut clare deciditur in Juribus allegatis.

Und erstens: Dass bei vermehrten Einkünften der Kirche die Zahl der Pfründen vermehrt werden muss, gestehen wir zu, sofern nur die Zustimmung derer hinzukommt, um deren Nachteil es geht; andernfalls ist weder dem Bischof allein noch den Kanonikern allein diese Befugnis gestattet, wie in den angeführten Rechtsstellen klar entschieden wird.

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Porro ad secundam obiectionem dico & fateor, quod facile concedendum sit, quod mihi non nocet et alteri prodest, si pcedat4 contractus uel obligatio, de cuius natura est ut faciam; Cæterum ubi non pcedit contractus et obligatio,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Ferner sage und gestehe ich zum zweiten Einwand, dass leicht zu gewähren ist, was mir nicht schadet und einem anderen nützt, wenn ein Vertrag oder eine Verpflichtung vorausgeht, aus deren Natur folgt, dass ich es tue; wo aber kein Vertrag und keine Verpflichtung vorausgeht

Unsichere Lesungen

  1. s3 — Kuerzel s mit 3-Schlinge, wohl scilicet); de pbend. (p mit Kuerzungsstrich = de præbend(is)); tb. VI. (Kuerzel wohl lib. VI (Liber Sextus)); igr oibus (stark gekuerzt, wohl igitur omnibus (Ex his igitur omnibus)
  2. aut — mit Kuerzungsstrich, wohl autem
  3. Ecclæ — abgekuerzt fuer Ecclesiæ
  4. pcedat — p mit Kuerzungsstrich, wohl præcedat

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