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Salzbibel · Lesetext · 2. Buch

Das zweite Buch · S. 245–254

Die Rechtsgutachten · S. 245–254 · Bl. 120r–124v · Band 1

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Wortlaut der Handschrift Übersetzung — Ziffern am Rand sind die Segmentnummern (Sprungziel #s<Seite>-<Nummer>); hochgestellte Ziffern verweisen auf unsichere Lesungen am Fuß der Seite.

Die Rechtsgutachten

S. 210–361 · Bl. 102v–178v · Bd. 1 · Zeitleiste: 2. Buch

S. 245

Bl. 120rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteQuapropter laudabile est, tantum abest, ut iuri uel publicæ utilitati contrarium certum et determinatum esse præben darum et Canonicorum esse numerum c. constitutus de rescrip. c. qm de vita1 & honesta cle. c. fin. de Verb. significationibus l. non plures C. de sacro sancta Ecclesia l. in Ecclesijs C. de Episc. et cleri cum multis simil.

Deshalb ist es lobenswert – so weit ist es davon entfernt, dem Recht oder dem öffentlichen Nutzen zuwider zu sein –, dass die Zahl der Pfründen und Kanoniker gewiss und bestimmt ist, c. constitutus de rescrip., c. quoniam de vita & honesta cle., c. fin. de Verb. significationibus, l. non plures C. de sacro sancta Ecclesia, l. in Ecclesijs C. de Episc. et cleri., mit vielen ähnlichen.

2

Sic si decurionum numerus plenus non sit, in demortui uel relegati locum sublegi alium permittitur l. 2. ff. de decurio.

So ist es, wenn die Zahl der Dekurionen nicht voll ist, erlaubt, an die Stelle eines Verstorbenen oder Verbannten einen anderen nachzuwählen, l. 2. ff. de decurio.

3

Porro statutum hoc concernens realem fauorem Salinarum, non more2[?] fauorem statuentium nequaquam refragatur bono publico.

Ferner widerstreitet dieses Statut, das die sachliche Begünstigung der Salinen betrifft, nicht bloß[?] die Begünstigung der Satzenden, keineswegs dem Gemeinwohl.

4

Nam si tanta esset multitudo domicularum & caldariorum, quantam Venarum ubertas, (ut hoc interim demus:) supportare posset, oriretur ex multitudine famulorum Sal coqntium mira confusio, perpetuæ rixæ,

Denn wenn die Menge der Koten und Pfannen so groß wäre, wie sie der Reichtum der Adern (was wir einstweilen zugestehen wollen) tragen könnte, so entstünde aus der Menge der Salz siedenden Knechte eine erstaunliche Verwirrung, immerwährende Händel,

5

lites & iurgia imo et homicidia dum alter alterum assidue impediret ne Salinis suo arbitratu uti permittent3[?], unde propter parem4[?] et concordiam conseruandam, quod summum reip. est bonum, statutus est certus domicularum et caldariorum numerus.

Streitigkeiten und Zänkereien, ja sogar Totschläge, indem einer den anderen beständig hinderte, damit sie einander nicht gestatten[?], die Salinen nach eigenem Gutdünken zu nutzen; weshalb zur Bewahrung des Friedens[?] und der Eintracht, was das höchste Gut des Gemeinwesens ist, eine bestimmte Zahl der Koten und Pfannen festgesetzt worden ist.

6

Adhæc, unde tantum lignorum haberi posset, ut oib95 sufficeret, cum iampridem excisis et extirpatis pene circumcirca siluis et nemoribus super defectu lignorum assidue audiuntur quærimoniæ. quæ profecte res una cum aeris intempie6[?] in causa fuit hac præsertim hijeme,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Hierzu: Woher könnte so viel Holz beschafft werden, dass es für alle ausreichte, da schon längst die Wälder und Haine ringsum beinahe abgehauen und ausgerodet sind und beständig Klagen über den Mangel an Holz zu hören sind; welcher Umstand in der Tat zusammen mit der Unbill[?] der Witterung besonders in diesem Winter die Ursache war,

Unsichere Lesungen

  1. c. qm de vita — qm mit Kuerzungsstrich, wohl quoniam
  2. more — Wortbild more; Sinnzusammenhang legt uero oder modo nahe); Sal coqntium (abgekuerzt, wohl coquentium (Salzsieder)
  3. permittent — Endung mit Kuerzungsstrich, moeglicherweise permitteret
  4. parem — Wortbild parem, dem Sinn nach wohl pacem (pacem et concordiam conseruandam)
  5. oib9 — Abkuerzung omnibus (oib mit us-Haken)
  6. intempie — abgekuerzt, wohl intemperie; Satz laeuft auf der Folgeseite weiter

S. 246

Bl. 120vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteAdhæc, unde tantum lignorum haberi posset, ut oib9 sufficeret, cum iampridem excisis et extirpatis pene circumcirca siluis et nemoribus super defectu lignorum assidue audiuntur quærimoniæ. quæ profecte res una cum aeris intempie[?] in causa fuit hac præsertim hijeme,

Hierzu: Woher könnte so viel Holz beschafft werden, dass es für alle ausreichte, da schon längst die Wälder und Haine ringsum beinahe abgehauen und ausgerodet sind und beständig Klagen über den Mangel an Holz zu hören sind; welcher Umstand in der Tat zusammen mit der Unbill[?] der Witterung besonders in diesem Winter die Ursache war,

2

ut Salis multo minus conficeretur, quam hactenus coqui et confici consueuit, ut euidens est rerum experientia.

dass viel weniger Salz hergestellt wurde, als bisher gesotten und hergestellt zu werden pflegte, wie die Erfahrung der Dinge offenkundig zeigt.

3

Porro causæ propter quas princeps intendit reuocare priuilegia concessiones et confirmationes prætenduntur tales ut ex narratione facti liquet 53.1[?] quod hac præsertim hijeme fuerit defectus Salis, et pluris emptum sit quam hacten92 consueuit.

Ferner werden die Gründe, deretwegen der Fürst die Privilegien, Gewährungen und Bestätigungen zu widerrufen beabsichtigt, so vorgebracht, wie aus der Erzählung des Sachverhalts erhellt, nämlich[?]: dass besonders in diesem Winter Mangel an Salz gewesen sei und es teurer gekauft worden sei, als bisher üblich war.

4

Item frequentia hominum indies magis magisq; excrescentium.

Ebenso die Menge der Menschen, die von Tag zu Tag mehr und mehr zunehmen.

5

Item quod Venæ Salinarum sint uberes, ex quarum redditu, si usus et ædifico3[?] modo proposito Principi permittatur ærario principali tantum utilitatis accrescere potest, ut exactionib. in solitis, et extraordinarijs collationibus prouinciales atterere grauare et exenterare necesse non sit.

Ebenso, dass die Adern der Salinen reich seien, aus deren Ertrag, wenn dem Fürsten die Nutzung und der Bau[?] in der vorgeschlagenen Weise gestattet wird, der fürstlichen Kammer so viel Nutzen zuwachsen kann, dass es nicht nötig sei, die Landeskinder mit ungewohnten Abgaben und außerordentlichen Steuern zu zermürben, zu beschweren und auszuweiden.

6

Iam Videamus an huiusmodi causæ tanti momenti sint, ut ad tellendum4 priuilegium quod cum subdito transit in contractum iustæ et sufficientes de iure dici possunt.

Nun wollen wir sehen, ob derartige Gründe von solchem Gewicht sind, dass sie zur Aufhebung eines Privilegs, das mit einem Untertanen in einen Vertrag übergegangen ist, von Rechts wegen gerecht und hinreichend genannt werden können.

7

Et iam dudum in tertia qstione5, in solutione prioris obiectionis admonuimus. (: id quod repetere non pigebit, quoniam securim apponit ad radicem huius consultationis :) huiusmodi causam talem esse oportere, ut siue noua [gestrichen: unleserlich] siue antiqua fuerit,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Und wir haben schon längst in der dritten Frage, bei der Auflösung des ersten Einwands, darauf hingewiesen (was zu wiederholen nicht verdrießen wird, weil es die Axt an die Wurzel dieses Gutachtens legt), dass ein derartiger Grund so beschaffen sein muss, dass, sei er neu [gestrichen: unleserlich] oder alt gewesen,

Unsichere Lesungen

  1. 53. — Zahl mit Ueberstrich nach liquet; Funktion unklar (Verweisziffer?)
  2. hacten9 — hactenus mit us-Haken abgekuerzt
  3. ædifico — Wortbild ædifico, dem Sinn nach wohl ædificio (modo proposito)
  4. tellendum — Wortbild tellendum, dem Sinn nach wohl tollendum
  5. qstione — q mit Kuerzungsstrich = quæstione

S. 247

Bl. 121rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Ander Buch.

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteEt iam dudum in tertia qstione, in solutione prioris obiectionis admonuimus. (: id quod repetere non pigebit, quoniam securim apponit ad radicem huius consultationis :) huiusmodi causam talem esse oportere, ut siue noua [gestrichen: unleserlich] siue antiqua fuerit,

Und wir haben schon längst in der dritten Frage, bei der Auflösung des ersten Einwands, darauf hingewiesen (was zu wiederholen nicht verdrießen wird, weil es die Axt an die Wurzel dieses Gutachtens legt), dass ein derartiger Grund so beschaffen sein muss, dass, sei er neu [gestrichen: unleserlich] oder alt gewesen,

2

eam princeps concessi priuilegij tempore penitus ignorauerit, quæ nunc sit nouiter detecta atq; talis, quam si princeps tempore concessionis sciuisset, Verisimile non fuisset concessurus, ut est doctrina Bar. in d. l. ambitiosa col. 3. ff. d. decre. ab ordi. faciend. et Dni Abb.

der Fürst ihn zur Zeit der Gewährung des Privilegs gänzlich nicht gekannt hat, dass er jetzt neu entdeckt und so beschaffen ist, dass der Fürst, hätte er ihn zur Zeit der Gewährung gekannt, wahrscheinlich nicht gewährt hätte, wie es die Lehre des Bartolus in d. l. ambitiosa col. 3. ff. de decre. ab ordi. faciend. und des Herrn Abbas

3

Panor. in d. c. studuisti extra de offic. lega.

Panormitanus in d. c. studuisti extra de offic. lega. ist.

4

Sed qs sane mentis dubitare potest, quod Henricus Landgrauius Hassiæ ante ducentos et amplius annos, suiq; successores Venarum ubertatem huius fontis Salinarum nescierint, cum manifestissime in literis suis profiteantur, se Voluisse plures ædificare domiculas & caldaria ponere?

Aber wer, der bei gesundem Verstand ist, kann daran zweifeln, dass Landgraf Heinrich von Hessen vor zweihundert und mehr Jahren und seine Nachfolger den Reichtum der Adern dieses Salzbrunnens gekannt haben, da sie in ihren Briefen aufs Offenkundigste bekennen, dass sie mehr Koten hätten bauen und Pfannen setzen wollen?

5

An non tum quidem hominum frequentia fuit, uel facile futuram (: modo casus mortalitatis et morborum popularium, qui quotidie expectandus :) princeps suspiciari poterat?

Gab es nicht auch damals eine Menge von Menschen, oder konnte der Fürst nicht leicht vermuten, dass sie kommen werde (außer im Fall eines Sterbens und von Volksseuchen, der täglich zu erwarten ist)?

6

Quid? quod et eo tempore quidem, defectus salis ex causa aliqua acncidenti, puta, uel aquarum mundatione3, aeris in tempe alioue casu contingere poterat?

Was? Konnte nicht auch zu jener Zeit ein Mangel an Salz aus irgendeinem zufälligen Grund, etwa durch Überschwemmung der Gewässer, Unbill der Witterung oder einen anderen Zufall eintreten?

7

Porro quod princeps ærarium suum locupletari studet, cum aliena iactura, à liberali et Christiano principe abesse debet quam longissime.

Ferner: Dass der Fürst seine Kammer zu bereichern trachtet, und zwar mit fremdem Schaden, muss einem freigebigen und christlichen Fürsten so fern wie nur möglich liegen.

8

Nam auaritia quæ est Idolorum Seruitus, ut inquit Apostol94, cum in Christianis omnibus tum Vero in principe, atq; eo quidem principe,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Denn der Geiz, der Götzendienst ist, wie der Apostel sagt, ist bei allen Christen, besonders aber bei einem Fürsten, und zwar bei einem solchen Fürsten,

Unsichere Lesungen

  1. noua [gestrichen] — nach noua kleine gestrichene Buchstaben, unleserlich); ff. d. decre. ab ordi. faciend. (d mit Kuerzungsstrich (de); Zitat ff. de decre(tis) ab ordi(ne) faciend(is)); Sed qs (qs mit Kuerzungsstrich = quis (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  2. acn= — Zeilenuebergang; Wortbild acn=cidenti, gemeint accidenti (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)
  3. mundatione — Wortbild mundatione, dem Sinn nach wohl inundatione); in tempe (abgekuerzt, wohl intemperie (aeris intemperie aliove casu)
  4. Apostol9 — Apostolus mit us-Haken abgekuerzt

S. 248

Bl. 121vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch.

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteNam auaritia quæ est Idolorum Seruitus, ut inquit Apostol9, cum in Christianis omnibus tum Vero in principe, atq; eo quidem principe,

Denn der Geiz, der Götzendienst ist, wie der Apostel sagt, ist bei allen Christen, besonders aber bei einem Fürsten, und zwar bei einem solchen Fürsten,

2

qui et Euangelicus esse et appellari gaudet summopere est detestanda, quod s31[?] radix et mater sit omnium Vitiorum tex. in Auth. ut Judi. sine quoquo suffra. in prim.

der sich freut, evangelisch zu sein und genannt zu werden, aufs Höchste zu verabscheuen, weil er nämlich[?] die Wurzel und Mutter aller Laster ist, tex. in Auth. ut Judi. sine quoquo suffra. in prim.

3

Versic.

Versic.

4

Administrationes namq; c. auaritiæ extra de pbend. c. auaritiæ de elect. tb.[?] VI. & c. sicut 47. distinc. ubi tex. elegantiss.

Administrationes namque, c. auaritiæ extra de præbend., c. auaritiæ de elect. tb.[?] VI. und c. sicut 47. distinc., wo ein sehr treffender Text steht.

5

Ex his igr oibus[?] clarissime opinor, constat causas allegatas ad reuocandum priuilegia per contractum subditis concessa neq; iustas neq; sufficientes esse.

Aus all[?] diesem steht also, wie ich meine, aufs Klarste fest, dass die angeführten Gründe zum Widerruf der den Untertanen durch Vertrag gewährten Privilegien weder gerecht noch hinreichend sind.

6

Quanquam aut2 ad allegata in contrarium ex his responsio colligi posset particulatim tamen et breuiter respondebimus.

Obwohl aber die Antwort auf das zum Gegenteil Angeführte hieraus entnommen werden könnte, wollen wir dennoch im Einzelnen und kurz antworten.

7

Et primo, quod auctis Ecclæ3 redditibus numerus præbendarum augeri debeat, concedimus, dum modo eorum de quorum præiudicio agatur, accedat consensus alioqui Vel solo Episcopo uel Solis Canonicis ea facultas non permittitur, ut clare deciditur in Juribus allegatis.

Und erstens: Dass bei vermehrten Einkünften der Kirche die Zahl der Pfründen vermehrt werden muss, gestehen wir zu, sofern nur die Zustimmung derer hinzukommt, um deren Nachteil es geht; andernfalls ist weder dem Bischof allein noch den Kanonikern allein diese Befugnis gestattet, wie in den angeführten Rechtsstellen klar entschieden wird.

8

Porro ad secundam obiectionem dico & fateor, quod facile concedendum sit, quod mihi non nocet et alteri prodest, si pcedat4 contractus uel obligatio, de cuius natura est ut faciam; Cæterum ubi non pcedit contractus et obligatio,Läuft auf der nächsten Seite weiter

Ferner sage und gestehe ich zum zweiten Einwand, dass leicht zu gewähren ist, was mir nicht schadet und einem anderen nützt, wenn ein Vertrag oder eine Verpflichtung vorausgeht, aus deren Natur folgt, dass ich es tue; wo aber kein Vertrag und keine Verpflichtung vorausgeht

Unsichere Lesungen

  1. s3 — Kuerzel s mit 3-Schlinge, wohl scilicet); de pbend. (p mit Kuerzungsstrich = de præbend(is)); tb. VI. (Kuerzel wohl lib. VI (Liber Sextus)); igr oibus (stark gekuerzt, wohl igitur omnibus (Ex his igitur omnibus)
  2. aut — mit Kuerzungsstrich, wohl autem
  3. Ecclæ — abgekuerzt fuer Ecclesiæ
  4. pcedat — p mit Kuerzungsstrich, wohl præcedat

S. 249

Bl. 122rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch.

1

Fortsetzung von der vorigen SeitePorro ad secundam obiectionem dico & fateor, quod facile concedendum sit, quod mihi non nocet et alteri prodest, si pcedat contractus uel obligatio, de cuius natura est ut faciam; Cæterum ubi non pcedit1 contractus et obligatio,

Ferner sage und gestehe ich zum zweiten Einwand, dass leicht zu gewähren ist, was mir nicht schadet und einem anderen nützt, wenn ein Vertrag oder eine Verpflichtung vorausgeht, aus deren Natur folgt, dass ich es tue; wo aber kein Vertrag und keine Verpflichtung vorausgeht

2

et aliquis petit à me illud quod mihi non nocet et sibi prodest ad consequendum commodum uel lucrum, ego non teneor concedere inVitus. ita hanc regulam declarat Bar. in l. 2. ff. solu. matr.

und jemand von mir das verlangt, was mir nicht schadet und ihm nützt, um einen Vorteil oder Gewinn zu erlangen, bin ich nicht gehalten, es wider Willen zu gewähren; so erklärt Bartolus diese Regel in l. 2. ff. solu. matr.

3

Cum autem fons Salinarum sit priuatorum ut in primaquæstione conclusimus, neq; fieri possit ea concessio sine sodalium et totius Salinarum Collegij maximo incommodo, quæ quidem incommoda multifariam, multisq; modis contingere possunt, reliquum est hanc regulam in casu nostro locum sortiri non posse.

Da aber der Salzbrunnen Privatleuten gehört, wie wir in der ersten Frage geschlossen haben, und diese Gewährung nicht ohne größten Nachteil der Genossen und des ganzen Kollegiums der Salinen geschehen kann – welche Nachteile vielfältig und auf viele Weisen eintreten können –, so bleibt übrig, dass diese Regel in unserem Fall keinen Platz finden kann.

4

Cum .n. in re priuata de lucro captando agatur, minuaturq; ius Dominorum eorum auctoritas requiritur. facit ad hoc l. in concedendo et quæ ibi no2 ff. de aqua pluo. arcend.

Denn da es bei einer privaten Sache um die Erlangung von Gewinn geht und das Recht der Eigentümer gemindert wird, ist deren Ermächtigung erforderlich; hierzu dient l. in concedendo und was dort angemerkt wird, ff. de aqua pluo. arcend.

5

Summopere .n. timendum foret, ne societatis ius minueretur, si in societatem admitterent Hessiacum Leonem Salinarum sodales.

Denn es wäre aufs Höchste zu befürchten, dass das Recht der Gesellschaft gemindert würde, wenn die Genossen der Salinen den hessischen Löwen in die Gesellschaft aufnähmen.

6

Ad tertium Argumentum supra in secunda quæstione respondimus, quare nulla opus est repetitione.

Auf das dritte Argument haben wir oben in der zweiten Frage geantwortet, weshalb keine Wiederholung nötig ist.

7

Ad quartum, quod secundum Varietatem temporum statuta sint mutanda, concedimus, modo ius qsitum3 non lædatur, ac noua causa et inconsiderata tempore conditæ legis uel statuti emergat, ut inquit Bar. in d.l. ambitiosa.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Zum vierten, dass die Statuten nach dem Wechsel der Zeiten zu ändern seien, gestehen wir zu, sofern nur ein erworbenes Recht (ius quæsitum) nicht verletzt wird und ein neuer, zur Zeit des Erlasses des Gesetzes oder Statuts nicht bedachter Grund auftaucht, wie Bartolus in d. l. ambitiosa sagt.

Unsichere Lesungen

  1. pcedit — p mit Kuerzungsstrich, aufzuloesen als praecedit
  2. no — mit Kuerzungsstrich, aufzuloesen als notatur/notantur
  3. qsitum — q mit Kuerzungszeichen, aufzuloesen als quaesitum

S. 250

Bl. 122vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteAd quartum, quod secundum Varietatem temporum statuta sint mutanda, concedimus, modo ius qsitum non lædatur, ac noua causa et inconsiderata tempore conditæ legis uel statuti emergat, ut inquit Bar. in d.l. ambitiosa.

Zum vierten, dass die Statuten nach dem Wechsel der Zeiten zu ändern seien, gestehen wir zu, sofern nur ein erworbenes Recht (ius quæsitum) nicht verletzt wird und ein neuer, zur Zeit des Erlasses des Gesetzes oder Statuts nicht bedachter Grund auftaucht, wie Bartolus in d. l. ambitiosa sagt.

2

Quoniam autem hominum frequentia et tempore concessi priuilegij considerari Verisimiliter poterat, neq; talis est, quæ si fuisset tunc considerata, à concedendo principem retraxisset.

Da aber die Menge der Menschen auch zur Zeit der Gewährung des Privilegs wahrscheinlich bedacht werden konnte und sie nicht so beschaffen ist, dass sie, wäre sie damals bedacht worden, den Fürsten von der Gewährung abgehalten hätte.

3

Adde quod hominum frequentia impedimento non est, quo minus per dictum collegium tantum Salis coqui et confici possit, ut toti ditioni Hessiacæ sufficiat, modo accedat industria et diligentia presidum Vicos et oppida regentium, s31 ut debito tempore colligatur et in usus necessarios reseruetur.

Füge hinzu, dass die Menge der Menschen kein Hindernis ist, dass durch das genannte Kollegium so viel Salz gesotten und hergestellt werden kann, dass es für die ganze hessische Herrschaft ausreicht, sofern nur der Fleiß und die Sorgfalt der Vorsteher, die die Dörfer und Städte regieren, hinzukommt, nämlich dass es zu gebührender Zeit gesammelt und für die notwendigen Bedürfnisse aufbewahrt wird.

4

Quapropter cum huic incommodo facile mederi possit principis et prouincialium industria sub eo prætextu, nemo in suo Jure ledendus est, sed ius suum uni cuiq; conseruandum.

Da deshalb diesem Übel durch den Fleiß des Fürsten und der Landeskinder leicht abgeholfen werden kann, darf unter diesem Vorwand niemand in seinem Recht verletzt werden, sondern jedem ist sein Recht zu bewahren.

5

Quid hic superest, nisi prolixum sermonem breui claudamus Epilogo?

Was bleibt hier noch übrig, als dass wir die weitläufige Rede mit einem kurzen Schlusswort beschließen?

6

Sic igitur habeto, in hac specie neq; iustam neq; honestam neq; utilem neq; necessariam Hessorum principis esse intentionem.

So halte es also: In diesem Fall ist die Absicht des Fürsten der Hessen weder gerecht noch ehrenhaft noch nützlich noch notwendig.

7

Ita mihi Conrado Scipioni Corbachio inter utriusq; iuris Licentiatos minimo in hac specie de iure respondendum Videtur, saluo cuiuscunq; de iure melius sentientis Judicio C.Läuft auf der nächsten Seite weiter

So scheint mir, Conrad Scipio Corbach, dem geringsten unter den Lizentiaten beider Rechte, in diesem Fall von Rechts wegen zu antworten zu sein, unbeschadet des Urteils eines jeden, der über das Recht Besseres denkt. C.

Unsichere Lesungen

  1. s3 — Kuerzel Schaft-s mit 3-foermigem Haken, aufzuloesen als sed

S. 251

Bl. 123rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteIta mihi Conrado Scipioni Corbachio inter utriusq; iuris Licentiatos minimo in hac specie de iure respondendum Videtur, saluo cuiuscunq; de iure melius sentientis Judicio C.

So scheint mir, Conrad Scipio Corbach, dem geringsten unter den Lizentiaten beider Rechte, in diesem Fall von Rechts wegen zu antworten zu sein, unbeschadet des Urteils eines jeden, der über das Recht Besseres denkt. C.

2

Scipio Scæuola der Vortreffliche vnnd berümbte Jurisconsultus vnnderweiset vnns in l. quidam referunt §. 1. ibi, ut non ante iuris ratio quam persona quæratur ff.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Scipio Scaevola, der vortreffliche und berühmte Rechtsgelehrte, unterweist uns in l. quidam referunt §. 1., dort: dass nicht eher der Rechtsgrund als die Person zu erforschen sei (ut non ante iuris ratio quam persona quæratur), ff.

Unsichere Lesungen

  1. C. Scipio — In die Paraphe sind weitere Zuege eingeflochten (etwa sst / scripsit?), nicht sicher aufloesbar (Stelle im Wortlaut nicht eindeutig zuzuordnen)

S. 252

Bl. 123vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteScipio Scæuola der Vortreffliche vnnd berümbte Jurisconsultus vnnderweiset vnns in l. quidam referunt §. 1. ibi, ut non ante iuris ratio quam persona quæratur ff.Läuft auf der nächsten Seite weiter

Scipio Scaevola, der vortreffliche und berühmte Rechtsgelehrte, unterweist uns in l. quidam referunt §. 1., dort: dass nicht eher der Rechtsgrund als die Person zu erforschen sei (ut non ante iuris ratio quam persona quæratur), ff.

S. 253

Bl. 124rBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteScipio Scæuola der Vortreffliche vnnd berümbte Jurisconsultus vnnderweiset vnns in l. quidam referunt §. 1. ibi, ut non ante iuris ratio quam persona quæratur ff.

Scipio Scaevola, der vortreffliche und berühmte Rechtsgelehrte, unterweist uns in l. quidam referunt §. 1., dort: dass nicht eher der Rechtsgrund als die Person zu erforschen sei (ut non ante iuris ratio quam persona quæratur), ff.

2

De iure codicill:

De iure codicill.:

3

Das wir am ersten nichtt das recht, vnnd sein Vhrsach, sonnderm1 die Personen, die thätliche Hanndtlung vnnd ware geschicht, der anstehendenn sachenn, vnnd also ipsum factum suchenn, vnnd erfragenn sollenn.

dass wir zuerst nicht das Recht und seinen Grund, sondern die Personen, die tatsächliche Handlung und den wahren Hergang der anstehenden Sache, und also den Sachverhalt selbst (ipsum factum), suchen und erfragen sollen.

4

Wann aus denselbigenn geschichttenn das rechtt erwechst vnnd enndtspringt, text. est in L. si ex plagis §. in cliuo, ibi Respondeo in causa (.i.2 in facto ut in terpretatur glossa .) ius esse positum ff. ad leg. aquil. text. in L. obligamur §. ex facto ff. de actionibus et obligat. ibi, in facto Summa quæstionis consistit, text, in L. duobus reis §. si ei qui debitorem, ibi, distinguendum est in facto, s33 ff. de iureiuran: text. in c. penul. extra de Ecclesijs ædificand. ibi,

Denn aus ebendiesem Hergang erwächst und entspringt das Recht; text. est in L. si ex plagis §. in cliuo, dort: „Ich antworte, dass das Recht in der Sache (d. h. im Sachverhalt, wie die Glosse auslegt) begründet ist“ (Respondeo in causa ius esse positum), ff. ad leg. aquil.; text. in L. obligamur §. ex facto ff. de actionibus et obligat., dort: „Im Sachverhalt besteht die Hauptfrage“ (in facto Summa quæstionis consistit); text. in L. duobus reis §. si ei qui debitorem, dort: „Es ist im Sachverhalt zu unterscheiden“ (distinguendum est in facto), nämlich ff. de iureiuran.; text. in c. penul. extra de Ecclesijs ædificand., dort:

5

tibi de iure non possumus deferre priuilegium, cum nulli canonici adhuc ibidem existant, Vnnd wann dann aus kleÿner4 verkerung vnnd annderunge der Geschichte, das ganntze recht wanndelt, vnnd auf ein anndere bahne, vnnd in ein wege gezogenn wirdt,

„Wir können dir von Rechts wegen kein Privileg verleihen, da dort bislang keine Kanoniker vorhanden sind“ (tibi de iure non possumus deferre priuilegium, cum nulli canonici adhuc ibidem existant); und da sich dann durch eine geringe Verkehrung und Änderung des Hergangs das ganze Recht wandelt und auf eine andere Bahn und in einen anderen Weg gezogen wird,

6

L. si in emptione §. item si emptor, in fin: ibi, mensura uero non eo proficit, text in L. cum ab eo, ibi, Videamus quid inter ementem et Vendentem actum sit ff. de contrahend. empt.Läuft auf der nächsten Seite weiter

L. si in emptione §. item si emptor, in fin., dort: „Das Maß aber nützt dazu nicht“ (mensura uero non eo proficit); text. in L. cum ab eo, dort: „Lasst uns sehen, was zwischen Käufer und Verkäufer verhandelt worden ist“ (Videamus quid inter ementem et Vendentem actum sit), ff. de contrahend. empt.

Unsichere Lesungen

  1. sonnderm — Endbuchstabe m/n nicht sicher zu unterscheiden, evtl. sonndern
  2. (.i. — Kuerzel in der Klammer, wohl .i. = id est
  3. s3 — Kuerzel Schaft-s mit 3-foermigem Haken, aufzuloesen als sed
  4. kleÿner — Querstrich durch die Oberlaengen k/l, wohl Zierstrich, keine Tilgung); in ein wege (Minimfolge nach vnnd schwer trennbar, evtl. in einwege / in ein wege

S. 254

Bl. 124vBd. 12. Buch · Die RechtsgutachtenFaksimile (ORKA)

Das Annder Buch

1

Fortsetzung von der vorigen SeiteL. si in emptione §. item si emptor, in fin: ibi, mensura uero non eo proficit, text in L. cum ab eo, ibi, Videamus quid inter ementem et Vendentem actum sit ff. de contrahend. empt.

L. si in emptione §. item si emptor, in fin., dort: „Das Maß aber nützt dazu nicht“ (mensura uero non eo proficit); text. in L. cum ab eo, dort: „Lasst uns sehen, was zwischen Käufer und Verkäufer verhandelt worden ist“ (Videamus quid inter ementem et Vendentem actum sit), ff. de contrahend. empt.

2

Vnnd das mehr zubewegenn, werdenn auch die Hochverstenndigenn vnnd gelarttenn, aus vnuerstanndt der Geschicht, vnnd thatlichenn Hanndtlung offt mahls Irre gefuhrt, tex: est in L. ij ibi facti autem interprætatio C. x.1

Und was noch mehr zu bedenken ist: Auch die Hochverständigen und Gelehrten werden aus Unkenntnis des Hergangs und der tatsächlichen Handlung oftmals irregeführt; tex. est in L. ij, dort: „Die Auslegung des Sachverhalts aber“ (facti autem interprætatio) C. x.

3

Scientia ut ibi dicit glossa :) plerunq; etiam prudentissimos fallit, ff. de iur et fact. ignorant.

„(die Kenntnis, wie dort die Glosse sagt) täuscht meistens auch die Klügsten“ (plerunque etiam prudentissimos fallit), ff. de iur. et fact. ignorant.

4

Vnnd darumb, damit solches alhier auch nicht verfalle, So habe Ich vor nottwenndig geachttet, diesen hanndell nicht wortlichenn vnnd nach der lennge, sonnderm2 da es nott, vnnd diesem gesuchttem Rathschlage diennstlich, zuerzehlenn,

Und darum, damit solches auch hier nicht geschehe, habe ich es für notwendig erachtet, diesen Handel nicht wörtlich und nach der Länge, sondern da, wo es nötig und diesem erbetenen Ratschlag dienlich ist, zu erzählen,

5

zimeliche3 fragenn daraus zuziehenn, vnnd darauff souiel mir die rechtte zufallenn, vnnd in dieser hefftiger eÿle vnd vngelegener zeit beschehenn kann, zuantworttenn, wie Ich den Hanndell ann Ihm selbst, vnnd in warheit befinde.

ziemliche Fragen daraus zu ziehen und darauf, soweit mir die Rechte zufallen und es in dieser heftigen Eile und ungelegenen Zeit geschehen kann, zu antworten, wie ich den Handel an sich selbst und in Wahrheit befinde.

6

Est enim Veritas omnibus præferenda et super omnia amanda.

Denn die Wahrheit ist allem vorzuziehen und über alles zu lieben (Est enim Veritas omnibus præferenda et super omnia amanda).

7

L. cum ita Legatum sit, ibi, Si uerum amamus, ff. de condi: et demonstr. text. est in L. unic. ibi nos qui Veritatem colimus.Läuft auf der nächsten Seite weiter

L. cum ita Legatum sit, dort: „Wenn wir das Wahre lieben“ (Si uerum amamus), ff. de condi. et demonstr.; text. est in L. unic., dort: „Wir, die wir die Wahrheit pflegen“ (nos qui Veritatem colimus).

Unsichere Lesungen

  1. C. x. — Zeichen nach C. nicht sicher, x-artiger Zug, evtl. Ziffer 2 oder 1
  2. sonnderm — Endbuchstabe m/n nicht sicher zu unterscheiden
  3. zimeliche — Wortbild mit u-Bogen, evtl. ziemliche/zimbliche

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